Hochzeitfoto von Rosa Rosenstein und Maximilian Weisz

Hochzeitfoto von Rosa Rosenstein und Maximilian Weisz

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Das ist das Hochzeitsfoto von mir und meinem ersten Mann, Maximilian Weisz. Es wurde 1929 in Berlin aufgenommen. Mein erster Mann war auch ein Schneider, ein Ungar vor allen Dingen. Ein fescher, junger Bursche war er. Ich habe bei meinem Vater gearbeitet, und das war in einem Fabrikgebäude mit großen Fenstern. Mein Schreibtisch stand am Fenster. Und gegenüber war auch ein Betrieb, eine Herrenkonfektion. Da saß an der Nähmaschine immer ein gut aussehender, junger Mann. Wir haben oft so hin gelächelt, her gelächelt. Ich wusste nicht, wer er ist und, er wusste nicht, wer ich bin. Mit einem Mal kommt ein Mann rauf - früher sind die Händler von Geschäft zu Geschäft gegangen - und bringt mir eine Kiste, ein Kilo Konfekt: ,Der junge Mann von drüben schickt Ihnen das'. So fing es an. Und ich nahm das natürlich an und bedankte mich. Einmal bin ich früher nach Hause gegangen. Ich war in dem Geschäft Neue Friedrichstrasse, Ecke Klosterstrasse, dann ging ich über den Hackischen Markt in die Rosenthalerstrasse in ein großes Buchgeschäft. Ich habe mir die Bücher angesehen. Ich habe Bücher gekauft, ich habe Bücher geborgt, ich habe gelesen in Verleihen ? nur Bücher. Also, ich stand da und habe geschaut, und hinter mir höre ich plötzlich eine Stimme langsam reden: ,Ist das schööön?' Ich drehe mich um, und da stand er. Er hatte auch den selben Weg wie ich, er wohnte bei seiner Schwester. Er hat gefragt, ob er mich begleiten darf, er ginge denselben Weg. Habe ich gesagt: ,Bitte schön'. Dabei hat sich herausgestellt, dass er der Neffe von dem Inhaber ist, bei dem er gearbeitet hat, und dass ich die Tochter von dem Inhaber von gegenüber bin. Er hat geglaubt, ich sei eine Angestellte, und ich habe auch geglaubt, er sei nur ein Arbeiter. Er hieß Maximilian Weisz, und wir nannten ihn Michi. Er wurde am 30. November 1904 in Nitra geboren. So hat es begonnen. Vor der Trauung sind wir erst einmal zum Photographen gefahren. Der war am Anfang der Schönhauser Allee. Der Photograph war ein gebürtiger Russe, hieß Pergamentschik und war einer der besten Photographen. Dann kam Hitler, und Pergamentschik ist nach Palästina gegangen und hatte dann dort ein Atelier. Der Oranienburger Tempel war der schönste Tempel überhaupt in Berlin, und man sagte sogar in ganz Europa. Es waren Leute geladen nur für die Trauung und Leute zum anschließenden Essen im Restaurant. Zwei Ehepaare müssen die Braut unter die Chuppah führen, die nennt man die Unterführer. Und bei uns waren das meine Eltern von meiner Seite, und von seiner Seite seine Schwester und sein Schwager, die auch in Berlin gelebt haben.
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Interviewee

Rosa Rosenstein