Gizela Kocsiss als junge Frau in Wien

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Das ist meine Mutter als junge Frau in Wien. Meine Mutter war gerade zwölf Jahre, als die Familie aus Galizien floh. Da der Großvater bei der Bahn arbeitete, bekam er einen Waggon, und die Familie konnte den Hausrat mitnehmen. Die Familie war religiös, sie hielten die hohen Feiertage, gingen in den Tempel, aber meine Mutter erzählte auch, dass mein Vater und ihre Brüder zu Hause beteten und Kerzen gezündet wurden. Meine Mutter besuchte in Wien zuerst die Bürgerschule und dann die Handelsschule. Sie war sehr fleißig, und die Lehrer waren nett zu ihr. Ein Lehrer schrieb einmal in ihr Heft, sie wäre die beste Tänzerin der Klasse 2 e. Er war der Besitzer der Handelsschule Alina und unterrichtete die Jugendlichen auch. Aber ein Professor sagte einmal zu meiner Mutter: ?Schade, dass du eine Jüdin bist.? Sie antwortete: ?Für mich ist das sehr schön, ich freue mich, dass ich Jüdin bin.?

Angaben

Interviewee

Gizella E. Kocsiss