Rosa Rosenstein mit Freundinnen in Bad Buckow

Rosa Rosenstein mit Freundinnen in Bad Buckow

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Das ist ein Foto von mir mit Freundinnen auf einem Ausflug in Bad Buckow. Das Bild wurde 1927 aufgenommen. Bei meiner Hochzeit, etwa eineinhalb Jahre später, haben diese zwei kleinen Mädchen auf dem Foto, Töchter von meiner Freundin, Blumen gestreut. Alle meine Geschwister waren in jüdischen Vereinen mit zionistischem Einschlag. Es gab ja deutsche Juden, die gesagt haben: ,Um Gottes willen, was haben wir dort zu suchen, Deutschland ist unsere Heimat'. Aber das war es nicht für uns, wir waren ja Polen. Ich war im jüdischen Turnverein ,Bar Kochba'. Das war ein jüdischer Verein, halb Sport, halb Unterhaltung. Im Sommer haben wir im Grunewald trainiert, Leichtathletik gemacht, und im Winter waren wir in der Turnhalle. Ich habe mich nicht getraut, auf die Stangen zu klettern oder auf dem Barren zu balancieren, aber andere Spiele, Völkerball und Medizinball, haben mir Spaß gemacht. Durch die jüdischen Vereine habe ich Freunde gehabt, auch Burschen. Wir sind zum Beispiel Pfingsten ins Grüne rausgefahren. Da gab es eine Eisenbahn bis Frankfurt an der Oder, das war dritter oder vierter Klasse, da konnte man auf dem Boden auf dem Rucksack sitzen, und eine Decke hatte man zum Liegen. Wir sind in der Nacht gefahren, das war aufregend. An einem See haben wir dann geschlafen, Burschen und Mädchen. Einige Nächte haben wir in Heuhaufen bei Bauern geschlafen. Ich hatte Martha, eine gute Freundin, die immer neben mir war. Berlin hat doch wunderschöne Seen. Tretboot fahren zum Beispiel, das war immer Mittwochs, und gepaddelt sind wir auch. Ich konnte nicht schwimmen, aber wir sind gerudert. Ich habe drei Mal angefangen das Schwimmen zu lernen; beim dritten Mal habe ich es aufgegeben. Das erste Mal, als ich versucht habe, schwimmen zu lernen, da hat mich der Schwimmlehrer an der Angel gehabt, und ich musste die Bewegungen machen. Und das zweite Mal habe ich ein Brett bekommen und musste das Brett vor mich herschieben. Zum Schluss hat der Lehrer gesagt: ,Jetzt ganz ohne Brett'. Das habe ich nicht gemacht. Ich war feige. Ich habe Angst gehabt, ich gebe es zu. So ist das Leben.
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Interviewee

Rosa Rosenstein