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Erna Goldmann

Goldmann Erna
Tel Aviv
Israel
Datum des Interviews: August 2010
Name des Interviewers: Tanja Eckstein

Im August 2010 landete ich mit der EL Al nach zehn Jahren wieder am Flughafen in Tel Aviv. Der Flughafen ist inzwischen neu, trotzdem ist mir nichts fremd. Im Gegenteil, Tel Aviv ist vertraut wie nie zuvor.

So mache ich mich am nächsten Tag, es ist August und sehr heiß, auf den Weg nach Ramat Chen, einem Wohngebiet mit überwiegend privaten Häusern und Villen. Dank seiner ausgezeichneten Lage - direkt neben dem Nationalpark und der Autobahn Nr. 4, ist Ramat Chen ein sehr beliebter und teurer Ort zum Leben.

In der Aluv David Street 185 befindet sich das deutsche Altersheim, in dem Erna Goldmann seit vielen Jahren lebt. Sie hat eine schöne kleine Wohnung im Erdgeschoß mit Blick auf einen herrlichen Garten mit Bäumen, Sträuchern und großen Kakteen.

Ich hatte mit Frau Goldmann von Wien aus oft telefoniert und sie erwartete mich und freute sich auf unser Gespräch. Die 92 Jahre sah man ihr nicht an, und sie wäre auch, was die Aussprache und Intonation betraf, als Deutsche ohne Weiteres durchgegangen.

Nur ab und an benutzte sie zwischendurch ein hebräisches Wort wie ‚nachon?' [hebr. bedeutet: richtig?]. Am Telefon hatten wir sehr vertraut miteinander gesprochen und viel gelacht, aber an viele Geschehnisse in ihrem Leben konnte oder wollte sich Frau Goldmann nicht mehr erinnern.

Meine Familiengeschichte

Meine Großmutter mütterlicherseits habe ich nicht gekannt. Sie hieß Eva [jüd. Chava] Rapp. Als ich geboren wurde, war sie schon gestorben. Mein jüdischer Name ist auch Chava, nach meiner Großmutter.

Mein Großvater mütterlicherseits hieß Michael Rapp. Wir haben in Frankfurt zusammen im selben Haus gewohnt, in der Eschenheimer Anlage 30. Die Eschenheimer Anlage war eine Anlage, da standen rechts und links Häuser, und die Strasse hieß Eschenheimer Anlage.

Sie begann am Eschenheimer Turm, der ein Wahrzeichen und das älteste Bauwerk der Stadt Frankfurt ist. Das Haus, in dem wir alle wohnten, gehörte meinem Großvater. Es hatte drei Stockwerke. Im unteren Stock wohnte eine Arztfamilie, der Großvater wohnte in der Mitteletage, und wir wohnten über ihm im zweiten Stock. Es gab auch Dachwohnungen, die waren für das Dienstpersonal.

Mein Großvater war ein großer stattlicher Mann. Er soll ein sehr bekannter Mann in Frankfurt gewesen sein. Man sagte mir, er hätte einen Kaffeeimport gehabt. Bis zur Inflation im Jahre 1923 war er sehr wohlhabend. Dann hat er viel Geld verloren, aber wenn ich so zurück denke, hat er trotzdem ganz gut gelebt. Er hatte eine Köchin und Haushälterinnen in seiner Siebenzimmerwohnung.

Als ich ihn kannte, hat er gar nichts gemacht. Er saß zu Hause an seinem Schreibtisch und hat jeden Morgen die Zeitung gelesen und Briefe geschrieben. Das ist das Einzige, woran ich mich erinnern kann.

Mein Großvater war religiös. Er hat koscher 1 gegessen und ist am Schabbat 2 nicht gefahren. Er hat alle Feiertage gehalten und ist regelmäßig in die Synagoge gegangen. Mein Vater und mein Großvater sind immer zusammen in die Synagoge gegangen.

Aber mein Großvater hat auch für sein nichtjüdisches Personal zu Weihnachten einen Weihnachtsbaum gekauft, Geschenke dran gehängt und die Kerzen angezündet. Daran kann ich mich erinnern, das habe ich gesehen. Ich war ja ein Kind, und so was sieht immer schön aus. Aber ansonsten hatten wir mit christlichen Festen nichts zu tun.


Mein Großvater hatte kein schönes Ende. Er ist nicht mehr aus Deutschland raus gekommen. Meine Brüder, meine Mutter und ich waren bereits weg. Er musste sein Haus verlassen und wohnte dann in einem jüdischen Hotel. Als das Hotel arisiert wurde und der Besitzer deportiert wurde, wurde er von einer christlichen Familie in Frankfurt versteckt. Ich weiß nicht, wann er gestorben ist, aber ich weiß, er war in keinem KZ. Aber er war allein, ohne seine Familie.

Die Großeltern hatten vier Kinder. Meine Mutter Rosa, man hat sie immer Rosi gerufen, und drei Söhne. Alle Kinder wurden in Frankfurt geboren. Julius Jonas Rapp wurde 1879 geboren, Ernst Juda Wilhelm 1880 und Daniel Michael 1882. Daniel Michael wurde nur zwei Jahre alt.

Meine Mutter Rosa wurde am 28. April 1885 geboren.

Ernst ist 1918, nach dem Ersten Weltkrieg, an der Spanischen Grippe gestorben. Das war damals eine Epidemie. Den Ernst kannte ich natürlich nicht. Ich besitze eine Tefila [eigentlich bedeutet das Wort Tefila Gebet, aber in diesem Falle ist es das Familienstammbuch], die mein Großvater meiner Mutter 1937 gegeben hat, als sie nach Palästina flüchtete. Da steht alles drin.

Ich kannte also nur den Onkel Julius. Er war Börsianer und sehr wohlhabend. Er hat in Berlin gelebt, im Stadtbezirk Wilmersdorf, in der Paulsborner Strasse 83a. Er war zweimal verheiratet, seine zweite Fau hieß Anna Benon. Sie hatten einen Sohn Günter. Onkel Julius flüchtete aus Berlin und hat es bis Südfrankreich geschafft.

Dann haben sie ihn gefangen. Vom Internierungslager Gurs 3 wurde er nach Polen ins Vernichtungslager Majdanek 4 deportiert und ermordet. Sein Sohn Günther flüchtete nach Südamerika. Das weiß ich. Er hat nach dem Krieg einmal meinen Bruder Karl in Jerusalem besucht, aber da war ich nicht da.

Auch unsere Wohnung hatte sieben Zimmer und einen Balkon nach vorn raus, wie die des Großvaters. Wir hatten ein Speisezimmer, ein Herrenzimmer - Herrenzimmer klingt für mich so lächerlich heute - einen Salon, ein Schlafzimmer für meine Eltern, zwei Zimmer für meine Brüder und ein Zimmer für mich.

Vor dem Haus gab es einen kleinen Vorgarten. Das war eine grüne Anlange mit einem kleinen Springbrunnen.

Das Haus meines Großvaters existiert noch. Es wurde aber nach dem Krieg umgebaut. Ich weiß nicht genau, wann ich noch einmal in Frankfurt war, vielleicht vor ungefähr zwanzig Jahren. Ich war damals eingeladen von der Stadt Frankfurt, da habe ich auch das Haus besucht.

Es ist etwas höher geworden, eine Etage wurde dazu gebaut, aber sonst sah es so aus, wie ich es in Erinnerung hatte. Ich war aber nicht im Haus, ich kenn ja niemanden mehr, was hätte ich den Leuten sagen sollen? Blöd, nicht wahr?

Die Eltern meines Vaters waren aus Worms [Deutschland]. Sie hießen Guggenheim. Ich habe sie nie kennengelernt, obwohl sie sogar alt geworden sind. Ich weiß nicht, warum ich sie nicht gekannt habe, sie sind nie zu Besuch gekommen. Meine Eltern sind hingefahren, das weiß ich.

Ich wurde nicht mitgenommen, ich war ein kleines Kind, und von Frankfurt nach Worms war das damals eine längere Reise.

Mein Vater Theodor hatte fünf Schwestern, er war der einzige Sohn. Da waren die Tanten Gina, Alice, Sofie, Klara und Emma. Tante Emma und Tante Klara haben in Berlin gewohnt, Tante Gina hat in Bad Homburg mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn gewohnt, die hatten dort eine kleine Fabrik, und Tante Alice und Tante Sofie haben in Frankfurt gewohnt.

Wenn die Tanten aus Berlin und Bad Homburg in Frankfurt zu Besuch waren, daran kann ich mich noch gut erinnern, haben sie im immer im Hotel ‚Frankfurter Hof' gewohnt. Ich kannte alle Tanten, aber ich hatte keine enge Beziehung zu ihnen, für mich waren sie alte Leute.

Tante Gina hat das KZ Bergen-Belsen 5 überlebt und starb wenige Jahre nach Ende des Krieges in Holland. Tante Klara überlebte mit ihrer Familie in Amerika. Die anderen Tanten wurden im Holocaust ermordet.

Meine Kindheit

Wo genau sich meine Eltern kennengelernt haben weiß ich nicht, aber das war zu jener Zeit, wie damals üblich, eine vereinbarte Ehe. In dieser Zeit gab es doch noch keine Jugendbewegungen, wo sich die jungen Leute hätten kennen lernen können. Meine Eltern haben 1903 oder 1904 geheiratet.

Mein Vater war Getreidehändler. Das Geschäft hatte er von seinem Vater übernommen. Er hatte zwei, drei Angestellte in seinem Büro. Ich erinnere mich noch, dass ich ihn als Kind in seinem Büro besucht habe. Im Büro gab es keine Schreibmaschinen, nur große Bücher und Tintenfässer mit Tinte. Sie haben damals die Sütterlinschrift geschrieben. Mein Gott, wie lang das her ist!

Mein Vater ist morgens aus dem Haus gegangen, zum Mittagessen kam er nach Hause. Das Büro war in der Nähe, man konnte zu Fuß gehen. Nach dem Mittagessen ist er wieder ins Geschäft gegangen, und abends gegen sieben Uhr ist er nach Hause gekommen.

Wir hatten einen koscheren Haushalt. Es gab nicht viele koschere Fleischhauer in Frankfurt, obwohl in Frankfurt viele Juden lebten. Frankfurt war damals aber keine große Stadt und auch nicht so schön wie heute. Wir haben jeden Freitag den Schabbat gefeiert.

Es ist freitags am Vormittag gekocht worden, und dann wurde das Essen nur noch warm gemacht. Wir haben zu Hause in Frankfurt immer zu Chanukka 6 die Kerzen gezündet, und am Jom Kippur 7 war mein Vater den ganzen Tag in der Synagoge. Meine Mutter ist nicht den ganzen Tag in die Synagoge gegangen, aber gefastet hat sie auch bis zum Abend. Meine Brüder sind überhaupt nicht in die Synagoge gegangen, sie waren gute Juden, aber sie waren nicht religiös.

Den Schabbat habe auch ich später immer mit meiner Familie gefeiert. Wir fanden, das ist schöner Abend. Auch Chanukka haben wir immer zu Hause gefeiert. Wir haben die Kerzen gezündet, und es gab immer Geschenke für die Kinder. Das hat aber nichts mit Frömmigkeit zu tun, sondern weil wir das gemütlich fanden.

Wir haben alle hohen Feiertage gefeiert. Zu den Feiertagen, den Seder 8 hat immer mein Mann gehalten, er hat das sehr gern und gut gemacht, hatten wir auch immer Freunde und viele Kinder eingeladen. Wir waren immer so fünfzehn, sechzehn Leute.

Wir haben diese Abende immer gut vorbereitet, wir haben uns immer sehr gefreut darauf. Ich weiß nicht, wann ich das erste Mal die Klagemauer gesehen habe. Ich weiß nur, dass sie auf mich nicht so einen großen Eindruck gemacht hat.

Mein ältester Bruder Karl war zwölf Jahre älter als ich, er ist am 12. Januar 1906 geboren. Mein Bruder Paul war sieben Jahre älter als ich, er ist am 18. April 1910 geboren. Ich bin am 22. Dezember 1917 in Frankfurt zu Hause geboren. Damals ist man ja noch zu Hause geboren und nicht im Krankenhaus. ‚Meine liebe Enkelin Erna Guggenheim wurde geboren in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 1917' - das hat mein Großvater in die Tefila geschrieben.

Meine Mutter war eine große, starke, blonde Frau. Sie war eine liebevolle Mutter. Als ich klein war hat sie mich oft geküsst, aber als ich in die Pubertät kam, entstand ein gewisser Abstand. Ich glaube, das ist völlig normal. Mein Vater war verrückt nach mir, nach zwei Söhnen eine kleine Tochter - da sind doch die Eltern immer sehr glücklich.

Wie die Beziehung meiner Brüder zu meinem Vater war, weiß ich nicht. Mein Vater wollte, dass mein großer Bruder Karl in sein Geschäft einsteigt. Das kam aber für Karl gar nicht in Frage, Gott sei Dank! Karl war kein kaufmännischer Typ, er war ein hochintellektueller Typ.

Meine Mutter hat, das hör ich noch in meinem Ohr, oft gesagt: wie deine Brüder dich verwöhnen! Ich hatte eine wunderbare Beziehung zu meinen Brüdern. Sie haben mich wirklich sehr verwöhnt. Karl hat Medizin in verschiedenen Universitäten studiert, in Frankfurt, München, Berlin, und immer wenn er nach Hause gekommen ist, hat er mich auf Kakao oder Schokolade in das Café Laumer in der Bockenheimer Landstraße 67 eingeladen.

Das war etwas Besonderes. Es gab damals nicht viele Cafés in Frankfurt, und das Café Laumer, das gibt es auch heute noch, war ein bekanntes Café. Man ist damals nicht so ins Café gegangen wie heute. Ich war noch ein Kind, und ich war immer sehr stolz, wenn mein Bruder mich ins Café ausführte.

Wir hatten ein jüdisches Hausmädchen und eine christliche Köchin. Und als wir klein waren, hatten wir noch ein Kindermädchen. Die letzten Jahre, bis 1929, hatten wir nur noch unsere Köchin und das Hausmädchen. Auch das jüdische Mädchen hat bei uns im Haus gewohnt.

Aber nicht in unserer Wohnung, sondern oben im Haus in einem Dachzimmer. Das jüdische Hausmädchen ist mit mir spazieren gegangen, oder sie war im Park mit mir. Sie war nicht viel älter als ich, sie war noch sehr jung. Ich weiß, dass sie nach Amerika flüchten konnte.

Im Theater waren meine Eltern selten, aber sie sind manchmal in Konzerte gegangen und hatten oft Gäste. Das waren nur jüdische Freunde und Bekannte. Meine Mutter war als Jugendliche in einem jüdischen Mädchenpensionat, da hat man ein bisschen Hauswirtschaft gelernt.

Und da war auch ein Kreis von Freundinnen geblieben, mit denen sie viel Zeit verbrachte. Sie hat sich morgens früh mit ihnen telefonisch verabredet, und dann sind sie spazieren gegangen. Ich kann mich erinnern, dass sie einmal früh morgens mit mir in den Palmengarten gegangen ist, da war auch eine Freundin von ihr dabei. Mein Vater hat den ganzen Tag gearbeitet. Er hat höchstens am Abend Zeitung gelesen.

Bis 1929 waren die guten Zeiten, dann begann die Wirtschaftskrise. Nach 1929, ich war zwölf Jahre alt, hat die Krise unser Leben völlig verändert. Unser Geschäft ging gar nicht mehr. Zuerst haben wir unsere sieben Zimmer Wohnung umgebaut in zwei Drei-Zimmer-Wohnungen, und noch heute, Jahrzehnte später, bewundere ich meine Mutter, wie sie das alles hingenommen hat. Sie war sehr realistisch.

Mit meinen Freundinnen ging ich zusammen in eine jüdische Schule. Es gab zwei jüdische Schulen, ich ging in die Samson-Raphael-Hirsch-Schule, die nach einem Rabbiner benannt war. Die Hirsch Realschule war die frömmere Schule von beiden.

Damals war es modern in unserem Kreis, dass man die Kinder die ersten vier Jahre Volksschule in diese jüdische Schule schickte, und danach auf eine christliche Schule, damit sie so viel wie möglich lernen. Aber zu meiner Zeit war das schon nicht mehr, da war schon die Nazizeit. Da bin ich dann nicht mehr in eine andere Schule gegangen.

Ich ging zehn Jahre in die Samson-Raphael-Hirsch-Schule. Ich hatte in der Schule natürlich Religionsunterricht, aber der hat mich nicht so sehr interessiert. Sprachen habe ich gern gehabt, aber ich war keine gute Schülerin. Ich hab nicht gerne gelernt. Obwohl mein Bruder Karl Hebräisch - Unterricht in Frankfurt gegeben hat, als er noch zu Hause war, habe ich kein Hebräisch gelernt.

Mittags um eins kam ich immer nach Hause. Das Mädchen hat dann das Essen serviert, und wir haben alle zusammen Mittag gegessen. Nach dem Mittagessen hat sich meine Mutter ein bisschen hingelegt, oder sie hat neben mir gesessen und mir bei den Schularbeiten geholfen.

Unten auf der Straße habe ich dann mit meinen Freundinnen zum Beispiel Hickelkreis gespielt. Da hat man mit Kreide bestimmte Formen auf die Strasse gemalt und ist mit einem Bein von einem Kästchen ins andere gehüpft. Ich bin viel mit dem Fahrrad gefahren.

Ich hatte ein schönes Fahrrad von meinen Eltern geschenkt bekommen, das war mein Rolls Royce. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, als ich es bekommen habe. Alle haben zu dieser Zeit Fahrräder gehabt. Zur Schule bin ich nicht mit dem Fahrrad gefahren, da bin ich gelaufen. Die Schule war ungefähr zwanzig Minuten zu Fuß entfernt. Nachmittags bin ich dann mit meinen Freundinnen mit dem Fahrrad gefahren.

Früher war man anders angezogen. Ich war immer sehr gut angezogen, mit Mantel und Hut. Ich ging auch in die Tanzstunde. Für meinen ersten Tanzstundenball bekam ich ein wunderschönes Ballkleid aus hellblauem Taft. Das wurde extra für mich angefertigt. Es gibt Fotos, die hat mein Bruder fotografiert, da sitze ich mit dem Ballkleid im Herrenzimmer.

Meine Brüder und später auch ich waren in der zionistischen Jugendbewegung ‚Blau-Weiß'.

Diese Jugendbewegung war einer der zionistischen Bünde und damals sehr bekannt. Wir sind nicht in ein Café gegangen, wir sind nicht Essen gegangen, das haben wir nicht gemacht. Wir sind gewandert und haben gesungen und viel über Israel gesprochen.

Mein Leben war nie langweilig, weil wir immer zusammen waren. Wir sind mit den Fahrrädern in den Frankfurter Stadtwald gefahren, und wir waren zusammen in Pfingstlagern, Sommer- und Winterlagern. Ich besitze noch Fotos aus dieser Zeit.

Mehrere Male in der Woche haben wir uns getroffen, auch als Hitler schon an der Macht war. 1933 waren wir im Pfingstlager in Dörnigheim, das liegt am rechten Mainufer, ganz in der Nähe von Frankfurt Wir haben in Zelten oder Jugendherbergen gewohnt und am offenen Feuer gekocht. Wir sind Schwimmen gegangen und viel gewandert. Im Sommerlager waren wir in der Schweiz. Diese Lager waren immer sehr schön. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange wir immer zusammen waren, aber sicher nie länger als eine Woche. Eine meiner damaligen Freundinnen habe ich auch hier noch getroffen, sie lebte in Israel in einem Kibbutz 9. Ich hab manchmal mit ihr gesprochen. Ach Gott, das ist so lange her.

Mein Bruder Paul war ein sehr gut aussehender Mann. Er hat Pfeife geraucht, das war modern damals. Er ist sehr früh nach Holland gegangen. Er war mit der Schule nach zehn Jahren fertig, was er dann gemacht hat, weiß ich nicht. In Holland hatten wir einen Onkel, das war ein Vetter meines Großvaters.

Er hieß Karl Rapp. Dieser Vetter meines Großvaters hatte in Delft eine Farben Fabrik. Sie ist gut gegangen, und Paul ist nach Hitlers Machtantritt zu ihm nach Delft gegangen und hat bei ihm das Kaufmännische gelernt.


Wir waren oft alle zusammen in Holland, meine Eltern, mein Großvater und ich. Manchmal bin ich auch nur mit meinem Großvater allein gefahren. Wir waren in Delft bei meinem Bruder, in Den Haag und in Katwijk an der Nordsee. Wir haben dort Urlaub gemacht, meinen Bruder besucht und den Verwandten meines Großvaters mit seiner Familie.

Wir waren immer längere Zeit in Holland. Ich denke, es waren immer zwei bis drei Wochen, zehn Tage aber wenigstens. 1933 waren für mich noch Schulferien. Da war ich mit meinem Großvater und der Tante Flora, das war eine Nichte meines Großvaters, die ihm den Haushalt geführt hat, in Holland. Und 1934 haben wir bei meinem Bruder gewohnt, da haben wir ein Zimmer in seiner Wohnung bekommen.

Paul hatte in Delft eine primitive Wohnung, ich finde, damals war alles primitiv.

  • Während des Krieges

Paul hatte in Holland eine Freundin, Regina Fränkel hieß sie. Sie war auch aus Frankfurt. Ich war mit ihr in Frankfurt befreundet, und auch unsere Eltern waren miteinander befreundet. Nachdem Paul das Kaufmännische gelernt hatte, hat ihn die Familie Fränkel in den Knopfhandel ‚Butonia', Handel und Produktion von Knöpfen, genommen.

Die ganze Familie war sehr zeitig aus Frankfurt weggegangen. Damals glaubte man, man sei in Holland sicher. Als die Deutschen nach Holland kamen, wurde es sehr gefährlich. Es war eine schreckliche Zeit.

Der Familie Fränkel gelang die Flucht nach England, und mein Bruder und seine Freundin Regina hatten Einreisevisa für Kuba erhalten. Mein Bruder kannte jemanden in der Schweiz, der hat ihnen 1940, als die Deutschen schon Holland besetzt hatten, die Einreise nach Kuba besorgt. Sonst hätten sie nicht mehr rechzeitig aus Holland flüchten können.

Auf der Flucht nach Kuba hat Regina einen anderen Mann kennengelernt, mit dem sie dann nach Amerika gegangen ist. Mein Bruder ist allein weiter nach Kuba geflüchtet. Es war eine sehr schwere Zeit für ihn auf Kuba, denn Kuba war sehr primitiv, und das Leben war hart. Aber mein Bruder war noch jung, und er war glücklich, dass er gerettet war. Damals hat man alles in Kauf genommen, nur um weg zu sein. Kontakt zur Familie gab es in dieser Zeit kaum, das war sehr schwer möglich.

Von Kuba ist Paul nach Amerika gegangen. In Amerika ging er zum holländischen Militär, erhielt dadurch die holländische Staatsbürgerschaft und ging nach Kriegsende zurück nach Holland. Dort hat er gelebt und wieder im Knopfhandel der Familie Fränkel, diesmal war es aber mit dem Sohn, gearbeitet.

Später hat er den Knopfhandel übernommen, der sehr gut ging. Paul war zweimal verheiratet. Mit seiner zweiten Frau Jetti hatte er drei Kinder: Gidon, Michael und Margalit. Seine Frau war sehr schön, die Mutter war Holländerin, der Vater Indonesier.

Mein Mann und ich haben sie später oft in Holland besucht, das erste Mal waren wir 1958 bei ihnen in Amsterdam. Das war auch unsere erste Auslandsreise von Israel aus. Mein Bruder starb am 9. Februar 1974. Seine Frau und seine Kinder leben noch heute in Holland.

Karl Rapp, der Vetter meines Großvaters, wurde im Holocaust ermordet.

Mein Bruder Karl war ein glühender Zionist 10. 1933 war er mit dem Studium bereits fertig, er hatte sogar noch sein praktisches Jahr im Virchow-Krankenhaus in Berlin gemacht. Er war Praktischer Arzt, hat später aber nur noch wissenschaftlich gearbeitet.


Nach dem praktischen Jahr verließ Karl Deutschland und ging nach Palästina. Meine Eltern waren damit einverstanden, sie waren modern. Es war nicht so leicht damals, man brauchte ein Zertifikat von den Engländern, denn Palästina stand unter englischem Mandat.

Karl hatte bereits gesehen, was in Deutschland passieren kann und hat meinen Eltern aus Palästina ständig geschrieben: ihr müsst kommen, ihr müsst kommen! In Palästina angekommen, ging er nach Jerusalem. Er hatte damals eine Freundin aus Frankfurt, mit der er zusammen in der zionistischen Jugendbewegung war, die hat er dann geheiratet.

Irene war zuerst im Kibbutz, nachher haben sie geheiratet und haben in Jerusalem gelebt. Er ist immer in Jerusalem geblieben und hat dort an der Universität gearbeitet, seinen Doktor in Ernährungswissenschaften gemacht und war Professor. Karl hat nur aus Lesen und Arbeiten bestanden.

Mein Bruder hat als Professor an der Hebrew University of Jerusalem unterrichtet und 250 wissenschaftliche Arbeiten und Lehrbücher über Ernährungswissenschaften geschrieben. Wenn er uns in späteren Jahren in Tel Aviv, Ramat Gan oder Ramat Chen besucht hat, kam er immer mit einem Buch unterm Arm in die Wohnung:

Shalom, wie geht's, und schon saß er im Sessel und hat gelesen. Im Alter hat er sich dann geändert, weil er nicht mehr gut sehen und dadurch nicht mehr lesen konnte. Da war er dann sehr interessiert am Unterhalten. Karl hatte drei Kinder, zwei Söhne, David und Amnon und eine Tochter Ruth. Ruth lebt nicht mehr. Sie ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Das ist sicher schon zwanzig Jahre her. Sie und ihr Mann waren auf einer Tour durch Amerika, da ist das passiert.

Karl starb am 15. Oktober 2002 in Jerusalem.

Meinen Mann habe ich bereits 1933 in der zionistischen Jugendbewegung ‚Blau-Weiß' kennengelernt. Martin, jüdisch Moshe, Goldmann hieß er. Er war damals 20 Jahre alt, ich war 1933 gerade 16 Jahre alt. Moshe kam aus Dessau. Seine Mutter Helene war aus Wien, glaube ich, sein Vater Adolf Goldmann kam aus einer ostjüdischen Familie in Polen.

Er hatte keine formelle Ausbildung, zum Beispiel, jeden Brief an uns hat meine Schwiegermutter geschrieben. Nur sie hat geschrieben. Und alles, was schriftlich zu erledigen war, hat sie gemacht. Sie waren religiös, aber traditionell. Sie haben die Feiertage gehalten und waren koscher.

Mein Schwiegervater war als 19jähriger Junge aus einer polnischen Kleinstadt nach Deutschland gekommen. Er hatte nichts besessen. Im Laufe der Jahre hatte er eine sehr große Lederwarenfabrik, ein Haus und ein Auto mit einem Chauffeur.

Er hatte sogar seine Produkte vor dem Krieg auf der Leipziger Messe ausgestellt und seine ‚Bist du klug und auf der Höh', trag' dein Geld im Portemonnaie' oder ‚wer spart und stets auf Ordnung hält, bewahrt im Portemonnaie sein Geld' das waren zwei der Slogans für seine Produkte. Lotte, die älteste Tochter, hat in der Fabrik ihres Vaters mitgearbeitet.

Mein Schwiegervater war auch ein begeisterter Zionist. Zum 17. Zionistenkongress, der war 1931 in Basel, ist mein Schwiegervater mit Moshe und Moshes Schwester Lotte gefahren.

Sie kamen dort an, und mein Schwiegervater wurde gefragt: Herr Goldmann, haben Sie eine Einladung? Natürlich hatte er keine Einladung. Da hat er gesagt: mein Name ist Goldmann, ich möchte bitte mit meinen zwei Kindern hier reingehen.

Man hat gesagt, dass sie ohne Einladung nicht rein kommen. Also ist mein Schwiegervater zu einem Platz gegangen, hat Arbeitskleidung und Besen vom Reinigungspersonal genommen, alle drei haben die Arbeitskleidung angezogen, jeder hat einen Besen in die Hand genommen, und so sind sie rein gekommen und hatten sogar sehr gute Plätze.

Moshe war also aus gutem Hause, aber aus einem ostjüdischen. Und mein Vater war sehr westjüdisch. Das waren damals große Unterschiede. Die Westjuden waren gegen die Ostjuden. Die waren ihnen nicht fein genug, obwohl die Familie es sehr weit gebracht hatte, weiter als wir. Aber ein Ostjude ist ein Ostjude geblieben.

Der Bruder meines Schwiegervaters war in Dessau Inhaber eines Pelzhauses. Ihm und seiner Frau Jenny und den Kindern Arnold, Marianne und Bernhard gelang 1939 die Flucht nach Australien.

Es gab eine Gegend in Frankfurt, das war Ostende, der östliche Teil von Frankfurt. Da wohnten viele arme Juden. Die Besseren, die Assimilierteren, haben mehr im Westen gewohnt. An eine Sache denke ich gerade. Die Jeckes [Anm.: Ausdruck für dt. Juden] haben sehr abseits von den Nicht-Jeckes gelebt, von den Juden, die aus dem Osten gekommen sind.

Ich hatte in der Schule in meiner Klasse eine Freundin, die hieß Sonja. Mehr weiß ich schon nicht mehr. Wir waren befreundet, und ich war zum Geburtstag zu ihr eingeladen. Und da sagte meine Mutter: kann man das Kind dahin gehen lassen? Ich erzähle das, weil das typisch für diese Zeit war. Sonja war aus einer ostjüdischen Familie. So war das damals.

Moshe war bereits in Deutschland geboren. Er hatte in der Nähe von Frankfurt gerben gelernt, weil sein Vater wollte, dass auch er in der Fabrik mitarbeitet. Das war dann vollkommen unnötig, hier in Israel konnte er gar nichts damit anfangen.

1934 ist Moshe nach Palästina gegangen. Er hat mich zwischen 1933 und 1934 oft besucht. Aber die meiste Zeit waren wir im Bund zusammen. Nach unseren Treffen im Bund hat er mich immer nach Hause gebracht, und dann haben wir so lange unten auf der Straße vor dem Haus gestanden, dass meine Mutter immer vom Badezimmer raus aus dem Fenster rief: Erna, komm jetzt nach Hause. Ich weiß nicht, ob sie damit einverstanden war, dass ich einen Freund hatte, aber es kam nie zur Diskussion.

Moshe war auch ein paar Mal bei uns zu Hause. In diesem Jahr hat er mir oft geschrieben, wenn er nicht in Frankfurt war. Auf einer Postkarte, aus Dessau, steht:

Liebe Erna, für Post brauche ich mich nicht zu bedanken, da ich keine erhalten habe. Vor allen Dingen möchte ich dir einen recht guten Seder wünschen. Frag ‚ma nischtane...'[Anm: ma nischtanen haLeila hase ist ein Gebet zu Pessach aus der Haggada 11, das vom jüngsten Mitglied der Familie gesagt wird.

Es bedeutet: worin unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?'] und iss' nicht zuviel Mazzeklösschen 12.

Gestern bin ich aus Berlin zurück gekommen. Fast alle Bekannten habe ich gesprochen, Schattner, Sereni, Liebenstein, Schollnik, Georg, etc. etc. Sereni ist gestern zum Seder nach Rom gefahren. Von dort ist er nach Eretz 13 gefahren. Drei Wochen im Land bleiben und zurück kommen.

Am Abend war ich im Theater ‚Hundert Tage von Mussolini'. Fouché, Gustav Gründgens; Napoleon, Werner Kraus. Es ist die Darstellung der 100tägigen Regierungszeit Napoleons nach seiner Verbannung. Fabelhaft war es. Die Schauspieler Gründgens, Kraus waren ganz ausgezeichnet.

Nach dem ich so lange nicht im Theater war, war eine solche Aufführung wieder einmal ein Genuss. Im wahrsten Sinne des Wortes. Also, lass bald etwas von dir hören. Bis Montag bin ich noch in Dessau. Meinen Gruß, Ich küsse dich,
Moshe.

Dessau 29. 3. 34

Moshe hat mir auch eine Karte mit Hakenkreuz aus Dessau geschrieben, da steht: Nationaler Feiertag 1934. Das war der 1. Mai 1934. Auf dem Stempel steht: Bekämpft die Arbeitsnot, kauft deutsche Waren.

Moshe hatte drei Schwestern. Eine Schwester hieß Jenny, eine Lotte und eine hieß Malli.

Jenny ist erst 1939 nach Palästina gekommen. Sie hat mit ihrem Mann Josef Wahl in Berlin gelebt. Ihr Sohn Hanania ist 1939 in Berlin geboren. Josef hat für die Jewish Agency gearbeitet. Er musste über Nacht verschwinden, weil man ihn gesucht hat. Die Nazis wollten ihn abholen.

Dann ist er über Nach nach Dessau zu den Schwiegereltern verschwunden. Und von dort aus ist er ziemlich schnell nach Palästina geflüchtet. Jenny ist alleine mit dem Baby in Berlin zurückgeblieben. Zum Glück hat sie es dann auch noch geschafft. Ich weiß noch genau, wie sie mit dem Baby Hanania auf dem Arm hier angekommen ist. Mein Mann und ich waren mit dem Autobus nach Haifa gefahren und haben sie abgeholt. Hanania ist jetzt einundsiebzig Jahre alt. Wir sind noch immer in Verbindung. Er wohnt nicht weit von hier.

Malli war die jüngste Schwester meines Mannes, sie war in meinem Alter. Sie hat in Palästina Robert Sommer geheiratet. Sie bekamen eine Tochter Ilana. Ilana ist auch bereits Pensionistin. Sie hat viele Jahre in einer Zahnarztpraxis gearbeitet.

Die Lotte, die Älteste, ist mit der Jugendaliah bereits 1936 nach Palästina gekommen. Sie war damals noch ohne Kind und mit Ludwig Ickelheimer verheiratet. Ludwig Ickelheimer war auch aus Dessau und dort ein sehr beliebter Kantor. In Israel hieß er dann Jehuda und hat für Keren Hajessod gearbeitet.

Ihr Sohn Ruben ist zur selben Zeit wie mein ältester Sohn Daniel geboren, das war 1940, also vor siebzig Jahren. Ruben wurde Sportlehrer und ist leider vor wenigen Jahren an Krebs gestorben. Morgen kommt seine Frau mich besuchen. Mit Lotte war ich sehr viel zusammen, wir waren wie Schwestern.

Wir haben jeden Tag stundenlang miteinander telefoniert. Morgens früh haben wir als erstes telefoniert. Ich muss immer dran denken. Es war wunderbar, dass ich mit der angeheirateten Familie so eng war und wir uns alle so gut verstanden haben. Alles haben wir zusammen gemacht.

Sie wohnten ganz in unserer Nähe, Ben Yehuda, Ecke Ben Gurion, damals hieß die Ben Gurion Keren Kajemet. Ganz nahe beieinander waren wir. Wir haben gemeinsam viele Ausflüge gemacht und Picknick. Wir hatten dann auch schon ein Auto. Ich bin nicht gefahren, aber mein Mann.

Mein Mann konnte nicht einen Tag ohne das Auto leben. Das war damals, zu der Zeit, eine große Anschaffung, so ein Auto. Es gab noch wenige Autos. Man konnte überall parken! Überall! Und die Kinder konnten auf der Straße spielen. Als wir nach Ramat Chen gezogen sind, da war die Straße vor uns auch nicht gepflastert. Und dort haben die Kinder gespielt und sind immer mit dreckigen Schuhen raufgekommen.

Frankfurt war mein zu Hause, aber im letzten Jahr, bevor ich nach Palästina ging, gab es schon die Umzüge der Nazis. Wir haben die Rollläden runtergelassen, weil wir Angst hatten. Ist das noch ein Leben?

Ich habe gelernt Schmuck zu machen. Das war kein typischer Beruf, den man in Palästina gebraucht hat. Aber dafür war ich begabt, und das hat meine Mutter gefördert.

Meine Mutter kannte jemanden, der so ein bisschen ein Künstler war, und der hat uns bekannt gemacht mit Kurt Jobst. Ich habe 1934 ein dreiviertel Jahr in seiner Edelmetallschmiede gelernt. Der Herr Jobst war ein richtiger Künstler, ich habe viel gelernt bei ihm.

Herr Jobst war kein Jude, aber er hatte damals nur jüdische Lehrlinge. Wir waren drei jüdische Mädchen, die bei ihm gelernt haben. Wir hatten alle drei eine enge Beziehung zu der Familie. Wir haben sogar 1934 ein Gartenfest bei ihnen gefeiert.

Wir haben 1935 auch eine Arbeit vom Gau Hessen-Nassau aus Emaille angefertigt, ich glaube, das war für die Stadt Frankfurt. Kurt Jobst und seine Frau waren wunderbare Menschen. Er wollte nicht in Nazideutschland leben und hat Deutschland verlassen.

Ich habe dann in Frankfurt an der Kunstgewerbeschule, ich glaube in der Mainzer Landstrasse, angefangen zu lernen. Eines Tages, es war an einem Nachmittag im Jahre 1935, haben wir uns gewundert, dass unsere Chefs uns keine Arbeit gegeben haben. Bevor wir nach Hause gingen, haben sie uns dann gesagt, dass wir morgen nicht wiederkommen dürfen, sie dürften keine Juden behalten.

Mein Vater hätte geglaubt, Hitler geht vorüber. Wie so viele deutsche Juden gedacht haben, Hitler geht schnell vorbei. Ach, furchtbar, wenn ich nur daran denke! Mein Großvater und mein Vater haben sich als deutsche Staatsbürger gefühlt: mir kann doch nichts passieren! Das war ihre Einstellung. Mein Großvater ist zum Beispiel immer im Main schwimmen gegangen. Da gab es ein Schwimmbad. Eines Tages stand da ein Schild ‚Zutritt für Juden verboten'. Und da sagte meine Mutter zu ihm:

Papa, du kannst da nicht mehr hingehen. Hast du nicht gesehen was da auf dem Schild steht, für Juden ist der Zutritt verboten.

Na, da meint man doch mich nicht damit, sagte mein Großvater zu meiner Mutter. Er konnte nicht verstehen, dass das auch für ihn gelten sollte. Ich kann mich noch genau an das Gespräch erinnern.

Ich habe meinen Vater schrecklich geliebt. Er starb 1935, weil er herzkrank war. Früher hat man noch so wenig gemacht. Heute ist die Behandlung vollkommen anders als vor sechzig Jahren.
Ich weiß noch, dass ich bei Tisch gesessen habe, nicht essen konnte und geweint habe. Und ein, zwei Jahre später habe ich gesagt: was für ein Glück, mein Vater ist zu Hause gestorben.

Meine Mutter, mein Großvater und ich waren dann allein, mein Vater war gestorben und meine Brüder waren beide weg. Wir hatten einen Hausmeister, der oben in der Dachwohnung gewohnt hat. Es ist typisch für die Zeit gewesen, was ich jetzt erzähle. Der Hausmeister hatte eine Tochter, sie war in meinem Alter.

Sie ging natürlich in eine christliche Schule, aber als wir Kinder waren, haben wir nachmittags oft vor dem Haus auf der Straße zusammen gespielt. Eines Tages, ich glaube es war 1935, sind wir uns auf der Straße begegnet. Sie guckte weg und grüßte mich nicht mehr. So war das. Das war die Erziehung der Nazijugend, aber ihre Eltern waren auch Nazis. Das hat mir damals sehr wehgetan. Komisch, daran denke ich noch sehr oft.

Meine Mutter hat dann beschlossen, dass auch wir weg müssen, auch weil mein Bruder immerzu schrieb: ihr müsst so schnell wie möglich kommen! Gott sei Dank war er bereits in Palästina, und Gott sei Dank hat er das geschrieben.

Da ich in der zionistischen Jugendbewegung Blau-Weiß war, wo wir Ausflüge machten und uns während unserer Zusammenkünfte viel über Palästina, die Kibbutzim [Anm.: Mrz. von Kibbutz] und andere Dinge in Palästina unterhielten, war es für mich selbstverständlich, dass wir nach Palästina gehen. Es war nicht nur selbstverständlich, es war das Ziel.

Durch meinen Bruder hat meine Mutter ein Zertifikat bekommen und ich dadurch, dass ich in die Bezalel-Schule, das ist die Akademie für Kunst und Kunsthandwerk in Jerusalem, gehen sollte. Es war uns klar, dass wir Deutschland für immer verlassen. Die Freundinnen und Freunde meiner Mutter waren zum größten Teil schon weg.

Nur wenige waren noch da. Es war alles in Auflösung zu der Zeit. Wir hatten keine Ahnung davon, was passieren wird in Deutschland. Wir haben den starken Antisemitismus erlebt, aber was noch passieren wird, haben wir nicht geahnt. Natürlich konnte niemand so etwas ahnen, obwohl Hitler Reden gehalten hat, in denen er so schrecklich gegen die Juden hetzte. In Frankfurt hingen Nazifahnen, ich habe sie überall gesehen. Da wird mir heute noch ganz schaurig, heute noch!

Ich war, bevor ich endgültig nach Palästina bin, im Sommer 1936 für drei Monate mit einem Touristenvisum zu Besuch in Palästina. Ich wollte meinen Freund Moshe besuchen, und ich habe mir gedacht, dass ich vielleicht gleich dort bleiben kann. Aber mein Visum wurde von den Engländern nach den drei Monaten nicht verlängert. So musste ich wieder zurück.

Mein Bruder hatte mich damals am Hafen in Haifa abgeholt. Die Reise von Haifa nach Jerusalem dauerte damals mit der Eisenbahn einen ganzen Tag. In unserem Abteil saßen Araber. Sie haben mir Feigen und anderes Obst angeboten. Ich wollte das nicht nehmen, aber mein Bruder hat gesagt, dass ich das nehmen muss, dass ich das nicht zurückweisen darf. Ich kannte vorher keine Araber, sie waren mir so fremd durch ihre Kleidung, aber sie waren sehr freundlich.

Ich weiß nicht mehr, was das Land für einen Eindruck auf mich gemacht hat. Ich habe gewusst, ich bin auf einem anderen Erdteil. Es gab keine Ähnlichkeit mit dem, was ich bisher kannte, aber darauf war ich vorbereitet. Mich hat die Vegetation nicht so wahnsinnig interessiert, mich hat das Leben in der Stadt interessiert.

Ich hatte meinen Bruder, ich hatte meinen Freund, mich hat nichts gestört, ich war jung, ich hatte keine Probleme. Ich habe bei meinem Bruder in Jerusalem gewohnt. Das Jerusalem damals hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem Jerusalem heute. Alles war primitiv. Mich hat das nicht erschüttert.

Ich war bei meinem Bruder und bei meinem zukünftigen Mann, und ich war zwanzig Jahre alt, da hat man keine Probleme. Wenn man schon älter ist, vierzig, fünfzig, ist eine Umstellung schwer. Aber mit zwanzig? Mein Bruder hatte eine Zwei-Zimmer-Wohnung.

Später hat meine Mutter mit in dieser Wohnung gewohnt, und ich habe dort gewohnt, solange ich nicht verheiratet war, und meine Schwägerin Irene, die schwanger mit dem ersten Kind war und teilweise der Vater meiner Schwägerin. Alle haben wir zuerst da gewohnt in den zwei Zimmern, und es ging. Es war nicht einmal schrecklich.

Meine Schwägerin hatte nur einen kleinen Kleiderschrank auf dem Korridor stehen, und da hab ich drei Kleider von mir reingehängt, die anderen habe ich im Koffer gelassen. So war das, aber es hat mich nicht unglücklich gemacht oder gestört. Zu der Zeit war meine Mutter aber noch in Frankfurt.

Moshe hatte noch keine Wohnung. Er hat bei einem Freund auf dem Land gewohnt und in der Landwirtschaft gearbeitet. Das war in dem Moschaw Pardess Hanna bei Hadera. Es hat mir gut gefallen in Palästina, aber ich musste wieder zurück nach Frankfurt.

Meine Mutter und ich haben dann angefangen unsere Sachen zu packen. Wir haben den Haushalt aufgelöst, zu dieser Zeit konnte man noch große Kisten mitnehmen. Ich besitze noch heute viele Sachen von meinem zu Hause in Frankfurt. Möbel haben wir nicht mitgenommen, aber kleinere Sachen.

Wir wollten auch Teppiche mitnehmen, aber da hat mein Bruder geschrieben: Teppiche bringt nicht mit, das braucht man hier nicht. Damals war alles so primitiv hier, Teppiche hat man sich erst später angeschafft. Aber ich habe immer bedauert, dass wir die Teppiche nicht mitgenommen hatten.

Meine Mutter hat zuerst ihr Zertifikat bekommen, meines kam ein bisschen später. Da das Zertifikat zu einem bestimmten Datum ausgenutzt werden musste, sonst wäre es verfallen, musste meine Mutter ohne mich fahren. Ich hatte dann in unserem Haus oben im Dach ein Zimmer.

Unsere Wohnung hatten wir schon aufgegeben. Zwei, drei Wochen waren es, die ich allein war. Ich weiß nicht mehr, wie ich mich damals gefühlt habe, und ich weiß auch nicht mehr, was ich da gemacht habe. Dann endlich habe ich mit der Post von der Jewish Agency die Verständigung bekommen, dass ich mein Zertifikat abholen kann. Einen Koffer mit Kleidern hatte ich noch, mehr nicht.

Zuerst fuhr ich mit dem Zug in die Schweiz. In Basel hatte ich eine Cousine, sie war etwas älter als ich und bereits verheiratet, und einen Vetter. Die gingen dann etwas später nach Amerika. Bei denen habe ich ein paar Tage gewohnt, dann bin ich weiter nach Italien gefahren und in Italien bin ich aufs Schiff gegangen.

Das Schiff nach Haifa war dieses Mal voll mit Menschen. Ich fahre ungern auf dem Schiff, es ist wackelig, und da werde ich seekrank. Ich hatte eine Kabine mit zwei, drei Mädchen zusammen, glaube ich.

Als ich endgültig ankam, hat mich wieder mein Bruder abgeholt. Meine Mama war in Jerusalem. Auch Moshe war nicht am Hafen in Haifa, aber am nächsten Tag haben wir uns gesehen. Ich bin mit dem Scherut [Sammeltaxi] am nächsten Tag zu ihm gefahren. Moshe hatte ein Zimmer gemietet bei einer jeckischen Familie. Und wie ich da hinkam, hatte die Familie für ihn im Wohnzimmer ein Bett vorbereitet, damit wir nicht zusammen schlafen.

Ich habe Frankfurt im Sommer 1937 für immer verlassen und in der Yarkon-Straße in Tel Aviv in einem kleinen Hotel im Garten am 24. Dezember 1937 geheiratet. Das Hotel gibt's nicht mehr. Es war eine kleine Hochzeit mit der Familie, meine Mutter, mein Bruder Karl, seine Frau Irene, der Vater von der Schwägerin, eine Tante und mein Schwiegervater, die Schwester meiner Schwiegermutter, Lotte, die Schwester meines Mannes mit ihrem Mann Jehuda Ickelheimer, Ickel haben wir ihn immer genannt und Freunden aus der Jugendbewegung, die auch nach Palästina geflüchtet waren.

Mein Schwiegervater war aus Dessau zur Hochzeit nach Tel Aviv gekommen, und nach der Hochzeit, als er wieder zurück wollte, haben mein Mann und Ickel zu ihm gesagt: du fährst nicht zurück! Er ist dann aber doch gefahren. Aber nicht nach Deutschland, sondern nur in die Tschechoslowakei.

Von dort hat er meine Schwiegermutter angerufen und gesagt, sie soll alles stehn und liegen lassen und sofort kommen. Meine Schwiegermutter hat in aller Eile liquidiert was sie konnte und ist schnell, schnell weg. Und sie sind nie wieder zurück nach Deutschland gefahren.

Was ich ja heute immer noch bewundere, dass wir alle zusammen hier waren und niemand mehr in Deutschland war. Dass die Familie so zusammen geblieben ist, das gibt es so selten, und ich bin ja Gott sei Dank auch zeitig weg, aber es ist mir noch so nah, diese ganze Situation von damals, als wäre es gestern gewesen. Es ist jetzt, je älter ich werde, wieder so nah, es wird immer schlimmer.

Mein Schwiegervater hatte nicht mehr die Kraft, sich etwas Neues aufzubauen. Er hatte aber noch die Gelegenheit, durch jüdische Organisationen ein bisschen Geld aus Deutschland hier her zu transferieren. Er hat dann mit einem ägyptischen Juden zusammen in Petach Tikwa ein großes Haus gekauft, und mein Schwiegervater hat die Wohnungen verwaltet.

Es ging meinen Schwiegereltern nicht sehr gut, bis dann die Wiedergutmachungen in den 1950er/1960er Jahren aus Deutschland begonnen haben. Da hat er dann ein bisschen Geld bekommen. Für seine große Fabrik, die er zurücklassen musste, hat er nicht viel, aber wenigstens ein bisschen Geld bekommen.

Dann ging es besser. 1964 haben meine Schwiegereltern ihre diamantene Hochzeit, das sind 60 Jahre, gefeiert. Das war ein großes Fest. Mein Schwiegervater starb 1965 in Tel Aviv, er wurde 85 Jahre alt.

1937 gab es in Tel Aviv schon alles, Straßen, Kinos, Cafés. Wir haben mit alten Freunden gesessen, haben uns unterhalten und Kaffee getrunken. Meine Schwägerin wohnte auf der Ben Yehuda Strasse, und wir haben Keren Kajemet/Ecke Emile Zola gewohnt. Die Keren Kajemet ist heute die Ben Gurion.

Wir hatten dort eine sehr schöne Wohnung. Morgens sind wir die Ben Yehuda hinunter gegangen, und wir sind alle fünf Minuten stehen geblieben ... oh, hallo, wann bist du gekommen, wie lange bist du schon hier? Mir ging es sehr gut. Man konnte wunderbar in kurzen Hosen zum Meer gehen und die vielen Bekannten, die man getroffen hat... Die ganze Ben Yehuda hat Deutsch gesprochen.

Also, wenn ich jetzt zurück denke, es war so irrsinnig primitiv. Wir haben geheiratet, da hatte ich keinen elektrischen Eisschrank. Nur so einen Eisschrank, wo man Eis geholt und reingelegt hat. Und man hatte kein Gas zum Kochen, man musste auf einem Primus kochen. Aber das war für mich alles selbstverständlich, ich hab mich hineingefügt, und ich wusste, es gibt nichts anderes mehr.

Mein Mann hatte zuerst ein kleines Transportunternehmen. Viel Geld hatten wir nicht, aber irgendwie ging es. Dann kam der Weltkrieg, und mein Mann ging zum englischen Militär. Er war aber nicht in Europa, er ist hier geblieben in der Gegend, als Chauffeur.

Mein Sohn Daniel wurde am 2. Juni 1940 geboren, gleich am Anfang des Krieges, und da ist auch Tel Aviv manchmal bombardiert worden. Wir haben im dritten Stock gewohnt, und da wollte ich nicht immer, wenn Alarm war, runter laufen. Und dann sind wir nach Petach Tikwa gezogen, wo meine Schwiegereltern das große Mietshaus hatten. Das war damals auch furchtbar primitiv, aber was sollte ich machen?

Viele Leute hatten große Probleme. Aber irgendwie hat man sein Leben meistern können.

Für meine Mutter war es sehr schwer. Mein Bruder aus Holland hat ihr regelmäßig Geld geschickt, und ich glaube, davon hat sie gelebt. Heute muss ich lachen: meine Mutter war eine Hausfrau wie ich eine Seiltänzerin bin. Sie hatte keine Ahnung, weil sie zu Hause in Frankfurt nie etwas angerührt hatte. Und dann war ein Mann in Ramat Gan, dem war die Frau gestorben, und der Mann ist alleine geblieben.

Er war ein wohlhabender Mann, und er wollte eine Haushälterin haben, er wollte, dass jemand zu Hause ist. Wir hatten Verwandte hier, das waren sehr wohlhabende Leute, die haben das gemanagt für meine Mutter. Meine Mutter und der Mann haben sich dann befreundet, aber als meine Mutter krank wurde, sie hatte Krebs, ist sie ausgezogen.

Aber ein paar Jahre war sie dort. Dann ist sie wieder nach Jerusalem gezogen und hat bei einer Familie in Rachavia, das ist ein Bezirk in Jerusalem, ein Zimmer gemietet. In Rachavia haben hauptsächlich Jeckes gewohnt, die alle Deutsch gesprochen haben. Meine Mutter hatte eine sehr gute Natur, aber wenn ich so darüber nachdenke, war das doch alles sehr schwer für sie. Sie hat aber nie über etwas geklagt. Meine Mutter starb 1948 in Jerusalem.

Als Ben Gurion den Staat Israel im Mai 1948 verkündete, anschließend war Krieg, hat mein Mann den Dani genommen, da war er acht Jahre alt, der Rafi war noch nicht auf der Welt und ist mit ihm von Petach Tikwa nach Tel Aviv gefahren. Da war ja ein Rummel natürlich, und an dem Hauptplatz und der Stadtverwaltung war Versammlung.

Das war sehr aufregend für mich, für das ganze Volk. Darauf hatten wir schon lange gewartet, dass die Engländer rausgehen und wir selbstständig werden. Bis dahin war doch englisches Mandat. Von dem Tag an war es Israel, weil das unser Land war.

Von dem Moment an konnten die Juden legal einwandern. Und dann begann sofort der Krieg. Auch in diesem Krieg ist mein Mann für einen Offizier Chauffeur gewesen. Er ist damals in seinem eigenen Auto gefahren, der Staat hatte noch kein Geld, irgendetwas anzuschaffen.

Viel später waren auch meine Söhne dabei. Es kamen viele Kriege, aber richtig im Krieg waren sie Gott sei Dank nie, nur im Militärdienst.

  • Nach dem Krieg

Dann haben wir ungefähr zehn Jahre in Petach Tikwa gewohnt. Ich habe Schmuck hergestellt und an einen WIZO Laden in Tel Aviv verkauft. Ich hatte einen Tisch und eine kleine Maschine, was man halt so braucht, um Schmuck herzustellen. Meine Schwiegermutter hat sich damals sehr viel um Dani gekümmert. Das waren die ersten zehn Jahre.

Dann sind wir nach Ramat Gan gezogen, und da ist 1951 unser Sohn Rafael geboren. Rafi war ein ganz anderer Typ als Dani. Dani war zuerst blond, dann wurde er dunkler. Rafi ist ein heller Typ. Beide Kinder waren sehr goldig. Aber der Altersunterschied von elf Jahre war schon sehr groß.

In Ramat Gan haben wir auch ungefähr zehn Jahre gewohnt. Ungefähr 1963 sind wir nach Ramat Chen gezogen, da haben wir uns ein Haus gebaut. Vierzig Jahre habe ich in dem Haus gelebt. Das Haus hatte einen sehr, sehr großen Garten. Als wir nach Ramat Chen gezogen sind und wir diesen großen Garten hatten, habe ich aufgehört Schmuck zu machen. Wenn man Haus und Garten hat, will man viele Freunde einladen, da hatte ich keine Zeit mehr.

Mein Mann hatte dann ein gut gehendes Unternehmen. Angefangen hat er mit Gummi. Es gab den Kibbutz haOgen, der hat Plastikfolien fabriziert. Das war der Beginn von Plastik. Mein Mann hat die Plastikfolien gekauft und dann verkauft für Vorhänge und Tischdecken und solche Sachen.

Das ging sehr gut! Dann haben wir auch importiert aus Deutschland. Das Geschäft ging gut. Mein Mann war so ziemlich der erste, der damit angefangen hat. Dann hat mein Mann auch eine Fabrik aufgebaut, in der Plastik hergestellt wurde. Mein Sohn Daniel wollte nach der Schule in der Plastikfabrik meines Mannes arbeiten.

Mein Mann wollte das auch so. Das hat Dani auch getan, aber nicht sehr erfolgreich. Es war ein kleines Unternehmen, das mein Mann mit jemand zusammen gegründet hatte. In der Fabrik wurde Plastik hergestellt und verkauft. Dabei war der Daniel technisch so begabt und hätte was richtig Technisches lernen müssen. Aber er war nicht zum Lernen bereit, er wollte lieber in die Fabrik meines Mannes.

1964 hat Dani geheiratet, das war zu der Zeit, als wir nach Ramat Chen gezogen sind. Seine Frau Pnina war Lehrerin. Ihr Vater war schon hier geboren, ich glaube ganze Generationen hatten schon hier gelebt. Pninas Mutter war in Ägypten geboren. Das waren sehr nette Leute.

Mein Mann war ein sehr aktiver Mensch. Mein Mann liebte Kulturveranstaltungen. Konzerte hat er noch lieber gehabt, denn er war auch sehr musikalisch. Er starb 1967 an Herzversagen. So oft muss ich daran denken, es ist überhaupt nicht mehr zu verstehen, er hatte einen Herzanfall und man hat ihn ins Tel Haschomer Hospital gebracht.

Dort hat er gelegen und man hat nichts gemacht. Es ist mir unbegreiflich, nichts gemacht hat man. Ich bin schon sehr lange allein, ewig. Ich war damals 49 Jahre alt, jetzt bin ich 92 Jahre alt. Ich darf gar nicht daran denken.

Mein Sohn und seine Frau haben zwei Kinder bekommen. Ihr Sohn Moshe ist nach meinem Mann genannt. Er ist 43 Jahre alt, die Tochter Joni ist auch schon vierzig. Moshe ist genau am ersten Todestag meines Mannes geboren, und da haben Pninas Eltern Wert darauf gelegt, dass er so heißt wie mein Mann hieß.

Ich hab mich nicht reingemischt, das sollten sie entscheiden, aber natürlich hat es mir gefallen. Moshe und Joni haben auch schon Kinder. Alle sind in Israel, und ich habe auch Kontakt zu ihnen. Mein Sohn Dani starb 1990 bei einem Autounfall zwischen Eilat und Te Aviv.

Rafi ist nach der Schule sofort ins Geschäft meines Mannes eingestiegen, auch er wollte nichts anderes machen. Wir haben das Geschäft auch heute noch, aber es geht nicht mehr gut. Es hat sich sehr viel verändert. Es gibt sehr viel Konkurrenz, alles wird in China gekauft, alles ist billig.

Rafi ist heute 59 Jahre alt. Er wohnt mit seiner Frau Hannah, die Lehrerin für jüdische Geschichte war und deren Eltern aus Russland nach Palästina als Zionisten einwanderten, seiner Tochter Odet und seinem Sohn Adam nicht weit von hier.

Ich lebe hier im Altersheim in Ramat Chen seit 2003, da war der 2. Irakkrieg. Da wollte ich nicht allein zu Haus bleiben, denn es war sehr unangenehm für mich allein zu Hause zu sein. Und so habe ich mir hier ein Zimmer gemietet in dieser Zeit. Ich habe gedacht, wenn es los geht, will ich hier sein und nicht allein.

Und dann habe ich diese Wohnung, in der ich seither lebe, gesehen und bin hier geblieben. Es ist ein sehr schönes Altersheim, dieses Haus ist wirklich wunderschön. Mein Sohn Rafi wohnt wenige Minuten entfernt, und er besucht mich hier im Altersheim regelmäßig.

Unsere Freunde in Israel waren alle aus Deutschland. Unsere Umgangssprache war Deutsch, und meine Umgangssprache ist Deutsch geblieben. Hebräisch sprechen kann ich sehr gut, aber lesen und schreiben ist sehr schwierig für mich. Mit den Schwiegertöchtern und Enkelkindern spreche ich Hebräisch, aber mit meinem Sohn Rafi spreche ich immer Deutsch. Aber nur, wenn wir allein sind. Sonst verstehen die anderen nichts, und das wäre unhöflich.

Meinen Söhnen habe ich nicht viel über meine Geschichte erzählt, und es hat sie nur soweit interessiert, wie sie mal darüber gelesen oder gehört haben. Ich hab ja persönlich nichts erlebt, aber es gab in meiner Familie auch Menschen, die umgekommen sind. Aber Eltern und Geschwister, die von meinem Mann und die von uns, waren alle zusammen. Die engsten Verwandten haben es geschafft.

Meine Söhne sind mit der Schule nach Polen, ins KZ Auschwitz, gefahren. Auch mein Enkelsohn war jetzt dort. Das ist für die jungen Leute nicht so, wie für uns. Obwohl ich es nicht direkt erlebt habe, ist es so, als erlebe ich das Grauen und Morden noch immer.

Mein neunzigster Geburtstag wurde in Jaffa gefeiert. Da hatte der Rafi ein sehr schönes Restaurant ausgesucht. Es war an diesem Abend nur für uns und sehr schön geschmückt. Es war eine wunderbare Feier und vor allem auch deshalb, weil meine zwei Neffen und meine Nichte aus Holland, die Kinder meines Bruders Paul, überraschender Weise gekommen sind.

Ich bin keine Politikerin, aber die Situation mit den Palästinensern sehe ich als ziemlich aussichtslos. Es geht jetzt schon so lange. Es gibt keine Lösungen. Aber wie hat Ben Gurion gesagt: wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist. Aber die Zeiten verändern sich, auch zu Ben Gurions Zeiten war alles anders. Da waren die Palästinenser nicht so stark wie heute.

Ich weiß nicht, ob man Fehler gemacht hat zu Beginn. Viele sagen, es war verkehrt, dass wir soviel arabische Gebiete besetzt haben. Aber ich bin unpolitisch und sage nur, was ich höre, und ich weiß gar nicht, ob es meine Meinung ist.

Außerdem ist es schwer, zwanzig Jahre oder vierzig Jahre später zu sagen, was gewesen wäre, wenn... Eins ist aber hier wirklich ein Wunder. Das Land hat es so schwer, es gab so viele Kriege und es wurde so oft angegriffen. Und es entwickelt sich trotzdem. Immer!

  • Glossar:

1 Koscher [hebr.: rein, tauglich]: den jüdischen Speisegesetzen entsprechend.

2 Schabbat [hebr.: Ruhepause]: der siebente Wochentag, der von Gott geheiligt ist, erinnert an das Ruhen Gottes am siebenten Tag der Schöpfungswoche. Am Schabbat ist jegliche Arbeit verboten. Er soll dem Gottesfürchtigen dazu dienen, Zeit mit Gott zu verbringen.
Der Schabbat beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend.

3 Gurs: französische Ortschaft am Rande der Pyrenäen, rund 75 Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. Während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wurde in Gurs ein Internierungslager für deutsche Staatsbürger, Bürger anderer Staaten und Juden eingerichtet. Im Lager waren bis zu 30.000 Menschen interniert. 1942 und 1943 wurden aus Gurs 6.000 Menschen in Vernichtungslager in Polen deportiert.

4 Majdanek: Das KZ-Majdanek - eigentlich KZ Lublin - war das erste Konzentrationslager der IKL [Inspektion der Konzentrationslager - war die zentrale Verwaltungs- und Führungsbehörde für die nationalsozialistischen Konzentrationslager] im Generalgouvernement. Es lag im Osten Polens in einem Vorort Lublins. Neben Auschwitz-Birkenau war Majdanek das einzige KZ der IKL, das auch als Vernichtungslager genutzt wurde.

5 Bergen-Belsen: Das Konzentrationslager Bergen-Belsen war ein nationalsozialistisches deutsches KZ bei Bergen im Kreis Celle [Provinz Hannover, heute Niedersachsen]. Es wurde nach dem Bergener Ortsteil Belsen benannt. Seit Ende 1944 trafen zahlreiche ‚Evakuierungstransporte' mit Häftlingen aus vielen Konzentrations- und Außenlagern in Bergen-Belsen ein.

Es kam zum Massensterben von mehr als 50.000 kranken, erschöpften und verhungernden Menschen. Die britischen Befreier fanden zahlreiche unbestattete Leichen und zum Skelett abgemagerte, todkranke Menschen vor.

6 Chanukka [hebr.: Weihe]: Das achttägige Chanukkafest erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. nach dem erfolgreichen Makkabäeraufstand gegen hellenisierte Juden und mazedonische Syrer. Die Makkabäer siegten und führten den jüdischen Tempeldienst wieder ein.
Laut der Überlieferung fand sich Öl für nur einen Tag; durch ein Wunder hat das Licht jedoch acht Tage gebrannt, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war.

7 Jom Kippur: der jüdische Versöhnungstag, der wichtigste Festtag im Judentum.
Im Mittelpunkt stehen Reue und Versöhnung. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten.

8 Seder [hebr.: Ordnung]: wird als Kurzbezeichnung für den Sederabend verwendet. Der Sederabend ist der Auftakt des Pessach-Festes. An ihm wird im Kreis der Familie (oder der Gemeinde) des Auszugs aus Ägypten gedacht.

9 Kibbutz [Pl.: Kibbutzim]: landwirtschaftliche Kollektivsiedlung in Palästina, bzw. Israel, die auf genossenschaftlichem Eigentum und gemeinschaftlicher Arbeit beruht.

10 Zionismus: Der Zionismus ist eine während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene jüdische National-Bewegung, die sich für die Entstehung eines eigenen jüdischen Staates in Palästina einsetzte. Der Begriff wurde 1890 von dem jüdischen Wiener Journalisten Nathan Birnbaum geprägt.

Der Beginn des modernen Zionismus wird oft auf Theodor Herzls Werk ,Der Judenstaat' [1897] festgelegt. Bis zur Schoah während des 2. Weltkriegs war der Zionismus nur eine kleine Strömung innerhalb des Judentums.

11 Hagadah od.Haggadah od. Haggada [hebr: ‚Verkündung/Erzählung‘]:Büchlein, das am Sederabend beim Festmahl mit der Familie gemeinsam gelesen und gesungen wird. Das Buch beschreibt das Exil in Ägypten und den Auszug in die Freiheit.

12 Mazze (hebr. מצה‎, matzá; dt. Matze; Plural hebr. מצות‎, matzót; dt. Matzen - auch jiddisch מצה‎, mátze; dt. Matze; Plural jiddisch מצות‎, mátzes; dt. Matzen), auch ungesäuertes Brot genannt, ist ein dünner Brotfladen, der während des Pessachfestes gegessen wird. Matze wird aus Wasser und einer der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel ohne Triebmittel gefertigt.

13 Eretz Israel, das Land Israel, [hebräisch: ארץ ישראל] ist eine biblische Bezeichnung für den Staat der Juden bzw. Hebräer. Sie wurde seit dem Beginn des politischen Zionismus im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen und wird auch im heutigen Staat Israel häufiger verwendet.

14 Jugend-Alijah: jüdische Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Es wurden etwa 21.000 Kinder und Jugendliche gerettet.

15 Moschaw [hebräisch: Singular: מושב moschaw, Plural: מושבים moschawim] ist eine genossenschaftlich organisierte ländliche Siedlungsform in Israel bezeichnet. Nicht zu verwechseln mit der Moschawa und mit mehr Privateigentum als der Kibbuz, ist der Moschaw die jüngste und häufigste Form israelischer Dörfer. Heute bestehen etwa 400 solcher Siedlungen.

16 Jewish Agency: hebräisch ha-Sochnut ha-jehudit [הסוכנות היהודית] wurde 1929 auf dem 16. Zionistenkongress errichtet. Sie war die im Völkerbundsmandat für Palästina vorgesehene Vertretung der Juden und diente dem britischen Mandatar als Ansprechpartner.

Allein sie war befugt, mit dem Mandatar zu verhandeln. Die Jewish Agency war aber ebenso verantwortlich für die internen Angelegenheiten der in Palästina lebenden Juden, des Jischuw. Die Jewish Agency ist heute die offizielle Einwanderungsorganisation des Staates Israel.

Ranana Malkhanova

Ranana Malkhanova
Vilnius
Lithuania
Interviewer: Zhanna Litinskaya
Date of interview: February 2005

Ranana Malkhanova is a charming, pretty, and well-dressed lady. We met in her office in Vilnius at the Jewish Community of Lithuania, where she’s working as a volunteer. Her fair eyes portray kindness and keen interest. While we were talking, I understood that it wasn’t her fashionable garment nor modern hair-cut that made Ranana look so young, it was her spirit: her being outgoing and willing to help anybody in the community or other people. Ranana has a lot of friends in the community and she introduced me to them. I felt the warmth that they shared.

Family background
Growing up
During the war
Post war
Glossary

Family background

I was born in the small Lithuanian town Vilkaviskis [about 150km from Vilnius], 14 kilometers away from the border with Russia and Poland. I was only nine, when World War II [see Great Patriotic War] 1 was unleashed. I had to go through such adversities that they practically obliterated almost everything that I had before: my childhood, happiness without alloy, etc. That’s why I have vague reminiscences of the pre-war times, but in spite of that I would like to leave a trace of my kin.

I know that my maternal great-grandfather was a rabbi, but I don’t know his name, and where he lived. All I know is that he was from Lithuania. My maternal grandfather, Jacob Solomin, was born in Vilkaviskis [renamed Pilviskiai in 1920s] in the 1870s. My grandfather was a merchant of the 2nd Guild [see Guild I] 2. He owned a rather large construction materials store in the central square of Vilkaviskis, but my grandparents lived in a very small town, 22 kilometers from Vilkaviskis. As far as I understand, Pilviskiai, where my kin used to live, was a real shtetl. There were only one-storied houses, mostly wooden, and very rarely stone, with yards and household annexes. Most of the population was Jewish [the community numbered 4,417 in 1856 (as against 834 Christians), 3,480 in 1897 (60% of the total population), 3,206 in 1923 (44%), and 3,609 in 1939 (45%)].

The Lithuanian population was in minority and they mostly lived on the outskirts of town and dealt mostly with tillage. I barely remember what my grandparents or their house looked like. I remember that Grandmother Yena wore a wig, dark skirt and blouse like all Jewish women back in that time. My grandfather always wore either a kippah or hat when he was in public. My grandfather owned half of the house in Vilkaviskis. Half of his house was usually closed as he was rather well-off and didn’t need to lease his property. He stayed in his part of the house when he went to Vilkaviskis on business. Sometimes my grandmother went with him. In winter Jacob and Yena stayed in Vilkaviskis.

Grandfather Jacob was a very religious man. In Vilkaviskis he went to the synagogue every morning clad in a tallit and tefillin. Though Pilviskiai was rather small, I assume that there was a synagogue. My grandfather always started his day with a prayer. He read the Talmud all day long. When he discovered something new, he was so excited that he wanted to share what he had read with those who were willing to listen. I remember once when he tried to explain something to me, but I didn’t understand anything. My grandmother was also a devoted Jew. All Jewish traditions were kept in her house, holidays were marked and the kashrut was strictly observed. Jacob and Yena raised their children religiously. They had sons and one daughter, my mother. There’s nothing I can say about my mother’s brothers’ religious status. As for my mother, she wasn’t religious and didn’t observe the traditions when she was an adult. My grandparents perished in 1941 during the occupation. I think they were killed during one of the actions against Jews in Pilviskiai.

My mother’s youngest brother, whose name I don’t remember, died when he was an infant. My mother’s two elder brothers, Shimon and Lipo, born in the 1890s, went abroad. Lipo settled down in America, аnd Shimon went to Canada. We had our own business before the Soviet occupation [see Occupation of the Baltic Republics] 3. My mother corresponded with them. Then she didn’t keep in touch, as it wasn’t safe and was fraught with persecution [see Keep in touch with relatives abroad] 4. Her brothers were married. I don’t know anything about their families. When the war was over, my mother’s brothers sent us parcels via some strange people, and we received them in the Vilnius synagogue. There were medicine, products and clothes in them, but in the 1960s we stopped keeping in touch. As far as I know they died in the 1970s. Another one of my mother’s brothers, Meishel, lived with his wife and daughter Riva in a village not far from Vilkaviskis. Meishel owned a small store. He was surrounded by Lithuanians. He and his family remained in occupation and perished at the very beginning of the war.

My mother, Ester Solominа, was born in 1901 in accordance with the documents, though she always used to say that she was born in 1905. Maybe it was her desire to appear younger. My mother was born in Pilviskiai. I don’t know which elementary school she went to. With the outbreak of World War I, my maternal grandparents decided to leave the town temporarily, fearing the status of a frontier town. They went to a Russian city: Voronezh [1300km from Vilnius, and 500km from Moscow]. It was a large cultural Russian city, where the family of Jacob Solomin had lived for several years. There my mother entered and finished a Russian lyceum. Owing to the opportunity of living and studying in Voronezh with Russian girls, my mother was fluent in Russian, and she was fond of classic literature. She was good at foreign languages. When she returned to Vilkaviskis, she taught German at the local lyceum for a while.

It was likely that my mother had known my father, Moses Kleinstein, since adolescence. My father’s family had also moved to Voronezh from Vilkaviskis with the outbreak of World War I. They got married in 1923. I don’t think it was a pre-arranged marriage, which was customary with Jews. My mother said that my father had been wooing her for a long time, but she was rather picky. Ester was very beautiful and popular with young men. Despite the fact that both of them weren’t religious, the wedding was in accordance with the Jewish traditions. My parents got married under a chuppah in a large synagogue in Vilkaviskis.

I didn’t know my paternal grandmother. She died in the late 1920s, before I was born. I remember my paternal grandfather Jacob, though. Jacob Kleinstein had his own bakery in Vilkaviskis, where he baked and sold his products. Bread was on offer every day. On Thursdays, special dough was made and Sabbath challot were baked. The store was in the central square of Vilkaviskis, not far from my maternal grandfather’s store. Jacob Kleinstein also stuck to Jewish traditions, marked Sabbath, and went to the synagogue on Saturdays. He wasn’t as religious as Jacob Solomin, and raised my father in the modern spirit of times. My father was the only son. He had two sisters. I don’t remember their names. All I know is that they lived with my grandfather and did work about the house after my grandmother died. Grandfather Solomin and both his daughters perished in Vilkaviskis in 1941 during the first days of the fascist occupation.

My father was born in Vilkaviskis in 1901. I don’t know if he went to a cheder. He didn’t tell me anything about it. I think that my father got a traditional Jewish education. When his family returned to Vilkaviskis, he decided to go on with his education, having finished the Voronezh lyceum. He entered the Lithuanian State Teachers’ Training Seminary, which was located in Marijampole, 28 kilometers from Vilkaviskis [about 150km from Vilnius]. He was admitted without any problem, as at that time Jews were loyally treated in Lithuania. My father did very well, making the teachers happy with his diligence and thirst for knowledge.

I don’t know where my father taught after having graduated from the seminary, as he specialized as a Lithuanian teacher. By the time of getting married he was the director of an eight-year Jewish school in Vilkaviskis.

After the wedding, the family moved to Grandfather Solomin’s house. Half of his house was demised to my mother as dowry. In 1924 my brother was born. He was given an ancient Jewish name, Zeyev. My father knew Ivrit [Hebrew] and he was fond of ancient names. Even the dog had an ancient Jewish name, Nadhon. When I was born on 6th November 1932, I was also given an ancient Jewish name, Ranana.

Growing up

I had a happy childhood in a rather rich house, with overwhelming love. My father got a pretty good job as a school headmaster. He was a well-known and respectable man. He was a member of the municipal self-government along with other honorable citizens. My father was the only Jew among them. He was a member of the Shaulist organization [see Shaulist Council] 5. Judging by the way we lived I can say that my father made pretty good money.

I vaguely remember our house. It was a well-built one-storied wooden house. Of course, there were no conveniences: sewage, running water. We had an outhouse. As for the rest, it was a true European house. There were four large rooms, namely, drawing-room, my parents’ bedroom, my father’s study, and the children’s room. I remember a beautiful tiled furnace in the drawing-room which made the house pleasantly warm. The furniture in the drawing room was grand. It was carved ebony custom-made furniture. There were lovely velvet curtains on the windows. The table cloth was also from the same material as the curtains. I can’t say anything about the kitchen. I don’t think I went there when I was a child. I’m not sure whether my mother was there very often. There were two maids in the house. One maid took care of the house, making sure it was kept clean, and the other was a governess: she fed, nurtured and took us for a walk. Maybe there was a cook, but I never saw him.

I enjoyed spending time with my mother most of all. My mother was a true lady. She stopped teaching at the lyceum after getting married. Of course, she looked after the house, but she didn’t do any manual work, just gave orders to the maids. Her way of life was the same as the other rich ladies. Ester regularly went to the milliner. She probably had the most fashionable dresses in the entire Vilkaviskis. She had a number of fur coats from expensive pelt, and beautiful jewelry. But there were no places to wear it in our tiny town. My mother spent most of her time having coffee and cakes with the ladies from her circle. Sometimes she took me for a walk. These were the happiest moments for me. In summer, my parents went to the popular resorts in Europe. My mother went to Konigsberg in Germany when she had to be operated on her tonsils.

I remember our little town with its one-storied mansions, rich in verdure. The streets went down to a small river: Sheshupa, where children used to have fun on a small beach. I wasn’t allowed to play with them. I practically had no friends in my early childhood. I spent time with my mother, governess and brother. My brother was eight years older than me but I managed to tease him. I got away with it, as I was the favorite, and pride of my father. I started talking early in Yiddish and Lithuanian, as these were the languages spoken in our house. When my father came home from work, he put me on his neck and took me outside. If he met some of his acquaintances he used to boast around, ‘Ranana, say international!’ and like a parrot I repeated the words without understanding the meaning.

My mother and I often strolled along the central square. At that time it seemed so big to me, but in fact it was a small square surrounded by one-storied stores and shops. Sometimes we went to Grandfather Solomin’s store, and at times to Grandfather Kleinstein’s bakery. I enjoyed plump warm rolls and my mother disapprovingly shook her head when I took the rolls straight from the shelves of the store. The matter is that I was a bad trencherman when I was a child. It was next to impossible to make me eat. Sometimes I would allow to be fed with strawberries and cream, orange or banana, but I would spit out porridge.

I don’t remember the market in our town. Of course, there was one, but my mother never went there and neither did I. The maids also took care of the shopping. There were synagogues in the town: a small one and a big one. Maybe there were more, but my parents never attended them and I wasn’t taken there either. I think that brit [milah] was performed on the eighth day after my brother was born. I think my grandparents insisted on that the way they did with the Jewish wedding. The bar mitzvah wasn’t performed on my brother, which upset both my grandfathers.

Мy parents didn’t observe Jewish traditions. I don’t remember my mother lighting candles on Fridays, and my father usually worked on Saturdays. The kashrut wasn’t observed either: we ate pork, tasty sausages and ham. There were a lot of Jewish dishes though: gefilte fish, chicken stew and broth, and tsimes 6. My mother mostly tried to stick to European cuisine. I tasted Jewish desserts at Grandmother Yena’s place, when we went to Pilviskiai, or when she came to our town with my grandfather. My grandmother baked scrumptious cookies with poppy and nuts, strudels with jam and raisins, made tsimes from matzah with honey. I enjoyed all that food. If they were in Vilkaviskis on Chanukkah, my brother and I got Chanukkah gelt.

I remember that, during Pesach, we went to my grandfather’s for seder. I remember that once the seder was carried out by Grandfather Kleinstein, аnd another time by Grandfather Solomin. I wasn’t deeply impressed by the celebration of Pesach and I took it like an ordinary delicious dinner. There was matzah and tasty dishes for Pesach, but my parents didn’t conduct seder. I also vaguely remember other Jewish holidays, as they weren’t celebrated in our house. I think my parents fasted on Yom Kippur, just to pay tribute to the Jewish tradition.

In the period 1935-36 a new Jewish school was built in Vilkaviskis and my father got a spacious apartment from the school, as he was the headmaster. This apartment was even better than the previous one. There were five rooms, instead of four. Now my brother and I had separate bedrooms. Secondly, there was a sewage system and central heating in the house. There was also a large beautiful bathroom and toilet. In this house there were maids as well who took care of us and the house. Our apartment was on the school premises. I liked looking at the schoolchildren. I envied their school uniforms and bags, which they carried with pride. I started running into the classroom to take a seat at the desk and listen to the teachers. My father couldn’t punish me. He never raised his voice at me.

It turned out that I became a schoolgirl at the age of five. I made friends with the Jewish schoolgirls and my life became more interesting. I didn’t have a lot in common with my brother. He was an adolescent and went to the Lithuanian state lyceum in Vilkaviskis. By summer 1940, I had finished the second grade of the school.

Our life had been calm and happy by summer 1940, which is embossed in my memory. In 1940 many things changed for our family. The Red Army came to Lithuania and our town as well. It’s difficult for me to say what my parents’ attitude towards the Soviets was, as I was too little. I know that the Jewish people expected the Soviet regime to free them from poverty and oppression. Our family had a great living. I doubt that we welcomed the Soviets. The wave of change took place on the very first day. The Jewish school was converted into a common school where the subjects were taught in Lithuanian. My father was fired and we were evicted from the school apartment. We went back to our house, which hadn’t been nationalized yet. Then they were after my father. The book on the municipal self-government of Vilkaviskis, containing the photographs of its members, including my father’s, was displayed in the window case of the town book store.

I don’t know what happened to the other members, but my father was mildly repressed. He was sent to teach at a Lithuanian school in a small town, Lazdijai [about 110km from Vilnius]. My father came home on Saturday and left on Sunday. Our life changed as well. My mother fired the maids and did work about the house by herself. She didn’t want to be blamed for exploitation. A Soviet officer moved into our apartment and he was given the best room. It was harder and harder to do things about the house. Not only did my favorite, bananas and oranges, vanish from the stores, but the primary products as well. There were only two types of bread, compared to about 20 types. The officials who came from the USSR bought everything from the stores. Nothing was left: there were no sausages, butter, food, cakes, and manufactured goods.

There was a deficit of the usual tights, linen, soap, and soda. I remember the officers pulling huge bales and packages to the post-offices. They must have been sending presents to their families. My grandfathers’ stores were nationalized. Fortunately, none of us were exiled, though our surnames were in the list of people to be exiled [see Deportations from the Baltics] 7. Though, the word ‘fortunately’ is irrelevant here. My kin wouldn’t have survived, if they hadn’t been exiled. Another year had passed. I kept on studying at the same school which was turned into Lithuanian from Jewish. In 1941 my brother Zeyev finished a ten-year school, former lyceum, with honors. My parents rejoiced and started thinking of his future, but their plans weren’t to be carried out.

During the war

On the night of 22nd June 1941 the town had been bombed from 3.30am. Our frontier town was one of the first to be hit by the fascists [German Nazis]. There was a terrible panic. People were trying to escape to wherever they could. It was good that it was Sunday and my father wasn’t at work. He managed to get a cart with a horse. All of us got on it taking only a small suitcase and left the town. A large truck passed us. There were young people in it, my brother’s coevals. They started talking my brother into leaving with them for Russia, but my mother was strictly against it. She thought that all of us had to stick together and didn’t let Zeyev go.

We were only several kilometers away from Vilkaviskis and the Germans on bikes were moving towards us. It was the first time I heard their abrupt phrase, ‘Schnell, schnell!’ [German for ‘Quick, quick’]. We and other fugitives were stopped and told to go back to the town. Upon our return the first selection was made: the young men were separated and taken to the basement of the printing house. Мy father and brother didn’t have a chance to say goodbye to us; they were arrested. My mother and I headed to our house, but it was in shambles. My mother found some Jewish people she knew, whose house was miraculously safe. I don’t remember what we were living on at that time. My mother must have sold her precious things which she managed to take with her. During the first days of the occupation there was an order saying that Jews were supposed to wear clothes with a yellow star on the sleeve. Those who disobeyed were to be shot at once. It was hard to find yellow cloth, but my mother managed and embroidered Jewish stars on the clothes.

There were a lot of bans. A curfew was introduced for the Jews which was earlier than the other citizens. We weren’t allowed to go into the stores and walk on the pavements. The mournful Jewish figures walked along the sidewalk, and the poor Jews were to walk on the road. If any of the rules were violated, Jews would be executed. Every day we took some food, sandwiches and bread to the printing house. The guard was a Lithuanian. He looked away, when we approached the basement. The windows were barred and we saw hands stretching out. We gave them the food and didn’t know how it was distributed. We didn’t manage to see neither my brother nor father.

Once, when we were coming back from the printing house, my mother and I overlooked the order and walked on the sidewalk. A bigwig fascist, accompanied by his aides, was moving ahead of us. He was an elderly man, corpulent and paunchy. Having seen my mother and me, the fascist started stamping, spitting and crying out some German words. I understood some of the words and was able to understand that he was threatening all the Jews, saying that he would crash and smear us. My mother and I then moved to the road.

In that period of time I saw Grandfather Jacob [Kleinstein] only once. He lived in his house with his sisters. That was the way we lived by 8th July 1941. Some of the neighbors informed us that the men had been told to leave the basement and run towards the barracks. Many ladies followed them, but my mother was petrified. We were told that there were all the young men and lads who hadn’t managed to escape. They were told to take off their clothes and leave their precious things in the barracks. Then they were given spades to dig their graves. The area was encircled with barbed wire. Naked men were forced to go under that wire. Then some Lithuanian pal said to my mother that my father refused to do it and he was hit by the spades and then shot dead.

After some time, the remaining Jews in the town were taken to those barracks. [On 28th July 1941, the systematic murder of the Jews in Vilkaviskis began. At first about 900 men were murdered. A ghetto was established for the remaining Jews, most of them women and children, in the local barracks, close to the mass graves of the executed men. The Jews in the ghetto were killed on the day after Rosh Hashanah, 24th September 1941. Only a few survived until the liberation.] I didn’t see my grandfather and his sisters. They were most likely killed. There was a huge heap of things in the barracks: men suits, shirts, shoes. Some papers and documents were scattered.

I saw how women rushed to that heap screaming. They were hoping to find traces of their husbands, sons, and brothers. My mother stood still. I don’t know whether she felt compunction for not having let Zeyev go with the youth. My mother never cried in my presence and made no comments on the events. Though, reminiscences on the pre-war times gave her so much pain that she couldn’t even speak. I don’t remember how much time we spent in those barracks: a month or a month and a half. It was like a bad dream. The Lithuanians we knew brought us food. I remember the feeling of constant hunger and thirst. We went to the toilet in the same room of the barrack, crammed with wretched and frightened women, children and elderly people. There was a terrible stench. It was summer and we had no chance to take a bath.

Craftsmen were selected among the Jews: seamstress, watch repairers, cobblers. The rest of the Jews: elderly men, women and children, were murdered. My mother turned out to be rather swift, which wasn’t unusual for her before the war. In an extreme situation, a person has to be ready to do things beyond his/her capacity. She met the family of the tailors and managed to introduce us as their relatives. Owing to that we remained untouched. In late August all of us had survived. The Jewish craftsmen were aligned and told to walk on foot. We were convoyed by the local polizei [see Lithuanian Polizei] 8. Those beasts tried to curry favor and tortured the poor even worse than the fascists: beat them, insulted them, made them run without giving them a break. They even made people do their toilet calls on the spot. Those who were behind were shot on the spot. I stayed close to my mother and she tried to comfort me.

We were taken to Pilviskiai, my mother’s hometown, the place where my grandparents lived. Their house was vacant. They were most likely killed during one of the actions in Pilviskiai. There were a lot of vacant houses in the town, as their dwellers had been shot. We were shown where to live. My mother and I settled in one house with the family of the tailor. Thus, Pilviskiai was transformed into a small ghetto. We stayed there for about three months.

Somehow life was gradually getting better, if it could be called ‘life.’ My mother stayed indoors most of the time. It was difficult for her to walk along her native streets with a yellow star. She helped about the house and learnt how to do rough seaming jobs and assist the host. I don’t remember what we were eating. I, who was used to being pampered to eat, was constantly hungry. At that time I wasn’t picky. I ate whatever I got, whether it was a slice of stale rye bread, potato or gruel. My mother was really happy if she could get a glass of milk for me. I felt pretty good in Pilviskiai. I had curly and fair hair, blue eyes, and didn’t look like a Jew at all. I was fluent in Lithuanian. That’s why I ran around the town without the yellow star, as I was taken to be a Lithuanian girl. The reason why I had a chance to move freely in the streets was because I was able to notice a lot.

On the evening of 13th November, I was in a hurry to get home, as it was fall, and it gets dark early. I saw polizei men knocking on the doors of the houses where Jews found temporary lodging and heard them swearing. Some old people, sobbing women and children were ousted to the central square. I wasn’t that joyful kid I used to be some months ago. Tribulation made me grow up and become observant. I understood immediately that the most terrible and last action against Jews was underway. The remaining Jews would be murdered. I went home and cried out, ‘Mother, let’s run!’ In a few words I told her what I had seen and my mother packed soap, towel and underwear in the punnet. We put on warm knitted jackets and headed out to nowhere in particular. We tried to convince the family of the tailor to go with us, but they refused, saying that there was no escape from those beasts and didn’t believe in the rescue.

It was cold and drizzling. My mother and I were dragging along the soft shoulder and reached an estate. We did take a risk to knock on the door. We saw a barn and went there. We slept there until dawn. I was sleeping, while my mother kept her eyes wide open. In the morning I knocked on the door. A Lithuanian opened it and let us in. There was no need of introducing ourselves, as my mother looked like a typical Jew. The host said that he would gladly give us a hand, but his neighbors weren’t very good men and would stooge on all of us. He said that he would let us stay for one day and then we would have to leave.

The host gave us a lot of food to eat until we were full and then we stayed in the barn the whole day. At dawn the host came and told my mother where to go. During the day he had managed to talk to somebody regarding a shelter for us. We went to a tiny hamlet, which didn’t even have a name. An elderly Lithuanian peasant couple lived there. Lithuanians were tacit people. Nobody asked us any questions. They silently put a bowl with food on the table and heated the bath. My mother and I enjoyed it very much.

I’m still surprised with human nature under severe conditions, when our life could end at any minute, and we were finding reasons for joy. We slept in the attic on the haystack. We stayed there for about three weeks, and then we started wandering. It’s hard, even impossible, to restore those years in my memory. We constantly changed places. At times we stayed in one place for only a couple of days, but sometimes we stayed for a couple of months. Almost nobody refused in giving us a hand. There were cases when people were scared to shelter us because of their neighbors or polizei men, but still they tried to find a place for us and directed us where to go. Now I think back to how we ran for our lives and the horror of the fascist occupation. We didn’t stay in the peasants’ house for very long, as there wasn’t enough room, and besides it was dangerous for us to stay there. Garrets, basements, sheds and barns were the places for us to stay. We were very well fed. People gave us the best they had. I think the hosts didn’t let themselves eat an extra piece, but gave us milk, sour cream, a full bowl of thick soup and a piece of pig’s fat on a slice of bread.

When we were ready to leave, the hosts gave my mother a parcel wrapped in clean linen. I remember how we hid in a hamlet in the house of the Lithuanians with the surname Marma. Their house burnt down to ashes and all of us slept on hay in the shed. The hostess cooked food on the fire in the yard. She cooked a separate dinner for us, but not worse than for her family, instead better and more substantial. I was given some clothing. I was getting bigger and besides, while roaming the clothes wore out quicker.

Winter was the hardest on us. My boots were torn apart and my feet were bigger. One Lithuanian lady taught my mother how to knit, and gave her needle and threads. My mother knitted thick socks for me and I was walking around in them in the snow. Strange as it may seem, in those wandering years, neither my mother nor I got ill. We didn’t even sneeze. Many peasants were impressed by my Lithuanian. They even invited their relatives over to hear me speak and sing Lithuanian songs that I knew. In my early adolescence I truly loved Lithuanian people, and their consideration. It was a shame how their gloominess covered their real kind hearts.

I grew older and didn’t care. All I wanted was food and a roof over my head. I wanted to read and learn something new. Peasants usually kept books on the garrets where we often had to sleep. Usually these were the books on the vitae of holy people and other Catholic books. There was nothing more for me to read, so I read each of those books from cover to cover and knew all the holy people and Catholic prayers. In one peasant house they even suggested that I should be adopted, baptized and raised as their own daughter, but my mother objected to that of course and wanted to leave that house as soon as possible. When we left, the peasant woman gave me a rosary, and I said the rosary when I was in the shelters. The best place where we lived was in the hamlet of the Lithuanian family Strimaitis. They were very well-off. They owned 40 hectares of land, which was a lot for a small Lithuanian family.

By that time the Soviets hadn’t managed to take away their land. The host was an agronomist. He had a large house, beautiful orchard and I was allowed to take a stroll there and eat fruits from it. I liked to watch the horses in the stables. The Strimaitis had a lot of them. The most important thing for me was that I had a friend now: the daughter of the hosts. Her name was Mildei. She was my age. The host told all the neighbors that I was his distant relative from Kaunas. On Sundays he took his daughter and me to the cathedral and my mother had to stay in the shed. There were interesting books in that house which I read. We stayed with the Strimaitis for about four times on different occasions, and each time we stayed for a few months.

We were lucky. We mostly came across good people. Only once we got into trouble. It happened in summer 1943. As usual, we went from one hamlet to another. We were pointed towards the hamlet where a good elderly couple lived. We went to the hamlet and saw the following: a half-naked young man was taking a bath over a basin by the well. An elderly woman was pouring water on him from the pitcher. We noticed at once that the guy was wearing pants of the polizei uniform and boots. We wanted to leave, but it was too late. ‘Hey Yids!’ he cried out. All of a sudden he started pointing a pistol and moved towards us threatening us with it. His mother tried to hold her son back, and burst into tears and besought him not to take a sin on his soul and let us go. This lasted for a few minutes, but it seemed like an eternity. ‘Fine,’ he said, ‘I’ll take you to the police station!’

He went to put his clothes on while we waited for him for quite some time. We didn’t dare to escape. If we had, he would have killed us at once. He let us run in front of him on the road. After some time we met a man on the way. It turned out that he was a district headman. He asked who we were and where he was taking us. He said that he wanted to shoot the Yids, but because of his mother he was taking us to the police station. They had a vivacious talk along the road. We followed them. There was rye-grass on the left side of the road and at that unforgettable moment, the man turned back, pointed at the grass and said, ‘Run!’ My mother and I dashed off. I don’t remember for how long we had been running, panting and falling. When we crossed the field, we saw the orchard of the Strimaitis’. It was the second miracle of the day, and again we were in the hands of good people. It was hard for them to bring us back from our trauma. Again we stayed with them for some months.

I don’t recall any other places where we went. In summer 1944 we happened to stay with the Strimaitis once again. Three years had passed since the fascist occupation. We knew that the Soviet Army had already liberated Vilnius and were looking forward to welcoming it. We spent the last days before the occupation in a small coppice by the yard. Mildei brought us food. When it got dark we went to their house and spent the night there. Once, when we were in the forest, I heard a noise from the road. I rushed to the road and saw a soldier in uniform which wasn’t familiar to me. I understood that the Soviet soldiers had arrived. I rushed to the forest and told my mother, ‘Russian soldiers have come!’ My mother came out with me, first cautiously, and then when she was sure that those were Soviet soldiers, she went out in the open. We cried tears of joy and hugged each other. It was the end of the war for my mother and me.

The leading Soviet squads were ahead of us, and the Soviet field hospital wasn’t far from the hamlet of the Strimaitis’. My mother and I often went there to help out the wounded. My mother broached a conversation with one of the employees, he was really astounded to hear my mother’s good Russian. My mother told one military man our tragic pre-war story. He advised us to go to Vilnius, as there might be battles. My mother decided that nobody was waiting for us in our native town. There was no house, kin, friends, and the mere streets of our town would make us go back to our previous life and hurt the wounds in our hearts once again. So we had to get to Vilnius and start a new life. We were given a lift by passing cars, to Kaunas [about 90km from Vilnius], wherefrom we reached the small town Kaisiadorys [about 50km from Vilnius]. There was a good train connection there. My mother and I took a goods train and on 24th August 1944, we got off at the Vilnius train station.

Post war

We walked along an empty city. We were surrounded by annihilated houses and apartments, wherein people had lived, planned, hoped, loved and envied. We could take any empty apartment. We inhabited a house on Georgievskiy Avenue, which later became Stalin Avenue, and is currently Gedemin Avenue. There were doors which separated the apartments in the long corridor. We got a three-room apartment. It was well furnished. There were sets of dishes in the cupboards, and some garments in the wardrobes. We felt miserable. It seemed to us that we were illegitimate intruders. Then the employees of the communal organization went to all the apartments and made lists of the things in the house. We were supposed to pay some money for the furniture and dishes, but were totally broke. We were given all that for free. One of the guys turned out to be rather kind. He said, ‘Well, use the things earned by your tribesmen. Let them have peace in Heaven.’ He gave up on us and left.

My mother found a job as a cashier in a canteen. In September I went to the fifth grade of a Russian school without knowing any Russian words, but by the end of the fifth grade I wrote dictations better than anybody else. We were indigent. It was the time of the food card system 9. Once a week we went to get the scarce products with our cards. We were starving now as opposed to during the war. Once we met a Jew and he said, ‘Madam Kleinstein, did you get your parcel in the synagogue?’ We went to the synagogue and it turned out that twelve parcels had been sent to my mother from her brothers and aunt from Los Angeles. They found out somehow that we were alive, but they didn’t know our address and decided to send the parcels to the address of the Vilnius synagogue. Many people did the same at that time.

The synagogue was a kind of information center. No efforts were made by anyone to find us, though almost all the Vilnius Jews who had survived knew each other. Our parcels were misappropriated and we didn’t get them. The lawyer who lived in our house tried to convince us to file a lawsuit in court. But my mother didn’t want to wash dirty linen in public so to speak, and decided not to proceed. The synagogue assumed its obligation for the reimbursement of the lost parcels. They gave out size 40 boots while I was a size 35, and some navy-blue coats, out of which my mother fixed me a winter coat. Since that time we started getting regular parcels from our relatives. Usually there were clothes and my mother sold them. She wasn’t a saleswoman and didn’t know how to do business and sold fashionable foreign things dirt cheap. She had some regular customers. As for our material life, it got a little better in a way. My mother even sewed me a school uniform, which was the only dress I had.

After some months, my mother was stricken with tuberculosis. She was in the hospital and as if ill luck would have it I got sick as well. I had either jaundice or dysentery. It was strange that during our wandering days in the war time, we didn’t even catch a cold. Our organisms must have had a protective mechanism in the days of ordeal. My mother’s state was very bad. She had the caverns and was between life and death. My mother’s brothers assisted us. They sent penicillin, which was in deficit in the USSR at that time and my mother was getting better. People stayed for many months in the hospital because of tuberculosis.

I was sent to an orphanage. It was called Jewish as there were a lot of Jewish children, who had lost their parents. Here I joined the Komsomol 10 and became the leader for junior schoolchildren: pioneers [see All-Union pioneer organization] 11. I enjoyed studying and absorbed the information like a sponge. I had a thirst for knowledge during my meanderings and I liked to take care of the pioneers, teaching them verses and songs, playing games, helping them with studies. I was fed pretty well. It was warm and cozy. The teachers treated me very well. They sympathized with the orphans. I had spent a whole year at the orphanage while my mother had stayed in the hospital. When she was discharged, I went back home.

I kept on studying right after I went back. I had straight ‘fives’ [the highest score, which is equivalent to an A in America] and was a very active Komsomol member. I was constantly busy, either organizing a tour or attending the theater, editing the paper, having classes with those who were lacking behind, etc. When I started the tenth grade, I found out that I was one of the candidates for a gold medal. [The gold medal was the highest distinction in the USSR for secondary schools.] But things turned out to be different. I was a serious girl on one hand, and on the other hand I was romantic and prone to be infatuated. I didn’t go dancing as it was considered frivolous for a girl of my age and it was disapproved by the social opinion and headmaster of the school. Once, my friend talked me into attending a dance pavilion in the park. It was a disaster. We met two soldiers in the park. One of them was Russian and the other Buryat. One word led to another and one dance to another and Matvey Malkhanov, the Buryat, and I couldn’t part.

He was a very interesting person, erudite, polite and well-bred. In short, we fell in love with each other and soon became very close. We actually became husband and wife. When Matvey asked my mother for my hand, she went berserk and didn’t want to give her consent. Matvey wasn’t a Jew, and had a rare and unusual appearance. Not only my mother, but the whole Jewish Vilnius was against it. Nobody could do anything. When the two of us went to the state marriage registration office I was pregnant already. I had to transfer to the evening school, and finished it the same year without a gold medal of course. In 1951 I gave birth to my son, Alexander. I lived with my mother. By that time she liked my husband very much and they called a truce. She couldn’t help loving him. He was a wonderful and kind person.

Matvey was born in 1928 in Kacha, Novosibirsk oblast, Krasnoyarsk [Russia, 4000km from Moscow]. In 1947 he was drafted into the Soviet army. His unit was in Lithuania. Thus, he turned out to be in Vilnius. Matvey’s parents didn’t meet me before we got married. He only wrote to them that he had met the woman of his dreams and gotten married. After a few years we went to his motherland. They welcomed me like their own daughter. They always treated me and our children very well.

Less than a year passed and I decided to go on with my education. In 1952 I entered Vilnius University, the faculty of Russian Language and Literature. It was easy for me to pass the entrance exams. I didn’t feel any bias towards me as a Jew. I wasn’t touched in the years when Jews were fired, tried in court, even in the period of the flagrant state anti-Semitism [see Campaign against ‘cosmopolitans’] 12, when the Doctors’ Plot 13 was storming. When Stalin died in 1953 I cried just like most of the people around me. My husband told me that I should rejoice, and not mourn as he knew many exiled in Siberia and saw terrible Gulag 14 camps and understood better than anybody who Stalin really was.

Our life was getting better. Having demobilized from the army, Matvey went to work as an engraver at a plant. Before the war, he finished an arts school in Novosibirsk [today Russia]. He had ‘golden’ hands and refined taste. The plant gave us a room in the remote district of Vilnius. The room was in a communal apartment 15. We shared a common kitchen with the neighbors. At first, it was pretty hard. In the morning we took our son to the kindergarten. I had to study. My mother helped me. At night my husband got up to take care of Alexander. Everybody gave me the opportunity to study.

I got severely ill when I was in the third year. I think it was the outcome of the occupation years: cold and hunger. I had pleurisy. Very often the complication of that disease is tuberculosis. I was treated in the hospital for a year and was behind in my studies. When I got well I had to transfer to the extramural department of the university. In 1955 I was hired by the paper ‘Soviet Lithuania’ [‘Sovietskaya Litva’, paper of the Soviet Republic of Lithuanian in Russian language] as a proofreader. I worked there for two years. I loathed that job.

Then another paper, ‘Komsomol truth’ had a job opening for a translator from Lithuanian into Russian. [‘Komsomolskaya Pravda’ is an all-Union youth paper by the Central Komsomol Committee. It was published six times a week. The first issue came out on 24th May 1925. The paper isn’t communist anymore and it’s still popular and is published in FSU countries under this title.] I and another candidate did the translation of the texts and both of us were offered the job. I worked for that paper for 23 years starting in 1957. I did a lot of translations. I took up any job. I was translating dissertations, books, and articles. I even supplied for translators who worked for other papers.

In 1980 I was employed by the paper ‘Communist’ [‘Komunist’ is a paper published in the Lithuanian Republic in Russian language. It was founded in 1940. It was published in Vilnius six times a week with the circulation of 45,000 copies. It ceased publication in 1991]. I worked there for two years and resigned. Until my retirement I worked for the press agency ‘Eta’ [‘Eta’ is an Information and Publishing Agency in Vilnius. It was founded in 1964 and specialized in publishing fiction literature, textbooks and literature of journalistic genre.]

My mother was bonded with my family. She didn’t have friends. She didn’t go to the synagogue. Before, my mother wasn’t religious and after the war she didn’t want to hear of God. Even if she had believed in God, she started disbelieving after she had lost her husband, son and relatives. Though, she always fasted on Yom Kippur and bought matzah on Pesach. I think she did it because she was used to it. My mother was getting more and more ill and couldn’t help me anymore. In 1964 she died. She had a secular funeral in the city cemetery in Vilnius without any Jewish rites being observed.

In 1966 I gave birth to a girl and named her Ilana. After four years we were given a separate two-room apartment. It was rather small, but it was mere happiness for our family. At last we had our own apartment. We lived comfortably. Both of us earned pretty good money. We didn’t own a car or dacha 16. Only a few people could afford that. We usually went on vacation with our children to the Baltic coast in Palanga. Once we went to Siberia. We stayed in my husband’s motherland for a month. We also went to Yalta [Ukraine, very popular holiday place] in the peak of the vacation season. Having been used to the cold sea, I could barely stand the Crimean heat. My husband and I loved each other very much. What really marred our lives was our vastly different appearance.

When I was young, I was a blue-eyed blonde, and Matvey who wasn’t of a common appearance: wide cheekbones, slant eyes, always got a lot of attention. People even pointed fingers at him. He was really worried because of that and I tried to turn it into a joke. Maybe it was one of the reasons why I never broached the subject of immigration to Israel with my husband. I worked among Lithuanians. I was never maltreated by them, and never heard any negative words regarding myself and Jews. Anyhow Israel attracted me like any other Jew, because it was my country. For the first time in many centuries we had gained our motherland. My husband and I had the same opinion of things. It’s such a pity that he died so early. In 1988 we got a telegram regarding the death of Matvey’s mother and he urgently flew to Siberia. Matvey felt really bad during the funeral of his mother and died on that very day. He was buried in Kacha next to his mother. I managed to go to his funeral. It was so unexpected, horrible and dreadful.

I have lived by myself since that time. My children identify themselves as Jews, though formally they weren’t Jews. Almost all their friends are Jews. My son served in the army and afterwards got a technical education. He became a communications worker. Alexander married a Russian-Pole, Anna, at a rather early age. He had two children: Tatiana, born in 1978, and Dmitriy, born in 1984. Recently, my son started his own business. He did well. Three years ago [in 2002] there was a tragedy. He felt unwell and within a month he died of brain cancer. I see my grandchildren, but not very often. I hardly keep in touch with my daughter-in-law Anna. She took to the bottle, but I strongly disapprove of people who want to sink tribulation in liquor.

My daughter Ilana graduated from Vilnius University, from the French Language and Literature department. She’s currently working in the French cultural center. Ilana married a Lithuanian. His name is Subachene. My favorite granddaughter Gabriela, born in 1986, is finishing a lyceum. She would like to become a doctor. She’ll probably continue her education abroad. Gabriela is fluent in English and is studying French. She identifies herself as Lithuanian, but treats Jews with great respect. When I came back from Israel, she asked me to talk to the students of her class and tell them about the country.

Since my husband’s death I’ve tried to be active and have a fully-fledged life. In 1972 I became a member of the Council of the Journalists of Lithuania. I took part in all the events of the Council. We received foreign delegations, and held symposiums. I enjoyed the trips throughout the country and overseas. I took the first trip during the Soviet regime. I went to Hungary and Bulgaria. I became a real globe-trotter in 1995.

I always keep in my heart the people who saved my life. I’ve kept in touch with my rescuers for many years. Now the parents [Strimaitis] and their daughter Mildei, with whom I still keep in touch, were conferred the title ‘Righteous among the Nations’ 17 by the museum Yad Vashem 18. The Lithuanian family of Mamra, who had been sheltering us for a long time, was exiled by the Soviet regime. My mother and I exerted every effort to find them, but didn’t succeed.

In 1991 [actually in 1990] Lithuania gained its independence [see Reestablishment of the Lithuanian Republic] 19. All of us took hard all those events connected with the resistance of Russia against the independence of the Baltic countries. I was never a communist. Being born here and living among Lithuanians, I’ve always supported their right for independence. Moreover, I remember my wonderful life during my childhood, when Lithuania was independent. I was formally retired, but I worked a lot and even performed simultaneous translations during the first seating of the Lithuanian government.

Unfortunately, all our hopes weren’t realized. Many of those whom we elected didn’t live up to our expectations, but we think positively. One of the ways the state status of Lithuania was displayed was the revival of Jewish life. There’s a wonderful Jewish community in Lithuania. There’s also the Jewish state school and Jewish state museum. I became an active member of the community. I’m a volunteer of the social department and member of the [Lithuanian] Council of the Ghetto Prisoners 20. I didn’t become religious, but I gladly go back to the Jewish traditions. I take part in the Jewish holidays in the community.

My work in the community helped me find new friends in Lithuania and out of its boundaries. Here I met a Dutch man Fritz and his spouse, a Polish photographer. I showed them Vilnius, the Old City. I walked along the former streets of the ghetto. I paid a lot of attention to them. Since that time we have remained friends.

After a year Fritz sent me an invitation and I went to the Netherlands. After that I went there twice. Fritz assists our community considerably. He often comes to Lithuania. Our friendship is cemented. I was in Israel and Germany twice. Recently, in May 2005, I and another activist of the community were sent to the feast in Krakov [today Poland] on the occasion of a sad date: the 60-year anniversary of the liberation from Oswiecim [Auschwitz] camp. It was sad and joyful at the same time: the commemoration of millions of innocent victims. We perceived the tolerance and internationalism of the modern world.

Glossary:

1 Great Patriotic War

On 22nd June 1941 at 5 o’clock in the morning Nazi Germany attacked the Soviet Union without declaring war. This was the beginning of the so-called Great Patriotic War. The German blitzkrieg, known as Operation Barbarossa, nearly succeeded in breaking the Soviet Union in the months that followed. Caught unprepared, the Soviet forces lost whole armies and vast quantities of equipment to the German onslaught in the first weeks of the war. By November 1941 the German army had seized the Ukrainian Republic, besieged Leningrad, the Soviet Union's second largest city, and threatened Moscow itself. The war ended for the Soviet Union on 9th May 1945.

2 Guild I

In tsarist Russia merchants belonged to Guild I, II or III. Merchants of Guild I were allowed to trade with foreign merchants, while the others were allowed to trade only within Russia. 

3 Occupation of the Baltic Republics (Estonia, Latvia and Lithuania)

Although the Molotov-Ribbentrop Pact regarded only Latvia and Estonia as parts of the Soviet sphere of influence in Eastern Europe, according to a supplementary protocol (signed in 28th September 1939) most of Lithuania was also transferred under the Soviets. The three states were forced to sign the ‘Pact of Defense and Mutual Assistance’ with the USSR allowing it to station troops in their territories. In June 1940 Moscow issued an ultimatum demanding the change of governments and the occupation of the Baltic Republics. The three states were incorporated into the Soviet Union as the Estonian, Latvian and Lithuanian Soviet Socialist Republics.

4 Keep in touch with relatives abroad

The authorities could arrest an individual corresponding with his/her relatives abroad and charge him/her with espionage, send them to concentration camp or even sentence them to death.

5 Shaulist Council

Nationalistic and militant organization in Lithuania in the 1930s, with about 10,000 members. Later they were fighting both the Soviet and the Nazi occupiers and applied partizan methods: exploded trains, assassinated militry leaders and communists. They were eliminated by the Soviet power after World War II.

6 Tsimes

Stew made usually of carrots, parsnips, or plums with potatoes.

7 Deportations from the Baltics (1940-1953)

After the Soviet Union occupied the three Baltic states (Estonia, Latvia and Lithuania) in June 1940 as a part of establishing the Soviet system mass deportation of the local population begun. The victims of these were mainly but not exclusively those unwanted by the regime: the local bourgeousie and the previously politically active strata. Deportations to remote parts of the Soviet Union were going on countinously up until the death of Stalin. The first major wave of deportation took place between 11th and 14th June 1941, when 36,000, mostly politically active people were deported. Deportations were reintroduced after the Soviet Army recaptured the three countries from Nazi Germany in 1944. Partisan fights against the Sovet occupiers were going on all up to 1956, when the last squad was eliminated. Between June 1948 and January 1950 in accordance with a Decree of the Presidium of the Supreme Council of the USSR under the pretext of ‚ grossly dodged from labor activity in the agricultural field and lead anti-social and  parasitic mode of life‘ from Latvia 52,541, from Lithuania 118,599 and from Estonai 32,450 people were deported. The total number of deportees from the three republics amounted to 203,590. Among them were entire Lithuanian families of different social strata (peasants, workers, intelligentsia), everybody who was able to reject or deemed capable to reject the regime. Most of the exiled died in the foreignland. Besides, about 100,000 people were killed in action and in fusillade for being members of partisan squads and another about 100,000 were sentenced to 25 years in camps.

8 Lithuanian Polizei

In Russian it refers to the local Lithuanian collaborators to the Nazi regime. Subordinated to the Germans they were organized as a police force and were responsible to establish the Nazi control in the country. They took major role in carrying out the destruction of Lithuanian Jewry.

9 Card system

The food card system regulating the distribution of food and industrial products was introduced in the USSR in 1929 due to extreme deficit of consumer goods and food. The system was cancelled in 1931. In 1941, food cards were reintroduced to keep records, distribute and regulate food supplies to the population. The card system covered main food products such as bread, meat, oil, sugar, salt, cereals, etc. The rations varied depending on which social group one belonged to, and what kind of work one did. Workers in the heavy industry and defense enterprises received a daily ration of 800 g (miners - 1 kg) of bread per person; workers in other industries 600 g. Non-manual workers received 400 or 500 g based on the significance of their enterprise, and children 400 g. However, the card system only covered industrial workers and residents of towns while villagers never had any provisions of this kind. The card system was cancelled in 1947.

10 Komsomol

Communist youth political organization created in 1918. The task of the Komsomol was to spread of the ideas of communism and involve the worker and peasant youth in building the Soviet Union. The Komsomol also aimed at giving a communist upbringing by involving the worker youth in the political struggle, supplemented by theoretical education. The Komsomol was more popular than the Communist Party because with its aim of education people could accept uninitiated young proletarians, whereas party members had to have at least a minimal political qualification.

11 All-Union pioneer organization

a communist organization for teenagers between 10 and 15 years old (cf: boy-/ girlscouts in the US). The organization aimed at educating the young generation in accordance with the communist ideals, preparing pioneers to become members of the Komsomol and later the Communist Party. In the Soviet Union, all teenagers were pioneers.

12 Campaign against ‘cosmopolitans’

The campaign against ‘cosmopolitans’, i.e. Jews, was initiated in articles in the central organs of the Communist Party in 1949. The campaign was directed primarily at the Jewish intelligentsia and it was the first public attack on Soviet Jews as Jews. ‘Cosmopolitans’ writers were accused of hating the Russian people, of supporting Zionism, etc. Many Yiddish writers as well as the leaders of the Jewish Anti-Fascist Committee were arrested in November 1948 on charges that they maintained ties with Zionism and with American ‘imperialism’. They were executed secretly in 1952. The anti-Semitic Doctors’ Plot was launched in January 1953. A wave of anti-Semitism spread through the USSR. Jews were removed from their positions, and rumors of an imminent mass deportation of Jews to the eastern part of the USSR began to spread. Stalin’s death in March 1953 put an end to the campaign against ‘cosmopolitans’

13 The Doctors’ Plot was an alleged conspiracy of a group of Moscow doctors to murder leading government and party officials

In January 1953, the Soviet press reported that nine doctors, six of whom were Jewish, had been arrested and confessed their guilt. As Stalin died in March 1953, the trial never took place. The official paper of the Party, the Pravda, later announced that the charges against the doctors were false and their confessions obtained by torture. This case was one of the worst anti-Semitic incidents during Stalin’s reign. In his secret speech at the Twentieth Party Congress in 1956 Khrushchev stated that Stalin wanted to use the Plot to purge the top Soviet leadership.

14 Gulag

The Soviet system of forced labor camps in the remote regions of Siberia and the Far North, which was first established in 1919. However, it was not until the early 1930s that there was a significant number of inmates in the camps. By 1934 the Gulag, or the Main Directorate for Corrective Labor Camps, then under the Cheka's successor organization the NKVD, had several million inmates. The prisoners included murderers, thieves, and other common criminals, along with political and religious dissenters. The Gulag camps made significant contributions to the Soviet economy during the rule of Stalin. Conditions in the camps were extremely harsh. After Stalin died in 1953, the population of the camps was reduced significantly, and conditions for the inmates improved somewhat.

15 Communal apartment

The Soviet power wanted to improve housing conditions by requisitioning ‘excess’ living space of wealthy families after the Revolution of 1917. Apartments were shared by several families with each family occupying one room and sharing the kitchen, toilet and bathroom with other tenants. Because of the chronic shortage of dwelling space in towns communal or shared apartments continued to exist for decades. Despite state programs for the construction of more houses and the liquidation of communal apartments, which began in the 1960s, shared apartments still exist today.

16 Dacha

country house, consisting of small huts and little plots of lands. The Soviet authorities came to the decision to allow this activity to the Soviet people to support themselves. The majority of urban citizens grow vegetables and fruit in their small gardens to make preserves for winter.

17 The Righteous Among the Nations

Non-Jews who rescued Jews during the Holocaust.

18 Yad Vashem

This museum, founded in 1953 in Jerusalem, honors both Holocaust martyrs and ‘the Righteous Among the Nations’, non-Jewish rescuers who have been recognized for their ‘compassion, courage and morality’.

19 Reestablishment of the Lithuanian Republic

On 11th March 1990 the Lithuanian State Assembly declared Lithuania an independent republic. The Soviet leadership in Moscow refused to acknowledge the independence of Lithuania and initiated an economic blockade on the country. At the referendum held in February 1991, over 90% of the participants (turn out was 84%) voted for independence. The western world finally recognised Lithuanian independence and so too did the USSR on 6 September 1991. On 17 September 1991 Lithuania joined the United Nations.

20 Lithuanian Council of the Ghetto Prisoners

It was founded in 1988 by the Lithuanian municipal Jewish community. The main purpose of the organization is mutual assistance as well as unification of Ghetto Prisoners and Concentration camps Jews, collection and publishing of recollections about the war, and arranging meetings with the public and youth.

Lilli Tauber

Lilli Tauber
Interviewer: Tanja Eckstein
Date of interview: July 2003

Lilli Tauber and her husband, Max Tauber, welcome me in their communal apartment in Viennas 19th district. We had already spoken on the telephone and were curious to finally meet each other. The smell of coffee fills the apartment, and a cake is sitting on the table. We chat for a while to get to know each other. Lilli Tauber is a small, lively woman with short, wavy hair. She laughs a lot which makes it hard to imagine what hardships she had to go through in her life. I immediately like her, and it is very easy to interview her because she remembers many events and names and relates stories as if they had only happened yesterday.

My family background
Growing up
During the War
Post-war
Glossary

 My family background

My maiden name, Schischa, is Hebrew and means ‘six’. King Salomon had a scribe, who was also called Schischa but his name was spelled ‘Shisha’. Legend has it that the Jewish community of Mattersdorf, which was renamed Mattersburg in 1924, was founded by six Sephardi brothers. At the end of the 15th century Jews had to flee Spain, and from about that time Schischa families have lived in Mattersburg.

All I know about my paternal great-grandfather, Heinrich Schischa, is that he was born in Neunkirchen [20 km from Mattersdorf].

My paternal grandfather, Josef Schischa, was born in Mattersdorf, but I don’t know when. He was a very religious man. He moved to Gloggnitz in Lower Austria, on the foot of the Semmering mountain. I have no idea why he moved. He had siblings in both Mattersdorf and Vienna. We visited some of them but I just recall a gipsy [Roma] camp we passed, which highly impressed me because of the horses and carts. Unfortunately I don’t remember my relatives at all.

My grandmother’s name was Karoline Schischa [nee Gerstl]. I don’t know where she was born. My grandfather and her had four children: Paula, my father Wilhelm, Helene and Adolf. My grandmother died in 1894 when my father was eleven years old. I don’t know what she died of. My grandfather got married again after her death. My second grandmother, Anna Schischa [nee Guenser], came from Lackenbach in Burgenland province. They had four children: Ludwig, Richard, Malwine and Erna.

My grandfather was dealing with clothes and moved from Gloggnitz to Neunkirchen, but I don’t know when or why. He owned a house in Neunkirchen and ran a clothes business.

Neunkirchen had a big Jewish community. Apparently there were so many Schischas several hundred years ago that some of them took on the name Loewy. I don’t know why they chose the name Loewy.

I had eight uncles and aunts on my father’s side. Paula [Pauline] Schischa married Gottfried Freudmann. I often go to Café Teitelbaum in the Jewish Museum [in Vienna], which also has a library. I think it was there that I came across the book, Heilige Gemeinde Neunkirchen. Eine jüdische Heimatgeschichte von Gerhard Milchram’ [The Holy Community of Neunkirchen. A Jewish local history by Gerhard Milchram]. I browsed through the book, and all of a sudden I saw a wedding announcement. It said, ‘Josef Schischa announces the marriage of his daughter Paula to Dr. Gottfried Freudmann’. I was very curious about how the wedding announcement of my aunt and uncle ended up in that book. I called Mr. Milchram, we met and it turned out that a certain Mrs. Vogel from the US, was a descendant of the Loewy family and thus also my family. She did a lot of research and also sent me our family tree.

Gottfried Freudmann’s father’s name was Aron Freudmann. [Source: ‘Heilige Gemeinde Neunkirchen’, Gerhard Milchram, Mandelbaum Verlag] Gottfried was a doctor of philosophy and worked as a civil servant with the Vienna Kultusgemeinde [Jewish Religious Community]. They lived in Viennas 9th district. Both were very pious, and Aunt Paula also wore a sheitl. My uncle was religious but a social democrat at the same time. I don’t know how that worked, but that’s the way it was. Aunt Paula and Uncle Gottfried were murdered. [Pauline Freudmann, nee Schischa, born 26th December 1880, and Gottfried Freudmann, born 17th November 1875, were deported to Izbica Lubelska from Vienna on 12th May 1942 and killed.] They had five children: Karoline, Walter, Erich, Selma and Armin.

Karoline Freudmann was born around 1908 and just called Lilli. She married Mr. Heller, a mathematician. They emigrated to Switzerland, where they probably lived with the support of aid agencies, and survived the war. Lilli was a communist through and through. Mr. Heller became a well-known mathematician in the US after the war, but Lilli didn’t want to move to the US because ‘a convinced communist doesn’t go to a capitalist country’. She moved to Vienna, to her brother Walter, a doctor, who was also a communist. Lilli had a daughter, Gerti, who went to the US with her father. So Lilli was in a permanent inner conflict. One day her husband came to Vienna and just took her back to the US with him. Lilli died about five years ago in Washington.

Dr. Walter Freudmann, her brother, joined the Spanish Civil War [1936-1939] as a communist, was interned in France and then came to visit me in England. That was before 1st September 1939. He went from London to China as a doctor with the Red Cross. He became a major with the American army, but I have no details about how that came about. Shortly after the war he was in Austria again and worked as a general practitioner. He had his own practice in Vienna. He got married to Grete, a Roman-Catholic, and they adopted a child called Eva. Walter died about ten years ago.

Erich Freudmann, born in 1909, wasn’t married and didn’t have any children. He lived in Vienna, was a communist and ran away to Brazil when he was very young. I have no idea what he wanted to do there. He fell sick with malaria and Aunt Paula and Uncle Gottfried somehow managed to bring him back to Austria. I remember that he visited us in Wiener Neustadt once. He came on his motorbike, and that was a sensation at the time. Later he became an editor with ‘Rote Fahne’ [the official organ of the German Communist Party] and fought in the Spanish Civil War. When Hitler came to power, Erich was deported to a concentration camp and we never heard of him again. [Erich Freudmann, born 17th June 1909, was deported from the French transit camp Drancy to Auschwitz on 31st July 1944 and died in Dachau concentration camp on 28th March 1945. Source: DÖW data bank.]

Selma Freudmann was a paediatrician. She got married to Dr. Kastan, a tax adviser, who was a very handsome man. Only one side of his family was Jewish. They lived in Vienna and had four children: Hans, Eva, Peter and Hilde. They emigrated to Cochabamba in Bolivia in 1939. Peter was still a baby at the time. Hilde was born in Cochabamba. The family stayed in Bolivia during the war and we kept in touch through letters. After the war they moved to New York and from there to Palo Alto, California, where we visited them once. Selma still worked as a doctor at the age of 80! Her daughters, Hilde and Eva, live in Palo Alto and sometimes write to me. Hansi lives in Los Angeles and is very religious, and Peter lives in the USA.

Armin Freudmann was the same age as my brother and often visited us in Wiener Neustadt. Armin was an engineer and an enthusiastic communist. After the German invasion he fled to Luxembourg and got married to a Jewish woman whom he had already known in Vienna. When Hitler invaded the Benelux countries in 1940, my uncle was deported to a concentration camp. He survived the war after having been in, I think, seven different concentration camps. His wife was murdered. Armin returned to Vienna after the war and got married again. His second wife’s father was Jewish. They had three children: Friedl, Nanni and Gustl. Armin worked for the ‘Rot-Weiss-Rot’ radio program in Salzburg after 1945 and later for the SMV mineral oil association [today: OMV]. [Radio Rot-Weiss-Rot, named after the colors of the Austrian national flag, was a popular Austrian radio station that was closed down in July 1955. Some of the programs were taken over by the OMV].Osterreichischer Rundfunk radio station.] He was also a poet; his son even published a volume of Armin’s poetry in a private publishing venture. Armin died shortly before his retirement. It was a shame because he was really looking forward to his retirement and had many plans for his life as a pensioner.

My aunt Helene Schischa got married to Adolf Weinstein. They didn’t have any children. They lived in Vienna. I don’t know what they did for a living. [Helene Weinstein, born 16th July 1886, and Adolf Weinstein, born 16th January 1883 were deported from Vienna to Maly Trostinec on 5th October 1942 and murdered on 9th October 1942. Source: DÖW data bank]

My uncle Adolf Schischa lived in Wiener Neustadt. He got married to Selma Gerstl, who came from Vienna, and they had two children: Herbert, who is the same age as me, and Erika. Uncle Adolf was in the clothes business, just like my father. Uncle Adolf and Aunt Selma fled to France after the German invasion but were later deported to Auschwitz from there. [Adolf Schischa, born 10th August 1888, and Selma Schischa, born 3rd May 1903, were deported from Drancy to Auschwitz on 26th August 1942 and murdered. Source: DÖW data bank]. Herbert and Erika were brought to England with a Kindertransport 3 and still live there.

My uncles, Ludwig and Richard Schischa, took over my grandfather’s house and shop in Neunkirchen after his death in 1927. My mother got a silver spoon from him on the occasion of my birth shortly before his death. My grandfather was buried in the cemetery in Neunkirchen.

Uncle Ludwig never married. He lived with his parents in Neunkirchen and died very young before the war, I think of tuberculosis.

Uncle Richard continued to run the business. He lived with his wife, Helene, and my grandmother Anna. His wife was from Nitra, Slovakia. Her father was a vet. In 1938 their house was Aryanized, and Uncle Richard, his wife and their 5-year-old son, Heinz, tried to flee to Palestine. The first illegal transports left from Bratislava going downstream the Danube river all the way to Bulgaria. They were already on board a ship with the child, but shortly before the ship was about to cast off, the order was given that all children had to leave the ship and board another one. My uncle and aunt never saw their son again. Of course they never got over their grief.

Uncle Richard and Aunt Helene returned to Austria at the end of the 1940s. They first lived in Vienna, where my uncle worked as a laborer in a carpentry. When their house in Neunkirchen was returned to them, they moved back there and reopened the shop.

Aunt Helene suffered from fits of depression and was treated with electric shocks. I don’t know if the electric shocks were the reason, but after one of those treatments she got a horrible stomachache An ambulance brought her to hospital in Vienna. They operated on her and found out that her stomach was caught in her diaphragm. She never came round from the anaesthetic. That happened in 1962. After her death they found the clothes of her murdered son in her wardrobe.

Uncle Richard stopped to go to the temple after the war, but he recited the Kaddish at my father-in-law’s funeral. Uncle Richard died of a heart attack in 1972. That’s the tragic story of Uncle Richard and his family.

I never met my aunt Malwine. She was married to Dr. Siegbert Pincus, who came from Danzig [Poland]. He was a professor at a grammar school in Vienna. They had a son, Ernst, who was born in 1924. He lives in England now. After the German invasion he was brought to Ireland and then further on to England with a Kindertransport. He had a good job in the oil business.

Aunt Malwine died in 1927. Now, there’s a Jewish custom: If a wife dies and has a younger, unmarried sister this sister gets married to the widower. So my Aunt Erna had to marry Uncle Siegbert, and I don’t think that she was very happy doing that. Uncle Siegbert was handsome but cold. I felt that when I was a child and talked with my aunt about it, and she confirmed my suspicion.

Aunt Erna had the chance to escort a Kindertransport and emigrate to England, where she got a job as a maid. Her husband was murdered. [Siegbert Pincus, born 15th December 1890, was deported from Vienna to Minsk on 28th November 1941 and murdered there.]

My father, Wilhelm Schischa, was the oldest son. He was born in Gloggnitz on 11th October 1883. My father was a master tailor. He opened a menswear shop in Wiener Neustadt, and his master craftsman’s certificate was hanging on the wall there. He regularly drove to Vienna to buy clothes from wholesalers, which he then sold in his shop.

My father suffered terribly from varicose veins and therefore wasn’t recruited to the K&K army during World War I. [Editor’s note: ‘k und k’ is an abbreviation for the German ‘kaiserlich und königlich’ which means ‘imperial and royal’. K&K army was the general term for the Austrian-Hungarian army.] But he must have been doing something that was connected with the war because he told us about a camp for Russian prisoners of war near Wiener Neustadt. My father had to deliver bread with a cart somewhere and passed by that camp. The prisoners were very hungry, and he always threw a few loaves of bread over the fence for them.

My maternal grandfather, Eduard Friedmann, came from a rabbi family in Hungary. They were very pious. I’m sure that my grandfather had siblings. I remember two women, my mother’s cousins, who came to visit us once. They lived in Steinamanger [Hungarian: Szombathely], were very pious and wore a sheitl. None of them had children, however, and that’s very unusual among pious people.

My grandmother, Sofie Friedmann [nee Daniel], came from Kobersdorf in Burgenland province. [Sofie Friedmann, born 17th September 1856; source: DÖW data bank.] Her sister Adele was married to a certain Mr. Riegler, who owned a grocery. Our family often told the story: Mr. Riegler was brought to Edlach, the health resort where Theodor Herzl 2 died in 1904, to wash Herzl’s corpse because Riegler was the only Jew around.

Aunt Adele, my grandmother’s sister, died in a Jewish old people’s home in Vienna. Her son Julius and his wife Julia were killed in the course of the Kladovo transport 3. They had two sons; one of them was called Fredl. I don’t remember the name of the second one. Both sons survived because they weren’t on board the ship.

My grandparents lived in Prein, a small health resort, on the foot of the Rax mountain. They had a beautiful house and a grocery shop. One could buy anything in this shop – which was usual in the country at that time. There were newspapers, tobacco, food, handkerchiefs, and there was also a small gas station attached to the shop.

My grandparents had six children: My mother, Johanna, Isidor, Julius, Fany, Berta and a son, who died of typhoid, I think at the age of 14. I don’t remember his name. My grandfather died in 1900 at the age of 49. His children hadn’t come of age yet and therefore needed a guardian. Uncle Riegler became their guardian.

My grandmother wasn’t very old yet and still helped out in the shop after her husband’s death. She stopped wearing a sheitl when she grew older. When I was five or six, she was very old and lived in a room on the first floor of my uncle’s house. Uncle Isi wasn’t very religious and didn’t lead a kosher life. She wouldn’t have touched any of the food in the house, so my uncle regularly drove from Gloggnitz to Neunkirchen to get kosher meat for her. In the afternoon my grandmother went down to my uncle and aunt’s place for coffee. The house was always bustling with activity, there were often visitors, and our whole family got together there, too. The house was extremely beautiful. It was torn down a little while ago. When I heard about this I felt miserable. I think I would have bought the house if I had had the money because to me it was more than just a house.

Uncle Isidor, who was just called Isi, took over my grandfather’s house and shop in Prein. He was married to Josephine Katz. Her parents had a huge house in Vienna’s 16th district. Isi and Josephine had two children: Erika and Erich. Shortly before World War I Uncle Isi built a new house opposite the old one.

Erika married a fur dealer from Neunkirchen whose second name was Sidon. After the German invasion they illegally fled to Antwerp with their parents and headed further on to Palestine. They stayed in Israel. Erika had three daughters. She died comparatively young. Erich illegally went to Palestine in fall 1938 and married a girl from Berlin called Towa. He died in Israel in 1994.

Uncle Julius Friedmann was born on 15th September 1889. He was an enthusiastic mountaineer, in tune with nature, and a socialist. He got married to Josephine Katz’s sister Elsa. They lived in her house in Vienna’s 16th district. During the February fights 4 he was almost beaten to death. They had a son, Heinz, who came to England with a Kindertransport. Aunt Elsa emigrated to France and lived in the underground. Someone reported on her, and she was murdered. Uncle Julius was murdered, too.

Aunt Fany Friedmann, born in 1898, married a journalist whose second name was Bauer and who wasn’t a Jew. They lived in Prague and didn’t have any children. Once, after she returned from a health cure in Marienbad, she found out that he had cheated on her with the maid. She packed her bags and left. She returned to Prein but her husband followed her and tried to convince her to come back to him. However, she couldn’t forgive him, stayed in Prein and helped out in the shop.

Aunt Berta Friedmann was born in Prein in 1898. She married Roland Ohme. They didn’t have any children. They lived in Styria in the beginning. One of Aunt Adele’s daughters owned a clothes factory there where they produced blankets and things like that. Aunt Berta’s husband worked as an electrician in the factory. Later they moved to Vienna, and he started to work with Siemens. Uncle Roland wasn’t Jewish and after the German invasion, he was advised to divorce Berta. He stayed with her, and that’s how Aunt Berta managed to survive the war. She lived in Vienna, didn’t have to wear a yellow star but had to do some kind of forced labor.

My mother, Johanna Schischa [nee Friedmann], was born in Prein on 19th May 1885. She was affectionately called Handschi. My mother went to primary school in Prein but had no further education.

There was a ball at Purim in Neunkirchen, my mother went to, and she met my father there. I don’t know when that happened. In any case, my father traveled by cart to my grandmother and asked for my mother’s hand. That was rather unusual because people mostly got married through shadkhanim back then. It seems that my grandmother gave them her consent because my parents got married in 1908. So my parent’s marriage was one of love, which, apparently, was an exception to the rule back then.

 Growing up

My brother, Edi [Eduard] Schischa, was born in Wiener Neustadt on 5th October 1914. He finished primary school and four years of grammar school. I don’t know if he quit grammar school because he wasn’t such a good student or because he just didn’t want to study anymore. In any case, he served an apprenticeship as a tailor and finished it with his final examination. Afterwards he worked in my father’s shop.

I was born on 13th March 1927 in Rudolfinerhaus in Vienna’s 19th district. My mother was already 42 years old when she got pregnant with me and knew that there may be difficulties because they had discovered a tumor during pregnancy examinations. They operated on her and removed the tumor. Nonetheless it could have been a difficult delivery, and that’s why my mother went to hospital in Vienna.

I was a welcome surprise to the whole family, which was fairly big. My uncles and aunts were rather old at the time, and my cousins could have almost been my parents. I think they all enjoyed having me around. And my brother, who was 13 years older than me, loved me very much, too.

My name is Karoline Tauber, nee Schischa. Everyone calls me Lilli; no one knows that my real name is Karoline. I didn’t even know myself until I started school. When I got registered at school they needed my birth certificate, and that’s when I saw the name Karoline written down there. Nonetheless, I continued to be called Lilli. There’s another Karoline in my family, the daughter of my father’s sister Paula, and, for some strange reason, she’s called Lilli as well. We were both named after our deceased grandmother; it’s possible that she was just called Lilli, too.

We owned a house with a garden in Wiener Neustadt, which was quite luxurious for the standards back then. My mother was a housewife, and we also had a maid.

When I was a baby we apparently went on vacation to Katzelsdorf, a small village in Burgenland province, once. That was an exception. Back then things were different. People were on summer holidays but didn’t go on vacation as such. We often spent the summer with my grandmother and Uncle Richard in Prein, which was a health resort anyways. My parents could never go on a holiday together because one of them had to take care of the shop. So either my mother or my father joined us on our vacation, and the other one stayed at home.

Grandma Anna, my father’s stepmother, lived in Neunkirchen and we often visited her on Sunday because Neunkirchen isn’t far from Wiener Neustadt. She was a very warm-hearted person and raised four adopted and four of her own children. She was always nice to us, her grandchildren, and sent us home-made hamantashen for Purim.

We also visited my uncles, aunts and cousins in Vienna and I remember visiting Schoenbrunn Palace 5 and Schoenbrunn Zoo.

My father’s family was very religious, but my father wasn’t really that religious himself. He kept the shop open on Saturdays and even smoked on Saturdays. My mother, on the other hand, was very religious. They never had any arguments about that. She didn’t wear a kerchief, but she kept a strict kosher household, we had separate dishes for dairy and meat products and special dishes for Pesach. Apart from that we celebrated all holidays such as Yom Kippur and Rosh Hashanah and held seder. The shop was closed on high holidays, and we went to the temple. I don’t remember whether my brother fasted or not, but him, my parents and me spent the high holidays together.

Jewish traditions were very important to my mother. Every Friday on Sabbath kiddush was said over a glass of wine, candles were lit, and we had barkhes. There was always a napkin folded over barkhes. We usually had cold food in the evening, but on Friday evenings we had diced carp as a starter and goose or chicken as a main dish. I remember that the geese were stuffed to become very fat and get a big liver. We used goose fat for cooking because we didn’t eat any pork dishes.

I think my parents only had Jewish friends. I don’t remember any acquaintances of ours who weren’t Jewish.

We were five Jewish girls at primary school, and there were only two of us left at grammar school.

Religious classes took place in another school, and the father of our teacher was one of my mother’s cousins. I don’t remember his name. My mother always took me to our religious classes because they took place in the afternoon. She spent the first half an hour of our lesson chatting with our teacher, which we, students, were quite happy about of course. During my school years I had two Jewish friends: Trude Gerstl and Susi Bauer. Trude Gerstl lives in Israel today.

Ten days after I got my permit to emigrate to England [in 1938] I received a second permit. My father took it to the British Council and asked them to transfer it to my friend, Susi. They refused to do so, and she was murdered. [Susanne Bauer, born 14th July 1927, was deported to Wlodowa ghetto on 27th April 1942.]

There was a Christian family that lived two blocks from us. The husband was a policeman. They had two daughters, Grete and Hanni Gross, who were friends of mine.

During the War

I didn’t experience any anti-Semitism until 12th March 1938 [Anschluss] 6. I was 11 years old and studied at grammar school. Andrea, the daughter of a non-Jewish doctor, picked me up at my parents’ place every morning, and we went to school together. Back then everyone went on foot; it wasn’t a long walk anyway. We were good friends but after 12th March she stopped hanging out with me from one day to the next. It was horrible for me; I was just a child and didn’t understand why. As it turned out later she had brothers who had been Nazis illegaly a long time before the Anschluss.

Everything changed. Our shop was Aryanized, and my father was advised to sell our house. He did so, but we were allowed to stay until he found a new home for us.

Sometimes there were people who tried to help us. The priest’s cook, for instance, brought my grandmother fresh vegetables. However, there were also people who spit at my grandmother’s feet; they were customers who had debts in my grandfather’s shop.

This happened during the summer holidays. I was supposed to go back to school in September but I wasn’t allowed to go to the regular grammar school any more. The Jewish community in Wiener Neustadt continued to exist a bit longer, and a school was set up in the praying house, which was close to the big, beautiful synagogue. When I still went to grammar school our religious classes took place in the praying house, which could be heated in winter.

We had a Jewish teacher and about 20 to 30 children from Wiener Neustadt and surroundings came to the praying house and studied in the same classroom. It wasn’t a regular school but at least we had the opportunity to study. I remember 10th November 1938 [Kristallnacht] 7 very well. It was a Thursday, the sky was cloudy and it was about 10am when someone came into the classroom and started whispering into our teacher’s ear. Afterwards the teacher told us to go home, saying that something was going on. My parents were surprised that I returned from school so early. At about 11am the doorbell rang and the Gestapo arrested my father. They took him along with them.

Other Jewish families lived in our neighborhood, inlcuding the Schurany and the Gerstl family, who were friends of ours. My mother, who was devastated after my father’s arrest, said, ‘Lets go over there and try to find out what’s going on.’ They told us that they had heard that all Jewish men would be arrested. When we were on our way home we saw two cars parked close to our house. The wooden gate to our place had been smashed, the SA had also broken into the house, and we saw them ransacking the veranda and the rooms.

We had one of those tills that don’t exist any more today, and they asked my mother for the key. Afterwards we had to follow them. They took us to the synagogue. All Jewish women and children from Wiener Neustadt had been brought there and were searched for money and jewelry. They had to hand in everything; the SA deprived them of all their belongings.

Mrs. Gerstl, my friend Trude’s mother, didn’t want to sign a paper saying that she would hand over her house, so they beat her until she did sign it. I witnessed all of this. When night was falling they led us into the synagogue. The floors were covered with hay, and they gave us Torah blankets to cover ourselves up. We were locked in for three days. The synagogue had a yard with an iron gate facing the street. There were people outside the gate watching, and people from Wiener Neustadt looked on with amusement as we, Jewish children, had to go round in circles.

All of a sudden I had a soar throat and came down with a fever. A young SA man was sent to accompany me and my mother to the hospital in Wiener Neustadt and make sure we wouldn’t escape. While we were waiting for the doctor there, nuns that worked at the hospital secretly gave us food. Then the doctor came and examined my throat. The next day, when three more children turned up with soar throats and fever, it turned out that scarlet fever was going around. The four of us had to stay in hospital in Wiener Neustadt. The women and the other kids were put onto a bus and taken to Vienna, dropped of in Taborstrasse [in Vienna’s second district, where many orthodox Jews used to live and still live today] and allowed to go wherever they wanted to.

We never returned to our house; all our possessions had been stolen.

My mother went to her sister-in-law, Aunt Paula. Nobody knew where my father was.

My father turned out to be in the police prison on Elisabeth promenade, where they had crammed all Jewish men that had been arrested. He later told us that it was horrible, and that there wasn’t even enough room to sit down. Then they made their choice about who would be brought to Dachau, and who would be allowed to go home. My father and Uncle Adolf stood next to each other. My father was told that he could go home, my uncle was deported to Dachau concentration camp.

I was in hospital at the time, and the nuns and doctors were fantastic. They made absolutely no difference between Jewish and non-Jewish people. My father picked me up after six weeks and we stayed with Aunt Paula and Uncle Gottfried in Vienna. That was at the end of December 1938. There was only one subject of conversation among Jews at the time: ‘How do we get away from here?’

My brother fled to Palestine with an illegal transport in October 1938. After that I never saw him again. Traveling was expensive and we both didn’t have enough money to travel after the war.

No one cared about school any more. Uncle Gottfried had connections with the Bnei Brit lodge, a Jewish social organisation. Bnei Brit means ‘Children of the Covenant’, and those lodges exit all across the globe. Back then they helped to save the lives of Jewish children.

The proceeding was such that someone had to guarantee that the child wouldn’t be a burden to the British state. Children who had such a guarantee received a permit and were allowed to emigrate to England with a Kindertransport but without their parents. There were girls, boys and even babies in these Kindertransports – it’s hard to imagine what it was like today.

No one ever told me that my parents would follow me to England, but I never gave up hope they would.

I only realized how courageous my parents were later, when I already had children of my own. It must have been terrible for them to bring me to the railway station. I was excited back then and understood that it was better for me to go away. I wasn’t angry with them for sending me away. At the time I didn’t even think of the possibility that I may not see my parents again.

Each child had a red plate with a number put around the neck. A plate with the same number was put onto each child’s suitcase. That’s how I arrived in England. I didn’t speak a single word of English. Three children of our convoy were dropped off at the train station in London and taken into a hostel from there. The hostel belonged to the Bnei Brit lodge, and there were mainly children from Germany there, so everyone just spoke German.

I had been raised religiously. Our superintendent in England was strictly orthodox and forced us to live an orthodox way. We weren’t even allowed to brush our teeth on Saturday, and had to pray after every single meal. She was horrible. There was a girl called Lotte Levy, who came from a strictly orthodox family in Cologne. Her father was a shammash. However, due to the pressure of our superintendent she completely broke away from religion.

In the beginning the girls from Germany made fun of my Viennese accent and were quite nasty to me. Later things calmed down and the nastiest one of the girls, Lotte Levy, became my best friend. She later moved to New York.

I still remember many other girls from that hostel: The youngest girl in the hostel was called Rosi; she was 5 at the time. There was Sylvia Avromovici, who came from Chemnitz. Her parents were murdered. Sylvia lives in America today. Cilly Horvitz came from Hamburg. Her mother was Christian, her father Jewish. I think he died during the war. Cilly still lives in London. Then there was Lilli Kohn from Vienna, who lives in Brazil now, and Helga Reisner from Berlin. I don’t know where she lives today. Cilly Salomon and her older sister Ruth came from Danzig, and their parents and younger brother survived the war in Shanghai. Cilly lives in Israel today. Rita, whose surname I don’t remember, lives in London, and so does Anita Schiller, whose parents were murdered during the war. Ruth Wassermann came from Berlin, and her parents managed to flee to China. Her father died in China, but Ruth and her mother met up again in America. Gretl Heller from Berlin lives in New York today. Her parents survived the war. Gretl got married to an Austrian and was therefore able to visit Vienna – once through the ‘Jewish Welcome Service’, an organization that invited Jewish expellees from all across the globe to visit their homecountry again. Their service lasted for many years, but now the state has cancelled its subsidy.

We even had a maid, who was from Vienna, at the hostel.

I dearly loved my parents as well as my brother Edi, my grandmothers and my many aunts, uncles and cousins. Of course I missed them a lot and was looking forward to see them again soon. Despite their worries about us, it must have been a relief to my parents to know that me and my brother had escaped the danger, which wasn’t all that obvious at that point. My parents had tried to leave Austria, too, but they didn’t succeed because they didn’t have enough money.

I wrote many letters to my parents and still have all these letters. My brother was in Palestine and I wanted to go there, too – much to my parents’ dismay. In a letter I wrote to them from England on 21st August 1939 I said, ‘Although I’m happy to be in England, it’s my greatest wish to go to Israel. Dear Papa, please try your best to make my dream come true.’ My father, who got very scared, replied, ‘Why do you want to go to Palestine? Who has put that crazy idea into your head? You always write that you are doing fine. Don’t make us even more desperate with such foolish ideas. Your dear brother Edi wrote that you are better off in London than in Palestine. Please don’t mention those ideas of yours in your neighborhood … Do you know how happy we would be if our dear Edi wasn’t in Palestine? If he were anywhere else in the world, we wouldn’t have to worry so much about him …’

In another letter to my parents I wrote, ‘My beloved ones, … Dear Papa, you are right. The faith in God is the most precious gift man can get, and those who lose their faith in God lose themselves. So trust in God and everything will be alright. God bless I can lead a kosher life here. I pray every Friday and Saturday as well as after every meal. I have decided to be a good and pious person.’

In August school started in England, or rather, one day we were just told that we had to go to school. It was a regular school and children were submitted to classes appropriate to their age. I was the only emigré in my class and didn’t know a single word of English. It was horrible. First, everyone looked at me as if I was somehow spectacular. The teacher had probably explained to the other students who I was, but as I said, I didn’t understand English. The teacher did her very best to teach me a little bit of English.

One or two weeks later the war began [1st September 1939]. We were sent to live in the country, in Cockley Cley, with a certain Lady Roberts. She belonged to the English landed aristocracy and wasn’t Jewish. She was about 50 or 60 years old, very nice and concerned for our well-being. She knew what was happening to Jews and had enough money to help a lot of them. She owned a large plot of land and employed many farm workers who also lived there. It was a huge asparagus farm, and many people worked for Lady Roberts and lived on her estate.

English children lived with the farm workers, and emigrant children stayed with Lady Roberts.

I used to draw a lot at the time, and recalling the pictures I drew back then, I must say that they were very beautiful and I was very talented. I didn’t think of it back then, but I really should have done something with my talent.

There was no school in the village so all the children went to school in Swaffham, the nearest bigger city. Our teachers from London had come with us, and Lady Roberts arranged for a little cottage with two rooms to be transformed into classrooms. None of the teachers knew German, so I learned English pretty quickly.

When we moved to Lady Roberts’ estate our cook came along. She was strictly kosher and got her own kitchen. Lady Roberts made sure that she would get kosher meat and so on.

Lady Roberts received a certain amount of money for each child that she took on. She gave what remained from that amount to us, children, and we could use that money to go to the cinema.

Mr. Harry Watts was Jewish and the owner of a barber shop in London. We all called him Uncle Harry. He was always there for us, emigrant children, and took care of us in a really touching way. He was a member of the Bnei Brit lodge. He took us on trips and I especially remember a trip to Brighton, a seaside resort. I wrote a letter to my parents in which I described in minute detail what I had seen, what the sea was like and where we stopped for a break. Uncle Harry bought clothes for us because we quickly grew out of our old clothes, and he also gave us pocket-money. Once he came with a truck and brought us all new boots. We all loved him dearly.

My cousin, Selma Kastan [nee Freudmann], had fled to Bolivia with her family, and her brother, Armin Freudmann, to Luxembourg. Both were neutral states, so my parents sent their letters to either Luxembourg or Bolivia, and I received their letters from there. One day that stopped because Luxembourg was occupied by Germans, too. I received one or two more letters through the Red Cross and that was it.

When Aunt Fany was still in Prein, a farmer from Grossau offered to hide her on his remote farm. She might have survived the war there. However, she didn’t want to leave her old mother, Granny Friedmann alone and died. [Fany Bauer, nee Friedmann, was deported from Vienna to Maly Trostinec on 20th May 1942 and murdered on 26th May 1942. Source: DÖW data bank.]

Grandma Sofie was a very old woman at the time. She had to leave Prein and moved to Vienna, where she stayed with her son, Julius Friedmann, in Lerchenfelder Gürtel 49. Aunt Fany lived there, too. They had to move out of the house because all Jews were put into special sections of the city. They had to move to Heinrichgasse in the 1st district and shared a flat with many other Jews. They were deported from there. [Sofie Friedmann was deported from Untere Augartenstrasse 16/13 in Vienna’s 2nd district to Theresienstadt 8 ghetto on 22nd July 1942 and died there on 29th November 1942. Julius Friedmann was deported from Lerchenfelder Gürtel 29 to Nisko 9 on 27th October 1939. Source: DÖW data bank.]

Grandma Anna lived with her son-in-law, Dr. Siegbert Pincus, and his mother, Ida Pincus, in Neutorgasse in the city’s 1st district. They and my parents were deported from there to Opole ghetto 10 on 26th February 1941. Siegbert and my granny were murdered. [Anna Schischa and Siegbert Pincus were deported to Minsk from Vienna on 28th November 1941 and murdered there. Source: DÖW data bank.]

I was 15 years old in 1942 and returned to London, where I lived in a hostel of the Bnei Brit lodge again. I wanted to learn a profession. I served an apprenticeship in a tailor’s shop and became a dressmaker. I worked as a dressmaker in London until I returned to Austria.

I wasn’t officially informed that my parents had been killed and always hoped that they would still live somewhere. 

I first learned about places like Auschwitz in 1944, at the time of Rosh Hashanah, when they spoke about it in the British Parliament. It crossed my mind back then that my parents might not be alive any more.

My parents’s life gradually became harder: As a qualified tailor, my father managed to earn some money in the beginning. He worked for the ‘Damen und Herrenkleiderfabrik Richard Kassin’ in Vienna’s 1st district from 4th September 1940 to 21st February 1941. My parents were deported on 26th February 1941. I don’t know where they were murdered. I just know that they were brought to Opole ghetto in Poland from Vienna on 26th February.

I own a large number of letters, which my parents wrote to Aunt Fany, Aunt Berta and my grandmother from Opole ghetto before they were murdered. Aunt Berta gave me a little leather suitcase after the war which included all documents and letters she had collected before Aunt Fany and my grandmother were deported. That way all these valuable documents were preserved.

Apart from these letters, my father also sent photos from Opole ghetto. Opole was a village that had been sealed off. Jews who lived there weren’t allowed to leave, and more and more Jews arrived. There were a bakery, a butcher’s shop, a barber’s shop, restaurants and a photo shop, just like in any normal village. However, nothing could be brought into the ghetto, so food soon became extremely expensive, and my parents’ depended on help from their relatives in Vienna. It must have been very important to my father, to have life in the ghetto captured on film. The Jewish photographer took pictures of everything my father told him to capture on film. My father inscribed things on some of the pictures and sent them to Vienna.

In his letters to his relatives my father expressed both his thanks for all the parcels they sent to him and my mother, and his fear of an uncertain future. In September 1941, shortly before Rosh Hashanah, my father wrote, ‘It’s only a few months to the beginning of a new year. We expected so much of the last year, but our fervent dream of seeing our beloved ones again didn’t come true. What has the new year in store for us? Will the Good Lord have mercy upon us and bring us back together with all our dear ones? We ask ourselves every single day whether the bright sunny day of resurrection will arrive soon, or whether we are damned to spend the winter here. We don’t dare to think of the latter.’

My brother Edi called himself Jeheskel in Israel. He had taken many good suits, shirts and ties from our menswear shop with him when he fled. Nonetheless life was difficult for him in Palestine. He first worked on an orange plantation. I had no idea how hard he had to work. After the harvest the trees had to be taken care of. They had to be irrigated by digging up the earth around the trees almost way down to the roots. Today all this work is done by machine but back then everthing was done by hand, so it was hard work, considering the high temperatures in Israel starting in March. Well, that was my brother’s work, and he was lucky to have the job.

Once he sent me a British 10-shilling note to London. That was before the war, shortly after I arrived in England. It was a lot of money for the standards back then, and he told me that I should handle it carefully because he had to work very hard for it. At the outbreak of war my brother worked for the British Army as an office clerk. They took on many people who spoke good English. My brother also learned Ivrit. In 1948, when the state of Israel was founded and the British Army left the country, my brother worked as a waiter for a while. The American Allianz Tyre Factory was based in Hadera and my brother managed to become office manager there. He made good money and wanted to return to Austria for a visit, but then, one day, a telegram arrived saying that he had died of a heart attack. He was only 48 years old and single.

Post-war

There was a communist organization called Young Austria 11 in London, and all over England, for that matter. Young Austria had been founded by Austrian patriots, who told us that we had to return to Austria after the war and help build a democratic state. I was young, and when you’re young you easily get enthusiastic about things, and that’s why I returned to Austria. Most of the children who came to England stayed after the war or moved on to America, but I returned to Austria in 1946. However, I wasn’t politically involved anymore in Austria.

Aunt Berta had a non-Jewish friend from her school years called Obermeier. She kept in touch with her throughout the years, and one day her friend wrote to her that she should come home quickly because our house and the shop were empty after the person who had aryanized it fled. Aunt Berta went to Prein and took over the house and shop. She was often on business in Vienna, rented a room there for that reason, and picked me up at the railway station when I returned from England. Vienna was in a horrible state in October 1946. There was no food, no electricity and nothing else to buy. When I arrived and saw how miserable it was, Aunt Berta, who didn’t have any children of her own said, ‘You come with me to Prein right now and help me out in the shop.’ And that’s what happened. Prein was a second home to me; the atmosphere was comfortable and warm.

I worked as a shop assistant with Aunt Berta and was known as ‘Miss Lilli’ among the customers. I also wrote business letters. I liked my work. Sometimes I went to Vienna to go to the theater or meet friends. I had served a dressmaker apprenticeship in England but it wasn’t a custom there that you were an apprentice, did your exams and got a diploma at the end. Vienna was different in that respect, and since I didn’t have a diploma I wasn’t allowed to work as a dressmaker.

Uncle Isi [Isidor] had planned to return from Palestine and take over the house and the shop, but he died before, in October 1946, in Tel Aviv. A little while after his death, his widow, Aunt Josephine came to Prein and sold the house to her former chauffeur, who had already worked for them as an apprentice.

Uncle Roland, Aunt Berta’s husband, became a self-employed electrician. The marriage didn’t work out, and they got divorced but remained friends. Aunt Berta got married again a few years later. Her second husband, Wilhem Guenser was Jewish and had been interned in Kazahkstan during the war. He owned a poulterer’s shop in Vienna, and she moved to live with him in Vienna.

Although I was madly in love once in Prein it never crossed my mind to marry a non-Jewish man. However, it wasn’t all that easy to meet a Jewish man! Aunt Berta had acquaintances in Vienna, and they told her that they knew a nice young man. My future husband’s name was Max Tauber and he was already 31 years old.

My husband was born in Vienna on 11th June 1920. His father’s name was Moritz Tauber, and his mother’s Sophie Tauber, nee Lerch. In 1934 my husband’s father emigrated to Palestine for political and economic reasons, and a year later his mother and the children, Grete Taylor [nee Tauber, born 14th August 1921], Berta Feder [nee Tauber, born 24th October 1923] and my husband followed him. The family mainly lived in Jerusalem. My husband’s father was a shoemaker and owned a shoemaker’s shop in Vienna, and later in Jerusalem, where he employed four to five people. My husband also learned the profession of a shoemaker in Palestine. He never really liked Palestine and returned to Austria, which he had always regarded his home.

My aunt and I met my future husband in the Mozart café behind Vienna’s opera. He had just come back from England where he had visited his sister. We immediately had a wonderful time. That first meeting took place at Whitsun 1953, and we got married on New Year’s Eve 1953 at the registry office in Vienna. There were many people at the wedding: Aunt Berta, Uncle Roland, Uncle Richard, Aunt Helene, my husband’s parents and many, many others. Afterwards we had a big wedding party.

Our son Willi [Wilhelm Tauber] was born on 3rd December 1954, and Heinzi [Heinz Tauber] followed two and a half years later, on 11th August 1957. Afterwards the dull routine of everyday life started. We had to wait for a flat in Vienna for four years. My husband worked in a shoe factory cutting out leather in the first few years. He made very little money. Later he worked for the Post Office until his retirement.

In 1967, when my children were already a bit older, I wanted to work to make a little money, too. But it wasn’t all that easy back then and didn’t work out in the end.

Aunt Berta died in 1985.

My sons, Wilhelm and Heinz, are Jewish and circumcised. They didn’t attend religious classes and didn’t have a bar mitzvah though. They were raised conscious Jews nonetheless. We have always been a very Jewish family, talked a lot about Jewish life at home and told our children our life stories – not only about the Holocaust but also about Jewish historys in general. Our friends and relatives who survived the war are Jewish, too. My father-in-law came from an orthodox family and sometimes took my sons to the temple on holidays.

My older son, Willi, finished seven years of grammar school and Social Academy. About ten years ago he also took external examinations to receive the diploma of a psychotherapist. He is a social worker and a psychotherapist. He works with Caritas in the morning and with Esra [Psycho-social center for Shoah victims and their families] in the afternoon. He has a private practice as a psychotherapist at Esra. He is married to a non-Jewish woman, and has one daughter from his first marriage.

My other son, Heinzi, finished a Secondary College of Engineering, too, and then went to Social Academy. Caritas has offices at the Westbahnhof and Südbahnhof railway stations in Vienna and whoever needs help can go there. A lot of homeless people seek help there. Heinzi worked there for a while, and later he got a job in the furniture warehouse of Caritas. Those in need can go there and get furniture. By the way, the prelat of Caritas was Dr. Ungar, a baptized Jew from Wiener Neustadt. Anyway, they later started selling the furniture from the warehouse and used the money to employ staff. An association for homeless people called ‘Arbeitsgemeinschaft für nicht Sesshafte’ was founded, and the members of this association clear houses and do various other things. The most important thing is that my son employs people who wouldn’t be able to get a ‘normal’ job any more - long-term unemployed people or former prisoners. He has to make enough money himself in order to be able to pay them.

His wife’s name is Elisabeth [Tauber, nee Ranzenhofer] and she works as a probation officer. Her father is Jewish.

My husband and I often went on bus journey to Spain, Greece and Germany. We met nice people on our trips but also some anti-Semites. As I said, it was possible to make friends on these journeys, but sometimes, when people learned that we were Jewish, they simply started to ignore us. My husband was often asked in which regiment he had served! That kind of thing still happened in 1991.

I’ve never been able to make friends with non-Jewish Austrians. Somehow I was incapable to trust people after what had happened to my family. We only spend time with our relatives and Jewish friends.

Israel is very important to me because to me it means the continuing existence of the Jewish people. I am very Jewish-minded, so Ariel Sharon, for instance, is primarily a Jew to me. [Ariel Sharon has been Israel’s prime minister and a member of the Likud party since 2001.]

Looking back, and not taking my husband and sons into account, I don’t think I would have returned from England because Austria never became a home to me again. Even after all these years that I’ve spent here, I feel homeless. If someone asked me where I felt at home, the answer would be England.

I wouldn’t dream of denying that I’m Jewish. As a child in England, I asked God for help. In emergencies He is the last authority to turn to.

 Glossary:

1 Kindertransport

a program implemented by the British government to move 10,000 Jewish children out of Germany and Austria into foster families just before the start of World War II.

2 Herzl, Theodor (1860-1904)

Jewish journalist and writer, the founder of modern political Zionism. Born in Budapest, Hungary, Herzl settled in Vienna, Austria, where he received legal education. However, he devoted himself to journalism and literature. He was a correspondent for the Neue Freie Presse in Paris between 1891-1895, and in his articles he closely followed French society and politics at the time of the Dreyfuss affair. It was this court case which made him interested in his Jewishness and in the fate of Jews. From 1896, when the English translation of his Judenstaat [The Jewish State] appeared, his career and reputation changed. He became the founder and one of the most indefatigable promoters of modern political Zionism. In addition to his literary activity for the cause of Zionism, he traveled all over Europe to meet and negotiate with politicians, public figures and monarchs. He set up the first Zionist world congress and was active in organizing several subsequent ones.

3 Kladovo transport

The fate of a group of Jewish refugees who tried to flee from the Nazis under extremely dramatic circumstances went down in history as ‘Kladovo Transport’. In December 1939 a boat carrying more than 1,000 refugees left the harbor of Bratislava. The majority of the refugees had arrived in the Slovak capital from Vienna by train. After a two-week odyssey on the Danube river they reached the Serbian town of Kladovo. All attempts to continue the trip failed because the Danube froze in the harsh winter. Later, the refugees still could not leave Yugoslavia mostly because of financial and administrative difficulties. Only about 200 adults were able to escape to Palestine a few days before the Nazi attack on Yugoslavia in April 1941. The others were murdered almost without exception.

4 Februarkämpfe (February Fights) in Vienna

the persecution of Socialists by Austro-fascists in Vienna in February 1934. Rather than imposing a fascist dictatorship directly, the Austrian chancellor Dolfuss aimed to take away the Socialists' power base. In February 1934 he ordered the Heimwehr (the fascist militia), the police and the army to 'cleanse' the working class areas of Vienna. A three day battle began. The Socialist Party ordered that resistance should be left in the hands of a few thousand Schutzband (Socialist militia) members. After three days of heavy fighting the Schutzband was defeated. Some 2,000 workers were killed, over 5,000 wounded, and tens of thousands were jailed. The Socialist Party and the trade unions were banned.
5 Schoenbrunn Palace: Schoenbrunn Palace was built in 1695 by architect Fischer von Erlach, who attempted to design a royal residence that surpassed Versailles’ glamour. Financial and political problems interfered, but nonetheless it is one of Austria’s most important cultural monuments. Used by Empress Maria Theresia as a summer residence for the Imperial family, Schoenbrunn has been one of Vienna’s major tourist attractions from the 1860s. Soon after the end of the monarchy, the Viennese discovered the park as an attractive recreational area. Eventually the palace was opened to the public as well, and now draws around 1,5 million visitors a year. At the 20th World Heritage Committee meeting, held in December 1996, Schoenbrunn Palace was put on the list of UNESCO’s World Cultural Heritage Sites.
6 Anschluss: The German term Anschluss (literally: connection) refers to the inclusion of Austria in a “Greater Germany” in 1938. In February 1938, Austrian Chancellor Schuschnigg had been invited to visit Hitler at his mountain retreat at Berchtesgaden. A two-hour tirade against Schuschnigg and his government followed, ending with an ultimatum, which Schuschnigg signed. On his return to Vienna, Schuschnigg proved both courageous and foolhardy. He decided to reaffirm Austria’s independence, and scheduled a plebiscite for Sunday, 13th March, to determine whether Austrians wanted a “free, independent, social, Christian and united Austria." Hitler’ protege, Seyss-Inquart, presented Schuschnigg with another ultimatum: Postpone the plebiscite or face a German invasion. On 11th March Schuschnigg gave in and canceled the plebiscite. On 12th March 1938 Hitler announced the annexation of Austria. When German troops crossed into Austria, they were welcomed with flowers and Nazi flags. Hitler arrived later that day to a rapturous reception in his hometown of Linz. Less well disposed Austrians soon learned what Anschluss held in store for them. Known Socialists and Communists were stripped to the waist and flogged. Jews were forced to scrub streets and public latrines. Schuschnigg ended up in a concentration camp and was only freed in 1945 by American troops.

7 Kristallnacht

On 7th November 1938, Herschel Grynszpan, a 17-year-old Polish-German Jew, attempted to assassinate Ernst vom Rath, Secretary of the German Legation in Paris, in the German Embassy. Two days later, vom Rath succumbed to the two gunshot wounds. This assassination was a (welcome) trigger for Joseph Goebbels to commence an arbitrarily-directed propaganda campaign against the Jewish population. The pogrom which developed from this has been dubbed in human history “Kristallnacht” - an allusion to the numerous shattered glass shop windows. The night of 9th to 10th November 1938 can be considered as the real beginning of the Holocaust.

8 Terezin/Theresienstadt

A ghetto in the Czech Republic, run by the SS. Jews were transferred from there to various extermination camps. It was used to camouflage the extermination of European Jews by the Nazis, who presented Theresienstadt as a ‘model Jewish settlement’. Czech gendarmes served as ghetto guards, and with their help the Jews were able to maintain contact with the outside world. Although education was prohibited, regular classes were held, clandestinely. Thanks to the large number of artists, writers, and scholars in the ghetto, there was an intensive program of cultural activities. At the end of 1943, when word spread of what was happening in the Nazi camps, the Germans decided to allow an International Red Cross investigation committee to visit Theresienstadt. In preparation, more prisoners were deported to Auschwitz, in order to reduce congestion in the ghetto. Dummy stores, a cafe, a bank, kindergartens, a school, and flower gardens were put up to deceive the committee.

9 Nisko

The outbreak of World War II on 1st September 1939 reduced the possibility of further emigration and expulsion of Jews from the German Reich. The Nazi leadership held fast to its demand that the ‘Reich’ had to be cleansed of Jews. Therefore, Adolf Eichmann, commander of the ‘Head office for Jewish Emigration’ in Vienna, which had been pressing ahead with the expulsion of Jews since August 1938, planned the establishment of a ‘Jewish reserve’ on the banks of the San River east of Nisko along the border to the ‘Generalgouvernements’. The plan was never carried out. Nonetheless the head of the Reich’s Security Council, Reinhard Heydrich, who was put in charge of the organization of forced resettlement by Reichsführer-SS Heinrich Himmler, ordered deportation transports from Vienna and Moravska Ostrava to Nisko. In the course of this operation two transports made it from Vienna to Nisko; the first, with 912 men on board, on 20th October 1939 and the second, with 672 men, on 26th October 1939. The Israelische Kultusgemeinde (IKG, Jewish Religious Community) was put in charge of making up the list of 1,000 to 2,000 ‘emigrants’. However, those interested in getting on the transports were deliberately deceived: The IKG was forced to circulate a message among the Jewish population, which guaranteed people who enrolled for the transport freedom of action in building a new life for themselves. Reality in Nisko was different: Only a small number, approximately 200 men, of those transported from Vienna ever reached the camp. Officers firing warning shots chased the others over the Soviet-German line of demarcation. Most of the deportees approached the Soviet authorities for help to return to Vienna, whereupon Stalin’s Secret Police (NKVD) declared them politically ‘unreliable’ and sent them to forced labor camps. By 1957 hardly more than a hundred men had returned to Vienna from these camps. When the operation was disbanded in April 1940, 198 men, who had been kept in Zarezecze near Nisko as cadres, were sent back to Vienna – many of them to be deported again on later transports.

10 Opole ghetto

On 15th and 26th February 1941 two deportation transports with 2,003 Jewish men, women and children on board left Vienna Aspang Station bound for Opole, a small town south of Lublin, Poland. By March 1941 about 8,000 Jews had been deported to the ghetto. The new arrivals were either lodged with resident Jewish families, or in mass accommodation, such as in a synagogue or in newly erected huts. The liquidation of Opole ghetto began as early as spring 1942. A transport to Belzec extermination camp left on 31st March 1942, and deportations to Sobibor followed in May and October 1942. Of the 2,003 Viennese Jews who were in the ghetto only 28 are known to have survived.

11 Young Austria

At the end of 1938 six teenagers met in London. They were the basis of what was to become Young Austria. The first youth group was formed on 15th March 1939; another twenty, spread all across Great Britain, followed. In the end some 1,200 teenagers became members. Most of them had come to England without their families and found a community and contact with people of the same age in these groups. There were discussions on social evenings, focussing on an independent Austrian nation and based on the ideas of Alfred Klahr and his consequent demand for the reestablishment of Austria. Young Austria established contacts with British youth organizations, and they organized events together. We particularly sought contact to trade unionists, who adopted resolutions and demanded the support of the British government for the reestablishment of an independent Austrian state. The initiatives expanded the more our members began to work in companies and thus were allowed to devote themselves to trade union work. The ‘Austrian Centre’ ran four houses in London, which became popular meeting-places for many Austrians and also contributed to making friends with the British population. The spectrum of activities included an inn, the ‘Laterndl’ theatre, cultural events, publications and the publishing of the ‘Zeitspiegel’ weekly. The Young Austria choir, directed by Erwin Weiss, further contributed to cultural exchange and friendship with British organizations. The promulgation of the ‘Austrian idea’ was one of the aims. Another one was solidarity with the Soviet Union in its fight against Hitler’s fascism, and thus we appealed for contributions at our various events. We considered the Moscow Declaration of 1943, which also stated the reestablishment of an independent Austrian state among the war aims of the Allies, a confirmation of our efforts. Three hundred Young Austria members volunteered for enrolment in the British military, demanding the formation of an Austrian military unit. Many of them were later called-up for service in British military units.

Baik Éva

Életrajz

Tizenhét évesen – már a német, francia és angol nyelv birtokában – szinte véletlenül, egy fiú miatt kezdett oroszul tanulni a most 84 éves, hihetetlenül fiatalos hölgy, akinek ha különleges nevét az internet keresőjébe beírjuk, számtalan találatot kapunk: könyvek, cikkek fordítása, szerkesztése. Egész életének sikere a nyelvek tudása, az ő szavaival: a nyelvek minden pénzt megérnek – emberi és munkahelyi kapcsolatai ezek nélkül másképpen alakultak volna. Érettségi után deportálták, s hazajőve, rögtön tolmácsolni kezdett, később az MTA fordítója, majd az Akadémiai Kiadó szerkesztője lett.

Barátságos otthonában édesanyja halála óta egyedül él. Mindenhol könyvek és könyvek, amik nem dísznek vannak, ahogy ő mondja, és beszélgetésünk közben ez be is bizonyosodik: számtalanszor fölpattan, leemel egy-egy kötetet, utánanéz annak, amiről mesél, kiegészít, pontosít. Sajnálattal mondja, hogy nem tudja az internetet használni, de az ő keresőrendszere majdnem olyan gyors.

Élete egyik legérdekesebb történetét nemrég Bächer Iván írta meg „Szomszédsors” címmel (Népszabadság, 2007. november 10.).

1924 nyarán, június hetedikén születtem Budapesten, de csak azért itt, mert az anyut fölhozták, hogy itt szüljön. Szüleim akkor egy Fejér megyei pusztán éltek, Bodakajtor-Felsőszentivánon, ami az Aba [Aba – nagyközség volt Fejér vm.-ben, 1891-ben 3300, 1910-ben 4200, 1920-ban 4100 lakossal. – A szerk.] nevű falu közvetlen közelében volt, és körülbelül tizenöt kilométernyire Székesfehérvártól. A birtokot apai családom bérelte gróf Zichy Rafaeltől. Hatéves koromig – míg szüleim el nem váltak – én is itt laktam. Utána anyámmal Zalaegerszegre költöztem.

A Baik család történetéről furcsa históriát hallottam. Édesapám mesélte. Volt egy unokatestvére, Baik Mihály. 1938-ban fogadta el a parlament meg a felsőház az első zsidótörvényt [lásd: zsidótörvények Magyarországon], amelynek egyik szakasza arról szólt, hogy mindazok az izraelita lakosok igényt tarthatnak a magyar állampolgárságra, akik bizonyítani tudják, hogy Magyarország területén éltek az őseik legalább 1867, tehát a kiegyezés éve óta [Az első zsidótörvény nem tartalmaz ilyen kitételt. Az 1939. évi IV. törvénycikkben („A zsidók közéleti és gazdasági térfoglalásának korlátozásáról”, vagyis a második zsidótörvényben) szerepel a zsidók választójogának korlátozása, amennyiben a választójogot az 1867 óta való folyamatos Magyarországon lakáshoz kötötték: „Zsidónak csak akkor van országgyűlési, törvényhatósági és községi választójoga és zsidót csak akkor lehet országgyűlési képviselőnek, törvényhatósági bizottsági és községi képviselőtestületi tagnak megválasztani, ha ő maga és szülői - amennyiben szülői az 1867. év december hó 31. napja után születtek, ezeknek szülői is - Magyarországon születtek és a törvényben meghatározott egyéb előfeltételeken felül hitelt érdemlően igazolja azt is, hogy szülői vagy - amennyiben szülői az 1867. évi december hó 31. napja után születtek - ezek felmenői az 1867. évi december hó 31. napja óta állandóan Magyarország területén laktak” (4. §).  – A szerk.]. . Erre Misi bácsi kutatni kezdett. Akkor még nem volt állami anyakönyvvezetés, azt csak a tizenkilencedik század végén vezették be [1895-ben vezették be Magyarországon az állami anyakönyvezést. Lásd: polgári házasság. – A szerk.]. Az 1820-as évek valamelyikéből származó anyakönyvben talált egy olyan adatot, hogy egy Baik Ádám nevű fiatal debreceni polgár egy izraelita leánnyal kötendő házasság céljából elhagyta őseinek hitét, és izraelita hitet vett föl. Ez a bizonyos Ádám ezután a Dunántúlra költözött. Fogalmam nincs, ki volt az ő felesége, aki miatt megvált a hitétől. Nagyon könnyelmű módon, mert szerintem a tizenkilencedik század első harmadában sem volt a zsidóknak olyan privilegizált helyzete Magyarországon. Az kétségtelen, hogy a családom innen származott. Milyen kevés bajt érhettem volna meg, ha ez az Ádám nem szeret bele abba a zsidó leányba… Az biztos, hogy ő eredetileg református volt, és a család másik ága Debrecenben maradt.

Sokkal későbben, már a háború után, amikor az MTA Nemzetközi Kapcsolatok Osztályán dolgoztam, kaptunk egy új munkatársat, aki debreceni volt. Mikor már eléggé összeismerkedtünk, azt kérdezte: „Nincsenek magának Debrecenben rokonai?” Először meghökkentem, aztán eszembe jutott ez a régi emlék. Mondtam: „Én nem ismerek egyet sem, és nem is érdekelnek.” Akkor már ugye a deportálás és az ezzel kapcsolatos összes gyalázatok a hátam mögött voltak. Azt mesélte, volt egy ügyvéd, akinek ez volt a vezetékneve, és ez olyan ritka név, amit máshol nem lehet megtalálni. Való igaz, hogy a budapesti telefonkönyvben is csak én vagyok. Mondtam: „Egyetlen dolgot mondjon meg, nem volt-e nyilas?” Azt mondta, nem. „Jó, akkor nyugodjék békében!” Ez volt az első ilyen információ. Egyszer egy barátomat megkértem, hogy nézze meg a debreceni telefonkönyvben, hogy van-e ilyen név. Van.

Jóval későbben, egy másik debreceni származású úr, aki nagyszerű női szabó volt, amikor már többször jártam nála, akkor mert nekem ilyen családi kérdést föltenni: „Ne haragudjon, nincsenek rokonai Debrecenben?” Te jó isten, ez is ezzel jön, gondoltam én. Mondtam: „Nem, nem tudok róla.”

Egy harmadik alkalommal is szóba került a debreceni ág, az volt a legmegbízhatóbb. A nyugdíjba menetelem előtti utolsó könyv, amit szerkesztettem az Akadémiai Kiadóban, egy debreceni történészprofesszornak a nagy, komoly monográfiája, az volt a címe: „A debreceni cívis vagyon” [Rácz István, 1989]. Debrecen olyan szerencsés volt, hogy nagyon-nagyon régi iratokat is elő lehetett szedni a levéltárából, nem égett el olyan sok minden, mint például Budán. Ebben a kéziratban találtam egy olyan adatot, hogy a tizenhetedik század végén tizenegy évig egy Bajik András – még így írva – nevezetű vagyonos polgár volt Debrecen főbírája, ami akkoriban polgármesterféle rangot jelentett, mindenesetre választott tisztség volt, nem öröklött.

Apai nagyapámat [Baik Gyula] nem ismertem. Gazdálkodó volt, a fiai követték ebben. Nagymamám szeretetteljes nagymama volt, aki engem agyonkényeztetett, mert én voltam az egy szem unokája. Finom süteményeket sütött. Bodakajtoron élt ő is. Nem emlékszem, hogy vallásos lett volna, gyertyagyújtással is csak később, Zalaegerszegen találkoztam, amikor zsidó barátnőim lettek. Nagymamával haláláig tartottam a kapcsolatot, elég nagy kislány voltam, tizenkét-tizenhárom éves, amikor meghalt. Akkor már Budapesten élt.

Nagyszüleimnek öt gyereke volt. Apám, Miklós, Pista, Pali, Anna és Erzsébet. Nagyon keveset tudok róluk. Édesapám Abonyban született [Nagyközség volt Pest-Pilis-Solt-Kiskun vm.-ben, 1891-ben 12 000, 1910-ben 14 700 lakossal. – A szerk.], születési dátumát csak körülbelül tudom, talán 1885. Mindenki ott élt Bodakajtor-Felsőszentivánon, amíg lehetett. Ez volt a puszta. Gyönyörű nagy házuk volt, két külön lakással. Rendes, szép polgári lakás volt mind a kettő, ahogy illik. Minden megvolt, nagy szobák, fürdőszoba, vécé, konyha, kamra, vízvezeték, ha nem is volt csatornázva, fafűtéses cserépkályhák, nagyon jól ápolt, szép deszkapadló. Szobalány takarított, és volt szakácsnő is.

Óriási, nyolcholdas, parkszerű kert tartozott a házhoz, ősrégi fákkal, egy külön fizetett kertésszel, rá emlékszem, Holdvilág bácsinak hívták. Konyhakert is volt, mindennel, ami a konyhára került. A birtokon gabonát, főleg kukoricát termeltek. Persze volt baromfiudvar csirkével, libával, kacsával. És mindenféle háziállat, ott ismerkedtem meg velük.

És lovak! Pistának az egyetlen és fő mániája az ügetés volt, és amíg a pusztán élt, csodálatos lovai voltak. Ezek tulajdonképpen nem versenylovak voltak – ezt én véletlenül tudom, mert ezt általában senki sem tudja –, hogy más típusú a versenyló, amin lovagolnak, és más típusú az úgynevezett ügetőló. Ha ránézel, nem tudod, csak ha értesz hozzá. Más a járása például. Ott senki sem lovagolt, arra nem voltak alkalmasak. Ezek a kis kétkerekű kocsit, a szulkit húzták. Pista Palival együtt tenyésztette őket. Szabály volt, de legalábbis szokás, hogy ahogy a lovat hívták, a csikaját ugyanolyan betűvel kezdődő névre keresztelték. Persze mind a ketten jártak az ügetőre, Pestre. Fogadtak is, nyertek meg vesztettek, Pista sokat hajtott is. Evvel telt az életük. Nem lett családjuk. Nyilván udvaroltak, de soha nem házasodtak meg. Szegény Pista és Pali, ugyanúgy, mint apám, valahol elpusztultak.

A két nagynéném is itt élt. Mindig jók voltak hozzám, de kényeztetésről szó nem volt. A háztartást vezették, ott volt a kert, az állatok… De máig töröm a fejemet azon, hogy mivel töltötték a rengeteg idejüket, az egész életüket. Nem volt férjük, nem volt gyerekük. Pedig nem voltak olyanok, akiket nem lehetett volna férjhez adni. Amikor már muszáj volt, ők is felköltöztek Pestre. Túlélték az ostromot. Soha nem jutott eszükbe, hogy munkát vállaljanak, még a háború után sem. Hogy miből éltek, nem tudom. Talán volt valami kis vagyon. Ők erről nem meséltek, én meg nem kérdeztem. Egy bérlakásban laktak, méghozzá szép helyen, a Stefánia úton, amit akkor Vorosilov útnak hívtak [Stefánia út – később: Vorosilov út – később: Népstadion út – ma ismét: Stefánia út. – A szerk.]. Amikor keresni kezdtem, időnként küldözgettem nekik egy kis pénzt. Az 1960-as években haltak meg.

Anyai nagyapám, Schischa Ignác sajnos korán meghalt, 1910-ben. Még az első háborút sem érte meg, szerencséjére. 1847-ben született, tehát hatvanhárom évet élt. Nagyanyám körülbelül akkor halt meg, amikor én két éves lehettem [Tehát 1926 körül. – A szerk.]. Úgyhogy nem is emlékszem őrá.

Anyám mindig csak a nagyapámról mesélt nekem. Bécsújhelyen, Wiener Neustadtban éltek [Bécsújhely Alsó-Ausztria egyik legnagyobb városa volt a 19. század végén, 24 000 lakossal. – A szerk.]. Pénzváltó üzlet tulajdonosa volt. Fogalmam sincs, hogy ez mit jelentett, és hogy mennyi keresetet hozott. A család kötődött a valláshoz, a nagypapa hitközségi helyettes elnök volt. De azt nem tudom, hogy például kósert főztek-e.

Nagyon művelt ember lehetett. És nagyon zeneszerető meg jó apa. Anyám mesélte, hogy amikor egészen kislány volt, egy vasárnap kézen fogta – tudta, hogy kislányának jó hallása van és muzikális –, és elvitte egy katolikus templomba, ahol Schubert-misét adtak.

Nagypapa özvegyen házasodott újra [1896], akkor már volt egy nagylánya, Elsa, akivel aztán anyám igen jó kapcsolatot tartott fönt. Elsa Ljubljanában [Jugoszláv Királyság] élt, magyarul nem tudott, egy vasúti mérnök volt a férje, Hoffmann Emil. Anyám egyszer el is vitt hozzájuk, amikor nyolc éves voltam, és ott töltöttem a nyarat. Borzasztóan elkényeztettek, mert az ő lányuk, Médi már férjnél volt. Miután ők egy szót nem tudtak magyarul, nekem kellett megtanulnom németül, ami úgy-ahogy sikerült. De mást is megtanultam. Volt ott egy gyönyörű uszoda, egy abszolút modern, pazar, és azt mondták, hogy most meg kell tanulnod úszni. Nyolc lecke után szabadon úsztam mélyvízben. Az úszómester kizárólag szlovén nyelven adta az utasításokat. És a gyerekek, akik ott voltak körülöttem, azok is mind szlovének voltak, úgyhogy őket is valahogy meg kellett értenem. Isteni nyár volt, sajnos, nem ismétlődött meg soha. Szegényeket deportálták, csak Médi jött vissza. Férjét Bruno Klemenčičnek hívták, szlovén volt és római katolikus. Talán Médi ki is volt keresztelkedve. A férjét így is elvitték, elpusztult.

Az anyai nagyanyám családja – az Österreicher család – már 1849 előtt Zalaegerszegen élt. Az összes családtag föl van sorolva egy levéltári kiadványban, amit 2002-ben adtak ki Zalaegerszegen [A Zala megyei zsidóság történetének levéltári forrásai 1716–1849, Sajtó alá rendezte: Németh László].

Nagymamám 1870-ben született Zalaegerszegen, Reginának hívták. Két fiú- és két lánytestvére volt. A három lányról megmaradt egy fénykép 1901-ből, amit levelezőlapként küldtek egyik fivérüknek Debrecenbe, ahol az vasutas volt. Adolf volt a neve, de csak Rudi bácsinak hívtuk. Ő volt az a családból, aki magyarosította a nevét Országra. Sok helyen dolgozott, vasutasként ment nyugdíjba. Nagyon szerettem, tartottam vele a kapcsolatot. Pesten halt meg, messze a háború után. Gyereke nem volt. Volt egy felesége, akit én soha nem láttam, mert olyan hamar elment. Élettársával élt.

Samu bácsi építész volt. Állítólag igen szép fiú volt, de korán meghalt. Özvegyét ismertem, a fiát, Sanyit imádtam. Pozsonyban éltek, egy biztosítótársaságnál volt valami magasabb rangú beosztott tisztviselő. Amikor a németek bevonultak Csehszlovákiába [1939 márciusa], Zalaegerszegre menekültek. Rendkívül jóképű, művelt, kellemes és érdekes ember volt, aki bizonyára nagyon szenvedett attól, hogy [Zala]Egerszegen semmi munkája nem akadt. Ezért aztán magára vette az én kulturális nevelésemet. Emlékszem, mikor azt mondta: „Micsoda dolog az, hogy egy ilyen nagylány – ugye tizenöt vagy tizenhat éves – csak lányregényeket olvas, Tutsek Annát meg Kosáryné Réz Lolát!” [Tutsek Anna (1865–1944) – író, 1894-től a „Magyar Leányok” c. képes hetilap szerkesztője. Különösen a női olvasóközönség polgári rétegeiben voltak olvasottak erkölcsjavító célzattal írt konzervatív szemléletű írásai (Viola története /regény/, Cilike /regénysorozat/ 1904–14) (MÉL); Kosáryné Réz Lola (1892–1984) – író, műfordító, az „Új Idők” munkatársaként dolgozott, majd a „Magyar Lányok” c. lapot szerkesztette. 1921 és 1944 között 38 ifjúsági regénye jelent meg, közülük néhány – elsősorban a Tibi-történetek – több kiadást is megért. Németből, franciából, angolból fordított regényeket (MÉL). – A szerk.] Valamelyik lágerben, szegény, belepusztult a flekktífuszba [A flekktífusz vagy kiütéses tífusz – magas lázzal és fejfájással járó fertőző betegség, főleg a ruhatetvek terjesztik. – A szerk.].

Natália néni Szombathelyen élt a férjével, doktor Viola Ödönnel, aki ügyvéd volt. Nemigen tudok róluk. A néni nagyon fiatalon, ágyban, párnák közt halt meg tífuszban. Ha megvan Szombathelyen a zsidó anyakönyv, abból lehetne megtudni, máshonnan nem, hogy mikor. Volt egy lányuk, Renée, akit én ismertem is, de nem volt vele kapcsolatom. Túlélte a háborút.

Nagymama másik nővéréről, Berta néniről és családjáról sokat tudok. Hatéves koromtól az ő haláláig, tizennyolc éves koromig [1942] egy házban éltem vele Zalaegerszegen. Doktor Jámbor Mártonné, férje, Marci bácsi és öt fia. Berta néni egész életében itt élt, férje, aki ügyvéd volt, három vagy négy évvel őelőtte halt meg.

Berta néni világra hozott öt gyereket. Állítólag még egy hatodik is született, de az csecsemőkorában meghalt. Nem meséltek róla soha. Mind az öt fiú nagyon jól sikerült. Név szerint: Miklós, Laci, Sanyi, Karcsi, Pista.

Miklóst 1914-ben rögvest behívták katonának, és fogságba esett az oroszoknál, nyilván a Kárpátokban. Ez egy különös történet. A bajtársai, akik [zala]egerszegiek voltak, és szabadságra hazaengedték őket a nagy csaták után, azt mondták, hogy a szemük láttára esett el. Szegény édesanyja gyászba borult. Aztán eltelt néhány hét – fantasztikus, hogy mik voltak az első világháború alatt, amik a második alatt nem létezhettek volna –, érkezett egy távirat postán a következő szöveggel: „Gesund, gefangen, Miklós.” [Egészséges, elfogva, Miklós. (német)] Szóval az történt, hogy a Miklóst vonattal, nyilván marhavagonban, vitték Oroszország belseje felé mint hadifoglyot. Az édesanyja gondoskodott arról, hogy a zubbonya bélésébe belevarrjon néhány aranypénzt, ami akkor még létezett. Kijevben megállt a vonat, és hosszasan állt, Miklós kibontotta az aranypénzt. Leugrott a vonatról, beszaladt a kijevi vasútállomás postahivatalába, odaadta az aranyat, és feladta a táviratot. Egy ellenséges országban! Meg is érkezett. Ő viszont évekig volt hadifogságban, Szibériában, és úgy jött haza, hogy megkerülte a világot. Szóval Vlagyivosztokban hajóval, isten tudja, hogyan, Hawaiion keresztül, az ég tudja, hogyan, de visszajött.

Érettségije volt csak, állást a háború után persze nem kapott itthon. Erre fogta magát, és kivándorolt Amerikába. Úgyhogy ott élt. Valamikor az 1930-as évek első felében hazalátogatott, még élt az édesapja is. Gyerek voltam még, de jól emlékszem rá. Tél volt. Amikor kitört a háború, már reménytelen volt, hogy újra jöjjön. A háború után aztán, amit tudott, küldött nekünk. Mert tudta, hogy itt nincs semmi.

New Yorkban élt, postatisztviselő volt. Nagyon későn, talán hatvan éves is volt már, amikor összeismerkedett egy magyar zsidó özvegyasszonnyal, akit elvett feleségül, aki imádta. Együtt maradtak halálukig. Nem emlékszem, mikor halt meg.

Lacit borzasztóan szerettem. Ő lett édesanyám második férje. Nagyon-nagyon jó viszonyban voltunk. Ő nevelt föl. Nézeteit, politikai álláspontját és mindent a magamévá tettem. Az első háborúban az olasz fronton harcolt, és nagyon komoly kitüntetései voltak. Fölterjesztették arany vitézségi éremre, de persze leszállították úgynevezett első osztályú ezüstre [lásd: rendjelek, kitüntetések]. Az ilyen kitüntetéseknek már a feléért is vitézzé avatták volna, ha nem zsidó [lásd: Vitézi Rend].

Kitűnő ember volt, első osztályú fogorvos, első osztályú szakember s egy sármőr, akit mindenki nagyon kedvelt, sok barátja és ismerőse volt. Róla, rólunk még később mesélek.

Sanyi jogász lett, és folytatta édesapja ügyvédi praxisát [Zala]Egerszegen. Deportálták Mauthausenba, de sikerült hazajönnie. Újra ügyvédként dolgozott, aztán szomorú sorsa lett. Valakit el szeretett volna venni feleségül, aki egy Amerikába szakadt magyar nő volt, s akivel évekkel előbb ismerkedett meg, amikor még lehetett hazajönni látogatóba. A nő kicsalta külföldre, illegálisan, és nem ment hozzá feleségül. Úgyhogy szegény Sanyi végül öngyilkos lett. Tragikus dolog, hogy nem tudott mit kezdeni magával. Nem volt módja hazatérni, és nyilvánvaló, hogy a deportálás is kikészítette az idegeit, nem volt fölkészülve további megrázkódtatásokra. Mert amúgy el lehetett volna ezt viselni. Még nem volt olyan idős, hogy ne találhatott volna valaki mást. Nagyon szomorú.

Pista orvos lett. Bécsben végezte el az egyetemet, mert máshol nem vették föl [lásd: egyetemi tanulmányok és a numerus clausus]. Kitűnő feje volt. Utána elment Észak-Olaszországba, ott lett belőle fogorvos, doktor Stefano Jambor, aztán elment Rómába, elvett egy fiatal olasz lányt, Sylvia Romanót – aki nagyon édes volt –, haláláig együtt éltek. Született egy lánya és két fia. A nagybátyámmal tartottam a kapcsolatot. Mihelyst lehetett utazni, rögtön meghívott. Az 1960-as évek elején mentem először Rómába, utána több ízben voltam náluk, és ez életem egyik legszebb emléke. Nagyon szerettem őket. Aranyosak voltak, műveltek, okosak és kedvesek. És hát én Rómát keresztül-kasul jártam. Pista egyszer azt mondta: „Te jobban ismered Rómát, mint én, aki már itt élek harminc éve.” Nem lehet nem imádni Rómát. Az 1990-es években haltak meg, előbb Pista, később Sylvia.

Gyerekeik közül a lányukkal vagyok kapcsolatban, aki Velencében él. Férjhez ment egy franciához, úgyhogy vele csak franciául és olaszul lehet társalkodni.

Karcsi volt a Jámbor fiúk közül a legfiatalabb és az egyetlen, akit én soha nem láttam, és aki talán kevésbé volt tehetséges, mint a többiek. Egy életet töltött el Franciaországban, és soha nem tudott összegyűjteni annyi pénzt, hogy meglátogassa a szüleit. Nőtlen maradt haláláig, a 2000-es év legelejéig. Pista lánya a francia férjével többször meglátogatta őt Olaszországból.

Nagypapa 1896-ban nősült másodszorra, Wiener Neustadtban. Nagymama – mint már szó volt róla – zalaegerszegi volt. Három gyermekük született. A legidősebb az édesanyám volt, Etelka, aztán Klári és Walter. Meglehetősen szerény körülmények között éltek, mégpedig azért, mert a nagyapám, aki eltarthatta volna a családot, 1910-ben meghalt. Nagyanyám ott maradt három kiskorú gyerekkel. Visszajött Magyarországra, ahonnan elment a házasságkötése után, bár az egy és ugyanaz az ország volt akkor még, az Osztrák–Magyar Monarchia. Egy jó ideig Szombathelyen élt. Ha jól tudom, még például olyasmivel is foglalkozott, hogy gyerekeknek vagy diákoknak főzött.

Nekem csak nagyon röviden mesélték, hogy a nagyapám után szinte semmi sem maradt, mert ő ugyan szorgalmas és szolid ember volt, de az öccse egyszer kölcsönkért tőle huszonötezer békebeli, első világháború előtti – nem is tudom, akkor mi volt? – koronát, és azt soha az életben nem adta vissza. Így aztán a megözvegyült nagymamám a három gyerekkel, akiket iskoláztatni kellett, nagyon nehezen élt.

Anyám 1897-ben született. Négy polgárit [lásd: polgári iskola] járt. Már többre nem tellett sehogy se. De talán nem is volt különösebb ambíciója. Arról, hogy buta kislány lett volna, szó nem volt. De nem volt olyan tudományszomjas, mint a húga. Viszont nagyon muzikális volt. Zongorázni akkor minden kislányt megtanítottak, de neki nagyon szép hangja is volt. Imádta a klasszikus dalirodalmat, és tudta magát kísérni Schubert-, Schumann-dalok és még ki tudja, milyen dalok előadásánál. Sikere volt vele, és akik emlékeztek rá, azok mindig emlegették. Olyan szép szoprán hangja volt, hogy valaki beajánlotta egy budapesti énektanárnőhöz, hátha lesz belőle előadóművész. Ezért ekkor Pestre költözött, és valami távoli rokonoknál lakott. Ez még persze a házasságkötése előtt történt.

Az énektanulás azonban igen-igen rosszul sült el, aminek nem ő volt az oka, hanem – amit nemegyszer említett – az a hölgy, aki korábban neves operaénekesnő volt Budapesten, s aki miután abbahagyta a színpadi szereplést, tanítással foglalkozott. Valahogy nem volt igazán jó énekpedagógus – és az anyunak elment a hangja. Ilyen van, sajnos. Ilyet olvastam például Galina Visnyevszkaja önéletrajzában is, de neki több szerencséje volt, mert valaki helyrehozta, és nagyon híres énekesnő lett [Orosz énekesnő (sz. 1926) – A szerk.]. Boldogult anyámnak viszont ez a nagyon szomorú emléke maradt fiatalkorából. Visszaköltözött Zalaegerszegre. Soha többé nem énekelt. És nem is zongorázott, pedig volt zongoránk. Csak a zene szeretete maradt meg.

Édesanyám húga, Klári 1898-ban született. Nagyon ambiciózus volt. Abban az időben már az is ritka volt, hogy egy lány leérettségizzen, méghozzá egy olyan városban, ahol nincsen leánygimnázium. Kiverekedte magának, hogy Szombathelyen mint magántanuló érettségit tegyen a premontreieknél [lásd: nők a középfokú és a felsőoktatásban; az érettségizett nők Magyarországon]. Valószínűleg anyagilag segítettek neki, és gondolom, gyerekeket is instruált. Az érettségi után pedig elérte, hogy beiratkozhasson az orvosi egyetemre. Bizonyára nagy föltűnést keltett ezzel, nemcsak a családban, de a baráti körben is. Eleinte nem akarták fölvenni. Akkor átment Grazba, bár ez sem volt egyszerű, hiszen már nem volt Osztrák–Magyar Monarchia – de anyanyelve volt a német még Wiener Neustadtból –, így egy-két évig ott tanult, aztán visszajött, és a pécsi egyetemen diplomázott. Még idős korában is mesélt arról, hogy mennyire szerette a pécsi egyetemet és annak a professzorait.

Pesten praktizált. Szakorvosi képesítést csak a háború után szerezett, addig belgyógyászként dolgozott, de nagyon jól, anélkül, hogy lett volna róla papírja. Amikor fölvették a Péterfy Sándor utcai Rendelőbe, akkor letette az összes vizsgát, és laboratóriumi szakorvos lett. Onnan ment nyugdíjba.

Klári nagyon csinos és elegáns nő volt. Szép szőke volt, haját soha egy csepp festék nem érte, de olyan szőke volt, hogy mindenki örülne, ha olyan szőke lenne festve. Sokáig nem ment férjhez. Volt egy kis bérelt lakása fönt a Sváb-hegyen, a Lomnicban [A Lomnic egyike volt a Sváb-hegyen épült ún. üdülőszállóknak (a lakrészek a lakók tulajdonában voltak): a 48 egyszobás lakosztályból, társalgóból és étteremből álló épület 1939-ben épült Szőke Imre tervei alapján (Rosch Gábor cikke nyomán, „Hegyvidék”, 2003. április 9.). – A szerk.]. Mint orvos naponta lejárt a városba. Olyan okos volt, hogy attól kezdve, amikor bejöttek a németek 1944. március tizenkilencedikén [lásd: Magyarország német megszállása], az összes pénzét, ékszerét és papírjait magával hurcolta az orvosi táskájában. Egy szép napon a fogaskerekű fenti állomásán várta őt a ház gondnoka: „Doktornő, az istenért, ne menjen haza, mert a németek elfoglalták a lakását” [Magyarország német megszállása után a Lomnicban telepedett meg Eichmann munkatársa, a deportálások egyik megszervezője, Dieter Wisliceny (1911–1946) SS-százados és csoportja. – A szerk.]. Erre Klári visszament a városba. Élt egy kedves barátnője a Falk Miksa utca 4. szám alatt, egy elvált asszony egy óriási szép lakásban. Odament, és megkérte, fogadja be. Ő is zsidó volt. Mind a ketten megúszták úgy, hogy se csillagot nem tettek fel, se gettóba nem mentek. Hogy csinálták?

Amikor anyámmal 1945. június elsején Pestre érkeztünk, emlékeztünk arra, hogy a Falk Miksa utcában lakik Klári. Egyenest odamentünk. Becsöngettünk, és kérdeztük, hol van a Klári. Mondták, már nem lakik itt, mert férjhez ment, és a Szinyei Merse utcában lakik albérletben, mert a férjét kiköltöztették az oroszok az Aradi utca 63-ban lévő lakásából, ami túl közel volt a szovjet követséghez, és kellett nekik.

Tehát Klári férjhez ment doktor Halasy Gyulához. Ők már korábban jó kapcsolatban voltak, de hát a férfi keresztény volt, és akkor nem lehetett egy zsidó nővel összeházasodni [Az 1941. augusztus 8-án életbe lépett ún. harmadik zsidótörvény (1941:XV. tc. „A házassági jogról szóló 1894:XXXI. törvénycikk kiegészítéséről és módosításáról, valamint az ezzel kapcsolatban szükséges fajvédelmi rendelkezésekről”) megtiltotta zsidó és nem zsidó házasságát.  Lásd: zsidótörvények Magyarországon. – A szerk.]. Gyula híres ember volt. Az 1924-es párizsi olimpián az agyaggalamblövés aranyérmét nyerte, vagyis ő volt az olimpiai bajnok. Utána is folytatta ezt a sportot, és amikor csak lehetett, csinálta [Halasy Gyula (1891–1970) – már hatévesen vadászott, célba lőtt. Az évek során minden fegyver mesteri kezelője, szakértője, a lövészet megszállottja lett. A háború után rábízták a sportlövő válogatott vezetését. Szakcikkeket írt, a lövészettel elméletileg, tudományos alapossággal foglalkozott. – A szerk.]. Gyulának jogi doktorátusa volt, de soha nem jogászkodott. Mivel évekig tanult Berlinben, nagyon jól tudott németül, úgyhogy időnként maszek fordított. Olimpiai aranyérmét és diplomáját néhány évvel ezelőtt odaajándékoztam a Magyar Olimpiai Bizottságnak, legyen múzeumban.

Nagyon jó házasság lett az övék. Sajnos nem tartott túl soká, mert Gyula 1970-ben meghalt. Klári attól kezdve egyedül élt a kis Aradi utcai lakásban, amit időközben visszakaptak, és minden vasárnap nálunk ebédelt. Imádtam. Ő volt az én ideálom. Hosszú életet élt, tökéletes szellemi frissességben, csak fizikai ereje hagyta el. 1998 decemberében halt meg, harminchat órával századik születésnapja előtt. Érdekes élete volt.

Anyunak volt egy öccse is, Walter, aki 1902-ben született. Rendkívül jóképű és kellemes ember volt. Érettségizett, kitűnően tudott németül. Kezdetben tisztviselő volt Pesten, semmi más.

Furcsa és kalandos történet az övé. Társaságban megismerkedett egy hölggyel, akiről kiderült, hogy Biró Lajosnak, a kitűnő írónak a lánya [Biró Lajos (1880–1948) – bár a Tanácsköztársaság után emigrációba ment, idehaza úgy tekintették, mint külföldön élő nagy magyar írót. Odakint az angol filmirodalom egyik világhíres alakja lett, késői drámáival helyet foglalt a nyugat-európai irodalomban is. – A szerk.], Biró Vera úgy belehabarodott Walterba, hogy a végén már eljegyezték egymást, vagy nem jegyezték el, mindenesetre úgy nézett ki, hogy Walter el fogja venni feleségül. Biró Lajos akkor már Korda Sándornak [ (1893–1956) – magyar származású filmrendező és producer, a brit filmipar egyik meghatározó alakja, a London Films brit filmstúdió alapítója. – A szerk.] volt a filmszövegírója Londonban, s hívták Waltert, jöjjön ő is. Walter viszont nem tudott angolul, csak németül, így aztán a Korda Filmgyár bécsi irodájában helyezték el. Elment Bécsbe dolgozni, de a Verával való kapcsolat valahogy megszakadt. Ő viszont ott maradt.

Amikor a nácik végrehajtották az Anschlusst [1938. március 12.], a házmester első dolga volt, hogy följelentse, hogy itt a házban lakik egy zsidó. Waltert azonnal elvitték Dachauba [Németország]. Klári, a nővére erről valamelyik bécsi ismerősétől telefonon azonnal értesült. A folytatása ennek a dolognak novellába illik.

A nagynéném nemcsak hogy hihetetlenül intelligens, hanem nagyon jó fellépésű, elegáns és szép is volt. Fogta magát, és miután akkor nem volt vízum, fölült a vonatra, elment Bécsbe, hogy valahogy kihozza a testvérét. Első dolga volt, hogy elmenjen a rendőrségre, ahol már reggel nyolc előtt rengeteg ember várta azt, hogy beengedjék. Amikor nyolckor kinyitották a kaput, valahogy úgy helyezkedett, hogy ő volt az első. Végigment a folyosón, és amikor meglátott egy olyan ajtót, amelyiken csak egy név volt kiírva, bekopogott. Az ott ülő tisztviselő megkérdezte, hogy kerül ide, akkor elmondta, mi járatban van.

Az emberek, akik ott álltak a rendőrség bejárata előtt, mind azt akarták megtudni, hogy elvitték-e már a hozzátartozóikat. Nem azt, hogy le vannak-e tartóztatva, azt tudták, hanem hogy elvitték-e már. Klári is ezt akarta tudni. Erre azt mondta neki az a tisztviselő, hogy ez nem a rendőrség, hanem a Gestapo hatáskörébe tartozik. De ő azt megtudja. Jöjjön vissza másnap reggel nyolckor, mintha csak sétálna, ott fog állni egy őr, és az őr majd vagy bólint, vagy nem, amiből tudni fogja, hogy elvitték-e vagy sem. Így Klári megtudta, hogy elvitték, csak még nem tudta, hogy hova.

Elment a bécsi Gestapóhoz, a kapu előtt állt egy osztrák rendőr, aki azt mondta: „Az istenért, be ne menjen oda!” Klári persze bement. Nem fogadták nagyon barátságosan, de ő azért elmondta, az iránt akar érdeklődni, hogy a testvérét elvitték-e, és ha igen, hova. Erre elővették a kartotékot, és azonnal megmondták, hogy Dachauban van. Klári megkérdezte, hogy hogyan lehetne onnan kihozni. Erre azt válaszolta az ott ülő gestapós, hogy egy módon: ha vásárol egy jegyet Sanghajba, és azt az ő részére leadja. Sanghajba nem kellett vízum, sokan mentek ki oda, akiknek volt rá pénzük és lehetőségük. Klári megvette a sanghaji vasúti jegyet – és Waltert kiengedték! Szédület volt. Szerintem ez a civil kurázsinak a legmagasabb foka, hogy valaki besétáljon a bécsi Gestapóhoz, és ott tárgyaljon. Ilyen dolgok is voltak.

Tehát Waltert kimenekítette, aki száz napig volt Dachauban, de annyi elég volt ahhoz, hogy csontig lefogyjon. Klári elhozta Pestre, itt egy kicsit föltáplálta, aztán elintézte, hogy kijusson Angliába. Még nem volt háború. 1938 volt.

Londonban kapott egy állást, és ott dolgozott a háború kitöréséig. Walternak osztrák, illetve német útlevele volt – Ausztria akkor hivatalosan Németországhoz tartozott. Az angol hatóságok megkérdezték tőle, hogy miután ő osztrák, vagyis német állampolgár, mit választ. Két lehetősége van: vagy hagyja, hogy elküldjék egy internálótáborba, vagy önként beáll katonának a brit hadseregbe. És Walter beállt a brit hadseregbe. Soha nem derült ki, hogy ott mit csinált, de egészen a leszereléséig, az összeomlásig angol egyenruhát hordott. Felnőtt koromban én valahogy úgy képzeltem, fölhasználták az ő kiváló német tudását, plusz az addigra megszerzett kiváló angol tudását, mert ilyen emberekre nagy szükség lehetett. Igaz? Elég az hozzá, hogy amikor leszerelt 1945-ben, automatikusan megkapta a brit állampolgárságot. 1979-ig, haláláig kint élt.

A családdal végig kapcsolatban maradt. Amikor már lehetett jönni Magyarországra, természetesen jött. Engem is meghívott, úgyhogy életemben először, 1960-ban Angliába utaztam. Csodálatos három hetet töltöttem kint, iszonyú érdekes volt. Elvitt mindenhova. Visszafele Párizsban töltöttem néhány napot egy ismerősnél, az is csodálatos volt. Walternak volt egy aranyos, drága, kedves élettársa, Edit, aki német volt – az ő élete is egy kaland –, nagyon szerettem őt is, 2003-ban halt meg. Nála is voltam később, Walter halála után már.

Akármilyen furcsán is hangzik, fogalmam sincs, hogy hogyan találkoztak a szüleim. Szerintem közeli ismerősök hozták őket össze. Apám tíz-tizenkét évvel öregebb volt anyámnál, aki még csak huszonöt éves volt, csinos, nem az, akire azt mondják, hogy milyen szép, hanem hogy milyen bájos. Amikor 1922-ben összeházasodtak, még élt a nagymama is. Nem tudom, hol és milyen esküvőjük volt, nem maradt egy meghívó vagy fénykép sem.

Esküvő után Bodakajtor-Felsőszentivánra költöztek, ahol apám egész családja lakott, édesanyja és négy testvére. Talán ez volt a baj. Úgy hiszem, a házasságuk megromlásának az oka nem is az egymás közötti kapcsolatban keresendő, hanem abban, hogy a sógornők nem igazán fogadták be anyámat a családba, amit máig sem értek, mert nála barátságosabb és fegyelmezettebb embert keveset ismertem.

Két évvel szüleim házasságkötése után születtem, testvérem nem volt. A kisgyerekkorom szép és jó volt. Apámra is úgy emlékszem ebből az időből, hogy jó apa volt, engem természetesen nagyon szeretett, játszott velem, mesélt és olvasott nekem. Mint apa abszolút kifogástalan és hibátlan volt. Persze mindenki kényeztetett, hisz én voltam ott az egyetlenegy kisgyerek. A birtokról már meséltem. Ott éltem hatéves koromig. A növényeket és az állatokat ott ismertem meg. És ott voltak azok a híres lovak! Anyám imádta a lovakat, úgyhogy reggeli és mosdás után az első dolgunk az volt, hogy kézen fogott, és mentünk az istállóba.

A mi lakásunk, ahol hárman laktunk, egy nagy, négyszobás lakás volt. Énnekem mint gyereknek, nem volt külön szobám, úgy látszik, nem volt elterjedve a gyerekszoba, vagy legalábbis ott nem volt, túl kicsi voltam még. Engem nem zavart, talán őket sem.

A szobák hatalmasak voltak. Volt egy hálószoba, egy ebédlő, egy úgynevezett úriszoba, ami a szalonnak megfelelő, meg vendégszoba. A berendezések közül csak az úriszobára emlékszem. Talán ennek az emléke késztetett sok-sok évtized múlva arra, hogy amikor rábukkantam két biedermeier székre és külön egy asztalra, megvegyem.

Voltak könyveink is, persze sok szakkönyv. Főként ló- meg baromfitenyésztéssel kapcsolatos könyvek, amelyekben szép képek is voltak, azok nekem természetesen nagyon tetszettek. Boldogult nagynéném szinte az élete végéig emlékezett arra, és néha felemlegette, hogy amikor egész pici gyerek voltam, hogyan lapozgattam az egyik tyúktenyésztésről szóló könyvet, amiben egy szép színes kép volt, és én azt mondtam, ez Ordpington tyúk. Megjegyeztem.

Miután nagy volt a lakás, a kert, sok volt a termék, anyámnak több budapesti ismerőse, barátja jött időnként látogatóba. Varróékra emlékszem, akikkel anyám később levelezett is, amikor már Amerikában éltek. Varró István a „Századunk” című folyóirat szerkesztője volt, felesége pedig Varró Margit neves zenepedagógus. Anyu valószínűleg még abból az időből ismerte őket, amikor Pesten énekelni tanult [Varró István (1878–1963) – író, szociológus. 1926–1939 között a „Századunk” című társadalomtudományi folyóirat szerkesztőbizottsági tagja. A lapot 1939-ben betiltották, mert élesen támadta a Horthy-rendszer szélsőségesen jobboldali nacionalista politikáját és a fasizmust. 1940-től az USA-ban élt könyvkötőmesterként. A húszas évek elejétől egészen haláláig Füst Milán egyik legközelebbi barátja; Varró Margit (Varróné Picker Margit) (1881–1987) – a budapesti Zeneakadémia zongoratanszékén végezett, majd magántanár lett. 1918–1920 között a Zeneakadémián tanított. 1928-ban Amerikába költözött, Chicagóban a Roosevelt Egyetem tanára lett. Zeneelméleti munkái Budapesten, Londonban, Bonnban és Chicagóban jelentek meg. – A szerk.]

Mi is gyakran eljárkáltunk otthonról, mert voltak barátai anyámnak a szomszéd faluban, Abán, amely olyan közel volt, hogy át lehetett gyalogolni. Az állatorvosékkal, Tóthékkal voltunk igen jó viszonyban. Sokkal később, évtizedek múlva újra megtaláltuk egymást Pesten.

Említettem, hogy személyzet is volt a birtokon. Énnekem volt egy külön dajkám. Ővele töltöttem az idő jelentős részét. Abáról volt ez az egyszerű, kedves falusi kislány, akkoriban kábé tizenhat éves lehetett, Hajdók Erzsébet, Bözsike – de mi csak Hajdinak hívtuk. Én imádtam, nagyon tudott velem játszani, igen jól megvoltunk egymással. Aba, bár Fejér megye, egy erősen református község volt. Úgyhogy Hajdiék is kálvinisták voltak. Egyetlenegy emlékem van, mégpedig egy vizuális emlék, hogy a Hajdi nővére a református templomban koszorúban és fátyollal esküdött. Oda elvittek, hogy lássak egy esküvőt.

Úgy nyolc-tíz évvel ezelőtt valaki az ismerőseim közül, akivel egy koncentrációs táborban voltam, fölhívta a figyelmemet arra, hogy az „Új Élet”-ben [a magyarországi hitközségek lapja] megjelent egy kis hirdetés, hogy „Keressük a Baik családot”, ahol volt egy kislány, aki akkoriban, a húszas évek vége felé volt négy-öt éves, és Fejér megyében, egy birtokon laktak, és ha valaki él közülük, azt kérjük, hogy jelentkezzék. És az aláírás az volt: Hajdi.

Ez a Hajdi keresett engem több mint hatvan évvel később! Jelentkeztem, és kisült, hogy Hajdi, aki akkor már nyolcvan év felett volt, a lányával, a vejével meg az unokájával Érden lakik. El is mentem hozzá, úgyhogy többször találkoztunk. Ő még tudott mesélni nekem a kisgyerekkoromról. Hogy anyám nem volt igazán jóban a sógornőivel, azt tőle tudtam meg. Nagyon szeretett nálunk lenni, és különösen anyámat imádta. Az anyám volt az ideálja.

1930-ban édesanyám elvált az édesapámtól. Visszament Zalaegerszegre. A család nagy része ott élt. Miután a nagyanyám közben meghalt, a nagynénje, Berta néni házába, a Jámbor házba költözött. Úgyhogy én ott töltöttem az életemnek egy jelentős szakaszát.

Apám sohasem nősült meg újra. El is ment a pusztáról különböző helyekre gazdatisztnek [lásd: birtokkezelés]. Anyagilag, azt hiszem, nem tudott minket segíteni. Leveleztünk, és nagyon büszke volt arra, hogy jól tanulok. Később Pestre költözött, és a nővéreivel együtt lakott. Évente egyszer-kétszer meglátogattam őt, amikor már nagy kislány voltam, olyan tizenhárom-tizenöt éves, egyedül is eljöttem hozzájuk.

Húszéves koromban elvesztettem őt. Ez az, amit nem tudok, hogy szegényt hova hívták be, és hogyan szereztek tudomást arról, hogy elpusztult. Mert mire én visszajöttem, addigra ő már nem volt. Csak azt hallottam, hogy nincs meg.

1930-ban Zalaegerszeg, furcsa mód, egy nagyon elmaradott város volt, ahhoz képest, hogy ez volt a megyeszékhely. Ennél sokkal fejlettebb, sokkal haladottabb és iparosodottabb volt Nagykanizsa. Hogy mi volt az oka annak, hogy a fő vasútvonal nem Zalaegerszegen, hanem Nagykanizsán keresztül ment például Budapestre, illetve Budapestről Nagykanizsára és aztán Jugoszlávia felé, azt talán valami történész tudja megmondani. Természetesen ott volt az ipar, ahol a vasútvonal, vagyis Nagykanizsán, [Zala]Egerszegen pedig alig volt – csak a második világháború után kezdett fejlődni. Nagyjából az 1930-as évek legvégén volt az a bizonyos magyar–amerikai olajipari társaság [lásd: MAORT], amelyik rájött arra, hogy Zalában nyersolaj van. Ez nagy lendületet adott. De akkor még erről senkinek fogalma nem volt.

Berta néniék háza, amibe beköltöztünk, sokkal szerényebb volt, mint a mi felsőszentiváni házunk. Saját tulajdonú ház volt, kiváló helyen, a város közepén, a Kölcsey utcában, ma is így hívják. Négyszobás ház volt kerttel és egy udvarral, az udvarban egy külön kis épületben volt az ügyvédi iroda – doktor Jámbor Mártoné, a Marci bácsié. Itt lakott még Sanyi fiuk, aki akkor ügyvédnek készült, Laci, aki fogorvos volt, és a rendelője is a házban volt. Akkoriban még nem volt Zalaegerszegen városi vízvezeték és csatornázás, azt csak jóval a háború után csinálták meg. Úgyhogy egy olyan házban, mint amiben mi is laktunk, ahol folyt a víz a fürdőszobában, a vécében meg a rendelőben, azt maguk csináltatták meg úgy, hogy fúrtak egy kutat a pincében, és onnan villannyal fölpumpáltatták a vizet a padlásra egy nagy betontartályba. Ebből a tartályból kapták azok a helyiségek a vizet, ahol kellett.

A ház általában a huszadik század elejének a divatja szerint volt berendezve. Agyonfaragott ebédlőkredencek meg ilyesmik, vastag lábú ebédlőasztal. Az egész család természetesen közösen főzött, közösen mosott. A nagymosás mindig egy külön „rendezvény” volt. Jött a mosónő. Volt szakácsnő és egy szobalány, aki takarított. Miután Zala elég szegény megye volt, igen könnyen lehetett rendes nőket szerezni, akik boldogan álltak be egy-egy családhoz dolgozni. Egy elég nagy konyhakert is volt, egy időben még sok minden megtermett benne, de később már nemigen művelték. Ennek két oka is volt. Boldogult nagynéném nem volt lelkes kertész, másrészt valamiképpen az utcát úgy lemélyítették, hogy azon a részen megállt a víz, csatornázás meg nem volt, így elmocsarasodott.

Beköltöztünk. Anyu a Laci fogorvosi rendelőjében kezdett dolgozni. Olyan ember mellett asszisztált, akitől többet tanult, mintha egy tanfolyamra járt volna. Nagyon jól megtanult mindent. Olyannyira, hogy a háború után is fogászati asszisztens volt egész nyugdíjba meneteléig. Igaz, le kellett tennie valami vizsgát, de az könnyen ment.

Anyám arról sose mesélt, de én rájöttem, hogy már egész fiatal-, majdnem gyerekkorukban, Laci szerelmes volt belé. Egy évvel volt öregebb. Persze reménytelen dolog volt ez akkor. Jött az első világháború, Laci, mint már meséltem, az olasz fronton volt. Mire elvégezte Pesten az egyetemet, addigra anyu férjhez ment. Valahol megtaláltam Laci leckekönyvét, amiben igen érdekes aláírások szerepelnek. Például doktor báró Eötvös Lorándé [(1848–1919) – fizikus, egyetemi tanár, miniszter, az MTA tagja. – A szerk.]. Meg még másoké is, akikről utcák vannak elnevezve. Neves professzorai voltak.

Amikor anyu elvált, és odaköltöztünk Jámborékhoz, akkor igen lassan fejlődött odáig a dolog, hogy 1937-ben összeházasodtak. Lassan, mert a szülők nagyon nem örültek ennek. Mert Laci minden tekintetben kitűnő parti lett volna másnak. Nagyon jóképű volt, tehetséges, kiváló szakember és nagyon kedves. Boldogult Berta néni abban reménykedett, hogy valami gazdag lányt vesz el. Anyámnak nem volt egy vasa sem persze, és volt egy gyereke még a tetejében. Ragyogó jó házasság lett az övék, csak sajnos nem tartott elég sokáig. És Laci nekem jó apám volt.

Amikor Zalaegerszegre költöztünk, engem rögtön beírattak az elemi iskola első osztályába, ez már karácsony felé volt, amikor a tanév rég elkezdődött, de hamar behoztam a lemaradást. Még nem tudtam írni-olvasni, de már próbálgattam, mert apám segített nekem a betűket leírni. Emlékszem, hogy az írott kis „b”-vel voltak bajaim.

Az első osztály borzasztóan primitív volt. Azt az épületet aztán lebontották, illetve nagyon komolyan átalakították, és soha többé nem lett iskola belőle. Ott hetvenöten voltunk az első osztályban, ami teljes képtelenség. A gyerekek jelentős része, ahol a szülők egyszerű emberek voltak, nem tanult meg tisztességesen írni-olvasni. Másodikban elkerültem egy jobb iskolába, és ott végeztem el a második, harmadik és negyedik osztályt.

Hogy zsidó vagyok, azt legelőször akkor tudtam meg, amikor [Zala]Egerszegre kerültem. A család, amelyben addig Felsőszentivánon éltem, nem volt vallásos, senki nem tartott semmit sem. Én sem tudtam semmit. Jámborék sem voltak nagyon vallásosak, de Berta néni az ünnepeken mindig eljárt az istentiszteletekre. Sőt valami furcsa módon még mindig megvan egy imakönyv, amit ő használt. Viszont gyertyagyújtást azt én máshol láttam. Marci bácsi, bár „zsidóbb” családból származott, annyira ateista lett…, hogy mi volt az oka, már sosem fogom megtudni. Talán, mert 1919 után börtönben ült egy darabig, de erről soha nem mesélt senki. Tabu volt.

Zalaegerszegen a huszadik század elején épült egy kéttornyú, máig is meglevő, igen jól karbantartott zsinagóga. Volt zsidó hitközség persze. Zsidó iskola nem, de természetesen volt zsidó hittan. Osztálytársaim között volt egy csomó zsidó gyerek, és én azokkal barátkoztam. Nem tudom, hány zsidó élt a városban abban az időben. Mindenesetre több zsidó családot én magam is ismertem. A Jámbor család társaságának tagjai mind zsidók voltak. Zsidó értelmiség. Hozzájuk is jártak, ők is eljártak. Közeli és kedves barátok voltak. És persze a gyerekek is barátkoztak. Emlékszem több fiúra, akiknek, amikor tizenhárom évesek lettek, pazar bár micvó zsúrt rendeztek, amire minden barátját elhívták.

Az elemi után polgáriba jártam négy évig, de aztán jött a kérdés, hogy mi legyen. Mert én szerettem volna tovább tanulni, jó tanuló is voltam, a szüleim is akarták, de mit és hol. Gimnázium a lányok számára csak úgy létezhetett, hogyha letesznek egy komoly különbözeti vizsgát [Azaz a polgári iskola negyedik osztálya után csak különbözeti letételével lehetett az akkor nyolcosztályos gimnázium ötödik osztályában folytatni a tanulmányokat. – A szerk.], és akkor egy külön kérvény alapján fölvették őket magántanulónak a helybéli fiúgimnáziumba, ami volt, és jó volt. Na, ez akkor nekünk nem ment.

Valamikor az 1920-as évek végén épült Zalaegerszegen egy gyönyörűségesen szép, mind a mai napig létező Notre Dame rendi zárda, és ott volt egy tanítónőképző [1928-ra készült el az épület, ahova a város akkori plébánosa, Pehm József (Mindszenty József) a Franciaországból 1905-ben kiutasított nővéreket (Notre Dame Női Kanonok- és Tanítórend, CND) hívta, akik először Zsámbékon, majd Törökbálinton leánynevelő intézetet tartottak fenn. Zalaegerszegen 1929–1948 között az elemiben, a polgáriban és tanítóképzőben évente átlag ezer tanulójuk volt.  – A szerk.].

Azt mondta a család, ha nem megy másképp, beíratunk oda, föl fognak venni, így tovább tanulhatsz. Ez [a tanítóképző] a Klebelsberg kultuszkormányzat rendelkezése alapján átalakult líceummá, ami annyit jelentett, hogy nem ötéves volt, csak négy, tehát tizennyolc éves korában, ha valaki elvégezte, akkor úgynevezett érettségit tehetett. Ámde ez az érettségi nem tette lehetővé, hogy beiratkozzon az egyetemre [Baik Éva rosszul emlékszik: a líceumból is tovább lehetett menni egyetemre, ill. főiskolára, de ha valaki bölcsészeti tanulmányokat kívánt folytatni, akkor klasszikus nyelvekből különbözeti vizsgát kellett tennie. Lásd: líceum. – A szerk. ]. Ide tényleg felvettek, én voltam az egyetlen zsidó lány.

Mindenfélét tanultunk, és jól, mert kiválóan tanítottak az apácák, közöttük néhány kitűnő pedagógus volt. Mère-nek kellett szólítani őket, nem Maternak. Az osztályfőnökünket úgy hívták, hogy doktor Braunecker Marie de Sacre Coeur. Ezt a Braunecker nevet valahol mostanában olvastam, mintha bárói család lett volna. Mindenesetre jó indulatú, szimpatikus és nagy tudású nő volt. Magyar irodalmat és nyelvet tanított.

Van, akire különösen emlékszem, mind a mai napig előttem van, Mère Pia, a vezetékneve pedig Auffenberg volt. Sokkal később tudtam meg, hogy ennek a családnak valamelyik felmenője a nevét az 1848-as forradalom idején Ormaira magyarosította, majd ez a szegény Ormai Norbert oly mértékben részt vett a szabadságharcban, hogy Haynau kivégeztette [Ormai v. Ormay (Auffenberg) Norbert (1813–1849) báró, honvédezredes – morvaországi német (cseh?) arisztokrata családból származott, Olmützben végezte katonai tanulmányait, 1840-ben a galíciai lengyel hazafiakhoz fűződő kapcsolatai miatt letartóztatták, 7 év vizsgálati fogság után 14 év várfogságra ítélték. Munkács várában töltötte büntetését, ahonnan az 1848. március 15-i forradalom után kiszabadult, és kegyelmet kapott. (Ekkor változtatta nevét Ormai /Ormay/ Norbertre.) 1849-ben alezredessé léptették elő, 1849 augusztusában lemondott rangjáról és beosztásáról, augusztus 12-én esett császári fogságba. A rögtönítélő bíróság kötél általi halálra ítélte, az ítéletet augusztus 22-én, Aradon végrehajtották. – A szerk.]. Mère Pia volt az egyetlen ember, aki meg tudta szerettetni velem a matematikát, ami nagy teljesítmény volt, mert én tökéletes matematikai antitalentum vagyok. De ő olyan érdekes ember volt, annyira imponált nekünk – fiatal volt, a harmincasas éveinek elején –, és sok minden egyébre is megtanított minket, aminek semmi köze nem volt az algebrához. Például, hogy hogyan kell viselkedni, hogyan kell enni, szóval ilyesmikre, amit ő nyilván otthonról hozott. Nagyon tiszteltük.

A zenetanárnőnk Mère Marie Madelaine volt, a vezetéknevét elfelejtettem. Derűs ember volt, aki istenien zongorázott, és ha örömet akart nekünk szerezni, akkor leült, és Lisztet, Schubertet játszott, meg amit akarsz. És persze megtanított bennünket blattról kottát olvasni, ami fontos dolog [A „blattolás” azt jelenti, hogy valaki ismeretlen zenedarabot első látásra le tud játszani kottából. – A szerk.]. Kórus is volt, ahol énekeltem. A zenetanulás jó volt.

Az osztály harminc-valahány lányból állt, szinte nem volt olyan, akit ne szerettem volna, csak az egyiket jobban, a másikat kevésbé. Mind kicsit jobb módú polgári családokból jöttek, mondjuk, tanárok gyerekei. Volt néhány vidéki kislány is, akik az internátusban laktak, és ahol kifejezetten jól érezték magukat. Ezért az iskoláért fizetni kellett, de nem túl sokat.

Nagyon kedves osztálytársam volt tizenöt éves korunkban Bozóky Éva [(1923–2004) író, újságíró, tanár, könyvtáros. Férje Donáth Ferenc, aki a felszabadulás után igen magas tisztségeket töltött be, 1951-ben azonban koholt vádak alapján letartóztatták, és 15 évre ítélték, Bozóky Évát pedig a kistarcsai internálótáborba zárták. 1954-ben rehabilitálták őket. Donáth nem vállalt újabb politikai szerepet, csak 1956 októberében, amikor Nagy Imre közvetlen munkatársa lett, ezért 1958-ban a Nagy Imre-per másodrendű vádlottjaként 12 évi börtönbüntetésre ítélték, amnesztiával szabadult, 1960-ban. – A szerk.]. Csak egy évig járt velünk, mert aztán az édesapját, aki katonatiszt volt, elhelyezték Pápára.

Már nyugdíjas voltam, amikor hetenként kétszer a Rádióban a BBC híreit fordítottam. Egyszer bejött hozzám az egyik fiatal kolléganő, és azt mondja: „Képzeld el, most olvasok egy könyvet, ahol terólad majd’ egy egész oldal szól.” Kérdem: „Hogy lehet ez?” Azt mondja: „Megmutatom neked, és majd elolvashatod.” Kisült, hogy a Bozóky írt egy önéletrajzot [„Zord idők nyomában…”, Pro Pannonia Kiadói Alapítvány, 1998]. Nagyon szomorú és kalandos élete volt, mint ismeretes, ő is volt Snagovban a férjével. A könyvében még én is szereplek mint kedvenc osztálytárs, akivel meg lehetett beszélni az olvasmányokat.

Ezek után megkerestem, nagyon megörült. Így jöttünk évtizedek múlva újra össze. Attól kezdve összejártunk, egészen a haláláig. Megismerkedtem a fiaival, sőt az unokájával is, aki tegnapelőtt itt volt, és meghívott a holnapi napra. Fel is emlegette, hogy amikor már szegény nagyanyja nagyon rossz állapotban volt, én járkáltam hozzájuk szinte minden nap, és segítettem egy kicsit a háztartásban: „Hogy te ott mennyit mosogattál!” Egyszer pedig azt kérdezte: „Lennél a pótnagyanyám?” Nagyon helyes felnőtt lány.

A líceumban – mint minden középiskolában a háború előtt – a német nyelv tanulása volt a kötelező, de itt még a francia is. Franciául sosem tanultam meg rendesen, elég csúf dolog, mert olyan nagyszerű franciatanárom volt, nem is az iskolában, hanem privát, akivel a család baráti kapcsolatot tartott. Tőle vettem órákat. Nagyon szerettem, de mégsem tanultam meg igazán jól.

Angolul viszont megtanultam. Amikor tíz éves voltam, Jámbor Marci bácsi azt mondta: „Most pedig elkezdünk angolul tanulni.” Attól kezdve minden nap délután kettő és három között a szomszédban lakó barátnőmmel együtt angol órára mentünk Marci bácsihoz az ügyvédi irodába. Ő teljesen autodidakta módon tanult meg angolul, és az irodájának a háromnegyed része angol könyvekkel volt telerakva. A kiejtésem nem volt valami jaj de, aztán később, amikor elkezdtük hallgatni a rádiót, sokat javult.

Németül már jól tudtam, és Sanyi nagybátyám hatására eredetiben kezdtem Thomas Mannt meg Goethét olvasni, persze szótárral. Egyébként is rengeteget olvastam, mert tizenhét évesen kimaradtam a líceumból, és sok szabadidőm lett.

Akkor maradtam ki, amikor kiderült, hogy itt hiába érettségizem le, az egyetemre sose jutok be vele. Ez az egyik. A másik pedig az, hogy akkor sikerült a csodálatos orvos nagynénémnek a mindenféle budapesti kapcsolatai révén engem beszuszakolni magántanulónak egy budapesti leánygimnáziumba, a Ráskai Leába. Ez a Szemere utca és az Alkotmány utca sarkán volt.

Úgy volt, hogy az első évben – 1942 nyarán –, amikor már tizennyolc éves voltam, eljöttem Pestre, különbözeti vizsgát tettem latinból, történelemből, matematikából, ezeket – a latint kivéve – úgyis tanultuk a zárdában. A latint rögvest imádni kezdtem. Volt [Zala]Egerszegen egy gimnáziumi tanár, úgy hívták, hogy Móra János – Móra Ferencnek [(1879–1934) író, 1917-től a szegedi múzeum igazgatója. – A szerk.] az unokaöccse volt –, kiváló tanár, szimpatikus és rendes ember, aki mihelyst látta, hogy én annyira lelkesedem az ő tárgya iránt, persze még szívesebben tanított. Hozzá jártam privát órákra.

Letettem a különbözetit az egyik héten valamikor, Pesten maradtam, és pár nappal később letettem az ötödiket is, mert arra is föl voltam készülve. És kérdeztem az osztályfőnököt, hogy mi lenne, ha szeptemberben följönnék, és letenném a hatodikat is. Azt mondta, hogy különösebb akadálya nincs. Visszamentem [Zala]Egerszegre, majd két hónappal később följöttem Pestre, letettem a hatodikat is, úgyis túlkoros voltam már, és azt mondtam: „Mi lenne, ha félévkor följönnék, letenném hetedikből a vizsgát, és az év végén leérettségiznék?” Azt nem! Arra valahogy nem volt engedély. Az isten tudja, miért. Én meg tudtam volna csinálni, de nem hagyták.

A pesti magántanulóságom ezzel be is fejeződött, mert az [zala]egerszegi gimnázium fölvett magántanulónak. Állami gimnázium volt, úgy hívták akkor, hogy Deák Ferenc Gimnázium, mert ugye Deák zalai ember volt. És aztán mégis valamiért nem volt Deák eléggé szimpatikus a későbbi kormányzatnak, átkeresztelték Zrínyire. A szabály itt is érvényes volt, nem vizsgázhattam előbb. Sok időm volt, rengeteget olvastam, nyelveket tanultam, társaságba jártam.

1944 áprilisában, tehát jóval előbb érettségiztem, mint általában szokás volt. Mert már akkor nagyon közeledett a front. A kötelező Bocskai-ruhámon ott virított egy szép sárga csillag. Még egy zsidó lány volt az osztályban, Marika, aki haláláig nagyon jó barátnőm maradt. A háború után illegálisan elhagyta az országot. Bécsben a Jointnál megismerkedett egy amerikaival, aki ott volt vezető. Feleségül ment hozzá. Egy ideig Genfben éltek, közben Münchenben orvosi diplomát szerzett, és orvosként dolgozott. Aztán Amerikába költöztek. Meglátogattam őt Bécsben, kétszer Genfben is, majd Amerikában is.

Diákéveim idején volt egy nagyon édes barátnőm, Anikó, egy évvel volt idősebb nálam. Gyógyszerész volt az édesapja. Szép nagy lakásban laktak, és főleg ott gyűlt össze a mi társaságunk. Az édesanyja tüneményes háziasszony volt, mindig csodálatos vendéglátásban volt részünk. Fiúk is jártak ide, akik két-három-négy évvel voltak idősebbek, és jó barátaink lettek. Mindenki zsidó volt, csak egy fiú nem, aki Anikónak udvarolt. Anikó imádta, és még Birkenauban is emlegette. Arra gondolt szegény, hogy hogyan fog ő koszorút és fátylat tenni a kopasz fejére. Mire hazajött, a fiú már nős volt. Az első nyáron, amikor minket deportáltak, akkor megnősült. Anikó aztán egy angol fiúhoz ment feleségül. Amikor Angliában voltam, meg is kerestem őt. A napokban fölhívott egyébként, csak úgy eszébe jutott, hogy telefonál.

Ez egy zárt társaság volt, de nem volt kapcsolatunk zsidó mozgalommal. Bár az egyik nagyon jó barátunk éppen a hitközségi titkárnak volt a fia. Valahol Ukrajnában pusztult el. Anikó tanított meg táncolni, és náluk gyakran volt alkalom a táncra. Sokszor kirándultunk együtt, hiszen Zalaegerszeg a leggyönyörűbb zalai erdők szélén van. Arról nem is beszélve, hogy Anikóéknak volt egy szép szőlőjük, nyáron oda mentünk ki, az pazar volt.

A városban egy szem mozi volt, nagyon kis hitvány. Az érdekes benne talán az az egyetlen dolog, hogy a tulajdonosa Gábor Miklósnak volt az édesapja [Gábor Miklós (1919–1998) – színész, rendező. 1945–1954 között a Nemzeti Színház, majd 1975-ig a Madách Színház tagja volt. 1975–1978 között a kecskeméti Katona József Színház, 1979-től a Népszínház, 1984-től ismét a Nemzeti Színház művésze volt. – A szerk.]. Minden új filmet elhozott. Amíg a zárdába jártam, a mozilátogatásra külön engedélyt kellett kérni. Emlékszem egy esetre – már tizenöt vagy tizenhat éves lehettem –, amikor édesanyám valahova elutazott. Azt mondta az én nevelőapám, a Laci: „Ide figyelj! Megy egy amerikai film Deanna Durbinnel.” Ő egy fiatal színésznő volt [1921-ben született. – A szerk.], filmjei is mind fiatal lányokról szóltak. Emlékezetes volt a „Száz férfi, egy kislány” című [1937, rendezte: Henry Koster], amiben a száz férfi a New York-i Filharmonikus Zenekar volt, élén Stokowskival [Leopold Stokowski (1882–1977) – lengyel-ír származású karmester, pályafutása az Egyesült Államokhoz kötődött. – A szerk.]. Valami ilyesmit néztünk meg, de nem kértem rá engedélyt, mert már nem volt idő. Mit tesz isten! A tisztelendő úr ott volt a moziban, rögtön beköpött engem, úgyhogy az egyetlen intőt akkor kaptam. A család csak nevetett rajta.

Sok könyvet cseréltünk egymás között. Anikónak volt egy ügyvéd rokona, egy hallatlanul művelt ember minden tekintetben, a mi családi baráti körünkhöz tartozott, doktor Lőke Imre. Tőle sok mindent tanultam, és sok könyvet kaptam. Rengeteg jó könyve volt. Tőle kaptam kölcsön például az összes magyarra fordított orosz klasszikust. Egy időben teljesen bolondultam Dosztojevszkijért.

Az egyik fiút a társaságból valami nagy szerencse folytán fölvették a Műszaki Egyetemre Pesten [Az 1940-es év körül vagyunk. Az 1939:IV. tc. „A zsidók közéleti és gazdasági térfoglalásának korlátozásáról” visszaállította a felsőoktatási intézményekben a numerus clausust, a 6%-os arányt csak a műegyetemen emelve fel 12%-ra. – A szerk.], és ott összebarátkozott egypár másik diákkal, majd az első év nyarán a vakációra hazahozott vendégségbe két fiút. Persze behozta őket a mi társaságunkba. Én éppen akkor voltam oda az orosz klasszikusokért. Az egyik vendég fiú jól tudott oroszul, lévén, hogy a mamája orosz nő volt, akit a papája hadifogságból való szabadulása után hazahozott feleségnek. Ez a fiú nagyon tetszett nekem, Gyurinak hívták. Szép fiú volt, és okos is.

És ekkor, 1941. június huszonkettedikén Hitler megtámadta a Szovjetuniót. Ez egy óriási, döbbenetes hír volt. A német hadsereg, mint kés a vajon, úgy ment át Ukrajnán, és már majdnem Moszkva alatt volt.

Ugyanezen a nyáron Sanyi nagybátyám egy szép napon hazahozott egy puha kötésű vastag könyvet. Amikor megkérdeztem, hogy „Ez micsoda?”, akkor azt mondta: „Orosz nyelvkönyv, ideje elkezdeni.” Az volt a meggyőződése, hogy akármi lesz, az oroszokat nem lehet legyőzni. Igaza lett. Nem tudok róla, hogy ő részt vett volna bármilyen mozgalmi tevékenységben. Letette az asztalra a könyvet, az én fejemben pedig csak az volt, hogy na, ezzel lehet imponálni ennek a fiúnak, aki nekem úgy tetszik. Tizenhét éves voltam.

Elkezdtem nézegetni a könyvet, rémisztőek voltak a cirill betűk. Elég régi kiadás volt, még az orosz helyesírási reform előtt jelent meg [Nagy Péter uralkodása idején vezették be azt a helyesírási rendszert, amelyet 1918-ban, már a Nagy Októberi Forradalom után hatályon kívül helyeztek (többek között eltöröltek négy írásjelet). – A szerk.]. Bonyolult volt, azóta sokat racionalizáltak, még bizonyos betűket is elhagytak az ábécéből. De ebben még minden benne volt. És ötven lecke. Borzalmas volt. Mit adnék, ha kezembe kerülhetne az a könyv! Majd egyszer elmegyek a Széchényi Könyvtárba, hátha megvan nekik.

Azt mondtam: „Kerül, amibe kerül, én ebbe belekezdek!” Irtó nehéz volt, mert nálunk senki nem tudott szláv nyelvet. Addig németül, angolul, franciául vagy latinul tanultam, és rettentően nehezen tudtam megjegyezni az orosz szavakat. Az első hetek nagyon keservesen teltek. Gyuri sem segíthetett, mert ő már visszautazott Pestre. Nem volt senki, aki segíteni tudott volna, de egy év alatt átrágtam magam az egész könyvön.

Sokkal később, amikor már szerkesztő voltam az Akadémiai Kiadóban, volt egy orosz kolléganőm, aki ma is barátnőm, és meséltem neki, hogy ebben a tankönyvben még mik voltak. A hasát fogta. Már csak azért is, mert volt például olyan lecke, amikor valaki jön, és lakást keres. Megkérdezi a ház tulajdonosát, hogy milyen szobák vannak, mire az fölsorolja, hogy van itt hálószoba, ebédlő, gyerekszoba, szalon, meg még nem tudom, mi minden, ami a Szovjetunióban nem létezett. És amikor a házigazda megkérdezi tőle: „Tetszik önnek ez?” Erre az a válasz: „Igen, csak a tapéta nem tetszik.” Vagy például olyan, hogy vendégek jönnek, és a háziasszony azt mondja: „Iván, tegye föl a szamovárt!” Hát hol volt ott egy Iván, aki föltehette volna a szamovárt? Szóval nem volt életszerű, és nem volt élő nyelv, amit a könyvből megtanulhattam.

Télen, amikor az iskola miatt Pesten voltam egypár napra, valahol a belvárosban az egyik újságárus standnál látok ám egy cirill betűs újságot: „Novoje Szlovo”. Na, ezt én megveszem! Megvettem. A nagynéném pedig úgy segített, hogy talált nekem az egyik könyvesboltban egy orosz–német, német–orosz kisszótárt. És akkor eme szótár segítségével elkezdtem a Novoje Szlovót preparálni. Már háború volt. Kisült, hogy ez egy szabályos fasiszta lap, de oroszul van, és már az új helyesírás szerint. A náci lapból tanultam meg a háború összes szakkifejezését, amivel aztán a rádiót is megértettem.

Akkoriban, 1942/43 telén abban a nagy, négyszobás házban csak hárman laktunk, Laci, anyám meg én. Az öregek, Berta néni és Marci bácsi már nem éltek. Milyen szerencséjük volt! Sanyi, szegény, munkaszolgálatos volt valahol. Késő este, amikor bezártuk az ajtót, kaput, rádiót hallgattunk. Volt egy nagyon jó Philips készülékünk, amelyiken kiválóan lehetett fogni mindenféle rövidhullámú állomásokat. Rendszeresen hallgattuk a BBC-t, és találtam egy szovjet adót is [lásd: magyar nyelvű rádióadások]. Egyszer késő este kifogtam egy olyan híradást, amelyik részletesen beszámolt a sztálingrádi csata kimeneteléről [A sztálingrádi csata az európai hadszíntéren a második világháború fordulópontja volt. A városért folyó harcban 1942. augusztus 21. és 1943. február 2. között a szovjet csapatok döntő vereséget mértek a tengelyhatalmak csapataira. A csata másfél milliós emberveszteségével a világtörténelem talán legvéresebb csatája volt, ahol mindkét oldal példátlan kegyetlenséggel, a katonai és polgári veszteségekre, szenvedésekre való legkisebb tekintet nélkül harcolt. – A szerk.]. Ezt ott azon nyomban elmeséltem, és akkor Laci eltűnt, lement a pincébe, és fölhozott egy üveg pezsgőt. Azt megittuk hárman.

Így politizált a család. Baloldaliak voltak, de nem vettek rész aktívan semmiben. [Zala]Egerszegen tudtommal nem is volt semmilyen szervezett mozgalom. Újságok közül a „Magyar Nemzet” járt, Pethő Sándor szerkesztette, aztán az „Újság” – na és a rendelőbe, a pácienseknek a „Színházi Élet”. Az is jó volt, mert sok olvasnivaló volt benne.

Húsz éves voltam, amikor érettségiztem 1944 áprilisában. Utána már csak olyan világ volt, hogy megszabták, mikor lehet kimenni az utcára, anyám mikor mehet a piacra. És megcsinálták a gettót. Egy bizonyos városrészt jelöltek ki. Olyan furcsa dolog történt, hogy a mi házunk pont a gettó szélén volt. Nem is akarták, hogy beleessünk, mert Laci munkájára égető szükség volt, ő volt a legjobb fogorvos a városban. Elrendelték, hogy nem mehet a gettóba. Úgyhogy használta a rendelőt. A házba ugyan betettek egy altisztet a feleségével, minket meg átköltöztettek az udvaron levő irodaépületbe. Ott laktunk egy darabig, nem voltunk a gettóban.

Persze Lacinak is fel kellett tennie a sárga csillagot. És hát volt neki több másféle csillagja is, nagyezüst és kisezüst háborús kitüntetése, Károly csapatkereszt, de mindez nem mentette meg őt sem további sorsától.

Szörnyűséges csaták voltak. Egyébként az én huszadik születésnapom előestéjén volt a normandiai partraszállás [1943 novemberében, a  teheráni konferencián döntés született Németország kétfrontos háborúba kényszerítése céljából a második front (az első a szovjet front volt)  megnyitásáról. Végül 1944. június 6-án kezdődött meg az amerikai és brit erők normandiai partraszállása, aminek a célja a La Manche csatorna birtokbavétele, majd hadászati hídfő megszerzése volt az északnyugati francia partvidéken, a Rommel tábornok irányította német csapatoktól. – A szerk.]. Úgyhogy még mondtam is anyáméknak, hogy „Istenem, istenem, ilyen szép születésnapi ajándék! Csak korábban jöhetett volna”. Ez 1944. június hatodikán volt.

Június végén minden zsidót kiköltöztettek a téglagyárba. Az nagyon ronda volt, de nem tartott sokáig, mert július ötödikén beraktak minket a marhavagonokba, és elindítottak Auschwitzba. Mi hárman együtt voltunk. Semmit nem tudtunk, pedig amíg lehetett, hallgattuk a rádiót. Évekkel később a BBC-ben hallottam, hogy valami nagyon magas rangú minisztériumi ember annak idején ott, Londonban fogadott valakit, akinek pontos adatai voltak, tudott mindent, de az illető azt hitte, hogy ez bolond, hogy ilyen nincs. Nem hitték el, hogy van ilyen láger [1944 áprilisában a Nemzetközi Vöröskereszt már megkapta az Auschwitzi Jegyzőkönyvet. – A szerk.]. Nem véletlen, hogy soha nem bombázták. Lehetett volna. Annál sokkal távolabbra is el tudtak jutni az angol repülőgépek.

Hogy merre visznek, sejtettük, mert valaki a vagon hasadékán látta, hogy Kassa felé megy a vonat, tehát tudtuk, hogy ez Lengyelország irányába megy. Amikor Auschwitzba értünk, akkor szakadtunk el egymástól. Borzasztó volt. Nem szeretek erre gondolni se. Lacit soha többé nem láttuk. Auschwitzból elkerült egy Mühldorf nevű helyre, valahol Bajorországban, az Inn folyó partján volt egy láger. Szegény hat héttel a Harmadik Birodalom összeomlása előtt, 1945. március tizenhetedikén influenzában halt meg. A barátai közül egy-kettő hazajött, és hónapokig nem merték az anyunak elmondani. Nekem mind a napig olyan furcsa és bolond elképzelésem van, hogyha tudta volna, hogy mi élünk, nem pusztul bele az influenzába.

A nőket összeterelték, és egy fürdőbe vitték, ahol minden ruhát le kellett tenni. Erősen rövidlátó voltam, négydioptriás szemüvegem volt. Volt annyi sütnivalóm, hogy a szemüveget a fürdőben a markomban tartottam, és így nem vette észre senki. Mert egyébként minden elveszett. Az a nagy nehezen összecsomagolt hátizsák, amiben gyógyszerek voltak, fehérnemű, pulóver meg ez, meg az, mind elveszett, azt nyilvánvalóan a németek szépen fölhasználták. A fürdő után – ahol minket lekopasztottak mindenhol, ahol egy hajszál volt, nem részletezem – mindenki kapott egyetlenegy szál valamilyen ruhadarabot, ami lehetőleg nagyon koszos volt. Zokni nulla, fehérnemű nulla, bugyi nulla, ami ronda dolog volt, mikor az ember egész életében fehérneműt is hordott. Volt egy nő, nyilván egy deportált, aki egy vastag ecsettel, valami vörös festékkel húzott a hátunkon, a ruhára egy vonalat vagy keresztet, ezt nem tudom biztosan, de ahol az a bőrt érte, ott ki is sebesedett. A cipőm szerencsére megmaradt. Nekem egy félcipőm volt, használtam, ameddig szét nem szakadt. De ha én egy szép, jó síbakancsban mentem volna, mint ahogyan néhányan tették, azt elvették volna.

A lágerban az első egy-két nap ismerkedtünk a lányokkal, asszonyokkal. Akik megtudták, hogy kik vagyunk meg honnan jöttünk, azt mondták, nem jó az, ha anyának és lányának más a neve – mert az anyu Jámborné volt, én pedig Baik –, erre én azt mondtam, hogy leszek én Jámbor Éva, egy szó nélkül. Lacinak ez ellen biztos nem volna kifogása, csak sose tudta meg, sajnos. És attól kezdve engem mindenki Jámbor Évának hívott és ismert. Amikor a háború után különböző helyekről kerestek, például külföldről, senki sem tudta, hol találhat, amíg valaki el nem magyarázta, hogy ez hogy van.

Három hét után minket szerencsére kiszelektáltak. Valószínűleg Mengele, de esküszöm, ha most itt jönne, ha ugyanolyan lenne, akkor sem ismerném meg, mert nem néztem meg. Volt, aki azt mondta, milyen szép ember, engem csak az érdekelt, hogy az anyámmal együtt maradhassak. Akiket alkalmasnak találtak munkára, elterelték egy újabb fürdőbe, ahol a tusolóban volt meleg víz is, és ott mindenki kapott a legnagyobb örömünkre valamivel jobb ruhát, plusz alsóneműt, egy inget és egy bugyogót, nem nőit, gyerekalsót, de akkor is nadrág volt. Még arra is emlékszem, hogy miközben vártunk a sorunkra ott, a fürdő előhelyiségében, volt egy lány, aki fölmászott a magasan levő ablakpárkányra, és nagy sikoltozás közepette – talán a cipőjével – betörte az ablakot. Nem tudtuk, hogy miért. Később derült ki, hogy ő hallott arról, hogy ezek a fürdők pontosan ugyanolyanok, mint a gázkamrák, és hogy ez biztosan gázkamra lesz, ezért betörte az ablakot, hogy jöjjön be levegő. De szerencsére nem gázkamra volt, hanem víz folyt benne. Akkor még egy éjszakát kint ültünk egy káposztaültetvény mellett, a nyers káposztát ettük, és másnap reggel bevagoníroztak minket. Háromnapi utazás után, augusztus másodikán eljutottunk Hessisch Lichtenauba. Ez Kasseltől húsz-huszonkét kilométernyire van, délkeletre, Hessen tartományban.

Ez a tábor igazgatásilag Buchenwaldhoz tartozott, úgyhogy mi a buchenwaldi tábornak voltunk az alállomása. Amikor megérkeztünk, és végignézett minket a gyárnak valamelyik vezetője, azt mondta jövendőbeli parancsnokunknak: „Ezer munkást kértem, és erre kaptam ezer rokkantat.” Mi ugyan csak három hétig voltunk Auschwitzban, mások sokkal tovább, nagyon le voltak fogyva és gyengülve. Nem beszélve arról, hogy nem volt egy szál hajunk sem. Nem volt biztató külsőnk.

Egy meglehetősen civilizált lágerba kerültünk. Barakkok voltak, de kábé harminc-harmincöt ember volt egy úgynevezett blokkban, szóval egy helyiségben. Mindenkinek volt egy priccse szalmazsákkal – egyedül! –, kettő-kettő volt egymás mellett, két alsó, két fölső, és mindenkinek volt egy pokróca. Utána még az is kiderült, hogy van egy külön nagy barakk, ahol folyóvíz van és vécé! Fantasztikus! Lehetett mosakodni, természetesen csak hideg víz folyt, de akkor is, az ember tisztán tarthatta magát. Elképzelni se lehetett volna ezt a luxust a másik helyen. Sokkal később derült ki, hogy ezt a lágert nem koncentrációs tábornak létesítették, hanem munkásszállás volt, és ezért például a mosdóhelyiségben hatalmas csiszolt tükrök voltak. Nahát, azt a döbbenetet, amikor először megláttam magamat abban a tükörben!

Mivel olyan ramaty állapotban voltunk, adtak két hetet, azalatt nem kellett semmit sem csinálni. Ha valaki önként jelentkezett, akkor vállalhatta, hogy kimázolja zöld festékkel a barakk falát. Én nem vállalkoztam, hiszen azelőtt sem mázoltam soha. Valamivel jobb volt az élelmezés is, bár egyáltalán nem volt kielégítő, de mégis. Kellett hogy munkaképesek legyünk.

Két hét múlva elvittek minket a gyárhoz. A közeli Fürstenhagen nevezetű városka fölött van egy hegy, s az erdőn keresztül egy nagyon jó autóút vezetett föl a gyárba, amelynek nagy része a föld alatt volt, mégpedig azért, mert ez egy robbanóanyag gyár volt, és nem volt szabad azt a repülő ellenségnek látnia. A kéményeket úgy álcázták, hogy a tetejük valamilyen fémből úgy volt kialakítva, mint egy fenyőfának a csúcsa, és zöldre festették.

Először futóárkot kellett ásnunk vagy húszunknak. A csákányt is alig bírtuk fölemelni, a föld nagyon köves volt, és sokszor egész nagy köveket kellett onnan kiemelnünk. Rosszul bírtuk. A munkavezetőnk egy lengyel férfi volt Łódżból, aki tisztességesnek mutatkozott, előfordult, hogy kiásta helyettünk az egészet. Innen van egy érdekes emlékem, amit sosem felejtek el. Egyszer jött – számunkra akkor – egy öreg munkás, kék gyári munkaruhában, a kezében vitt egy vödröt, ami tele volt brikettel. Mondtuk, na, ez egy fűtő. Megállt előttünk, és halkan megkérdezte, ki tud itt németül. Anyámnak anyanyelve volt, mondta, ő tud. És akkor kisült, hogy a brikett alatt az ő kertjében termett almák voltak, amiből mindenkinek jutott. Amikor másnap vagy harmadnap jött, akkor azt mondta, hogy ő vidékről jár be dolgozni, és a felesége azt kérdezi, hogy nem tudnánk-e mi ketten vasárnap elmenni hozzájuk ebédre. Mondtuk, egy lépest sem mehetünk innen, ott áll az SS-őr. Úgyhogy ameddig ott voltunk, addig valamit mindig hozott, például egy kis cérnát, tűt, ami ott aranyat ért – szóval bámulatos, csodálatos ember volt, még a nevét sem tudom.

Aztán elkezdődött a munka a gyárban, három műszakban, éjjel-nappal. Reggel hattól tizennégy óráig, tizennégytől huszonkét óráig és este tíztől reggel hatig – ez volt a legutálatosabb, mert nagyon nehezen szokja meg az ember éjszakai munkát. És oda el is kellett jutni, messze volt, vonattal mentünk. A magyarok között csak nők voltak, Magyarországról, Észak-Erdélyből meg a Felvidékről, olyan helyekről, amiket a bécsi döntés alapján Magyarországhoz visszacsatoltak [lásd: első bécsi döntés; második bécsi döntés]. De sokáig együtt dolgoztam egy orosz kislánnyal, aki kurszki volt, vele oroszul csevegtem. Odacipelték őt is. Az egy megszállt hely volt. Onnan is nagyon sok nőt vittek munkára, akiknek nem volt jobb dolguk, mint nekünk.

Ebben a gyárban mi aknákat töltöttünk, amelyek százhúsz milliméteres aknavetőkbe valók voltak. Ez a legvastagabb, tizenkét centiméter, kábé nyolcvan centi magas, öntöttvasból készült, üresen is dög nehéz volt, hát még megtöltve! Sajnos, volt néhány haláleset. A TNT, amit az aknába tettünk, nagyon mérgező anyag, és olyan erős, hogy egy maroknyitól egy egész ház a levegőbe repül. Néhány hónappal előttünk egy iszonyatos robbanás következtében több száz ember elpusztult. Mialatt mi ott voltunk, szerencsére nem történt ilyesmi.

Már szeptember végén vagy október elején kiderült, hogy sokan nem bírják fizikailag ezt a munkát. És akkor jött egy olyan zahlappell [létszámellenőrzés (német)], amikor azt mondták, hogy azok, akik úgy gondolják, hogy nehéz nekik ez a munka, álljanak külön csoportba, elviszik őket egy másik gyárba. Főként anyám bírta rosszul. Ezért beálltunk a csoportba. Amikor a lagerälteste [a foglyok közül való felügyelő (német)], aki egy erdélyi nő volt, Pál Manci, meglátott minket itt, akkor hihetetlen erőszakos és goromba módon, szinte galléron ragadva kiráncigált onnan: „Kotródjatok innen! Meg ne lássalak benneteket itt! Menjetek innen el!” És visszakergetett a barakkba, ahol laktunk, miközben mindenki ott állt már. Lehet, hogy azért – én aztán sokat gondolkodtam ezen –, mert nem volt velünk soha semmilyen konfliktusa. Fegyelmezetten viselkedtünk, mindent végrehajtottunk, amit kellett, nem szóltunk soha egy szót se. Úgy látszik, neki ez rokonszenves volt. Aznap este a csoportba beállt kétszázhét embert vagonba rakták, és visszavitték a gázkamrába, Birkenauba. Mi pedig ott maradtunk. Meggyőződésem, hogy a Manci tudta, mi vár rájuk.

Aztán még egyszer volt a Mancihoz köthetően valami csoda, amit nemigen akar senki sem elhinni, és nem hasonlít egy koncentrációs táborbeli történetre. Említettem, miként maradt meg a szemüvegem. Éjszakára, mivel nem volt hová letenni, bedugtam a cipőmbe, amit a priccs végére tettem. Egyszer valakinek éjjel ki kellett mennie, sötét volt, rálépett a cipőmre, reccs a szemüveg. Nagy baj volt. A keret megmaradt, de az egyik lencse összetört. Ekkor a zahlappellen közölte velünk a Pál Manci, hogy jelentkezzék az, akinek a szemüvegével valami történt, mert annak meg fogják javítani, de ha eltört az üveg, diktálja be azt is, hogy hány dioptriásra van szüksége.

Odaadtam neki az összetört szemüvegemet. Azt mondta: „Ez veszélyes, majd elküldjük holnap, te addig más munkát fogsz végezni.” És ez a más munka sokkal kellemesebb volt, mert azokkal, akik nem voltak egészen egészségesek, vagy éppen valami betegségből voltak felépülőfélben, elküldtek az úgynevezett Herzog lágerba, aminek csak a neve volt láger. Ez tulajdonképpen egy munkáslakótelep volt, nagyon jól megépített két-három szobás kis kőházakkal. Anyu nem jött.

Ott a nők egy része krumplit pucolt meg sárgarépát, engem meg elküldtek takarítani egy ilyen házikóba. Ami hihetetlenül kellemes volt az aknák után. Az ember egyedül volt, nem állt a feje felett egy SS-ember. A meleg vizet ugyan máshonnan kellett hozni, de az nem volt olyan tragikus. És forró víz volt, nem hideg!

De nem is ez volt a legfurább az egészben, hanem az, hogy egy alkalommal boldogan és egyedül súroltam a padlót, amikor egyszer csak nehéz, csizmás léptek közeledtek, és belépett a szobába egy nagydarab, magas, erőteljes, egyenruhás német. Azért láttam, hogy az nem katonai egyenruha, hogy milyen, azt nem tudtam. Bejött, én fölálltam udvariasan, s akkor kérdezte tőlem: „Tudsz németül?” Valószínűleg sejtette, hogy mi magyarok vagyunk, és sokan nem tudnak németül. Mondtam: „Tudok.” „Jó, ha tudsz, akkor gyere, ülj ide le.” Volt ott egy sarokpad, oda leült, és újra mondta: „Ide ülj le!” Egyáltalán németekkel társalogni is már szigorúan tilos dolog volt. Leültem a pad szélére, hogy gyorsan föl lehessen ugorni, ha jön valaki, akinek ezt nem kell látnia.

Mint kiderült, ő is a gyárban dolgozott, tűzoltó volt. Azt kérdezte tőlem, hogy „Hallottad-e már azt a nevet, hogy Szálasi?”. Persze, hogy hallottam. „Igen.” Féltem kicsit, hogy ez engem provokálni akar, úgyhogy nagyon óvatosan mondtam az igent. Erre: „Olyan, mint ez itt?” Egy hirtelen mozdulattal rámutatott a fejünk fölött lógó óriási Hitler-képre. Mondtam: „Igen.” „Hát tudd meg, hogy vasárnap óta ő Magyarország államfője.” Így tudtam meg a Szálasi-puccsot [lásd: nyilas hatalomátvétel], és azt, hogy [1944.] október tizenötödike, vasárnap volt.

Kicsikét még tovább beszélgettünk, mire újra hallok ilyen nehéz, csizmás lépteket. Ijedten felugrottam, erre azt mondja: „Maradj csak, maradj! Ez az én kamerádom. Ugyanolyan régi szociáldemokrata, mint amilyen én vagyok.” Ezt el kellett mondanom, hogy ilyenek is voltak. És persze elküldték a régi jó szociáldemokratákat, ha nem lágerba, akkor egy olyan robbanóanyaggyárba, ami nem volt egy életbiztosítás.

Ez a takarítás sajnos nem tartott soká, vissza kellett menni a gyárba. A szemüvegemet tökéletesen megcsinálták, úgyhogy még hazajövetelem után is évekig azt használtam. Teltek a hónapok, nem kerültünk máshová. Csináltuk az aknákat, és utáltuk persze. A tél csúnya volt, de mindenki kapott valami ócska kabátot és egy pár harisnyát. Egy darabig még fűtöttek is. Reggel a konyhából hozták az úgynevezett kávét nagy kannákban, ami egy drapp-barna lé volt, de tűzforró. Abból annyit lehetett inni, amennyit csak akart az ember. Akkorra már nőtt a hajunk – már tudom, havi egy centit nő az egészséges haj –, többször a reggeli kávéban mostuk meg.

1945 márciusában már hallani lehetett messziről az amerikai ágyúk dörgését, a robbanóanyaggyárunk többé nem fogadott minket, már nem működött. Akkor minket még elküldtek különböző alkalmi munkákra ide-oda. Többek között kábé egy hétig elvittek egy Helsa nevű városkába, ami elég közel volt, de vonattal kellett menni. Ott volt egy kis házakból álló munkás-lakótelepszerűség, mind a mai napig megvan, láttam. Nagyon jól megépített, kis háromszobás házikók voltak, fürdőszoba nélkül, volt egy központi nagy épület, ahol lehetett a fürdő és egy nagy étterem meg konyha. Innen mi is kaptunk egy-egy tányér ételt. Fő feladatunk ezeknek a házaknak a rendbe hozása és kitakarítása volt. Innen francia munkásnőket telepítettek ki, azok nem hagytak valami nagy rendet és tisztaságot. Tisztára kellett vakarni, de úgy, hogy ott a padlóról lehessen enni. A forró vizet a központi épületből kellett odavinni. Még arra is emlékszem, hogy egyszer, amikor két vödörrel éppen kifelé indultam egy nagy üveges forgóajtón, valaki udvariasan kinyitotta előttem az ajtót. Meghökkentem, mert egy német tiszt volt – és rájöttem, hogy itt már nagyon vége lehet a dolgoknak, hogyha ezt merte tenni, mert félt volna, hogy valaki meglátja, hogy egy koncentrációs lágerbeli fogoly előtt, akire rá van varrva a cédula a számmal, kinyitja az ajtót, mint egy úrinő előtt. Mindenesetre én udvariasan megköszöntem, főhajtással.

Ugyanakkor és ugyanott tisztára vakartunk egy kis házat, és egyszer csak jön két fiatal hollandus mésszel és ecsettel, és elkezdenek ottan meszelni. Na, a nagy német szervezőkészségnek is, úgy látszik, vége. Először kitakaríttatják tökéletesen, és utána jönnek és meszelnek. De nem bántuk, azt mondtuk, majd újra kitakarítjuk. Ezek a fiúk beszéltek németül, és azt mondták, hogy hallották a rádióban – ezeknek rádiójuk is lehetett! –, hogy az amerikaiak átkeltek a Rajnán. Én nem tudtam, hogy hány kilométernyire vagyunk a Rajnától, de azt igen, hogy az a legnagyobb és a legjobban megerősített folyó, s már előtte is odahallatszott a messze hordó ágyúk zaja. Mindenesetre ez biztató jel volt. Az egyik holland fiú nagyon helyes volt, a háború után még a Vöröskereszten keresztül érdeklődött is utánam.

Na, elég az hozzá, hogy amikor készen lett a ház, és már nem volt semmi dolgunk, egy délután egyszer csak megállt egy nagy katonai teherautó, amiről leugrott a sofőr, leszállt egy német tiszt, egy őrnagy, még a nevére is emlékszem, Richard Kringet és néhány nő, nyilván polgári alkalmazottai a hadseregnek. Irtó gyorsan kezdték lepakolni az irodai fölszereléseket, íróasztalokat, írógépeket, székeket, mindenfélét, ami kellett ahhoz, hogy ott berendezkedjenek. Pillanatok alatt rém ügyesen elhelyezkedtek. Az őrnagy nagyon udvariasan megkérdezte tőlem, hogy volnék-e olyan kedves, hogy kipucoljam a csizmáját. Mondtam, persze. Eszembe jutott, hogy Švejkként fogok fölszabadulni, vagyis tisztiszolgaként, ami nem volt olyan zavaró [Jaroslav Hašek regényének főhőse Švejk, az első világháborúbeli derék katona. – A szerk.].

Amint a nők elrendezkedtek, azon nyomban elkezdtek rendkívül bőszen és gyorsan dolgozni az írógépeken, és mindenféle papírokat kiselejtezni a gépasztal mellé tett papírkosarakba. Majd amikor már egy papírkosár tele volt, az egyik nő megkérdezte, hogy tudom-e, hol van a hulladékgyűjtő hely, s megtenném-e, hogy ezt kiviszem. Fogtam a papírkosarat, ami tele volt az általa kiselejtezett iratokkal. Útközben, miután nem volt megmondva, hogy mikor jöjjek vissza, tíz perc múlva vagy csak egy negyed óra múlva, elkezdtem nézegetni, hogy miféle papírok ezek. A legnagyobb meghökkenésemre azt találtam, hogy ez a német Wehrmacht, a német hadsereg gazdasági főhivatala a megszállt keleti területeken. Uram, Teremtőm! Ez itt most Németország kellős közepe, vagy inkább nyugati része, és ezek a megszállt keleti területek iratain dolgoznak még mindig? Hát hol vannak már a megszállt keleti területek? Még arra is emlékszem, hogy a legkeletibb rész, ahol ők még dolgoztak, az Harkov volt. Aztán találtam olyan papírt, ahol már Kijev volt, olyat is, hogy Varsó, Berlin, aztán Kassel, és végül is kikötöttek Kasseltől húsz kilométernyire délre, Helsában. Feltételezem, hogy onnan már nem tudtak továbbmenni. Ez volt a nagy haszna annak, hogy míg odahaza, [Zala]Egerszegen rádiónk volt, naponta több ízben hallgattuk a BBC híreit, és pontosan tudtam, hogy mikor mi az, amit fölszabadítottak Keleten és Nyugaton. Mondtam, ha már itt tartunk, az isten megsegít bennünket, és mi is megérjük, hogy vége legyen. Ezt már guggolva is kibírjuk, ahogyan azt [Zala]Egerszegen mondták volt, de sajnos ez a guggolás elég fárasztó volt, mint később kiderült.

Én úgy tartom, hogy az első három-négy hét és az utolsó négy-öt hét volt a legborzasztóbb. Nagyon keservesen és nehezen ért véget.

A miénk úgy ért véget, hogy 1945. március huszonnyolcadikán egyik óráról a másikra parancsot kaptunk, hogy most pedig sorakozó, mindenki rakja szépen össze a takaróját, és hagyja az ágyán. Hogy kinek, azt nem tudom. Bedugtak minket megint marhavagonokba, ezúttal százan egy vagonba. Elindultunk kelet felé. Nagyon csúnya utazás volt. Útközben nem halt meg senki, de nagyon szenvedtünk, mert nyitva kellett hagyni a vagon ajtaját, miután egyikünk sem volt olyan jól ápolt és tiszta. És minden vagonban ült egy őr, akinek helyet és levegőt kellett hagyni. Három napig utaztunk, és ez alatt az idő alatt még néhány órát álltunk is egy nagy állomás külső sínein, és nem tudtuk, hogy az micsoda. Sokkal később jöttem rá, hogy az a weimari pályaudvar lehetett. A buchenwaldi állomás végül is. De nem maradtunk ott, úgy látszik, nem kellettünk oda már. Szerencsére.

Április elsején, ami azt hiszem, húsvét vasárnap volt, megérkeztünk Lipcsébe, ahol elhelyeztek minket egy, a Hessisch Lichtenauhoz hasonló, de kisebb lágerban. Minden blokk olyan volt, hogy kétoldalt voltak a priccsek, középen egy hosszú asztal, mellette padok, ahová lehetett ülni. Itt olyan sokan voltunk, hogy priccs se jutott mindenkinek. Anyámmal fölfeküdtünk az asztalra, és ott aludtunk. Emlékszem rá, hogy a háromnapos vagonbeli ácsorgás után holt fáradt voltam, aludtam, mint a bunda, mikor anyu felrázott. „Mi van?” – „Nem hallod? Bombáznak.” Rettenetes bombázás volt, a barakk is szinte előre-hátra mozgott. – „Hadd bombázzanak.” És aludtam tovább. Másnap kiderült, hogy Lipcsét bombázták, minket akkor nem, noha volt ott is valamilyen gyár, de már nem működött.

Itt voltunk néhány napig – munka már semmi nem volt, a napot úgy töltöttük, hogy bent ültünk a barakkban, valamit kaptunk enni. Egyik délelőtt óriási repülőgépzúgás, egy ablak mellett voltunk éppen, láttuk, hogy ez nagyon ronda, ki kéne innen menni. És abban a pillanatban becsapott valami gyújtóbomba. Mindenki kijutott, senki senkit le nem taposott, és nem lökött el, és végignéztük – szerintem nem tellett bele tíz perc –, hogy az egész láger földig égett. Mintha leöntötték volna benzinnel, úgy égett. Nagyon furcsa látvány volt. A parancsnokunk, Willy Schäfer Sturmscharführer még beszaladt az egyik égő barakkba, és mindent, ami a keze ügyébe került, kis szatyrocskák, amiket csináltunk zsákokból, egy-két takaró, azt kihozta, és odadobta nekünk. Akkor nem tekintett ellenségeinek minket, úgy látszik. Vagy várt valamit.

Ezután végighajtottak minket Lipcsén, amelyik még füstölt. Nagyon különös volt, a megégett házak, és közte szép friss tavaszi gyep és virágzó bokrok. Sose felejtem el ezt a szörnyű furcsa ellentétet. Bevittek minket egy másik, valóban koncentrációs táborba, egy Thekla nevezetű helyre, ami azt hiszem, Lipcse elővárosa volt [A buchenwaldi koncentrációs tábor egyik altábora volt a Thekla, a foglyokat az Erla Werke (repülőgép-alkatrészek) dolgoztatta. – A szerk.]. Ott volt hely, de ott sem volt már munka, nem volt mit csinálni. Néhány napig maradtunk.

Szép idő volt, sütött a tavaszi napocska, kimentünk az udvarra, ami persze be volt kerítve szögesdróttal, őrtornyokkal. Az egyik kerítés mögött különféle nemzetiségű férfi politikai foglyok voltak a megszállt országokból. Ott kódorgok, és egyszer csak látom, hogy az egyik őrtoronyban áll egy fiatal katona, általam nem megszokott, koromfekete egyenruhában – ilyet előtte nem láttam, később aztán megtudtam, hogy ez a fegyveres SS-nek [Waffen-SS] volt az egyenruhája –, és egy nagy alakú újságot olvas. Én a megjavított szemüvegemmel jól láttam messzire, s legnagyobb meghökkenésemre, az újságon cirill nagybetűs címszavak voltak. Hát ez hogy létezhet? Ha ezek oroszok, akkor mért vagyunk még mindig a szögesdrót mögött? Csak később tudtam meg, hogy ezek milyen oroszok.

Mindenesetre fölszóltam udvariasan oroszul az őrnek: „Nem volna szíves ezt az újságot, majd ha kiolvasta, nekem odaadni?” Erre összecsavarta, és átdobta a kerítésen. Megköszöntem, és megkérdeztem tőle: „Maga orosz?” – „Igen.” Erre még jobban zavarba jöttem: „És hova valósi?” – „Szibériai vagyok.” Akkor már végképp nem tudtam hova tenni a dolgot. Kérdem: „És most a német hadseregben szolgál?” Ettől aztán úgy megsértődött, hogy hátat fordított nekem. Soha többé nem szólt hozzám egy szót sem. Fogtam az újságot, bevittem a barakkba, leültem, és elkezdtem olvasni. Az első öt percben rájöttem persze, hogy ez egy náci szellemiségű lap, csak éppen oroszul van. Olyan, mintha mondjuk, a „Stürmer”-t olvasnám [Der Stürmer (Az ostromló) rasszista karikatúráiról ismert náci hetilap (tulajdonos és főszerk. Julius Streicher /1885–1946/), 1923-tól a második világháború végéig. – A szerk.].

Talán tíz napig voltunk itt. Egyik nap a parancsnokunk a köré gyűlt csomó nőnek kedélyesen azt mondja: „Ne féljetek, én majd megvédelek benneteket. Majd vigyázok rátok. Innen el kell mennünk, de vonat már nincs, gyalog.” Elindultunk egy borzalmas gyalogtúrára, hol éjjel, hol nappal, eshetett az eső, hideg lehetett, tető a fejünk fölött nem volt, meleg étel a hasunkban nem volt. Még szerencse, hogy sokunknak volt corned biefes [húskonzerves] dobozunk, ilyet adtak néha vacsorára a lágerban, úgyhogy egy-egy nagyon vékony szelet jutott mindenkinek a kenyerére. Az egész tíznapos turné alatt egyszer vagy kétszer kiosztottak egy-egy kanál nyers rizst, amit aztán ezekben a dobozokban főztünk meg. Vízhez hozzájutottunk, akadt néhányunknál gyufa, szedtünk csalánt, azt is belefőztük, olyan íze volt, mint a spenótnak. Még sónk is volt, a gyárból loptuk. Ugyanis a TNT úgy készült, hogy salétromsóval keverték össze. Amikor az elfogyott, akkor konyhasót használtak. Rájöttünk persze, hogy ez konyhasó, és mindenki lopott egy kicsit, mert az kellett.

Az Elbáig gyalogoltunk. Híd nem volt rajta, csak egy pontonhíd. Várni kellett majd egy fél napot, mert a másik oldalról, a keleti partról rengeteg német katona jött. Mondtam az anyunak, hogy mi most kelet felé megyünk, és ha ezek keletről jönnek, az annyit jelent, hogy visszavonulnak. Ez volt az igazság egyébként. Mégis átvittek minket a hídon, az Elba ott már délről északra folyik. A keleti oldalon mentünk jó sokat, még egypár napig a szabadban aludtunk, aztán egy napon egy Strehla nevű városka mellett átmentünk egy hídon, vissza nyugatra. Szóval egy nagy kört csináltunk. Április huszonharmadikán végre valahára talált a parancsnokunk az egyik falu mellett egy csűrt, ahol száraz szalma volt, és oda betelepített minket. Akkor először sikerült neki megszerveznie, hogy néhány vödör frissen főtt, még párolgó krumplit osztatott szét.

Közel volt az országút, amelyik az Elbától vezetett oda. Még aznap megláttuk, hogy parasztszekerek jönnek sietve, nagyon hajtják a lovakat, és a szekerek amennyire csak lehet, meg vannak pakolva holmival – nem áruval, hanem holmival. Nagy kiabálás hallatszott, és egyszer csak elkaptam egy olyan kiáltást: „Egy óra múlva itt vannak az oroszok!” Tyűha! A parancsnokunk belefújt a sípba: „Sorakozó! Azonnal tovább!” Ott állt az egyik őrünk, akivel akkor már lehetett néha egy-egy szót váltani, korábban nem lehetett volna. Azt mondtuk, alig van jártányi erőnk, hogy tudunk mi továbbmenni? Mi lenne, ha itt maradnánk? Mire azt mondta az őr: „Igen? Ha itt maradtok, majd az oroszok agyonlőnek benneteket.” Hát attól te ne félj, gondoltuk mi. Hogy pont ránk fognak vadászni az oroszok! Ránk van írva, hogy kik vagyunk, és honnan jöttünk. Szám meg rossz öltözék meg rossz fizikai állapot. Úgyhogy a csapat elment, és még vagy húsz kilométert gyalogolt, amíg elérkezett Lipcse közelébe egy Wurzen nevű városba, és ott szabadultak föl. Oda az amerikaiak jöttek. Ott volt a demarkációs vonal közepében.

Elég sokan viszont nem mentünk velük. Többen fölmentek egy parasztház szénapadlására, és ott dekkoltak. Velük később itthon találkoztunk. Mi, hatan külön utat választottunk: anyám és én, Marika barátnőm az édesanyjával meg a nagynénjével és egy általam nagyon szeretett Lóri néni, Vargáné [Zala]Egerszegről, az egyik fiú barátunk édesanyja.

Erről a helyről odébb mentünk, a két falu közötti mezőn egy facsoport alá telepedtünk, hogy most már itt kivárjuk az oroszokat. Az ám, de nem jöttek. Lefeküdtünk aludni, mert halálosan ki voltunk merülve. Hatunknak volt két pokróca, az egyiket leterítettük a földre, a másikkal betakaróztunk, és elaludtunk fényes nappal. Arra ébredtünk, hogy valaki a lábunkat rázogatja. Egy fiatal német katona volt nyitott zubbonnyal, derékszíj nélkül. Nem kérdezett semmit, pontosan tudta, kik vagyunk. Adott nekünk egy katonakenyeret, és azt mondta, hogy majd este visszajön, és hoz még valamit. Soha többé nem láttuk. Lóri néni, aki nagyon jó háziasszony volt, és volt egy kése valahonnét, pontosan hatfelé vágta a kenyeret. Elfogyasztottuk, és újra lefeküdtünk aludni, egészen addig, ameddig valaki újra meg nem rázta a lábunkat. Egy újabb német katona ugyancsak nyitott zubbonyban, azzal a különbséggel, hogy ő azt is elmesélte, hogy ő strasbourgi, és jól tud franciául. Marika nagyon jól tudott franciául, a fiú meg úgy beszélt, mint egy párizsi. Ő is adott nekünk egy kenyeret és egy pokrócot. Azt mondta ő is, hogy majd visszajön, de nem jött. Később találkoztunk még vele.

Aztán meguntuk a hideg éjszakázást. Bementünk a legközelebbi faluba, Schönába [Brandenburg tartomány], ami nagyon közel volt, és ott bevettük magunkat egy birkaistállóba. Nem birkák voltak benne, hanem gyönyörű kisbárányok, és sok-sok száraz szalma. Lefeküdtünk, ott töltöttük az éjszakát. Reggel jött egy fiatal fiú, hogy megitassa az állatokat. Holtra rémült, hogy mi majd lopunk a bárányokból. Elszaladt az apjáért, aki azt mondta: „Itt nem maradhattok, de majd én megmutatom, hogy hova menjetek. Menjetek a Rittergutba.” Az egy kisnemesi kúria volt a faluban. „Oda én már küldtem krumplit, és ott már a tieitek közül vannak mások is.” Meg is mutatta, hogy hol van. Közel volt. Odamentünk.

A Rittergut tulajdonosa már rég elmenekült valahova családostul. Mi csak mentünk a szag után, és azonnal betaláltunk egy nagy konyhába, ahol a tűzhely mögött egy soproni „kolléganőnk” állt, aki hatalmas lábasban kevert valami nagyon jó illatú ételt, és aki a legnyugodtabb hangon azt mondta: „A legjobbkor jöttetek, mindjárt kész az ebéd.” A lágerből ismertük egymást. „Ti, gyerekek – két lány –, ne lábatlankodjatok itt, menjetek be a szomszéd helyiségbe, ott van az ajtó, ott már várják az ebédet, ti, asszonyok, segítsetek teríteni.”

Ez is egy furcsa emlék. Marika meg én átmentünk a konyha melletti kis szobába, ahol két német fiatalembert találtunk, a mi korosztályunk, huszonkét-huszonhárom éves fiúk, azzal a különbséggel, hogy gyönyörűen meg voltak mosdva, borotválva, és civilben, fehér ingben – te jó ég! –, és egy kis orosz nő is volt ott, ölében egy gitárral. Ezek a fiúk fölálltak, udvariasan, ahogy illik, bemutatkoztak, és helyet szorítottak nekünk. És ott elkezdődött egy békebeli hangulatú beszélgetés. Elmesélték, hogy Torgauból [Németország, Lipcsétől északkeletre] jöttek. Fogalmunk nem volt persze, hogy hol van az a Torgau, és mi annak a szerepe. Nagyon sokkal később tudtam meg, hogy ott egy rettenetes katonai büntetőtábor volt. De ezt ők nem mondták [A náci Németország nyolc katonai börtöne közül kettő Torgauban volt (az 1936–39 között épült Zinna erőd, amely a német hadsereg legnagyobb és legmodernebb börtöne volt, valamint Brückenkopf). Ezekbe az intézményekbe kerültek a német hadbíróság által „antimilitáris szellem” miatt elítélt személyek: akik megtagadták a katonai szolgálatot, a katonai fegyelmet megsértő katonák, a dezertőrök, azok, akiket a „katonai erő aláásásával” vádoltak, akik kedveztek az ellenségnek, a kémek, valamint akik bűncselekményt követtek el. De voltak a foglyok között hadifoglyok is, továbbá antifasiszta ellenállók Németországból és a megszállt országokból, valamint olyan luxemburgi és elzász-lotaringiai férfiak, akik megtagadták a szolgálatot a német hadseregben (www.stsg.de/main/torgau/geschichte/index_en.php). – A szerk.]. Az egyik fiú kölni volt – igen jó családból való lehetett –, Rilkét kezdett szavalni. Elképesztő volt. Meg is van nekem ez a mű, Londonból szereztem. A címe: „Ének Rilke Kristóf zászlós szerelméről és haláláról”. Ez nem vers, próza, 1917-ből [Rilke 1899-ben írta, egyetlen éjszaka alatt. Hőse a költő egyik őse, ifjú nemes, aki „zászlósként hősi halált halt 1664-ben, a szentgotthárdi csatában. Előtte azonban, rövid élete utolsó éjszakáján, egy fiatal grófnő beavatja a szerelembe, és Rilke Kristóf egy mámoros pillanatra átéli az élet teljességét” (enciklopedia.fazekas.hu/palyakep/vilag/Rilke.htm). (Megjelent: 1906, magyar ford. Franyó Zoltán, 1917). – A szerk.]. Ő ezt kívülről tudta, és mondta nekünk az ebédig. A legcivilizáltabb, legműveltebb németséggel. Így beszélgettünk, míg szólt a soproni Ancsa, hogy kész az ebéd.

Ebéd után még egy éjszakát ott töltöttünk, de utána jött a bácsi, és azt mondta: „Itt nem maradhattok – menjetek el Dahlenbe, az valahol messze egy városka –, ott van egy láger, ahol kaptok enni, meg kaptok szállást.” Mi azt mondtuk magunkban, persze, hogy a láger lehet olyan kényelmes, mint egy szanatórium, mi soha többé egy lágerba a lábunkat be nem tesszük. Inkább gyalog hazamegyünk Magyarországra.

De nem az történt, mert nem volt mit ennünk. Ezért anyámék azt mondták: „Ti, kislányok, most elmentek koldulni a faluba.” Ez nem volt kellemes feladat. Elmentünk a falu legvégén álló nagyon szép emeletes házhoz. Mint kiderült, ez egy vendégfogadó volt. A ház előtt állt egy francia hadifogoly, aki oda volt kiadva munkára. Megkérdeztük, mi a véleménye, ha ide bemegyünk, adnak-e nekünk valamit enni. „Menjetek csak be, ezek nagyon jó emberek. Én is itt vagyok már náluk hónapok óta, ők állítottak engem talpra.” Bementünk.

Két idősebb asszony volt ott és a házigazda, Hugo Schulze. Csodálatos fogadtatásban részesültünk. Rögtön leültettek ebédelni. Mondtuk, az ám, de mi nem ketten vagyunk, hanem hatan. Erre az egyik nő egy nagy porcelán leveses tálat telemert nagyszerű, finom, friss, meleg levessel, ami tele volt hússal, krumplival, zöldséggel, és azt mondta: „Ezt vigyétek el a mamátoknak, és a mamátok jöjjön vissza hozzánk, hogy megismerkedhessünk vele is.” Valami mást is adtak – kenyeret, otthon sütött kenyeret! Teljesen odavoltunk a gyönyörtől.

Amikor visszavittük az edényt, azt mondták az anyuék: „Mondjátok meg, hogy ti segíttek a gazdaságban addig, ameddig föl nem szabadulunk. És mi tudunk oroszul is meg angolul is.” Ez volt az igazság. Öt perc múlva már integettek, hogy „Gyertek!”. Egy hónapig voltunk Schulzééknél. Azalatt talpra állítottak minket a legnagyobb gonddal és szeretettel, amit csak el lehet képzelni.

Nagyon hamar jó barátságba kerültünk a háziakkal, akiknek volt akkor egy nyolc-kilenc éves kisfiuk, Fritz. Hugo bácsi pedig különösen törődött a mi fizikai állapotunkkal. Volt, hogy odajött hozzám, megtapogatta a bordámat a hátamon, bocsánatot kérve, hogy ő nem szemtelenkedni akar, csak azt akarja megállapítani, hogy valami kis hájréteg rakódott-e már rá az ottani koszttól. Ő vette észre azt is, hogy anyámnak, aki egy nagyon jó alakú nő volt, s fiatalabbnak látszott sokkal, mint ahány volt, nagyon dagadtak a bokái. Azt mondta: „Ez biztos, hogy nem normális dolog, beküldlek a tejeskocsival a városba. Odaadom az orvos címét és egy levélkét, nézze meg, hogy mi az oka ennek.”

Deportálásunkból való kiugrásunk után kábé nyolc-tíz nappal bementünk a városba, ami tíz-tizenkét kilométernyire volt, és már elfoglalták az oroszok. Megállt a kocsi egy nagyon jól ápolt, szép kis magánvilla előtt, ahol előkert is volt, hogy itt vagyunk. Anyámmal becsengettünk, és kijött egy fehér bóbitás szobalány. Hát, leesett az állunk. Ő is ijedten nézett ránk. Mert persze meg voltunk mosakodva, de Schulzéék másik ruhát nem tudtak adni, az nem volt. Kérdezte, mit keresünk. Mondtuk, hogy a doktor X. Y.-t. Bevezetett minket a váróba, ahol ült egy csomó helybéli beteg, és várt a sorára. Azok is gyanakodva és idegenkedve néztek ránk. Egy darabig vártunk, amikor kijött a doktor a rendelőjéből, egy kecskeszakállú, cvikkeres, fehér köpenyes doktor bácsi. Körülnézett, és azt mondta: „Kérem, már tizenkét óra van, vége a rendelési időnek. Holnap a megfelelő időben fáradjanak el hozzám. Maguk maradjanak itt!” – mutatott ránk. Bevezetett minket a rendelőbe, anyámat megvizsgálta, és a német nyelvnek az összes szinonimáját, ami azt fejezte ki, hogy rettenetes, borzasztó, fölháborító, hajmeresztő, felsorolta. Fölírt valamilyen gélt, amivel kenegesse az anyu a lábát.

A mi drága házigazdánk nemcsak hogy beküldött minket az orvoshoz, hanem pénzt is adott meg elemózsiát, hogy éhesen ne maradjunk. Mindenünk volt. Megkerestük a patikát, ami gyönyörű, régi patika volt, olyasmi, amit a tizennyolcadik században rendezhettek be, ott megvettük a gélt. A patika mellett volt egy könyv- és papírkereskedés, akkoriban az együtt volt, ilyenre még Magyarországon is emlékszem, hogy így volt. A kirakatban megpillantottam a környék nagyon részletes térképét. Miután pénz volt a zsebemben, megvettem. Amikor visszamentünk a faluba, Schulzéék segítségével egy ceruzával aláhúzogattuk azokat a helységeket, amelyeken ama szörnyűséges tíznapos gyalogtúrán az SS terelésében végigmentünk. Ez a térkép ma is megvan.

Ott éltünk boldogan, volt mit enni, volt meleg víz – és vártunk. Hugo bácsi gyakran jött be hozzánk egy kis csevegésre. Sőt, még az oroszok bejövetele előtt néhány este az a két német fiú is átjött, akikkel a Rittergutban ismerkedünk meg. Május másodikán a házigazdánk izgatottan jött be a szobánkba: „Gyertek, gyertek gyorsan a konyhába rádiót hallgatni!” Ott volt az egész ház népe, voltak ott Sziléziából jött német menekültek is, nők és egy-két kisgyerek, és hallgattuk a rádiót, amelyikből harangszó és klasszikus zene hallatszott. Egyszer csak bemondták, hogy most pedig Dönitz admirális fog beszélni, aki a német hadiflottának volt a főparancsnoka, és Flensburgban volt, vagyis fent az Északi-tenger partján levő hadikikötőből beszélt [Karl Dönitz (1891–1980) – német tengernagy, a második világháború idején a német haditengerészet főparancsnoka és Hitler öngyilkosságát követően 23 napig Németország elnöke volt. – A szerk.]. Síri hangon bejelentette, hogy a Führer elhalálozott. Senki egy szót nem szólt, mindenki megkövülten hallgatta. Semmi kommentár se pró, se kontra, de az volt az érzésem, hogy nagyon megkönnyebbültek Schulzéék is. Hiszen egész magatartásukból és a mi fogadásunkból is kiderült, mit gondolnak. És még valami! A francia hadifogoly mesélte, hogy a faluban van még három vagy négy francia bajtársa különböző parasztcsaládoknál munkán, és hogy minden vasárnap a Schulzéék meghívják őket ebédre, és a finom ebéd mellé még bort is kapnak. Ezt aztán mi is tapasztaltuk.

Már nagyon izgatottak voltunk, hogy mi lesz. Két nappal később, alkonytájt Hugo bácsi újra berontott hozzánk, és azt mondta: „Gyertek gyorsan!” A ház ugyanis az országút mellett volt, utána nem volt több épület, az már a falu vége volt. „Gyertek gyorsan, mert jön egy autó. Meg kell nézni, mi ez.” Kimentünk, Marika, én meg a Hugo bácsi, és kiálltunk az út szélére. Az alkonyi nap sütött még. Május negyedikén volt. Jött egy autó – talán Opel, rejtszínekkel átfestve. Ahogy meglátott minket, lelassított, és közvetlenül előttünk megállt. Néhány nappal előtte már az ablakból láttunk egy teljesen idegen külsejű és idegen egyenruhába öltözött katonákkal teli dzsipet, de az csak átment a falun. Nem lehetett őket elcsípni. Az volt a gyanúm, hogy ezek is amerikaiak, akik most jönnek.

Kinyílt az autó ajtaja, nyitottam a számat, hogy valamit mondjak angolul, mire a nap utolsó sugara megcsillant az ott ülő katonák zubbonyának a gombján, amin rajta volt az ötágú csillag a sarlóval és a kalapáccsal. Mondom, ezek nem amerikaiak, ezek oroszok. Miután már két és fél éve bifláztam az oroszt, szóltam nekik oroszul. Meglepetéssel, érdeklődéssel és barátságosan hallgattak.

Mind fiatal katonák voltak, de volt közöttük egy tiszt, később kiderült, hogy őrnagy. Nagyon intelligens formájú volt, ápolt, jó külsejű, jó modorú, sok kitüntetéssel díszített. Aránylag ő is fiatal volt. Azt kérdezte: „Vannak még ebben a faluban német katonák?” Mondom: „Tudja, a maguk érkezése előtt mi a lábunkat sem mertük kitenni ebből a házból.” Mondja: „Na jó, akkor majd körülnézünk.” Mondom: „Jó, de jöjjenek vissza, ebben a házban van hely.” Hiszen fogadó volt, voltak üres szobák.

Elmentek, aztán tíz perc múlva visszajöttek. Mi odavoltunk a gyönyörűségtől, de nem szóltunk hozzájuk. Gondoltuk, hogy majd talán sor kerül erre is. Mindenesetre az oroszok „megszállták” a házat. És mi ott ültünk, és azt mondtuk, hogy most végre szabad emberek vagyunk.

Egyszer csak bekopog az egyik kiskatona, és azt mondja: „Az őrnagy elvtárs kéri, hogy maga jöjjön föl hozzá a szobájába az emeletre.” Fölmentem. Nagyon udvariasan leültetett, és a végén én voltam, aki kérdeztem, és nem ő, mert ő mindent látott rajtam, nem volt olyan sok kérdeznivalója. Nekem viszont rengeteg volt. Mert először is sosem láttam még szovjet katonát. Nem tudtam, hogy milyen rang az az ő váll-lapján, meg milyen kitüntetései vannak, meg egyáltalán… Azokra a kitüntetésekre máig emlékszem. Roppant barátságos és intelligens volt. Sokkal később az olvasmányaimból rájöttem, hogy ezek a katonák nyilvánvalóan valamelyik harcoló hadosztály felderítői lehettek. És ezért jöttek egyedül csak az autóval, és az őrnagy volt a parancsnokuk. Megkérdeztem tőle, hogy mi van Magyarországon. Mondta, hogy ott már koalíciós kormány van. Közben az egyik kiskatona meghozta a frissen elkészített meleg vacsorát, és letette az asztalra. Erre az őrnagy egy finom mozdulattal odatolta elébem az egészet. Anyámék kezdtek nyugtalankodni, hogy mi a fenét csinálok én ott olyan soká. Felküldték a Marikát, aki följött, őt is leültette. És akkor jött az egyik kiskatona egy üveg pezsgővel, azt felbontotta, és megittuk. Csodálatos volt. Ez volt a fölszabadulás.

A felderítők persze rögtön továbbmentek. Aztán kiderült, hogy megtörtént a feltétel nélküli megadás május nyolcadikán, és megtudtuk azt is, hogy a legközelebbi vasútállomás tíz-tizenkét kilométernyire, egy Oschatz [Szászország, Lipcsétől keletre] nevű városban van. Hugo bácsi elvitt minket oda, letelepített egy ismerősénél, és az első vonattal hazaindultunk. Három napig utaztunk, egyik vonatról átszálltunk a másikra, mikor úgy éreztük, nem megfelelő irányba megy. Volt rendes vagon, volt teherkocsi, mindenféle. Azt figyeltük, azt hiszem, elég logikusan, hogy merre mennek az olaszok és a jugoszlávok, akik szintén haza igyekeztek. Az volt a déli irány, és mi is arra akartunk menni. Eljutottunk Pozsonyig – az már aztán igazán közel volt –, ahol leszedett a vonatról bennünket egy Vöröskereszt-szerű, de a csehszlovákok által szervezett intézmény. Elhelyezett minket egy rendes kis szállodában, adott egy igazolványt, hogy kik vagyunk, meg hol voltunk deportálva, és aztán jöhettünk haza, Budapestre. Június elsején érkeztünk meg Kelenföldre mind a hatan. Jaj, istenem! Ez maga volt a csoda.

Schulzéékkal megmaradt a kapcsolatunk. Anyám haláláig levelezett velük, én pedig azóta is a fiukkal, Fritzcel. Egyszer meghívtam őt meg a feleségét vagy tíz napra Pestre. Találtam nekik egy jó IBUSZ-szobát, és persze én főztem rájuk, meg vittem őket a városban, szóval a vendégeim voltak. Autóval jöttek. Elutazásuk előtt egy nappal azt mondta Fritz: „Úgy készülj, hogy holnap te is jössz velünk Schönába.” Szóval vissza, oda. Úgyhogy voltam ott még egyszer. Fantasztikus volt persze. Az 1980-as évek vége felé volt. Most is baráti viszonyban vagyunk, már ő is nagypapa, fel is kéne hívnom. Hatunk közül már csak én élek…

Hessisch Lichtenau „utóéletéről” mesélnék még. Az 1960-as években ennek a városkának a fiatal értelmisége megtudta, hogy itt működött a buchenwaldi koncentrációs tábornak egy fiókintézménye, ahol ezer magyar nő volt, és dolgozott a közelben lévő robbanóanyaggyárban. Komoly nyomozást végeztek, mert akkoriban senki nem akart erről tudni az idősebb generációból. Voltak olyanok, akik az orrukra csapták az ajtót, amikor érdeklődni kezdtek. Még névtelen, fenyegető telefonok is voltak. Még sok mindenki élt, aki szemtanúja volt annak, hogy minket naponta végighajtottak az utcákon oda meg vissza, és senki nem óhajtott erről beszélni. Lehet, hogy voltak olyanok, akik azt hitték, hogy mi köztörvényes elitéltek vagyunk, de azért általában tudták, hogy semmi közünk nincsen a köztörvényességhez. Egy fiatal tanár, Dieter Vaupel addig járt a polgármester nyakára, addig követelőzött, míg az engedélyezte, hogy a levéltárat végignézze pincétől a padlásig – minden ránk vonatkozó korabeli dokumentumot megtalált. Majd elment más környékbeli városokba is.

Az összegyűjtött anyagból Vaupel egy könyvet írt, címe: „Das Außenkommando Hess. Lichtenau des Konzentrationslagers Buchenwald 1944/1945. Eine Dokumentation”. Nem is tudom, mikor is volt az első kiadás. Nekem a második van meg, az 1984 decemberében kelt. A kasseli főiskola a copyright tulajdonosa [Pontosan: Gesamthochschulebibliotek Kassel, 1984, (Nationalsozialismus in Nordhessen. Schriften zur regionalen Zeitgeschichte, H. 3)]. Érdekes, hogy végül is mely intézmények támogatták ennek a kiadványnak a megjelentetését: a werra-meissneri terület tanácsa, Hessisch Lichtenau városának a vezetősége, a Werrai terület történelmi társasága, amelyik Eschwege városban [Hessen tartomány, Kasseltől délkeletre] székel, a werra-meissneri zöldek, továbbá a werra-meissneri oktatási és tudományos szakszervezet. [Dieter Vaupel megjelentetett az összegyűjtött anyag alapján egy másik könyvet is, „Spuren, die nicht vergehen. Eine Studie über Zwangsarbeit und Entschädigung” címmel (Gesamthochschule Kassel FB 1. Kassel 1990 (Nationalsozialismus in Nordhessen. Schriften zur regionalen Zeitgeschichte, H. 12). – A szerk.]

Egészen véletlenül szereztem tudomást minderről. Az egyik barátnőm, akivel együtt voltunk, hallott róla, hogy megjelent egy ilyen német nyelvű könyv, ami Magyarországon nem is került forgalomba. Megszerezte, és egy alkalommal, amikor a régi lágertársnőket meghívta egy délutáni feketézésre, megmutatta. Kölcsönkértem tőle pár napra. Emlékszem, két-három éjszaka kiolvastam. Minden tökéletesen stimmelt benne. Rendkívül korrekt és precíz írás volt. Kinyomoztam a szerző címét, és írtam neki egy elég részletes, hosszú levelet, amelyikben nagyon nagy elismerésemet fejeztem ki, hogy milyen pontos és objektív munkát végzett. Akkoriban szerkesztő voltam, tudtam, hogy kell egy könyvet értékelni. Így aztán barátság is szövődött közöttünk.

Személyesen is találkoztunk nemegyszer. Meglátogatott még itt, a lakásomon is. A lágerbeliekkel, akik Budapesten élünk, összejárunk, és Dieter Vaupelt meghívtuk. Aztán jött egy év, amikor Hessisch Lichtenau város alapításának hétszázadik évfordulójára nagy ünnepséget rendeztek, és a polgármester aláírásával egy nagyon udvarias meghívót küldtek mindenkinek, aki ott volt deportálva, és ismerték a címét, és akiről tudták, hogy még képes elutazni.

Nekem akkor nem volt kedvem elmenni. Féltem, hogy nagyon ki fogok borulni. De volt egy második lehetőség, amikor elutaztam. Ennek az volt az előzménye, hogy onnan két autóbusznyi ember látogatott Budapestre, kábé az 1980-as évek közepén. Akkor még az egyik kolléganőmnek a férje meg tudta szervezni, hogy a római-parti pártközponti üdülőben helyezzük el a vendégeket. Ezt máskülönben nehéz lett volna megoldanunk. Összeismerkedtünk velük, és nagyon kellemesen telt az idő.

Aztán egy-két évvel később újra jött a meghívó, és akkor már a barátnőim rábeszélésére én is elmentem. Ez még mindig a rendszerváltás előtt volt. Kissé bonyolult volt az utazás, mert akkor még volt NDK és NSZK [lásd: NDK – NSZK]. Vonattal elmentünk valahova közel az NDK–NSZK határhoz, és onnan egy autóbusz jött értünk. Úgy mentünk át. Ott azonban nem szállodában és nem üdülőben, hanem különböző családoknál egyenként voltunk elhelyezve, s az rendkívül érdekes volt és kellemes. Így sokkal közelebb tudtunk kerülni az emberekhez. Általában azok vállalkoztak erre az útra, akik tudtak németül. Nehezen szántam rá magam, hogy újra Hessisch Lichtenauba menjek, de jól sikerült.

2005-ben engedtem egy másik meghívásnak, és részt vettem a buchenwaldi – óriási és rettentő ronda – koncentrációs tábor önfelszabadításának hatvanadik évfordulójára rendezett nagy nemzetközi összejövetelen. Buchenwald nagyon közel van Weimarhoz, úgyhogy oda autóbusszal ki lehet menni egy negyed óra alatt. Olyanokat hívtak, akik érintettek voltak a deportálásokban, másrészt tudtak németül. Még Schröder volt a kancellár, ő is tartott egy beszédet a weimari színházteremben. Nem tudom, mennyire ismeretes, hogy Buchenwald tulajdonképpen nem várta meg azt, hogy az amerikaiak fölszabadítsák, hanem néhány nappal előbb a foglyok erőteljesen baloldali szervezete és rendkívül értelmes és kiválóan megszervezett csoportja lefegyverezte az SS-őrséget. Fantasztikus dolog volt! Fogalmam sincs, hogy hogy csinálták, de megcsinálták. Az őrtoronyban már a rongyos foglyok álltak fegyverrel a kezükben, amikor az amerikaiak megérkeztek. Ez volt 1945. április tizenegyedikén.

Visszatérve a hazatérésünkre. Elmeséltem már, hogyan találtuk meg Klárit. Mi azt hittük, hogy a férfiak már hazajöttek, és minket várnak. Mire kiderült, hogy szinte senkinek nem maradt meg se a férje, se az apja. Két hétig maradtunk Pesten, amíg egy kicsikét magunkhoz tértünk. Aztán nagy keservesen vonattal leutaztunk a városunkba, Zalaegerszegre, ahol persze senkit és semmit nem találtunk, csak néhány ismerőst.

A házhoz hozzá sem nyúlhattunk, mert mások laktak benne, és nekünk nem volt kedvünk azokat onnan kitessékelni. Úgyhogy a Joint adott nekünk egy kétszobás lakást konyhával, és soha többé mi annak a háznak még a közelébe se mentünk. Az égegyadta világon semmink nem maradt meg. Volt nevelőapámnak, Lacinak a rendelőjében egy nagyon szép faragott szekrény, amiben különböző fogászati anyagokat tartott. Erre a szekrényünkre valaki az ismerősök közül rábukkant az [zala]egerszegi kórházban. Akkor szólt, és a kórház igazgatója, aki kitűnő sebész volt, és aki Lacival igen jó viszonyban volt, rögtön visszaadta. Itt van nálam.

Anyu nagyon hamar kapott állást az [zala]egerszegi rendelőintézetben, a fogászaton lett asszisztens. Közben megjött Mauthausenből Sanyi nagybátyám, aki rögtön beköltözött hozzánk harmadiknak. Ügyvéd volt, rögtön dolgozni kezdett ő is. Már nem emlékszem, hol.

És én is kaptam munkát. Miután szovjet megszállás volt, nagyon örvendeztek egy olyan fiatal nőnek, akit semmiképpen sem lehetett a korábbi rendszer támogatásával megvádolni, jól tudott oroszul, és még érettségije is volt – úgyhogy én rögvest elkezdtem tolmácsolni, és föl is vettek a 34. Honvéd Kiegészítő Parancsnokságra. Természetesen beléptettek a Kommunista Pártba, de hát pártmunkáról szó nem volt, mert reggeltől estig szaladgáltam innen oda és onnan ide, és mindenki igénybe akarta venni a segítségemet, ami úgy látszik, jól jött az embereknek egy olyan megszállt városban, ahol az orosz nyelvet senki nem tudta.

Ez a munka összesen egy év és egy-két hónapig tartott. Nekem nagyon érdekes volt, addig nem forogtam emberek között, nem is volt lehetőségem és módom rá, hiszen a deportálásig iskolába jártam. Ekkor viszont muszáj volt. Úgy mellékesen, a város szovjet parancsnoka zsidó volt, egy őrnagy, aki velem igen szimpatizált, már olyan értelemben, hogy megbízott bennem. És persze ez a jó kapcsolat az én magyar alezredes főnökömnek is igen jól jött.

Ezt a munkát egyáltalán nem tudták jól megfizetni, mert ez pontosan a legvadabb és legszörnyebb infláció idejére esett, úgyhogy ami pénzt az ember kapott, azt azon nyomban a piacon vagy valahol el kellett hogy költse, mert másnap a felit sem érte [lásd: millpengős korszak]. Azért néha kaptunk egyet s mást természetben.

Ezt a munkakört megszüntették. Meg is találtam erről az értesítést itt az iratok között. De akkor már hallottunk arról, hogy Budapesten létrejöttek a potsdami egyezmény alapján az olyan magyar nagyvállalatok, amelyeknek a részvényei a háború előtt közel ötven százalékban német kézben voltak, s azok kárpótlásként, jóvátételként szovjet kézbe kerültek. Így alakult egy egész sor magyar–szovjet vállalat a legkülönbözőbb nagyipari területeken [lásd: magyar–szovjet vegyesvállalatok].

Ezeknek a vállalatoknak persze kellettek az olyan emberek, akik részben jól tudtak magyarul, részben jól tudtak oroszul. Az egyiknek az igazgatóhelyettese egy régi ismerős volt – tulajdonképpen az akkor már régen Londonban élő nagybátyámnak egy ifjúkori barátja –, aki amikor tudomást szerzett arról, hogy én létezem, akkor valamiképpen izent nekem, hogyha akarom, megnézik, tudnának-e engem használni Budapesten.

Ez 1946-ban volt. Pestre feljönni nem volt egyszerű akkoriban. Zalaegerszeg Zala vármegye székhelye volt, és itt nemcsak városparancsnokság volt, hanem az úgynevezett Nemzetközi Ellenőrző Bizottságnak [Minden bizonnyal a Szövetséges Ellenőrző Bizottságról van szó. – A szerk.] megyei központi irodája is. Az egy nagy tekintélyű szervezet volt, csak kevés munkatárssal dolgoztak, és engem időnként oda is elhívtak tolmácsolni. Ennek parancsnoka volt Golubjev őrnagy. Amikor valahogy szóba került, hogy nekem el kéne mennem Pestre, azt mondta, neki hivatalból úgyis Pestre kell utaznia, van egy dzsipje, majd ő elvisz. Így sem lehetett olyan könnyen eljutni, mert a balatoni országút nagyon sérült volt, úgyhogy iszonyú zökkenőkkel és igen lassan érkeztünk meg. De hát végül is fölhozott engem háztól házig.

Furcsa dolog, de azért elmondom, mert olyan vicces. Évtizedekkel később a Filmmúzeumban láttam egy amerikai filmet, s annak a főszereplője Spencer Tracy volt, s én azt mondtam: „Te jó ég! Ez pont olyan, mint amilyen a Golubjev volt.” Ugyanaz az arc, legalábbis így emlékeztem rá.

Pesten komoly ellenőrzésen, illetve nyelvvizsgáztatáson mentem át, ami aztán pozitívan sikerült. Persze az előző év gyakorlata hozzájárult ehhez. Minden nap tolmácsoltam, a szókincsem gyarapodott, azonkívül abszolút tisztában voltam a nyelvtannal és a helyesírással. Már csak azért is, mert nagyon szerettem a latint, és magamtól rájöttem arra, amit a nyelvészek mindenütt említenek, hogy miután indoeurópai nyelv, ugyanaz a nyelvtani rendszere van a szláv nyelveknek is, mint a latinnak. Így sokkal könnyebben ment az egész.

Szóval felvettek a Magyar–Szovjet Olajművek – Molaj – nevű intézményhez, amihez a Szőnyi Olajfeldolgozó Vállalat tartozott [1942 márciusában alapították az Iparügyi Minisztérium és a Honvédelmi Minisztérium felügyelete alatt a Magyar Olajművek (MOLAJ) Rt.-t, ill. szőnyi finomítójukat. A Magyar–Szovjet Olajművekről lásd: magyar–szovjet vegyesvállalatok. – A szerk.]. 1946. augusztus elsején bejött a forint [lásd: a forint bevezetése], vége lett a borzalmas inflációnak. Mindjárt sokkal könnyebb lett minden. Ha jól emlékszem, kétszáznegyven forint volt a havi fizetésem, ami akkor hihetetlenül komoly pénz volt. Ebből nagyszerűen ki lehetett jönni. Találtam egy kis albérleti szobát egy rendes családnál pontosan ugyanebben a házban, ahol most lakom. Pici cselédszoba volt, ahova egy ágy, egy szekrény és egy kis asztalka fért be. De akkor ez megfelelt. Nem emlékszem, mit fizettem érte. Olcsó volt a koszt, a vállalat adott ebédet, én pedig rendkívül szerény voltam a láger után. Arról nem is beszélve, hogy Walter küldött Londonból, amit tudott. Úgyhogy én itt akkor vidáman és boldogan éltem.

A vállalat nagy volt, rendes kollégáim voltak, kijöttem velük, jól éreztem magam. Még egy csónakház is volt a Római-parton, gyakran jártunk oda. Különböző barátnőket is szereztem. Miért jöttem el innen? Mert egy még csábosabb helyre nyílt lehetőség, az úgynevezett Magyar Tudományos Tanácshoz. Ez a következő módon történt.

Itt a házban lakott Fazekas Anna, az író [Fazekas Anna (1905–1973) – író, szerkesztő, 1924-ben bekapcsolódott a munkásmozgalomba. 1944-ben deportálták. 1949-ben lektor az Athenaeum kiadónál, 1950–51-ben az MDP Központi Vezetőségének politikai munkatársa. 1952–1963 között az Ifjúsági, ill. Móra Könyvkiadó igazgatója (MÉL). – A szerk.] – minden gyerek ismerte az „Öreg néne őzikéje” című verses meséjét –, ő lett később a Móra Ferenc Könyvkiadó igazgatója. Összeismerkedtünk. Akkor már férj nélkül nevelte a gimnazista fiát, Kulcsár Istvánt, aki később neves újságíró és rádiós lett. Fiatalabb volt jó pár évvel, mint én, és rettenetesen imponált neki, hogy én tudok oroszul. Később persze ő is megtanult. Anna elvált férje doktor Kulcsár István, a kiváló pszichiáter volt. Izraelbe emigrált, és ott sok-sok év után ő volt az, aki az ismeretes módon odakerült Eichmannt vizsgálta és adott szakértői véleményt róla. 

Anna nővére Gerő Ernőné volt, Fazekas Erzsébet, így ismerték [(1900–1967) történész, egyetemi tanár. A Tanácsköztársaság idején csatlakozott a kommunista ifjúsági mozgalomhoz. 1919 őszén Bécsbe menekült. A KMP Külföldi Bizottsága Romániába küldte pártmunkára (1921), ahol többször letartóztatták, ezért 1924-ben Bécsbe, majd Párizsba ment. Dolgozott a Francia Kommunista Párt és a magyar kommunista emigráció szervezeteiben, amellett a Sorbonne-on történelmet hallgatott. Részt vett a spanyol polgárháborúban (1936–39). 1939-ben Párizsba, majd Moszkvába került, ahol aspiráns lett a SZU Tudományos Akadémiája Történeti Intézetében. A háború idején önkéntes a Vörös Hadseregben, a magyar és a román hadifogolytáborokban végzett politikai munkát. 1945-ben tért haza. A Nemzeti Segély egyik szervezője, 1949-ben a Tudományos Tanács titkára lett. 1950–53-ban a szegedi JATE-n, majd 1953–57-ben, nyugdíjazásáig az ELTE-n az egyetemes történelem tanszékvezető tanára. Férje Gerő Ernő (1898–1980) (MÉL). – A szerk.].

Anna elmesélte neki, hogy van itt egy kislány, aki jól tud oroszul. Mondta: „Hú, hogy kéne nekünk valaki oda!”– mármint a Magyar Tudományos Tanácshoz, mert az Akadémiát akkor egy ideig így nevezték. És nagyon sok akadémikust előző politikai állásfoglalása miatt vagy azon a jogcímen leminősítettek. Ezek a dolgok akkoriban szokásosak voltak. Elég az hozzá, hogy Erzsébet azt mondta: „Gyere ide, és fölveszlek.” Ez 1948-ban volt. Gyönyörű munkahelyem volt, mert a Tanács legalább egy évig a Parlamentben dolgozott. Fordító lettem. Nyugodt munka volt, többet is fizettek. Oroszról fordítottam magyarra tudományos, tudományszervezési szövegeket. Bele kellett tanulnom.

Említettem, hogy beléptem a pártba, amikor 1945-ben dolgozni kezdtem. De funkcióm soha nem volt. Emlékszem a Rajk-perre, azt hiszem, még a rádió is közvetítette. Megrendítő volt. És döbbenetes volt az is, amikor először hallottam a kitelepítésekről [lásd: kitelepítések Magyarországon]. Akkor azt mondtam – talán először: „Szent ég! Ez olyan, mint a deportálás.” És azt hiszem, igazam volt, minden naivitásom mellett. Az Akadémián természetesnek tűnt, hogy a tudományos életet erősen átitatja a politika. Politikai nyomás a kormányzat részéről nyilván a vezetőkre nehezedett, számunkra nem volt olyan igazán érezhető. Tőlem sem vártak el különleges dolgot, hangulatjelentéseket stb. Én szakszervezeti bizalmi voltam.

Egy alkalommal elhívtak tolmácsolni egy nemzetközi nőkongresszusra, amit Budapesten rendeztek. Ott sok fontos emberrel megismerkedtem, ettől kezdve máskor is hívtak, még az 1949-es Világifjúsági Találkozóra is [(VIT) – Az 1945-ben alakult Demokratikus Ifjúsági Világszövetség (DIVSZ), a világ kommunista- és munkáspártjai ifjúsági szervezeteinek nemzetközi szövetsége által szervezett fesztiválsorozat. Az elsőt 1947-ben rendezték Prágában, a másodikat 1949-ben Budapesten. A politikai cél az volt, hogy az egyre erősebb hidegháborús légkörben a Szovjetunió növelhesse és demonstrálhassa befolyását az ifjúság körében. Eleinte kétévente szervezték, 1959-től háromévente, 1968-tól ötévente szervezik. Mai neve: Világifjúsági és Diáktalálkozó. – A szerk.]. Azonkívül, hogy ez egy keresett foglalkozás volt, úgy látszik, mindenhol meg voltak elégedve a munkámmal. Így aztán igen jól kerestem, hiszen az állásomon kívül különmunkám is volt rendszeresen. Akkor megkérdeztem az én drága Klári nagynénémet: „Mondd, mit fogok én ennyi pénzzel csinálni?” S azt mondta: „Hát mit csinálnál? Tedd félre, és végy egy lakást!” Ezt tettem.

Anyám egy darabig még Zalaegerszegen maradt, vezette a nagybátyám háztartását, akivel igen-igen jó viszonyban volt. És dolgozott. Akkor jöttek a bajok, amikor Sanyi illegálisan elhagyta az országot. Az ő szomorú történetét már elmeséltem. Anyut kezdték piszkálni, és akkor rájött, hogy ott nem maradhat. Például a két írógép közül az egyiket rögtön elvitte a hatóság. A másikat különböző barátok segítettek megmenteni. Így maradt meg egy Continental, mind a mai napig megvan. Nagyszerű írógép, amin én aztán később a privát fordításaimat gépeltem, és azokkal jól kerestem.

Anyu 1950-ben költözött Pestre, a Fehérvári úti Rendelőintézetben kapott egy jó asszisztensi állást, csak nagyon messze volt az albérletünktől, amit közösen vettünk ki a Katona József utcában, mert az enyémben nem fértünk el. Akkoriban nehezebb volt a közlekedés.

A lakásproblémánk pedig a következőképpen oldódott meg. Eljöttem egyszer látogatóba a korábbi háziasszonyomhoz, ebbe a házba. Azt mondta nekem: „Tudom, hogy te minden erődet a lakásra való gyűjtésre fordítod. Most itt, az emeleten, ahol van egy nagy, négyszoba-hallos lakás, és ahol egy ügyvéd lakik a feleségével meg a nevelt lányával, azok azt le akarják választatni, mert attól félnek, hogy társbérletesítik. (Akkoriban ez volt a legfélelmetesebb dolog annak, akinek nagy lakása volt.) Ők ismernek téged, menj át, kérdezd meg, hogy aktuális-e!”

Ezek engem óriási örömmel fogadtak, mert ismertek. Rögtön pauszpapíron megmutatták a tervet, amit egy mérnökkel már meg is csináltattak. Azt mondták, az a föltétel, hogy előre ki kell fizetni az egész építkezés árát. Letesszük ezt az összeget egy ügyvédnél, aki majd ahogy a munka előrehalad, úgy fizeti ki az embereket. És amikor kész, enyém lesz a lakás. Persze akkoriban kissé másként voltak a dolgok. Előzetes építési engedélyt kellett kérni a tanácstól, ami már megvolt. Amikor meg készen lett, ugyanúgy bérlakás maradt, csak kettő lett, a leválasztott lakást pedig nekem kiutalták.

Az építkezés előtt sokan riogattak, hogy ily módon elvész a pénzem. De volt anyámnak egy nagyon jó barátnője, nagyra tartottam őt, jogosan, mert nem olyan értelmetlen dolgokkal foglalkozott, mint én vagy mint az anyu, hanem volt egy vállalatuk Zalaegerszegen valamikor, úgyhogy ő üzletasszony volt, és egészen másképp gondolkodott. Adtam a véleményére. Azt mondta: „Ide figyelj! Te ebben az albérletben, ahol most laksz, maradhatsz, ameddig akarsz, ha fizeted. De akik itt laknak ebben a nagy lakásban, ők fogják a legjobban sürgetni, hogy elkészüljön az a leválasztás, mert ők fogják unni a téglarakásokat, a malterosládát meg a sok embert, aki ott mászkál, és az egész építkezéssel kapcsolatos zűrzavart és rumlit.” Ez abszolút logikus volt, és való szent igaz, hogy pontosan hat héttel később, 1950. október huszadikán beköltöztünk az újonnan épült, leválasztott lakásunkba. Mind a mai napig itt lakom, sajnos már egyedül. Édesanyám, drága 1984-ben halt meg. Harmincnégy évig éltünk együtt a lehető legnagyobb harmóniában.

Egy alkalommal valamilyen nemzetközi szakszervezeti konferencia volt, ott a fordítóirodában dolgoztam, amikor megismerkedtem két, kábé az én anyám életkorával azonos korú hölggyel, mind a ketten orosz születésűek voltak, és még az első világháború után mentek férjhez magyar hadifoglyokhoz. Ők kezdtek el nyaggatni, hogy aki ilyen jól tud oroszul, az miért nem szerez diplomát. Most szerveződik az úgynevezett Lenin Intézet, ami tulajdonképpen nem sokkal később a budapesti egyetem orosz tanszéke lett. „Jelentkezzél, le kell ugyan tenni egy felvételi vizsgát, de ahogyan mi ezt látjuk, az neked nem lesz túlságosan nehéz.”

Jelentkeztem, és az esti tagozaton mindjárt fölvettek a harmadik évre. Ez összesen négyéves képzés volt egy szakon. Nem az volt az óriási előnye, hogy adtak egy papírt róla, hanem az, hogy nagyszerű, orosz anyanyelvű tanáraink voltak. Élmény volt hallgatni őket. Természetesen az orosz irodalom tanárára emlékszem a legjobban, Krajevszkij professzorra. Arra törekedett, hogy tanítványainak mindent átadjon, amit csak tud. És sokat tudott. Nemcsak a szovjet irodalmat tanította, hanem a klasszikus oroszokat is. Akkor kezdtem orosz nyelvű könyveket vásárolni. Volt az orosz könyvesbolt, ahol olcsón lehetett szép és jó kiadásokat kapni. Persze marxizmus-leninizmust is tanultunk. De hát az sem ártott, nyelvileg pláne nem, arra a szókincsre szükségem volt. 1953-ban fejeztem be a tanulást, egy évet ellustultam belőle, ezért nem 1952-ben.

Ekkor kaptam még egy olyan fix munkát, ahova hetenként kétszer vagy háromszor délután kellett bejárni, amelyet én a koromnál fogva igen jól bírtam, és amelyik igen jól fizetett. Volt egy olyan lap, aminek az volt a címe: „Tartós Békéért, Népi Demokráciáért”. Tessék elképzelni a szellemét! De hát istenkém! Ez volt, és oroszul volt. Jött az anyag géptávírón, azt hiszem, Bukarestből. Nem ott szerkesztették, csak onnan küldték nekünk. Ennek minden héten megjelent a magyar változata [„Tartós békéért, népi demokráciáért” – a Kommunista és Munkáspártok Tájékoztató Irodájának hetilapja volt. 1947-ben indult Belgrádban. 1948-ban, amikor a Tájékoztató Iroda határozatban elítélte a jugoszláv kommunista párt politikáját, a szerkesztőség és a kiadóhivatal átkerült Budapestre, majd 1951–1956 között Bukarestben szerkesztették (ide került 1948-ban a Kominform székhelye is). (Megjelent orosz, német, francia, angol, spanyol, lengyel, bolgár, cseh, olasz, albán és kínai nyelven is. A magyar kiadás szerkesztője 1950-ig Nemes Dezső, 1950–54 között Orosz Nándor, 1954–56 között Betlen Oszkár volt.) – A szerk.].

A sok munka és tanulás mellett azért persze volt társaságom. Szereztem barátnőket és barátokat, udvarlókat is. Világos. De valahogy házasságra sosem került sor, lehetséges, hogy én voltam az oka, akinek senki sem volt elég jó. Amikor itt albérletben laktam, a háziasszonyomnak volt egy mérnök fia, aki nagyon művelt, zeneértő ember volt, és aki engem sok mindenre megtanított. Amikor Klemperer Budapesten az Operában volt [Otto Klemperer (1885–1973) – karmester és zeneszerző, 1947–1950 között a budapesti Operaház karnagya volt. – A szerk.], ő vett nekem bérletet öt, a mester által betanított Mozart-opera előadására. És hangversenyjegyeket hozott… Nagyjából neki köszönhetem a zene iránti imádatomat. Persze volt ennek előzménye otthonról is. Amikor a nagynénémhez Pestre járkáltam, az ő gramofonját nyúztam. Olyan tekerős gramofonja volt, és töméntelen, príma külföldi lemeze. Így aztán nem volt olyan nehéz engem hozzászoktatni az élő hangversenyekhez.

Nyáron evezni jártunk. Amíg a Molajnál dolgoztam, addig a Római-partra. Később az Akadémiánál szerveztek egy turistaegyesületet, akkor kezdtem túrázni, főként a Pest környéki hegyekbe, Pilisbe, Börzsönybe, néha Zemplénbe is. Soha meg nem ismertem volna ezeket a helyeket e nélkül a társaság nélkül. Gyönyörű volt. Imádtam.

A Tudományos Tanácsot hamar visszakeresztelték Magyar Tudományos Akadémiának, és megalakult a Nemzetközi Kapcsolatok Osztálya, ahová én is kerültem. Persze ott már többen voltak, akik angolul, németül, franciául is remekül tudtak. Ott barátkoztam össze Palló Tibornéval, Borival, aki több nyelven dolgozott. Haláláig összejártunk. Helyileg akkor mi a Beloiannisz [ma Garibaldi] utcában voltunk. Később kaptunk egy másik hivatalt a Nádor utca 10-ben, most iskola van ott.

Az Akadémia elnöke doktor Rusznyák István professzor volt. [(1889–1974) orvos, egyetemi tanár, 1912 és 1931 között a Korányi Sándor vezette III. sz. belgyógyászati klinikán dolgozott, 1931–1945 között Szegeden egyetemi tanár, a belgyógyászati klinika igazgatója. 1945-ben a budapesti egyetemen a II. sz. belgyógyászati klinika vezetője, 1946-tól az I. sz. belgyógyászati klinika igazgatója, 1949–1970 között az MTA elnöke. 1945–47-ben nemzetgyűlési, 1949–1967 között országgyűlési képviselő, 1949-től 1958-ig a Magyar Népköztársaság Elnöki tanácsának tagja. – A szerk.]. Nem ő volt a közvetlen főnököm, de sokszor dolgoztunk együtt. Nagyon jó főnök volt. A főtitkár pedig, aki engem megesketett – az állami hivatalnokoknak akkor is esküt kellett tenniük –, doktor Alexits György professzor úr volt, matematikus, és egyébként elragadóan kedves ember. Ha volt egy kis szabad ideje, és nem foglalkozott a hivatalos dolgokkal, akkor a világon a legjobban ő tudott zsidó vicceket mesélni – maga nem volt zsidó egyik oldalról sem [Alexits György (1899–1978) – matematikus, az MTA tagja.  A Tanácsköztársaság alatt a Szocialista Diákszövetségben tevékenykedett, a Tanácsköztársaság bukása után kizárták az egyetemről, emigrálni kényszerült. Grazban járt egyetemre, ott avatták 1924-ben doktorrá. Hazatérve 1919-es tevékenysége miatt tanári álláshoz nem juthatott. 1926-ban Romániába ment, egy évig Giurgiuban tanított, és tanársegédként előadásokat tartott a bukaresti egyetemen. 1928-ban engedélyt kapott arra, hogy tanári oklevelet szerezzen. 1929-ben lett matematika–fizika szakos tanár. 1930-ban mint polgári iskolai helyettes, majd mint rendes tanár kapott állást. Az ellenállási mozgalomban kifejtett tevékenységéért 1944-ben Dachauba, majd Spaichingenbe vitték. 1945-ben tért haza. Tudományos munkája mellett másfél évig gimnáziumi igazgató, utána közoktatásügyi államtitkár, egy évig a Tudományos Tanács főtitkára, majd az újjászervezett MTA első főtitkára. Közben egyetemi tanári kinevezést kapott a BME Vegyészmérnöki Karának matematikai tanszékére. – A szerk.].

Az első hivatalos külföldi utam Moszkvába vezetett, 1951-ben. De nem az Akadémia küldött, hanem a DIVSZ [1945. november 10-én jött létre a Világ Ifjúsági Konferencia Londonban, ahol megalapították a Demokratikus Ifjúsági Világszövetséget (DIVSZ), székhelye Párizsban, majd 1951-től Budapesten volt. Legfőbb rendezvénye a Világifjúsági Találkozó (VIT). – A szerk.], akik az 1949-es budapesti Világifjúsági Találkozóról ismertek, ahol sokat tolmácsoltam. Behívtak a Külügyi Osztályra [Föltehetően a DIVSZ Központi Vezetőség Külügyi Osztályáról van szó. – A szerk.], aminek a vezetője Bors Jenő volt. Olyan családból származott, amelyiknek számos tagja szovjet emigrációban élt a Kommün után. Ő is kint nőtt föl, ott járt egyetemre. Később éveken keresztül ő volt a Hanglemezgyártó Vállalat vezérigazgatója [Bors Jenő (1931–1999) – 1965–1990 között volt a Magyar Hanglemezgyártó Vállalat igazgatója. – A szerk.]. Kipróbálták, hogyan beszélek, és rögtön alkalmasnak találtak.

A Komszomol meghívására egy tíztagú csoportot kísértem. Nekik jutalom volt ez a négy-öt hetes út, nekem kőkemény munka, hiszen senki sem tudott egy szót se oroszul, úgyhogy mindent reggeltől estig fordítani kellett. Természetesen ragyogóan voltunk elhelyezve, az ottani viszonyokhoz képest kimagaslóan voltunk ellátva, és mindent megmutattak, amit csak akartak, amit csak lehetett. Ez úgy nézett ki, hogy a nap első felében városnézés volt, illetve minden nap egy előadás a Komszomol központjában, amit kapásból kellett fordítani. Esténként többnyire színházba vagy operába mentünk. A baj az volt, hogy a színházat is tolmácsolni kellett. A november hetedikei díszszemlére is kaptunk helyet a Kreml előtt [November 7. – A Nagy Októberi Szocialista Forradalom évfordulója, melyet minden évben nagy pompával, katonai díszszemlével ünnepeltek Moszkvában. Kisebb-nagyobb felvonulást, díszszemlét minden településen tartottak. A legnagyobb állami ünnepnek számított a Szovjetunióban. 2004-ben eltörölték. –  A szerk.]. Ott volt az öreg Sztálin, akit még láttam. Moszkván kívül Leningrádba is elvittek, ahol a legérdekesebb és legpazarabb szállodában, az Astoriában laktunk. Onnan pedig Grúziába mentünk, és Szuhumiban, a Fekete-tenger partján töltöttünk néhány napot. Én azelőtt soha nem láttam tengert, csodálatos volt még ilyen késő ősszel is.

Aztán jöttek az akadémiai kiküldetések, amik persze sokkal kevésbé voltak fárasztóak, miután nem a Komszomol rendezte őket, hanem a Szovjet Akadémia. Arról nem is beszélve, hogy akiket meghívtak, azok már többnyire idősödő és nagy tekintélyű magyar tudósok voltak. Őket nem lehetett reggeltől estig ide-oda cipelni. Velük is voltam különböző érdekes helyeken. De csak mindig a Szovjetunióban, na meg Bulgáriában, hiszen én voltam a szovjet előadó.

Többször utaztam Rusznyák professzorral, nálánál jobb útitársat elképzelni is nehéz, mert finom volt, kellemes volt, szellemes, sosem éreztette, hogy ő egy óriási nagy főnök, én meg kis senki vagyok. Rendkívül művelt ember volt – és humora is volt, ami nagy szó. Molnár Erik történésszel egyszer Szófiában voltam [Molnár Erik (1894–1966) – történész, politikus, akadémikus. 1944 és 1956 között volt népjóléti miniszter, tájékoztatási miniszter, külügyminiszter (kétszer is), moszkvai nagykövet és (leghosszabb ideig) igazságügy-miniszter (kétszer), a Legfelsőbb Bíróság elnöke. Egyetemi tanár (ELTE) volt, és számos párt- és történész szakmai szervezeti tisztsége volt. – A szerk.], és tőle sok mindent megtudtam az orosz–török háborúkról. Pazar elbeszélő volt. Zólyomi Bálint professzorra is szívesen emlékszem, nevét most már legfeljebb a szakemberek ismerik. Ő volt az, aki megalapította a Vácrátóti Botanikuskertben a Botanikai Intézetet [Zólyomi Bálint (1908–1997) – botanikus]. A kertet az Akadémia örökölte egy hajdani nagybirtokos arisztokratától, gróf Vigyázó Ferenctől egy csodálatos, egészen extra faliszőttes-gyűjteménnyel együtt. Tele van velük az Akadémia.

És még számtalan emlék jut eszembe. A Szovjetunió európai részét bejártam az akadémiai meghívásokkal. Nyaraltunk egyszer Jaltán tíz napig, a környékén mind megvannak azok a csodálatos cári paloták. Láttam Bahcsiszerájt [A Krím-félszigeten lévő város 1783-ig a krími tatár kánság fővárosa volt. – A szerk.] és a többit.

Minden év március egész hónapjában volt a magyar–szovjet barátság hónapja, amikor egy nagyon tekintélyes delegációt fogadtunk. Tagjait általában úgy válogatták össze, hogy tudós is volt, író is, muzsikus is, sztahanovista munkás is, szerkesztő is és így tovább. Nem voltak túl sokan, de csupa kint jól ismert ember. Én mindig kísérő voltam.

Sztálin 1953. március ötödikén halt meg. Tehát éppen itt volt az évi szokásos küldöttség. Akkor számomra a legemlékezetesebb vendég Emil Gilelsz [1916–1994], a nagyszerű zongoraművész volt. Sztálin temetésének napján, március kilencedikén nagygyűlést tartottak a Felvonulási téren. Egy nagyon hideg és kellemetlen, csípős napon volt ez. Ott volt egy nagy tribün, és mellette állt a Mikus Sándor [(1903–1982) – szobrászművész] által alkotott bronz Sztálin-szobor [1950], amit aztán 1956-ban úgy fűrészeltek le, hogy csak a csizmái maradtak meg. A tribünön voltunk a delegáció tagjaival nagyon sok vezető embernek a társaságában. A városnak nem volt olyan munkahelye, ahol ne mozgósították volna az embereket. Hatalmas tömeg gyűlt össze.

1956 – ez egy nagyon nehéz kérdés. Egyáltalán nem értettem a dolgot. De láttam, hogy óriási a mozgás. Természetesen olvastuk a Petőfi Körnek az írásait, amik nagyon érdekesek voltak. Nekem járt az „Élet és Irodalom” is [Baik Éva nyilván az 1950–56 között megjelent „Irodalmi Ujság”-ra gondol, amely a Magyar Írók Szövetségének irodalmi és művelődéspolitikai hetilapja volt (főszerkesztő: Illés Béla), és amelyet 1956 után megszüntettek. (1957–1962 között Faludy György szerkesztésében Londonban, majd 1989-ig Párizsban jelent meg, Méray Tibor szerkesztésében.) Az „Élet és Irodalom” első száma 1957. március 15-én jelent meg. – A szerk.]. Amikor elkezdődtek az események [lásd: 1956-os forradalom], olyan dumákat is hallottunk, hogy majd meglátjátok, Ausztriában csak erre lesnek az 1945-ben elkotródott vagy elmenekült nyilas vezetők, hogy visszajöjjenek. Főként a Beregfy nevű tábornok [Nem tudjuk, kire gondol Baik Éva. Beregfy Károly (1889–1946) vezérezredest, aki a nyilas hatalomátvétel után honvédelmi miniszter és vezérkari főnök volt, 1946-ban mint háborús bűnöst kivégezték. – A szerk.]. Reméltük, hogy ilyesmi mégsem fordulhat elő. Anyámmal arra gondoltunk, hogy még közel van az egész 1944-45, és elég már az egészből. Mi már eleget izgattuk magunkat.

A harcok idején is be kellett járnom az Akadémiára. A mi osztályunk szervezte a tudósok, illetve a kutatók külföldi csereutazásait. Sokan, akik meghallották, hogy mik történnek, rögtön haza akartak jönni a családjukhoz. A kiutazók szolgálati útlevelet kaptak, amit hazaérkezésükkor nálunk le kellett adniuk. Ezért aztán minden reggel a kolléganőmmel együtt bementünk. Ez időnként elég félelmetes volt, mert géppuskazaj meg mindenféle volt itt a közelben.

Amikor vége lett, a megtorlásokról még sokat nem tudtunk. Az későbben jött. A kivégzések 1957-ben és utána voltak, meg későbben. Akkor meg megdöbbentünk. Lehetett hallani róla. Amikor újjáalakult a párt, én már nem léptem be. Utána már sohasem voltam párttag. De dolgoztam tovább ugyanazon a helyen 1966 végéig.

Még egy történet az akadémiai időkből, 1958-ból. Fénykép is van hozzá, rajta Hruscsov [Nyikita Szergejevics Hruscsov (1894–1971) – 1953–1964 között az SZKP főtitkára, 1958–1964 között a Minisztertanács elnöke. – A szerk.], Rusznyák elnök úr és én. Akkor már az Akadémia főépületében volt az osztályunk, egy emelettel följebb, mint az elnökség. Egy napon szólt az elnök titkárnője, Julika: „Gyere! Hív az elnök.” Lementem, behívott, és azt mondta: „Most lesz itt egy nagygyűlés, Hruscsov is beszélni fog. Magának ott kell lennie, és tolmácsolni, de nem a Hruscsovnak, hanem lesz itt egy-két olyan vezetőnk, aki beszédet tart.” És még hozzátette: „Bizony, én is izgulok, ne csak maga izguljon.” Elővett egy üveg konyakot, megkínált vele, mondván, hogy most igyunk a bátorságért. Ez kedves, ugye?

Nagyon haragudtam azokra, akik az üdvözlőbeszédeket tartották, mert az lett volna a legkevesebb, hogy legalább egy órával előbb írásban odaadják a szöveget, és ne blattról kelljen nekem oroszul a Hruscsov előtt beszélnem. Ez egy kicsit izgalmas volt. A szépen kidekorált díszteremben tartották a gyűlést. Hruscsov a Pártközponttól kapott egy kitűnő kísérőt és tolmácsot, Erdélyi Károlyt. Nem volt könnyű dolga Hruscsovval. Az történt, hogy kapott egy vastag paksamétát, az volt a leírt szöveg. Ez a paksaméta Hruscsovnál is ott volt, aki fölállt a pódiumra, a kezébe vette, elkezdte az üdvözlő szavakat. Miután ezeket Erdélyi lefordította, fogta az egészet, visszagyűrte a zakója zsebébe, és teljesen szabadon folytatta.

A hallgatóság, amely az ország legismertebb és legkiemelkedőbb tudósaiból állt, főként akadémikusokból és intézetvezetőkből, eleinte nagyon unatkozó arccal ült ott, aztán láttam föntről, az emelvényen hátul ülve, hogy egyre jobban figyelnek, mert az egész annyira érdekes és annyira eleven lett, hogy bámulatos. Könnyű volt nekem hallgatni, hiszen Hruscsov született népszónok volt, a szó legjobb értelmében, akinek egyáltalán nem volt nehéz minden írásbeli előkészület nélkül kitűnően beszélni. Kapásból tolmácsolni viszont iszonyatosan nehéz volt, mert nagyon szeretett különböző népi mondásokat beleszőni a beszédébe, amik csak akkor érdekesek, hogyha az ekvivalensük megvan magyarul is. A végén néhány professzor azt súgta nekem: „Évikém, maga ezt sokkal jobban csinálta volna.” De én tudom, hogy nem ment volna nekem se jobban.

Összesen tizenhét évig dolgoztam az Akadémián. Végül azért akartam eljönni, mert olyan stresszes és olyan strapás lett a munka, annyira fárasztott, hogy elkezdett fájni a gyomrom. Mondtam, vagy elmegyek, vagy szerzek egy gyomorfekélyt, amihez nem nagyon volt kedvem. Abban az időben elég sokat tolmácsoltam a Magyar–Szovjet Baráti Társaságnak, amelynek a főtitkára Bernát György volt, aki ugyanakkor és egyben az Akadémiai Kiadó igazgatója volt. Egyszer megkérdeztem tőle: „Nem kellene valaki hozzátok, aki tud oroszul?” – „Dehogynem!”

A kiadóba szerkesztőnek vettek fel. Anyagilag ez nem volt előnyös, havi ötszáz forint mínuszt jelentett 1967-ben. Egyébként a kiadó általában rendkívül rosszul fizetett, ezt sokkal későbben nagyon autentikus helyről is hallottam. De a kollégáim igen jól fogadtak, és segítőkészek voltak, hiszen nekem meg kellett tanulnom a szerkesztés munkáját magát, amivel sohasem foglalkoztam azelőtt. Úgyhogy én ezt megszerettem, és érdekelt is. Kezdetben csak besegítettem Alexa Ferencnének, Majának, akivel aztán baráti kapcsolatom is lett, most is összejárunk. Ő orosz anyanyelvű, vele dolgoztam.

A kiadó idegen nyelvű szerkesztősége megrendelésre főként természettudományos könyveket adott ki külföldi cégeknek, különböző nyelveken. Persze magyar nyelvű szerkesztőség is volt. Később, ha éppen nem volt idegen nyelvű feladat, már kaptam magyar kéziratokat is. Például volt egy olyan sorozatom, hogy „Agrártörténeti tanulmányok”. Elég jó vastag kötet volt mindegyik témáról. Igen érdekes volt. Mindegyikből olyan dolgokat tudtam meg, amikről azelőtt soha nem volt fogalmam. Órákat lehetne róla mesélni.

Azokból a könyvekből, amiket az ember maga szerkesztett, és benne volt a neve, hogy felelős szerkesztő, kapott egy példányt. Evvel a példánnyal azt csinált, amit akart. Ha nem érdekelte, vagy a szerkesztési munka során már pokolian megunta, akkor azt be lehetett vinni a Váci utcában az Akadémiai Könyvesboltba, és ott ugyanazon az áron, ami rajta volt, bármilyen más akadémiai kiadványra kicserélték. Úgyhogy egy csomó szótárt így szereztem be, vagy a „Művészeti Lexikon”-t is.

1989-ig dolgoztam a kiadóban. Volt egy olyan rendelet, hogy a hadifogság, a katonai szolgálat meg a deportálás ideje is beszámít a szolgálati évekbe. Úgyhogy ezzel együtt nekem negyvenöt évem kikerekedett. Negyvennégy évig dolgoztam, és a negyvenötödik volt a Hessisch Lichtenau és a Birkenau. Nyugdíjba mentem.

De hamar elkezdtem unatkozni. Felhívtam telefonon a Rádióban Kulcsár Istvánt: „Nem tudnál nekem valami fordítanivaló munkát szerezni, mert én itt meghalok az unalomtól.” Azt mondta: „Pillanatnyilag nem tudok, de egy-két héten belül fölhívlak.” Föl is hívott, és azt mondta: „Van. Nem fogsz tőle meggazdagodni, de a munka érdekes, és te erre tökéletesen alkalmas leszel.” – „Mi ez?” – „A BBC híreit kell fordítani. Tehát fel kell venni magnóra, legépelni, lefordítani és beadni a turnusvezetőnek, és azt ő vagy fölhasználja, vagy nem.” Angol nyelvű szöveg volt.

Gyorsan kellett csinálni. Azon nyomban. Ezek nem voltak hosszú szövegek, de össze kellett hasonlítani a Magyar Távirati Irodától kapott anyaggal. Ha az MTI már leadta, akkor kimaradt. Így is voltak érdekes dolgok. Szóval, amikor az ember este tízkor hazaszédelgett onnét, és bekapcsolta a tízórás híreket a rádióban, akkor örömmel hallgatta a saját szavait is néha. Ezt három-négy évig csináltam. Szerettem. Itt találkoztam és barátkoztam újra össze – mint meséltem – Bozóky Évával.

Ezután már csak itthon végezhető munkát vállaltam. Volt fordítanivaló, és egy nagyon kedves munkakapcsolatom lett a Panem Kiadóval, akik szép útikönyveket adnak ki kinti kiadóktól, tehát fordításokat. Először megcsináltam Bécset, majd még egy csomó másikat. Akkor azt mondtam nekik: „Ha jók akartok hozzám lenni, akkor a Róma könyvet adjátok nekem. És így én még egyszer elmegyek a könyv alapján Rómába.” Megkaptam.

Sokat utaztam életemben, ezek zöméről már szó esett. A legtöbb persze hivatali út volt. Nyugaton a háború után először Bécsben voltam, 1958-ban három napig [lásd: utazás külföldre 1945 után]. Egy autóbuszos IBUSZ-út volt, az Akadémia kapott két helyet, s Rusznyák professzor titkárnőjét és engem küldtek. Bécs kellős közepén egy remek régi szállodában laktunk, és sok mindent láttunk. Ez azért is volt számomra olyan fontos, mert gyerekkorom és egyáltalán életem legjobb barátnője, Marika, akiről sokat meséltem már, amerikai férjével akkor éppen Bécsben élt, így meg tudtam látogatni. Édesanyja az én anyám legjobb barátnője volt. Úgyhogy majdnem rokoni látogatás volt.

Anyukámmal sajnos soha nem utaztam. Ő a húgával utazott, a Klárival. Testvérük, Walter Angliában élt, s amikor már lehetősége volt, befizetett nővéreinek egy-két hét nyaralást Ausztriába, a tulajdonképpeni szülőhazájukba.

Feltételezhető, hogy a munkahelyemnek a presztízse hozzájárult ahhoz, hogy nagyon hamar mehettem meghívásra Nyugatra. Már meséltem, hogy kint élő nagybátyáimnál miként, hányszor voltam. Marikát is meg tudtam látogatni Bécsen kívül még kétszer Genfben. Kihasználtam a háromévenkénti utazási lehetőséget. Többször mentem társasutazással. Az 1970-es években szántam rá magam először, hogy Németországba menjek. Azóta voltam többször.

Izraelbe nem jutottam el, bár mindig szerettem volna. Talán még valahogyan, valamikor. De Amerikában kétszer is voltam. Három barátnőm élt kint. Marika Európából New Yorkba költözött, ahol meglátogattam. Másik barátnőm, Jutka kaposvári, együtt voltunk deportálva, férjhez ment egy amerikai tiszthez. Maine államban él a férjével és a családjával. Három gyerekük született. Miután a gyerekei már egy picit fölcseperedtek, azt mondta a férjének: „Mi lenne, ha beiratkoznék az egyetemre?” Szeretett volna matematikát tanulni. Beiratkozott, megszerezte a diplomát, és annyira jónak találták, hogy ott maradt a College-ban előadónak, majd professzornak, a végén dékán lett belőle. Megírta az életrajzát angolul az 1944–45-ös és az azt megelőző életéről, meg is jelent kint, és nagyon nagy sikert aratott. Majd elküldte nekem azzal a kéréssel, hogy az ő költségére fordítsam le és nyomtattassam ki. Ez megtörtént, hamarosan újra ki fogják adni [Judith Magyar Isaacson: „Köszönet az Életért. Egy túlélő visszaemlékezése”, Budapest, 1994, Dunakönyv Kiadó]. Náluk is voltam vendégségben. A harmadiknál, Dános Médánál is voltam, aki a híres egyetemi városban, Princetonban élt.

A sok utazás közül még kettőt emelnék ki, ami fantasztikus hatással volt rám. Az egyik a Loire völgye. Egy baráti házaspárral voltam, de szervezett út volt. Ott olyan kastélyok vannak, hogy az ember be sem tudja csukni a száját, mert mindig le van esve az álla.

A másik a Chagall-túra, ami isteni volt. Valamikor 1992 elején az egyik fiatal német barátom Hessisch Lichtenauból, Jürgen Jessen fölhívott, és megkérdezte, hogy hogyan bírom a hosszú autóbuszozást. „Mert – mondta – van itt egy barátunk, aki nagyszerű szakértője Marc Chagallnak annak ellenére, hogy egyáltalán nem művészettörténész, hanem evangélikus lelkész. Már több ízben szervezett Európában autóbusz-kirándulásokat, ahol is megmutatja mindazokat a városokat és azokat épületeket, ahol Chagallnak valamelyik műve vagy esetleg múzeuma található. Ha érdekel, nagyon tudom ajánlani” [Marc Chagall (1887–1984) – orosz származású, főként Franciaországban alkotó zsidó festőművész. Festményeken kívül színházi dekorációkat, templomi üvegablakokat is készített, valamint könyveket illusztrált. – A szerk.]. Mondom neki: „Az egész dolognak a gondolata hihetetlenül vonzó, a kérdés az, hogy mibe kerülne.” Akkor még nem volt az, hogyha az ember az összes pénzét elviszi a bankba, azt beváltják valutára. Volt korlát. „Jó – mondta –, pár nap múlva visszahívlak.” Fölhívott: „Csak annyi pénzed legyen, hogyha egy kávét akarsz inni valahol, azt ki tudjad fizetni.” Máig sem tudom, hogy ezt az utat ki fizette ki.

Jürgen fogta magát, beült a kocsijába, és eljött Pestre. Itt kicsit körülnézett, aztán beültetett az autóba a kofferral együtt, és elvitt Mainzba – ott találkoztam aztán a vezetőnkkel, Christoph Goldmann-nal [Dr. Christoph Goldmann (sz. 1929) – Chagall-szakértő, több, Chagall munkásságával foglalkozó könyv szerzője, társszerkesztője a „Nagy Chagall Bibliá”-nak („Die große Chagall Bibel”, Stuttgart, 1998). – A szerk.]. Napokig tudnék mesélni arról, hogy hol és mit láttunk. Christophtól azóta is kapom a leveleket. Meg is írtam neki, hogy ez volt életem legszebb utazása. És amikor itt volt Pesten, én próbáltam megmutatni neki mindent, amit csak tudtam. Amikor pedig itt volt az a csodálatos Chagall-kiállítás a Zsidó Múzeumban, vettem egy szép kiadványt, és elküldtem neki, hogy itt voltam, és rá gondoltam.

A hétköznapjaim most már csendesebben telnek. Napi anyagi gondjaim nincsenek, nagyon nagy segítség az a kárpótlási összeg, amit a kinti munkáért kapok, hiszen a nyugdíjam kevés. Bár egyedül élek, de főzőcskézem, háztartást vezetek. Sokat olvasok, koncertekre járok, időnként barátokkal találkozom, és levelezek a külföldön élőkkel – sajnos, egyre kevesebben vannak. És ha valami érdekes utazás van, akkor még elmegyek. Most kaptam újra meghívást április elejére Buchenwaldba, a felszabadulási évfordulóra. Remélem, el tudok utazni.
 

Adlerová Magdaléna

Életrajz

Adler néni egy panellakásban él az unokájával és lányával Galántán, élete alkonyán a legnagyobb örömet a Harry nevű pudlikutyájuk okozza neki. Nyíltan válaszolt a feltett kérdésekre, bár visszaemlékezései során gyakran könnybe lábadt a szeme. A mai napig is aktívan részt vesz a zsidó hitközség által szervezett rendezvényeken. Amennyiben az egészsége megengedi, eljárogat az imaházba.

A dédszüleim az édesapám után Pribetáról [A Komárom vm. udvardi járásában található Perbete nagyközség Trianont követően került Csehszlovákiához. – A szerk.] származtak. Az apukám szüleiről, Fleischmann Fülöpről és Fleischmann Fülöpnéről sem tudok sokat mesélni, mivel az apukám szülőfaluja, Perbete messze volt Galántától. A perbetei nagyszülők gazdálkodtak, földeken dolgoztak. Lovakkal, marhákkal is kereskedtek. Biztosan jó anyagi körülmények között élhettek, mert az apukámat Bécsben taníttatták.  Az apukám elbeszéléséből tudom, hogy nagy lakásban éltek a nagyszüleim, mert sok gyerek volt a háznál. Cselédet is tartottak, mivel nagy gazdaságot vezettek [lásd: a földművelés szerepe].

Az anyai nagyszüleim, a Müllerék Alsószeliből származtak [Alsószeli – a Pozsony vm. galántai járásában lévő község Trianont követően került Csehszlovákiához. – A szerk.]. Vegyesáruüzletük volt, de sajnos az üzlet nevére már nem emlékszem. Nagypapám, Müller Mózes lovakat is tartott. A vele kapcsolatos emlékeim kisiskolás koromból származnak. Galántára járt be áruért, és olyankor mindig meglátogatott bennünket. A nagymamámról, Müller Mózesné szül. Gross Juliannáról nem tudok sokat mesélni, mert egy éves voltam, mikor meghalt. Nagyapám első házasságából három gyermek született, az anyuka – Berta, Júlia és egy fiú, az Ignác. Nagyanya halála után nagypapa egyedül nevelte a gyermekeket, ezért újra megnősült. A másik feleségének azt hiszem, hogy Ráchel volt a neve. Itt Galántán voltak rokonai. Ráchel különben komáromi származású volt. Itt, Galántán ismerte meg ezt a feleségét, és aztán együtt nevelték a két fiúunokát s egy lányt. A bátyja [azaz: Bertának, az anyjának a bátyja], Ignác elveszett az első világháborúban. Az özvegyen maradt házastársa szegény volt. Müller nagyapa ezért aztán elvitte Alsószelibe az idősebbik unokát, a fiatalabbik itt maradt az édesanyjánál [Ignác feleségénél], de többet volt a nagyszüleinél Alsószeliben. Júlia, a lánytestvére férjhez ment egy Weinberger nevezetű fiatalemberhez. Júlia sajnos korán meghalt, de született egy lánya, a Margit, aki a holokauszt alatt Auschwitzba került, és ott meg is halt. Margit édesapja Bécsben élt, de a kislányát nem vette magához.

Müller nagyszüleim lakására nem nagyon emlékszem. Három szobájuk régimódi bútorral volt berendezve. A háznál volt egy fiú- és egy lánycseléd is. Szomszédságukban zsidó és nem zsidó származású családok éltek vegyesen. Mindenkivel jóban voltak, nem emlékszem semmilyen konfliktusokra, sőt, a szegényeknek munkát adtak, úgy segítették őket.

Anyai nagyszüleim ortodoxok voltak. A szombatot és az ünnepeket betartották. Kóser háztartást vezettek, nem ettek disznóhúst és rendszeresen sachtoltattak [lásd: étkezési törvények]. Nagyapám az utcán öltönyt és kalapot viselt, otthon pedig sapkát hordott. A szakállát azonban borotválta. A háború alatt Ferenc József zsidó századában szolgált. Emlékszem rá, mert volt róla egy képünk, ahol egyenruhában feszített, és csillagok voltak a vállán. Rajta volt az egész század [Lásd: zsidók a K.u.K. hadseregben. Arra vonatkozóan nem találtunk adatot, hogy létezett volna „Ferenc Józsefnek zsidó százada”, de elképzelhető, hogy különféle praktikus megfontolásokból (is) a zsidó származású katonákból az első világháború idején itt-ott létrehoztak külön egységeket (az étkezési törvények betarthatóságának  vagy a vallásgyakorlás feltételeinek biztosítása céljából. – A szerk.]. Nagymamám a kornak megfelelően öltözködött, úgy, mint akkoriban volt a szokás. Gyermekeik zsidó iskolába jártak. A nagyapám, amikor másodszor is megözvegyült, akkor sokat mesélt a gyerekkoráról, mivel bejött hozzánk Galántára lakni. Az első világháborút is emlegette, de már sajnos nem emlékszem semmilyen történetre. A szüleiről nagyon keveset beszélt.

A nagyszüleim testvéreiről nem tudok mondani semmit, mert meghaltak korábban.

Az apukám, Fleischmann Gyula Pribetán (Perbetén) született 1879-ben. A család viszonylagos jólétben élt, megvolt mindenük. Sokat dolgoztak, az igaz. Apa magyar iskolába járt, a környékbeli falukban nem voltak zsidó iskolák. A szülei később Bécsbe küldték, ott tanulta ki a szódagyár működését és vezetését, azt folytatta otthon, amikor 1905-ben megnősült.

Az édesapa nagyon szerette a rendet és a fegyelmet, hasonló szellemben nevelte a gyerekeket munkára, tanulásra. Szigorú volt nagyon. Nagyok voltak már a fiúk, de nem engedte, hogy késő estig kimaradjanak. Szigorúan fegyelmezett minket.

Az édesanyám, Fleischmann Gyuláné szül. Müller Berta 1883-ban látta meg a napvilágot Alsószeliben. A falusi elemi iskolába járt. Azt hiszem, nem zsidó iskolába, mert nem volt annyi zsidó gyerek, hogy zsidó iskolát nyithattak volna. Anya Bécsben helyezkedett el, egy anyagüzletben. Kézimunkákkal is kereskedtek. Vegyesen volt ott minden. Kézimunka, méteráru, darabáru. Néha kiárusították az anyagokat. Mesélte, hogy nagyon sokat dolgoztak, de jól kerestek. A szüleim Bécsben ismerkedtek meg. Hazatértük után rögtön összeesküdtek. A lakodalmat 1905-ben Horné Salibyben [Felsőszeli] tartották,  a zsinagógában [lásd: házasság, esküvői szertartás]. Azt hiszem, hogy a helyi rabbi eskette meg őket. Nem nagyon szoktak erről mesélni, valahogy nem szakítottak ilyesmire időt. Otthon egymással német nyelven beszéltek, velünk, a gyerekekkel is kiskorunkban németül, később magyarul is beszéltek. A szüleim beszéltek magyarul, csak nem gyakran használták. Szlovákul is tudtak, de más  nyelven nem.

A  kornak megfelelően öltözködtek, egyszerűen. Nem volt olyan elegancia, mint most. Apukám öltönyben járt és kalapban. Kipát nem hordott. Édesanyám szerette a szép ruhát. Otthon is szép kendőt kötött. Ha kimentek a városba vagy akár az utcára, illetve a templomba, akkor feltette a szőke parókáját. Lehetett már  akkor is szépen öltözködni, mert olcsón vásároltuk a ruhaneműt. Amikor már a nővéreim felnőttek, szép ruhákat varrtak nemcsak másoknak, hanem nekünk is.

Négyszobás kertes házban éltünk. Külön szobánk volt nekünk, a lányoknak, Adélnak, Irénnek, Erzsébetnek és nekem. A fiúknak, Ernőnek, Ferencnek és Dezsőnek szintén külön szobájuk volt. A szüleim egy másik szobában aludtak. Az ebédlőben étkeztünk, gyakran idegenekkel egy asztal mellett. Sok szegény kosztolt nálunk. Ha bejött hozzánk egy éhes szegény, akkor az édesanyám a szobában ültette le, úgy, mint a saját családtagját, nem pedig az udvaron. A szobák szép, faragott bútorral voltak berendezve. Fürdőszobánk nem volt. A nyári konyhában állt egy kád, télen a konyhában tisztálkodtunk. Jól befűtöttünk, és egy óriási nagy katlanban megmelegítettük a vizet. Fával és szénnel fűtöttünk. Ez a helyiség nyáron konyha és  fürdőszoba is volt egyben.

Nagyon sok állatot – pulykákat, libákat, kacsákat, tyúkokat – tartottunk, édesanyám kacsákat, libákat tömött. A házunk mögött volt a kertünk. Megtermett ott a zöldség, cukorborsó, egynyáriak, egres, ribizke, gyümölcsféleségek. A kerttel az édesanyám törődött. Mi, lányok is szerettünk a kertben kapálgatni. A cseléd nem nagyon szokott ott dolgozgatni.

Az édesanyám Dolné Salibyból [Alsószeli] hozott lánycselédet. Nálunk lakott, tőlünk ment férjhez. Jolánnak hívták, a családja nagyon szegény volt. Katolikus családból származott. Finom süteményeket tudott sütni. Velünk, a lányokkal aludt egy szobában. Mi is úgy dolgoztunk, mint ő. Velünk evett, aludt, úgy vettük, mint a családtagot. Asszonykorában is eljárogatott hozzánk.

Otthon magyar és szlovák könyveket olvasgattunk, a könyvtárból kölcsönöztük. Vallásos tárgyú könyveink nem voltak, kivéve természetesen az imakönyveket. Minden ünnepre volt otthon imakönyv, még ma is megvannak. A reggeli imádságra, az ebéd utáni imára, esti imára és az ünnepekre, mint a Pészah, a Ros Hasana, a Jom Kipur. Olyankor egész nap a templomban vagyunk. A Szükesz ünnepre sátort állítottunk. Mindegyik ünnepre van imakönyvünk. Főleg a téli estéken szoktunk olvasni, mert nyáron sok volt a munka, most inkább csak az újságot – a szlovák „Pravdá“-t, persze magyar újságot is, az „Új Szó“-t. Sok idő nem akadt az olvasásra.

A szüleimre nem emlékszem, hogy jártak volna rendszeresen moziba vagy színházba. Bécsben gyakran megnézték a filmelőadásokat, azt tudom, de amint megszülettek a gyerekek, már nem. Gyermekkoromban  néha eljártak színházba, moziba itt Galántán.

Az édesapám annak ellenére, hogy szigorúan vallásos volt,  annyira nem jutott, hogy bóhernak tanult volna. Ami a vallást illeti, mindent betartott. Templomba járt, különösen, amikor már megszületett az unokája, József is. Minden reggel vagy akár este is elmentek oda. Két templom volt Galántán [Galánta a Kisalföld északi részén, az ún. Mátyusföldön fekvő város, járási székhely (1910-ben 3300 főnyi túlnyomóan magyar, csekély részben német és szlovák anyanyelvű lakossal), amely a trianoni szerződést követően Csehszlovákiához került (ekkoriban 3600 lakosa volt). 1938 és 1945 között ismét Magyarországhoz (Pozsony vm.) tartozott (lásd: első bécsi döntés). – A szerk.]. Két rabbi és két sakter is élt itt.

Édesanyám parókát hordott, kóser háztartást vezetett. Sakter járt sachtolni hozzánk.  Templomba is járt, megvette a helyet magának. Sábeszkor, szombaton nem jártak az asszonyok templomba, de ünnepekkor mindig elment.

Nem ettük meg a tréflit, csak amit a sakter levágott, vagy amit otthon készített az édesanyám. Sok zsidó cukrászda is volt Galántán. Mi a Stern bácsihoz jártunk. A kenyeret szintén zsidó pékhez hordtuk. A Lőwingeréknek nagy cukrászdájuk és pékségük volt, oda hordtuk a kalácsot. A kalácsot nem otthon sütöttük, mert nem voltak olyan sütők, mind ma, akkor csak fával és szénnel fűtöttünk. Elég volt, ha otthon megsütötték a libákat meg a kacsákat, ugyanis  tízen-tizenketten ültünk az asztalhoz. A szüleim szombaton nem dolgoztak [lásd: szombati munkavégzés tilalma], azt  megtartották, de a templomba leggyakrabban csak az édesapám járt. A fiúk nem jártak templomba, szombatonként kellett nekik kihordani a kocsmákba a szódát és a málnát. A málnát is kitöltötték az üvegekbe. Minden zsidó hagyományt és ünnepet [lásd: nagyünnepek] megtartottunk.

Purim ünnepén, pünkösdkor a bóherok színdarabot játszottak. Ez volt a besszemedresben [lásd: bét midrás]. Nőknek öltöztek, így játszottak színdarabot, nemcsak Purimra, Hanukára is.

Húsvétkor – Pészahra – külön edényt használtunk, amit egy nagy ládában tároltunk. A ládát minden évben kibéleltük tiszta papírral. A Pészah előtti napon lehoztuk. A  mindennapi edényt szintén a padlásra hordtuk, egy másik nagy ládába. Pészahra csak az ünnepi edényben főzött az édesanyám. Amint lesachtolták a baromfit, abban kóserálta az anyukám. Kibelezte például a libát, az összes eret kiszedte a nyakából [lásd: kóserítás]. Aztán egy fél órára beáztatta a kizsigerelt baromfit, majd leöntötte róla a vizet. Deszkára rakta az  összes húst és besózta. Újabb fél órára pihentette a húst, és újra leöntötte vízzel. Ezt a műveletet háromszor megismételte, csak aztán rakta le a jégre a hűtőbe. Galántán volt maceszsütöde is, a Buxbaum rabbi udvarával szemben. A Stern bácsi, a cukrász, ő is sütött maceszt, úgyhogy két helyen sült. Falukra is vitték. Falukon nem volt maceszsütő, csak Galántán. A maceszt az összes környékbeli faluba hordták, még Diószegre is. A Pészah szép ünnep volt. Új ruhát, új cipőt kaptunk olyankor. Mi, fiatalok örültünk. Manapság egyet gondolnak, és vesznek új ruhát. Akkoriban csak Pészahra kaptunk új cipőt meg ruhákat is. Nagyon szép volt az. Az ünnep eredetileg hét napig tartott, de a nyolcadik napot is megtartották [A diaszpórában nyolcnapos ünnep a Pészah. – A szerk.]. Akkor nem ettünk mást, csak maceszkenyeret, meg húsfélét, azt lehetett enni, de kenyeret nem. Az édesanyám maceszlisztből  tortát is sütött, külön borunk is volt. Manapság Izraelből hozzák azt a bort, maceszt nálunk is lehet kapni.

Azután jöttek a más ünnepek, jött a Ros Hásáná, a pünkösd [lásd: Sávuot]. Ez  kétnapos ünnep. Olyankor kidíszítettük a templomot virággal. Mi, gyerekek, örültünk, mert szerettünk járni a templomba. A halottas napon nekünk, gyerekeknek 12 éves korunkig nem kellett egész nap böjtölnünk. [Egy évben négyszer – Jom Kipurkor, Sávuot ünnepén, Pészah hetedik napján és a Szukotot lezáró Semini Aceretkor – emlékeznek meg a halottakról a zsinagógában, de itt az interjúalany feltehetően a Jom Kipurra gondol. A szerk.] Mi fél napot böjtöltünk, az idősebbek egy napot. A felnőttek egész nap a templomban voltak. Mi is elkísértük őket oda. Este aztán megvacsoráztunk. A sátoros ünnep, a szükot [Szukot] szintén nagyon szép ünnep, annak is mint gyerekek nagyon örültünk. Sátort is szoktunk építeni. Nálunk könnyű volt a sátorépítés, mert a veranda tetejéből egy darabot leszedettek, és arra mindig kukoricaszárat raktak, azzal fedték le. A sátoros ünnep hét napig tartott. Akkor volt félünnep, hét napig tartott. Két napon nem szabadott dolgozni, és a többi  meg olyan félünnep volt. Az utolsó napot szintén megtartották, olyankor szintén nem dolgoztak. Szép, nagyon szép volt. A templomot  is kidíszítették. A Hanukára nyolc napon keresztül sorjában meggyújtottunk nyolc gyertyát, a kilencediket, amivel gyújtogattuk a gyertyákat, mindig eloltottuk.

Az édesanyám sok libát, kacsát vágatott. A sakter eljött hozzánk, nálunk vágta le a borjút. Legtöbbször húst, krumplit, tésztaféleségeket fogyasztottunk. Anya gyakran sütött szombaton barheszt és halat főzött. Diós halat is készített [A halszeleteket zöldséggel (vöröshagyma, petrezselyemgyökér, sárgarépa) puhára főzik, majd kevés liszttel összekevert tejfölt darált dióval vegyítenek, és ezzel a szósszal leöntik, és kissé megsütik a halat. Másik változatában a habarék vízből, fokhagymából, darált mandulából és dióból állt. – A szerk.]. A bóherok is, akik szegények voltak, gyakorta étkeztek nálunk, az édesanyám meghívta őket vacsorára. Minden zsidó család meghívta ezeket a szegény bóherokat péntek estére, szombatra ebédre. Szombaton ebédre sóletet ettünk – a sólet babbal készül, hasonló, mint a bableves, de édesanyám mindig beletette a darált hússal töltött libanyakat, amit elkötött. A liba hátsó fertályát is beletette, azt különösen szerettem. Én voltam a legfiatalabb, nekem is kellett segítenem, amikor a pékhez vittük a sóletet. Mindig két nagy fazékkal vittünk. Nem volt rossz élet, mert ennivaló bőven volt, és aki akart dolgozni, az dolgozhatott és keresett is.

Csak azt ettük, amit a sakter vágott le. Olyan vágóhíd is volt, ahol csak kósert vágtak, kóser marhákat. Ott vásárolt az édesanyám. Leggyakrabban marhahúst vett levesnek vagy májat, de a többi húsféleség nálunk mind baromfi volt. Minden héten szerdán vagy csütörtökön levágatott 4–5 libát, kacsát, csibét, már amikor megnőttek. Ami jött. Kóser volt minden, disznóhúst nem ettünk soha. A tejes napokat is megtartottuk. Egy évben hat tejes nap van. [Tisá Beáv előtt van az úgynevezett nájn tég, amikor csak tejes ételeket lehet enni. – A szerk.] Olyankor nem ehettünk zsírosat, ezért anya  csak tejjel főzött. Túró, vaj is volt nálunk. Csak tejeset, zsírosat nem főzött. Tejes ételre zsíros ételt hat óra után lehetett fogyasztani, és fordítva [lásd: Húsos étel – tejes étel].

Az édesapám idősebb korában már nem dolgozott, csak dirigált. Eljárt a zsinagógába. A Buxbaum templomban naponta imádkoztak, mert ott voltak a bóherok. A Seidl templomban nem imádkoztak mindennap. Ott csak hetente háromszor-négyszer imádkoztak, mert nem jöttek össze az emberek. Az édesapám minden pénteken eljárt a mikvébe.

Az asszonyok nem jártak a zsinagógába. Ők csak ünnepnapokon mentek el oda. Az édesanyám többször is eljárt a mikvébe, együtt a többi asszonyokkal, akár pénteken vagy hétköznap is.

A szombat már pénteken este kezdődött. Körbehordtak egy táblát, fel volt rá írva, hogy mikor kell gyertyát gyújtani, és mikor kell templomba menni. Akkoriban zsidó újság is volt, beleírták azt is. Azt hiszem, úgy hívták, hogy „Ros Chódes“. A hitközségtől kaptunk egy táblázatot egész hónapra, nem, egész évre, hogy melyik hónapban mikor kell gyertyát gyújtani. Télvíz idején hamarabb kell meggyújtani. Nyáron péntek este gyújtunk gyertyát hét órakor, fél nyolckor, most már hat előtt. A nagyobb fiúk általában kihordták szombatra az árut, a szódát, málnát. Szombaton nem szoktak dolgozni, pihentek, de előfordult, hogy mégis ki kellett menniük az áruval.

Anya a bárheszt már pénteken kelesztette. A zsidó pékek megfonták, megsütötték, nagyon szépen. Sok bárheszt sütött, kicsit-nagyot, sokat kellett, mert sokan voltunk.

Miután apa visszatért a mikvéből, elment a templomba. Az édesanyám közben meggyújtotta a gyertyákat. Apa hazajött, leültünk az asztalhoz. Édesapa pohárba töltötte a bort, imádkozott, és fölvágta a bárheszt. Mindenkinek adott egy darabot, és elmondtuk az imát, a bróchét [lásd: áldások], és aztán megvacsoráztunk.

A szüleim nem avatkoztak semmi politikába. Őket csak a család és a munka érdekelte. Az édesapám nem lépett be semmilyen szervezetbe, a bátyáim sem.

Az édesapa harcolt a[z első] világháborúban, azt tudom, hogy kint volt. Azalatt az édesanyám vezette a szódagyárat a legidősebb bátyámmal. Talán nyolc éves lehetett a bátyám. Nem emlékszem arra, mert még nem éltem. Apa gyakran  szokott mesélni a háborúról, a katonapajtásai is a környéken éltek. Vasárnap délután összeültek, beszélgettek és szivaroztak, de a füsttől nem lehetett velük bent maradni egy helyiségben. Ott aztán beszélgettek a háborúról. A fronton, az orosz fronton teljesített katonai szolgálatot.

Voltak zsidó és nem zsidó szomszédaink is. Nagyon jó viszonyban voltunk. A vendéglős tőlünk vitte az árut, a szódát és a málnát. Az egyik szomszéd festő volt. Mindegyikkel jóban voltunk. Úgy a szegénnyel, mint a tehetősebbekkel. Én nem zsidó lányokkal is barátkoztam.

Szüleim, hát arra annyira nem emlékszem, hogy barátkoztak volna valakivel. Mindenkivel jóban voltak. A templomban hárman-négyen ültek együtt egy padban, úgy, ahogy a templomban szokás. Az édesapám zsidó vendéglőbe járt, az Ehrnwald kocsmába. Oda beültek ezek az idős emberek, megittak egy pohár stamperlit és beszélgettek. A bátyáim és a többi fiatalember szintén oda jártak, kártyázni szoktak. A nők nem jártak el oda, csak a férfiak. Az anyukám legtöbbször csak otthon tartózkodott. Az édesapa ismerősei között egyaránt voltak zsidók és nem zsidók is. Nem számított náluk a vallás. Vendéglőben a zsidókkal szórakozott, hozzánk pedig bejártak a bajtársai.

Édesapámék fiatalabb korukban eljárogattak a pöstyéni fürdőbe is [lásd: Fürdő és üdülőhelyek az Osztrák-Magyar Monarchiában], de amint idősebbek lettek, már nem. Az édesanyám epebeteg volt. Akkoriban ilyesmi betegségeket nem gyógykezeltek, hagyták, hogy szenvedjen az ember.

Anyukám testvéreiről nem tudok semmit. A  bátyja elesett az első világháborúban. A húga Bécsbe ment férjhez, ő is korán meghalt.

Az apukámék sokan voltak testvérek. Apa akkor látogatta meg őket, amikor kiment a perbetei temetőbe. Olyankor jöttek össze a testvérei is. Én nem jártam vele Perbetére. A szüleim bennünket, gyerekeket nem vittek magukkal, mert akkoriban csak lovas kocsival utazhattunk. A szünidő alatt is inkább a nagyobb gyerekekkel utaztak. Hozzánk itt-ott bejöttek a rokonok, meglátogattak, majd elmentek. Szorosabb kapcsolat nem alakult ki, valahogy nem értek rá. Mindenki annyit dolgozott, hogy megélhessen, és sok gyerek volt mindenhol. Nem nagyon ismertem őket.

Az édesanyám a saját rokonaival fenntartotta a kapcsolatot, ők közel laktak hozzánk. Az egyik unokatestvére nem messze tőlünk, Szentpéteren [Valószínűleg a Nyitra vm. galgóci járásában lévő Vágszentpéterről (Svätý Peter pri Váhu) van szó, amely az első bécsi döntéssel nem került vissza Magyarországhoz. – A szerk.] élt a családjával. Svätý Peter Szlovákiában maradt akkor is, amikor mi magyarok lettünk. A bácsi a feleségével és a lányával gyakran meglátogatott minket. Az édesanyám ugyan nem ment el hozzájuk, de ők gyakran eljártak hozzánk. Nagyon szépen kézimunkáztak, saját üzletük is volt, ahol színes, hímzett, összehúzhatós blúzokat is árultak. A kézimunkát asszonyok végezték, akik bedolgoztak nekik. Nekünk is hoztak ajándékba mindenféle színű blúzokat, valóban szépek voltak. Hodyban is laktak rokonok [Hódi – kisközség Pozsony vm.-ben. – A szerk.]. Hody 3 kilométerre van Galántától, ott is éltek anya unokatestvérei. A bácsikra is emlékszem. Az egyik, a Gross nevezetű intéző volt. Az édesanyám is Gross lány volt. A többi testvérrel is tartottuk a rokonságot.

Gyermekkoromban Galántán körülbelül háromszáz zsidó család élhetett [Az 1941-es népszámlálás szerint Galántán 1216 főnyi zsidó lakosság élt, a város népességének 23,9%-a. – A szerk.]. Nagyon szépen éltünk, mert jóban voltunk a szomszédokkal és senki sem bántotta egymást. Az emberek szépen öltözködtek,  eljártak táncolni és szórakozni. 

Galántán két ortodox hitközség jött létre, két sakter közül lehetett választani. Az egyiket Vogelnak hívták. A másik sakter pedig a Seidl rabbi fia volt. Mindegyik templomban kántor is működött, a Vogelhoz jártak a fiatalabbak, a másik kántor, azt hiszem, a Buxbaumnak volt a fia. A Buxbaum rabbi nagyon híres volt. Nagyon sok bóher tanult itt, a Beszemedresben [bét midrás]. Az egy óriási épület volt, mivel  Galántán nagyon sok bóher tanult. Azt hiszem Londonból is voltak, több helyről. A bóherok számára volt egy kifőzde is.

A mikve a templom közelében állott. Csak az idősebbek látogatták. Ünnepnapokon is jártak. Az esküvő előtt kötelező volt ott a látogatás. Én is akkor voltam ott. Különben nem jártak oda el a fiatalok, csak a szülők. Az édesanyám hetente minden péntek délután elment oda, az édesapám is, ha volt rá ideje, mert nagyon el voltak foglalva. Általában el-elmentek oda.

A zsidó gyerekek Galántán zsidó iskolába jártak. Itt volt a templom előtt, ott, ahol a műemlék látható [a holokauszt-emlékmű]. Öt osztályt nyitottak. Onnan a polgáriba [lásd: polgári iskola] lehetett átmenni, ahol már vegyesen voltunk, zsidók és nem zsidók. Legtöbben a szlovák falukból, Nyebojszáról, Hódiról és Diószegről jártak be ide, már akik a szlovákba akartak járni. Galántán szlovák iskola és magyar tannyelvű iskola is létezett. Nekünk nem volt kétnyelvű iskolánk. Ha magyar iskolába adtak, akkor az katolikus iskola volt. A polgári nem volt kötelező.

Galántán a zsidók üzleteltek. Rengeteg üzlet, nagy raktárok voltak. Kereskedtek is. Igazán jellemző zsidó foglalkozásról Galántán nem beszélhetünk, mindenkinek megvolt a saját üzlete. Szakemberek és mesteremberek is éltek itt szép számmal, például bádogosok,  de több volt az üzletember.

A városban volt folyóvíz. Artézi kút is működött bent a városban. Otthon mindenki a saját kútjáról hordta a vizet. Nekünk is volt saját kutunk, villanyunk is. Télen szénnel és fával fűtöttünk. A mellékutak földesek voltak, csak bent a városban kövezték ki az közutakat. Mi a házunk elé járdát csináltattunk. Galántán lovas kocsikkal közlekedtek. Csak néhány kereskedő szállította az árut teherautón. Személyautó is akadt egypár, a Deák Ferencnek, a Kalischéknak, nekik volt. Legtöbben fiákerrel közlekedtek, ha valahova akartak utazni. Galántán a piacon élénk kereskedés folyt. A  katolikus templom és a valahai bank  között volt a piac, ahol gyümölcsöt, zöldséget és baromfit árultak. Az édesanyám járt el oda leginkább, én az iskolában ültem. A nagyobb bevásárlásnál a szomszédasszony vagy a lánycselédek segítettek. Anya baromfit szokott vásárolni, zöldséget nem nagyon, mert volt kertünk, és faluról is elláttak az ismerősök. Halat a galántai állomáshoz közel, egy üzletben rendeltük. Az üzletest Deák Ferencnek hívták.

Vásárokra nem jártam, csak az édesapám és a bátyáim, ők jártak oda eladni és vásárolni is, főleg állatokat. Leginkább eladásra vitték oda az állatokat. A legidősebb bátyám Kadányban volt katona. Csehországba járt állatokért, szarvasmarháért, azokat aztán elvitte a vásárra eladni. A legidősebb nővérem naponta húsz tehenet is kifejt. Először mindig kifejte a tejet, aztán adták el a teheneket.

Gyerekkoromban egyáltalán nem találkoztunk antiszemitizmussal. Mi, gyerekek, jóban voltunk mindenkivel. Mifelénk nagyon sok szegény ember lakott. Megvoltunk mindegyikkel, kisegítették egymást. Azt hiszem, hogy a zsidóság mindig segítette az embereket. Az édesanyám, mivel nálunk sok tej volt, túrót, vajat, tejfölt is készített. Ha valamelyik megszorult, az édesanyám adott nekik belőle. Viszonzásul aztán ledolgozták  aratáskor vagy a kapáláskor. Kenyeret nem adott, mert mi is a pékhez vittük a kenyértésztát. Én cipeltem a hátamon, mivel én voltam a legfiatalabb, nekem kellett anyának segíteni. A többiek, a nővéreim már dolgoztak. Én iskolába jártam. Ha az édesanyámnak segítségre volt szüksége, bárki önzetlenül eljött. Bár ma is olyan világ volna, mint akkor!

Nem emlékszem semmilyen katonai felvonulásokra vagy bármilyen hazafias megnyilvánulásokra. A háború előtt, a régi Csehszlovákia alatt is voltak kommunista fölvonulások. Május elsején nem engedték meg, hogy kimenjünk, mert olyankor a kommunista párt tagjai vonultak fel. A szüleim nem voltak  párttagok. Egyáltalán senkit sem bántottak. Nagyobb politikai események itt nem voltak, csak 1940-ben, amikor előtérbe került a Hitler. Azelőtt nem. 

Galántán születtem 1924. május 28-án, a [mai] Billa üzlettel szemben lévő házban.  Annak ellenére, hogy az iskola mellett volt a zsidó óvoda, engem nem adtak be oda. Mire én elkezdtem járni az iskolába, addigra már meg is szűnt. Dadám nem volt, a cselédlány vigyázott rám. A házunkhoz nagy udvar is tartozott. Kicsi koromban ott játszottam a szomszéd gyerekekkel. Galánta közepén volt egy nagy földmélyedés. A mai Billával szemben van egy utca, amelyik a kórházhoz vezet. Ott mind-mind üres telek volt. A mélyedés egyik részét szemétdombnak használták,  a másikon meg szőlőt termesztettek. Mi ott babáztunk nyáron, télen meg szánkóztunk. A süllyedésből később strand lett. Nem úgy éltünk, mint a mai gyerekek, hogy annyi a labda meg a bicikli. Nem volt akkor nekünk se biciklink, meg semmink, mégis el tudtunk játszani. Az édesapám trenderlit [lásd: denderli] faragott söprűnyélből, és aztán héber betűkkel körülírta. Azt megforgattuk. A tét mogyoró volt.

Öt évig jártam zsidó iskolába, ide, Galántára. Az iskola a  templom mellett állott. Buxbaum rabbi legfiatalabb lánya, Miriam volt a barátnőm. A polgáriban szlovák nyelven tanultunk. Kedvenc tantárgyaim… nem mondhatnám, muszáj volt, hogy mindegyik kedvenc legyen. Olvasni nagyon szerettem. A tanári karban vegyesen voltak férfiak is, nők is, jók is, de akadtak túl szigorúak is. A számtantanár különösen szigorú volt. A Vörös tanár úr, aki a számtant tanította, mindig ütött bennünket. Az arca is vörös színű volt, meg a neve is. A pálcájával ha kellett, ha nem, mindig a vállunkra ütött, és az nagyon fájt. Beszélgetni és nevetni sem volt szabad. Nagyon szigorú volt. Voltak jó tanítóink is. Legjobban a hittant szerettem. A Seidl rabbi lánya tanította, a Malkele. Sajnos nem fejeztem be a polgárit, ugyanis 1938-ban bejöttek a magyarok [lásd: első bécsi döntés]. Megszállták ezt a részt, és a szlovák iskolák megszűntek. Ezért a harmadik polgárit nem fejezhettem be, csak a 2. osztályt, mert  nem akartam magyar iskolába járni. Magyarul nem tudtam sem írni, sem olvasni.

A polgáriban nem tapasztaltam antiszemita megnyilvánulásokat. Galántáról kevesen jártunk, a legtöbb osztálytársam falusi volt. Nyebojszából, Hodyból, Gányról jártak ezek a szlovák lányok. Leginkább zsidó lányok jártak szlovák polgáriba, mert itt fizetni kellett. A könyveket és az irkákat is meg kellett venni. A közelben állt a katolikus kápolna, ahol a park van. A kápolnát a kommunisták alatt lerombolták. Oda beültünk mi, galántaiak, és megvártuk a többieket, akik gyalog jöttek Nyebojszáról, Hodyról, Gányról. Mindig megvártuk őket. Még a mai napig is, akik még életben vannak, fölkeresnek. Bejönnek ide. Igaz, már régen találkoztam velük. Nem volt akkor antiszemitizmus, legalábbis nem éreztük. Különórákra, nyelvórákra, zeneórákra nem jártam. Otthon sokat kellett segíteni. Magyar, illetve szlovák nyelven kívül németül is tudok. Németóra volt a polgáriban és az iskolában is. Már sokat elfelejtettem, mert nem beszélünk.

Felnőtt fejjel kalap- és sapkakészítést tanultam, úgynevezett „modisztkának“ készültem egy idős zsidó néni mellett Galántán. A nénit Schultz Jitkának hívták, Schultz néninek, vagy főnöknőnek szólítottuk. Nagyon szépen dolgozott. Saját üzlete volt,  esküvőkre készített fejdíszeket, fátylakat, nagyon sokan rendeltek tőle, kalapot, sapkát. Amikor visszatértem a lágerból, már nem folytattam a mesterségemet, mert az ilyen cikkeket gyárilag állították elő.

A zsidó iskolában a velem egykorú falusi lányokkal barátkoztam. Hodyból, Nyebojszáról Gányból, de Galántáról is voltak barátnőim. Ők még élnek, ha találkozunk, akkor úgy örülünk egymásnak, mint gyerekkorunkban, de sajnos, már csak kevesen vagyunk.  A barátnőim zsidók is meg nem zsidók is, ez soha nem volt számomra szempont.  Zsidó már nincs is itt, ők kimentek Izraelbe,  Kanadában is él ma egy nagyon jó barátnőm, kiskoromtól barátkoztunk. Született Löwinger lány, a férje után Neumannak hívták. A férje meghalt, a lányai kimentek, és ő követte őket. Rendszeresen jár haza is, a temetőbe szokott jönni a férje sírjához, Losoncon van, azt hiszem. A fiam, Pavel is ott van Kanadában, és mindig üzenetet hoz tőle.

Volt egy barátnőm, aki ma Izraelben él. A zsidó temetőben laktak, ott volt a lakásuk. Temetőőrök voltak, ők ásták ki a sírokat is. Együtt jártunk a zsidó iskolába. Vele barátkoztam egészen addig, míg el nem vittek bennünket. Szombaton délután, amikor már szabad volt, akkor kimentünk. A park akkor már létezett, oda kimentünk, leültünk és szórakoztunk. Amint nagyobbacskák lettünk, szombat délutánonként összejövetelekre jártunk. Az egyik fiúnak volt egy nagy garázsa, nyaranta ott leültünk a padokra, énekeltünk. Ünnepnapokon és szombatonként délután kimentünk sétálni, szórakoztunk együtt a fiatalokkal. Szombaton nem csináltunk semmit. Péntek délután kitakarítottuk a szobát. Délután eljöttek a lányok, és beültünk, szórakoztunk. Beszélgettünk, rádiónk volt, de azt szombaton nem hallgathattuk. Este már nem jártunk sehova. A szombat délutánt a barátokkal, este a szülőkkel és a testvérekkel töltöttem.

Vendéglőbe csak akkor kezdtem járni, amikor polgári iskolába léptem. A  Kalisch vendéglőben előadásokat is tartottak. Főleg színdarabokat mutattak be, de táncmulatságokat is rendeztek. Én csak a magyarok alatt voltam ott. Szombat este jártunk oda táncolni a testvérekkel. Velük mehettünk, és aztán a barátokkal voltunk együtt. A fiúk legjobban a többi fiatalokkal szerettek kimenni és szórakozni. Ha idejük megengedte, szombat este eljártak táncolni a Maxler vendéglőbe. A vendéglő kertjében nyáron, télen pedig bent a vendéglőben táncoltak a fiúk, lányok egyaránt. Eleinte a nővérem is kijárt a bátyáimmal. Amikor már nagyobbak voltunk, egyedül is jártunk. Nem nagyon szerettem odamenni. Volt egy klubunk is. Ott azok a  fiúk játszottak vasárnap délutánonként, akik a zeneiskolába jártak. Hegedűszóra táncoltunk minden héten. A nővéreim másik vendéglőbe jártak. Mi, fiatalabbak itt táncoltunk a Kalisch vendéglőben.

Szünidő alatt, amikor fiatalabb voltam, a szülőkkel meglátogattuk a falusi rokonokat lovas kocsival – hintóval. A bátyám vagy a szolgánk volt a kocsis. Leginkább azonban a fiatalokkal voltam együtt. Szabadidőmben a barátnőkkel moziba és színházba jártunk. Volt színház is.

Nyaralni a szülőkkel nem jártunk, ők már idősebbek voltak. Nem úgy volt sajnos, mint most, a mai gyerekekkel, hogy a Tátrába járnak. Nem, akkoriban nem jártunk nyaralni. Cionista táborba sem jártunk. Itt nem volt semmi olyasmi.

Gyakran utaztunk vonattal, mert Pozsonyba ment férjhez a nővérem. De autóval... Autóbusszal a magyarok bejövetele után az édesanyámmal voltam [Alsó]Szeliben, a temetőben.

Három bátyám van, mindegyikük Kajalon jött a világra [Kajal=Nemeskajal, kisközség volt Pozsony vm.-ben, 1910-ben 1500 főnyi magyar ajkú lakossal. Trianon után Csehszlovákiához került. – A szerk.]. A legidősebb,  Dezső 1908-ban,  Ferenc 1910-ben, és a harmadik, az Ernő 1913-ban született. A legidősebb nővérem, Adél 1906-ban Dolné Salibyben [Alsószeli], a másik nővérem, az Irén 1918-ban, az Erzsébet pedig 1920-ban született. Irén és Erzsébet már Galántán látták meg a napvilágot.

Gyermekkoromban a  legtöbb időt az Ernő bátyámmal töltöttem. Ernő nagyon ügyes volt. Kerékpáralkatrészeket vásárolt az alkatrészes üzletben, ahol dolgozott, és otthon aztán teljesen egyedül összerakott magának egy dupla biciklit. Elvitt magával biciklin kirándulni, jártunk az erdőbe, ha nyílott a hóvirág és az ibolya. Azt szerettem a legjobban, mert ő, amikor már dolgozott, mindig adott nekem pénzt, hogy zsemlyét vegyek magamnak a péknél. Akkor az nagy szó volt az iskolában, hogy vehettem a péknél vagy a cukrászdában tortaszeletet, ha otthon nem volt sütemény. Ernő maradt végig a legjobb testvérem. Amikor 1945 júniusában visszatértünk a lágerból, vele voltam, míg férjhez nem mentem 1946-ban.

A testvéreim sportoltak. Ferenc bátyám, a középső focizott. Dezső nagyon szeretett lovagolni. Mint huszárkatona is a lovasságnál szolgált. A legfiatalabb fiútestvérem, az Ernő, biciklizni szeretett, járta velem vagy a barátaival a falukat. A lánytestvérek közül a legidősebb, az Adél szeretett kézimunkázni.

Adél otthon dolgozott. Nagyon sok állatot neveltünk, és velük foglalkozott. A másik két nővérem varrónőnek tanult ki. Később ők ketten szalont nyitottak. Én kalapkészítéssel foglalkoztam. A fiúk közül Ferenc és Dezső a szódagyárban dolgoztak. Volt több szódagyár is Galántán, de kocsikkal nem hordták ki az árut, csak a mieink. A szódát Kajalra, Nyárasdra, Kis Mácsédra, Nagy Mácsédra, Taksonyra, Szelibe és Vágára szállították. Nem is tudom, talán ötven kocsmába is szállították a szódát. Naponta többször is megfordultak. A legfiatalabb, Ernő műszerésznek tanult ki. Kerékpárüzletben is dolgozott addig, amíg el nem ment.

A legidősebb lánytestvérem, az Adél  1934-ben ment férjhez Pozsonyba. Egy fia és egy kislánya született. A fiúk még nem voltak nősek. A legidősebb, Dezső 1942-ben eltűnt az orosz fronton. A másik kettőt, Ferencet és Ernőt kivezényelték munkaszolgálatba az orosz frontra mint magyar katonát. Ahogy közeledett a front a magyarok felé meg Szlovákia felé, akkor ők elszöktek. Addig bujdostak, amíg föl nem szabadultak. Maguk se tudták szegények, hogy merre jártak, mert a sötétben szöktek, nappal pedig elbújtak a szalmába, szénába. Sokat éheztek. Nyers répát ettek a határban, amit csak találtak. Nem voltak egyedül, nagyon sokan velük tartottak. Akadtak olyanok is, akik elbújtatták őket. Főleg a környékbeliek, ismerősök rejtegették őket, falukon mindenfelé. A nővéremet  1938-ban Pozsonyból hazaküldték Galántára lakni. Mind a két gyereke itt született. A fiúcskát Józsefnek, a kislányt Erzsébetnek hívták. A másik két testvéremet, engem, a szüleimet és a nővéremet a két kisgyerekkel elvittek Auschwitzba. Onnan csak mi hárman, Irén, Erzsébet és én  tértünk vissza.

Irén és Erzsébet a háború után férjhez mentek. Irén nővérem Vlčanyra [Vágfarkasd] ment férjhez Rosenzweig Lajoshoz. Gyümölcskereskedése volt. A házasságból egy lányuk, Viola született. [Vág]Sellyén dolgozott a kórházban mint rehabilitációs nővér. A férje tešedíkovói [Pered] származású. Szintén egy kislányuk született. Amikor meghalt az Irén nővérem, akkor Viola családostól kivándorolt Amerikába, és ott még egy fia született.

Erzsébet férje az én férjem testvére, és Adler Gyulának hívják. Trsticére [Nádszeg]  mentek lakni, de végül Galántán telepedtek le. Itt is haltak meg. Három gyermekük született. A három közül kettő Szlovákiában él. Az Éva Vrbovén [Verbó] és a  Sanyi  Trnavában [Nagyszombat] lakik. A másik lánya meg kint van Ausztráliában. Mindkét nővérem házastársa zsidó.

Ernő bátyám Izraelben élt. Eredetileg géplakatos volt. Egy lánya született neki, aki ma Londonban él. Nem tudom, mi a foglalkozása. Ernő felesége [Vág]Sellyéről származott. Krammer Szidóniának hívták. Harmadik unokatestvérek voltak, de csak Izraelben kezdett neki udvarolni. Akkón települtek le.

Ferenc bátyám itt lakott Galántán a szülői házban. Kereskedő volt. Marhákkal kereskedett. Utána a földműves-szövetkezetben dolgozott. A felesége neve Fleischmann Sára. Mindketten már meghaltak. Három gyerekük született. Fleischmann Tomás tévészerelő, a Juraj röntgenes a kórházban. Mindkét fiú Sellyén lakik. A lányuk Galántán dolgozik a kórházban mint urológus. 

A  háború után továbbra is betartottuk a zsidó hagyományokat. A testvéreim is. A mai napig is tartják a vallás által előírt szabályokat. A gyerekeik és az unokák szintén. Bizonyára meséltek nekik  a testvéreim a háborúról.

Én nagyon szerettem az ünnepeket mint gyerek, és mint felnőtt is szerettem. Olyankor  mindig szépen felöltöztünk, és mentünk a templomba. Összejöttünk a barátnőkkel is. Leginkább a farsangot, a Purimot szerettük. Gyerekkoromban jelmezbe öltöztettek,  mint a maszkabálba. A bóherok színdarabot tanultak be. Általában vallási tárgyú előadásokat mutattak be, valamint a táncról, hogy hogyan táncoltak a fiatalok régen. Mi, gyerekek is felléptünk. Ezt az ünnepet már csak azért is nagyon szerettük, mert a rokonság megajándékozta egymást. Süteményeket sütöttünk, azokat mi, gyerekek vittük el a rokonokhoz [lásd: sláchmónesz]. Ezért némi pénzt is kaptunk. Később is nagyon örültünk ennek az ünnepnek. Máig is megtartjuk a farsangot, de sajnos ma már nincs olyan szokás, hogy egymásnak ajándékokat küldözgetnek. Például az unokám, amíg kisebb volt, szintén örült neki, mert minden ismerős, barátnő hozott süteményt vagy virágot. Szintén tartottak előadásokat is, de ma már sajnos ilyesmi nincs. Pozsonyban ugyan még él ez a szokás, még most is tartják. A rabbi mindig küld meghívót. A gyerekeknek az óvodában előadást tartanak erről az ünnepről. Zuzanka, a másik unokám Brünnbe ment férjhez, és ott is farsangolnak. A gyerekek nagyon örülnek neki. Ezt szerettem a legjobban én is.

Zsinagógába minden szombaton jártam. Ez iskolás koromban kötelező volt. Aztán már csak ünnepnapokon mentünk oda. A fiúk katonaság után már kevesebbet jártak templomba, csak szombaton vagy a nagyünnepekkor. Szombatokon csak az édesapám, mert nálunk előfordult, hogy szombaton is jöttek az áruért, akkor a fiútestvéreim kiadták nekik. Ezért szombaton nem nagyon mentek, csak olyankor, ha az idejük megengedte.

A szülők a zsidó hagyományokból és a vallásról mindent átadtak nekünk. A főzést, az étkezést és a vallást. A hitet megtartani. Az édesapámmal keveset, inkább a nővéreimmel tanultam. Amíg hittanra jártam, akkor segítettek megoldani a hittanfeladatokat, az iskolai dolgokat meg mindent. Ha volt idejük, akkor esténként segítettek. A zsidó elemiben héberül tanultunk írni és imádkozni. Iskolán kívül volt hittanóránk, a Seidl rabbi  lánya tanította.

Nekem volt bát micvám. Úgy zajlott le, hogy 13 éves koromban a templomban felolvasták a nevemet, a férfiak imádkoztak. Nagyon jó érzés fogott el, délután meghívtuk a barátnőket, ismerősöket. A szülők megvendégelték őket. Még ma is van, ma is tartják. Az unokámé, Michelle-é tavaly volt. Kanadában 12 éves korban tartják. Az első Csehszlovák Köztársaság alatt Galántán 13 éves korban tartották. A nővéreim bát micvájára már nem emlékszem pontosan.

A holokauszt előtti korszakban még nem kerestem, mert még csak inaslány voltam. A szüleim tartottak el. Kalapokkal dolgoztam, menyasszonyi fátylakkal, sapkákat varrtunk. Én még nem voltam kitanulva. Aki már kész volt, az ott maradhatott az üzletben, és fizetést kapott. A társaim tudták, hogy zsidó vagyok, mert a néni, akinél tanultam, ő is zsidó volt. A másik tanulólány szintén zsidó volt. Az elkészült kalapot vagy a menyasszonyi fátylat én szállítottam házhoz, és borravalót is kaptam.

Ahogy inaslány lettem, a barátnőim, akikkel szombatonként összejöttünk, ők zsidó lányok voltak, az utcabeliek pedig katolikusok voltak. Bejöttek hozzánk az udvarba, vagy  kint az utcán játszottunk. Az uzsonnámat is megosztottam velük, mert majdnem mindegyikük szegény családból származott. Tudták ők mind, hogy zsidó vagyok, de nem volt emiatt soha semmi  probléma.

Antiszemita megnyilvánulással 1938-ban találkoztam először, amikor a magyarok bejöttek, és megszálltak bennünket. Nem mehettem többé az iskolámba, mert megszűnt a szlovák polgári, és magyar polgáriba már nem vettek fel. Szlovákiából már 1940-ben vitték ki Osvienčinbe [Auschwitz] a fiatalokat és az időseket [Pontosabban: 1942 márciusában kezdődtek a deportálások. Lásd: deportálások Szlovákiából. – A szerk.]. Az utcán már megjegyzéseket tettek a rovásunkra. A rég itt lakók azonban ezt nem csinálták, csak azok, akiket megfizettek, hogy bántsanak bennünket. Aztán a magyar csendőrök is bántottak minket. Az édesapámat is megverték. Eljöttek, hogy elviszik a szódagyárat, az állatokat és mindent. Az édesapám természetesen nem engedte. Ez 1943-ban történt. Az édesapám semmiféleképpen nem engedte, ezért a magyar csendőrök megverték. Végül apám szódagyárát Belopotocký galántai szódagyáras tulajdonította el. Bátyáim nem voltak már otthon. A legidősebbet [Ferenc] elvitték 1942 januárjában mint katonát. Nemsokára be kellett vonulnia a másik két bátyámnak [Dezső és Ernő] is munkaszolgálatra

A zsidótörvények értelmében a nővéreim nem varrhattak a saját szalonjukban. Azt be kellett zárniuk, más munkalehetőség viszont nem akadt. Az otthoni készletekből éltünk, volt baromfink és miegymás. 1944-ben a lányoknak, akik otthon voltak, be kellett menniük dolgozni. A szülőknek nem. A mi utcánkból, abból az utcából, ahol születtem, alakult meg a gettó 1944. március 15-én, akkor még nem voltam húszéves sem [A gettóban, melyet a zsinagógában és körülötte rendeztek be 1944 májusában, 1100 helyi és 600 környékbeli faluban élő zsidót zsúfoltak össze. – A szerk.]. A városban, akinél volt hely, lehetett az akár raktár is, oda faluról behozták a zsidókat, és ott szállásolták el őket. A jobbik esetben szalmán aludtak, vagy éppen amijük volt. Nekünk addig nem kellett elhagyni a házunkat, amíg el nem vittek bennünket a majorba. Nálunk a Dolné Saliby-i [Alsószeli] rokonság lakott, a Leichtnerék. Először csak a rádiónkat kobozták el, viszont 1944-ben már semmink se maradt, mert mindenünket elvettek [lásd: zsidótörvények Magyarországon. „Hivatalosan“ 1944 áprilisában rendelték el a rádiók bejelentésének, majd beszolgáltatásának kötelezettségét. – A szerk.]. Néhány holminkat eldugtak a távolabbi szomszédok, például a nővérem oda rejtette a kelengyéjét. A legidősebb nővérem [Adél] elásott egy kis dobozt a spajzba, azt később megtaláltuk. Benne volt az édesanyám lánca, egy vastag aranylánc, amit Bécsben vett magának, és egy-két karóra. Az megmaradt. A gettóba tilos volt bármit is bevinni. A mi egész utcánkból gettó lett, a rendőrök állandóan őrizték.

A gettót csak külön engedéllyel lehetett elhagyni, például ha orvoshoz akart menni az ember. Az engedélyt az SS-ek adták. Csillagot mindenki viselt. Az kötelező volt. Ha nem volt kabát, akkor a ruhán vagy a szvetteren. Nem vihettünk magunkkal semmit a majorba, csak egy kis táskát. Minden holminkat a házban  kellett hagynunk.

1944 májusában vittek el minket otthonról. Mindenkit. Elszállásoltak bennünket a galántai majorban, amely a diószegi cukorgyárhoz tartozott. A majorból az állatokat kivitték valahová, és a helyükön laktunk, aludtunk. Szalmán háltunk. A fiatalságot munkára vitték. Kapáltunk, gyomláltunk, nehéz munka volt. Fizetést nem kaptunk. Ebédre krumpli-, marharépa-, illetve cukorrépalevest és hasonlókat ettünk. A szülők főztek, mert mi, fiatalok a galántai határban dolgoztunk, egészen Hodyig. A földeken cukorrépát és kukoricát termeltek. Az idősek a majorban maradtak, ők csak feküdtek a szalmán. A fiúkat és a lányokat 14 éves koruktól dolgoztatták. A majorban az önkéntes magyar csendőrök és az FS-ek ügyeltek ránk. Az FS-ek karszalagot viseltek [Freiwilligerstaffel (FS) – német önkéntes osztag. – A szerk.]. Ma már senki nem él közülük. Főleg magyarok voltak, de sajnos, itteni származású is akadt közöttük.

Egyszer Alsószeliből az édesanyám behozott egy nagyon szegény keresztény családot. Falun csak nyáron akadt munka. Ez a néni férjnél volt. Nem tudta eltartani a két gyerekét. Nagyon szegények voltak. Az édesanyám talált neki munkát, mert Alsószeliben csak a földeken volt munka. Télen nem lehetett a földeken dolgozni. Pesten is szolgált, de abból sem tudtak megélni. Az édesanyám Szeredben szerzett neki munkát, a néni odajárt mosni, takarítani. Hozzánk is járt kisegíteni. Lakást is szerzett neki itt Galántán. Még most is élnek a gyerekek. Az egyik fiút, aki húsz éves volt, kényszerítették, hogy lépjen be a Hitlerjungendbe. Felkeresett bennünket a majorban, és arra kérte a szüleimet, hogy menjenek vele, és ő majd elbujtatja őket. Előre megmondta, ha itt maradnak, akkor biztosan elvisznek bennünket dolgozni. Ő sem tudta, hogy merre visznek majd. A szüleim nem akartak tőlünk megválni, kijelentették, hogy a családnak együtt kell maradnia. Sajnos, nem teljesült a kívánságuk. A Juhos fiú a fordulat után hazajött. A kommunisták rögtön becsukták. Most az én bátyámon volt a sor, ő mentette meg őt. A Juhos nem bántott senkit, és a szüleimet is el akarta bujtatni.

Voltak azonban olyan csendőrök is, akiket ismertünk, sőt voltak olyanok is, akik elvették a fülbevalót, a gyűrűket, órákat, láncokat. Ezek elszöktek Magyarországra, nem tértek vissza. Az én fülbevalómat Auschwitzban vették ki fogóval a fülemből, majdnem a fülemet is letépték miatta. Anyukám még otthon bekapcsoltatta, mivel félt, hogy elveszítem, s olyan jól tartott, hogy aztán nem tudták kinyitni. Tudtuk azt is, hogy kik vitték el az ékszereinket. Az édesanyámnak és a nővéremnek is lehúzták a gyűrűjét.  Voltak ilyenek, sajnos, de azok nem mernek ide visszajönni.

Június elején, másodikán, [Érsek]Újvárba [Nové Zámky] szállítottak el a majorból egy téglagyárba [Nyilván az érsekújvári Kurzweil téglagyárról van szó. – A szerk.]. Mindenki félt, és mindenki sírt. Már akkor tudtuk, hogy nem jó helyre visznek minket, amikor Galántán bevagoníroztak bennünket. A vasútállomáson magyar csendőrök ügyeltek a rendre. SS-katonák is voltak már itt akkor. A túlzsúfolt vagonban annyian voltunk, hogy ott sem állni, sem pedig ülni nem lehetett rendesen, így egymás hegyén-hátán ültünk meg feküdtünk. Egy hétig maradtunk a téglagyárban. A környékről is összegyűjtötték a zsidókat. [Érsek]Újvárban nem kellett dolgoznunk. Ősszeálltunk tízen-tizenöten, úgy étkeztünk. A szüleimmel, nővéreimmel, barátnőkkel egy kis közösséget alkottunk. Mindenki beteg volt a félelemtől, ezért a barátokkal nem is jöttünk össze. Csak a családdal tartottunk, mindenki a saját családjával és a legközelebbi barátokkal. Nem lehetett sehová menni. Vécé nem volt, csak latrinák. Mi, fiatalok szégyelltünk nappal kimenni a vécére, mert őrök vigyáztak. Nagyon rosszak voltak ott az életkörülmények, nem voltak takarók sem. Sokat szenvedtünk a hideg miatt, szalmán feküdtünk. Ott már majdnem mindenki megbetegedett. Maguknak kellett főznünk, egy nagy katlanban. A koszt nagyon rossz volt. A téglagyár óriási nagy volt, nem tudom, hogy ma még létezik-e.

Oda gyűjtöttek bennünket. A téglagyárban kábé egy hétig voltunk, talán  tizennegyedikéig, amíg újra be nem raktak minket a vagonokba. Nem is tudtuk, hogy hányadika van, csak véletlenül hallottuk [Braham szerint a deportáló transzportok június 12-én, illetve 15-én hagyták el Érsekújvárt 4843 zsidóval. – A szerk.]. Az útra kenyeret és vizet adtak. A felnőttek egyre kevesebbet ettek, csak hogy a gyerekeknek maradjon a kenyér. A maradékot az édesapám mindig eltette. Egy tarisznyába rakta a maradék kenyeret, hogy a két unokának legyen az útra ennivaló. A kicsiknek azonban nem volt étvágyuk. A vagonban sötét volt. Arra emlékszem, hogy az édesapám a hóna alatt vitte a tarisznyát a kenyérrel. A vizes kannát a kezében tartotta.  Abban bízott, hogy a két kisgyereknek ennivalót biztosíthat, de már sajnos nem sokáig adhatott nekik enni. A vagonban körülbelül negyvenen lehettünk, egy kisbaba meg is halt útközben. A padlón egymás mellett ültünk, a kisgyerekek rajtunk. Ott volt az édesanyám, az édesapám és a nővérem is a két kicsi gyerekkel. Nem tudom, hogy mikor érkeztünk Auschwitzba – Osvienčimbe, azt se tudjuk, hány napot utaztunk. Talán öt napig hurcoltak bennünket. Amikor megérkeztünk [Érsek]Újvárból, és kiszálltunk a vagonból, akkor lehetett június huszadika. Sokszor meg is álltunk. Semmit sem adtak be a vagonba, még vizet se, sőt, még ki sem nyitották. Ott, ahol halott volt, azt megkérdezték, és az ablakon keresztül vették ki, de  élőt ki nem engedtek. 

A táborban rögtön a megérkezésünk után megvertek engem. A németek a fiatalokat a bal oldalra terelték, számolni kezdtek. Puskával, illetve bottal hajtottak bennünket, hogy merre menjünk. Én a szüleim után futottam, nem néztem hátra, sehová sem néztem. Akkor  az egyikük fejbe vágott, mert elhagytam a helyem. Két testvéremmel [Irén, Erzsébet] az egyik oldalra mentem,  a nővérem [Adél], az édesanyám és az édesapám a gyerekekkel a másik oldalra mentek. Éreztük, hogy nagy füst van. Megkérdeztük a többieket, akik már ott voltak régebben, hogy mi ez. Hát, hogy oda visznek bennünket, hogy ha már... az időseket egyenesen a gázba küldték. Úgy mondták, hogy fürödni mennek, pedig ott megölték, és aztán elégették őket. Annyi hullát nem tudtak eltemetni, mint amennyit kivittek. Ez volt az a nagy füst. Sőt, Galántán élt egy asszony – már meghalt –, akit Pozsonyból hurcoltak el 1942-ben. Fahnovának hívták, a fia itt él, az mesélte nekünk, hogy az anyukája a kemencénél dolgozott, ahol elégették a halottakat. Akik ott maradtak, valamennyiüket  fölszabadították az oroszok, de nagyon kevesen maradtak életben.

A lágerban gyógyszert kaptunk, ami megakadályozta a havi ciklust. Az ételben éreztük, hogy furcsa gyógyszeres íze van. Külön nem adtak, mert sokan voltunk. Az ikreket  elvitték, és kísérleteztek rajtuk. Velünk is voltak ikrek, azokat mindjárt megérkezésünk után elvitték, mivel jelentkeztek. Mindig  keresték az ikreket. Azokon kísérleteztek, aztán megölték őket. 

Ahogy kiléptünk a vagonból, megláttuk a feliratot. Rögtön megmondták azok, akiket elvittek Szlovákiából még 1942-ben, hogy hová jutottunk. Találkoztam ott egy galántai származású nővel, aki mint főnővér dolgozott a pesti kórházban. Egy ún. revírbe osztották be. Azokat, akik megbetegedtek a  „térappel“ [sorakozó] alatt, bevitték a revírbe. Ezek a nővérek segítettek, hogy talpra álljunk. A gyengélkedőket a gázba vitték. Megismert bennünket, amikor ott álltunk. Eljött hozzánk párszor este, hozott nekünk titokban ennivalót is. Volt köztünk olyan is, aki már nem bírt egyedül enni. Nem messze laktunk tőle. Biztatott, hogy ha lehet, csak tartsunk ki, gyűjtsünk erőt. Osvienčimben nem kaptunk semmi híreket a családról és a rokonokról.

Azok a lányok, akik már régebben voltak ott, ők rosszabbak voltak, mint  a németek. Ha élni akartak, akkor muszáj volt nekik is így cselekedniük, mert ha nem, akkor őket is elintézték. A szlovák állambeli foglyok, akik még éltek, de csak azért, hogy segítsenek nekik, azok szintén rosszak voltak. Olyan kutyákat is tartottak, amelyek mindjárt helyben elintézték az embert.

Osvienčimben egy szürke heftlingruhát kaptunk és számot. A számot rávarrták a ruhára. Mindenért sorakoznunk kellett. A kapunál egy hosszú asztalon voltak a svájci Vöröskeresztből a papírok. Ezekre felírták mindenki nevét és a heftlingszámát. Alighogy ez megvolt, ismét vagonba raktak, és elvittek bennünket a németországi  Allendorfba [Buchenwald egyik altábora volt Allendorfban, a foglyokat a Munituonsfabrik Dynamit Nobel AG nevű üzem számára dolgoztatták. – A szerk.]. Ott barakkokba helyeztek el bennünket. A barakkok szerint ismét sorba állítottak minket. Egy idősebb SS  már várt bennünket. Nők is voltak a felügyelők között. Mivel estére érkeztünk, vacsorát kaptunk. Én beteg voltam, engem elküldtek a revírre, a katonai foglyok közé. Három hétig maradtam ott. Tőlük kaptuk a gyógyszert, és amijük volt. Bélgyulladásban szenvedtem, nagyon legyengültem. A barátnőim és az ismerősök, akik bejutottak a konyhára, segítettek, hogy felerősödjek. Aki nem bírt felépülni, azt elvitték Buchenwaldba, ahol már folyt a szelektálás. A gyengélkedőket a gázba vitték, a többieket beosztották a tölténygyárba. A muníciós gyár a föld alatt volt. Itt 1945 májusáig dolgoztunk. A németek sorba állítottak minket, még mielőtt az amerikaiak felszabadítottak volna, és Buchenwaldba akartak szállítani bennünket, szelektálásra. Közben azonban megérkezett az amerikai katonaság. Ezért a németek otthagytak bennünket a határban, elszökdöstek. Mi egy birkaakolba bújtunk. Imádkozni kezdtünk, elrejtőztünk a szalmába. Odakünn még harcoltak, lövöldöztek. Mire megérkezett a reggel, az amerikaiak kinyitották az aklot, de mi nem mertünk kibújni a szalmából, féltünk, hogy hátha a németek tértek vissza. Hallottuk, hogy angolul beszéltek. Valamelyikünk tudott angolul, ezért ő mondta, nahát, lányok gyertek ki, bújjatok ki a szalmából és a rejtekhelyekről. Több akol is volt ott, egyben nem fértünk volna el, mert sokan voltunk. Amikor kibújtunk, a katonák csak néztek, hogy ezek nők?! Pedig már a hajunk is nőni kezdett. Nem értették, mit keresünk mi ott. A katonák egyike Magyarországról származott, azt hiszem Budapestről, ő mesélte el a tisztnek, hogy mit műveltek velünk a táborban. A tiszt szóhoz sem tudott jutni, hogy ilyesmi is megtörténhetett. Addig még nem találkoztak foglyokkal. Csak bámultak ránk, mi pedig, fiatal lányok ott álltunk, piszkosan, megtörve. A többségünk 25–26 éves lehetett, mert csak a fiatalokat vitték munkára a németek. Volt köztünk ugyan egypár idősebb nő is, ugyanis néhány lánynak sikerült az édesanyjukat is megmenteniük. Bevittek minket mindjárt a faluba és elhelyeztek. Az amerikaiak enni hoztak nekünk, megfizették a németeknek. A helybeli lakosok segítettek, nem mondhatom, rendesek voltak. Végre megmosakodhattunk. Az amerikaiak nyitottak nekünk egy konyhát a saját konyhájuk mellett. Ennivalót és pénzt is adtak, hogy ruhát és cipőt is vehessünk magunknak. Amíg tartott a front, addig nem engedtek haza. Ott tartózkodtunk Allendorfban májustól egész júniusig. Júniusban az amerikai katonaság szállított el bennünket Prágába, ahol átvettek minket a csehek. Prágából aztán vonattal  utaztunk Pozsonyba, és onnan utaztunk vonattal egyenesen haza Galántába. Allendorfból a nővéreimmel jöttem haza. 

A háború után az amerikaiak elmesélték nekünk, hogy mit műveltek a németek. A szülők már nem éltek, mert a németek megölték őket. A testvérek még élhettek. Amint a táborba értünk, azt is rögtön megmondták, hogy az idősebbeket megölték, a fiatalok közül is sok elveszett.

A bátyáim nem tudták, hogy egyáltalán hazajövünk-e. Naponta várakoztak az állomáson, hogy  mikor jövünk. Megleptük őket alaposan, amikor megérkeztünk.

Amikor hazatértünk, a házból és az állatokból semmit, de égvilágon semmit nem találtunk. A nővérem, aki hazajött Pozsonyból, külön lakott. Adél bútorát – nagyon szép bútora volt – elszállíttatta egy magyar katonatiszt, amikor minket elvittek a majorba. A mi bútorunkat nem tudom, ki tulajdonította el, mert amikor a bátyáim májusban hazajöttek, akkor már a házunkban egy galántai lakott. Azt állította, hogy a ház üresen állt, és nem talált itt semmit. Amikor a bátyáim megjöttek, elhagyta a lakást, visszaadta a házat. Aztán már semmit nem adtak vissza, az orosz katonaság elfoglalta az istállókat, ott tartották a lovaikat. A fiatalabbik bátyám tudott valamennyit oroszul, ő segítette őket. A szódagyárat sem adták vissza.

A hitközség teljesen felbomlott. Nem maradt meg semmi, csak a Buxbaum templom, de az is rossz állapotban. A másik templomot teljesen tönkretették, lebontották és ellopdosták. Az oroszok is tönkretették, bekötötték oda a lovaikat, többé már nem volt az templom.

A távolabbi családtagokkal, akik Perbetén laktak, esküvők alkalmából találkoztunk. A fiatalsággal, az unokatestvérekkel itt-ott felkerestük még egymást, mert Érsekújvárban laktak.

A nem zsidó szomszédok, amikor hazajöttünk, nagyon sokat segítettek, úgy, ahogy tudtak, mert ők is szegények voltak. Szereztek nekünk ágyakat, szekrényt és valamennyi ruhát, és legfőképpen ennivalót. Segítettek a ház körüli munkákban, a háztartásban, a földeken. Kölcsönadták a lovaikat, hogy tudjanak a bátyáim ültetni valamit. Nagyon rendesek voltak a régi szomszédok, csak sajnos ők is nagyon szegények voltak, nekik is dolgozniuk kellett az élelemért. Amikor hazajöttünk, mindenféle változás állt be, de ők rendesek voltak. Voltak, akik bántották az édesapámat, amikor jogtalanul elvették a szódagyárat. Meg is büntette őket a sors. Nemsokára meghalt az a férfi [Belopotocký], aki a szódagyáros volt, és elvetette a szódagyárunkat a magyar csendőrökkel. Az utcánkból a többiek, a régiek, rendesen fogadtak, és segítettek nekünk. Napokig főztek ránk, amíg be nem rendezkedtünk. 

Nem volt egyszerű újrakezdeni az életet a háború után. Igaz, hogy a saját házunkban éltem a bátyáimmal és a nővéreimmel. A nővéreim újra nekifogtak varrni, nyitottak varrodát, én pedig segítettem nekik. Hárman dolgoztunk. Amint férjhez mentek, szétváltunk. Ferenc megnősült, és a szülői házban telepedett le az új családjával. Galánta környékén, Vízkelet után volt egy nagybirtok, kábé húsz kilométerre Feketenyéktől. Ernő  bátyám ott dolgozott mint intéző, én pedig vele tartottam. A birtok tulajdonosa kiment Angliába. A kommunisták alatt elkobozták tőle.

Néha megfordult a fejemben, hogy a férjemmel elmegyünk Izraelbe. Ernő bátyám is szeretett volna kimenni oda, végül el is ment. Én is készültem a kivándorlásra, sőt, az amerikai katonák is buzdítottak, hogy kivisznek bennünket Amerikába. Onnan aztán a zsidó hitközség továbbítana, ahová csak akarunk menni. De mi csak haza és haza, mert otthon várnak a szüleink. Ha tudtuk volna akkor, hogy mi történt a szüleinkkel! Mi azonban még bíztunk abban, hogy valahol életben vannak. Az amerikaiak elmentek. A bátyám is kiment, én közben férjhez mentem. A férjemmel is tanakodtunk, hogy kimegyünk, sőt a bátyám is nagyon szerette volna, ha utánamegyünk. Még tartott a háború Izraelben  [lásd: az 1948-as függetlenségi háború Izraelben], gondoltam, várjunk, amíg rendeződik a helyzet. Közben már a kisbaba is úton volt, ezért maradtunk. Megjött az első kislány. A család miatt maradtunk. Sok barátnőm volt, aki kiment, miután visszatért a lágerból. Ők most mind kint vannak.

Önálló politikai nézeteink nem voltak, mi nem avatkoztunk semmibe, ahhoz igazodtunk, amit az orosz hadsereg kívánt. Amikor megalakult Csehszlovákia, és kommunista élet volt, akkor sem avatkoztunk semmibe.

Adler Lajos a férjem, Tomašíkovón [Tallóson] született. A szülei kóser hentesüzletet nyitottak Nádszegen [Nádszeg – Pozsony vm.-i nagyközség, az 1910-es népszámlálás idején 2400 főnyi magyar ajkú lakossal. A trianoni döntést követően Csehszlovákiához került. – A szerk.]. Az elemi iskola után a férjem, aki egyben a második unokatestvérem is, Dunaszerdahelyen kitanulta a hentesmesterséget. Gyerekkorunktól ismertük egymást. A férjem a nádszegi hentesüzletét az édesapjától örökölte, és a bátyjával együtt vezette. Az én férjem és a nővérem [Erzsébet] férje testvérek voltak. Én a pénztárban voltam. A férjem mérte a húst, én a pénzt kezeltem. 1945 után, ahogy  hazajöttek, kábé négy évig volt nyitva. Aztán valahogy szétszóródtunk. A bátyja Tallósra ment, aztán eljött Galántára. 

A holokauszt ideje alatt, miután levetette a katonaruhát, behívták munkaszolgálatra. 1943-ban  Bánhidára vitték. Onnan került ki a frontra, ahol mint szakács szolgált. A frontról elszöktek. Ahogy közeledtek az oroszok, ők csatlakoztak hozzájuk. Többen is voltak, nem csak ő egyedül. Amikor megszöktek a frontról, nagyon sokan nem bírták a gyaloglást, mert az éhezéstől legyöngült szervezetük nem bírta a fizikai megterhelést.  Volt egy pöstyéni barátja, aki nagyon beteg volt. Nem hagyta a sorsára, kilométereken át cipelte a hátán, csak hogy biztonságba jussanak. Aztán Romániába került. Egy évig ottmaradt, mert Romániának annak a részéről nem vitték el a zsidókat [lásd: zsidótörvények Romániában; zsidók Észak- és Dél-Erdélyben]. Hentesként dolgozott is. Az ottani zsidóság megvédte őt. 1945 májusában jött haza.

A házastárs választásánál annak kiléte és vallása igenis, az egyik legfontosabb szempont volt a számomra.

Az esküvőnket 1947. június 14-én tartottuk Pozsonyban, a Heyduk utcai zsinagógában. A férjem barátja esketett bennünket, aki rabbi volt. Együtt voltak kint a fronton. Azt hiszem, hogy Kramernak hívták. Csak arra várt, hogy megesküdjünk, utána kiment Palesztinába. Az esküvőt is ő rendezte nekünk. Még a fronton megígérte a férjemnek, hogy megesketi hálából, mert a fronton, mikor nagybeteg volt, és nem evett semmit, mert nem akart tréflit enni, akkor a  férjem tejberizst főzött neki. 

A templomudvarban volt a lagzi, de először mint menyasszony a templomban ültem és imádkoztam [lásd: házasság, esküvői szertartás]. A  férfiak külön imádkoznak a templomban. Egy barátjánál öltöztem fel. Pozsonyban a zsidó konyhán volt az étkezés. Voltam mikvében is, de még itt, Galántán. A hajamat nem nyírták le. A ruhát az egyik [nemes]kajali barátnőm kölcsönözte.

Három gyerekünk született. A legidősebb lányom, Margit 1948-ban jött a világra Nádszegen. 1951-ben született a másik lányom, Judit és 1955-ben a fiam, Pavel.

A két lányom óvodába járt, de a fiúcska már nem. Otthon maradt velem. A gyerekek szlovák iskolában tanultak Galántán. Az idősebbik lányom Pozsonyban végezte a középiskolai tanulmányait. Utána Nyitrán távúton [levelező tagozaton] járt főiskolára. Tanulmányai befejezése után a galántai inasiskolában tanított két évig kémiát. Amint megalakult a Duslo [vegyi üzem], akkor [Vág]Sellyére ment dolgozni. A Duslo inasait tanítja Vecsén [Vágsellye egy része]. Judit óvónőnek tanult Modrán. Pavel villamosműszerész [elektroműszerész].

Számtalan ismerősünk volt, mert a férjem a háború után üzletben dolgozott, én pedig ott kisegítettem. A barátokkal azonban nem sokat érintkeztünk, mert nem volt rá idő, csak ha az üzletben, az utcán vagy a piacon találkoztunk. Leggyakrabban Nádszegre jártunk. Onnan hoztuk a baromfit és a zöldséget. Házat építettünk Galántán. A Jednota [üzlethálózat] vett egy mozgó üzletet [autó], amellyel a férjem olyan falukba járt, ahol nem voltak üzletek. Huszonhat faluja volt. Én is alkalmazásba léptem, így együtt dolgoztunk.

[Mielőtt házat építettek:] A templom udvarában laktunk a Katz rabbi bácsi mellett. Ott volt a Bejt ha midras [bét midrás]. A gyerekeim a többi zsidó gyerekek között nevelkedtek.  Katz rabbi bottal kergette őket, ha nem ültek csöndben, és nem imádkoztak. Zsidó nevelésben is részesültek. Katz rabbi a hittant tanította. Nagyon szigorú volt a gyerekéhez. Ha nem fogadtak szót, akkor  kikaptak. Nemcsak az imádságokat kellett megtanulniuk, de rendre, becsületre és tiszteletre is oktatta őket. Mindenkit meg kell becsülni, nemcsak a zsidókat. A gyerekeim templomba is jártak, pontosan, minden ünnepen, betartottuk őket. Ott volt a Bejt ha midras, és olyankor, ha volt ideje, a rabbi behívta őket tanulni és imádkozni. Az apjuk a vallást nagyon tisztelte, szintén templomjáró ember volt. A templom is ott volt hozzánk közel, ezért  szombaton, ha szabadja volt, akkor bement a gyerekekkel a templomba. Mikor kicsi volt a fiam, akkor egyedül is bement a templomba. Szerette ezt a helyet, mert szép templom volt, de sajnos, már lebontották. Mindegyik gyerekem tud imádkozni, a vallást tartják még ma is. Zsidónak tekintjük magunkat. Minden ünnepnapon megyünk az imaházba, Jom Kipurkor különösen. Én ilyen betegen is elmegyek oda, eltolnak kocsiban. Ott maradunk egész nap. Most (2004) Prágából volt egy amerikai kántor itt, Galántán mint előimádkozó [lásd: kántor].

Katz rabbi gyakran mesélte a gyerekeknek, hogy mi történt a [második világ]háború alatt. Odahaza nem volt rá sok idő, mert tanulniuk kellett. Az iskolás gyerekeknek az antifasiszta szövetség tagjai is gyakran mesélgettek a háborús eseményekről. Amint nagyobbacskák lettek, megkérdezték, hogy miért nincsenek  nagyszüleik, holott a többi osztálytársaiknak még vannak. Elmondtuk nekik,  akkor már megértették, és nagyon fájt nekik. A nagyszülőket csak a képeken látták.

A két lányt nem bántották az iskolában zsidó származásuk miatt. Galántán sem volt semmi baj, Pozsonyban Margittal azonban már éreztették. Juditnak Modrán nem volt semmi gondja. A fiam villamosműszerészeti középiskolába járt Pozsonyba. Tudták róla, hogy zsidó gyerek, mert egy osztályba jártak vele nebojsai [Nyebojsza] és gáni [Gány] fiúk az elemiből. Ha valamire rákérdezett az óra alatt – gyakorlati oktatásra a Tesla üzembe jártak, ahol a rádiókat gyártották –, akkor ez a két gyerek rögtön rávágta, hogy a zsidógyereknek nem lehet véleménye. A fiam akkor nem szólt semmit. Bentlakó volt a diákszállón, de csak egy évig. Egy év után inkább mindennap utazott oda és vissza. A két fiúval mindig verekedtek. Állandóan  piszkálták őt, még az ágyban is. Rosszat tettek vele, persze nem hagyta magát, aztán csak verekedtek. Még a szünet alatt is kezdegetett vele a két fiú. A fiam erős volt, elkapta és jól megpofozta őket. A többiek nem szóltak bele. Egy  idősebb tanár vetett véget az egésznek. Behívta őket az osztályba, és megkérdezte, hogy miért verekednek. A fiamat is kikérdezte. Kiderült, hogy a  vallása miatt bántják. A fiam kijelentette, hogy tiszteli a mások vallását, és nem törődik senkivel. Az idősebb professzor megvédte. Kijelentette, ha még egyszer bántani fogják, akkor jelentse neki, majd behívatják a fiúkat az osztályfőnökhöz, és az elintéz majd mindent. Aztán békesség lett. Nem barátkozott senkivel, csak a padtársával volt jóban. Mi a mozgó üzlettel Gányra is jártunk, mert nem volt ott hentesüzlet. A fiú ott állt húsért sorban az anyjával. Akkor a férjem megkérdezte tőle, hogy miért bántja a fiunkat, és miért nem hagyja békében. Erre megígérte, hogy nem fog többé piszkálódni.

Pavel az ipariskola [Tk. szakközépiskola. – A szerk.] után főiskolára jelentkezett. Föl is vették. Két évet járt, de aztán otthagyta, mert a férjem hirtelen meghalt a pult mögött, úgy, ahogy mérte a húst. Egyedül maradtam mindenre. A hotelban dolgoztam. A fiam otthagyta az iskolát, elment dolgozni azzal, hogy távúton [levelezőn] fogja folytatni a tanulmányait. Sajnos, nem győzte. Bérelszámoló volt. Az üzemben háromszáz munkás dolgozott, ezért nem győzte a munkát és mellette a tanulást is. Berukkolt katonának, hamarosan megnősült. Érsekújvári lányt vett el feleségül, Zuzka Vodnárovának hívják. A lány rokonai Kanadában éltek, így a fiatalok is  kimentek hozzájuk.

1951-ben jöttünk Galántára lakni, a férjemet a Jednotában alkalmazták. Nádszegen  feladta az üzletet, és eljött ide hentesnek. Minden zsidó ünnepet megtartottunk. A férjem szabadságot kért arra a napra. Ha mentek templomba a nők is, én is velük mentem, ha pedig nem, a férjem ment a gyerekekkel. Ha ideje megengedte, akkor pénteken este is elment templomba. Szombaton az üzletben kellett a húst mérnie. Én a szombatot még máig is megtartom. Legtöbbször már pénteken megfőzök, szombaton csak pihenünk. Jó időben kimegyünk sétálni. Meglátogatom a Margit lányomat, vagy ő jön el hozzánk. Esetleg a Zuzanka, az unokám is leutazik Brünnből. A nagyünnepek idején a lányom szabadságot vesz ki, és együtt megyünk az imaházba.

A háború után eleinte  kóser háztartást vezettünk, Nádszegen is. A birtokon a bátyámnál nem volt kóser háztartás. Galántán volt rabbi és sakter, különben Pozsonyba kellett volna vinni vágatni. Ma már nincs sakter. Csak a nagyünnepekre jön sachtolni a pozsonyi rabbi, Baruch Myers. Disznóhúst nem eszünk. Az étlapunkon főleg baromfi szerepel. A tejes és a zsíros ételeket nem keverjük [lásd: étkezési törvények].

Saját házunkban laktunk [azaz, míg éltek a szülők], a férjemék is. Nekik is saját házuk volt Nádszegen. A háború után új házat építettünk itt Galántán. A házba új bútort vettünk, mert nem maradt meg semmink, amikor visszajöttünk. Nádszegen ottmaradt az öreg bútor, mert ott nem bántottak semmit. A falusiak visszaadták a bútort is. Mi pedig felépítettük a házat, új bútort vettünk. Három szobás volt a ház, emeletes. Fönt volt egy szoba és a fürdőszoba, lent volt két szoba és konyha, előszoba, kamara, vécé. Veranda is volt. Sajnos, el kellett adnom, amikor meghalt a férjem, és a fiam elment. Nagy kert is tartozott hozzá. Egyedül nem bírtam bedolgozni.

[Amíg nem épült föl a ház] A Katz rabbi udvarában is laktunk egy ideig, albérletben, amikor bejöttünk Galántára. Ott először sakter volt, aztán lett csak rabbi. Az udvarban volt egy kétszoba-konyhás lakás, ott laktunk, amíg építkeztünk. 1964–ben építettük fel a házat, addig ott laktunk.

A férjemet lefoglalta az üzlet, nem volt sok ideje olvasni. Magyar újságokat olvasott. „Új Szó“ volt akkor is, azt olvasta, szerette a magyar újságokat. Én is szerettem olvasni. A könyvtárból hordtam a könyveket. A gyerekek  szlovák könyveket olvastak, ők is kölcsönözték az iskolai  könyvtárból.

Keveset jártunk színházba. A gyerekek úttörőtáborban üdültek minden évben.  Színházba is ellátogattak az iskolából. Addig, amíg nem volt televízió, csak rádió,  és  érdekes filmet vetítettek itt, Galántán a moziban, akkor elmentünk moziba. Aztán megvettük a televíziót.

Szabadidőnkben leginkább a Vág partjára jártunk nyaralni, fürödni. Kirándulni is  szoktunk. A Tátrába vagy külföldre nem jártunk. Amikor meghalt a férjem, és a gyerekek már dolgoztak, akkor már kirándulni is jártam. Pöstyénben, Rajecké Teplicén, a Tátrában is voltam. Leggyakrabban Rajecké Teplicébe mentem, jót tett  nekem az ottani gyógyvíz.

Tagjai voltunk az antifasiszta szervezetnek. Kb. 1947-ben alakult ez a szervezet, meghívták a partizánokat, hogy jelentkezzenek. Mi is jelentkeztünk a férjemmel. Az antifasiszta szervezetnek is volt egy épülete a Rajecké Teplicétől öt kilométerre, és oda is jártam.

1989 előtt csak Allendorfban jártam külföldön, nyugaton. 1975-ben jutottam ki oda. Egy összejövetelen vettem részt. Az egész világról találkoztak az allendorfi munkatábor néhai lakói. Izraelből, Amerikából és Kanadából is érkeztek, lehettünk körülbelül 150-en. Kábé egy hétig tartózkodtunk ott. A polgármester nagyon szépen fogadott minket. Nagyon örültünk, hogy ismét láthattuk egymást a többiekkel. Igaz, már sokan hiányoztak. Valóban szépen megvendégeltek, és ajándékot is kaptunk. A nővérem és a lánya is eljött velem. 

A karácsonyt és a húsvétot otthon ünnepeltük. Karácsonyfát nem díszítettünk. A Hanukára minden este eggyel több gyertyát gyújtottunk. A gyerekek ajándékot is kaptak minden gyertyához. A húsvétot [Pészah] is erősen tartottuk. Nyolc napon át nem ettünk kenyeret, csak maceszt. Húsvétra külön edényben főztünk. Akkor nem készítettünk  sóletot, mert az homec volt [Azaz lehetett benne olyan alkotórész, amely élesztőt tartalmaz. – A szerk. ], és azt nem szabad enni. Olyankor krumplit, húst és zöldséget lehetett fogyasztani. Ōrültek a gyerekek a húsvétnak. A gyerekeimnek Katz bácsi mesélte a hittanon, hogy másképp ünnepeljük a húsvétot és a Hanukát. Otthon már nem kellett magyarázkodnunk, mert már tudták. Hétéves kortól jártak hittanra. Amikor kicsik voltak, akkor megmagyaráztuk nekik, hogy miért  nem eszünk  kenyeret Pészah ünnepén.

Amikor már saját háztartásom volt, olyan ételeket is főztem, mint amilyeneket az anyukám is készített a gyerekkoromban. Sóletot általában szombatra készítettem. A sóletet babból, gersliből főztem, vagy csak a babot tettem bele [A gersli hántolt és párolt árpaszem, malomipari termék. – A szerk.]. Elvittük pénteken délután a pékhez, és szombaton ebédre vittük haza. Az édesanyám legtöbbször kacsahúst,  kövér csibe hátát, hagymát, fokhagymát és paprikát tett bele, jól megfűszerezte. Az egészen lefőtt azzal a hússal. Ha leveses volt, akkor több vizet tett hozzá. A sóletet szerettük, úgy a gyerekek, mint  a felnőttek is.

A kedvenc zsidó ételem a sólet és a kugli. Gyerekkoromban,  amikor az édesanyám a sóletot készítette, akkor kuglit is süttetett. A kuglit kihúzta, mint a rétestésztát – nagy asztalunk volt, mert mi  sokan voltunk, tízen is ültünk  mellette –, sok almát reszelt belé és megzsírozta. Az egészet összecsavarta, mint a rétest, beletette egy nagy lábosba összecsavarva, annak szintén megzsírozta a tetejét, és elvittük a pékhez. A pékhez még egy nagy fazekat kellett vinni, abba vizet öntött, és bele állította a másik fazekat. Az egészen lesült másnapra. Hát ez valami nagyon finom volt. Az alma szétolvadt a fahéjjal és a zsírral. Ez  a tészta volt a legfinomabb. A kuglinak örültünk a legjobban, a sóletnek nem is volt olyan sikere. Nekem most már felnőtt koromban mindegy.

[Ma már] sóletot csak nagyon ritkán főzünk, csak az unokának, vagy ha megérkezik Brünnből Zuzanka, a másik unoka, aki már férjnél van. Akkor szoktam nekik sóletot készíteni, de különben nem, mert mi nem bírjuk a babot. Úgy főzök, mint az édesanyám főzött, csak nincs sachtolva a baromfi.

A gyerekeim nem jártak zsidó táborba vagy ünnepségekre, akkor még nem létezett ilyen tábor, csak rendes úttörőtáborban nyaraltak.

A gyerekek jártak hittanra, de az unokáim már nem, ők már csak tőlünk tanultak. Járt ide egy bácsi Hlohovecról [Galgóc], ő tanította a fiúunokámat [Rudolf]. Imádkozni is tanult ennél a bácsinál, de a bár micvóra a Schultz Dolfi bácsi készítette fel, aki a galántai hitközséget vezette. A galántai unokáknak, azt hiszem, mindegyiküknek volt.

Tudták a kollégák is, hogy zsidók vagyunk. [A férjem] Szombatokra szabadot kért, ezért tudták. Nem voltak semmi negatív élményeink. Sőt, még szombat este vagy vasárnap reggel is  jártak húsért hozzánk a lakásra a galántaiak. Otthon tároltuk a hűtőben a húst, mert nem járt mindennap a vágóhídra, csak egyszer egy héten.

1971-ben egy műtéten mentem keresztül, aztán fél rokkantságiba tettek. A Jednotánál dolgoztam tovább, a telefonközpontban. Újra megbetegedtem, és kórházba kerültem, 1982-ben aztán elismerték a teljes rokkantságit. Szívesebben dolgoztam volna tovább is, mert kevés pénzt kaptam. A fiam nem volt munkaviszonyban, még iskolás volt.

A fiamnak megvolt a bár micvója. Akkor még élt a férjem, még állt a templom is és a Bet hamidras is. Nagy bár micvója volt, körülbelül 40 voltak jelen, az összes galántai, a rokonok, falusiak. A Katz néni (a rabbi felesége) sütötte a tortákat, késő estig szórakoztak, mulattak utána, valóban nagyon szép volt.

A lányoknak is volt bat micvájuk. Volt nekik, de az már nem volt olyan nagyszabású. Szombat délután a Katz néni mindig sütött, hogy kóser legyen. Meghívták a barátnőket és  azoknak a szüleit is, eljöttek, a Katz bácsi [a rabbi] beszédet tartott, a kislányok imádkoztak. Nagyon szép volt valamikor, amíg még állt a templom, és a bejt ha midras. Az unokámnak a galántai imaházban volt a bar micvája. A fiam a legvallásosabb. Ő Kanadában él, 1986-ban ment ki. Elszöktek, kimentek Olaszországba kirándulni, ott voltak két hónapot, és utána mentek ki Torontóba. Bekerült egy olyan csoportba, ahol nagyon vallásosak voltak az emberek. Sokat segítettek neki. Iskolába járt egy évig. A felesége is tanulta a nyelvet. Ott született meg a kisfiuk, és álláshoz is hozzásegítették. Azóta is nagyon vallásos, nem eszi meg a tréflit, csak a kósert. Most is olyan negyedben lakik, ahol nagy templom van, és a gyerekeik is zsidó iskolába járnak, sőt még főiskolára is készül az unokám Amerikába.

Pavelnak zsidó esküvője volt. Azt hiszem, hogy a Katz rabbi adta őket össze. Az esküvőt a Heyduk utcai zsinagógában tartottuk Pozsonyban. A lakodalom a zsidó konyhán volt.

Margitnak szintén zsidó esküvője volt itt, Galántán, a Katz bácsinál. A vejem az érsekújvári származású Blau nevezetű fiatalember. Egy lányuk született, Zuzanka, aki gyógyszerész.

Judit elvált a férjétől, ő nem volt zsidó. Rudi még a világon sem volt, de szülei már nem éltek együtt. A vejem nevére nem emlékszem, és nem is akarom megkérdezni.

Amikor a Rudi kilenc éves volt, meglett a brit milája [lásd: körülmetélés]. Annak idején  a kommunisták alatt nem lehetett elvégezni. A Katz rabbi nem csinálta. Pozsonyi kórházban műtötték, orvosi felügyelet mellett, az urológia osztályon. Londonból megérkezett a rabbi, azt hiszem, Seidl nevezetű. A rabbi  édesanyja szintén galántai származású, engem hittanra tanított. A Seidl járt ide malenolni [körülmetélni] a kommunisták alatt. Rudko is akarta a brit milát, az anyukája és természetesen én is. Rudko már járt hittanra, ezért tudta, hogy mi fog történni vele. A hlohoveci [galgóci] Glück bácsi is ott volt vele. Keresztapának [Az interjúalany a komára avagy szándákra utal, aki az újszülöttet tartja a körülmetélésnél. – A szerk.] a Pavel fiamat, aki Torontóban él, jelentették. A brit milára azonban nem jöhetett, mert a kommunista rendszer alatt nem engedték. A bár micvére sikerült eljönnie.

Zuzanka (Margita lánya) a gyerekeit [azaz: az interjúalany dédunokáit] szintén zsidónak neveli. A rabbi nénitől és a rabbitól tanulnak. A kislány három éves, és már elmondja az esti imát. A fiúcskának volt brit milája, Bécsből származott, aki malenolta. A Zuzanka férje zsidónak konvertált. A szülei, úgy látszik, beleegyeztek, hogy a fiuk felvegye ezt a vallást. A felesége nevét is átvette, Blaunak hívják már őt is. Szeretik a fiukat, házat is vettek nekik. Szeretik az unokákat is. A kislánynak sítalpat vett a nagyapa, és síelni is járnak. Korcsolyázni is elkíséri őt minden vasárnap.

A férjem a galántai zsidó temetőben nyugszik. A temetést az a rabbi végezte, aki megesketett bennünket. A férjem fiatalon, 48 évesen halt meg. Nagy temetése volt. Autóbusszal jöttek el a temetésére a régi barátai és iskolatársai. A bátyja mondta a kádist a halottért. A fiam is mondott, mert már volt bar micvéje. A Jarcajtot [lásd: jahrzeit] mindig megtartjuk. Van egy öröklámpa, és ezt  Jarcajtkor meggyújtom.

Amikor a gyerekek bentlakók lettek, egyedül maradtam. A legidősebb lányom, Margit diákszálláson lakott Pozsonyban. Nagyon jól megvolt a szobatársaival. Voltak ott galántaiak is, együtt laktak. Ahogy kísérgettük a vonatra, eleinte még sírdogáltam is. Először nagyon furcsa volt, de utána megszoktuk. A Juditka Modrán magánszemélyeknél lakott, egy idősebb házaspárnál. Nagyon szerették. Sietett is mindig vissza, már vasárnap délután készülődött. Mai napig is vannak nekik barátnői, akikkel iskolába járt.

Amikor a Pavel külföldre ment nászútra, Olaszországba, onnan telefonált nekem, hogy nem jön többé vissza. Én  már azelőtt is éreztem, hogy mire készül, mert sokféle alkatrésszel volt tele a lakása, ugyanis tévét és rádiókat javított.  Pozsonyban laktak, ott volt a menyemnek lakása. Mikor elmentem hozzájuk,  kérdeztem, hogy hol van az a sok alkatrész. Azt mondta, hogy eladta, mert újakat vesz helyettük. Nem közölte, hogy mire készül. Itt hagyták a kétszobás összkomfortos lakást Pozsonyban, nagyon szép helyen, bútorral együtt, csak ruhaneműt vittek magukkal.  Nápolyból telefonáltak nekem, hogy nem jönnek vissza, és kivándorolnak Kanadába. Az anyósa is Nové Zámkyból [Érsek]Újvárból, ő tudta, hogy mire készülnek. Ő is szeretett volna kivándorolni.

A fiam a tornaegylet edzőjeként is dolgozott. Mindenfelé járt a versenyzőkkel, ő is tornázott. Súlyemelő volt, nagy népszerűségnek örvendett. A Dolná Streda [Alsó- Szerdahely] Porobetón vállalatnál volt alkalmazásban, mint a villanyszerelők főnöke. Kénytelen-kelletlen belépett a pártba, és az volt az egyik kiváltó oka annak, hogy még is kivándorolt. Engem, miután ők kint maradtak, Pozsonyba hurcoltak kihallgatásra.

Palit  nem hívtam vissza Kanadából, mert saját maga döntött, saját akaratából ment el a feleségével. Ő volt a legfiatalabb. Vele voltam évekig, miután a lányok férjhez mentek. Megsirattam, amikor kiment. Pali nem sajnálja, hogy elment. Csak az bántja, hogy nagy a távolság közöttünk, és nem jöhet gyakrabban. Hiába szeretne hazajárni többször is, de munkaviszonyban van. Három éve járt itt, és most ebben az évben (2004). Úgy jön, ahogy sikerül. Itt voltak a gyerekek is. Az idén csak a születésnapomra érkezett, május 28-án. Tavaly augusztusban is akartak jönni, de én kórházba kerültem. Nem tudom, hogy most hogyan sikerül a találkozásunk. Készülnek a gyerekek is, már nagyok, egyedül is utazhatnak.

Pali a feleségével szlovákul, a gyerekekkel, Michelle-el és Briannal csak angolul beszél. A fiammal  kéthetente telefonálunk, az minden. A fia már 18 éves, gyakran távol van hazulról. A kislány nem tud jól szlovákul. A fiú tud, szépen tanul szlovákul az apjától. Pali fiam késő estig dolgozik. Az időeltolódás hat órás, ott hat órával kevesebb van, mint itt, ezért nehezen tudom elkapni őt.

Az unokák [Pali gyerekei] Kanadában zsidó iskolába járnak. Az unokám gimnáziumba, a kislány még csak elemibe. A fiú zsidó főiskolára készül, orvos szeretne lenni. Az itteni unokák is járnak  templomba. A vejem  minden héten rendesen eljár templomba, mi csak nagyünnepekkor.

Margit egyedül választotta a férjét. Akkor már nem élt a férjem. A kezdeti nézeteltérések ellenére ma már jól megvannak. A vejem mint sofőr dolgozott. Az anyóséknál laktak [Érsek]Újvárban. A lányom a Duslónál kapott lakást [Vág]Sellyén. A vejem a jogi karon befejezte a tanulmányait, és Galántára hurcolkodtak. Mint ügyvéd dolgozik Pozsonyban egy cégnél. A lányom szintén mindennap utazik Vecsére [Veča – Vecse, Vágsellye egy része].

Judit választottja nem tetszett nekünk, nem akartuk, hogy hozzá menjen. Judit édesapja már nem élt, mégis bele kellett egyeznem a házasságba. Nem éltek sokáig együtt, csak pár hónapot. A vejem Nyitráról származott, és többet volt Nyitrán, mint a feleségével. Hamarosan el is váltak. A Judit aztán már nem ment férjhez, egyedül nevelte a fiát. Itt kapott Galántán lakást, és itt is tanít azóta.

A 1948-as kommunista hatalomátvételre nem reagáltam, mert mindig a munkával voltunk elfoglalva. Az üzlet egyformán ment, mi nem avatkoztunk semmi politikába. A férjem se, én sem és a gyerekek sem. A kommunizmus alatt a zsidóságomból kifolyólag semmi gondom nem volt.

Közülünk senki sem lépett be a pártba. A férjem nem volt tagja semmilyen szervezetnek. Nem kényszerített senki, és nem is léptünk be. Idő sem volt rá. Nekem annyira elegem volt az előző életből, hogy nem léptem be semmilyen pártba. 1968-ban sem avatkoztunk semmibe. Folyt az életünk tovább, semmi nem történt.

A szocialista ünnepeken kötelező volt a részvétel. A május elsejei  felvonuláson a parkban nagy ünnepélyek szoktak lenni. A férjem gulyást főzött olyankor, néha szalámit is árultak a Jednotától. A felvonulás kötelező volt. A fiatalabbik lányom zeneiskolába járt, ő harmonikázni szokott olyankor.

A munkahelyemen nem tudták, hogy zsidók vagyunk. Tartottuk a vallást, ünnepnapon szabadságot vettünk a munkahelyről, hogy elmehessünk templomba.

1948-ban, amikor megalakult Izrael,  nagyon örültünk. Akkoriban még nem volt nekünk tévénk, az újságban olvastuk. 

A bátyám, Ernő Izraelben  élt, 1948-ban ment ki oda. Eleinte csak üzengetett, aztán leveleztünk. A  levelét mindig megkaptuk. A sógornőm, tehát a férjem nővére is kint volt, vele is leveleztünk. A bátyám 1982-ben halt meg, így a sógornőmmel leveleztünk. A fiatalabbik lányom volt meglátogatni őket, egy ifjúsági csapattal ment. Két hétig maradt ott. A bátyám ment el érte. Táborban laktak, kibucban, és onnan kellett kikérni őt, hogy elengedjék, és ne történjen semmi baj. A sógornőm is vele tartott. Sírtak mind a ketten örömükben. Szeretett is volna kint maradni a lányom, de én voltam a hibás, hogy hazahívtam. Még egy évet kellett volna tanulnia Modrán. Kijelentettem, hogy először végezze el az iskolát, és csak aztán menjen ki. Az iskola befejezése után már nem ment el, mert egyedül voltam már. Közben udvarlója is akadt.

Az 1967-es [lásd: hatnapos háború] és az 1973-as izraeli háborúk [lásd: 1973-as arab–izraeli háború] alatt együtt éreztünk az ottaniakkal, de segíteni nem tudtunk. A bátyám is írt, volt, amikor nem kaptuk meg a levelét, de a legtöbbször kézbesítették. Én nem jártam Izraelben  soha. Kanadában már jártam a fiamnál.

Az 1989-es rendszerváltásra nem tudok semmit mondani. A gyerekek dolgoztak. Én nem avatkoztam bele semmiféle politikába, pártba. Számomra fontos az, hogy munkám legyen, és megélhessünk. Annak ugyan megörültünk, hogy szabadon utazhattam a fiam után. Tévéből, újságból néztem a tüntetéseket.

Én nyugdíjas vagyok már régen. A gyerekeknek megváltozott a munkahelyükön a fizetésük, különben nem állt be különösebb változás. Valamikor jobb munkahelyük volt, és nyugodtabbak voltak. Nem kellett attól félniük, hogy holnap kikerülnek az utcára. A politika engem nem nagyon érdekel. Legyen munkájuk a lányaimnak és a unokáknak is. És nyugodtság legyen. A zsidósághoz való viszonyunk nem változott. Egyformán megtarthattuk a kommunizmus alatt is, és most is.

A barátaim sajnos már nem élnek. Az utcán néha találkozunk a Deutschnével [A Centropa készített interjút Ružena Deutschovával is. – A szerk.] és a barátnőjével, a Sternnével, más sajnos már nem él.

Anyagi segítség már az is, hogy az orvosságokra visszakapom a pénzt Pozsonyból. Kárpótlást a holokauszt alatt átélt szenvedésekért még ez ideig nem kaptam, de beadtam már a kérvényt. A legutolsó népszámláláson mindegyikünk zsidónak vallotta magát.

Sylvia Segenreich

Sylvia Segenreich
Wien
Österreich
Datum des Interviews: Mai 2002/ Dezember 2007
Name des Interviewers: Artur Schnarch/ Tanja Eckstein


Ich habe mit Sylvia Segenreich einen spannenden und effizienten Nachmittag verbracht. Sie ist mit ihren 76 Jahren voller Energie und Lebenslust und hat mir in ihrer eleganten Innenstadtwohnung ihr Leben erzählt. Sie spricht sehr schnell, hat ein hervorragendes Erinnerungsvermögen und hat die Geschichte durch viele Anekdoten sehr bereichert. Sie hat mit ihrer Lebendigkeit den zwischen uns bestehenden Generationssprung vergessen gemacht, und wir haben ganz natürlich, ohne es groß besprechen zu müssen, zum Du-Wort gefunden [A.S.]

Ich wurde 1926 in Czernowitz, in der Bukowina 1, geboren. Bis 1918 hat Czernowitz zu Österreich-Ungarn gehört. Meine Eltern waren also alte Österreicher, und sie haben Österreich geliebt. Im Jahre 1918, nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall des Österreichisch-Ungarischen Reiches, kam Czernowitz zu Rumänien, 1940 zu Russland, 1941 wieder zu Rumänien, 1944 wieder zu Russland, und seit 1991 gehört Czernowitz zur Ukraine.

Mein Großvater mütterlicherseits hieß Tobias Schmul, meine Großmutter hieß Rivka Retter. Sie lebten in dem Dorf Bojan [heute Ukraine]. Dort besaßen sie ein größeres landwirtschaftliches Anwesen. Zwischen 1914 und 1918, also während des Ersten Weltkriegs, sind die Großeltern mit ihren Kindern aus der Bukowina nach Wien geflüchtet. Beide Großeltern, väterlicherseits und mütterlicherseits, lebten mit ihren Kindern zu dieser Zeit in Wien, aber sie haben sich noch nicht gekannt. Nach dem Ersten Weltkrieg sind sie wieder in die Bukowina zurück gefahren. Während der Heimkehr ist mein Großvater Tobias an der Spanischen Grippe gestorben. So habe ich ihn nicht kennen lernen können.

Die Großeltern hatten acht Kinder - fünf Söhne und drei Töchter - die alle in Bojan aufwuchsen. Mit diesen Onkel und Tanten bin ich groß geworden. Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahre 1918, sind die meisten von ihnen nicht mehr nach Bojan zurückgegangen, sondern sind in Czernowitz geblieben. Auch die Großmutter ist, da mein Großvater gestorben war, in Czernowitz geblieben. Zwei der Söhne - Hermann und Moses - haben das Gut in Bojan weitergeführt. Aber dann haben sie es sich geteilt und Moses hat sich in Rarancia 8heute Ukraine], einer Ortschaft nahe Czernowitz, ein Gut gekauft. Ich war als Kind oft in Bojan und Rarancia liegt nicht weit entfernt.

Onkel Hermann, der das Gut in Bojan besaß, war verheiratet mit Tina Retter, die eine Cousine mütterlicherseits war. Er hatte viele Angestellte auf dem Gut. Während der Woche war er in Bojan, und an den Wochenenden war er meistens in Czernowitz bei seiner Familie. Die Töchter Miriam und Sidonie leben noch heute in Tel Aviv [Israel]. Sie haben den Holocaust in Transnistrien 2 überlebt und sind total paralysiert zurückgekommen. Eine kann sich bis heute kaum bewegen, obwohl soviel Zeit seit dem Holocaust vergangen ist. Beide waren nie verheiratet und haben auch keine Kinder.

Onkel Moses war mit Tante Frieda verheiratet. Sie hatten einen Sohn und eine Tochter. Beide leben heute in Israel. Der Sohn heißt Tobias, nach dem Großvater, aber in Israel heißt er Tuvie. Er heißt auch nicht mehr Schmul, sondern Schmueli. Die Tochter heißt Rosa. Tobias lebt in Rechovot und Rosa lebt in Ramat Gan. Tobias ist genau so alt wie ich und Rosa ist 2 oder 2 ½ Jahre jünger als ich. Tobias hat drei Söhne, die schon in Israel geboren wurden und die alle verheiratet sind. Rosa hat zwei Söhne, die auch in Israel geboren wurden und die auch verheiratet sind. Die Großmutter, der Moses und meine Familie haben in der Morgenbesser Gasse, auf Rumänisch hieß sie Dobrogie Gasse, gewohnt. Moses hatte seiner Mutter nach dem Tod des Großvaters ein kleines Haus gebaut, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1934 gelebt hat. Ich habe sie oft besucht, weil wir in derselben Gasse gewohnt haben. Während des Krieges waren Moses und Herrmann mit ihren Familien in Transnistrien, in den Orten Mogilev und Djurin. Das waren Arbeitslager. Der Onkel Hermann ist in Mogilev gestorben. Der Moses ist mit seiner Frau Frieda und mit beiden Kindern im Jahre 1944, als es möglich war, Transnistrien zu verlassen, nach Czernowitz zurückgekommen. 1945 ist es ihm gelungen, nachdem die Russen das zweite Mal nach Czernowitz einmarschierten, mit seiner Frau und seiner Tochter nach Rumänien zu flüchten. Er war nicht mehr der Jüngste und ist mit seiner Familie nach Israel eingewandert. Dort sind er und seine Frau gestorben.

Der Oswald war der Älteste, er war Rechtsanwalt und mit einer Cousine mütterlicherseits, der Geburtsname der Cousine war Retter, verheiratet. Ihren Vornamen habe ich vergessen, denn ich habe sie nicht persönlich gekannt. Auch den Oswald habe ich nur ein Mal gesehen, denn er kam einmal zu Besuch nach Czernowitz, als die Großmutter Rivka noch lebte. Das war in den 1930er Jahren. Die älteste Tochter Miriam wurde 1913 geboren. Als sie noch ganz klein war, während des 1. Weltkriegs, ist die Familie wie alle anderen nach Wien geflüchtet. Der Sohn Paul wurde in Wien geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg sind sie aber nicht mehr nach Czernowitz zurückgekommen, sondern sind nach Prag gegangen, wo Onkel Oswald Richter wurde. Bis 1938 haben sie in Prag gelebt. Alle, außer Paul, wurden während des Holocaust ins Ghetto Theresienstadt 3 deportiert. Paul ist, als die Deutschen 1939 die Tschechoslowakei überfielen, nach England geflüchtet und dann weiter nach Palästina. In Palästina war er in der Britischen Armee und kam gleich nach dem Krieg, noch in Uniform, nach Prag zurück, um seine Familie zu suchen. Er hatte die Hoffnung, sie zu finden, aber sie waren tot. Nur Miriam hat den Krieg überlebt. Sie war mit einem Nichtjuden verheiratet, trotzdem war sie auch im Ghetto Theresienstadt. Ich habe ihren Mann gekannt, er war ein sehr anständiger Mensch. Sie hatten eine Tochter Susi, die schon gestorben ist und zwei Söhne, der ältere Sohn hieß Paul. Eine Tochter lebt in Australien, sie ist auch mit einem Nichtjuden verheiratet, Paul ist vor zwei Jahren in Tschechien gestorben, der jüngere lebt in Tschechien. Mein Cousin Paul hat in England Medizin studiert und lebt in Australien.

Der nächste Bruder meiner Mutter war der Hermann. Er hatte im Jahre 1912 oder 1913, ich weiß nicht genau wann, mit so einer Art Traktor einen Unfall, und ein Fuß musste ihm amputiert werden. Als die Russen im Ersten Weltkrieg in die Bukowina kamen, das war im Jahre 1914, ist Hermann beim Gut geblieben, weil er gesagt hat, dass jemand drauf aufpassen muss. Der jüngste der Brüder, der Josef, hat daraufhin gesagt: ich lasse ihn nicht allein und blieb bei ihm. Als die Russen kamen, wurden sie beide nach Russland verschleppt. Ich weiß nicht, wo sie dort waren, ich weiß nur, dass man sie getrennt hat. Der Josef arbeitete in einer kleinen Stadt in einem Textilgeschäft, und der Hermann, er hatte eine Beinprothese, hat bei einem Bauern gearbeitet. Die zwei haben nicht gewusst, wo der andere sich aufhält. Das hat man mir so erzählt, ich kann es nur so weitererzählen. In das Textilgeschäft, in dem der Josef gearbeitet hat, kam eines Tages ein Bauer vom Land und wollte dieses und jenes kaufen. Er kannte den Inhaber des Geschäftes und fragte ihn, wer denn der Josef sei. Der antwortete, das sei ein Flüchtling oder so etwas Ähnliches - aber ein sehr braver Bursch. Und der sagte, so einen habe er auch, der sei auch brav und anständig, aber leider fehle ihm ein Fuß. Das hörte der Josef, und er fragte den Bauern, wie sein Angestellter heiße. So haben sich die Brüder wieder gefunden. Nach dem Krieg konnten sie wieder in die Bukowina zurück. Hermann war nicht verheiratet und hat wahrscheinlich in der Landwirtschaft mitgearbeitet. Der Josef ist im Jahre 1929, da war die Rezession, nach Amerika ausgewandert. Er ging nach Philadelphia, und in Philadelphia hat er sich in der Juwelenbranche ein Imperium erarbeitet. Er war ein sehr guter Mensch und hat vielen Familienmitgliedern finanziell geholfen. Einmal habe ich es gesehen, dieses Imperium. Das war Ende 1961. Meine Schwester hat damals in New York gelebt. Ich habe sie besucht, und wir sind zusammen zu unserem Onkel Josef nach Philadelphia gefahren. Ich habe mir gedacht, ein Millionär, der wird sonst wie angezogen sein, aber er trug noch seine Schuhe aus Czernowitz, und auch der Anzug sah eher bescheiden aus. Er war damals Ende 50, er war 1902 oder 1903 geboren. Seine Frau, eine Amerikanerin, hat ihn herum kommandiert. Sie hatten einen Sohn. Irgendwann habe ich dann gehört, dass Onkel Josef gestorben ist.

Der jüngste der Brüder war der Rudolf. Er hat lange Zeit mit seiner Mutter zusammengelebt, daran erinnere ich mich noch. Er hatte eigentlich keinen richtigen Beruf. Ich weiß nicht warum, aber während des Ersten Weltkriegs, war er noch ein kleines Kind. Als der Vater gestorben ist, ist er bei der Mutter geblieben. Mein Vater hat ihn dann zu uns ins Geschäft genommen. Dann hat er Charlotte aus Bessarabien geheiratet, und sie hatten eine Tochter Rivka. Sie wurden alle auch nach Transnistrien verschleppt, und mein Onkel Rudolf ist dort gestorben. Die Frau und die Tochter sind zurückgekommen und sind dann nach Israel emigriert. Charlotte ist in Israel gestorben. Rivka hat sich von der ganzen Familie abgesondert. Als ich die ersten Male nach Israel gefahren bin, habe ich sie noch jedes Mal gesehen. Dann hatte sie einen neuen Lebensgefährten und ist verschwunden. Nicht ein Mal die Familie weiß, wo sie ist. Sie hat sich vollkommen zurückgezogen.

Jetzt kommen die drei Schwestern meiner Mutter: Die Älteste war die Jetti. Sie war verheiratet mit Isaak Herzig, der Angestellter einer Zuckerfabrik war. Sie haben in Czernowitz gelebt und hatten zwei Kinder, eine Tochter Thea und einen Sohn Friedl. Thea war sechs Jahre älter als ich, und Friedl war zwei Jahre jünger als ich. Er war leider körperlich behindert. Er hatte ein normales Gesicht, aber einen sehr großen Kopf, zu kurze Hände und zu kurze Beine. Er war sehr gescheit, er hat sogar das Lizeum besucht. Isaak Engler hat Transnistrien nicht überlebt, Jetti und die beiden Kinder sind nach dem Krieg nach Palästina emigriert. Thea ist Mitte der 1990er-Jahre gestorben, Friedl ist auch schon gestorben.

Die zweite Schwester war die Mali, Malza wurde sie gerufen. Sie war verheiratet mit Artur Dawer aus Polen. Aus welcher Stadt in Polen er kam, weiß ich nicht. Sie haben auch in Czernowitz gelebt und besaßen ein elegantes Herrenkonfektionsgeschäft in der Hauptstraße. Drei seiner Brüder haben auch in Czernowitz gelebt und besaßen zusammen eine Herrenhutfabrikation. Seine Mutter hieß Sylvia und war schon gestorben, und ich wurde nach ihr benannt, weil meine zwei Großmütter noch gelebt haben, und die Dawer Nachkommen lauter Buben waren. Meine Mutter hat mir erzählt, dass, wenn wir, als ich noch ein Kind war und die Familie des Onkels getroffen haben, sie zu mir gesagt:  Mamale, Mamale! Sie haben Mamale zu mir gesagt, weil ich denselben Namen wie ihre Mutter hatte! Den Krieg haben sie mit ihren Söhnen Martin und Friedrich in Transnistrien überlebt. Dann sind sie nach Czernowitz zurückgegangen, als die Russen wieder nach Czernowitz kamen, nach Rumänien geflüchtet und dort haben sie eine zeitlang gelebt. Artur ist in Rumänien gestorben. Das war in den 1950er Jahren, ich kann das nicht genau sagen. Malza ist dann mit ihren Söhnen nach Israel emigriert. Martin war in Haifa Arzt, jetzt ist er schon in Pension. Er ist verheiratet mit einer Ärztin, die auch aus der Bukowina stammt. Sie haben eine Tochter, die auch Ärztin ist. Friedrich lebt in Tel Aviv. Er ist verheiratet, hat aber keine Kinder.

Meine Mutter hieß Sophie Schmul. Ich glaube, sie wurde 1897 oder etwas früher geboren. Ich weiß das nicht so genau, weil sie sich immer ein bisschen jünger gemacht hat. Sie hat immer gesagt, sie sei 1900 geboren, aber eine Tante hat mir gesagt, dass das nicht stimmt. Ist ja auch egal! Meine Mutter ist wie ihre Geschwister in Bojan geboren, im Jahre 1914 mit der Familie nach Wien geflüchtet und im Jahre 1918 wieder nach Czernowitz zurückgegangen. Mein Vater war mit ihrem Bruder, dem Moses, befreundet. So sind sie zusammengekommen. Mein Vater hieß Pinkas Paul Engler.

Die Familie meines Vaters besaß eine Eisfabrik in Czernowitz. Die Englers waren eine bekannte Familie. Wenn man mit Czernowitzer Leuten meiner Generation spricht, dann kennen sie alle die Familie Engler. Mein Großvater hieß Feiwel Engler und meine Großmutter hieß Minna Engler, geborene Heier. Eine Schwester der Großmutter habe ich noch gekannt. Ich glaube, sie hieß Rachel. Sie hat in Czernowitz gelebt und war schon sehr alt, älter als meine Großmutter. Ich habe sie nur so sitzen gesehen, ein - oder zweimal habe ich sie gesehen.

Meine Großeltern besaßen in Czernowitz eine Eisfabrik und Eiskellereien. Mein Großvater war ursprünglich, das wurde mir erzählt, Spengler von Beruf. Als er bereits verheiratet war, die älteste Tochter Fanny war schon geboren, ist er nach New York gefahren. Das war damals so ein Trend: man fuhr nach Amerika, um Geld zu machen! Nach einem Jahr hat die Großmutter, sie war eine sehr schöne Frau, gesagt: er lebt dort, ich lebe hier, und sie hat ihre Tochter, die noch klein war, bei ihren Eltern gelassen und ist ihm nach Amerika hinterher gefahren. Der Großvater war ein Arbeitstier und auch so ein bisserl ein geiziger Mensch. Die Großmutter hat in Amerika dann auch ein wenig gearbeitet. Sie hat nähen können, aber sie wollte auch leben und hat sofort einen Bukowiner Club gegründet. Der Großvater hat dann gesagt: ich bin nach Amerika gekommen, um Geld zu machen und nicht, um Geld auszugeben. Irgendwann hat die Großmutter zum Großvater gesagt: Feiwel, wann wirst du mit mir nach Hause gehen? Ich will nach Hause zurück, ich werde keine Zähne mehr haben, wenn wir nach Hause gehen. Wir haben genug Geld, wir werden damit etwas aufbauen können. So haben sie begonnen. Sie haben in Czernowitz ein Haus und die Fabrik gebaut und langsam, langsam haben sie sich emporgearbeitet. Die Großeltern hatten in meiner Zeit einen großen Hof, auf dem vier Häuser, die Eisfabrik und die Eiskellereien standen. Als der Großvater 1929 gestorben ist, ist die Großmutter in ihrem Haus wohnen geblieben.

In den Eiskellereien wurde Natureis gelagert, das man im Winter vom Prut [Fluss] herausgeschnitten hat und das im Sommer verkauft wurde. Das Eis wurde im Winter, wenn man es gebracht hat, von Maurern bearbeitet, denn das Natureis war natürlich nicht gerade. Es wurde zerhackt, und aus dem zerhackten Eis entstanden Blöcke. Die wurden so bearbeitet und gelagert, dass keine Luft zwischen ihnen entstehen konnte. So hat es besser gehalten. Im Sommer sind die Arbeiter schon um vier Uhr in der Früh in die Eiskellerei gekommen, haben die Eisblöcke abgeklopft, und so wurde es verkauft. Im Sommer wurde in der Eisfabrik auch chemisch Eis erzeugt. Das waren dann viereckige Eisblöcke. Ich glaube, als ich nach Wien kam, habe ich hier auch solche Eisblöcke gesehen. Es gab ein Gesetz, dass die Fleischhauer nur das chemisch hergestellte Eis, also die Blöcke, zum Kühlen des Fleisches benutzen durften. Das Natureis hat zwar länger gehalten als diese Blöcke, aber aus hygienischen Gründen durfte das Fleisch nicht nur auf dem Natureis gehalten werden. Aber das chemisch hergestellte Eis wurde oft von den Fleischhauern mit dem Natureis gemischt. Man nahm ein bisserl von dem und ein bisserl von dem.

Mein Vater war an der Fabrik des Großvaters beteiligt, hatte sich aber auch mit einer eigenen Eiskellerei selbstständig gemacht. Wir hatten auch Ställe für unsere Pferde - es waren zwischen 20 oder 30 Pferde. Und wir hatten einige Kühe. Das Eis wurde auf den Pferdewagen jeden Tag zu den Kunden - Fleischhauern, Hotels, auch private Abnehmer waren fixe Kunden - transportiert.

Wir hatten viele Angestellte. Das waren Arbeiter vom Land, hauptsächlich Ruthenen. Sie waren jahrelang bei uns beschäftigt. Im Winter wurde kein Eis gebraucht, da haben unsere Pferdewagen aus Bessarabien Alkohol für die Likörfabrik in Czernowitz transportiert - Peres hieß die Fabrik oder der Inhaber hieß Peres, das weiß ich nicht mehr. Und im Herbst und im Frühjahr transportierten die Pferdewagen meines Vaters Baumaterial für Baufirmen. Die Arbeiter waren also das ganze Jahr beschäftigt. Sie hatten über den Stallungen Zimmer, wo sie wohnten. Zu den Feiertagen, zum Beispiel zu Weihnachten, sind deren Familien zu uns gekommen, um mit ihnen gemeinsam zu feiern.

Die Fanny, das älteste Kind der Großeltern, lebte in Czernowitz und hat einen Herrn Rippel geheiratet. Sie hatten zwei Söhne Schnoppi, den richtigen Namen weiß ich nicht, so wurde er genannt und Louis. Er hatte eine Goldschmiedelehre in Czernowitz gemacht. Der Herr Rippel ist zwischen Argentinien und Czernowitz gependelt, er ist oft hin und hergefahren. Dann ist der Louis auch nach Argentinien, nach Buenos Aires, zum Vater gefahren und die Fanni ist ihnen gefolgt. Sie ist aber wieder nach Czernowitz zurückgekommen, das ist so ein ‚a hin und a her’ gewesen. Dann waren schlechtere Zeiten in der Bukowina, und sie ist mit dem Schnoopi in Argentinien geblieben, ich habe sie nie wieder gesehen. Aber der Louis war Anfang der 1950er-Jahre, als meine Eltern noch lebten, mit seiner Frau zu Besuch in Wien. Er ist auch oft nach Israel gefahren, aber sie leben alle nicht mehr.

Als nächstes Kind der Großeltern kam die Berta. Sie hat Leon Lutwak geheiratet. Sie hatten in Czernowitz, in der Tempelgasse, ein bekanntes Delikatessengeschäft. Damals importierte man schon Spezialitäten aus dem Ausland. Das war wirklich ein herrliches Geschäft! Die Tochter Sylvia ist leider schon im Alter von 20 Jahren in Czernowitz gestorben. Sie war krank, ich glaube, sie hatte Leukämie. Die Berta und der Leon wurden 1941 nach Transnistrien deportiert. Sie haben den Holocaust überlebt und sind nach Czernowitz zurückgekommen. Als die Russen das zweite Mal nach Czernowitz kamen, sind sie nach Bukarest geflüchtet. Dort habe ich sie wieder gesehen. Sie sind dann nach Argentinien zur ältesten Schwester Fanny gefahren und dort geblieben. Beide sind dort gestorben.

Die nächste Schwester war die Jetti. Sie hat den Moses Horowitz geheiratet. Moses Horowitz stammte nicht aus der Bukowina, sondern aus Rumänien. Aber sie haben in Czernowitz gelebt. Sie hatten einen Sohn, den Otto. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Otto in Italien auf eine Marineschule. Als Mussolini begann mit Hitler anzubandeln, ist Otto nach Bukarest [Rumänien] gegangen. Er hat in Bukarest in einer großen Fabrik irgendetwas gearbeitet und sich mit der Tochter des Inhabers der Fabrik verlobt. Sie wollten heiraten, aber 1940 sind die Russen [Juni 1940 bis Sommer 1941 besetzte die sowjetische Truppen Czernowitz] nach Czernowitz gekommen. Otto hat seine Eltern dringend gebeten, zu ihm nach Bukarest zu kommen, aber sein Vater hat gesagt, dass er zuerst alles liquidieren und verkaufen will. Da ist Otto nach Czernowitz gefahren, um seine Mutter zu holen. Damals konnte man am Anfang, als die Russen gekommen sind, noch ein bissel hin und herfahren. Aber als er mit seiner Mutter nach Bukarest fahren wollte, hatten die Russen schon alles abgesperrt. Sie kamen nicht mehr hinaus. Da hat Otto einem Grenzposten sehr viel Geld bezahlt, damit er sie über die Grenze bringt, aber der hat sie direkt zum NKWD 4 gebracht. Sie wurden verhaftet und nach Sibiren geschickt. Die Tante hat überlebt, aber Otto ist dort gestorben. Schrecklich, der Junge ist dort gestorben! Die Tante Jetti hat nach dem Krieg ihren Mann, den Moses, wieder gefunden. Sie sind dann beide zu den Schwestern nach Argentinien geflüchtet.

Netti, die nächste Schwester war verheiratet mit Herrn Kraft. Ich habe beide nur aus Erzählungen gekannt, denn 1927 oder 1928 sind sie nach Argentinien gegangen.
Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie mich adoptieren und mitnehmen wollten, weil sie keine Kinder bekommen konnten. Aber wer gibt ein Kind weg? Ich habe sie nicht gesehen, denn ich war nie in Argentinien. Jetzt sind sie natürlich schon lange tot.

Salo Engler, also der Bruder meines Vaters, war verheiratet mit Paula Hoch. Sie hatten eine Tochter, die Miriam, die jetzt in Israel lebt. Der Salo ist sehr jung gestorben, 1933 glaube ich. Ich war damals noch ein Kind. Die Paula hatte er in Czernowitz kennen gelernt. Salo hat in der Eisfabrik gearbeitet. Drei Brüder, Salo, Pinkas, Isidor und die Großmutter waren Besitzer der Eisfabrik. Mein Vater hatte sich separat eine Eiskellerei und das Transportgeschäft eröffnet. Als der Salo gestorben ist, war seine Tochter drei oder vier Jahre alt. Er hatte leider Leukämie. Sie sind auch wegen der Leukämie nach Wien gefahren, aber es hat nichts geholfen. Tante Paula und Miriam sind 1941 auch nach Transnistrien deportiert worden. Sie haben überlebt und sind im Jahre 1944 nach Czernowitz zurückgekommen, wie die Russen gekommen sind sie nach Palästina emigriert.

Der jüngste Bruder war der Isidor. Isidor war auch einer der Mitbesitzer der Eisfabrik des Großvaters. 1941 wurde er auch nach Transnistien deportiert. Er hat spät, nach dem Krieg, Mania Kuppermann geheiratet. Sie hatten keine Kinder. Als die Russen wieder nach Czernowitz kamen, sind sie mit meiner Großmutter vor den Russen aus Czernowitz nach Jassi, in Rumänien, geflüchtet. Meine Großmutter ist in Jassi gestorben. Ich glaube, 1958 sind mein Onkel und seine Frau dann aus Jassi nach Wien geflüchtet und wollten weiter nach Israel emigrieren. Aber Mania wollte nicht in Israel leben. Sie hatte einen wohlhabenden Bruder in New York, und sie wollte zu ihrem Bruder. Einige Zeit haben sie in Wien gelebt, dann sind sie nach New York gefahren. Ich weiß nicht, was Isidor in Amerika gemacht hat. Er war wahrscheinlich irgendwo angestellt. Beide sind schon lange tot.

Meine Eltern haben 1922 in Czernowitz geheiratet und 1923 ist mein Bruder geboren. Der deutsche Name meines Bruders war Theobald, im jiddischen hieß er Tuwie, nach dem Vater meiner Mutter, der 1918 an der Spanischen Grippe gestorben war. Theobald ist ein ganz deutscher Name, meine Mutter war so eine bewusste Österreicherin, sie liebte aber auch alles deutsche, zum Beispiel die Literatur. Als ich ein Kind war, ist es einige Male passiert, dass meine Mutter geweint hat. Da sagte ich: Mama, was ist los, was ist geschehen? Da sagte sie: Heute ist der Todestag von Kaiser Franz Josef. Da sage ich: Das trauerst du?
Und sie sagte: Das kannst du nicht verstehen, er war wie unser Vater. Und meine Mutter war keine primitive Frau! In unserer Bibliothek standen Bücher von Schiller, Goethe und viele andere deutschsprachige Schriftsteller, die sie gelesen hat. Sie ist, gesessen und hat gelesen. Und meine Eltern hatten natürlich Zeitungen abonniert. Das war damals das ‚ Morgenblatt’, das ‚ Abendblatt’ und die ‚Allgemeine Zeitung’. Das waren rumänische Zeitungen. Wenn eine Zeitung ist gekommen, hat sie die Zeitung genommen und ist ins Zimmer gegangen, und man durfte sie nicht stören. Meine Mutter war sehr belesen.

Gerufen wurde mein Bruder Theo und nicht Theobald. Als er geboren wurde, haben meine Eltern in der Russischen Gasse eine Wohnung gehabt. Ich bin 1926 in Czernowitz, in der Morgenbesser Gasse, geboren. Das ist der deutsche Name der Strasse, in der wir dann gewohnt haben. Mein jiddischer Name ist Sure, also Sarah. Ich bin schon im eigenen Haus mit einem großen Hof aufgewachsen. Das war dort, wo die Eiskellerei stand. Auch der Fuhrpark hatte dort Platz, es war ein sehr großer Hof.
Als ich klein war, ging ich in einen Kindergarten. Wenn ich vom Kindergarten nach Hause gekommen bin, hat es Mittagessen gegeben, dann habe ich auf der Strasse oder bei uns im Hof gespielt. Der Hof war immer voller Kinder. Mein Vater hatte im Sommer einen Wagen voll Sand für uns Kinder auf den Hof geschüttet, und wir haben dort mit dem Sand gespielt, wie am Strand. In die Volksschule ging ich mit vielen anderen jüdischen Kindern. Ich hatte eine Mitschülerin, die hieß auch Sylvia Engler, wir waren aber nicht verwandt. Wir waren Sylvia Engler Nummer 1 und Sylvia Engler Nummer 2.

Mit unseren Eltern, Onkel und Tanten haben wir Kinder in der dritten Person gesprochen: ‚Wenn die Mama erlaubt‚ wenn der Papa will’… und so weiter. So hat man damals gesprochen. Wir waren so erzogen worden, und wir kannten keine Ausnahmen. Es gab das ‚Du’ nicht. So habe ich auch noch gesprochen, als wir nach dem Krieg in Bukarest lebten und ich schon verlobt war. Meine Tante Berta hat damals auch in Bukarest gelebt. Sie war so ein moderner Typ, und sie hat zu mir gesagt. ‚Sag einmal, ist es nicht an der Zeit, dass du ordentlich zu deinen Eltern sprichst?’ Ich habe gar nicht gewusst, was sie meint! ‚Was meint die Tante’, habe ich sie gefragt. Da sagte sie: ‚Sag nicht: was meint die Tante, sondern was meinst du, Berta. So sollst du zu mir sagen. Und genauso sollst du mit deiner Mama sprechen.’ Ich war es gewöhnt, so mit meinen Eltern, Tanten und Onkel zu sprechen, es war irgendwie so eingefleischt. Aber meine Eltern waren nicht streng, das hatte damit nichts zu tun. Wir hatten ein durchaus warmes, liebevolles Verhältnis miteinander.

Meine Mutter hat viel davon gehalten, armen Menschen zu helfen. Täglich kamen arme Juden zu uns, manchmal auch Christen und Zigeuner, allen hat sie etwas gegeben. Sie hat auch denen geholfen, die nichts verlangt haben, aber von denen sie wusste, dass es ihnen nicht gut geht. Sie hat immer ein ‚offene Tasche’ gehabt.

Meine Familie war religiös. Mein Vater hat Tefillin 5 gelegt und mein Bruder nach seiner Bar Mitzwa 6 auch einige Zeit. Wir haben Pessach gefeiert und ganz traditionell den Seder 7 begangen. Wir lebten streng koscher und wenn das Dienstmädel ein Mal ein Messer, das für milchig war für fleischig benutzt hatte, wurde das Messer sofort draußen in die Erde gesteckt und musste drei Tage in der Erde sein. Mein Vater ist aber nicht dauernd mit einer Kipa [Kopfbedeckung] gegangen. Aber zu den Feiertagen trug er natürlich eine Kopfbedeckung und den Schabbat 8 haben wir auch gefeiert, und da wurde der Kiddusch 9 gesprochen. Manchmal waren wir zu den Feiertagen bei Verwandten , aber meisten sind sie zu uns gekommen, denn in unserem Haus waren so viele Arbeiter, da ist meine Mutter lieber zu Hause geblieben. Am Samstag wurde trotz Schabbat gearbeitet. Was hätte man denn machen sollen? Das wäre ein zu großer finanzieller Verlust gewesen. Zu den Hohen Feiertagen 10 bekamen wir Kinder immer neue Kleider, und die Feiern waren sehr traditionell. In unserer Umgebung gab es ungefähr 15 Schils [jiddisch für Synagogen], es waren viele. Es war sogar in unserer Nähe eine kleine Schil, da hatten wir Plätze, aber zu den Feiertagen sind wir nicht dort hingegangen. Dort war ein Dajan [rabbinischer Richter], nicht ein Rebbe [jiddisch für Rabbiner]. Zu den Feiertagen wurde die Tombey Halle gemietet. Die war sehr groß, und da sind sehr viele hingegangen. Wir haben nicht im jüdischen Viertel gewohnt, aber meine Großmutter lebte nicht weit vom jüdischen Viertel. Sicher hat man dort Kaftan [traditionelles Kleidungsstück] und Pejes 11 gesehen, auch am Schabbes. Das war alles in der jüdischen Gasse, so hat es geheißen. In den vier Häusern meiner Großmutter haben zwanzig Parteien gewohnt, alle waren Juden. Sie hat nur an Juden vermietet. Da gab es auch ebenerdige Wohnungen, die billiger waren. Da lebten fromme Leute mit sechs, sieben oder acht Kindern. Das habe ich gesehen. Die Männer trugen immer einen Hut, und auch Pejes. Aber sie trugen keine weißen Socken, das waren arme Leute. Die hat man unterstützt! Aber der Oberrabbiner vom Großen Tempel, der Mark, war ein moderner Rabbiner. Der hatte dasselbe Schicksal wie mein Bruder.

Zweimal in der Woche kam ein Melamed 12 zu meinem Bruder und zu mir nach Hause und hat uns Religion und Hebräisch lesen gelehrt. Schreiben nicht. Der Melamed kam zu meinem Bruder und zu mir separat. Ich wollte nicht neben ihm sitzen, weil er so nach Knoblauch gestunken hat. Ich habe immer gesagt: er muss dort sitzen, und ich sitze hier. Er stinkt Mama, er stinkt, ich kann nicht neben ihm sitzen! Aber wir haben gelernt. Mein Bruder hat sich dann vor seinem 13. Geburtstag mit dem Melamed auf seine Bar Mitzwa vorbereitet. Er war 13 Jahre alt, und ich war zehn. Ich weiß, die Bar Mitzwa war in einer Schil, aber ich weiß nicht genau, in welcher. Wir haben dann sehr schön gefeiert, mit der ganzen Familie. Meine Familie war ja sehr groß, wenn alle gekommen sind, väterlicher - und mütterlicherseits, waren das sehr viele Personen. Es waren vierzehn Enkelkinder nur mütterlicherseits. Und die Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen meiner Eltern! Natürlich war das sehr schön.

Meine Mutter hat mitgearbeitet. Im Winter haben wir Kinder sogar mitgearbeitet, die ganze Woche. Wenn das Eis da war, haben wir auch Samstag und Sonntag gearbeitet. Man hat ja nicht gewusst, wann das Eis schmilzt, das konnte ja über Nacht passieren. Es gab warme Strömungen, und dann war es vorbei. Man wusste nie, wie lange der Winter bleibt, und mein Vater wollte so viel wie möglich Eis in seinen Eiskellereien lagern. Es bestand immer der Druck, dass es wärmer werden könnte, und das Eis im Fluss schmilzt. Unsere Pferde mit den Wagen haben das Eis vom Prut gebracht und mein Vater hat auch noch andere Fuhrwerker engagiert, die Eis gebracht haben. Sie haben einen Bon für jede Fuhre bekommen, und wenn mein Bruder und ich aus der Schule kamen, stand meine Mutter draußen mit einer Pelzmütze, denn es war doch schrecklich kalt und hat Bons ausgegeben. Wir haben dann unsere Schultaschen ins Haus geworfen und sind auch gestanden und haben diese Bons ausgegeben. Und mein Vater hat am Ende der Woche dafür bezahlt. Manche Arbeiter von denen haben geglaubt, sie können uns Kinder betrügen. Wenn sie angekommen sind, haben sie einen Bon bekommen und nachher sind sie noch ein Mal gekommen und wollten noch einen Bon. Aber wir waren instruiert: zuerst abladen lassen, und dann erst haben wir die Bons ausgegeben.

Unsere Privatkunden, das waren die, die einen Eiskasten hatten, haben im Sommer gewusst, um welche Zeit das Eis kommt. Sie sind heruntergekommen und haben sich das Eis geholt und es hinauf getragen. Gezahlt haben sie monatlich. Mein Vater kassierte nur die Hotels, Fleischhauer, Gasthäuser und so weiter, ab. Mein Bruder und ich haben die Privatleute abkassiert, denn zu den Wohnungen der Privatkunden herauf laufen, das konnte mein Vater nicht. Wenn wir dann gekommen sind, wollten manche nicht zahlen und haben versucht, uns abzuwimmeln, damit wir ein andermal wieder kommen: kommt morgen, kommt übermorgen! Ich habe dann gesagt: Sie haben das Eis schon bekommen, wollen Sie, dass mein Vater mit mir schimpft, weil ich das Geld nicht bringe? So habe ich kassiert, ich war zehn oder zwölf Jahre alt. Ich hatte einen Block, auf dem stand, wen ich abkassiert hatte und der Kunde hat das unterschrieben.

Die Großmutter haben wir im Winter immer zwischendurch besucht. Wir Kinder sind aber im Winter auch Eislaufen gegangen. Ecke Dr. Reisgasse, Dr. Roth Gasse war der Eislaufplatz. Das Haus beim Eislaufplatz gehörte einem Cousin meiner Mutter, dem Isidor Retter. Für das Benutzen des Eislaufplatzes musste man bezahlen. Auf der Prut konnten wir nicht Eislaufen, denn das war zu gefährlich. Viele sind trotzdem gegangen, aber es sind viele dort auch ertrunken. Damals gab es noch keine Eislaufschuhe, wir haben Kufen an unsere Schuhe geschnallt.

Mein Bruder hat bereits seit seinem 10. Lebensjahr bei der Maccabi Fußball gespielt. Die Fußballmannschaft ist sogar nach Bukarest gefahren und hat gegen Maccabi Bukarest gespielt - Maccabi Czernowitz gegen Maccabi Bukarest. Den Haschomer Hatzair 13 gab es bei uns auch, aber man hat gesagt, das sind die Linken, das sind die Kommunisten.

Die ersten zwei Klassen bin ich in die rumänische Volksschule gegangen, die nächsten zwei Klassen in eine Privatvolksschule, die einen jüdischen Direktor hatte, ihm gehörte die Schule. Er hieß Meisler und die Schule hieß Meislerschule. Alle Lehrer waren Juden. Da war sogar ein Cousin meiner Mutter Lehrer. Er hieß Benno Retter und ist auch in Transnistrien umgekommen. „Onkel Benno“ haben wir immer zu ihm gesagt, ich und der Friedrich Daver, mein Cousin. Wir waren im selben Alter und sind in eine Klasse gegangen, und ein Sohn von einer Cousine meiner Mutter, der Nuti Feuerstein, war auch in derselben Klasse. Am ersten Tag hat uns der Onkel Benno gesagt, dass wir ihn nicht Onkel Benno nennen sollen:’ Hier bin ich nicht euer Onkel Benno, hier bin ich der Lehrer Benno Retter. Wir kennen uns nicht!’ Als ich aus der Schule nach Hause kam, habe zur Mama gesagt: ‚Weisst du, der Onkel Benno war so böse!’ In der ersten Volksschule, das war eine Volksschule mit Öffentlichkeitsrecht, waren auch die meisten Lehrer Juden. Da war die Mutter vom Nuti Feuerstein Lehrerin, mit ihr war die gleiche Geschichte. Für mich war das völlig unverständlich.

Zu Hause haben wir Deutsch gesprochen, aber ich habe auch Rumänisch und Ukrainisch sprechen können, weil wir zu Hause mit den Arbeitern immer Rumänisch oder Ukrainisch gesprochen haben. Meine Eltern haben auch Rumänisch gesprochen, es war aber ein schreckliches Rumänisch, wir haben sie ausgelacht. Mein Rumänisch war gut. Wir wohnten zwar in einem Villenviertel, aber es waren drei Kasernen in der Nähe. Da lebten viele Offiziere mit Kindern, und die Kinder haben Rumänisch gesprochen. Wir haben viel mit den Kindern gespielt. Mit den Arbeitern haben wir Ukrainisch, aber eigentlich war das mehr Ruthenisch gesprochen.

Im Sommer sind wir zum Prut schwimmen gegangen. Da gab es einen Strand, und wir sind mit den Eltern mit zwei Sandläufern, so wurden die genannt, das waren so eine Art gelbe Fiaker mit Gummirädern, und die Pferde waren mit einem speziellen Geschirr ausgestattet, baden gefahren. Meine Mutter hat das Essen mitgenommen und ein Tischerl, und wir haben dort Picknick gemacht, zusammen mit Freunden, manchmal auch mit der Familie. Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich Babys sehr geliebt habe. Einmal beim Prut bin ich verschwunden. Das war eine schreckliche Aufregung! Sie haben mich schon im Wasser gesucht, auch mein Bruder ist herumgelaufen mich suchen. Ich war damals vielleicht drei Jahre alt, mein Bruder war sechs Jahre. Er kam dann auf die Idee, mich dort zu suchen, wo Kinderwagen sind. Und auf einmal sah er einen Kinderwagen und kam gelaufen, da lag ich daneben im Gras und schlief. Ich war müde und bin eingeschlafen.

Ein einziges Mal bin ich mit meiner Mutter, meinem Bruder, meiner Tante Paula und ihrer Tochter Miriam, die jetzt in Israel lebt, zwei Wochen ans Schwarze Meer auf Urlaub gefahren. Damals war ich acht Jahre alt. Wir haben in einem Hotel gewohnt und im Meer gebadet. Mein Vater ist nie auf Urlaub gefahren, weil er durch die Arbeit nicht weg konnte. Um G’tteswillen, man hatte damals keine Zeit, man konnte das Geschäft nicht allein lassen, das gab es nicht! Es waren soviel Arbeiter, die bei uns gewohnt haben, und die Pferde mussten versorgt werden. Mein Vater hat zum Beispiel das Getreide für die Pferde, den Hafer, immer in zwei bis drei sehr großen Wagen beim Großhändler gekauft. Wir hatten zehn riesengroße Magazine. Ein Mal hatte er keine Zeit, den Hafer zu holen, und es war schon wenig da. Nicht weit von uns gab es einen Getreidehändler, Sonntag hieß er. Er war auch Jude. Da hat mein Vater einen Arbeiter und mich zum Herrn Sonntag geschickt. Ich sollte auf die Waage aufpassen. Ich war damals vielleicht sechs Jahre alt. ‚Papa, ich kenn mich doch nicht aus,’ habe ich gesagt. ‚Ich weiß’, sagte mein Papa ‚du brauchst nichts machen. Nur schauen, dass der Herr Sonntag nicht den Fuß hinten auf die Waage stellt, und du musst schauen, dass die zwei Zeiger sich decken. Sonst brauchst du nichts machen.’ Und weil der Papa gesagt hat, ich soll schauen, habe ich geschaut, ob der Herr Sonntag den Fuß hinten auf die Waage legt. Als ich schon älter war, vielleicht zwölf, hat der Herr Sonntag, wenn ich dabei war, wenn das Futter für die Pferde bei ihm gekauft wurde, immer gesagt: ‚Nu Mädele kommst schauen, ob ich die Waage richtig eingestellt habe? Er hat mich sehr gern gehabt, der Herr Sonntag. Das sind so Erinnerungen…

Als ich älter war, bin ich in Czernowitz ins Kino gegangen. Meine Eltern waren nie im Kino, dafür hatten sie keine Zeit. Es gab mehrere Kinos, das ‚Roxi’, das ‚Capitol’, das ‚Savoy’… und wie sie alle geheißen haben. Czernowitz hatte ein eigenes jiddisches Theater, und es sind jiddische Theatergruppen nach Czernowitz gekommen. Wir sind manchmal mit unseren Eltern ins jiddische Theater gegangen, da spielten die großartige Sidi Tal und der Adolf Teffner, daran erinnere ich mich noch.

Nach der Volksschule bin ich ins Gymnasium gegangen. Das war ein privates rumänisches Mädchengymnasium mit Öffentlichkeitsrecht. Der Inhaber war der Professor Hofmann, der auch Jude war, dem hat die Schule gehörte. Vom Staat war eine Direktorin eingesetzt. In meiner Klasse waren 54 Mädels, davon waren 51 Jüdinnen. Damals waren das Riesenklassen! Es gab viele Anwärter auf die Schulen, und weil man Schulgeld zahlen musste, wurde in die Klassen soviel reingestopft, wie es nur ging. Wir hatten dreierlei kleine Bänke, aber wir hatten nicht das Gefühl, dass wir zu viele Kinder in der Klasse sind. Es hat alles funktioniert. Die meisten Professoren waren Juden. Mein Bruder ist auch auf so ein Gymnasium gegangen, aber für Buben. Mädchen und Buben waren damals getrennt.

Im Jahre 1938 ist ein rumänisches Regime an die Macht gekommen, das war die Garde de Fier, die Eiserne Garde. Da begann dann auch schon der Antisemitismus. Viele Freunde meines Bruders aus der Maccabi, die älter als er waren, sind nach Palästina geflüchtet. Mein Bruder ist nach Hause gekommen - ich erinnere mich wie heute - und hat gesagt:
‚Ich will nach Palästina fahren.’ Er war 15 Jahre alt und mein Vater hat sich aufgeregt und zu ihm gesagt: ‚Was hast du in Palästina zu suchen, geht es dir hier schlecht. Ganz allein mit 15 Jahren soll ich dich wegfahren lassen, kommt nicht in Frage, du bleibst mit uns hier! Es wird schon nicht so arg sein.’ Und das hat mein Vater gesagt, obwohl schon viele ehemalige Czernowitzer, die in Wien gelebt hatten, nach dem Einmarsch der Deutschen im März 1938 in Österreich, als Flüchtlinge aus Wien zurückgekommen waren und erzählt haben, was sie erlebt hatten. Aber man hat trotzdem nicht geglaubt, dass es schlimm werden könnte.

Im Jahre 1940 sind dann die Russen gekommen. Zu dieser Zeit war ich im Gymnasium, aber das Gymnasium war eine Privatschule, und die Privatschulen wurden von den Russen aufgelöst. Es wurden zwei jüdische Schulen eröffnet, und ich bin dann in eine russisch jüdische Schule gegangen. In der jiddischen Schule wurde jedes Fach auf Jiddisch unterrichtet. Wir hatten jiddische Bücher, alles war Jiddisch. Es gab aber auch rumänische Schulen, moldawische Schulen haben die geheißen. Mein Bruder ist in die moldawische Schule gegangen, und ich bin in die jiddische Schule gegangen, weil sie nicht so weit entfernt von unserem Haus war. Meine Eltern wollten nicht, dass ich weit gehen muss. Die Russen hatten uns alles weggenommen, die Fabrik, die Eishallen… einfach alles. Alles wurde verstaatlicht. Aber mein Vater war sehr tüchtig. Er hat Pferde und Wagen behalten und für die Bierbrauerei gearbeitet. Er hat Bier transportiert. Er nahm sich jemanden, der ihm geholfen hat, und er hat Steuern gezahlt. Offiziell hat er aber allein gearbeitet. So konnte er wenigstens selbstständig sein. Und er hat sich auch arrangiert mit dem Natschalnik, dem Leiter von einer Fabrik. Das war ein Russe, dem er Geld zugesteckt hat, damit er rechtzeitig und das bessere Bier bekommt, so dass er liefern konnte. Mein Vater hat Geschäfte gemacht, und dann begonnen, Champagner nach Sibirien für reiche Leute zu transportieren. Eines Tages sagte einer von denen zu meinem Vater: du stehst auf der Liste für Sibirien. Mein Vater kam sofort nach Hause, und wir sind weg von zu Hause. Bei den Russen war das so: wenn du eine Zeit nicht da warst, man hat dich nicht gefunden zu dem Termin wo man dich finden sollte, dann war das vergessen und erledigt. Und so sind wir weg und haben uns bei unserer Tante Jetti versteckt. Ihr Mann war Angestellter, er hat nichts besessen. Sie lebten in einer Mietwohnung. Wir waren ein paar Tage dort, dann sind wir wieder nach Hause gegangen und nach einem Monat hat mein Vater wieder erfahren, dass man ihn nach Sibirien verschleppen will, da sind wir wieder weg von zu Hause.

Nach einem Jahr kamen die Deutschen nach Rumänien, das war Anfang Juli 1941.
Da begann die bittere Zeit. Aber das Ghetto ist erst im Herbst entstanden. Zufällig war dort die Fabrik meines Vaters, da hat auch meine Großmutter gewohnt. Dort sind wir untergekommen. Wir haben dort in einer 3 Zimmerwohnung zusammen mit 30 Familienmitgliedern gelebt, das waren die Geschwister meiner Mutter mit ihren Familien.

Mein Bruder lebte zu dieser Zeit nicht mehr. Als die Deutschen gekommen sind, hatten sie das Sagen, die Rumänen sind nur so mitgegangen. Da wurden die Strassen abgesperrt und die Juden mussten raus zur Arbeit, auch mein Vater und mein Bruder. Ich sehe ihn noch jetzt wie er auf der Strasse steht. Die ganze Strasse war voller Menschen, auch der Oberrabbiner Mark war dabei. Man hat sie zum Kulturpalast, der am Fischplatz war, gebracht. Juden durften nicht tagsüber und nicht abends ausgehen. Nur von 10 Uhr bis 13 Uhr, um etwas einzukaufen. Aber sonst durften wir nicht auf die Strasse gehen. Im Kuturpalast hat man begonnen, die Leute zu sortieren. Die einen mussten nach Rechts, die anderen nach Links gehen. Ein deutscher Hauptmann hat diese Aktion geleitet. Es hat geheißen, das sind Arbeitsgruppen. Mein Vater ist zu meinem Bruder gegangen, aber der Offizier hat es bemerkt und ihn zurückgeschickt. Sie bleiben dort, wo sie sind, hat er zu meinem Vater gesagt. Als eine Schießerei auf der Strasse begann, gelang meinem Vater, seinem Bruder und Bekannten, sich von Haus zu Haus zu schleichen. Er ist zu meiner Tante gegangen. Er ist nicht nach Hause gekommen und hat dort die Nacht verbracht. Erst dann haben wir erfahren, dass er dort ist. Mein Bruder wurde mit der anderen Gruppe über den Prut geführt, und dort wurden sie alle erschossen. Am 9. Juli in der Früh wurde die Gruppe noch gesehen. Es waren hunderte Juden. Zuerst hieß es, sie sind zu einer Arbeit geführt worden. Außerhalb der Stadt, auf der Schießstätte in Jucica, wurde die ganze Gruppe von den Deutschen erschossen. Es kamen Bauern, die gesagt haben: gib uns ein Foto und Geld, es geht euren Familienangehörigen nicht gut, wir geben es ihnen. Meine Mutter hat einem Bauern viel Geld für meinen Bruder gegeben, aber später hat sich herausgestellt, dass sie alle bereits am 9. Juli erschossen worden waren. Mein Bruder auch. Das haben wir aber erst Monate später erfahren. Fünf Tage danach, also am 14. Juli, wurde meine Schwester geboren.

Mein Vater blieb versteckt, meine Mutter hat die Wehen bekommen, und ich mit meinen 15 Jahren musste die Familie versorgen. Aber wie war die Auswahl? Wer ist auf die eine Seite gekommen, wer auf die andere? Warum war der Vater da und mein Bruder dort? Man hat sie irregeführt, es hieß, sie gehen zur Arbeit. Darum hat mein Vater mit meinem Bruder zusammen sein wollen. Mein Bruder war gerade 18 Jahre alt.

Ich war also nun die Versorgerin, aber man durfte nicht hinaus auf die Strasse. Zum Glück war der jüngere Bruder meiner Tante blond und hatte blaue Augen. Er hat sich Stiefel angezogen und sah dadurch aus wie ein SS-Mann. Irgendwo hat er so ein Wagerl gefunden, die Mama hereingesetzt in dieses Wagerl, und wir sind gefahren in das so genannte jüdische Spital. Da hat sie entbunden. Aber was sich dort getan hat, schwer kranke Leute standen auf der Strasse. Aus allen Spitälern hatte man die Juden hinaus geworfen und dort waren dann alle. Ich ging dann allein nach Hause, aber im Spital gab es nichts zu essen, gar nichts!

Die Russen hatten unsere Eiskellereien beschlagnahmt. Wir hatten dann bei meiner Großmutter gewohnt, denn aus unserem Haus mussten wir ausziehen. In den Eiskellereien hatten die Russen Lebensmittel gelagert. Czernowitz war unter rumänischer Verwaltung, und die Rumänen waren nicht so schlecht wie die Deutschen. Meine Tante Mania und ich sind zum rumänischen Hauptmann gegangen, wir haben mit ihm rumänisch gesprochen, und wir haben gesagt, dass wir verhungern, denn wir haben nichts mehr zu essen. Das ganze Haus in dem wir wohnen ist voller Juden, und meine Mutter ist im Spital, und die Leute im Spital haben auch nicht zu Essen. Wir wissen, die Russen haben Lebensmittel zurückgelassen. Der Rumäne war sehr nett, und er sagte, dass wir um 6 Uhr kommen sollen. Dann schicke er den Wachposten, der vor den Eiskellereien stehe weg, und wir hätten eine halbe Stunde Zeit, in der wir alles, was wir tragen können, mitnehmen dürfen. Wir sind mit Schüsseln gegangen und alle Einwohner des Hauses haben etwas bekommen, und ich habe für das Spital Proviant zusammengepackt. Die Krankenschwestern haben kaum erwarten können, dass ich komme. Aber ich durfte um diese Zeit nicht auf die Strasse. Ich habe mir Zöpfe gemacht, habe mich angezogen wie ein Mädel vom Land und bin barfuss gegangen. So wurde ich die Ernährerin. Als meine Schwester geboren wurde, gab es nichts, es gab auch keine Windeln. In welchen Zustand meine Mutter war, brauche ich nicht zu erzählen. Wir haben Leintücher zerrissen und als Windeln benutzt.

Meine Schwester heißt im jiddischen eigentlichen Rivka, nach der Großmutter. Hier in Wien heißt sie Renée. Sie wurde am 14. Juli 1941 geboren, fünf Tage, nachdem mein Bruder von den Deutschen ermordet wurde.

Mein Vater hat dann eine Bewilligung bekommen, dass er ein bisschen arbeiten durfte. Aber dann wurden wir von den Rumänen nach Transnistrien deportiert. Transnistrien lag in damals Rumänien, heute gehört es zur Ukraine. Die Czernowitzer Juden mussten sich auf dem Maccabi Platz versammeln und wurden mit Zügen nach Transnistrien deportiert. Jeder nahm das mit, was er tragen konnte: einen Koffer, einen Rucksack. Wir kamen in Berschat an. Wir waren die Einzigen aus unserer Familie, die in Berschat waren, alle anderen waren in Mogilev. In Berschat haben wir sehr beengt in kleinen Häusern gewohnt, aber wir hatten nicht das ganze Haus, wir hatten ein Zimmer bei einer Familie. Es war eine große Misere. Wir mussten arbeiten, um nicht an Hunger zu sterben. Es war eine schreckliche Zeit, man hat auch jeden Tag geglaubt, man wird umgebracht. Gearbeitet hat man, wo man hingeschickt wurde. Ich habe in einer Militärküche des rumänischen Militärs gearbeitet. Wir haben Kartoffeln geschält und den Mist raus getragen und zusammengekehrt und Wäsche gewaschen, dazu hat man uns gebraucht. Aber gezahlt hat man uns gar nichts, wir haben nur vom Essen ein bisschen etwas bekommen. Meine Schwester war noch klein und wurde von meiner Mutter gestillt, so hatte sie etwas zu essen und konnte überleben. Sie kann sich zum Glück an nichts erinnern. Wir konnten uns in dem Ort frei bewegen, aber das Städtel verlassen durften wir nicht - es gab rumänische Wachen. Zuerst hatte man noch etwas zum Tauschen, und Holz für den Winter haben wir im Wald gesammelt. Den ansässigen Bauern, die dort gelebt haben, denen haben wir Dazugekommenen alles verkauft, was wir mitgebracht hatten. Aber viele Menschen sind verhungert, die meisten sind nicht zurückgekommen. Drei meiner Onkel sind dort gestorben, von meinem Vater Cousins und Cousinen. Ganze Familien sind dort geblieben. Wenn ich heute daran denke, frage ich mich: wieso habe ich das durchgehalten - ich weiß es nicht. Ich habe das Glück gehabt, dass meine Eltern auch überlebt haben.

Anfang 1944 haben die Russen uns befreit, und wir konnten nach Czernowitz zurück.
Dann wollten die Russen uns zum Militär nehmen, meinen Vater und mich auch. Da haben wir uns herausgewunden, haben einen Russen bestochen und sind geflüchtet nach Dorohoi. Dorohoi ist eine kleine Stadt in Rumänien, gegenüber der Bukowina. Wir sind mit einem russischen Wagen zu Viert geflüchtet. Wir haben auch meinen Cousin mitgenommen, den Tuvie, der heute in Israrel lebt. Er hat die Papiere meines Bruders bekommen. Wir haben gesagt, dass er mein Bruder ist. Irgendwelche Papiere brauchte man, wenn man dort angekommen ist. Gut, wir haben ein bissl die Namen geändert, als wir nach Rumänien kamen. Von Mai 1944 bis September 1944 haben wir in Dorohoi gelebt. Ich bekam dort Bauchtyphus, aber das sind nur so Kleinigkeiten. Wir hatten Angst vor den Russen, weil wir ja geflüchtet waren mit den falschen Papieren. So sind wir immer hinter der Front hergezogen. Unser Ziel war Bukarest. Mein Vater hat das organisiert. Wir waren 12 Familien mit Wagen und Pferden. Zwei, drei Familien haben sich immer zusammen ein, zwei Pferde und einen Wagen gekauft, und das bissl Hab und Gut was man mitgehabt hatte, hat man dort raufgelegt und ist gefahren. Aber Bukarest war noch nicht befreit. So sind wir hinter der Front gegangen. Überall lagen tote Pferde, und ich weiß, die Russen wollten uns unsere Pferde wegnehmen. Aber wir wollten sie natürlich nicht hergeben. Als wir in Vakau, einer kleinen Stadt nahe Bukarest ankamen, konnten wir schon kaum noch.

Wir haben schon nicht mehr können, soviel Tage und Nächte waren wir mit den Pferden unterwegs. Mein Vater ist in Vakau zum Bahnhof gegangen. Damals sind schon Züge wieder von Vakau nach Bukarest gefahren. Das waren aber keine Personenzüge. Er ist zum Bahnhofsvorstand gegangen und hat ihm vorgeschlagen, dass er uns einen Viehwaggon zur Verfügung stellt. Der sagte, dass er das nicht machen könne, weil er alles eintragen müsse. Mein Vater sagte: Dann wirst du diesen Waggon nicht eintragen! Er hat ihm eine schöne Summe gegeben. Wir hatten noch ein bisschen Schmuck, den haben wir verkauft und für das Geld hat er uns einen Waggon zur Verfügung gestellt. Er hat den Waggon nicht eingetragen und uns gesagt, das sei in Bukarest dann unsere Sache. Er wisse jedenfalls dann nichts von uns.

Wir haben einen Wagen und ein paar Pferde mitgenommen. In dem Waggon waren der Wagen und die Pferde und viele Leute. Die anderen Pferde und Wagen haben wir vor der Fahrt nach Bukarest verkauft. Mein Vater war ja Pferde gewöhnt, und er hat gedacht, dass er die Pferde in Bukarest vielleicht noch brauchen kann. ‚Ich weiß ja nicht, was ich machen werde, also warum soll ich sie jetzt verkaufen, ich nehme sie mit’, hat mein Vater gesagt. Er hat sie mit Müh und Not in den Waggon hereingebracht. Aber es gab eine Rampe, da sind wir mit dem Wagen herein gegangen. Wir haben dann sogar die eine Nacht mit den Anderen auf dem Wagen geschlafen. Wir hatten Stroh und haben uns hingelegt. Auf einem Bahnhof vor Bukarest kam der Bahnhofsvorsteher und sagte, dass wir aussteigen müssen. Mein Vater sagte, er steige nicht aus, er fahre nach Bukarest. Der Bahnhofsvorsteher hat ihm dann gesagt, dass er dort nicht aussteigen könne. Aber die Rumänen hatten den Juden gegenüber ein bissl ein schlechtes Gewissen, denn wir haben gesagt, dass wir aus dem Lager kommen. Sie waren am Tod von sehr vielen Juden beteiligt, denn sie waren die Verbündeten der Deutschen. Also konnten wir weiterfahren.

Wir kamen in Bukarest auf dem Hauptbahnhof an, und der Bahnhofsvorsteher hat gesehen, dass unser Waggon nicht eingetragen ist. Er hat uns gefragt, wo wir eingestiegen sind. Mein Vater hat gesagt: ‚Ich weiß nicht, wir kommen aus dem Lager. Wir waren auf irgendeinem Bahnhof, ich weiß nicht, wo das war. Der Waggon war leer, und wir sind einfach eingestiegen.’ Aber ihr könnt hier nicht aussteigen’, sagte der Bahnhofsvorsteher. ‚Das können wir doch’, sagte mein Vater. Mein Vater und mein Cousin haben mit Hilfe der Seitenbretter des Wagens die Pferde und den Wagen auf den Bahnsteig hinunter geschafft, und noch heute sehe ich den Bahnhofsvorsteher vor mir, wie er da steht und höre, wie er sagt: So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen - Pferde und Wagen auf dem Bahnhof in Bukarest. Das war noch nicht da! Ja, so haben wir uns durchgeschlagen.

Als die Rumänen Czernowitz besetzt hatten, hat ein Rumäne, Ion Radulescu hieß er, die Bierbrauerei übernommen, in der mein Vater unter den Russen gearbeitet hatte. Sie haben sofort miteinander Freundschaft geschlossen. Obwohl die Rumänen Juden in dieser Zeit nicht besuchen durften, war er oft bei uns und hat uns auch geholfen. Mein Vater hat gesagt: Gehen wir zu einer öffentlichen Telefonzelle, schauen wir im Telefonbuch nach Ingenieur Ion Radulescu, ob seine Adresse drinsteht. Ich habe geschaut und den Namen gefunden. Weil mein Rumänisch wesentlich besser war, als das meines Vaters, habe ich angerufen und gesagt, wer ich bin. ‚Sylvia, bist du es, wo bist du?’ Ich habe ihm gesagt, dass ich in Bukarest bin. ‚Wieso, seit wann, mit wem, ist der Papa auch da?’ Ich habe gesagt, der Papa, die Mama sind da und die kleine Schwester ist auch da. Dass mein Bruder erschossen wurde, hat er schon gewusst. Das war vorher passiert. Er hat gesagt, dass wir alle sofort zu ihm kommen sollen. Er hat gesagt, dass er eine wunderschöne Villa hinter dem königlichen Palais hat. Aber mit uns waren doch noch die anderen, die auch im Zug waren. Ich habe gesagt, dass wir nicht alleine sind, und er sagte, dass wir alle kommen sollen. Wir kamen an eine wunderschöne Villa, aber es gab keine richtige Einfahrt, nur ein kleines Tor. Damals war es so, wenn wir die Pferde auf der Strasse hätten stehen lassen, hätten die Russen sie sofort mitgenommen. Und das ging doch nicht! Er hat uns gesagt, dass wir den Zaun niederreißen und mit den Pferden und dem Wagen hereinfahren sollen. Bukarest war von den Alliierten bombardiert worden, und seine Frau und die Kinder waren aufs Land geflüchtet. Er musste beruflich in Bukarest bleiben. Wir haben dann alle 1-2 Monate bei ihm gewohnt.

In dieser Zeit begann mein Vater zu arbeiten. Wir haben eine Wohnung gefunden - interessanter Weise bei einer jüdischen Familie, die ihr Haus zurückbekommen hatte. Wir haben von Herbst 1944 bis 1947 dort im ersten Stock gewohnt.

Anfang der 1960er-Jahre hat Ion Radulescu meinen Vater angerufen und hat zu ihm gesagt: Ich würde so gern einmal Wien sehen. Da hat mein Vater gesagt: ‚Kommen Sie Herr Ingenieur, Tür und Tor sind offen für Sie’. Und er ist wirklich gekommen. Aber er musste allein kommen, weil die kommunistische Regierung in Rumänien die Familie nicht raus gelassen hat. Aber er war so glücklich mit uns zusammen zu sein und Wien zu sehen. Er war früher der, der geholfen hat, und dann hat sich mein Vater revanchiert. Mein Vater hat auch ein Auto im Dorotheum gekauft auf den Namen des Ingenieurs und hat es ihm geschenkt. ‚Das gibt es doch nicht’ hat der Ingenieur gesagt. Und da hat mein Vater gesagt, er hat sehr schlecht Rumänisch gesprochen: Für Sie alles!’ Ion Radulescu war so stolz, er ist mit dem Auto von Wien nach Bukarest gefahren. Einmal war er noch in Wien. Er hat in Rumänien den Behörden immer gesagt, er fahre krankheitshalber nach Wien. Er hat nichts von uns gesagt, das wäre nicht gegangen, sie hätten ihn nicht fahren lassen. Er war wirklich ein einmaliger Mensch! Dann hat der Kontakt aufgehört. Meine Mutter ist 1961 gestorben und mein Vater 1963. So ist das Leben!

Mein Vater ging schon 1945 nach Österreich. Zuerst ist er immer hin - und hergependelt; von Wien nach Bukarest und von Bukarest nach Wien. Und im August 1947 ist meine Mutter mit meiner Schwester illegal nach Wien gekommen - aber immerhin im Schlafwagen.

Ich habe 1946 in Bukarest Leon Segenreich geheiratet. Leon war 1913 als einer von neun Kindern in Botosani, in Rumänien, geboren und hatte in Czernowitz Jus studiert. Sein Cousin Salo Segenreich aus Czernowitz hatte meine Cousine Lola Fenster in Transnistiren geheiratet. Dadurch haben wir uns in Bukarest kennen gelernt, Lola hat mir meinen Leon vorgestellt. Es gab Czernowitzer Segenreichs, es gab Botosanis Segenreichs, und es gab in Bukarest Segenreichs. Das ist alles eine Familie. Die Mutter meines Mannes hieß Adele, Ada wurde sie genannt. Nach ihr ist meine Tochter benannt. Ihr Vater war Rabbiner. Sie war sehr fromm und trug bei ihrer Hochzeit einen Scheitl 14. Meine Schwiegermutter hat zwölf Kinder geboren, von denen neun am Leben geblieben sind. Sie ist 1938 gestorben. Mein Schwiegervater, Ben Segenreich, war nicht so fromm. Mein Sohn ist nach ihm benannt. Die Familie meines Schwiegervaters stammte aus Polen. Er ist bereits als junger Mann nach Botosani gekommen und hatte einen Export von Eiern und ist immer herumgefahren und hat Eier verkauft. Ich habe sogar ein Bild von ihm, wo er auf der Rückseite seiner Frau schreibt, er habe so und so viel Waggons Eier verkauft. Neben dem Eierexport hat er Papiertüten und Papiersäcke erzeugt. Mein Schwiegervater hat den Krieg in Botosani überlebt. Zehn Tage nach unserer Hochzeit ist er gestorben. Er wäre gern gekommen, aber er war schon sehr krank, und man hat so kurz nach dem Krieg doch nicht mit dem Zug fahren können. Es hätte ihn jemand zu unserer Hochzeit bringen müssen.

Wir haben unsere Hochzeit am Vormittag und Mittag gefeiert, weil wir Angst vor den Russen hatten. Am Abend hat man sich nicht getraut auf die Strasse zu gehen. Die Russen haben die Leute überfallen und ihnen alles weggenommen.

Mein Mann konnte sein Studium nicht beenden, denn nach der Matura hatte er ein Jahr beim rumänischen Militär gedient, Maturanten brauchten nur ein Jahr dienen, und während seines Studiums kamen die Deutschen. Er hat in Bukarest nach dem Krieg mit seinem um 10 Jahre älteren Bruder Saul und dem jüngsten Bruder Jechiel einen Papiergroßhandel eröffnet. Durch den Vater hatten sie Beziehungen zur Papierbranche. Saul hatte auch in Czernowitz Jus studiert, wie mein Mann. Er war ein fertiger Rechtsanwalt. Aber man hat die Juden damals nicht zur Rechtsanwaltskammer zugelassen in Bukarest, und er hat nie als Rechtsanwalt gearbeitet. Den Krieg hat er, auch wie wir, in Transnistrien überlebt. Er ist Ende der 1940er-Jahre nach Israel emigriert.

Mein Vater hat mich und meinen Mann dann gedrängt, auch nach Wien zu kommen. Er hat uns dann mit falschen russischen Papieren nach Wien geholt. Aber mein Mann konnte nicht russisch. Ich habe schon ein bisschen russisch sprechen können. Im September oder Oktober 1947 sind wir in Wien angekommen. Mein Vater hatte in Wien sofort die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen, weil er doch ein alter k. u. k. Österreicher war, aber wir mussten fünf Jahre warten, dann waren wir auch österreichische Staatsbürger. Als wir nach Wien kamen, waren die Russen noch da. Und vor denen waren wir doch aus Czernowitz geflüchtet. Aber sie sind 1955, nach dem Staatsvertrag 15, aus Österreich abgezogen. Mein Vater hatte eine Zimmer-Kabinett-Wohnung mit Außenklo in der Pramergasse gemietet. Im Kabinett wohnte der Mann, dem die Wohnung gehörte. Er hatte nichts, wovon er hätte leben können, so hat er das Zimmer vermietet. Er hat gesagt, dass er auch die Küche nicht brauche, nur das Kabinett. Als wir gekommen sind, wussten wir nicht, wo wir wohnen können. Gut, man hätte im Rotschildspital wohnen können, aber mein Vater wollte das nicht. Also haben wir zu fünft in dem einen Zimmer gewohnt: mein Mann, mein Vater, meine Mutter, ich und meine kleine Schwester Renée. Renée war damals erst drei Jahre alt. In den Kindergarten war sie in Bukarest gegangen und hat dort Rumänisch gesprochen, und zu Hause hat sie Deutsch gesprochen. Aber Rumänisch konnte sie besser sprechen. In Wien kam sie in die erste Klasse. Jetzt versteht sie Rumänisch noch, aber sie kann es nicht mehr sprechen. Renée ging nach der Volksschule vier Jahre aufs Lycée [Ecole française de Vienne, französische Schule in Wien]. Von der französischen Schule wechselte sie dann in die Handelsakademie, und nach der Handelsakademie hat sie die Modeschule Hetzendorf absolviert. Sie war immer sehr kreativ und hat ihre Kreativität auch in dem Juweliergeschäft, das sie mit ihrem Mann Claude Sillam betrieb, umsetzen können. Sie ist sehr vielseitig und malt fantastisch. Ihre Tochter Helene ist Ärztin und hat vier Kinder. Der Sohn hat Renées kreative Begabung geerbt. Er führt jetzt das Juweliergeschäft weiter.

Meine Eltern sind auch in Wien regelmäßig in den Tempel gegangen, aber koscher waren sie nicht mehr. Natürlich gab es kein Schweinefleisch, aber das Geschirr war nicht mehr separat. Mein Mann ist fast jeden Freitagabend und Samstag in den Stadttempel in der Seitenstettengasse gegangen. Er stammte aus einem sehr religiösen Haus, sein Großvater war ja Oberrabbiner. Und dieser Oberrabiner, das hat mir mein Mann erzählt, ist mit seiner Frau damals nach Palästina gefahren, um dort zu sterben. Und er ist wirklich dort gestorben und dort begraben. Mein Mann hatte von seiner Mutter ungefähr gewusst, wo das Grab ist. Und als er das erste Mal nach Israel gefahren ist, da wurde auf der jordanischen Seite eine Strasse gebaut und man wusste nicht mehr genau, wo der Friedhof war.

Wenn mein Mann Freitagabend in den Tempel ging, bin ich nie mitgegangen, weil ich das Nachtmahl vorbereitet habe. Wir hatten manchmal Gäste. Das war selbstverständlich. Zu den hohen Feiertagen hatten wir unsere festen Plätze im Tempel, solange mein Mann lebte.

Mein Mann und mein Vater haben zusammen im 15. Bezirk eine Gummisohlenfabrik eröffnet. Die Gummisohlenfabrik war in der Flachgasse. Als mein Vater Anfang der 1960er-Jahre am Herzen erkrankte, hat mein Mann die Fabrik allein weitergeführt. Meine Eltern starben beide an einem Herzinfarkt, meine Mutter 1961, mein Vater 1963. Die Fabrik hatten wir bis 1970/71, da waren unsere Kinder schon fast aus dem Haus. Wir hätten dann viel investieren müssen - neue moderne Maschinen kaufen müssen. Da hat mein Mann gesagt, das sei ein Blödsinn, wir sollten etwas anderes beginnen, denn rechts und links von uns entstanden Gemeindebauten, und nur wir waren noch dazwischen. Die Stadt hat dann ein Bauverbot für uns erlassen, und wir mussten verkaufen, notgedrungen eigentlich! So haben wir ein kleines Geschäft am Rudolfsplatz, im 1. Bezirk, für viel Ablöse gekauft. Wir wollten etwas haben, wo wir allein arbeiten können - ohne Angestellte, ohne Arbeiter. Mein Mann war schon fast 60 Jahre alt, ich war 13 Jahre jünger. Er war fast 60, aber es ging ihm gut, und er hat immer jugendlich ausgeschaut. So hatten wir dann ein kleines Textilgeschäft. Mein Mann ist 1988 gestorben, und ich habe das Geschäft noch bis 1996 weiter geführt.

Meine Tochter Ada wurde 1949 geboren. Eigentlich heißt sie Adele, aber wir rufen sie Ada. Während der Schwangerschaft mit meiner Tochter hatte ich über 30 Kilo zugenommen. Ein Wahnsinn! Ich habe schrecklich ausgeschaut. Ich wollte gar nicht soviel essen, aber meine Mama hat immer gesagt: Iß, du isst jetzt für zwei! Ich war jung damals und blöd! Na ja, egal! So ist es halt. Dann habe ich aber zum Glück alles wieder abgenommen.

Auch Ada und mein Sohn Ben haben, wie meine Schwester Renée, das Lycée besucht - vom Kindergarten bis zur Matura. Nach der Matura hat Ada sehr schnell geheiratet. Sie hat drei Kinder - Katja, David und Jonathan - und vier Enkelkinder - Joshua, Ethan, Elijah und Nathaniel. Ihr Mann Claude Tuchband hat eine Versicherungsgesellschaft in Paris. Das Haus der Versicherungsanstalt ist groß, und es gibt viele Büros und viele Angestellte. Der ältere Sohn David hat Jus studiert und arbeitet auch in der Versicherungsgesellschaft. Jonathan studiert Wirtschaft. Ada hatte viele Jahre eine Modeschmuckfirma, da wurde Modeschmuck erzeugt, der nach Japan exportiert wurde, und sie war auch oft in Japan. Das war ihr Hobby, aber jetzt ist sie nur noch karitativ unterwegs. Sie arbeitet für jüdische Organisationen.

Mein Sohn Ben wurde 1952 geboren. Er beteiligte sich aktiv am jüdischen Leben in Wien. Er war Mitbegründer der Maccabi in Wien und hat jahrelang bei Maccabi Fußball gespielt. Jeden Sonntag sind mein Mann und ich mit einem jüdischen Ehepaar, sie war Wienerin und er stammte aus Belgien, auf den Fußballplatz gegangen. Die zwei waren damals schon ältere Leute. Die Anhänger von Maccabi und die Anhänger der anderen Mannschaft sind immer separat gesessen. Und wenn Maccabi ein Tor geschossen hat, wurde es immer offen antisemitisch. Einmal sind die Anhänger der anderen Mannschaft zu uns gekommen und haben die Frau geboxt. Ich bin daneben gestanden und habe zurückgegeben. Die Frau war etwas verletzt, das hat mein Mann gesehen, da ist er auch gekommen. Und dann begann eine Schlägerei. Na gut, mein Sohn hat am Fußballplatz während des Spiels einem Gegner aus Versehen zwei Zähne ausgeschlagen. Aber offenen Antisemitismus habe ich, in der Zeit seit ich hier lebe, nur auf dem Fußballplatz erlebt. Meine Kinder haben damals auch nichtjüdische Kinder mit nach Hause gebracht, mit denen sie befreundet waren. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass mir das nichts ausgemacht hat, es waren Freunde, egal was sie waren. Mensch ist Mensch. Das waren gute Kinder. Keine Antisemiten. Aber heimlich habe ich schon gehofft, gesagt habe ich nichts, dass sie einmal Juden heiraten werden. Und es ist auch so gekommen, Gott sei Dank!

An die Bar Mitzwa von Benni kann ich mich noch genau erinnern. Damals war es üblich nach der Feier im Tempel ins jüdische Restaurant, Vorhand hieß der Besitzer, zu gehen und mit den Freunden und Verwandten weiter zu feiern. Das Restaurant war in einem Keller, in der Weihburggasse, im 1. Bezirk. Vorhand hatte auch eine jüdische Bäckerei in der Hollandstrasse, im 2. Bezirk. Er war sein eigener Maschgiach, das bedeutet, er passte selber auf, dass das Essen nach den jüdischen Gesetzen ‚rein’ ist. Eines Abends habe ich zu meinem Mann gesagt: ‚Ich will nicht in der Weihburggasse die Feier machen, das Essen ist nicht gut und der Service ist noch schlechter. Die einen sind noch bei der Vorspeise, die anderen schon bei der Nachspeise. Ich will eine schöne Bar Mitzwa.’ Was war mir eingefallen? Das Hotel InterContinental, in der Johannesgasse, hatte gerade eröffnet. Dort wollte ich mich erkundigen. Mein Mann war entsetzt und meinte, dass der Preis ein Wahnsinn sein werde und die Speisen außerdem nicht koscher, also nach jüdischen Gesetzen rein. Aber unsere Freunde waren alle nicht koscher, und der Rabbiner würde eben etwas Vegetarisches essen und Wein trinken. Ich habe im Hotel angerufen, mich angemeldet und bin hingefahren. Da war ein sehr freundlicher junger Direktor, sehr nett, der mir sofort Vorschläge für das Buffet machte. ‚Moment bitte,’ habe ich gesagt ‚das geht alles nicht, wir sind Juden.’ Daraufhin holte er einen seiner Köche. Dieser Koch hatte jahrelang in Amerika in einem jüdischen Restaurant gearbeitet. Was für ein Zufall! Ich habe mich mit dem Koch über gefillte Fisch und viele andere Speisen unterhalten. Er hat gesagt, er weiß wie man jüdische Gerichte zubereitet. Nun der Preis! Das war ja sehr wichtig, denn wir haben mit über Einhundert Gästen gerechnet. Mein Mann konnte gut reden, immerhin war sein erlernter Beruf Anwalt. Mein Mann hat also zu dem Direktor gesagt: ‚Schaun Sie, wenn Sie das moderat machen werden, garantier ich Ihnen, dass es nach unserer Feier andere jüdische Feiern geben wird.’ Und es hat sich bewahrheitet: Es gab dann andere Bar Mitza Feiern und auch jüdische Hochzeiten dort, denn es hat sich herumgesprochen, wie wunderbar das Essen und der Service waren. Ein paar Tage vor der Feier rief mich der Koch an und bat mich, dass ich kommen soll, um ihm genau zu zeigen, wie ich das Essen haben möchte. Daraufhin habe ich gesagt: ‚Wissen Sie was, kommen Sie zu mir. In meiner Küche kenne ich mich aus.’ Und ich habe ihm alles gezeigt. Und einen Tag vor der Feier hat er mich in der Früh angerufen, ich soll abschmecken kommen, ob es ihm so gelungen sei, wie ich es wolle. Alle Gäste haben dann gesagt: ‚Wer hat das gekocht, es ist wunderbar!’ Das habe ich alles für Benni gemacht, denn ich habe nur einen Sohn, und ich wollte eine schöne Bar Mitzwa. Für meine Tochter Ada haben wir nur eine kleine Feier gemacht. Es war damals nicht üblich für Mädchen. Ich hätte das selbstverständlich für sie auch gemacht.     

Beide Kinder waren im Lycée alle Jahre Vorzugsschüler. Ich habe nichts dazu getan. Aber natürlich war ich stolz, aber ich hab es nicht so gezeigt. Mein Sohn hat, als er schreiben und lesen gelernt hat, sofort angefangen Gedichte zu schreiben. Wenn ich gesagt habe: schreib was, hat er es sofort gemacht. Aber als mein Mann ihn gefragt hat was er studieren will, wusste er nicht was. Viele Freunde von ihm haben Medizin studiert. Da hat mein Mann zu ihm gesagt: ‚Studier Medizin.’ Da hat er gesagt: ‚Ich kann Menschen nicht leiden sehen, ich kann das nicht.’ ‚Dann mach was du willst’, hat mein Mann zu ihm gesagt, und mein Sohn hat Physik studiert. Zwei Jahre hat er in Paris studiert. Ich habe ihm im selben Haus, in dem meine Tochter gewohnt hat, eine kleine Wohnung gemietet. Da konnte er immer bei der ersten Tochter meiner Tochter Babysitter sein. Nach dem Studium hat er sechs Jahre in Wien bei Siemens gearbeitet. Dann hat er sich entschlossen, nach Israel auszuwandern, und er hat bei Siemens gekündigt. Damals war er ungefähr 30 Jahre alt. Er ist nach Israel gefahren und hat dort bei der Elektronik Firma Tadiran ein paar Jahre gearbeitet. In dieser Zeit hat er schon für deutsche Zeitungen, für Schweizer Zeitungen, auch für Wiener Zeitungen geschrieben. Ich weiß nicht, wer im ORF über ihn gesprochen hat, aber er bekam dann eine Einladung nach Wien. Er hatte im ORF ein Interview, und sie haben ihn als Israel Korrespondenten eingestellt. Am Anfang hat er nur fürs Radio gearbeitet, und dann hat er fürs Fernsehen und für den ‚Standard’ gearbeitet. Jetzt lebt er schon lange mit seiner Frau Daniela und den Töchtern Timna und Noa, die in Israel geboren sind, in Israel.

Ich habe keinen Platz mehr im Tempel, weil ich die Feiertage entweder bei meinem Sohn in Israel oder bei meiner Tochter in Paris verbringe. Gott sei Dank, ich hab ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern. Zu Pessach 16 bin ich in Israel bei meinem Sohn. Und zu Rosch Haschana 17 und Jom Kippur 18 bin ich bei meiner Tochter in Paris. Das ist schon Jahre so, seitdem ich allein bin. Den ganzen August ist mein Sohn in Österreich, er ist nicht die ganze Zeit in Wien, sie fahren auch ein bisschen mit den Kindern herum. Und meine Tochter kommt auch, so oft sie kann. Seitdem ich allein bin, ruft sie mich tagtäglich an.

Sie lebt traditionell und mein Sohn in Israel sowieso. Noch heute, wenn ich nach Paris fahre, nehme ich gefillte Fisch und verschiedene andere jüdische Gerichte mit. Ich bereite das Essen zu Hause vor, und dort koche ich es. Nach Israel nehme ich auch das vorbereitete Essen mit. Früher habe ich in Paris immer Melanzani gebraten, aber das kann ich jetzt bei meiner Tochter nicht mehr, weil sie einen Elektroherd hat, und so brate ich die Melanzani zu Hause, frier sie ein und nehme sie dann mit. Auf dem Elektroherd kann man die Melanzani nicht vorbereiten. Seit zwei Jahre hat mein Sohn auch einen Elektroherd, da kann ich das auch nicht mehr machen. Da muss ich inzwischen auch die Melanzani mitbringen.

Katja, die älteste Tochter meiner Tochter ist besonders fromm. Sie lebt mit ihrem Mann und den Kindern in London, ist koscher, das Geschirr ist separat. Ihr Mann ist sehr fromm, aber er trägt keine Pejes. Sein Vater ist schon als Kind mit seinen Eltern aus Russland nach England gekommen. Er ist auch fromm, trägt aber auch keine Pejes. Woher seine Mutter stammt, weiß ich nicht.

Eigentlich ist Wien für mich ein zu Hause geworden, ich wohne doch seit 1947 schon hier. Aber ich habe fast nur jüdische Freunde. Leider sind sehr viele meiner Bekannten und Freunde gestorben. Als wir jünger waren, sind wir immer viel ausgegangen. Im Krieg hat man das doch nicht können. Jeden Samstagabend waren mein Mann und ich mit Freunden im Theater. Im Theater in der Josefstadt, im Burgtheater und im Operettentheater. Jeden Samstag! Und danach sind wir noch in eine Bar gegangen und haben getanzt. Wir waren jung und hatten Nachholbedarf. Ich hatte eine wunderschöne Kindheit, aber meine Jugend war katastrophal. Na ja, so ist das Leben eben.

Mit meinen Freundinnen treffe ich mich fast jeden Samstag. Da sitzen wir im Kaffeehaus Landmann oder im Lehmann und unterhalten uns, oder ich lade sie manchmal auch zu mir ein. Wir fahren auch zum Heurigen, aber selten. Auch mit meiner Schwester treffe ich mich. Mein Sohn will, dass ich nach Israel komme, um dort zu leben und in seiner Nähe zu sein, aber solange ich mir alles allein machen kann, lebe ich in meiner Wohnung, in der ich so viele Jahrzehnte bin. Ich wünsche mir, nur solange zu leben, wie ich fit bin. Werden wir sehen!
Ich kann mir schon vorstellen, in Israel zu leben. Ich habe als Kind Hebräisch lesen gelernt, ich verstehe nicht alles, aber viel, aber in Israel würde ich auch mit Rumänisch, Deutsch, Jiddisch, Russisch und Ukrainisch durchkommen. Wenn ich in Israel in den Supermarkt einkaufen gehe, frage ich: wer spricht Rumänisch, wer spricht Russisch, wer spricht… und wenn ich etwas wissen will, dann gehe ich zu demjenigen und frage. Mein Mann und ich sind immer nach Israel gefahren, da waren die Kinder noch ganz klein. Fast die ganze Familie hat dort gelebt, denn die Geschwister meines Mannes sind nach dem Krieg nach Israel gegangen. Aber jetzt lebt von denen niemand mehr, nur die Kinder und die Enkelkinder sind da.

Natürlich habe ich auch Angst um meine Familie in Israel. Nur hilft mir die Angst? Zu meinem Sohn hat irgendjemand gesagt: ‚Sie können doch auch hier, in Wien, sehr schön leben.’ Da hat er geantwortet: ‚Meine Heimat ist Israel.’ Ich hatte nie die Absicht, Österreich wieder zu verlassen. Hier bin ich selbstständig, und ich bin bei mir zu Hause. Der Antisemitismus in Österreich war immer da, und er ist da, und er wird immer da sein. Ich wohne hier im Haus schon über 50 Jahre. Die Leute, die damals hier gewohnt haben, sind nicht mehr da. Aber deren Kinder. Sie sind nett, und man grüßt sich.

Ich hoffe schon so viele Jahrzehnte auf Frieden in Israel. Was kann man machen? Wir können nur drüber reden, machen können wir eh nichts.

Als ich vor sechs Jahren in Czernowitz war, habe ich alles wieder gesehen, unsere Häuser und unsere Fabrik und die Eishallen. Es schaut schrecklich aus, die Häuser sehen schrecklich aus. Ich besitze die Dokumente über das ganze Vermögen, und ich bin dort zu einem Rechtsanwalt gegangen. Er hat mich gefragt, warum ich das alles noch besitze. Ich habe ihm gesagt, dass meine Eltern die Dokumente aufgehoben haben. Ich dachte, dass er eine Idee hat, was ich damit machen kann. Er hat gesagt, ich soll die Sachen für meine Enkeln oder Urenkeln aufheben, damit die vielleicht mal was davon haben. Kann man nichts machen, so ist das Leben!

Glossar


1 Bukowina, Die - historische Landschaft in Südosteuropa. Die nördliche Hälfte gehört zur Ukraine und ist Teil der Oblast Czernowitz. Die südliche Hälfte gehört zu Rumänien und ist Teil der Bezirke Suceava und Botosani. Die Bukowina, so wie das östlich davon liegende Bessarabien, ist ein Teil der historischen Region Moldau. Nordwestlich davon liegt Galizien, im Südwesten grenzt es an Siebenbürgen.


2 Transnistrien: Östlich des Dnestr gelegene Teil Moldawiens. Transnistrien wird hauptsächlich von Russen und Ukrainern bewohnt. Von 1941 bis 1944 wurde das Gebiet als Transnistria bezeichnet und an Rumänien, das sich am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligte, angeschlossen. Viele rumänische Juden wurden nach Transnistria deportiert und dort ihrem Schicksal überlassen. Die Überlebenden kehrten 1945 nach Rumänien zurück.


3 Ghetto Theresienstadt [Terezin] : Ende des 18. Jahrhunderts gegründete Garnisonsstadt in der heutigen Tschechischen Republik, die während der Zeit des Nationalsozialismus zum Ghetto umfunktioniert wurde. In Theresienstadt waren 140.000 Juden interniert, die meisten aus dem Protektorat Böhmen und Mähren, aber auch aus Mittel- und Westeuropa. Nur etwa 19,000 der Menschen, die in Theresienstadt waren, überlebten.


4 NKWD [Abkürzung für Narodny Komissariat Wnutrennich Del., dt: Volkskommissariat für innere Angelegenheiten], 1934 gebildetes sowjetisches Unionsministerium, zuständig unter anderem für politische Überwachung, Nachrichtendienst, politische Strafjustiz, Verwaltung der Straf- und Verbannungslager, Grenzschutz. War das Instrument des stalinistischen Terrors.


5 Tefillin: lederne ‚Gebetskapseln‘, die im jüdischen Gebet an der Stirn und am linken Arm getragen werden und Texte aus der Torah enthalten


6 Bar Mitzwa: [od. Bar Mizwa; aramäisch: Sohn des Gebots], ist die Bezeichnung einerseits für den religionsmündigen jüdischen Jugendlichen, andererseits für den Tag, an dem er diese Religionsmündigkeit erwirbt, und die oft damit verbundene Feier. Bei diesem Ritus wird der Junge in die Gemeinde aufgenommen.


7 Seder [hebr.: Ordnung]: wird als Kurzbezeichnung für den Sederabend verwendet. Der Sederabend ist der Auftakt des Pessach-Festes. An ihm wird im Kreis der Familie (oder der Gemeinde) des Auszugs aus Ägypten gedacht.


8 Schabbat [hebr.: Ruhepause]: der siebente Wochentag, der von Gott geheiligt ist, erinnert an das Ruhen Gottes am siebenten Tag der Schöpfungswoche. Am Schabbat ist jegliche Arbeit verboten. Er soll dem Gottesfürchtigen dazu dienen, Zeit mit Gott zu verbringen.
Der Schabbat beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend.


9 Kiddusch: von hebr. ‚kadosch‘, heilig. Der Begriff findet in verschiedenen Zusammenhängen Verwendung. Als Kiddusch wird u.a. der Segensspruch über einen Becher Wein bezeichnet, der am Schabbat und anderen Festtagen gesagt wird.


10 [Die] Hohen Feiertage: Rosch Haschana [Neujahrsfest] und Jom Kippur [Versöhnungstag]


11 Pejes od. Peies [hebr: Peot]: die jiddische Bezeichnung für die von frommen Juden getragenen Schläfenlocken. Das Tragen des Bartes und der Schläfenlocken geht auf das biblische Verbot zurück, das Gesicht mit scharfen und schneidenden Gegenständen zu berühren.


12 Melamed [jidd.: Lehrer] : lehrte im Cheder des Schtetl die 4-8jährigen Jungen Bibel, Hebräisch-Schreiben und –Lesen und die Grundrechenarten.


13 Haschomer Hatzair [hebr.: ‚Der junge Wächter‘]: Erste Zionistische Jugendorganisation, entstand 1916 in Wien durch den Zusammenschluß von zwei jüdischen Jugendverbänden. Hauptziel war die Auswanderung nach Palästina und die Gründung von Kibutzim. Aus den in Palästina aktiven Gruppen entstand 1936 die Sozialistische Liga, die sich 1948 mit der Achdut Haawoda zur Mapam [Vereinigte Arbeiterpartei] Zusammenschloss.

14   Scheitl [Scheitel]

Die von orthodox-jüdischen Frauen getragene Perücke.


15 Staatsvertrag betreffend der Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreichs: Abgeschlossen wurde der Staatsvertrag zwischen den Alliierten Mächten - der UdSSR, Großbritannien und Nordirland, USA und Frankreich einerseits sowie Österreich andererseits. Die Unterzeichnung fand am 15. 5. 1955 von den Außenministern der Signatarmächte W. M. Molotow, J. F. Dulles, H. Macmillan und A. Pinay sowie dem österreichischen Außenminister Leopold Figl im Schloss Belvedere, in Wien, statt. Der von den Alliierten Mächten abgeschlossene Staatsvertrag trat am 27. 7. 1955 in Kraft, da Österreich als erstes Opfer der Angriffspolitik Hitlers betrachtet wurde.


16 Pessach: wird acht Tage [in der Diaspora] gefeiert, zur Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, auch als Fest der ungesäuerten Brote [Mazza] bezeichnet.


17 Rosch Haschana [heb.: Kopf des Jahres]: das jüdische Neujahrsfest. Rosch Haschana fällt nach dem jüdischen Kalender auf den 1. Tischri, der nach dem gregorianischen Kalender auf Ende September oder in die erste Hälfte des Oktobers fällt.


18 Jom Kippur: der jüdische Versöhnungstag, der wichtigste Festtag im Judentum.
Im Mittelpunkt stehen Reue und Versöhnung. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten.

Leopold Sokolowski

Poznan
Poland
Interviewers: Agata Patalas, Joanna Fikus
Date of interview: April-May 2005

Mr. Leopold Sokolowski is 82 and retired. He lives in Poznan. He graduated from the Political Science Department at the Adam Mickiewicz University in Poznan, but he never worked in this profession. He was a technician-mechanic at the Rolling Bearing Factory in Poznan. His name used to be Pynchas Federgrün, but he changed it after the war. He spent his childhood in Cracow. He was raised in a traditional, not very well-to-do Jewish family. He just managed to celebrate his bar mitzvah before the war. He studied in cheder, went to talmud torah. In his reminiscences, he often uses Yiddish words. He lived through the war in Niepolomice and the camps. He lost his entire big family. After the war, he married a Polish woman from a family with communist sympathies. He is active in Jewish organizations. He is one of the few in the Poznan community who can pray in Hebrew and therefore he is often asked to lead the prayer. Unfortunately Mr. Sokolowski's declining health keeps him at home more and more.

My family history
Growing up
Religious life
During the War
After the War
Glossary

My family history

My mother's family name was Schnitzer. My grandmother used to be called ‘the old Schnitzer woman,' and I have to confess I can't remember her first name; I called her simply ‘Grandma.' I spoke Yiddish with my grandparents, so Grandmother was ‘bube' [Yiddish for grandmother] and Grandfather was ‘zeide' [Yiddish for grandfather] and that was it. My grandfather's name was Ksil; I don't know what that was in Polish. Ksil Schnitzer.

They were both trade people. Their trade consisted of my grandfather going to the fair with one of the peasants. He would go to Kroscienko [a town in the south of Poland, around 80 km south-east of Cracow], or to Szaflary [a town, around 70 km south of Cracow], or Nowy Targ [a city, around 70 km south-east of Cracow]. He was a bearded Jew whom people trusted. He used to bring, for example, five geese, five hens and ten dozen eggs. With the help of a neighbor or a wagon driver he would distribute those among the local Jews, those who could afford it.

My grandfather brought poultry from the countryside. When someone bought a hen, my grandmother took it to the kosher butcher, to the ‘siojchet' [Yiddish for shochet], and delivered poultry to the clients which was ready for cooking, that is, plucked and gutted. Clients bought from her, because they trusted her. They knew that poultry from the old Schnitzer woman had been ritually killed by a kosher butcher and if the hen swallowed something at the courtyard, like a nail or something, and my grandmother found it while gutting, she wouldn't sell the hen because it wouldn't be kosher. My grandmother paid the kosher butcher for his work and calculated that and her own work into the cost.

My grandfather on my father's side was Salomon. I have a document that says: ‘In response to your letter, the city of Cracovia archives inform, that the 1921 records list in the city of Cracow: Salomon Federgrün, a shoemaker, residing at Podbrzezie Street, born 31st August, 1872 in Tarnow, permanent residence in Cracow since 1881. His wife, Reisa Federgrün, born 15th March 1872 in Sechna, Limanowa district [a town in the south of Poland, around 50 km south-east of Cracow].' My grandmother died in 1936 or 1937, I can't remember exactly. She was a nanny. I have been to their apartment at Podbrzezie, opposite the Hebrew secondary school, later named ‘Doctor Hilfstein School' [Hebrew Elementary School and Jewish Co-ed Secondary School; since 1936, Chaim Hilfstein's Private Co-ed Secondary School, at the corner of Podbrzezie and Brzozowa Streets; it was the best known Jewish school in pre-war Cracow, which educated children in the spirit of Zionism and Polish patriotism].

My grandfather stopped working before the war; he had Parkinson's and was already shaking. He went blind after one of his eye surgeries and I used to go for walks with him as a 13 or 14-year-old, holding him by the hand. I was very impressed when my grandfather would say, ‘now we will turn left, into Brzozowa Street.' And he was right, he knew. I was impressed he remembered the names of the streets. My grandfathers, both on my mother's and my father's side, were bearded Jews, but they didn't wear a streimel, only a black hat. My grandfather always wore black. He wore a regular coat, not a ‘bekiesza' [a traditional frock coat].

My mother's name was Tonia or Taube, nee Schnitzer. She was born on 14th April 1895, most likely in Nowy Targ. She finished two grades of elementary school. She was a big woman. My father was thinner. My mother was an unhappy woman, because her hearing was bad, probably because of the scarlet fever she contracted when she was a child. That influenced her contact with the world. She stayed at home more. Because of that, she didn't have a circle of friends. She got occasional jobs at richer families. She did the laundry and fixed the clothes she washed. It took two days to do the laundry of a large family. She ate there, and sometime, in addition to the pay, she brought home some food-some bread or cake. I remember she used to do the laundry for a baker's family. In addition to that she used to sew trousers for a seller who went to trade fairs, for example to Nowy Targ. The garments were already cut out and she only sewed them together. Those were cheap work clothes. My mother made some extra money this way.

She had a sister, Sala, and two brothers, Chaim [Henryk] and Pinek [Pynchas]. My mother's sister, Sala, must have been born in 1897 or 1898. In 1923, before I was born, she went to France with her husband. Her husband's name was Max Barasz. He was a Jew from Oswiecim [a town in southern Poland, around 70 km west of Cracow], who served in the Austrian army 1. He went to France, made some money there, and came back to Poland to get married. It so happened that he met my aunt in Nowy Targ and came to get married to her. That was the custom, to marry among one's own. Tonka didn't have me yet, but she was already married to my father.

So Max married the younger sister, Sala. He remained in Poland for a while, working to earn for the return trip to France, and then they went. They must have had a pretty good life over there. They opened a hairdressing place in Paris. Before the war, they visited us twice, I think. During the war, they lived in Paris. I don't know the details, but they say it was very hard. Their children's names were Lulu and Ronny. We used to call them Lulek, I don't know how that sounds in French, and Ronny, Renee, which sounds like the Polish Renata. I think her name was really Ruhl, like the grandmother my sister also got her name after. I don't know exactly when they were born.

Chaim or Henryk Schnitzer was also younger than my mother. I don't know which year he was born, perhaps in 1900. I was born in 1924 and he got married soon after. Before the war, Uncle Chaim lived in Zakopane [a well known tourist town in the Polish Tatry mountains, around 100 km south of Cracow] and in Nowy Targ, until 1939. He died with his wife and daughter, I think [during the Holocaust]; the daughter was younger than my sister, so she must have been born around 1932.

My mother's youngest sibling was her brother who had the same name I do, Pynchas. We used to call him ‘Uncle Pinek.' Aunt Sala encouraged him to come to Paris in 1933 or 1934; they taught him the hairdressing trade and he stayed with them. He visited once. He got married in Paris to Aunt Klara, whose maiden name I can't remember.

My father, Albert Federgrün, Abel, was born on 1st September 1896. He had three brothers and a sister: there were five of them altogether. Uncle Adolf was really Awawie, Uncle Snil was Samuel, the youngest uncle, Dolek, was David, the one sister was Regina and her husband Moniek was Mojzesz Griner.

My father's younger brother, Adolf, made shoes, but he was also a tradesman. Again, that was small-scale trade. He went from store to store and asked, ‘What do you need?' and the shoemaker would say, ‘two boxes of hobnails, clouts, leather for the soles.' My uncle Adolf was really a go-between. He would buy 20 boxes of nails at a discount and then he lived on what he made reselling those. His wife Rega, Regina I guess, did a little sewing. Of course she didn't have a regular workshop, only did alterations on the side. They had a daughter and a son. The daughter, Jecia, was six months younger than I am, born in November 1924. Then there was Leos, slightly younger than my sister, he could have been around five before the war broke out. [Editor's note: Leos was born in 1930.]

Another brother of my father's, Samuel, also did some shoemaking and his wife, Hela, didn't work. Samuel didn't have any children. Then there was Regina. She also didn't work. Her husband, Uncle Moniek, worked as a journeyman at the butcher's. They had two small children. I am embarrassed to admit that I don't remember their names.

They youngest, Uncle Dolek, Dawid, went furthest in terms of professional hierarchies. He became a tailor. Apparently he was a pretty good tailor of women's clothes, and he got a job at the Leon Barciejowski firm, in Cracow, at Florianska 28. A big store, right in the center of Cracow. He was a cutter. That was aristocracy among the professions, for they had very good clients there. He was married to aunt Gusta. He managed to have a child before the war.

My father was the oldest. He was 18 when World War I broke out [in 1914]. He was a newly graduated journeyman, in the profession which used to be called ‘water-main technician' and which today is called simply ‘plumber.' But he didn't work in his profession, only performed various other jobs. For four years he served in the Austrian army. After World War I, he returned to Poland.

Growing up

I was born on 14th June 1924, into a relatively poor Jewish family, in Nowy Targ. My name was Pynchas Federgrün. We lived in a rented apartment which consisted of one room. I was the oldest and the only son. My sister was six years younger; her name was Ruchel, Renia, Rachela. In writing, the name was Renia. My sister went to a school for girls on the corner of Dietl and Swietego Sebastiana Streets. She managed to finish two grades. She was nine when the war broke out. I remember her as a girl when I was already grown up. I can't remember her games or her toys. A struggle to survive was all that mattered when Father was without a job. Our house is still standing today at Miodowa Street. There was no place where children could play over there. One had to go to the park.

My father first worked in a factory producing paper bags. Factory is a big word: there were three of them working there. One trimmed the paper on a guillotine, another applied glue and the third one put the bag together. Those were popular at the time: triangular, rectangular. My father had an accident there. I may have been four or five; I remember that Father had a bandaged finger. Later he couldn't move that finger. And then I don't know what happened, for one does not consult such things with one's children, whether he was fired or what, but one way or another he got a different job at the Wholesale Flour company.

The owner was Mr. Syrop, whose son, a medical doctor, was a dentist in Cracow. Mr. Syrop had a large flour storehouse. He didn't need many employees. My father would receive a freight-car of flour, enter it in the books and go get a neighbor saying flour needs to be brought from the station. He would hire someone with a horse and wagon to bring the flour from the station. My father only had to count the sacks and enter into the register how many sacks there were of wheat and how many of rye. He was a warehouseman of flour. When a buyer came with a list, say, 200 kilograms, my father would issue 200 kilograms. Then Syrop got sick and closed down his business. He was a rich man. He owned a whole house at the town square. He took up one floor and rented out the ground floor to storekeepers.

In 1935 my father was unemployed. In the small town of Nowy Targ it was hard to find a job. Since my father was from Cracow and had family there, he decided to go to Cracow. We didn't have an apartment there, so we moved in with my father's sister, Regina. Two families lived in a room with a kitchen, at 20 Berka Joselewicza Street. A year or two later [1936-37], my father rented a room from Tajtelbaum; I think it was at 28 Florianska Street. Tajtelbaum had a hat store at the front of the building, at 13 Miodowa Street. He lived in one of the front apartments, on the second floor. I don't know how big his place was, but I'm sure it wasn't poor. Various paupers lived in the two annexes and we rented a room there, on the first floor.

There were about five rooms, each with a separate entrance from a long corridor. In the corridor, about 25-30 meters from our room, there was a water pipe from which we took water and had to carry it to our room in a pail. One had to take walks to the toilet over there, too. We had a brick stove which served for cooking. Two pails: one on a chair, the other under the chair. The enamel-coated pail on the chair held drinking water and the zinc one under the chair I used as a child to pee, because I didn't want to go to the toilet; it was not a water closet type of toilet but one into which things fell by gravitation.

When still in Nowy Targ and before I went to elementary school, I started attending cheder. I must have been four or five. We began by memorizing the alphabet, then we started putting syllables together. I remember that for disciplinary purposes students were taken onto the lap and spanked. I can't remember having been spanked, but I'm sure I must have gotten my hands slapped more than once. The melamed held one's hand and hit it with a reed. And we studied. I studied ‘chymys' [Yiddish for Chametz - Pentateuch, Torah], every year ‘apyats s natchala' [Russian for all over again]. We also did one or two chapters of Rashi 2. The teacher - if one may call that a Rabbi - was a bearded Jew, who spoke in Yiddish and we translated into Hebrew. It took a long time.

I went to cheder until I was thirteen, at least until my bar mitzvah. Right before my bar mitzvah I managed to learn some Rashi. I knew how to read some of those small letters without punctuation. There was a hierarchy: first one studied chymys, then Rashi, and then ‘mysnajec' [Hebrew: Mishnah - part of the Talmud] which was like aristocracy in terms of intelligence. I went to cheder in Nowy Targ, there was one by the temple, but I can't remember the names of any of the rabbis.

In Nowy Targ I went to elementary school. At the time those were separate for girls and for boys. It was called Public Elementary School. I finished five grades there. I went to the sixth grade in Cracow, after we moved there, at Miodowa, 36 Miodowa, I think. The building is still there, but I don't think it houses a school any more. That was J.I. Kraszewski Public Elementary School #8. It was a school for Jews only, because only Jews lived in Kazimierz 3, but it was a regular school, the teachers were both Jewish and non-Jewish and the program was a regular elementary school program. We had religion. I can't remember much from those religion classes at school.

I remember that in Nowy Targ the first five grades were mixed: there were some Jews, but most of the students were non-Jewish. We recited ‘Boze cos Polske' [a Polish patriotic song, religious in character]; they said that, after all, we also believe in God. Obviously when they [the catholic children] had the catechism, we left. I can't remember the name of the teacher who gave religion classes to Jewish students. I have no grade transcripts, they are all gone.

In Cracow I went in the afternoons to Ester Kupa's or Ester Warszauer's Talmud Torah. It was at the corner of Ester Street and Nowy Square [between the two World Wars in Cracow there was a talmud torah at the corner of Ester and Warszauer Streets. It was the oldest Jewish school, in operation since the 17th century, for the children of the poorest. Besides the basic Judaism studies, it taught the Latin alphabet and basic math]. Today there is a medical clinic there - I went to look at it, to reminisce.

I don't think we went to school every day, only some days of the week, two or three. There were a dozen or so of us, the Rabbi would come, we would read and he would correct us, supplement, explain, one would repeat, then we all repeated as a chorus. That was the system. I have to say that several times I went to the Azyjczyk Temple [Ajzyk Temple, known as Ajzyk Shul, at Kupa Street in Kazimierz] out of curiosity; there was a shtibl there, and one could go to additional lectures there. I was interested in that. Before the war, I had no doubts when it came to my beliefs. God and all of that were the authoritative truth to me, unequivocal.

After a year of unemployment [1936], my father got a job at the Syjonistyczny Klub Towarzyski [Zionist Social Club], at 71 Grodzka Street, right at the feet of Wawel. The building is not longer there today, it has been torn down. My father was in charge of the cloakroom, my mother did the cleaning, and I didn't have a function. I was 13 then, just graduated from elementary school. There was a well-known Jewish philanthropist, Miki Aleksandrowicz [most likely it's a reference to an old, wealthy, Jewish, Aleksandrowicz family; in the 1920s and 1930s they owned a large paper company], who lived on Swieta Gertruda Street, and who went to Israel [then Palestine] on 2nd September 1939, I think. My father asked him to finance my school. Aleksandrowicz said, ‘alright, I'll pay for his school.'

I wanted to be trained as a locksmith, but I was not physically very fit, so nobody wanted to hire me. I could try at the tailor's or at the shoemaker's, but not at the locksmith's. So I went to the Jewish Trade Middle School, at 10 Stradom Street. [The Jewish Coeducational Trade Middle School, later renamed Jewish Trade Gymnasium, was created in 1933. Apart from general and professional subjects, subjects related to Judaism were also on the curriculum. It was located at Stradomska 10 Street.] The name of the school's founder was Stendig, I can't remember his title. It was a three-year trade school, which gave accountant or, as they said before the war, bookkeeper qualifications, but no matriculation or qualification for further study. I paid reduced tuition, because I was poor: 15 zlotys a month. Aleksandrowicz put down 150 zlotys and a whole year was paid for. After a year, he didn't pay anymore, and I was already 14, so I went to work.

I became a courier for an institution called the Jewish Economic Council. It was run by Dr. Sternberg, a tall man, whose first name I can't remember. The Council was located at 5 Swietego Sebastiana Street; shortly before the war, it moved to Zyblikiewicza. It was an institution created to deal with the Jewish problems. What were the Jewish problems? The rich had their legal counselors to manage their affairs and the poor went to the Council. It ran a job agency, with which only Jews could register.

Right at that time, two to three months after I started work, Zbaszyn 4 came up; Hitler got rid of several thousand Jews, some of whom were sent around Poland, and some of whom ended up in Cracow. Most of those people belonged to the Jewish intelligentsia, whom the language barrier did not allow to undertake proper work. The Jewish Economic Council held workshops at Koletek Street. They taught manufacturing leather goods: wallets, billfolds, pocketbooks; later they did saddles, harnesses. They gave driving lessons, so these people could find jobs in a short time. I was very poorly paid over there. I carried messages. Say, some Jew reported he needed five workers: they had to be found at their addresses and I delivered those messages. My other job was cleaning; my mother used to come help me and I did the dusting. It went on like that until 1939.

On account of my father's job in the cloakroom of the social club, I knew some of the Jewish intelligentsia, because I used to help my father collect membership dues. I knew that at 2 pm I can find Doctor Zimmerman at Starego 24 Street, but if I come later, they will say he is not available or that he is sleeping. I even had a plan how to get there - that's how I knew where the Jewish intelligentsia lived. One Ohrenstein, director of the Suchard chocolate factory, used to come to the Club with his wife. The wife always brought me three, four chocolates. They lived on Kossaka Square 3. I remember that when I went there to collect the membership fee, I would ring the bell, it would sound - there were no intercoms these days, after all it was over half a century ago -, and I would walk it; a little window would open: ‘whom do you wish to see?,' this youngster would ask me. ‘Director Ohrenstein,' I'd say. Very well. But I would not be let in on the main stairs - covered with a red coconut rug - only through the yard and the kitchen door, where I would hand the slip to the servant who would come back in a minute to give me 2 zlotys or 9.

The chairman of the Club was Izaak Stern, a proxy in a bank located on Stradom Street, in the same building as the cinema. Mr. Bachner was the secretary, Mr. Schwarts was the treasurer; both worked for the same bank. The Club was frequented by the Jewish elite, Jewish intelligentsia, the so-called general Zionists 5, for they were neither ‘mizerachiani' [Mizrachi] 6, nor ‘szomeracajer' [Hashomer Hatzair]7, neither left, nor right.

At the Club, besides the reading room, there was a little café in which one could order tea, coffee and a pastry. Special events were organized, such as the ‘Cabaret Night.' Henryk Vogler, who died several months ago in Cracow and who graduated from Law School before the war, used to work for the cabarets writing scripts. There was also Artur Norman, also an MA, though I don't know what his profession was, another young man, who wrote not only comic routines but also plays. Dances and lectures by various celebrities were also held at the Club. They were not international celebrities, but locally they were well-known.

People came, left their coats at the cloakroom and that was an opportunity for me to make some money. There was a custom in Cracow, I'm not sure if it is a custom today, that when the gates to the buildings were closed at 10pm and one came later and had to ring for the janitor to open, one left a tip. The Club was on the second floor of a building where the gates were closed at 10pm, so when someone left later, I lit the way downstairs with a flashlight, opened the door and got 5 or 10 groszy.

I was socially active. After my bar mitzvah, for two years I was a member of the Akiba organization 8, led by Dolek Liebeskind 9; later Szymek Dranger joined it, then Gusta Dawidson [Dawidson-Drangerowa], both of whom died in Cracow [during the occupation, those three people were the founders of a military organization in the Cracow ghetto, He-Chaluc ha-Lochem]. My kvuc leader - kvuca was the smallest cell [Hebrew: Kvuca - group] - was Idek Tenenbaum. We went on excursions, wore those ties, those shirts, similar to those worn by the boy-scouts, and we learned Jewish and Hebrew songs.

I remember that in 1936, Uncle Pinek came to visit us with his wife and they slept at our place. In the single room, in two family beds, there was Uncle Pinek, Aunt Klara, my parents plus two little cots in which the children slept. That was their last time with us, though nobody suspected it's the last time, of course.

My father's generation - my father and his brothers - were all shaven Jews, who met at my grandfather's on Friday evenings and Saturday mornings, all together, including me, the oldest grandson, and went to pray at 6 Brzozowa Street, to the ‘besmedrisz' [Yiddish: bes medresh, Hebrew:, bejt ha-midrash - the house of learning] across from the Hebrew secondary school. Twice a year, at Rosh Hashanah and Yom Kippur, we went to Remu [a synagogue in Cracow, founded in 1533. In the cemetery next to it, Rabbi Mosze Iserles (REMU) is buried, after whom the temple is named]. One needed to pay for one's, numbered, place. I don't know how expensive that was; everybody went there to pray.

Religious life

As far as the Jewish traditions are concerned, everything was standard: a Jewish kosher house with everything that needs to be there. Maybe occasionally, at the times of unemployment and poverty, we did not observe the kashrut, but otherwise, there was ‘mychlik,' that is, dairy foods [Yiddish: milkhik - milk products], ‘fleiszik' [Yiddish: Fleishik - meat products] and ‘parowe' [Yiddish: parve], neither meat nor milk, for example herring. There was a separate case for ‘Pajsach' [Pesach]. Some of the cutlery was koshered; one boiled water in the yard. If the aluminum pot was not chipped the whole pot could be koshered there. I know that was observed. My father was not a religious man. He shaved and wore European clothes. But he was a believer and went to the temple every holiday and every Saturday. He and his brothers were very close.

I had my bar mitzvah when I was 13, in 1937. We were rather poor and bar mitzvah is an expensive affair. So I had it not on a Saturday but on a regular working day in the Tempel. [Editor's note: A progressive synagogue in Cracow at the corner of Miodowa and Podbrzezie Streets. It was built in the 1860s. In the interwar period, assimilated Jewish intelligentsia gathered there. Services were held in German and Polish. The best known rabbi of that synagogue was Ozjasz Thon]. Before the war, the Tempel was the most beautiful place. The main shammash in the Tempel was my father's cousin, whose name I can't remember. They wore those hats and robes, I don't know what to call them, and everything was exquisite. There was Doctor Ozjasz Thon 10 and doctor Szmelke, the rabbi. It was a progressive synagogue. The women were separate from the men. Next to the main building there was a smaller shtibl. That's where my bar mitzvah was held on a Wednesday.

Of course, there had to be a minyan; there were always 15 to 20 people, not more than that came. My father bought a bottle or so of vodka. That was a custom in the Temple, on special occasions, but since Jews easily got tipsy, tiny glasses sufficed. The guests were treated to some shortcake and that was it for my bar mitzvah. Poor. I knew that others got a bicycle for their bar mitzvah, or a watch, or something else. Of course I had to study, put on a tefillin. I didn't feel like it; not out of atheism, but because of sheer laziness. Since my father didn't put on the tefillin during the week, he had no moral right to reproach me that I don't pray! It meant getting up half an hour earlier and going to school at eight; one had to do the tefillin and the whole ‘shaches' [Yiddish: Szachres - morning prayer] took almost half an hour. On Saturdays I did pray, I had no religious doubt. Religious doubt came during the war.

On Friday evening my father recited the Kiddush standing up - there was my father, my mother, my sister and I. The candles were lit and there was a glass for ‘Borej pri hagufen' [a fragment of the blessing over wine in Ashkenazi pronunciation; in Hebrew: Creator of the fruit of the vine]. For there to be wine, I used to buy 5 decagrams of raisins on Tuesday; we poured water over them and they sat like that till Friday. Raisin juice was acceptable in place of wine and since wine was too expensive, we had raisin water instead. My mother made fish Jewish style, not carp, only roach, or whatever the small fish were called.

We celebrated a festive Pesach at my grandfather's [Grandfather Federgrün's]. Everybody was decently dressed - my brothers and sisters and my grandfather's family; there were a dozen or so at the table. I asked the four questions. My grandfather impressed me, for he was blind and remembered the answers by heart. I don't know how long the Seder lasted, but everything went according to the rules: there was charoset and ‘knajdloch myt joloch' [Yiddish: knajdlach mit jooch - broth with matzah balls], made from matzah flour; the cooking was done according to the religious rules.

During other holidays, everybody - my brothers, sister, brother-in-law - went to the synagogue. My aunts didn't regularly go to the temple, but the men all did. I carried my grandfather's tallit, because during Sabbath, a Jew was not even allowed to carry a tallit. Chasidim even tied their handkerchiefs not to carry a weight in their pockets, and that was allowed [a handkerchief tied to the trousers was considered part of the clothing and no longer a weight a religious Jew was not allowed to carry during the holiday].

This is the tradition I was raised in, and so I'm emotionally attached to Jewish holidays which remind me of my home; maybe it is so because I lost my family early, I don't know. Often, when I say ‘Barukh ata adonai' [‘Blessed Thou Almighty,' the beginning of prayer], I repeat all that, for it gives me inner satisfaction.

We didn't build a sukkah [for the Sukkot holiday]; it was built at the courtyard at Podbrzezie, where my grandfather lived. We went to my grandfather's with my mother and ate the meals there. I used to string paper decorations, and my father's brothers had sets of boards, a hammer and an axe. There were eight to ten such booths at the courtyard and that was how we celebrated. For ‘sykes' [Sukkot] we had a ‘lilef' [lulav], a palm leaf one waved in prayer, and there was one esrog; on Rosh Hashanah, on Kol Nidre and before Yom Kippur we went to the temple.

On Yom Kippur we went to the temple and when we came back home there was no dinner. After my bar mitzvah I was expected to fast, and I did fast some. My father didn't get anything to eat, but my mother pitied me and sometimes she would give me a roll or a piece of bread. I fasted until noon and then, obviously, a 14-year-old boy needs to eat, even if they tell him not to, so my transgressions were overlooked. I am sure my parents lasted till the evening. During Swijec [Shavuot], one simply went to the synagogue, and said the prayers. I think my grandfather fasted at Tisha be-Av. I prayed, but not before each meal, each bite.

My father wore European clothes: a jacket, a hat. At home we spoke Polish, my father, mother and I. That was good, because I didn't get the sing-song accent. But at my grandfather's we spoke Yiddish. My parents knew Polish, because my father finished seven grades of elementary school and a three-year vocational school. My grandparents also knew Polish.

I can't remember any newspapers. We had newspapers at the Club. They were kept in a wooden frame, mostly Jewish newspapers in Polish, such as Nasz Przeglad 11, from Cracow. There was a weekly from Lwow, Nasza Opinia 12. Sometimes my father would mark a passage in an article and I would read it to Grandpa. My parents spoke with my grandparents in Yiddish, but also in Polish. For a child, I knew Yiddish quite well. We spoke Yiddish at family gatherings. We knew some Hebrew words from prayer books.

At home we didn't discuss politics. Neither my parents, nor my grandparents were involved in politics before the war. We didn't have a tin for Keren Kayemet at home 13. There was too little money to spend it on this cause. We never talked about leaving Poland. Only I was active, as a 13 to 15-year-old boy, in Akiba. I know 10-15 Hebrew songs, and even one in Polish: ‘Although you have a soft bed at home, and you're protected by your mother's caring hand, give your heart and your hands and to Erec, go with the sound of the waves, for Jordan calls you, move on, don't turn back, for your strength is needed by the homeland.' But that was the only political activity, if one may call it political; otherwise nobody was a member of Bund 14 or anything else.

In Nowy Targ my friends were mostly Jewish, but I did have one Polish friend, Sikora, son of a chimney-sweep. We both lived at Dluga Street. In Nowy Targ I didn't experience any anti-Semitic sentiments 15. Maybe I was too young; I was eleven when we left [in 1935]. In Cracow I encountered that more often. I knew that one should avoid Planty between Szewska and Wislana Streets, because those guys with Chrobry swords [emblems of the fascist Falanga organization] 16, could give a Jew a beating. Even though we didn't wear armbands, everyone had his Jewishness written out on his face, somehow. They looked and they knew right away that the nose is too long. We were apprehensive.

I remember some festivities - I don't remember what kind - where students from high-schools gathered at the Town Square. I was a trade school student then, in the first grade. Suddenly a rumor went through the crowd that they are beating up the Jews. So we ran. That impressed me - that we had to run. There were some anti-Semitic signs on the walls. Not what they are today, painted on the buildings, for there was no graffiti back then, but they used to put up leaflets and posters.

There used to be a deputy, though I don't remember whether he was a member of the Parliament or the Senate, his name was Prystor 17 and he wore a little beard. He was one of the anti-Semites. Before the war there was a dispute over ritual slaughter 18. That became a pretext for an attack on the Jews. I knew that anti-Semitism was a problem, but I didn't feel it particularly acutely, because in Kazimierz everyone was a Jew. Only one person in our building was not Jewish, an older woman who was the janitor. My father worked in the Jewish community, so he did not encounter the problem either. Then there was Zbaszyn. Working as a courier I did come across that. They used to say about Zbaszyn that Hitler kicked out several thousands of Jews; chased them across the border, not all of them fully dressed.

During the War

When the war broke out 19 I was 15; I had turned 15 in June. One should fear every war, but we knew who this war was against and when the Germans invaded Cracow on 6th September, we were very alarmed. Some of the Jews began to flee to the so-called Zurawica [a town in south-eastern Poland, around 10 km north of Przemysl], where you can cross the San river, but we planned to escape to the Soviet Union. Then my father decided against it; at first he even considered that option, but I was against it. I wanted us to stay together; I thought that a family should stick together.

So we stayed in Cracow, at 13 Miodowa Street, for a period of less than a year. I was an apprentice at a Jewish ironworker's, Guttman's, workshop at 36 Dietla Street. How much of this trade could I learn in a few months? The first ‘voluntary repatriation of Jews from Cracow' 20 happened in 1940, I think. The occupation authorities announced that all Jews had to leave Cracow, but certain groups were allowed to apply for the permission to stay: those who used to serve in the Austrian or German army, those who received German honors, and those who worked in the military industry. These were the criteria. My father did become a corporal in World War I, an ‘Obergefreiter' in the Austrian army [a rank used only in the army's heavy artillery branch before 1919], but he didn't get any orders or honors, he was not a hero of World War I, he fought on the Italian front 21.

One was allowed to choose a place where one wanted to go, as long as it was within the borders of the General Governorship, of course. One was allowed to take all of one's possessions. We took some of our stuff and loaded it onto a horse-drawn carriage. We didn't have too much furniture, for we only had the one room, more or less furnished. My father decided that we'd go to Niepolomice [a town 24 km east of Cracow]. We went there, rented a room, set up house. For the first few weeks we looked for jobs, lived from day to day. The local community took care of us. There was a kitchen which gave out free meals. It was hard, but we managed.

After the eviction from Cracow to Niepolomice, we were speculating about what was going on in Cracow. The deadline for departure was 15th June, I think. But June passed by, then July [1940] and the Germans didn't force the Jews out of Cracow. So my father came up with the stupid idea - though who could have known it then - that we're going back to Cracow. Again we piled all of our so-called furniture, those few sad pieces, onto that one-horse carriage and went back to Cracow. But it was no longer possible to register in Cracow as a Jew. So we set up house in Pradnik Czerwony, one of the districts on the outskirts of Cracow.

My father found a man who rented us one of his rooms. We lived there for less that 24 hours. We set up all of our furniture and the rest of the junk and in the evening, when we were having dinner, a navy-blue policeman 22 came in with the owner of the apartment. Did the owner bring him there knowingly? The policeman asks for registration papers - we don't have any. Then the policeman leaves and the owner says, ‘I'll come back tomorrow morning. If you're here I'm taking you to the police, if you're gone, it's your problem.' That was quite a magnanimous gesture. We didn't even wait, it was 8 o'clock. We managed to live in this apartment for one whole day.

My father's brother also lived in Czerwony Pradnik, so we went to that brother, stayed the night and the next morning we went back to Niepolomice - my father, my mother, my sister and I - on foot, for we could no longer afford a cart. We left all of our things behind, in that room. We disappeared in the evening without saying a word to the owner. Everything was left behind. Those were shoddy things, but still they were our household goods: sheets, a pot, a pan, a pillowcase, a blanket-case, towels. In Niepolomice, we rented an even smaller room, or actually a half a room. One-fifth of it was taken up by the stove, not a tile stove, of course, but a clay stove, with bundles of straw thrown over it. We were left without anything. When it was cold we slept under our coats. No wonder that in these conditions we immediately had lice.

Winter 1940/1941 was rich in snow, so the occupation authorities required that every Jew still in Cracow - already with an armband 23, of course - should work 12 days a month shuffling snow or cleaning sidewalks. One got an ‘Ausweiss' [German: a document confirming identity and employment], which was stamped at work. One needed 12 stamps every month. I took a risk. I took off the armband and walked on foot the twenty-something kilometers from Niepolomice to Cracow, to Mr. and Mrs. Tenenbaum, at 2 Powisle Street, where they lived on the first floor. The Akiba had its rooms on the second floor, and that's how I knew Idek Tenenbaum. Idek was not their oldest son, but the second or third. He was my group leader. I don't know how we got together, but he said, ‘Take a train,' or rather walk - for the Jews were not allowed on trains - ‘over to our house.' I went to their house with an armband - I took it off only for the trip. For we, the Jews, were not allowed to move from place to place.

And I went to shuffle snow for both the Tenenbaum father and son. When one came to work, one handed in one's card and got a shovel in return. Pre-war employees of the city cleaners worked there. The were not Jewish. They were given ten Jews each and told them to clean the street. When the day's work was over, they said, ‘Hand back the shovel and take your Ausweiss.' The card was already stamped.

I stayed with the Tenenbaums for about a month, working all day each day. They were well-to-do; they fed me and gave me a place to stay. After a month I realized what's happening to me, so I thanked them politely and left. Why? I found a louse in my hair. The Tenenbaums were a clean, well taken care of family. Lice were not a novelty to me, unfortunately I came in contact with them before, but I couldn't allow myself to infest the Tenenbaum household. So I left, under some pretext, though I really hated to leave. I went back to Niepolomice. That was my only expedition to Cracow. I brought some money back home which the Tenenbaums gave me.

Later in Niepolomice I worked digging drainage ditches during the summer season. It was a semi-compulsory job. Some of the Jews didn't work. I'm not sure if they paid for it or what. One way or another, I did work, and was given some very lousy payment for that. It was a physical job, digging ditches. In the winter, when the weather didn't allow for digging in the ground, I worked at a sawmill in Klaj. Klaj is several kilometers from Niepolomice, on the Cracow-Bochnia-Tarnow-Lwow route. I had to get on a train going to Klaj, and walk 3 kilometers through the woods at night. I was terrified. Having finished at the sawmill, I went back home in the afternoon. Of course that was official. An armband with the star. Jews were not allowed to travel by train, but I had some sort of slip saying that I worked at the sawmill, so I could go by train. In the meantime, my father worked all the time in the woods.

In addition to that we had extra jobs, for what we were paid was not enough to get by. My father took jobs overtime. For example, one of the Jews said that he needs 3 square meters of wood chopped for the winter; they didn't use much coal over there. We would have two or three days of work this way. I did everything with my father: sawed, piled, chopped into small pieces. And we were paid for that. Another Jew came: he needed his garden dug. So we went and did the whole garden.

For the local Jews in Niepolomice, who had lived there since before the war, nothing changed in their conditions except they had to wear the armband. Otherwise, they continued with their businesses. The head of the Judenrat 24, Artur Mames, had a store on the Niepolomice town square, selling iron and farming tools. He had it until the deportations in 1942. The German authorities did not interfere with such affairs. The real danger was still ahead of us, but we couldn't have known that.

Of course we took advantage of the Jewish kitchens, because the money we made was not enough, one couldn't survive on that. I was no longer a small child, already 16, but somehow I was included among the children and both my sister and I were taken in by different Jewish families. My sister was with an elderly couple; he was a furrier. She got lunch and dinner. I was with Mr. and Mrs. Moszajn. I don't know where they were from: such a well-to-do Jew, even if exiled from somewhere else. He must have had some jewelry, I don't know. They also lived in a rented apartment, but they had two rooms and a kitchen there and I went there for lunch and dinner.

The Judenrat organized this action. My father went to President Mames and said that we had escaped from Cracow, that we were left without anything of our own, and the President gave us a card for two meals a day. My father was there with me, and he said, ‘Mr. President, this is my son, but I also have a wife and a daughter.' ‘There are no more cards left,' the President said. ‘You have to share those you got.'

My mother helped in a kitchen, peeling potatoes and the like. And she did something not called for by the Ten Commandments. My mother lost a lot of weight. She had a belt tied tight around her waist, and when she was peeling potatoes and nobody was watching, she would drop a potato in the place of an imaginary breast, for she hardly had any breasts any more, poor thing. I mean, she did, but very thin. She would bring five or six potatoes from such a peeling session. I would bring two pieces of bread and my sister did, too. We basically didn't eat at the house of the people who fed us. We got one meal and for the other they gave us sandwiches, we thanked them and took them with us.

That's how the first two years passed. The summer of 1942 was very hot. In Berlin they made a decision about the final solution of the Jewish problem 25 and it applied to us. The mayor announced that all Jews in Niepolomice are to gather on the town square on a certain day, until a certain hour 26. The mayor of Niepolomice selected around ten farmers with carts. Nobody took their furniture, only a small sack with valuables. It was summer, but people took their coats. At the time, Wieliczka [a town in southern Poland, 15 km east of Cracow] was the district town and Niepolomice was part of that district. All the Jews from the district were to gather in Wieliczka on the appointed day. It got terribly crowded in Wieliczka that day.

The town was around 12 kilometers from Niepolomice. We walked on foot, two hours or even four, but that didn't matter. A few sick people were thrown on the carts, the rest had to walk. I think two navy-blue policemen walked with us. Nobody ran away, nobody shot. Everybody was depressed, for we didn't know where we were going and what would happen. Wieliczka was in chaos; suddenly hundreds of people appeared at the office.

On the next day an announcement was made that all Jews were to gather on the square by the sawmill, so we went to that square. A side-track of a railway was there. When we walked into the square it was already full of Germans. I don't know, they had all kinds of different uniforms, SS, SA, who knows what they were. The first selection took place there. All persons visibly handicapped were not allowed into the square. They were shot on the spot. We didn't see that, but we heard it, for the small grove was close by and one could hear everything happening there. We knew they were not shooting in celebration, that those people were murdered.

The whole place was surrounded by all kinds of police, German and also Polish, in groups of ten. Ten times ten makes a hundred. Then a break and another hundred. I remember, it got embedded in my memory, that there were six rows like that, which makes for 6000. It was a scorching hot day, but everybody was wearing a coat, some were wearing a sweater, some two sweaters. For we were allowed to wear only 5 or 10 kilos worth of clothing. Everybody had a little saucepan. We had them, too, for my father said we each should have one. My father had 60 zlotys. He gave us each 15, in case we got separated. Those are terrible things.

After a few hours they allowed us to sit down on the grass in this square. Some committees passed by or something like that. They walked past us and pointed to some rows. As it later turned out, they were singling people out. They pointed a finger and asked, ‘How old are you?' I said 18. My father, a 46-year-old was of no interest to them. We didn't know it then. [On 27th August a selection was made: the young and strong were taken to labor camps, the older men, women and children were to be sent to the Belzec extermination camp.]

We stepped out of a row, the selected ones, and we were moved to the side. There were over six hundred of us. We were allowed to say good-bye. I won't describe that because I can't. It was one great wail, that square. Thousands of people. Torn apart. This is terrible. That was the end, really. I never saw my family again.

Later a freight train was brought in. They were loaded onto the train. It was summer, hot, they were packed into locked cars. We were taken away. First the families went to the trains; we only saw how they walked, then the doors were closed and that was the end. And us, the selected 600, maybe 650, were taken back to Wieliczka.

We were put in some garage, a room with concrete floor, walls and roof. The concrete was not too terrible, because it was summer so nobody got cold. They kept us there for three, four , maybe five days. The local Jews from Wieliczka had connections. The guards around us were the Polish navy-blue police. Once in a while someone would be brought in who was caught on the street and who was trying to hide somewhere. Though most were shot immediately. Two or three times they came to take twenty young men from among thus. When the men came back they told us what they did. They were taken to the cemetery, where the Germans took the Jews they caught. Some of them had been in hiding; others had been taken in by someone who got scared the next day and said, ‘Go away, Jew!' or who simply wanted the money. Those were terrible scenes.

I can tell of one such case. A Jew from Gdow, who was brought to us, had hid his wife and children in a safe place. Or so he thought. But his wife and children were brought to the cemetery and shot in front of him. He threw himself into the grave, but the other prisoners pulled him back. Later he died anyway, in Rozwadow. After a few days they loaded us onto a train and we went.

We traveled for something like two days. We thought we are already in the Ural Mountains, in Siberia, but we were merely in Rozwadow [a small town in eastern Poland, around 100 km from Lublin] in the Kielce district. The doors of the car were thrown open, we heard them yelling, ‘Raus!' [German for ‘Out!'] and once in a while someone shot in the air. They were not shooting people, but they were shooting. Running, some of us lost what they had, a saucepan, a bag, a knapsack, or a sack. The soldiers were dressed in black trousers and khaki shirts with SS symbols. They spoke German but also ‘shibtsiey, yob tvoyu matc!' [Russian: ‘Faster, damn it!']. So we realized who they were; we called them ‘wlasowcy' [Vlasovtsy: Russian soldiers from the army of General Vlasov who passed over to Hitler's side]. Were they really from the army of General Vlasov, who supported Hitler? I don't know, but that's what we called them.

In any case, only one of them spoke German, an ‘Oberwachmann' [German: senior leader]. They were in charge of the convoy and I spent the first three months in Rozwadow camp watched by them. The camp commandant was Austrian, an SS-man, Josef Schwammberger. I went to his trial. In the camp there were two other SS-men, the others were Ukrainians, ‘wlasowcy.' The only nice thing about them was that they sang prettily in the evenings. [Schwammberger, Josef (1912-2004): a member of the Schutzstaffel (military protection unit) during the Nazi era. During WWII, he was a commander of various SS forced-labor camps in the Cracow district. From 1948 until 1987, Schwammberger lived in hiding in Argentina. In 1987 he was extradited to Germany. At his trial, which lasted nearly a year (1991 until 1992), he denied being guilty of the crimes of which he was charged. On May 18, 1992, he was condemned by the Stuttgart regional court to life imprisonment, which he was to serve in Mannheim. In August 2002, the Mannheim regional court declined a parole request. Schwammberger died in prison on 3rd December 2004. (Source: (http://en.wikipedia.org/wiki/Josef_Schwammberger)]

We spent three months there. Enough for some of us to be starved and others shot, so that only 300-350 of us were left. It's there that I found out that the saying, ‘Before the fat one slims, the slim one dies' is false. It turned out that the fat one died before the slim one. The skinny ones were used to hunger and very primitive food. Sometimes I ate from the trashcan. Every day we walked five kilometers to work in steelworks in Stalowa Wola [a city in eastern Poland, around 100 km south of Lublin]. Every night several of our group were shot. A guard would call a prisoner and shoot him so that he fell on that side on which he was not allowed. There was roll call after and before going to work. A few were killed in one place, then a few in another, because someone didn't move fast enough or because someone else didn't get in line. There were a hundred pretexts. After about 3 months, several hundred people were killed.

One day, at the steelworks, they gathered us at the gate and organized a selection. They picked around 300 of the stronger, healthier looking ones. Those did not return to our camp, because a smaller camp was created for them right there at the steelworks. The group I was in went back to our camp and we spent two days there in fear, not knowing what will happen to us. Two, three days later a group of Germans came from the steelworks and once again we were gathered and looked over. They made us run, looked into our ears, mouths, I don't know why, and everybody tried to show he is a fit short-distance runner. I ran, too, for one thought: maybe I can save myself this way? But then, one didn't know what one would be saved for.

I found myself in the group of the chosen ones. They took us to the steelworks and a group of 100 or 150 Jews remained there. We were the better ones. For the rumor had it that those who stay in the steelworks will remain in the camp, while others will be sent to the Cracow ghetto. Some of the Jews paid to stay.

My life was saved because I worked in a team with a group of Poles. I was assigned to the smelting oven. Dirty work. I looked like a chimneysweep, because we mixed water with graphite. For some reason the team liked me. Obviously they didn't call me ‘Mr. Sokolowski' or ‘Leopold' but ‘Jew.' I became ‘our Jew,' the familiar Jew. Foreman Kuczynski was a simple worker and a decent man. He would often summon me, but not as a Jew. He didn't say to me, ‘You dirty Jew' but ‘you idiot,' ‘you so-and-so, what have you done,' for mistakes happened. But there was no nationalist hatred in that. In those men, I could feel pity.

The Poles got refreshment meals and we had our Jewish soup in the camp. When they ate, we stood around like beggars, each with his canteen. We watched them: maybe one of them will not eat everything? Someone would call, ‘Get over here!' and give one of us whatever he had left. One thanked and continued standing around: maybe there will be another? Once one of them even brought me four or five raw potatoes. Those were people of the peasant working class. They had a quarter or a half of a hectare of land and worked in the steelworks. Each of them went back home after work and came back every day.

So one of them picked four-five potatoes, selecting the bigger ones, and brought them over. There was control at the gate: ‘What are these potatoes?' He said, ‘I'm going to bake them; I like them baked.' This was a human impulse: ‘I'll take some for the Jew. He is hungry, I'll give them to him.' So he brought them and said, ‘Hey, Jew, here's some potatoes.' There were fires all over the steelworks, so there was no problem with baking the potatoes: in fifteen minutes I had them nice and crisp. This is what let me survive.

The manager of the steelworks, Pytel, a man with a thin black mustache and a brisk walk, was not a scoundrel. There were no conversations, of course, no way, but at night, during the night shift, he came to me and said, ‘Here's the key to my locker. There's soup and bread. Go and eat, only make sure nobody sees you.' That was a human impulse. Obviously, that didn't happen every day, but still.

Some Jews who were run into the camp were very rich. They'd leave their estate with a non-Jewish friend or neighbor and later, when they were in the camp they looked up another Pole who was willing to risk - and I would also give those people the medal of the Righteous Among the Nations 27 - and negotiated. The Jew would write a letter: ‘Mr. So-and-so, send us a 100 or a 1000 zlotys,' and the message would reach the Pole. The proportions were not very fair: 7 to 3. The Pole took 70 percent and the Jew got 30. The Jew would say, ‘Mr. So-and-so, bring me: two loaves of bread, a kilogram of sausage, half a liter of vodka.' The Poles would bring what was on the list.

In our camp, while I was dirty and hungry, others were not. Of course, they couldn't always manage that, but for example at Yom Kippur, they prayed, fasted and didn't go to work, which meant someone else, such as myself, had to go for them. They would say, ‘I'll give you a quarter of a loaf of bread and my soup and you go to work in my place.' So I went and worked 16 hours for someone else. Do people know that it was possible to go to work for someone else? That was possible in Stalowa Wola, where there were only Jews, the rich and the poor, and the camp commandant, Goldstein, was bribed. All guards were elegantly dressed in elegant old Jewish clothes, leather boots, when I wore pants made of paper. It wasn't plain paper, but the thick kind used for sacks. They were quite strong. I made my pants out of such sacks.

I worked like that for almost two years, from the end of 1942, until July 1944, eating once out of the trash, another time from under the stable, once I stole from pigs, for they gave boiled peelings to the pigs. When the eastern front was coming close, we were moved again. Some got away, for it was difficult to watch everybody closely. We were taken to Plaszow 28. I found two of my father's brothers there. It was terrible, meeting them. I didn't find out anything from them, because nobody could bear to talk. We spent a day and a night there, I think. My father's brothers brought me some soup and a piece of bread. I never saw them again.

At night they chased us to the train again and we went in an unknown direction. We got out in a very beautiful area. It was the vicinity of Gross-Rosen 29, in the Walbrzych district. They rushed us to the camp, and, as usual, there was roll-call; we had to undress completely, because they counted on some of us having money, gold or other jewelry on us, so they looked in all possible places. It was a camp for men only. After washing up they gave us a new striped suit and a number. We slept in a barrack. Everybody bent their knees, fitting into one another. The floor was strewn with wood-shavings for softness, and we slept like that one or two nights. Later they registered us according to profession. I heard the word ‘Schlosser,' ironworker, everywhere. There were 250 ironworkers and I among them. They packed us onto tractors. But we didn't go too far this time, only to Bolkow [a town in south-western Poland, around 100 km from Wroclaw]. There were two or three trailers attached to the tractor.

The camp was on the hill, and that was Bolkenheim. I think we were the first to be brought there, around 300 Polish Jews and 200-250 Jews from Hungary. At the time, the German occupation of Hungary had just begun 30. There was also a small group of Greek Jews: 20, 40, 50? It's hard to say how they got there, it was difficult to communicate. With the Hungarian Jews we could speak in Yiddish, for Hungarian could not be mastered. Conditions were hard over there, too. I worked as a turner at a lathe. I was not trained as a turner, but I learned fast. I was there from early fall 1944 till February 1945.

In February 1945, they evacuated us to Buchenwald 31. We got frostbitten in the death march 32. We walked through Szklarska Poreba [a spa in south-western Poland, around 120 km west of Wroclaw], in a column, surrounded by the SS. Those who couldn't keep up were shot and thrown into a ditch. Then they loaded us onto a freight train and we traveled for five days. That was February 1945. There were 65 people, fitting into each other sitting down, but in two or three days there was more space, for we pushed the bodies of those who died out of the car. Inhuman conditions. Those were abnormal times. After the liberation of the camp, the Americans transferred us to the buildings of the SS and organized provisional hospitals there. At last there was a white bed, a sheet, a mattress, instead of a bed of boards. I was still limping, had difficulty walking, because of the frostbite for which I had to have surgery.

After the War

I was terribly naïve. I thought that since the war was over, everything would be back to normal right away. It took me three months to get back to Poland, in July 1945, for when the Americans liberated us, I could barely walk. I had to stay in bed for 6 weeks, and couldn't walk at all. They took us to Forst [a German town, right on the Polish border] and we were met by the Polish army. The border crossing was in the village called Zasieki, 25 kilometers from Lubsk [a town in western Poland, around 70 km west of Zielona Gora]. And that's where they left us, in Lubsk, saying, ‘Go look for an apartment, for half of the Germans had run away from here. There will be sheets, pots and pans, everything.'

But me and five guys my age, 21, wanted to get to Zielona Gora [a city in western Poland] and Krosno Odrzanskie [a town in western Poland, 35 km north-west of Zielona Gora]. From there, one could take a train. But it's over 50 kilometers to Zielona Gora, over 30 to Krosno Odrzanskie and I had a part of my toe amputated because of the frostbite during the death march.

So I decided against it. I went to an army doctor, Bak, and asked, ‘Doctor, what am I to do now? I have no family; I haven't been able to find anyone. I have nowhere to go, really. Here at least I get some soup and bread every day. But I can't walk, so what kind of a future is that?' He asks, ‘Can you speak German?' I say, ‘Yes and no. I know a little Yiddish, that's a start. And I've spent almost the entire war with Germans so I can speak it, a little.'

The place was full of people who were repatriated from beyond the Bug [Polish citizens from the former eastern regions of Poland, forcefully moved west after new Polish borders were established at the Yalta conference], they couldn't even say ‘Guten Morgen.' So he says, ‘You know what, we are organizing a Polish hospital. There are Germans on the ground floor and only Poles on the first.' There was a doctor, German. I went with him on patient visits and translated a little. At this age one learns a language fast. For over a year I worked as a nurse, not a very well defined function, but I was first after the German.

When I was In Lubsk, I didn't know that a year after the war the Kielce pogrom 33 took place. How would I know? I didn't buy newspapers, I didn't read, I didn't care, I wasn't interested. I didn't know either about the pogrom in Cracow in 1945 34. Had I known, who knows what course my life would have taken. Later, when I was in the army, I had no contact with the Jewish community. I did meet Jews, for I wasn't the only Jew in the army. Some of them I recognized immediately, for example Major Orbach: not only his name but also his looks were telling.

I was in touch with an old acquaintance from before the war, a Jewish woman, Wadelis. When I was stationed in Poznan, she suggested I can move in with them. Her daughter and my future wife were the same age, and they were best friends. So that was my contact with a Jewish family. Later I found out that Mrs. Wadelis was hoping I would marry her daughter, Edzia; I was a Jew, she liked that. But I knew them both and picked my present wife. I liked her a lot.

I wanted to be a doctor very much. I talked to Doctor Lipszyc, from Lubsk. I told him how much I would like to study, but that I had to make a living and had no base, no home. He said there were so-called academic companies in the army. For a year they prepared you for the final exam and those who passed signed commitment papers to the army, for 12 years, I think, and were moved to Lodz. In Lodz there was the Military Medical Academy. At the time it was called WCWM, Wojskowe Centrum Wyszkolenia Medycznego [Military Center for Medical Training]. One could study there and remain in the army.

I said, ‘Yes! Right away!' But he said there is one condition: not to reveal Jewish descent. So I said, ‘Doctor, I was scared for five years. Am I to remain scared for another five? You are a man, so you know. I am circumcised. I go to take a shower with the whole company and what? I cover myself, because I had it circumcised?' He said, ‘Somehow you have to manage.' So I said, ‘No, I'm not up for this, not now.' Because of that I didn't become a doctor. Though I liked that idea very much.

In 1947, when I was going to the army, a Russian officer, from Ukraine, Major Dymitrij Solopienko, says to me, ‘So where is your family?' I say that no one's alive. So he asks, ‘Are you Polish?' ‘Yes, I am.' ‘Do you have any family?' ‘No, nobody.' ‘So you won't reject your family, or hurt your father's, mother's, uncle's feelings if you change your name? If you have no close ties, why should you have a German name when you can chose a Polish one? In the Soviet Union where I'm from there is no anti-Semitism, but in Poland some of that still remains. Why should you have a bad start just because you're a Jew?'

At my level of awareness at that time, these were all convincing arguments. So I said, ok, I won't hurt anyone's feelings, I'm alone in the world. Had I been a son of some count... Why not Sokolowski. I came up with Sokolowski just like that: ‘S' would be such a nice letter to start your signature with. I was just a kid then. Only 22. He said, ‘Ok, that's done. We'll deal with the formalities later, no one should know here, and that's that.' And so I became Sokolowski. Obviously later I formally changed my name at the registrar's.

In 1948 I married a non-Jew, Gabriela Utrata. When one is 22 and comes to Poznan straight from military school, where was I to look for a Jew? Where would I find one? I was lucky, for my wife knows even less about Christianity than I do. She was raised by the communists. I have great respect for that. My father-in-law, a carpenter, was a member of the KPP 35, and my mother-in-law was also active in the communist movement. They didn't go to church, but they used to send their daughter, that is my wife, to a grandmother or an aunt. When she was in the countryside she was taken to church, maybe they taught her something, but she did not have a religious education.

I went out with her and after a few months I went to her parents to ask for her hand in marriage. My wife arranged that I'd come and we'd talk. I brought some flowers or some alcohol, I don't remember which. I introduced myself, and said that I came here - well, they knew I didn't come to look at the furniture, but to visit Gabrysia - because I had serious intentions. Therefore I should explain certain things to them. I don't have a family, I am alone, and I am a Jew, if they don't mind. My father-in-law just sat there, without saying anything, but when I said that I'm Jewish he reacted right away. He said, ‘Comrade Leopold, before the war I used to go to jail together with Jews, not to make any distinctions. I will be proud to have a Jewish son-in-law!' So in this respect I found a good family.

I left the army in 1957, during army reduction 36. They reminded me that I was a Jew. As comrade Khrushchev 37 said, ‘There will be as many Jewish officers in the army as will work in the mines.' And since after the war I was not planning to work in either Polish or Belgian mines, I decided they can get lost; I had my pride, I left. During the next two years I could chose which school I want to go to and that's how I graduated from a vocational school for mechanics in Poznan, at Debiec. That became my profession. I went to college later, when I was already working.

In 1957, when I was less scared, I went to Folkssztyme 38 on Nowogrodzka Street in Warsaw and placed an ad in the paper saying that Leopold Federgrün is looking for his relatives. I got a letter from Aunt Sala from Paris. She sent me photographs which I could enlarge for myself. That's all I owe her. For these were not good people, even though she was my mother's sister. They found the only family member that survived and they didn't even invite me to France to come and see! Things like that shouldn't happen among Jews. My aunt and uncle came here. I went to greet them at the station with my wife, with some flowers. They were so surprised! She brought a sack of things, half of which she took back with her, embarrassed to even show them. She probably thought that some pitiful Jew in rags will pick them up and take them to a cellar, to some hole.

In March 1968 39 I was reminded thoroughly and emphatically where my place is. I am deeply convinced that I was the only Jew at the Poznan bearing factory where I worked. I was in the party leadership, I was one of the editors of the newsletter, I was a lecturer, for the factory organized foreman courses for qualified workers. I supplemented my meager pay. I had two children. I wanted to provide them with decent conditions. My wife did some sewing on the side, to add to what we had, and then I was told: ‘Leopold, we like you a lot, and respect you, but you have to understand. For the time being you won't be able to do the lectures.' Then the newsletter: ‘Mr. Sokolowski, you understand, we respect you, but...' The Party secretary said to me: ‘Leopold, if it was up to me, but there is nothing I can do about it. Please, don't come to the committee any more.' I thought that if we left Poland, the parents would be separated from their child and my wife was the only child. Because one could get a one-way ticket with no permission to return. They took away your documents.

I couldn't make that decision. I didn't want to. My in-laws were too decent for me to take away their daughter and leave them alone. So I decided not to go then.

I talked to my son [Ryszard] and I talked to my daughter [Renata]. My daughter was in high school. I said to my son, ‘So, what do we do? Shall we go?' But he said he doesn't experience anti-Semitism too much, doesn't really see it. He was a freshman at the Higher School of Economy. He said, ‘This is my first year in college. If I go abroad, I'll have to learn the language, and my studies, all this work will go down the drain. I wouldn't want that.' He was very close to his grandparents. My wife being a single child, my children were the only grandchildren. I really respected my father-in-law. He was twice offered the position of the director of a factory and he refused both times. He said, ‘I am a carpenter. I can be a foreman, a workshop manager, but nothing else. I don't have the education.' Many would take a directorial function, even if illiterate or semi-literate. But not my father-in-law. He was a modest man. He never wanted anything for himself. He had two rooms with a kitchen. Kazimierz Utrata was a very decent man. Others have plates at the cemetery saying, ‘In sacred memory of...' My father-in-law's sign is terse: ‘Committed Activists of the Workers' Movement: Kazimierz Utrata, Maria Utrata.'

Obviously it is difficult in a mixed marriage to keep up either Jewishness or Christianity. That is why my son has been raised without religion and so was my daughter. My daughter joined a Catholic family, because she fell deeply in love with a boy who was, and still is, a strong believer. They have a good marriage, which has lasted already 30 years. My son's marriage is a little longer: 32 or 33 years. My son is an atheist, my daughter's house is Catholic and we participate in different events at both. We even participated in one Christmas Eve. We usually go away for the first or second day of Christmas Holidays. When we were over there at Christmas, my son-in-law read something from some Bible. He tolerates me. He knows his father-in-law is a Jew and has nothing against that. Very well, then I have nothing against him. He was raised like that; it's his right.

My dreams came true and I went to Israel twice. I was an active member of the Jewish Veterans organization 40. I am a member of TSKZ 41, but I've stopped going there. Nobody wants anything from me and I don't want anything from anybody. And I am very aware, even if I still want to live very much, that I am ending. Recently I lost 10 to 12 kilograms. I'm not naïve, I know what that means. I don't know, maybe I'll live a year, maybe five? That's what my life is like.

Right now I am somewhat sensitive, maybe oversensitive on the issue of anti-Semitism. When I read newspapers or watch the news, that's what I'm looking for. It's a complex, unfortunately. I've suffered too much for being a Jew. The Germans call it ‘der Zeitzeuge,' witness of history. But I say, I'm not a witness of history, I'm history's active participant. I haven't stood on the side watching people suffer, but I suffered, too. I haven't read about someone getting killed, but my family was murdered. But I don't have a feeling of hatred and I don't mind German.

I am a member of the Jewish community to keep up the tradition. I revealed that I can read Hebrew texts, so I can read the Sabbath prayer in the synagogue. I am oversensitive when it comes to anti-Semitism. I married a woman I loved. I still love her, but the love of an 80-year-old is different from that of a 20-year-old. I have two children whom I love very much and who are good to me. I have grandchildren: 5 grandchildren and one great-granddaughter. And I am 81. It's my last stage. I can't reproach myself when it comes to my life.

Glossary

1 KuK (Kaiserlich und Königlich) army

The name 'Imperial and Royal' was used for the army of the Austro-Hungarian Monarchy, as well as for other state institutions of the Monarchy originated from the dual political system. Following the Compromise of 1867, which established the Dual Monarchy, Austrian emperor and Hungarian King Franz Joseph was the head of the state and also commander-in-chief of the army. Hence the name 'Imperial and Royal.'

2 Rashi

Full name: Rabbi Shlomo Yitzaki (1040-1105). He was one of the greatest Bible scholars in Jewish history. His commentaries on the Torah and the Talmud are indispensable for those interested in studying Jewish literature. He was born in Troyes (France), and studied in the two famous yeshivot of the time, in Mainz and Worms (today Germany). In 1070 he founded a school that made France the center of rabbinic sciences for a very long period. This school gave room, among others, to his sons-in-law and grandsons, who were also renowned Bible scholars and founded the Tosaphist School, and their commentaries are an organic part of any Talmud edition today. Rashi wrote commentaries on almost every scripture book, and commented almost the entire Babylonian Talmud. His commentaries had such importance that the first book printed in Hebrew was made on basis of these commentaries. The letters used for this purpose have been called Rashi letters since then. According to tradition, he died while writing the word 'tahor' (pure) in the commentary he was writing on the Talmud Makkot tractate. He died on 29th Tammuz; the location of his grave is unknown.

3 Kazimierz

Now a district of Cracow lying south of the Main Market Square, it was initially a town in its own right, which received its charter in 1335. Kazimierz was named in honor of its founder, King Casimir the Great. In 1495 King Jan Olbracht issued the decision to transfer the Jews of Cracow to Kazimierz. From that time on a major part of Kazimierz became a center of Jewish life. Before 1939 more than 64,000 Jews lived in Cracow, which was some 25% of the city's total population. Only the culturally assimilated Jewish intelligentsia lived outside Kazimierz. Until the outbreak of World War II this quarter remained primarily a Jewish district, and was the base for the majority of the Jewish institutions, organizations and parties. The religious life of Cracow's Jews was also concentrated here; they prayed in large synagogues and a multitude of small private prayer houses. In 1941 the Jews of Cracow were removed from Kazimierz to the ghetto, created in the district of Podgorze, where some died and the remainder were transferred to the camps in Plaszow and Auschwitz. The majority of the pre-war monuments, synagogues and Jewish cemeteries in Kazimierz have been preserved to the present day, and a few Jewish institutions continue to operate.

4 . Zbaszyn Camp

From October 1938 until the spring of 1939 there was a camp in Zbaszyn for Polish Jews resettled from the Third Reich. The German government, anticipating the act passed by the Polish Sejm (Parliament) depriving people who had been out of the country for more than 5 years of their citizenship, deported over 20,000 Polish Jews, some 6,000 of whom were sent to Zbaszyn. As the Polish border police did not want to let them into Poland, these people were trapped in the strip of no-man's land, without shelter, water or food. After a few days they were resettled to a temporary camp on the Polish side, where they spent several months. Jewish communities in Poland organized aid for the victims; families took in relatives, and Joint also provided assistance.

5 Zionist parties in Poland

All the programs of the Zionist parties active in Poland in the interwar period were characterized by their common aims of striving to establish a permanent home for the Jews in Palestine, to revive the Hebrew language, and to further political activity among the Jews (general Zionist program). They also worked to improve the lot of the Jews in Poland, and therefore ran at the Polish elections. In the Sejm (Polish Parliament) Zionist parties gained 32 of the total 47 seats won by the Jewish parties in 1922. Poalei Zion, founded in 1906, and divided in 1920 into Left Poalei Zion and Right Poalei Zion, represented left-wing views. Mizrachi, founded in 1902, united religious Zionists with a conservative social program. The Zionist Organization in Poland advocated a liberal program. Hitakhdut (Zionist Labor Party), established in 1920, combined a nationalist ideology with a socialist one. The Union of Zionist Revisionists, set up in 1925 by Vladimir (Zeev) Jabotinsky, sought the expansion of its own military structures and the achievement of the Zionist movement's aims by force. The majority of these parties were members of the World Zionist Organization, an institution co-ordinating the Zionist movement founded in 1897 in Basel. The most important Zionist newspapers in Poland included: Hatsefira, Haint, Der Moment and Nasz Preglad (Our Review).

6 Mizrachi, (full name

The 'Mizrachi' Zionist-Orthodox Organization): A political party of religious Zionists, which was created in order to build a Jewish nation in Palestine, based on the rules of the Torah. The name comes from the words 'Ha-merkaz ha-ruchani', that is 'spiritual center.' It was created in Vilnius in 1902 as a branch of the World Zionist Organization. In 1917 Mizrach broke off from the Organization as a separate party. Headed by Joszua Heszel Farbstein, other activists included Izaak Nissenbaum and Icchak Rubinstein. The Mizrachi party cooperated with the Zionist Organization in Poland, supported the program of national-cultural autonomy, took part in parliamentary and local self-government elections. Mizrachi also created its own school organization Jawne and youth organization Ceirej Mizrachi (Mizrachi Youth) and He-Chaluc ha-Mizrachi (Mizrachi Pioneers), later Ha-Poel ha-Mizrachi (Mizrachi Worker). Mizrachi's influence was strongest in southwestern Poland. After WWII it was the only religious party which was allowed to operate. Dissolved in 1949.

7 Hashomer Hatzair in Poland

From 1918 Hashomer Hatzair operated throughout Poland, with its headquarters in Warsaw. It emphasized the ideological and vocational training of future settlers in Palestine and personal development in groups. Its main aim was the creation of a socialist Jewish state in Palestine. Initially it was under the influence of the Zionist Organization in Poland, of which it was an autonomous part. In the mid-1920s it broke away and joined the newly established World Scouting Union, Hashomer Hatzair. In 1931 it had 22,000 members in Poland organized in 262 'nests' (Heb. 'ken'). During the occupation it conducted clandestine operations in most ghettos. One of its members was Mordechaj Anielewicz, who led the rising in the Warsaw ghetto. After the war it operated legally in Poland as a party, part of the He Halutz. It was disbanded by the communist authorities in 1949.

8 Akiba - Hanoar Haivri

Zionist youth scouting organization founded in Cracow in the early 1920s, subordinate to the Zionist Organization. Its program was moderately right-wing; it advocated the dissemination of the Hebrew language and Jewish religious tradition, which it considered a key element of the national identity. The first Akiba groups left for Palestine in 1930. In 1939 the organization numbered 30,000 adherents in Europe and Palestine. During WWII it was active in the resistance movement. Armed Akiba units took part in campaigns in Cracow (1942) and in the Warsaw Ghetto Uprising (1943). After the war it did not resume its activities in Poland, but continued to operate in Palestine until the foundation of the State of Israel (1948).

9 Liebeskind, Aharon Adolf 'Dolek' (1912-1942)

Central activist of the religious Zionist Akiva movement and member of the Jewish underground in the Cracow ghetto. He was secretary of the Akiva movement (appointed in 1939) and went to live in Warsaw until the war broke out. Liebeskind refused to accept a Palestine immigration certificate, which would have saved his life. In December 1940 he was asked to run an agricultural training program on a Jewish settlement near Cracow. He used his position to cover a variety of underground activities in Cracow, including the distribution of pamphlets, organization of money transfers, and contacts with other Jewish underground organizations. The deportation of Cracow's Jews convinced Liebeskind that the only response to the German mass murders was armed combat. Along with his best friend, Avraham Leibowicz (Laban), he became commander of the fighting organization of the Pioneer Jews, Hachalutz Halohem. In November 1942 Liebeskind and his Akiva staff moved their headquarters to the non-Jewish side of Cracow. On 22nd December 1942, the joint forces of Hachalutz Halohem and P.P.R. Jewish Units attacked German targets. Following the attack, the headquarters of the youth movement fell, as did most of the Hachalutz Halohem members. On 24th December 1942 Liebeskind was caught and killed in the bunker of the movement headquarters.

10 Thon, Ozjasz (1870-1936)

Born in Lvov, studied theology and philosophy at Berlin University. On obtaining his doctorate he became a rabbi at the progressive Tempel synagogue in the Cracow Jewish quarter of Kazimierz, where he worked from 1898-1936. He helped Theodor Herzl organize the First Zionist Congress in 1897. He was one of the fathers and activists of the Zionist movement in Galicia, as well as a member of the World Zionist Organization's Executive Committee, the leader of the moderate fraction of ‘Et Liwnot' (time to build) and the initiator of the convening in 1918 in Cracow of the Jewish National Council. In 1918 he went to Paris, where he was later a member of the Jewish delegation to the Paris peace conference. In 1919-1935 he was a deputy to the Polish Sejm [Parliament], and also the chairman of the Polish Jewish Deputies' Parliamentary Club. A rabbi, a politician, and also a publicist, he wrote articles and papers in Polish, Hebrew, Yiddish, German and English. He is buried in the cemetery on Miodowa Street in Cracow.

11 Nasz Przeglad

Jewish daily published in Polish in Warsaw during the period 1923-39, with a print run of 45,000 copies. Addressed to the intelligentsia, it had an important opinion-forming role.

12 Opinia [Opinion]

a weekly with Zionist tendencies, published in Polish in Warsaw in the years 1933-1936 and in Lwow in the years 1936-1939 under the title Nasza Opinia [Our Opinion]. The chief editor in Warsaw was Mojzesz Indelman and in Lwow Naftali Hauser. Opinion was a political, economic and cultural magazine. It became the chief Jewish opinion-making magazine. The most important politicians and writers of the time published there, such as: Szalom Asz, Majer Balaban, Uri Cwi Grinberg, Icchak Grünbaum, Jozef Opatoszu, Ignacy Schiper, Mojzesz Schorr and many others. Altogether 198 issues were published, with a circulation of 25 thousand copies.
13 Keren Kayemet Leisrael (K.K.L.): Jewish National Fund (JNF) founded in 1901 at the Fifth Zionist Congress in Basel. From its inception, the JNF was charged with the task of fundraising in Jewish communities for the purpose of purchasing land in the Land of Israel to create a homeland for the Jewish people. After 1948 the fund was used to improve and afforest the territories gained. Every Jewish family that wished to help the cause had a JNF money box, called the 'blue box.' Now these boxes are known worldwide as a symbol of Zionism. In Poland the JNF was active in two periods, 1919-1939 and 1945-1950. In preparing its colonization campaign, Keren Kayemet Leisrael collaborated with the Jewish Agency and Keren Hayesod.

14 Bund

The short name of the General Jewish Union of Working People in Lithuania, Poland and Russia, Bund means Union in Yiddish. The Bund was a social democratic organization representing Jewish craftsmen from the Western areas of the Russian Empire. It was founded in Vilnius in 1897. In 1906 it joined the autonomous fraction of the Russian Social Democratic Working Party and took up a Menshevist position. After the Revolution of 1917 the organization split: one part was anti-Soviet power, while the other remained in the Bolsheviks' Russian Communist Party. In 1921 the Bund dissolved itself in the USSR, but continued to exist in other countries. 

15 Anti-Semitism in Poland in the 1930s

From 1935-39 the activities of Polish anti-Semitic propaganda intensified. The Sejm introduced barriers to ritual slaughter, restrictions of Jews' access to education and certain professions. Nationalistic factions postulated the removal of Jews from political, social and cultural life, and agitated for economic boycotts to persuade all the country's Jews to emigrate. Nationalist activists took up posts outside Jewish shops and stalls, attempting to prevent Poles from patronizing them. Such campaigns were often combined with damage and looting of shops and beatings, sometimes with fatal consequences. From June 1935 until 1937 there were over a dozen pogroms, the most publicized of which was the pogrom in Przytyk in 1936. The Catholic Church also contributed to the rise of anti-Semitism.

16 ONR - Oboz Narodowo-Radykalny (Radical Nationalist Camp)

a Polish nationalist organization with extreme anti-Semitic views. Founded in April 1934, its members were drawn from the Nationalist Democratic Party. It supported fascism, its program advocated the full assimilation of Slavic minorities in Poland, and forced Jews to leave the country by curbing their civic rights and implementing an economic boycott that would prevent them from making a living. The ONR exploited calls for an economic boycott during the severe economic crisis of the 1930s to drum up support among the masses and develop opposition to Pilsudski's government. The ONR drew most of its support from young urban people and students. Following a series of anti-Semitic attacks, the ONR was dissolved by the government (July 1940), but the group continued its activities illegally with the support of extremist nationalist groups.

17 Prystor Decree

In pre-war Poland the issue of ritual slaughter (Hebrew: shechitah) was at the heart of a deep conflict between the Jewish community and Polish nationalist groups, which in 1936-1938 attempted to outlaw or restrict the practice of shechitah in the Sejm, the Polish parliament, citing humanitarian grounds and competition for Catholic butchers. In 1936 Janina Prystor, a deputy to the Sejm (and wife of Aleksander Prystor (1874-1941), Polish prime minister 1931-1933), proposed a ban on shechitah, citing principles of Christian morality. This move had an overtly economic aim, which was to destroy the Jewish meat industry, which meant competition for Christian butchers. Prystor met with fierce resistance among Jewish circles in the Sejm. In the wake of a debate in the Sejm the government decided on a compromise, permitting shechitah only in areas where Jews made up more than 3% of the local population.

18 Campaign against ritual slaughter

In pre-war Poland the issue of ritual slaughter was at the heart of a deep conflict between the Jewish community and Polish nationalist groups, which in 1936-1938 attempted to outlaw or restrict the practice of ritual slaughtering in the Sejm, the Polish parliament, citing humanitarian grounds and competition for Catholic butchers.

19 German occupation of Poland (1939-45)

World War II began with the German attack on Poland on 1st September 1939. On 17th September 1939 Russia occupied the eastern part of Poland (on the basis of the Molotov-Ribbentrop Pact). The east of Poland up to the Bug River was incorporated into the USSR, while the north and west were annexed to the Third Reich. The remaining lands comprised what was called the General Governorship - a separate state administered by the German authorities. After the outbreak of war with the USSR in June 1941 Germany occupied the whole of Poland's pre-war territory. The German occupation was a system of administration by the police and military of the Third Reich on Polish soil. Poland's own administration was dismantled, along with its political parties and the majority of its social organizations and cultural and educational institutions. In the lands incorporated into the Third Reich the authorities pursued a policy of total Germanization. As regards the General Governorship the intention of the Germans was to transform it into a colony supplying Polish unskilled slave labor. The occupying powers implemented a policy of terror on the basis of collective liability. The Germans assumed ownership of Polish state property and public institutions, confiscated or brought in administrators for large private estates, and looted the economy in industry and agriculture. The inhabitants of the Polish territories were forced into slave labor for the German war economy. Altogether, over the period 1939-45 almost three million people were taken to the Third Reich from the whole of Poland.

20 Evicting of Jews from Cracow in 1940

According to assumptions of the German occupation authorities, Cracow, as the capital city of the General Governorship, was to be emptied of Jewish inhabitants. In the summer of 1940 the Germans allowed only 11 thousand Jews to temporarily remain in the city, which meant displacing 40 thousand people. The displaced persons in general could move to all towns in the General Governship; however, Jewish communes in many towns refused to accept them. The reason was severe overcrowding in ghettos. In the end in Cracow 15 thousand Jews remained, who were locked in the ghetto in March 1941.

21 Italian front, 1915-1918

Also known as Isonzo front. Isonzo (Soca) is an alpine river today in Slovenia, which ran parallel with the pre-World War I Austro-Hungarian and Italian border. During World War I Italy was primarily interested in capturing the ethnic Italian parts of Austria-Hungary (Trieste, Fiume, Istria and some of the islands) as well as the Adriatic littoral. The Italian army tried to enter Austria-Hungary via the Isonzo Rriver, but the Austro-Hungarian army was dug in alongside the river. After 18 months of continuous fighting without any territorial gain, the Austro-Hungarian army finally succeeded to enter Italian territory in October 1917.

22 Navy-Blue Police, or Polish Police of the General Governorship

The name of the communal police which operated between 1939 and 1945 in the districts of the General Governorship. Navy-Blue police was subordinate to the order police (so-called Orpo, Ordnungpolizei). Members were forcibly employed officers of the pre-war Polish state police. Navy-Blue Policemen participated, for example, in deportations of residents, in suppressing the 'black market,' in isolating Jews in ghettoes. Some members participated in cells of the underground state and passed on information about the functioning of the German forces.

23 Armbands

From the beginning of the occupation, the German authorities issued all kinds of decrees discriminating against the civilian population, in particular the Jews. On 1st December 1939 the Germans ordered all Jews over the age of 12 to wear a distinguishing emblem. In Warsaw it was a white armband with a blue star of David, to be worn on the right sleeve of the outer garment. In some towns Jews were forced to sew yellow stars onto their clothes. Not wearing the armband was punishable - initially with a beating, later with a fine or imprisonment, and from 15th October 1941 with the death penalty (decree issued by Governor Hans Frank).

24 Judenrat

Jewish councils appointed by German occupying authorities to carry out Nazi orders in the Jewish communities of occupied Europe. After the establishment of the ghettos they were responsible for everything that happened within them. They controlled all institutions operating in the ghettos, the police, the employment agency, food supplies, housing, health, social work, education, religion, etc. Germans also made them responsible for selecting people for the work camps, and, in the end, choosing those to be sent to camps that were in reality death camps. It is hard to judge their actions due to the abnormal circumstances. Some believe they betrayed Jews by obeying orders, and others think they were trying to gain time and save as many people as possible.

25 Wannsee Conference

a common name used in reference to the conference organized by the RSHA [Reich Security Main Office] on 20th January 1942, at which the plan for the "final solution" of the Jewish problem was discussed. The conference took place in Berlin at 50/58 Am Grossen Wannsee. Present there were members of the following Ministries: the Ministry of Internal Affairs, the Ministry of Foreign Affairs, the Ministry of Justice, the Ministry for Eastern Territories, as well as the plenipotentiary for the 4-year Plan and GG, NSDAP Chancellery and Reich Chancellery and the SS and Police authorities from occupied Poland. The conference was chaired by Adolf Eichmann. The major decisions had been made prior to the conference. At the conference, technical matters were raised: the selection of the place in which killing would take place, the method and time, as well as legal issues, that is, the treatment of half-Jews and organizational problems: coordination of the activity of specific ministries.

26 Wieliczka Ghetto

Created in May 1941; 7 thousand Jews were locked up there. A great number of those were exiles from Cracow. It was shut down on 28th August 1942: some of the prisoners were shot in the Kozie Gorki forest, others were sent to the Treblinka and Belzec camps. In spring 1944 a labor camp was created in Wieliczka in which 6 thousand Jews were imprisoned. They worked in an airplane factory. In September 1944 the prisoners were evacuated to Flossenburg.

27 Righteous Among the Nations

A medal and honorary title awarded to people who during the Holocaust selflessly and for humanitarian reasons helped Jews. It was instituted in 1953. Awarded by a special commission headed by a justice of the Israeli Supreme Court, which works in the Yad Vashem National Remembrance Institute in Jerusalem. During the ceremony the persons recognized receive a diploma and a medal with the inscription "Whoever saves one life, saves the entire world" and plant a tree in the Avenue of the Righteous on the Remembrance Hill in Jerusalem, which is marked with plaques bearing their names. Since 1985 the Righteous receive honorary citizenship of Israel. So far over 20,000 people have been distinguished with the title, including almost 6,000 Poles.

28 Plaszow Camp

Located near Cracow, it was originally a forced labor camp and subsequently became a concentration camp. The construction of the camp began in summer 1940. In 1941 the camp was extended and the first Jews were deported there. The site chosen comprised two Jewish cemeteries. There were about 2,000 prisoners there before the liquidation of the Podgorze (Cracow) ghetto on 13th and 14th March 1943 and the transportation of the remaining Jews to Plaszow camp. Afterwards, the camp population rose to 8,000. By the second half of 1943 its population had risen to 12,000, and by May-June 1944 the number of permanent prisoners had increased to 24,000 (with an unknown number of temporary prisoners), including 6,000-8,000 Jews from Hungary. Until the middle of 1943 all the prisoners in the Plaszow forced labor camp were Jews. In July 1943, a separate section was fenced off for Polish prisoners who were sent to the camp for breaking the laws of the German occupational government. The conditions of life in the camp were made unbearable by the SS commander Amon Goeth, who became the commandant of Plaszow in February 1943. He held the position until September 1944 when he was arrested by the SS for stealing from the camp warehouses. As the Russian forces advanced further and further westward, the Germans began the systematic evacuation of the slave labor camps in their path. From the camp in Plaszow, many hundreds were sent to Auschwitz, others westward to Mauthausen and Flossenburg. On 18th January 1945 the camp was evacuated in the form of death marches, during which thousands of prisoners died from starvation or disease, or were shot if they were too weak to walk. The last prisoners were transferred to Germany on 16th January 1945. More than 150,000 civilians were held prisoner in Plaszow.

29 Gross-Rosen camp

The Gross-Rosen camp was set up in August 1940, as a branch of Sachsenhausen; the inmates were forced to work in the local granite quarry. The first transport arrived at Gross-Rosen on 2nd August 1940. The initial labor camp acquired the status of an independent concentration camp on 1 May 1941. Gross-Rosen was significantly developed in 1944, the character of the camp also changed; numerous branches (approx. 100) were created alongside the Gross-Rosen headquarters, mostly in the area of Lower Silesia, the Sudeten Mountains and Ziemia Lubuska. A total of approximately 125,000 inmates passed through Gross-Rosen (through the headquarters and the branches) including unregistered prisoners; some prisoners were brought to the camp only to be executed (e.g. 2,500 Soviet prisoners of war). Jews (citizens of different European countries), Poles and citizens of the former Soviet Union were among the most numerous ethnic groups in the camp. The death toll of Gross-Rosen is estimated at approximately 40,000.

30 19th March 1944

Hitler found out about Prime Minister Miklos Kallay's and Governor Miklos Horthy's attempts to make peace with the west, and by the end of 1943 worked out the plans, code-named 'Margarethe I. and II.', for the German invasion of Hungary. In early March 1944, Hitler, fearing a possible Anglo-American occupation of Hungary, gave orders to German forces to march into the country. On 18th March, he met Horthy in Klessheim, Austria and tried to convince him to accept the German steps, and for the signing of a declaration in which the Hungarians would call for the occupation by German troops. Horthy was not willing to do this, but promised he would stay in his position and would name a German puppet government in place of Kallay's. On 19th March, the Germans occupied Hungary without resistance. The ex-ambassador to Berlin, Dome Sztojay, became new prime minister, who - though nominally responsible to Horthy - in fact, reconciled his politics with Edmund Veesenmayer, the newly arrived delegate of the Reich.

31 Buchenwald

One of the largest concentration camps in Germany, located five miles north of the city of Weimar. It was founded on 16th July, 1937 and liberated on 11th April, 1945. During its existence 238,980 prisoners from 30 countries passed through Buchenwald. Of those, 43,045 were killed.

32 Death march

In fear of the approaching Allied armies, the Germans tried to erase all evidence of the concentration camps. They often destroyed all the facilities and forced all Jews regardless of their age or sex to go on a death march. This march often led nowhere and there was no specific destination. The marchers received neither food nor water and were forbidden to stop and rest at night. It was solely up to the guards how they treated the prisoners, if and what they gave them to eat and they even had in their hands the power on the prisoners' life or death. The conditions during the march were so cruel that this journey became a journey that ended in the death of most marchers.

33 Kielce Pogrom

On 4th July 1946 the alleged kidnapping of a Polish boy led to a pogrom in which 42 people were killed and over 40 wounded. The pogrom also prompted other anti-Jewish incidents in Kielce region. These events caused mass emigrations of Jews to Israel and other countries.

34 Cracow Pogrom in 1945

a pogrom of the Jews in Cracow, on 11th August 1945, incited by rumors of ritual murder. The pogrom started in Kupa synagogue at 27 Miodowa Street. On 11th August, in the morning, during the Sabbath service, several dozen hooligans started throwing stones at the synagogue. The participants of the service, including Rabbi Mojzesz Steinberg, tried to chase away the aggressors. Those running away spread the news that the Jews were murdering babies in the synagogue. A crowd broke into the synagogue and started demolishing it. The Jews who were present (several hundred, the exact number is unknown) were thrown out on the street and beaten. The assailants then broke into a Jewish shelter next to the synagogue and into the house for the repatriated Jews at 3 Przemyska Street, demolishing, looting and beating the inhabitants. The pogrom didn't stop until the evening and the intervention of the police and the army. The number of victims is difficult to estimate. Probably 1 to 5 people were killed (among them Roza Berger). 25 people were arrested for the participation in the pogrom. 10 were sentenced for 6 months to 3 years of prison.

35 Communist Party of Poland (KPP)

Created in December 1918 in Warsaw, its aim was to create a global or pan-European federal socialist state, and it fought against the rebirth of the Polish state. Between 1921 and 1923 it propagated slogans advocating a two-stage revolution (the bourgeois-democratic revolution and the socialist revolution), the reinforcement of Poland's sovereignty, the right to self-determination of the ethnic minorities living within the II Republic of Poland, and worker and peasant government of the country. After 1924, as in the rest of the international communist movement, ultra-revolutionary tendencies developed. From 1929 the KPP held the stance that the conditions were right for the creation by revolution of a Polish Republic of Soviets with a system based on the Soviet model, and advocated 'social fascism' and 'peasant fascism.' In 1935 on the initiative of Stalin, the KPP wrought further changes in its program (recognizing the existence of the II Polish Republic and its political system). In 1919 the KPP numbered some 7,000-8,000 members, and in 1934 around 10,000 (37 percent peasants), with a majority of Jews, Belarusians and Ukrainians. In 1937 Stalin took the decision to liquidate the KPP; the majority of its leaders were arrested and executed in the USSR, and in 1939 the party was finally liquidated on the charge that it had been taken over by provocateurs and spies.

36 Jews in 1956

‘The Jewish problem' came up in 1956 during conflicts within the Polish United Worker's Party. The so-called Natolin fraction used anti-Semitic slogans in its discourse, attempting to blame party members of Jewish descent for the crimes committed during the Stalinist era. At the 7th Plenary Session of the Party's Central Committee, in July 1956, this fraction postulated ‘nationality regulation' in the Party. This resolution was not officially passed, but in the course of inter-party dissension, members of Jewish descent were fired from higher positions in state institutions, security offices, and the army. The number of the people fired is not known. Anti-Semitic slogans were echoed by the society: Jews were likely to be accused of carrying the responsibility for repressions, murders, economic ruin and conflicts with the Church. In fall 1956 there were even anti-Semitic disturbances in Walbrzych, quickly put down by the police. In the years 1955-1957 around 27 thousand Jews left Poland, mainly for Israel.

37 Khrushchev, Nikita (1894-1971)

Soviet communist leader. After Stalin's death in 1953, he became first secretary of the Central Committee, in effect the head of the Communist Party of the USSR. In 1956, during the 20th Party Congress, Khrushchev took an unprecedented step and denounced Stalin and his methods. He was deposed as premier and party head in October 1964. In 1966 he was dropped from the Party's Central Committee.

38 Folksztyme/Dos Yidishe Wort

Bilingual Jewish magazine published every other week since 1992 in Warsaw in place of 'Folksshtimme', which was closed down then. Articles are devoted to the activities of the JSCS in Poland and current affairs, and there are reprints of articles from the Jewish press abroad. The magazine 'Folksshtimme' was published three times a week. In 1945 it was published in Lodz, and from 1946-1992 in Warsaw. It was the paper of the Jewish Communists. After Jewish organizations and their press organs were closed down in 1950, it became the only Jewish paper in Poland. 'Folksshtimme' was the paper of the JSCS. It published Yiddish translations of articles from the party press. In 1956, a Polish-language supplement for young people, 'Nasz Glos' [Our Voice] was launched. It was apolitical, a literary and current affairs paper. In 1968 the paper was suspended for several months, and was subsequently reinstated as a Polish-Jewish weekly, subject to rigorous censorship. The supplement 'Nasz Glos' was discontinued. Most of the contributors and editorial staff were forced to emigrate.

39 Gomulka Campaign

A campaign to sack Jews employed in the Ministry of Internal Affairs, the army and the central administration. The trigger of this anti-Semitic campaign was the involvement of the Socialist Bloc countries on the Arab side in the Middle East conflict, in connection with which Moscow ordered purges in state institutions. On 19th June 1967, at a trade union congress, the then First Secretary of the Polish United Workers' Party [PZPR], Wladyslaw Gomulka, accused the Jews of lack of loyalty to the state and of publicly demonstrating their enthusiasm for Israel's victory in the Six-Day-War. This marked the start of purges among journalists and people of other creative professions. Poland also severed diplomatic relations with Israel. On 8th March 1968 there was a protest at Warsaw University. The Ministry of Internal Affairs responded by launching a press campaign and organizing mass demonstrations in factories and workplaces during which 'Zionists' and 'trouble-makers' were indicted and anti-Semitic and anti-intelligentsia slogans shouted. Following the events of March, purges were also staged in all state institutions, from factories to universities, on criteria of nationality and race. 'Family liability' was also introduced (e.g. with respect to people whose spouses were Jewish). Jews were forced to emigrate. From 1968-1971 15,000-30,000 people left Poland. They were stripped of their citizenship and right of return. 

40 The Association of Jewish War Veterans and Victims of Prosecutions during World War II (Stowarzyszenie Zydow Kombatantow i Poszkodowanych w II wojnie)

An organization of Jewish war veterans, who had taken part in armed struggle against Nazi Germany, and were victims of Holocaust persecution. The organization was founded in 1991. It has 13 sections throughout Poland, and 150 members. Its aims include providing help to Jews who were victimized during the war and spreading knowledge about the struggle and victimization of Jews during WWII. The Association established the Medal of the 50th Anniversary of the Warsaw Ghetto Uprising, which is granted to persons who have made important contributions to Polish-Jewish life and dialogue.

41 Social and Cultural Society of Polish Jews (TSKZ)

Founded in 1950 when the Central Committee of Polish Jews merged with the Jewish Society of Culture. From 1950-1991 it was the sole body representing Jews in Poland. Its statutory aim was to develop, preserve and propagate Jewish culture. During the socialist period this aim was subordinated to communist ideology. Post-1989 most young activists gravitated towards other Jewish organizations. However, the SCSPJ continues to organize a range of cultural events and has its own magazine - The Jewish Word. It is primarily an organization of older people, who, however, have been involved with it for years.

Leo Luster

Leo Luster
Stadt: Givatayim
Land: Israel
Datum des Interviews: August 2010
Name der Interviewerin: Tanja Eckstein

Das erste Mal begegnete ich Leo Luster in Wien im Cafe Schottenring. Dort trafen sich einmal im Monat die ehemaligen Hakoah-Spieler. Leo und sein Sohn Moshe waren anlässlich eines Filmvorhabens über Aron Menczer in Wien.

Aron Menczer war ein junger Mann, der vielen jüdischen Kindern in Wien und im Ghetto Theresienstadt das Leben in einer unerträglichen Zeit erträglich gemacht hat und vielen von ihnen das Leben retten konnte.

Er selber wurde 1943 zusammen mit 1.260 aus Bialystok ins Ghetto Theresienstadt gebrachten Kindern von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und ermordet. Zu diesem Zeitpunkt war er 26 Jahre alt. Heute erinnert eine Gedenktafel vor der Marc-Aurel-Strasse 5 an ihn.

Leo Luster gab mir im Cafe Schottenring seine Visitenkarte und lud mich ein, den österreichischen Seniorenclub in Tel Aviv zu besuchen. Viele Jahre später flog ich nach Tel Aviv, um drei Lebensgeschichten aufzuschreiben.

Leo Luster hatte sich sofort bereit erklärt, mir ein Interview zu geben. Ich besuchte ihn in seiner Wohnung, und es begann eine wunderbare Freundschaft. 

  • Meine Familiengeschichte

Die Familie meiner Mutter lebte in Galizien, in der Stadt Brzesko [Polen]. Der Großvater hieß Berisch Teichthal, die Großmutter Feigel Cerl Dorflaufer. Meine Großmutter wurde 1854 in Brzesko geboren. Geheiratet haben meine Großeltern 1876 in Brzesko. Sie haben jüdisch geheiratet, so bekamen die Töchter den Namen der Mutter und die Söhne den Namen des Vaters.

Sie hatten zwölf Kinder, von denen acht am Leben geblieben sind. Ich kannte drei von ihnen: meine Mutter Golda, die am 18. Januar 1892 geboren wurde, ihren Bruder Josef Benjamin, der am 5. Juli 1896 geboren wurde und Hinda Rifka, die am 6. Januar 1899 in Brzesko geboren wurde. Jaques wanderte nach Amerika aus, den konnte ich nur noch auf dem Friedhof in New York besuchen.

Die anderen Brüder und Schwestern meiner Mutter habe ich nie gesehen. Sie blieben in Polen und sind während des Krieges dort ermordet worden. Einige ihrer Namen kenne ich. Sie hießen: Israel, Neche, Marjem, Leser Lipe, Abraham und Jakob. Jacob war dann in Amerika, nehme ich an, Jaques. 

Was ich über meine Großeltern erzählen kann, ist nur vom Hörensagen, das, was meine Mutter mir erzählt hat: meine Großeltern haben eine sehr glückliche Ehe geführt. Mein Großvater war ein Reisender, der mit Seife gehandelt hat. Er hat in Deutschland Seife eingekauft und mit Pferdefuhrwerken nach Polen gebracht.

Das Komische an der Geschichte ist, wie ich in Deutschland rumgefahren bin, bin ich draufgekommen, dass mein Großvater, der sehr fromm war, anscheinend immer bis nach Rothenburg ob der Tauber gekommen ist. Rothenburg ob der Tauber ist eine interessante Stadt. Da hat nämlich der große Rabbiner von Rothenburg gelebt. Er hatte dort eine große Jeschiwa 1, und da sind viele hingekommen, die ihn sehr verehrt haben.

Er hat viel geschrieben, war ein sehr bekannter Mann, der Rabbi von Rothenburg. Und scheinbar ist mein Großvater immer zu ihm hingefahren, weil er oft ein halbes Jahr weggeblieben ist von zu Hause mit seinem Pferd und seinem Wagen. Wenn er dann zurückgekommen ist, was hat er gebracht? Seife! Dort in Rothenburg war nämlich eine Seifenfabrik, und dort hat er die Seife gekauft und sie nach Polen mitgebracht und sie dann verkauft.

Auf diesem Weg hat ihn immer einer von seinen Brüdern begleitet. Er hat wahrscheinlich mehrere Brüder gehabt, ich weiß nicht, auf jeden Fall ist er nicht allein gefahren, und sie sind immer auch zu diesem Rabbi gefahren. Das habe ich aber erst nach dem Krieg erfahren. Meinen Großeltern ist es scheinbar nicht schlecht gegangen, der Großvater hat mit der Seife einigermaßen gut verdient.

Erzählt hat man mir, dass meine Großmutter eine kleine Frau war, die einen Sheitl 2 trug. Man hat sie sehr verehrt, weil sie sehr klug war. Leider war sie zuckerkrank. Schon damals sind auch die Zuckerkranken nach Karlsbad [Karlovy Vary, heute Tschechien] geschickt worden, das Heilwasser dort hat auch den Zuckerkranken geholfen. Jedenfalls ist die Großmutter im Sommer immer nach Karlsbad zur Kur gefahren, und daraus schließe ich, dass der Großvater sich das leisten konnte. Mein Onkel Benjamin hat meiner Großmutter in Wien Insulin gegen die Diabetes gekauft, aber es war schon für sie zu spät, es hat nicht mehr geholfen. Sie starb 1924 und liegt am Zentralfriedhof begraben.

Mein Großvater ist schon vor dem 1. Weltkrieg gestorben, deshalb ist meine Großmutter Ende 1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, allein mit ihren drei jüngsten Kindern, meiner Mutter Golda, ihrem Bruder Benjamin und ihrer Schwester Rifka, die erst 15 Jahre alt war, nach Wien geflüchtet.

Damals war das leicht, denn es gab keine Grenzen. Wien war die Hauptstadt der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Und weil sich der Krieg in ihrer Gegend abgespielt hat, fühlte sich meine Großmutter in Wien viel sicherer mit ihren Kindern. Ein älterer Bruder meiner Mutter, Jaques, wanderte zu dieser Zeit, vielleicht auch schon früher, nach Amerika aus.

Meine Großmutter hat mit ihren Kindern zuerst in der Tandelmaktgasse 19 [2. Bezirk] gewohnt.
Meine Tante Rifka heiratete in Wien Naftali Herz Lauer aus Brody [heute Ukraine]. Ihr Sohn Alexander wurde 1926 in Wien geboren.

Meine Großmutter hatte eine Schwester, sie hieß Rojzie Dorflaufer. Sie war 1865 in Brzesko geboren und mit Naftali Benjamin Goldberg verheiratet. Sie starb 1938 in Wien, ihr Mann wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert. Die Tochter Gittel Rifka Goldberg, die 1886 in Brzesko geboren wurde, hatte 1909 David Teichthal geheiratet. Beide wurden in Auschwitz ermordet. Ihre Tochter Sara starb 1986 in New York, ihr war die Flucht gelungen,

Mein Onkel Benjamin war ein tüchtiger Kopf, die ganze Familie hat ihn gern gehabt. Er war sportlich und politisch engagiert als Sozialist und Zionist. Er wurde erfolgreicher Pelzhändler in Wien. Geheiratet hat er 1925 Bertha Ladenheim, eine sehr nette Frau.

Ihr Vater Elias Elukim Ladenheim war auch Pelzhändler, er hatte ein großes Geschäft im 20. Bezirk, in der Heinzelmanngasse. Ihre Tochter Renee wurde 1926 in Wien geboren.

Onkel Benjamin hatte eine wunderschöne Vierzimmerwohnung, ein ganzes Stockwerk war das, im 9. Bezirk, in der Glasergasse 3, Ecke Porzellangasse. Sie hatten auch ein Dienstmädchen. Ich war sehr oft bei ihnen zu Besuch. Es hat mir sehr gut bei meinem Onkel gefallen. Auch meine Mutter hat ihren Bruder geliebt, er hat jedem geholfen, er hat jedem was gegeben.

Wie der Hitler in Österreich einmarschiert ist, hat Onkel Benjamin Angst bekommen, die Wohnung zugesperrt, alles dort gelassen und ist mit seiner Familie weggelaufen. Das Dienstmädel hatte einen Freund, das war ein SS-Mann, der hat alles genommen. Onkel Benjamin hatte eine Buchhaltung in Innsbruck, und der Buchhalter hat sie über die Grenze nach Italien geschmuggelt. Sie waren ungefähr ein Jahr in Italien und sind dann nach Frankreich weiter geflüchtet und haben in Paris gelebt.

Onkel Benjamin hatte scheinbar im Ausland etwas Geld, und dadurch konnten sie sich über Wasser halten in dieser Zeit. Aus Frankreich sind sie dann weiter in die USA geflüchtet. Der Bruder Jacques, der aus Polen nach Amerika ausgewandert war, hat ihnen ein Affidavid 3 nach Frankreich geschickt.

So konnte Benjamin mit seiner Familie in die USA einreisen und dort leben. Onkel Benjamin ist 1943 in den USA an Krebs gestorben. Tante Bertha hat später einen Herrn Podhorzer geheiratet. Die Tochter Renee lebt noch in den USA.

Die Eltern meines Vaters hießen Leiser Isak Luster, geboren 1849 und Ite Jütel, geborene Seitelbach, geboren 1855. Beide wurden in Jarosław [Galizien, heute Polen], geboren und lebten dort. Wann sie nach Wien übersiedelt sind, weiss ich nicht. Der Großvater war Hausierer und starb 1899 in Wien, im Kaiser Josef-Spital.

Die Großmutter Jütel starb 1923 in Wien, im 20. Bezirk, in der Hannovergasse 7, wo sie gelebt hatte. Sie hatten sieben Kinder:

Sara Luster wurde 1875 in Jarosław geboren. 1901 heiratete sie den aus Russland stammenden Hersch Wolf Rosenbaum. Sara und ihr Ehemann hatten zwei Kinder: Alois Rosenbaum, der 1903 in Wien geboren wurde und Dora, verheiratete Strum.

Saras Mann starb am 23. Mai 1939 in Wien, im 13. Bezirk, im Versorgungsheim Lainz. Sara starb 1944 in Theresienstadt. Sie war 69 Jahre alt.

Das zweite Kind der Großeltern war Abraham Isak Luster. Er starb als Einjähriger 1877 in Jarosław.

Mechel Luster wurde 1879 in Jarosław geboren und starb im Alter von zwei Jahren.

Simon Leib Luster wurde 1881 in Jarosław geboren. Er lebte mit seiner Frau Fanny, geb. Rubin, in Mannheim und dort ist er auch gestorben. Fanny wurde ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet, der Sohn, der auch Leo hieß, konnte wahrscheinlich flüchten. Ich hab nie wieder etwas von ihm gehört.

Schulem Luster wurde 1883 in Jarosław geboren. Auch er wurde nur ein Jahr alt.

Scheindel Luster wurde 1886 in Jarosław geboren und starb 1918 in Wien 20, Hannovergasse 7.

Mein Vater Moses Luster wurde am 15. März 1891 in Jarosław geboren. Er hatte noch einen Bruder, der in Jaroslaw mit seiner Frau, einer Tochter und einem Sohn gelebt hat. Was mit denen passiert ist, weiss ich bis heute nicht. Ob sie umgekommen sind durch die Deutschen oder nach Russland geflüchtet sind, weiss ich nicht. Ich habe nie mehr etwas von ihnen gehört.

Meine Eltern haben sich  durch ein Schadchen 4 kennengelernt. Das war, wie man auf Jiddisch sagt, ein Schidach 5. Sie haben 1920 in Wien, im Polnischen Tempel, in der Leopoldsgasse 29, geheiratet. Ich besitze sogar das Trauungsbild meiner Eltern.

  • Meine Kindheit

Wir haben in der Schreygasse 12, im 2. Bezirk, gewohnt. Die Schreygasse ist eine Seitengasse der Unteren Augartenstraße. Ungefähr siebzig Prozent der Leute in den Wohnungen in unserem Haus waren Juden. Das Haus hatte einem Juden gehört, einem gewissen Herrn Toch. Der Herr Toch hat, glaub ich, in der Gasse drei Häuser besessen.


In unserer Wohnung war ein großes Zimmer, ein kleines Zimmer, das war das Kabinett, in dem meine Schwester und ich schliefen, und eine Küche. Meine Schwester Helene, Helli haben wir sie genannt, ist 1921 geboren. Ich bin 1927 geboren, war sechs Jahre jünger als meine Schwester. Helli hat sich viel um mich gekümmert, wir hatten eine gute Beziehung zueinander.

Ich ging in einen jüdischen Kindergarten, der nicht allzu weit von uns entfernt, in der Schiffamtsgasse, war. Meine Mutter war zu Hause, aber man hat die Kinder in den Kindergarten geschickt. Die Kindergärtnerin, eine französische Jüdin, hat nur Französisch mit uns gesprochen. Das war vielleicht damals schon modern. Dadurch kannte ich als Kind viele französische Worte. Später habe ich aber alles wieder vergessen.

Mein Vater wollte, dass ich beten kann, dass ich alle Gebete lerne. Darum ging ich mit vier Jahren jede Woche in einen Cheder 6 in der Nestroygasse. Der Cheder war sehr nahe unserer Wohnung. Da hab ich Chumesch 7 gelernt, das Alef Beth [Anm.: hebräische Alphabet] und hebräisch schreiben. In meiner Klasse waren zumindest zwanzig bis fünfundzwanzig jüdische Kinder, denn in meiner Wohngegend wohnten viele jüdische Familien.

Meine Eltern hatten Freundschaften mit Leuten in unserer Umgebung, und wir hatten sogar Verwandte in der Nähe. Uns gegenüber wohnten Cousinen meiner Mutter. Mit deren Kindern bin ich immer zusammengekommen.

Antisemitismus haben wir damals schon sehr deutlich gespürt. Wir haben auf der Straße Fussball gespielt, damals gab es noch kaum Autos, die Straßen waren leer. Da sind oft die christlichen Kinder gekommen und haben uns vertrieben oder verprügelt. Wir hatten keinen guten Kontakt mit diesen Kindern.

Das war schon so, als ich noch klein war. In die Schule sind wir später nie allein gegangen, sondern immer in Gruppen, damit man uns nicht überfallen kann. Das war grad die mieseste Zeit in Österreich. Das war nach dem 1. Weltkrieg während der großen Wirtschaftskrise. Da wurde den Leuten eingeredet, die Juden haben das Geld, während überall Armut herrschte. Da  gab es wirklich einen großen Antisemitismus. Das war der geistige Beginn von Adolf Hitler.

Mein Vater hatte von einer Textilfabrik eine Vertretung in Gänserndorf. Ich erinnere mich heute noch an den Namen der Textilfabrik, sie hiess Marek und war auf der Oberen Donaustraße. Er hat Waren in Gänserndorf verkauft. Warum in Gänserndorf? In Gänserndorf haben sehr viele ehemalige Eisenbahner gelebt.

Das waren Leute die Geld hatten, weil sie bei der Eisenbahn ein gutes Gehalt hatten und die Wohnungen billig bekommen haben. Bevor Hitler kam, hatten diese Leute aber trotzdem auch eine Menge Schulden bei meinem Vater, denn es gab damals die Ratenzahlung. Keiner hat nach dem Einmarsch der Deutschen noch was bezahlt. So haben wir alles verloren.

Zusätzlich zu seiner Arbeit hatte mein Vater manchmal noch einen Job als Schamasch 8 zu Hochzeiten und Bar Mitzwas 9 im Polnischen Tempel. Onkel Noah, ein Onkel meiner Mutter, vom Großvater der Bruder, war in diesem Tempel der Gabei. Das waren die, die den Tempel geleitet haben, er war sozusagen der Vorsitzende von dem Tempel. Und der Mann der Schwester meiner Großmutter war auch dort.

Durch die hat mein Vater diesen Extrajob bekommen. Der Polnische Tempel war ein sehr, sehr populärer Tempel, in den viele Leute gegangen sind. Sie hatten dort nämlich einen fantastischen Kantor, einen Chasan, der sehr bekannt war. Das war ein gewisser Fränkel. Zu ihm sind viele gekommen um ihn zu ehren.

Es wurde sogar hier in Israel etwas über ihn veröffentlicht, und auch ich habe etwas über ihn geschrieben. Ich bin natürlich gern in den Tempel gegangen. Da gab es auch einen Chor, es war sehr, sehr schön, das war ein angenehmer Gottesdienst. Am Schabbat sind wir immer in den Tempel gegangen, wir waren immer mit den anderen zusammen. Der Polnische Tempel war das Zentrum, wo man sich getroffen hat.

Von der Schule aus mussten wir Samstagnachmittag zum Schabbat – Gottesdienst. Das war Pflicht, weil wir frei bekommen haben, wenn die christlichen Kinder über Katholizismus gelernt haben. So wurde das zeitlich ausgeglichen. Dieser Gottesdienst fand im großen Tempel [Leopoldstädter Tempel] in der Tempelgasse statt. Das war der größte Tempel von Wien, und dort war es schon ein bisschen fortschrittlich.

Ich bin die ersten vier Klassen in die Talmud Thora- Schule in der Malzgasse 16 gegangen. Das ist eine sehr fromme Schule, die existiert heute noch. Vor zwei Jahren habe ich mit ein paar ehemaligen Freunden aus Wien einen Film in Wien gemacht. Da war ich das erste Mal seit 1938 wieder in der Schule in der Malzgasse.

Während des Krieges war in dem Haus ein Spital, jetzt ist dort wieder eine Schule. Ich habe zu weinen begonnen, wie ich das gesehen habe, an alles habe ich mich erinnert. Ich habe die Kinder vor mir gesehen - es war schrecklich! Mit dem Lehrer Ludwig Tauber, er war sehr orthodox, habe ich in Israel noch Kontakt gehabt. Ich glaube, er war in der Malzgasse bis 1939 Lehrer, er hat drei Klassen unterrichtet.

Er hat alles unterrichtet, was zu unterrichten war. Er schaffte es, nach Palästina zu flüchten. In Israel hat er dann in Bnai Brak gelebt. Ich hatte erfahren, dass er am Leben ist und habe ihn aufgesucht. Er war auch bei mir im Büro. Er ist mit seinem Sohn zu mir ins Büro gekommen.

Die nächsten vier Jahre war ich in der Vereinsgasse in der Hauptschule, dann in der Sperlgasse auf dem Gymnasium. Ich war ein mittelmäßiger Schüler. Ich hab es mir leicht gemacht, ich hatte eine schnelle Auffassung, hab schnell gelernt. Wir jüdischen Kinder sind in den christlichen Schulen immer von den Lehrern benachteiligt worden.

Man hat uns auf unsere Arbeiten schlechtere Noten gegeben. Wir wurden nicht akzeptiert, aber wir haben damit gelebt. Wir waren doch eine Minderheit. Wir waren zufrieden, wenn man uns in Ruh liess, wir waren sehr geduldig. Wir mussten uns damit abfinden.

Das war unser Schicksal, wir konnten das nicht ändern. Wie dann der Hitler schon dagewesen ist, ging ich in die JUAL-Schule 10, in der Marc-Aurel-Strasse 5. Das war eine Vorbereitungsschule für die Auswanderung nach Palästina.

Meine Eltern sind sehr oft in jüdische Theater gegangen. Es gab die Jüdischen Künstlerspiele 11 am Nestroyplatz 1, das existiert heute wieder. Da waren immer jüdische Künstler. Und in der Taborstraße war die Jüdische Bühne. Es gab damals sehr viele Gastspiele aus aller Welt in diesen Theatern.

Wo heute in der Taborstrasse das Hotel Central ist, war ein riesiger Saal im Keller, indem viele Feiern - Hochzeiten oder Zusammenkünfte von Zionisten - stattgefunden haben. Da sind meine Eltern mit uns immer hin gegangen. Dann gab es in der Rotensterngasse ein bekanntes jüdisches Restaurant, dessen Besitzer dann später in Tel Aviv ein Restaurant eröffnet hat. Dort sind wir manchmal essen gegangen. Als er starb haben seine Frau und sein Sohn das Restaurant weitergeführt.

Und es gab das Restaurant Marschak, ein sehr gutes Restaurant gegenüber der Schiffschul [Synagoge im 2. Bezirk] in der Schiffamtsgasse. Das war ein riesiges Lokal. Dort sind die Leute zum Kiddusch 12 hingegangen. Dort gab es gutes Essen, gefillte Fisch zum Beispiel.

Dann gab es das sehr bekannte Café Buchsbaum in der kleinen Pfarrgasse, Ecke große Sperlgasse. Das war ein großes Kaffeehaus, da haben viele Juden sich getroffen und Karten gespielt. Auch mein Vater hat dort Karten gespielt. Dann war das große jüdische Café Sperl, das war in der Großen Sperlgasse, Ecke Haidgasse. Das existiert heute, glaube ich, nicht mehr.

Es gab damals in dieser Gegend sehr viele jüdische Lokale, in denen sich Juden getroffen haben, denn man hat sich mit Freunden draußen getroffen.

Freitags zum Schabbatgottesdienst sind meine Eltern immer in den Tempel gegangen. Nach dem Gottesdienst haben wir uns oft bei meinem Onkel Benjamin getroffen, denn er hatte ja  eine große Wohnung. Da war die ganze Mischpoche [jiddisch für Familie] zusammen. Die Kinder waren immer dabei. Wenn wir aber nach dem Gottesdienst nach Hause gegangen sind, hatte meine Mutter für uns alles vorbereitet: Suppe, Fisch und Huhn. Meine Mutter war eine sehr gute Köchin. Vor dem Essen hat sie die Kerzen gezündet.

Zu Pessach 13 hatten wir Pessach-Geschirr. Das stand am Dachboden, und nur zu Pessach wurde es heruntergenommen. Das Geschirr wurde ausgetauscht, das hat meine Mutter streng eingehalten, da war sie sehr koscher 14, das hat sie gemacht. In unserer Gegend gab es sehr viele koschere Geschäfte, zum Beispiel hat es ein Geschäft in der Haidgasse gegeben, das hat geheissen Eisen.

Wunderbare Wurst hat der gemacht! Und es hat in der großen Pfarrgasse ein jüdisches Lebensmittelgeschäft gegeben, Wieselberg hat der geheissen. Wenn man kein Geld hatte, konnte man anschreiben lassen, später hat man bezahlt. Da konnte man alle koscheren Lebensmittel bekommen. Da gab es auch so einen komischen Kaffeeersatz mit Zichorie. Frank-Kaffee hat die jüdische Firma geheissen, die den hergestellt hat. 

Dann war das große Geschäft in der Leopoldsgasse, wo man Matzes 15 gekauft hat, der hat geheissen Strum. Strum war eine Fabrik, eine Matzesfabrik; Strum Matzes. Die Strum Matzes Fabrik war eine sehr bekannte Fabrik. Meine Cousine Dora, die Tochter meiner Tante Sara, der Schwester meines Vaters, hat in Amerika den Sohn des Besitzers Strum geheiratet.

Zu Pessach hat man Matzes gekauft, die war aber nicht billig. Die Auswahl war auch nicht so groß wie heute. Die sephardischen 16 Juden dürfen Reis und Hülsenfrüchte essen, die ashkenasischen 17 Juden nicht. Die Nudeln hat meine Mutter selber gemacht aus Matzesmehl und verschiedenen anderen Sachen. Sie hat auch Lekach [Honigkuchen] gebacken aus Matzemehl oder Erdäpfelstärke.

Wir haben uns gut gefühlt, bis der Antisemitismus größer wurde. 1936 sind viele unserer Bekannten aus unserem Haus nach Palästina ausgewandert. Manche Zionisten sind noch früher ausgewandert.

Meine Schwester war schon sehr früh in der zionistischen Organisation Hanoar-Hazioni, sie war auch ein ein biss’l zionistisch eingestellt. Ich war später in der zionistischen Organisation Gordonia. Aron Menczer 18 war unser Madrich [hebr. Leiter, Erzieher].
Als ich zur Jugendorganisation Gordonia kam, war ich zwölf Jahre alt. Wir haben gemeinsam Ausflüge gemacht, uns wurde über Palästina erzählt, wir wurden zu Zionisten erzogen. Man hat uns gesagt: hier ist nicht eure Heimat, eure Heimat ist Israel. Mein Traum war es immer nach Israel zu gehen, und wenn Hitler nicht gekommen wäre, wäre ich vielleicht auch nach Israel ausgewandert.

Meine Eltern hatten damit kein Problem, ganz im Gegenteil, sie waren sehr dafür. Ich glaube sogar, meine Eltern wären auch nach Palästina ausgewandert, denn mein Vater und meine Mutter waren keine österreichischen Patrioten.

Sie waren zufrieden mit ihrem Leben in Österreich. Wenn sie ihr Leben in Wien mit ihrem Leben in Polen verglichen, woher sie ja gekommen waren, ging es ihnen in Wien besser. Zwischen ihrem Leben in Galizien und ihrem Leben in Wien gab es einen großen Unterschied. Meine Mutter zum Beispiel kam aus einem ganz kleinen Städtele, ich habe es nach dem Krieg gesehen.

Diese Städtel waren sehr arm, da gab es nicht viel; Wien dagegen war die Hauptstadt. Die jüdische Gemeinde in Österreich zählte zu Beginn des 1. Weltkriegs etwas über 200.000 Mitglieder. Das war eine große jüdische Gemeinde. Viele dieser Menschen haben sehr viel für Österreich geleistet.

Die bereits in Wien ansässigen Juden haben auf uns polnische Juden runtergeschaut. Sie waren assimiliert, sie waren schon Wiener, und sie haben gemeint, sie sind gute Österreicher, ihnen kann nichts mehr passieren. Sie hatten Angst vor verstärktem Antisemitismus durch die orthodoxen Juden aus den Städteln, denen man das „Jude sein“ so deutlich ansah.

Alle die aus Polen gekommen sind haben Jiddisch gesprochen und nicht Deutsch. Die eingesessenen Wiener Juden haben sich wirklich nicht sehr schön benommen zu den Neueinwanderern. Sie haben sich geschämt für diese Juden. Aber viele von uns haben es sehr weit gebracht, obwohl sie von dort gekommen sind. Das sage ich nicht im Nachhinein, das haben wir immer gefühlt.

Man hat uns immer fühlen lassen, dass wir nicht dazu gehören. Meine Mutter hat Deutsch mit sehr stark jiddischem Akzent gesprochen. Sie wollte nirgendwo allein hingehen, sie ist manchmal mit meiner Schwester gegangen oder mit mir, und wir haben für sie gesprochen und erklärt, was sie will. Mein Vater hat besser Deutsch gesprochen als meine Mutter, und mein Onkel Benjamin hat ein tadelloses wunderbares Deutsch gesprochen. Ihm hat man nicht angemerkt, dass er aus Galizien kam.

Meine Schwester wurde Lehrmädchen in einem jüdischen Schneidersalon in der Rotenturmstrasse 14. Das Haus existiert noch. Dadurch, dass die Lehrmädchen die Waren austragen mussten, ist sie sehr viel in Wien herumgekommen.

Meine Schwester hat Kleider in Villen gebracht. Sie kam in wohlhabende Häuser, wo die Damen in Schneidersalons nähen ließen. Das waren Wiener Juden, die schon lange in Wien gelebt haben, die schon assimiliert waren.

Ich bin als Kind gern und viel ins Kino gegangen. Ein entfernter Cousin meiner Mutter besaß ein Kino in der Unteren Augartenstraße, da konnte ich umsonst hinein, und vor unserem Haus in der Schreygasse war das Rembrandtkino. Ich erinnere mich noch an die Filme mit Dick und Doof, das waren Stan Laurel und Oliver Hardy. Und an Charlie Chaplin Filme erinnere ich mich auch.

Mein Vater hat gern die Zeitung gelesen. Wo ist man gegangen in Wien Zeitung lesen? Ins Kaffeehaus! Er war entweder im Cafe Buchsbaum oder im Cafe Sperl. Da hat er einen Kaffee und ein Glas Wasser getrunken und die Zeitungen gelesen. Mein Vater hat auch oft und gern Witze erzählt.

Während des 1. Weltkriegs hat mein Vater bei der Militärpolizei am Nordbahnhof [Anm.: heute Praterstern] gearbeitet. Der Nordbahnhof war in der Habsburgermonarchie der größte Bahnhof Wiens mit den wichtigsten Verbindungen nach Brünn, Kattowitz, Krakau und Lemberg.

Für viele Zuwanderer aus den Kronländern Galizien, Bukowina, Böhmen und Mähren war er das Tor nach Wien. Dort hat mein Vater die Ankommenden kontrolliert. Er hat ein biss’l Ungarisch, ein biss’l Polnisch und ein biss’l Russisch gesprochen und gesagt, dass er die Sprachen beim Militär gelernt hat.

Er hat oft Geschichten über diese Zeit erzählt. Damals wurden viele Lebensmittel geschmuggelt, weil die Menschen gehungert gaben. Zum Beispiel haben Frauen Eier unter ihrem Hut geschmuggelt, und einmal hat einer von der Militärpolizei einer Frau auf den Hut gehauen, und was da passiert ist, kann man sich vorstellen. Das war sehr lustig für mich, mir das vorzustellen.

Ein Kriegsbegeisterter, wie viele, die erst während des Krieges Kriegsgegner wurden, war mein Vater nicht. Ich weiß nicht, wo er politisch gestanden ist, ob er Sozialist war, aber ich glaube nicht. Meine Eltern waren hauptsächlich daran interessiert, was mit Juden zu tun hatte.

Als Kind habe ich mir mit meinen Freunden selber einen Detektorempfänger gebaut. Der bestand aus einer Spule, einem Kristall und Kopfhörern. Damit konnten wir Radio hören. Das war sehr aufregend. Aber meine Eltern besaßen auch ein Radio.

Diesen Radioapparat mussten wir nach dem Einmarsch der Deutschen abgeben. Alle Radioapparate wurden den Juden weggenommen.

Die Juden gehen ja am Schabbat in den Tempel, und nach dem Gottesdienst gibt es einen Kiddusch 19, da bekommt man etwas zu essen und redet miteinander. Das ist jüdischer Brauch, besonders in Wien wird das so gemacht.

Viele Juden waren nach Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 aus Deutschland nach Österreich geflüchtet. Einige kamen auch in den Tempel, in dem mein Vater war und haben erzählt, was sich in Deutschland abspielt. Mein Vater hat ihnen das alles geglaubt. Er wusste, sie erzählen keine Märchen. Aber es gab auch viele Juden, die haben denen kein Wort geglaubt.

Außerdem waren sie sich sicher, dass in Österreich so was nie passieren kann. Mein Vater hat uns zu Hause immer darüber erzählt.

  • Während des Krieges

Ich erinnere mich wie heute. Der 11. März 1938 war ein Freitag. Ich war mit meinem Vater am Abend in der Synagoge. Auf dem Weg von der Synagoge nach Hause, hielt uns ein Nachbar auf:

‚Herr Luster, kommen Sie herein. Es ist etwas Schreckliches passiert.’
‚Was ist passiert?’
‚ Der Schuschnigg 20 ist zurückgetreten.’

Als mein Vater erfuhr, dass der österreichische Bundeskanzler zurückgetreten ist, war ihm klar, jetzt fängt unser Unglück an. Ich erinnere mich noch genau an seine Worte:

‚Jetzt fangt unser Unglück an.’ Und so war es! Schuschnigg ist zurückgetreten, und am Samstag sind schon auf der Strasse die Leute mit den Hakenkreuzbinden herum gelaufen, und man hat schon die Juden gesucht. Gleich an dem Samstag!

Mein Vater hat sofort nach Einmarsch der Deutschen seine Arbeit verloren. Die Juden haben bald verstanden, hier können wir nicht bleiben, wir müssen hier raus. Aber das war damals ein großes Problem. Die Deutschen haben sofort alle Regierungsfunktionen mit ihren Leuten besetzt, das ging sehr, sehr schnell.

Auch die Polizei haben sie übernommen. Sie haben genau gewusst, wer wo wohnt, wer reich ist und wer arm ist. Sie haben die Juden eingekreist und ihnen alles weggenommen. Es hat keine jüdischen Geschäfte mehr gegeben, alles war aus. Mein Vater wollte nach Amerika auswandern.

Er hat geglaubt, dass der Bruder meiner Mutter uns helfen wird, aber das war nicht so. Zum Glück bekam er einen Posten als Ordner bei der Fürsorge in der Kultusgemeinde. Somit war er für Soziales mitverantwortlich, denn die Kultusgemeinde hat soweit es ihnen möglich war, die Juden unterstützt.

Mein Freund Edi Tennenbaum wohnte uns genau gegenüber. Er konnte 1939 mit einem Kindertransport nach England flüchten. Seine Eltern waren aus Riga. Ich habe nie wieder etwas von Edi gehört. Ich hatte noch einen Freund, das war der Julius Nussbaum, Bubi haben wir ihn genannt.

Sein Vater hatte  ein Schneidergeschäft in der Miesbachgasse, im 2. Bezirk. Wir waren zusammen in der JUAL - Schule. Seinen Bruder habe ich später in Tel Aviv wieder getroffen. Mein Freund Bubi wurde 1943 vom Ghetto Theresienstadt ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet. Der Bruder war zu mir ins Büro gekommen und hat mir alles erzählt.

Als er starb, habe ich seiner Witwe geholfen, dass sie eine Witwenpension aus Österreich bekommt, denn ich arbeite seit vielen Jahren in einer kleinen Organisation, dem ‚Zentralkomitees der Juden aus Österreich in Israel’, die sich sehr bemüht, für österreichische Überlebende und ihr Kinder Gerechtigkeit vom österreichischen Staat zu bekommen.

Am 10. November 1938, nach der Pogromnacht 21, der sogenannten ‚Kristallnacht’, wurde mein Vater verhaftet und eingesperrt. Unsere Wohnung war im dritten Stock. In dem Haus, in dem wir wohnten, gab es auch eine Kellerwohnung ohne Licht, ohne Strom und Wasser und ohne eine Toilette.

Das war eine Einzimmer-Wohnung mit einer kleinen Küchenecke. In dieser Wohnung wohnte ein Mann, ein illegaler Nazi. Er kam zu uns in die Wohnung rauf, und hat gesagt, dass wir die Wohnung räumen müssen. Er hat uns aus unserer Wohnung rausgeschmissen.

Als er kam, waren nur meine Schwester und ich zu Hause. Wir mussten unsere Sachen aus der Wohnung nehmen, die, die wir tragen konnten und in die Kellerwohnung gehen. Er ist einfach raufgegangen und hat uns unsere Wohnung weggenommen.

Und wir haben dann dort gewohnt. Wir hatten dort nur eine Petroleumlampe, und das Wasser mussten wir vom Gang holen. Ich glaube, mein Onkel Benjamin war es, der mir einmal einen Fotoapparat geschenkt hat. Ich habe gern und viel fotografiert, so auch meine Eltern im Lichthof vor dieser Wohnung.

Als mein Vater freigekommen ist, wurde es dann ein biss’l leichter für uns. Er war ganz zerschlagen, er hat erzählt, warum. Die hatten ihm gesagt, er darf mit Niemandem darüber reden, was er erlebt hat. Man hatte die Leute dort gequält und geschlagen.

Mein Vater hatte seine Arbeit als Vertreter verloren

Wir haben ungefähr eineinhalb Jahre in dieser Kellerwohnung gewohnt. Mein Vater ist wieder zu seiner Arbeit in die Kultusgemeinde gegangen. Als die Deportationen begannen, ist es meinem Vater gelungen, eine zwei Zimmerwohnung in der Flossgasse für uns zu bekommen.

Das letzte Jahr in Wien mussten wir nicht mehr in der Kellerwohnung leben. Meine Schwester war zu dieser Zeit bereits weggefahren. Mein Vater hatte 1940 durch die Kultusgemeinde die Möglichkeit, sie in einem der illegalen Transporte nach Palästina unterzubringen.

Man musste dafür Geld bezahlen, die Leute mussten sich einkaufen. Im Herbst 1940 ist sie weg von Wien. Sie brauchte einen Pass und ein Visum. Dann ist sie nach Bratislava gefahren. In Bratislava lernte sie ihren tschechischen Mann, Israel Mayerowicz, einen Tischler, kennen. Sie haben noch in Bratislava geheiratet.

Für die Heirat musste meine Schwester die Bewilligung meines Vaters bekommen, denn sie war noch keine 18 Jahre alt. Das Schiff ist dann nach einiger Zeit von Bratislava über Rumänien nach Palästina gefahren. Das war eine schreckliche Odyssee bis sie nach vielen Wochen den Hafen von Haifa erreichten, das Schiff in einem entsetzlichen Zustand.

Die Passagiere wurden aufgefordert auf das Schiff Patria, das neben ihnen im Hafen lag, umzusteigen. Die Patria wurde wenig später von der Hagana [paramilitärische Vereinigung] im Hafen gesprengt, damit die Flüchtlinge von den Engländern nicht weiter nach Mauritius geschickt werden konnten.

Eigentlich sollte nur das Schiff beschädigt werden, aber viele Geflüchtete starben dabei. Meine Schwester hat zum Glück überlebt. Sie haben drei Töchter bekommen, Ruth, Ora und Pessy. Israel starb 1988, meine Schwester starb 2009 in Hadera. Die Töchter leben alle drei in Israel.

Meine Schwester hatte viele Freundinnen, eine Freundin war eine weitläufig Verwandte, sie hieß Stella Monderer, ist 1936 nach Palästina ausgewandert und 1938 auf eine kurze Zeit noch mal nach Wien zu ihrer Mutter gekommen. Aber sie ist dann gleich wieder zurück, sie hatte einen palästinensischen Pass.

Ihre Mutter flüchtete nach Südfrankreich und hat den Krieg dort überlebt. Mit Stella war meine Schwester ihr Leben lang im Kontakt. Ein Freund meiner Schwester war später in Israel General und Adjutant von Ben Gurion. Aber er ist mit einem Flugzeug in Addis Abeba [Äthiopien] abgestürzt. Sein Sohn war viel später einmal bei mir im Büro, und ich habe ihm gesagt, dass meine Schwester eine Freundin seines Vaters war.

Als meine Schwester schon nicht mehr in Wien war, hatte ich mit ihren Freundinnen, die in Wien geblieben waren, noch Kontakt. Alle diese Freundinnen sind nach Polen deportiert und ermordet worden.

Meine Mutter war eine Selfmadefrau. Sie hat immer, in jeder Situation, ‚ihren Mann’ gestanden. Auch später im Lager war das so. Sie hat sich immer auf ihre eigenen Füße stellen können. Sie konnte auch aus fast nichts ein Essen zaubern.

Im Jahre 1940, es gab nur noch den Wiener Stadttempel, die anderen waren alle zerstört worden, hat mein Vater aus der Umgebung zehn Leute zusammengerufen, das ist ein Minjan 22, und man hat mir in der Wohnung, in der wir gewohnt haben, eine Bar Mitzwa gemacht.

Ich bin ab 1940 in zwei Schulen gegangen, in die Sperlgasse und am Nachmittag in die JUAL-Schule, die Jugendvorbereitungsschule für Palästina, in der Marc-Aurel-Strasse 5. Als ich in der Sperlgasse 1941 die letzte Klasse beendet hatte, hat man aus der Schule ein Deportationslager gemacht. Ich war 14 Jahre alt und in der 8. Klasse.

In der Zeit, als wir jüdischen Kinder überhaupt nicht mehr in die Schule gehen durften, hatten wir in der JUAL-Schule verschiedene Professoren. Hauptsächlich haben wir über Zionismus gelernt. Ich habe damals viel gelesen, auch politische Bücher.

Die Bücher habe ich in der Schulbibliothek ausgeliehen. Viele Bücher von Sholem Asch waren dabei. Sholem Asch stammte aus Polen. Es gibt in Tel Aviv ein Sholem Asch-Haus.
Bis zu unserer Deportation ging ich in diese Schule.

Die Schule war mein Glück damals, ich war in Sicherheit, hatte Gesellschaft und war gut aufgehoben. Einige meiner Freunde damals waren Kurt Weigel, Berthold Mandel, Harry Linser, Berisch Müller, Walter Teich, Ehrlich, seine Vornamen habe ich vergessen, Kurt Salzer, Tasso Engelberg, Georg Gottesmann, Ernst Vulkan, Heinz Beer, Kurt Herzka,  Kurt Weinwurm, Trude Schneider, Thea Gottesmann, Gerti Melzer und Shalom Berger.

Mit denen war ich sonntags auch auf dem Zentralfiedhof, am 4. Tor. Dort durften wir Ball spielen, picknicken und uns ohne Einschränkungen wie normale Jugendliche benehmen. 

Mein Glück war, dass mein Vater in der Kultusgemeinde gearbeitet hat, denn dadurch waren wir irgendwie geschützt und wurden nicht nach Polen deportiert, sondern nach Theresienstadt. Viele, die in der Kultusgemeinde gearbeitet haben, sind 1942 nach Theresienstadt deportiert worden.

Wir wussten, dass es das Ghetto in Theresienstadt gibt, aber was sich dort abspielt, haben wir nicht gewusst. Gehört hatten wir über die KZs Dachau und Buchenwald, denn es gab Leute, die dort waren, gleich ab März 1938, und einige wurden mit einem Permit oder einem Affidavid entlassen. Dadurch haben wir etwas erfahren.

Ungefähr 100 000 Juden aus Österreich gelang die Flucht ins Ausland. Die Leute standen Schlange vor dem ehemaligen Palais Rothschild in der Prinz-Eugen-Straße, denn da hatte Eichmann von 1938 bis 1942 sein Büro, die ‚Zentralstelle für jüdische Auswanderung’ eingerichtet.

Dort saß die Gestapo. Wenn jemand auswandern wollte, musste er von dort einen Stempel haben, um überhaupt aus Österreich rauszukommen. Und man brauchte einen Pass, den viele Leute damals nicht besaßen. Da musste man sich bei der Polizei anstellen, um einen Pass zu bekommen.

Dann musste man zur Steuerbehörde, um eine Bestätigung zu bekommen, dass man keine Steuerschulden hat. Dann musste man eine Reichsfluchtsteuer bezahlen, sonst hat man keinen Stempel bekommen. Schikanen über Schikanen! Wenn man einen Pass bekommen hatte, lief man von einem Konsulat zum anderen, um ein Visum zu bekommen.

Man hat versucht als Butler, als Gärtner, als Hausmädchen nach England zu kommen. Nach Italien sind einige illegal geflüchtet, andere sind über Aachen nach Belgien geflüchtet und weiter nach Holland. Manche bekamen eine Einreise in die USA. Dann begannen Ende 1939 Kindertransporte nach England.

Es ging die ganze Zeit nur darum, irgendwie rauszukommen! Man hat alles Mögliche versucht. Es gab auch Kindertransporte nach Palästina, an die man mit einem Zertifikat oder auch mit Protektion kam. Es war sehr, sehr schrecklich.

Mein Vater hat alles versucht, um mich rauszubringen aus Österreich. Er hatte kein Glück. Er hat es nicht geschafft, mich irgendwo unterzubringen. Ich hatte keine Möglichkeit rauszukommen. Alexander Lauer, dem Sohn meiner Tante Hilda, der Schwester meiner Mutter, hat er helfen können, nach England zu flüchten. Alexander war ein Jahr älter als ich. 

Die Familie war sehr fromm, und er kam in einem Transport der Agudat  Jisra’el, das sind ganz Fromme, nach England, unter. Seine Mutter Hilda starb 1937 an Krebs, die Urne seines Vaters Naftali Lauer wurde uns 1942 aus dem KZ Buchenwald geschickt. 1939 war er verhaftet und nach Buchenwald deportiert worden. Wir mussten für die Urne bezahlen und haben ihn dann am Zentralfriedhof, am 4. Tor, begraben.

Wenn ich ehrlich bin, ich wollte auch nicht wegfahren. Ich wollte meine Eltern nicht allein lassen. Ich bin in dieser Zeit ziemlich schnell erwachsen geworden. Ich habe gesehen, was sich abspielt, und ich war damals auch sehr viel unter erwachsenen Menschen, sodass ich bald erfasst habe, was um mich herum passiert.

In den Wohnungen saßen die Leute zusammen und haben über alle möglichen Sachen diskutiert. In die Wohnung ist man gegangen, weil man Angst hatte, irgendwo anders zu sitzen. Die Kaffeehäuser waren verboten, die Kinos waren verboten, die Theater waren verboten, überall hat gestanden ‚Juden ist der Eintritt verboten’. Wir durften auch in keine Parkanlage mehr gehen, auf  Bänken durften wir uns nicht mehr setzen, und mit der Straßenbahn durften wir auch nicht mehr fahren.

Ab 1940, als ich die Schule beendet hatte, musste ich mich auf dem Arbeitsamt melden, habe ein Arbeitsbuch bekommen, und dann musste ich in einer Fabrik auf der Rossauer Lände arbeiten, die für die Wehrmacht produzierte. Ich besitze das Arbeitsbuch noch heute. Das war eine chemische Fabrik.

Der Besitzer der Fabrik hieß Weinzierl. Und da habe ich mir eingebildet, der wird mir helfen, dass wir nicht deportiert werden. Aber der hätt’ mir nicht geholfen. Geholfen hat nur, dass mein Vater in der Kultusgemeinde gearbeitert hat. Das war unser Glück.

Es waren immer weniger Juden in Wien. Wien wurde Judenrein gemacht. Die Transporte gingen nach Lodz in Polen, Riga in Lettland, Kaunas in Litauen, Minsk in Weißrussland und Theresienstadt in der Tschechoslowakei und andere Orte, wo sie ermordet wurden. 45 000 Jüdinnen und Juden wurden innerhalb weniger Monate aus Wien deportiert.

Als wir wegmussten, waren nur noch wenige Juden in Wien. Die Übriggebliebenen waren Mischlinge und ein paar, die früher hohe Posten in der österreichischen Armee hatten, die haben sie nicht verschickt. Aber später haben sie die auch verschickt.

Wir sind am 24. September 1942 aus dem Sammellager in der Sperlgasse 2a, einer ehemaligen jüdischen Schule, auf offenen Lastautos, zu denen wir unter den Beschimpfungen der Leute hingeführt wurden, zum Aspang-Bahnhof gebracht worden. Wir wurden noch mit Tomaten beworfen und die Wiener riefen: raus mit euch Juden!

Das war die Zeit, als Deutschland die meisten Siege feierte. Frankreich hatten sie auch schon besetzt. Ich weiß noch, ich war sehr traurig über den Hass der Leute. Was mich erwartete, habe ich nicht gewusst. Ich wusste, ich will weg von Wien, und ich wusste, in Theresienstadt sind Juden. Dort sind Juden, was sein wird, wird sein.

Wir sind mit dem Zug zwei Tage gefahren. In diesem Transport aus Wien befanden sich ungefähr 1 300 Menschen.

Dann kamen wir in Bauschowitz an. Der Bahnhof lag drei Kilometer von Theresienstadt entfernt. Wir mussten zu Fuß mit unseren Sachen ins Ghetto gehen.

Theresienstadt ist eine Stadt, eine Festung, die während der Regierungszeit von Kaiser Joseph II ab 1780 erbaut wurde. Das war eine Garnisonsstadt, in der die Familien der Soldaten gelebt hatten. In der Festung gab es viele Kasernen.

Alles war umgeben mit zwei Mauern, dazwischen war ein Graben mit Wasser gefüllt. Die Mauern waren je acht bis zehn Meter dick und auch so hoch. Sie bestanden aus gebrannten Ziegeln. Das Ghetto wurde von tschechischer Gendarmerie bewacht unter der Obhut der SS und von  Juden selbst verwaltet.

Als ich im Ghetto war, habe ich drei Lagerführer erlebt, alle drei waren Österreicher: SS- Hauptsturmführer Siegfried Seidl, SS-Obersturmführer Hauptsturmführer Anton Burger und SS-Obersturmführer Karl Rahm. Die SS-Leute hatten im Zentrum ein Büro, und außerhalb haben sie in einem Hotel, nach dem Krieg wurde es das Parkhotel, gewohnt.

Das Ghetto in Theresienstadt mussten tschechische Juden 1941 errichten. Und sie waren dort auch die Herren. Sie hatten dort die Macht. Sie hatten die guten Posten, wir waren die Neueinwanderer sozusagen, uns hat man auf die ärgsten Plätze geschickt.

Die meisten tschechischen Juden, nicht alle, aber ein großer Teil von denen, hat Deutsch gesprochen. Die anderen waren tschechische Patrioten, wollten nicht Deutsch sprechen. Auch mit uns wollten sie nicht Deutsch sprechen.

Als wir ankamen, haben die tschechischen Juden uns im Auftrag der SS erst einmal alles weggenommen, was wir noch besaßen. Jeder hatte 40 Kilo mitnehmen dürfen. Ich hatte einen Rucksack und einen Koffer. Da war eine große Schleuse, wo man die Sachen hingebracht hat. Sie haben das ausgepackt und für die Leute, die dort waren, verwendet.

Das Ghetto Theresienstadt wurde von tschechischen Juden verwaltet und von tschechischer Gendarmerie bewacht. Der Lagerführer, während ich im Lager war, war ein Österreicher, der SS- Hauptsturmführer Siegfried Seidl. Die SS-Leute hatten im Zentrum ein Büro, und außerhalb haben sie in einer Villa oder in einem Hotel gewohnt.

Sie sind jeden Tag mit dem Auto ins Büro gefahren. Die tschechischen Juden hatten Kontakt zu den Gendarmen. Es waren einige sehr anständige Gendarmen dabei, sie haben manchmal Nachrichten oder Sachen überbracht und haben geholfen.

Man hätte nicht ausbrechen können, die Gendarmerie hat aufgepasst. Die Tschechen hätten vielleicht eher geholfen als die Österreicher, aber sie hatten natürlich auch Angst. Die meisten SS – Männer dort waren Österreicher. SS-Männer waren vielleicht acht.

Zu dieser Zeit befanden sich zwischen vierzigtausend und fünfzigtausend Leute im Ghetto. Man brachte damals noch viele Menschen aus Österreich, aus Deutschland und später aus Holland, aus Westerbork. Viel später kamen die Juden aus der Slowakei. Aber die meisten  waren aus Deutschland.

Als ich in Theresienstadt war, war der Judenälteste der Tscheche Jacob Edelstein23. Unser Wiener Lehrer Aron Menczer kannte Edelstein aus der Hitlerzeit, denn er war damals oft in Prag und hatte einen guten Kontakt zu ihm. Er kannte mehrere Leute aus Prag. Aron kam mit demselben Transport wie meine Eltern und ich und ungefähr zwanzig meiner Freunde aus Wien.

Dank Aron haben wir eine Gruppe mit zionistischen Jugendlichen gegründet. Wir haben auch durch ihn einen besseren Platz bekommen in Theresienstadt, wo wir zusammen gewohnt haben. Das hat alles der Aron für uns erledigt. Wir haben uns Betten gebaut, wir haben dort’n ein biss’l Kulturarbeit gemacht, man hat uns Hebräisch gelehrt, wir hatten Professoren, die Vorträge hielten, es gab Musiker, die Konzerte gaben, es gab Theateraufführungen, alles konnte man machen. Es gab sogar eine Synagoge.

Wir hatten viel Freizeit, die SS-Männer haben sich überhaupt nicht gekümmert.

Sie haben nur eines gemacht: Ab September, als wir nach Theresienstadt gebracht wurden, begannen die großen Transporte in den Osten. Es gab einen Zusammenhang zwischen diesen Transporten und der Offensive der Russen. Die Schlacht um Stalingrad hatte begonnen! Die Russen begannen sich dem Deutschen Reich zu nähern. Da haben sie angefangen, die Menschen auf die Transporte in die Vernichtungslager zu schicken.

Niemand hat gewusst, wohin die Transporte gehen. Wir haben nur gewusst, es geht nach dem Osten. Aber wohin die gehen, das wussten wir nicht. Es sind manchmal schreckliche Nachrichten durchgesickert, aber wir haben das nicht geglaubt. Dass wir vernichtet werden in Auschwitz haben wir nicht gewusst. Wir haben gedacht, dass wir in Arbeitslager kommen.

Aber viele wurden zum Beispiel nach Minsk gebracht, dort hat man sie auf der Straße erschossen. Es ist niemand zurück gekommen von denen. Aber wir haben nichts gewusst. Manchmal haben wir sogar Nachrichten, Postkarten, bekommen.

Man hat sich Codes ausgemacht. Wenn man das und das schreibt, bedeutet das das und das. Und deswegen hat man etwas vermutet über Dinge, die dort passieren. Aber Auschwitz? Die Wahrheit, was sich dort abspielt, haben wir nicht gewusst. Aber wir hatten Angst.

Zuerst haben wir zusammen gewohnt, das war auf einem Dachboden. Es war schrecklich. Wir haben nichts gehabt. Aber meine Mutter hat auch daraus was gemacht. Mein Vater hat dann in der Sudetenkaserne gewohnt, und meine Mutter hat einen anderen Platz mit anderen Frauen zusammen bekommen. Aber sie konnten sich jeden Tag treffen.

Ich hab durch Aron eine gute, aber schwere Arbeit in der Küche beim Essenstransport bekommen. Ich habe also Essen ausgeteilt. Das war schwer, aber ein großer Vorteil. Jeder hatte eine Essenskarte für den Tag, in der Früh gab es ein biss’l schwarzen Kaffee und ein Stück’l Brot, zu Mittag eine Suppe oder was anderes, und am Abend haben wir auch etwas bekommen.

In der Küche hatte ich Essen genug, so konnte ich meine Karte meinen Eltern zu ihren Karten dazu geben. Ich habe viel Essen gestohlen, Kartoffeln und alles Mögliche und habe alles meiner Mutter gebracht. Sie hat dann gekocht - wir haben nicht gehungert. Aber für die Leute, die nur ihre Essenskarte gehabt haben, war es sehr schwer.

Jeder hatte an seinem Gürtel einen großen Esslöffel. Wenn wir ein Fass ausgeschöpft hatten und das Fass noch dastand, sind die deutschen Juden gekommen mit ihren Löffeln und haben die Fässer ausgekratzt. So hungrig sind sie gewesen. Das war schrecklich!

Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass wir Jungen dort auf Kosten der Alten am Leben geblieben sind. Das, was wir gestohlen haben, haben wir ihnen gestohlen.
Es sind auch sehr viele Menschen in Theresienstadt an Hunger und Krankheiten, wie Typhus zum Beispiel, gestorben.

Viele konnten sich schwer an die schrecklichen Umstände anpassen. Zum Beispiel: die Betten waren Stockbetten, und da schliefen zwei unten und zwei oder drei oben. Die, die oben geschlafen haben, hatten es am besten, weil man sich oben etwas aufbauen konnte, zum Beispiel sich einen Tisch bauen. Und Verheiratete haben sich ab und zu oben getroffen. Es waren dort Situationen, die kann sich das nicht vorstellen.

Man konnte in Theresienstadt überleben. Aber trotz meiner guten Situation, bekam auch ich verschiedene Krankheiten, Typhus zum Beispiel. Es gab wunderbare Ärzte aus Prag. Meine Mutter hatte ein Myom [gutartiger Tumor], da wurde sie von einem Arzt, einem der größten Koryphäen aus Prag, operiert. Normalerweise wäre sie nie zu einem Arzt gekommen, der so hervorragend war.

Mein Vater hat beim Straßenbau gearbeitet. Ich habe ihm immer Essen gebracht. Mein Vater hat geraucht und sein Essen manchmal für ein paar Zigaretten verkauft. Meine Mutter war immer böse, wenn er Zigaretten gekauft hat. Aber was kann man machen?

Unsere Jugendgruppe hat sehr zusammengehalten. Von unserer Gruppe kamen vier junge Burschen vor uns mit einem Straftransport nach Auschwitz. Später habe ich erfahren, was mit ihnen passiert ist. Alle wurden in Birkenau ermordet. 

Ich war bis September 1944 in Theresienstadt. Vierzehn Transporte sind weggefahren, Frauen, Männer, alle jungen Leute, unsere ganze Gruppe, die zusammen gewohnt hatte. Wir waren alle in demselben Transport nach Auschwitz. Mein Vater war auch dabei.

Was mit meiner Mutter war, habe ich nicht gewusst. Während der zwei Jahre, die ich in Theresienstadt war, waren die Schienen von den jüdischen Zwangsarbeitern von Bauschowitz nach Theresienstadt verlängert worden. Die Züge kamen direkt in die Stadt herein. Man hat uns von Theresienstadt nach Auschwitz geschickt.

Wir sollten am Jom Kippur, das war der 27. September, wegfahren. Aber die Lokomotive ist kaputt gegangen, da hat man uns gelassen. Ich erinnere mich noch heute, ich bin dann mit meinem Vater in die Synagoge gegangen. Wir haben gebetet, danach gefastet und am nächsten Tag mussten wir uns zum Transport melden.

Am 28. September mussten wir in die Waggons und dann, am Abend, sind wir weggefahren. Es wurde Nacht, und wir haben nicht gewusst, wohin wir fahren. Das waren Viehwaggons, in denen man nur so ein kleines Fenster hat. Wir haben beobachtet, wohin wir fahren, welche Richtung.

Anhand der Richtung haben wir gesehen, wohin wir fahren. Wir fuhren nach Osten. Ich erinnere mich, wir sind ziemlich langsam durch Dresden gefahren. Ich habe ein wenig von der Stadt gesehen. Wir sind durchgefahren und immer weiter, bis wir nach Schlesien kamen, durch Breslau fuhren und in die Nähe von Krakau kamen. Zwei Tage und eine Nacht sind wir gefahren.

Plötzlich, es war in der Nacht, hörten wir Schreie. Der Zug fuhr langsam durch ein Tor und blieb stehen. Die Waggontüren wurden aufgerissen, Häftlinge schrien: raus, raus, raus! Wir waren ungefähr tausend Menschen auf diesem Transport. Es war dunkel, aber ringsherum waren Lichter, Stacheldraht, Beton, Pfosten.

Auf dem Stacheldraht waren Schilder, auf denen stand: Hochspannung! Wir verstanden, dass alles mit Hochspannung geschützt war. Die meisten von den Häftlingen, die uns anschrien, waren polnische Juden. Meine Uhr haben sie mir sofort weggenommen: ‚Gib her die Uhr, die brauchst du sowieso nicht mehr.’ Alles, was ich damals noch besaß, haben sie mir weggenommen.

Nicht nur mir, allen haben sie alles weggenommen. Wir haben nicht gewusst, was uns geschieht. Wir wurden auf eine Rampe getrieben. Es roch komisch. Was riecht da? Irgendwas Verbranntes, wir wussten nicht, was das ist.

Auf der Rampe mussten wir uns in Fünferreihen aufstellen, der ganze Transport, die tausend Menschen in Fünferreihen. Vorn stand eine Gruppe von vier, fünf SS-Männern mit Hunden. An denen musste jeder vorbeigehen, und jeder wurde was gefragt. Ich habe gesehen, der SS-Mann zeigt auf die eine Seite und oder auf die andere Seite.

Die älteren Leute gingen auf die linke Seite, die jüngeren Leute auf die rechte Seite.

Man konnte glauben, die linke Seite war für die Leute, die für die leichtere Arbeit bestimmt sind, und die auf der rechten Seite, das sind die, die die schweren Arbeiten machen müssen.

Oft haben sich Leute älter gemacht, damit sie leichtere Arbeit bekommen, anstatt sich auf die rechte Seite zu stellen. Zum Beispiel der Vater von meinem Freund war Apotheker. Der SS-Mann hat gesagt: Was bist du von Beruf? Apotheker.

Brauchen wir nicht, linke Seite. Hätte er gesagt, er war nämlich noch jung, er sei Schlosser oder so was ähnliches, wäre er vielleicht am Leben geblieben. So war das.

Als ich dran war, hat mich ein SS-Mann gefragt, wie alt ich bin, was für einen Beruf ich habe. Elektriker, habe ich gesagt. Und ich musste auf die rechte Seite. Das waren die Fragen der SS-Leute. Wir haben nicht verstanden, was da überhaupt passiert.

Und da mache ich diesen Juden den Vorwurf, die mit uns als erste zusammengetroffen sind, als wir aus den Waggons mussten, dass sie uns nicht davor gewarnt haben, was dort passiert. Die anderen Häftlinge haben uns nicht geholfen, nichts gesagt, jeder war nur für sich. Die haben nicht gesagt:

hört zu, dort ist eine Selektion, macht’s euch jünger, sagt das oder das. Sie haben uns nicht gesagt was da passiert. Die wollten nur unseren Besitz: hast  einen Goldring, hast eine Uhr - alles was sie wollten, haben sie uns weggenommen. Das war schrecklich!

Ich habe nicht gewusst, wo mein Vater ist. Ich hatte ihn aus den Augen verloren. Ein paar Stunden später habe ich das Krematorium und das Feuer gesehen. Wir begannen mit den anderen Häftlingen zu sprechen. Wir haben sie gefragt, wohin man die Leute gebracht hat, die von der Rampe weggeführt wurden?

Da hat einer zu mir gesagt: siehst du dort den Schornstein und den Rauch? Dort sind sie schon rausgeraucht. Ich war entsetzt! Aber ich habe es glauben müssen. Ich habe den Rauch gesehen mit meinen eignen Augen. Und ich habe es gerochen.

Die geblieben sind, hat man nachher in das KZ Birkenau gebracht, in das Zigeunerlager. Es standen dort viele große Baracken. Am ersten Tag wurden uns außer den Schuhen und dem Gürtel alle Kleider weggenommen. Und dann mussten wir duschen. Wir haben nicht gewusst, dass man dort, wo wir geduscht haben, unsere Eltern vergast worden waren. Diesmal ist statt Gas Wasser aus den Duschen gekommen.

Nach dem Duschen haben wir Sträflingskleider bekommen. Die waren sehr dünn, und zu der Zeit war es kalt in Polen, sehr, sehr kalt. Wir haben schrecklich gefroren.

Die Baracken waren früher Pferdeställe der polnischen Armee. In jeder Baracke war in der Mitte ein Kamin, und auf der Seite sind die Pferde gestanden. Dort hatte man statt der Pferde Stockbetten aufgestellt. Es gab einen Blockältesten, der war für alles verantwortlich. Das waren manchmal Kriminelle, Verbrecher.

Manches Mal hatte man Glück, dann war der Blockälteste ein Sozialist. Viele Kapos waren Verbrecher. Die haben uns auch nur alles wegnehmen wollen, was wir noch gehabt haben. Vom Essen haben sie uns nur ein wenig gegeben, das andere haben sie selbst genommen.

In der Früh mussten wir zum Appell antreten, wurden gezählt, am Abend mussten wir wieder antreten, wurden wieder gezählt und oft geschlagen.

Als wir in die Baracke gekommen sind, haben wir unsere Schuhe ausziehen müssen und zu je fünf Paar hintereinander aufstellen. In der Früh waren alle Schuhe weg, kein Schuh war mehr da. Man muss sich das mal vorstellen, es lag Schnee, und wir hatten keine Schuhe mehr.

Einer hat dem anderen die Schuh gestohlen. Ohne Schuhe, wenn man krank wurde, war man gleich erledigt. Birkenau war schrecklich! Ich hab sehr schnell begriffen, dass man dort nicht bleiben darf, das war kein Platz, um zu überleben. Häftlinge haben uns zu verstehen gegeben, dass man, um in Birkenau überhaupt zu überleben, eine eintätowierte Nummer haben muss.

Wenn du keine Nummer hast, warst du nichts wert. Du warst Freiwild, sie konnten mit dir machen, was sie wollten. Ich habe begriffen, dass ich rauskommen muss. Wenn man in Birkenau bleibt, ist man Futter für die Krematorien.

Die polnischen Juden haben Jiddisch gesprochen. Ich habe genau zugehört und verstanden, es werden SS-Männer kommen, die suchen Fachleute. Meine Freunde und ich haben zusammengehalten, und dann kam wirklich ein SS-Mann und suchte Schlosser. Wir haben uns alle gemeldet.

Das erste Mal wurden wir nicht genommen, aber beim zweiten Mal ist es uns gelungen. Wir waren sechs Freunde, und wir wurden alle für die Arbeit ausgesucht. Man hat uns bessere Kleidung gegeben, und wir bekamen eine Nummer in den Arm tätowiert. Das hieß, wir waren Menschen. Wir bekamen Decken, wurden zum Zug gebracht, und wir fuhren von Birkenau nach Gleiwitz [Gliwice, Polen]. Das war nach drei schrecklichen Wochen.

Meine Freunde Otto Kalwo, Heinz Beer, Kurt Herzka, Georg Gottesmann, Ernst Vulkan und ich blieben zusammen. Wir haben fest zusammengehalten. Damals war Gleiwitz eine deutsche Stadt, heute liegt Gleiwitz in Polen. Gleiwitz war eine große Stadt und lag ungefähr fünfzig Kilometer von Auschwitz entfernt. Dort gab es vier Nebenlager vom KZ Auschwitz.

Die Wachmannschaften in dem KZ waren aus Rumänien, deutschstämmige Siebenbürger. Die waren noch schlimmer als die Deutschen, schreckliche Leute waren das. Man hat uns in eine Fabrik, in der Eisenbahnwaggons repariert wurden, gebracht.

Ein riesiges Werk war das! In großen Hallen standen ungefähr zehn Waggons, einer hinter dem anderen. Vielleicht zwanzig Gleise gab es da. Die Waggons waren beschädigt,  und wir mussten sie reparieren. Uns wurde gezeigt, was wir machen müssen. Wir haben die Nieten aufschneiden müssen. Mit Schweißapparaten haben wir das gemacht.

Es war eine wirklich schwere Arbeit den ganzen Tag. Ich war kein Schlosser, aber ich habe schnell gelernt. Kalt war es, das kann man sich nicht vorstellen. Jedes Eisenteil war sehr schwer und kalt. Wir haben in zwei Schichten gearbeitet, einmal am Tag und einmal in der Nacht.

Essen haben wir bekommen, und duschen konnten wir uns auch.  Aber es war schwer, und es war nicht geheizt. Es waren viele Menschen in der Baracke, darum war es etwas wärmer. Jeder musste mal rausgehen, da musste man sich abmelden, dann wurde aufgepasst, dass man nicht wegläuft.

Sechs Tage in der Woche haben wir gearbeitet, und am siebenten Tag haben wir nicht gearbeitet. Und da haben Sie uns am siebenten Tag, damit wir beschäftigt sind, zum Appell antreten lassen. Wir mussten dann Steine, die auf einem Platz einen Kilometer vom Lager entfernt lagen, auf einen Platz ins Lager tragen und dann dieselben Steine zurücktragen. Nur damit wir nicht ausruhen können.

Während meiner Schweißarbeiten hatte ich aus Eisen so eine Art Topf hergestellt. Viele andere Häftlinge, die bei den Waggons gearbeitet haben, brachten mir deshalb ein paar Kartoffeln, Kraut und alles Mögliche, was sie in den Waggons gefunden hatten. Wir waren doch keine Tiere; Kartoffeln kann man doch nicht roh essen, wir mussten sie kochen.

Da haben sie mir die Kartoffeln gebracht, und ich hab mit dem Schweißapparat die Kartoffeln gekocht, und habe dann auch etwas abbekommen. Diese Essen haben mich ein biss’l über Wasser gehalten. In den Waggons haben wir auch manchmal ein paar Zeitungsausschnitte gefunden.

Da konnten wir gelesen, dass die Russen vor Warschau standen. Aber ganz genau haben wir das nicht gewusst… Und auf einmal bekamen wir den Befehl, wir gehen nicht zur Arbeit. Jeder bekam ein halbes Brot, eine Konserve mit Blutwurst, ein Stückchen Margarine und Marmelade. Blutwurst ist nicht koscher. Die darf man nicht essen.

Wir mussten losmarschieren. Das war ein Todesmarsch. SS-Männer haben uns die ganze Zeit begleitet. Das waren schon ältere Leute von der Waffen-SS, Soldaten, die nicht mehr an der Front eingesetzt wurden. Manche der Bewacher waren anständig, manche nicht. Es war sehr kalt, es war noch immer Winter.

Wir hatten keine warmen Kleider und schlechte Schuhe. Wir sind gegangen, gegangen, gegangen  ...  wohin? Das haben wir nicht gewusst. Wir gingen den ganzen Tag, viele Kilometer. Unterwegs konnten sehr viele nicht mehr. Diese Leute wurden einfach erschossen.

Wer zurückgeblieben ist wurde erschossen. Wir sind drei Tage zu Fuß gegangen. Essen haben wir nicht bekommen, in der Nacht hat man uns irgendwo in ein Lager gebracht, da sind wir vor Müdigkeit sofort  eingeschlafen. Kalt war uns, einer ist auf dem anderen gelegen. So haben wir geschlafen, einer hat den anderen gewärmt.

Am Ende des Todesmarsches kamen wir nach Blechhammer [Blachownia Śląska, Polen]. In Blechhammer war ein riesengroßes Hydrierwerk, wo die Deutschen aus Kohle Benzin und künstliches Gummi erzeugt haben. Dort arbeiteten viele Kriegsgefangene. Aber es gab in Blechhammer auch ein großes KZ.

Das war ein Außenlager des KZ Auschwitz. In diesem Lager waren unter anderem Franzosen, Jugoslawen, amerikanische Piloten, Engländer, sogar aus Palästina war dort eine Gruppe britische Soldaten, die in Kreta in Gefangenschaft geraten waren. Einer der bekanntesten von denen war Josef Almogi, der spätere Führer der Histadrut 24 in Haifa.

Uns hat man ins KZ gebracht. Das heisst, man hat uns über Nacht hingebracht. Ich erinnere mich an einen großen Appellplatz und ungefähr zwanzig Baracken. Das war schon Anfang Februar 1945. Es war furchtbar kalt, ein sehr kalter Winter. Dort fand ich eine englische Armeeuniform, die ich anzog. Die Wolle der britischen Uniformen war unglaublich warm.

Man hat uns in eine Baracke gebracht, und das war unser Glück, in der Kisten mit Sodawasser-Flaschen standen. Wir hatten nicht allzu viel Platz. Meine Freunde aus Wien und ich waren zusammen geblieben. Die anderen sind in anderen Baracken untergekommen. Wir sind todmüde eingeschlafen. Und dann, in der Früh, hat es wieder geheißen: aufstehen und zum Appellplatz. Man musste sich immer anstellen um sich Abzählen zu lassen.

Wir haben unter uns ausgemacht, dass wir uns nicht auf dem Appellplatz aufstellen, denn wir hatten mitbekommen, was sich dort tut. Die Leute, die nicht gehen konnten, die müde waren, wurden erschossen. Warum sollten wir uns dort erschießen lassen? Wir gingen nicht aus unserer Baracke.

Ob man erschossen wird draußen oder hier, in der Baracke, da ist es besser hier. Warum sollten wir uns unterwegs noch plagen? Draußen wurde geschrien, raus, raus zum Appell. Wir sind nicht gegangen, wir haben uns nicht gemeldet, wir haben uns in der Baracke versteckt. Aber die SS-Männer haben gemerkt, dass sich viele Leute versteckt haben, dass sie nicht rausgehen. Was haben die gemacht? Sie haben begonnen, die Baracken anzuzünden.

Sie haben brennende Fackeln auf die Dächer geworfen, und die Baracken begannen zu brennen. Die Leute haben nicht atmen können und sind rausgelaufen. Wer rausgelaufen ist, wurde wie die Hasen abgeschossen. Wenn einer Glück gehabt hat, hat er bis zum Appellplatz geschafft.

Wenn nicht, ist er am Weg erschossen worden und liegengeblieben. Wir sind nicht rausgegangen. Unsere Baracke begann auch zu brennen. Die Sodawasser-Flaschen haben uns gerettet. Wir haben das Sodawasser auf das Feuer gegossen; die ganze Zeit, und wir haben überlebt.

Den ganzen Tag haben sie dort Leute erschossen, dann sind sie weg. Die haben scheinbar Angst bekommen. Die Leute, die sich am Appellplatz gemeldet haben, hat man, das habe ich später erfahren, zu Zügen am Bahnhof gebracht und sie in einem Waggon nach Groß-Rosen geschickt.

Es waren mit uns dann noch einige Leute, die sich, wie wir, im Lager versteckt hatten. Viele waren verletzt und sind daran gestorben, weil sie keine Hilfe hatten. Wir haben uns zwei Tage dort aufgehalten. Wir hatten nichts zu Essen, wir waren hungrig. Aber wir haben uns nicht rausgetraut, wir blieben in der Baracke. Draußen war es ruhig.

Dann, am dritten Tag, haben wir langsam die Tür aufgemacht und haben rausgeschaut. Wir konnten das Tor sehen, durch das wir reingegangen waren. Das Tor stand offen, und auf den Wachtürmen waren keine SS-Männer. Ich bin aus der Baracke  rausgegangen, auch andere sind rausgegangen.

Da waren Leute, die schon längere Zeit in dem KZ waren. Sie haben gesagt, in welcher Baracke man was zu essen finden könne. Wir sind alle dort’n hingelaufen und haben die Baracke aufgebrochen. Es gab Brot, und ich habe soviel Brot genommen, wie ich tragen konnte.

Auf einmal, ich wollte mit dem Brot gerade aus der Baracke, stand draußen ein SS-Mann mit einer Maschinenpistole, der die Leute abknallte. Ich wusste nicht, was ich machen soll. Es bildete sich ein Menschenhaufen. Alle lagen aufeinander, da hab ich mich einfach dazu geworfen.

Mit dem Brot habe ich mich raufgeworfen. Ich bin gelegen, und der hat geschossen. Auf einmal hat er aufgehört zu schießen. Er hatte keine Kugeln mehr, hat Angst bekommen, denn wir waren doch viele, er war nur einer. Daraufhin ist er weggelaufen. Langsam habe ich mich aus dem Menschenhaufen rausgegraben. Einige waren tot oder verletzt.

Ich habe das Brot genommen und es meinen Freunden gebracht. So hatten wir was zu essen. Es war ganz still. Meine Freunde und ich hatten nun Brot und Wasser. Nach ein paar Tagen waren der Otto Kalwo und ich schon ein biss’l bei Kräften, und wir wollten wissen, wo wir sind. Wir verließen das Lager. Die anderen, Heinz Beer, Kurt Herzka, Georg Gottesmann und Ernst Vulkan blieben in der Baracke. Sie waren zu schwach um mit uns zu kommen.

Das Lager war umgeben von einem ganz großen und dunklen Wald. Man hat kaum etwas gesehen, weil es so dunkel war. Wir gingen eine Strasse, die durch den Wald führte, entlang. Plötzlich hörten wir von weitem Motorengeräusch. Wir glaubten, die SS kommt zurück und sind in den Wald reingelaufen.

Wir kamen zu einer Anhöhe. Von der Straße aus konnte man uns nicht sehen, denn es war wirklich sehr dunkel. Wir sahen, dass sich ganz langsam eine Autokolonne näherte. Ich sagte zu meinem Freund: hör zu, diese Autos schauen nicht so aus wie die Autos von den Deutschen. Die sind etwas anders. Wir waren uns aber nicht sicher.

Die kamen immer näher, und wir sahen dann deutlich, das waren keine deutschen Autos. Das waren, später habe ich das erfahren, amerikanische Lastautos. Die russische Armee hatte diese Autos von den Amerikanern bekommen. Jetzt haben wir verstanden, denn wir haben gesehen, auf der Motorhaube war ein großer roter Stern; ein Sowjetstern.

Das waren Russen! Wir stellten uns mit erhobenen Händen auf die Straße. Das erste Auto blieb stehen. Ein Soldat mit  Pelzmütze stieg aus. Das war das erste Mal, dass ich einen Russen gesehen habe. Er trug eine Pelzmütze mit einem Sowjetstern.

Ich habe gesehen, dass auch er Angst hatte. Ich wusste nicht, was ich sagen soll, da habe ich gesagt ‚Jid, ja. Jid, Jid’ (Jude, ja, Jude, Jude). Er schaute uns an und sagte: ‚Ja tosche Jid’ (ich bin auch Jude). Es hat sich herausgestellt, das war ein jüdischer Offizier, und der hat jiddisch gesprochen.

Viele der russischen Offiziere waren Juden, man konnte sie als Dolmetscher einsetzen. Also haben wir mit ihm reden können. Wir haben ihm gesagt, dass da ein Lager ist. Seine Kompanie hat dann das ganze Lager besetzt und übernommen. Die Russen waren sehr anständig, sie haben alle nach und nach rausgeführt und betreut.

Wir blieben noch zwei Tage dort. Wir bekamen Essen, und der Offizier sagte uns, dass nahe des Lagers eine kleine Siedlung sei. Dort hatten die deutschen Ingenieure, die in dem großen Werk in Blechhammer gearbeitet hatten, gewohnt. Der Ort war ungefähr einen Kilometer vom Lager entfernt.

Meine Freunde und ich gingen dorthin und haben uns einfach in eine Villa reingesetzt. Alles gab es da, denn die Deutschen hatten alles stehen gelassen und waren weggelaufen. Im Keller waren Lebensmittel gelagert: eingelegtes Fleisch, Gemüse und Obst, alles war da, nur Brot haben sie nicht gehabt, und es gab kein Wasser und kein Geschirr.

Wir sind von einem Haus zum anderen gegangen und haben uns Geschirr geholt. Das, was schmutzig war, haben wir rausgeworfen aus dem Fenster. Das war richtig wertvolles Porzellan, aber wir hatten keinen Bezug zu dem allen mehr. Wasser hatten wir, indem wir Schnee aufgetaut haben. Manche unserer Freunde haben Durchfall bekommen, das war gefährlich.

Wir blieben drei Wochen in dieser Villa. Hatten dort, wie man sagt, ein meschuggenes [hebr/jiddisch:verrücktes] Leben. Der Offizier kam uns wirklich öfter besuchen. Und eines Tages kam er zu uns und sagte: Freunde, ihr müsst’s von da weg gehen, ihr könnt’s nicht bleiben, weil wir Angst haben, dass die Deutschen eine Gegenoffensive starten, und ihr könntet wieder in ihre Hände geraten. Geht's in Richtung Osten, weiter nach Polen rein. Und wir gingen los: er war der Kommandant.

Wir luden alle möglichen Sachen, die wir hatten, auf ein Wagerl, und schleppten außerdem noch Sachen so mit. Einer von uns, der Georg Gottesmann, war krank. Er hatte die Ruhr. Wir haben ihn in einem  Wagerl geschoben, weil er nicht gehen konnte. Das war alles sehr schwer, aber wir sind sehr viele Kilometer wieder zurück in Richtung Osten gegangen.

Teilweise sind wir gegangen, und teilweise konnten wir die Bahn benützten. Die Russen hatten die Schienen verbreitert, damit die russischen Lokomotiven darauf fahren konnten. Bis nach Posen haben sie die Schienen umgebaut. Wir haben schnell gelernt, wie man den Lokomotivführer fragt, wohin er fährt. Und da sind wir mitgefahren und teilweise zu Fuß gegangen.

In Oberschlesien waren noch Deutsche, in Gleiwitz zum Beispiel. Die hatten vor uns unheimliche Angst. Wir haben ihnen alles weggenommen, wir haben sie aus den Wohnungen rausgeschmissen, die sollten uns bedienen. Dann waren wir in Kattowitz, und danach sind wir mit einem Zug bis nach Krakau gekommen.

In Polen musste man alles mit Geld bezahlen, sie haben uns nichts umsonst gegeben. Man musste für alle Sachen bezahlen. Aber woher hätten wir Geld haben sollen? Wir haben einige Sachen verkauft: eine Jacke, einen Hut usw. Dafür haben wir Geld bekommen. In Krakau war dann ein jüdisches Komitee, das war in der Dluga Strasse  Nummer 38.

Vom Komitee haben wir Ausweise vom  Roten Kreuz bekommen, aber ansonsten haben sie uns nicht viel helfen können, sie haben selber nichts gehabt. Wir haben uns mit einigen Juden aus Polen befreundet. Die Russen waren sehr misstrauisch und die Polen auch, sie hätten denken können, wir sind deutsche Soldaten, die weggelaufen sind.

So haben wir immer Leute gehabt, die bezeugen konnten, dass wir Juden sind und uns dadurch geschützt haben. Wir haben nur ein paar Worte Polnisch verstanden, aber das war nicht genug, um sich zu verständigen. Wir blieben immer in der Nähe unserer neuen Freunde, damit sie für uns reden konnten. Eine Zeit lang blieben wir in Krakau.

Die russische Armee hatte so eine Art Sammellager eingerichtet, dort konnten wir schlafen und man hat uns zu essen gegeben. Wir hatten nichts mehr, alle unsere Sachen, auch unsere Kleidung, hatten wir verkauft. Essen und schlafen können war schon genug für uns, das war schon etwas! Aus dem Lager konnten wir die Stadt Krakau besichtigen, und wir waren das erste Mal nach dem Krieg im Kino.

Die Russen sind dann immer weiter vormarschiert, über die Oder, nach Deutschland hinein. Das war schon im März. Anfang April haben die Russen uns gesagt, dass sie ein Lager in der Nähe von Sagan [poln. Żagań], das ist nicht weit von der Oder, errichtet haben. Im Februar 1945 hatten sie diese Stadt in Niederschlesien, die zwischen Cottbus und Breslau liegt, eingenommen.

Wir wurden mit der Bahn nach Sagan gebracht. Dort war auch ein großes DP-artiges Lager25. Da waren schon Jugoslawen, Franzosen und Menschen aus allen möglichen Ländern. Dort konnten wir schlafen und essen. Wir hatten ja keine Kleidung, aber ein Freund war ein guter Schneider. Wir haben dort eine schöne Nähmaschine und Ballen von Stoff gefunden.

Aber unser Freund hatte nur eine Nadel für die Nähmaschine, und die eine Nadel ist zerbrochen, und so konnte er nicht nähen. Was haben wir gemacht? Wir sind in die Stadt gegangen, und haben in der ganzen Stadt eine Nadel für die Nähmaschine gesucht. Ich weiss nicht, was wir alles zerbrochen haben, um eine Nadel zu finden.

Aber zum Schluss haben wir eine gefunden. Nicht nur eine, wir haben ein ganzes Paket gefunden. Auch dort waren die Deutschen weggelaufen und hatten alles zurück gelassen: die Häuser, die Wohnungen, die Geschäfte, die Fabriken. Die Russen haben es ganz einfach gemacht: Wenn sie eine Fabrik gefunden haben, haben sie die Wände umgelegt und alles, auch die Maschinen, genommen.

Bei den Wohnungen haben sie einfach die Fenster herausgenommen. Sie haben alles genommen und nach Russland gebracht. Und das, was die Russen gemacht haben, haben wir auch gemacht. Wir haben alles genommen, was wir konnten.

Aus den Stoffballen hat unser Freund Unterhosen für uns genäht, wir hatten ja keine. Jeder hatte dann eine Menge Unterhosen. Und Leiberln hat er uns auch genäht von dem Stoff. Die Zeit ist vergangen, den ganzen April und den Mai waren in Sagan.

Dort gab es auch Zigeuner. Wir hatten nicht viel zu tun, und da haben wir uns von denen die Zukunft voraus sagen lassen. Ich erinnere mich noch genau, die Zigeunerin sagte zu mir: du hast eine Mutter! Ich sagte: ja, eine Mutter habe ich gehabt. Sie sagte: du hast eine Mutter! Sie sagte auch verschiedene andere Sachen, und noch zwei Freunden sagte sie: du hast eine Mutter. Wir haben das nicht geglaubt, wir wussten, das kann nicht sein.

  • Nach dem Krieg

Die Zeit verging, es kam der 8. Mai, der Krieg war zu Ende. Die Russen kamen zu uns und sagten: der Krieg ist zu Ende, geht wohin ihr wollt. Ihr könnt machen, was ihr wollt. Ihr seid frei, richtig frei!

Was haben wir uns gesagt? Wir sind nicht weit entfernt von Berlin, wir wollen nach Berlin fahren. Wir suchten uns einen Zug, der nach Berlin fährt. Was will der Zufall? Man brachte uns zu einer Bahn, die uns nach Cottbus fuhr. In Cottbus war ein schöner großer Bahnhof, die Russen hatten die Schienen mit der breiten Spur bis Cottbus gelegt. Die Züge sind nur bis Cottbus gefahren. Dort hatten sie erst begonnen, die Schienen bis Berlin zu legen.

Wir suchten nach einer Möglichkeit, nach Berlin zu kommen. Auf einmal sahen wir auf dem Bahnhof einen jungen Menschen mit einer Armbinde auf der stand ‚KZ Theresienstadt’. Meine Freunde und ich waren sicher, dass das KZ Theresienstadt aufgelöst worden war, dass sie alle mit den Zügen in die Vernichtungslager weggeschickt hatten.

Zu hundert Prozent waren wir sicher. Wir gingen zu dem jungen Mann und fragten: Theresienstadt, gibt es Menschen dort? Er erzählte uns, dass von allen möglichen Lagern viele Leute nach Theresienstadt gebracht worden waren. Es sind tausende Menschen in Theresienstadt. Als wir das hörten, haben wir uns gesagt, statt nach Berlin fahren wir nach Theresienstadt. Und das haben wir gemacht.

Wir sind dann von Cottbus mit einem Zug nach Dresden gefahren. Wir wollten von der Grenzstation Bodenbach nach Bauschowitz. Bauschowitz war die Bahnstation von Theresienstadt. Wir haben den Schaffner überzeugen können, uns ohne Geld mitzunehmen, denn Geld hatten wir ja keins. In Bauschowitz sind wir aus dem Zug gestiegen.

Als alte Theresienstädter kannten wir den Weg zu Fuß, das waren drei Kilometer. So waren wir damals aus Wien angekommen. Wir sind also von Bauschowitz zu Fuß die drei Kilometer nach Theresienstadt zur Festung rauf gegangen. Wir standen nicht unter Zwang, wir kamen freiwillig! Sigi Ritberg konnte noch nicht gehen, da haben wir das Wagerl gehabt, und wir haben ihn geschleppt.

Stop, die tschechische Gendarmerie wollte uns nicht reinlassen. Das Lager stand unter Quarantäne, im Lager war Typhus. Wir versuchten sie zu überzeugen, dass sie uns reinzulassen. Am Ende fanden wir einen Kompromiss: wir gehen rein, aber nicht mehr raus. Unter dieser Bedingung hat man uns reingelassen.

Wir kamen auf der Hauptstraße Thersenstadts rein. Dort traf ich einen älteren Herrn. Was will das Schicksal? Dieser ältere Herr war ein Freund meines Vaters. Er hatte mit ihm in der Kultusgemeinde zusammengearbeitet, und er war mit mir in Gleiwitz. Sein Beruf war Frisör. Frisör war ein guter Job, im KZ mussten wir immer geschnittene Haare haben. Ich hatte ihn in Gleiwitz gesehen. Er schaute mich an, ich schaute ihn an und sagte:
‚Wie kommst du daher?’

Er sagte:
‚Du lebst?’ Er erzählte kurz seine Geschichte: er war auch in Blechhammer, musste dann aber weiter nach Groß-Rosen. Von dort hatte man ihn dann ins KZ Buchenwald gebracht, und von Buchenwald ist er nach Theresienstadt gebracht worden. Ich hab ihm erzählt, dass wir in Polen waren, dass wir schon eine ganze Weltreise hinter uns hatten. Dann sagte er zu mir:

‚Du warst schon bei deiner Mutter?’

Ich schaute ihn an. Wo, wo ist meine Mutter? Er sagte, ich hab sie gesehen, sie ist hier! Ich sagte: das kann doch nicht sein? Du kannst mir glauben, ich habe deine Mutter hier in Theresienstadt gesehen. Er wusste nicht wo sie wohnt, aber er sagte, dass ich sie bestimmt finden werde, er hatte sie gesehen.

Ich wusste, wo ich mich erkundigen konnte. Ich habe gefragt, wo meine Mutter wohnt. Da hat man mir die Adresse gegeben, und sie hat wirklich da gewohnt. Sie wohnte auf einem Dachboden mit einer Freundin, einer Wienerin, mit deren Sohn ich befreundet war und der im Lager umgekommen war.

Ich weiß nicht, ob man sich vorstellen kann, wie das damals war. Ich bin auf den Dachboden gestiegen zu meiner Mutter, und sie sah mich. Kann man sich das vorstellen? Na gut, die erste Frage, die sie gefragt hat:
‚Wo ist der Papa?’ Ich konnte nichts sagen, und da hat sie nur gesagt:

‚Gott hat mir beschert, dass du am Leben geblieben bist.’ Sie hat dann gesagt, man hätte ihr erzählt, und sie wollte das nicht glauben, dass man mich in Krakau gesehen hatte.

Das war so:

Georg Gottesmann, einer unserer Freunde, war sehr krank geworden. Als wir nach Krakau kamen, hatte Georg Fieber. Wie sich herausstellte, hatte er eine schwere Tuberkulose. Da haben wir folgendes gemacht: Wir brachten ihn in ein Spital und sind dann weggelaufen. Am nächsten Tag sind wir ihn im Spital suchen gegangen. Dort, im Spital, traf ich einen Tschechen, der war ein Madrich in Theresienstadt. Er war auch Patient. Von ihm erfuhren wir, dass man unseren Freund im Spital aufgenommen hatte.

So war diese Nachricht zu meiner Mutter gekommen, aber sie konnte nicht glauben, dass ich am Leben war. Später ist unser Freund Georg nach Gauting, einem Vorort von München, verlegt worden.

Dort war ein Lungensanatorium. Und was wollte der Zufall? Wir erfuhren davon und haben ihn dann gleich besucht und ihm natürlich viel geholfen. Unser Freund im Spital hatte nichts, nur die Kleider, die er nach der Befreiung in Polen getragen hatte. Ich hab ihn mit Kleidung versorgt, das war damals für uns schon leicht. Alles, was möglich war, haben wir ihm besorgt.

Erfahren hat man damals alles durch Mundpropaganda, das ist sehr schnell gegangen und dann wurde auch alles in einer Lagerzeitung veröffentlicht. In Deggendorf haben wir eine Zeitung herausgegeben. Einer unserer Freunde war sogar ein Redakteur der Zeitung. So wussten wir sehr viel. So hat Georg auch die Nachricht bekommen, dass seine Mutter und seine Schwester den Krieg überlebt hatten.

Aber sie waren nicht in Wien, sie waren irgendwo in Ungarn.

Neben Georg lag ein älterer Herr. Die Frau dieses älteren Herrn war meine Cousine. Sie ist immer ihren Mann besuchen gekommen. Sie hat den Georg oft allein gesehen, da hat sie ihn gefragt, woher er kommt? Georg hat ihr seine ganze Geschichte erzählt.

Sie sagte ihm dann, sie habe einen Cousin in Wien gehabt, kenne ihn nicht, aber er müsste in Georgs Alter sein. Dann fragte sie ihn, ob er zufällig einen Leo Luster kenne. Was für eine Frage, sagte Georg, ich bin mit ihm aufgewachsen. Meine Cousine hat durch ihn meine Adresse in Deggendorf bekommen.

Sie war eine Tochter der Schwester meiner Mutter. Jahrelang hatten sie in Berlin gelebt, 1934 oder 1935 wurden sie als Polen aus Berlin nach Polen ausgewiesen. Ich kannte sie nicht, aber meine Mutter hat sie gekannt. Meine Cousine hat sich sehr gefreut, dass meine Mutter am Leben ist, denn sie waren die einzigen der Schwestern, die am Leben geblieben waren.

Die Freundin meiner Mutter, Frau Ehrlich, mit der sie in Theresienstadt am Dachboden gewohnt hat, hat mich dann gefragt: was mit ihrem Sohn Emil sei. Ich habe gesagt, dass ich es nicht wisse. Ich habe genau gewusst, dass er nicht mehr am Leben ist, aber ich habe es ihr nicht sagen können. Das hab ich nicht übers Herz gebracht.

Meine Mutter und ich haben dann eine Wohnung bekommen, und meine Mutter hat   begonnen, mich zu versorgen. Sie war überglücklich, dass ich da war. Ich hatte inzwischen aber schon eine große Lebenserfahrung und viel miterlebt.

Zu der Zeit, als wir aus Theresienstadt nach Auschwitz gebracht worden waren, war Benjamin Murmelstein 26 der letzte Judenälteste im Ghetto Theresienstadt. Innerhalb der jüdischen Selbstverwaltung in Theresienstadt war er ab dem Moment der wichtigste Mann. Robert Prochnik, auch ein Wiener Jude, war sein Stellvertreter.

Als wir nach Ende des Krieges nach Theresienstadt kamen, war der  Murmelstein nicht mehr da, aber Prochnik war da. Die Russen hatten einen Kommunisten als Lagerchef eingesetzt. Ein gewisser Vogel, glaube ich, war das. Der Prochnik hatte etwas Angst vor uns, denn viele Dinge, die damals in Theresienstadt gelaufen sind, sind bis heute schwierig einzuschätzen [Anm. nach Kriegsende wurde Robert Prochnik aufgrund seiner Tätigkeit für die Israelitische Kultusgemeinde - er war in Zusammenarbeit mit der ‚Zentralstelle für jüdische Auswanderung’ mit der Vorbereitung und Abfertigung der Deportationstransporte befasst - der Kollaboration beschuldigt.

Ein 1948 gegen ihn eingeleitetes Verfahren wurde bald eingestellt, 1954 wieder aufgenommen und 1955 endgültig eingestellt. Robert Prochnik starb 1977.Quelle: DÖW/Internet]. Jedenfalls hatte er Angst vor uns und hat uns wirklich bei vielen Dingen geholfen. Er hat uns eine Wohnung gegeben, in der wir wohnen und schlafen konnten. Essen hat uns nicht gefehlt.

Dann wurden Sudetendeutsche nach Theresienstadt gebracht, die putzen mussten. Wir haben auf sie aufpassen müssen. Ich habe sie ganz schön schikaniert, diese Deutschen. Die meisten Sudetendeutschen waren für Hitler, deshalb habe ich mich an ihnen gerächt.

In Krakau war ich mit ein paar österreichischen Kommunisten zusammen, die im KZ Auschwitz gewesen waren. Sie sind nach Wien zurückgefahren. In Wien wurde eine neue Regierung aufgestellt. Der Sozialdemokrat Karl Renner war ab 1945 bis zu seinem Tod 1950 Bundespräsident.

Ich wollte nicht zurück nach Österreich. Aber meine Mutter hatte vor unserer Deportation einer christlichen Frau eine schwere Goldkette mit einer Uhr und anderen Schmuck anvertraut und hoffte, die Uhr und den Schmuck zurück zu bekommen, da wir überhaupt nichts mehr besaßen.

Daraufhin beschlossen meine Freunde und ich, nach Wien zu fahren. Das war aber zu dieser Zeit fast unmöglich, weil man nicht einfach über die Grenze fahren konnte. Die einzige Möglichkeit, hatte man uns gesagt, sei mit dem Zug von Prag nach Bratislava zu fahren und von dort komme man vielleicht über die Pontonbrücke [auch Schiffbrücke oder Schwimmbrücke], die Russen hatten diese Brücke gebaut, nach Hainburg und von Hainburg nach Wien.

Wir sind dann wirklich nach Prag gefahren und von Prag nach Bratislava. Dort gingen wir zum jüdischen Komitee, Hilfe beim jüdischen Komitee zu  erbitten, hatte ich in Krakau gelernt. Wir kamen zum jüdischen Komitee, und sagten: wir sind Wiener und wollen nach Wien, wie kommt man da hin?

Sie sagten, dass ein paar Russen unten bei der Brücke Wache stehen. Wenn man ihnen Wodka gibt, dann kann man rüberkommen. Sie haben Wodka für uns organisiert. Wir sind zu den Russen gegangen, haben ihnen den Wodka gegeben, und wir durften auf einem Lastwagen die Brücke passieren.

Die Brücke hat schrecklich gewackelt, und die Donau hatte eine ordentliche Strömung. Noch dazu, der meschiggene [jiddisch für verrückt] Soldat. Aber wir sind rübergekommen und waren in Österreich, in Hainburg.


Wir waren sechs, der Walter Fantl war der Einzige der Gruppe, der dann in Wien geblieben ist, Siegfried Ritberg, Heinz Beer, Oskar Weiss, Kurt Herzka und ich und zwei älterere Männer, die russisch gesprochen haben, einer, weil er in russischer Gefangenschaft im 1. Weltkrieg war. Die waren unser Dolmetscher.

Wir sind dann mit einem russischen Lastauto nach Wien getrampt, wie man so sagt.

Unser Chauffeur war ein biss’l besoffen und hinter uns fuhr ein russischer Offizier und der wollte an ihm vorfahren, er hat ihn aber nicht gelassen. Als es ihm gelungen ist vorzufahren, hat er sich die Nummer des Lastautos aufgeschrieben. Wir kamen nach Schwechat, und da war eine Straßensperre beim Zentralfriedhof.

Dort hat der Offizier unseren Chauffeur gleich rausgeholt aus dem Auto. Dabei hat er uns gesehen und festgestellt, dass wir keine Bewilligung für die russische Zone hatten. Wir haben gesagt, dass wir keine Bewilligung brauchen, denn wir kennen uns in Wien sehr gut aus. Die Straßensperre war vor dem 4. Tor des Wiener Zentralfriedhofs.

Wir gingen die Mauer vom Friedhof entlang, stiegen dann über die Mauer, und gingen über den Friedhof auf die andere Seite. Und schon waren wir in Wien. An den Schienen der Tramway wurde bereits gearbeitet, wir konnten in die Stadt fahren.

  • Rückkehr nach Wien

Wien war schrecklich zerstört. Aber ich hatte ein angenehmes Gefühl dabei, dass man Wien zerstört hatte. Die Menschen sind herum gegangen, haben in den zerbombten Häusern Holz gesucht zum heizen, weil sie keine Kohlen hatten, Wasser haben sie von den Hydranten geholt. Nichts hat mehr funktioniert.


Am Deutschmeisterplatz war das Büro der Kultusgemeinde. Wir sind dorthin gegangen, und die Leute dort sagten, dass wir ihnen helfen könnten, die Kultusgemeinde wieder aufzubauen.


Ich bin dann zu der Familie der Frau gegangen, der meine Mutter den Schmuck anvertraut hatte. Und was haben die gesagt? Die Russen hätten ihnen alles weggenommen. Aber ich habe mir nichts daraus gemacht.


Dann bin ich in das Haus in der Schreygasse gegangen, in dem wir gewohnt hatten. Ich wusste, die Hausbesorgerin hatte ein doppeltes Spiel gespielt - einmal war sie für uns, einmal gegen uns. Aber mein Vater hatte ihr alle unsere Möbel gegeben. Wir durften doch nichts verkaufen. Er hatte ihr alles geschenkt. Ich wollte sie besuchen, vielleicht war sie noch am Leben und ging in das Haus.

Die sei nicht mehr da, die Hausbesorgerin, sagte der neue Hausbesorger. Und wer war der neue Hausbesorger? Es war der Kreisobmann der NSDAP 27. Er hatte mich immer zum  Schneeschaufeln und zu anderen minderwertigen Arbeiten geholt.

Nun trug ich die britische Uniform, ohne hohe Rangabzeichen, denn ich besaß ja nur diese Uniform und keine keine eigenen Kleider, und es war doch kalt in Wien! Die Österreicher hatten Angst und großen Respekt vor den Uniformen der Alliierten. Ich kam sozusagen als englischer Soldat in das Haus, in dem ich bis zu meinem 14. Lebensjahr gewohnt hatte.

Inzwischen war ich natürlich älter geworden. Der Hausmeister hatte ein Fenster, durch das er sehen konnte, wer ins Haus reingeht. Ich habe ihn sofort erkannt, aber er mich nicht. Er schaute mich an und zitterte vor der Uniform.

‚Sie kennen mich nicht’ fragte ich ihn. ‚Ich bin der Luster.’
‚Ja, so, Sie leben noch!’ Durchs Fenster des Hausmeisters sah ich das Schlafzimmer meiner Eltern.
‚Sie wissen, wem das gehört’, fragte ich ihn? ‚Das hat meinem Vater gehört.’
‚Ihr Vater hat mir das alles geschenkt.’
‚Das stimmt doch gar nicht,’ sagte ich, ‚die Möbel haben Sie der Hausbesorgerin weggenommen, mein Vater hat sie der Frau Schlicksbir geschenkt, aber nicht Ihnen.’ Auf einmal kamen alle Leute aus dem Haus. Es hatte sich herumgesprochen, dass ein englischer Soldat im Haus ist. Dann ging ich in den 3. Stock zu dem Herrn, der uns die Wohnung weggenommen hatte. ‚Packen Sie Ihre Sachen, in zwei Stunden verlassen Sie die Wohnung. Sie ziehen in die Kellerwohnung.’

Ehrlich gesagt, ich wollte nicht dort, nicht in Wien, sein. In  Krakau hatte ich einen russischen Jungen kennengelernt, der für den NKWD 28 gearbeitet hat. Grischa hat er geheißen, er sprach sehr gut Deutsch. Grischa wollte aus mir einen Kommunisten machen.

‚Komm nach Russland, du wirst studieren, du wirst alles haben!’
Was wollte der Zufall? Ich traf diesen Grischa in Wien. Er saß im Augarten, dort war das Büro des NKWD, dort habe ich ihn getroffen. Wir haben uns über das Wiedersehen sehr gefreut.


‚Kann ich dir helfen, fragte er mich?’ Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht in Wien bleiben werde. Dann habe ich ihm aber die Geschichte vom Hausbesorger und dem Mann, der uns aus unserer Wohnung getrieben hatte, erzählt.
‚Wenn du dich in meinem Namen revanchieren kannst, mach das.’
Was er gemacht hat, weiss ich nicht. Aber er wird etwas gemacht haben.
Ich wollte nicht länger in Wien bleiben, ich konnte mir das alles nicht mehr anschauen.

Die Rückreise nach Theresienstadt war auch sehr abenteuerlich. Zuerst fuhren wir mit einem gemieteten Auto über die Grenze bei Ludenburg. Das war auch illegal, denn die Grenzen waren alle gesperrt. Und dann haben wir es nach Prag geschafft und von Prag nach Theresienstadt. Meiner Mutter habe ich gesagt, dass Wien nichts für uns ist.
‚In Wien haben wir nichts mehr zu suchen. Was wir zurücklassen mussten, haben wir für immer verloren.’

Inzwischen hatten wir durchs Deutsche Rote Kreuz Kontakt zu meiner Schwester in Palästina. Prochnik ist dann zu uns gekommen und hat uns gesagt, es bestehe eine Möglichkeit, nach Palästina zu kommen. Er habe Kontakt aufgenommen mit dem Joint in Paris.

Man könne eine Gruppe aus Theresienstadt in die amerikanische Zone nach Bayern bringen, ob wir Interesse hätten. Ich war sofort damit einverstanden, denn ich wusste, dort’n, wo die Russen sind, kann man nicht auswandern. Das war unmöglich! Von Wien konnte man nicht auswandern, alles war gesperrt. Auswandern konnte man aus dem Gebiet, wo die Amerikaner waren. Das hatte ich schon bald erfahren.

Die Amerikaner haben sehr geholfen. Die Russen haben auch viel geholfen, aber sie hatten nicht die Möglichkeit, sie haben selbst nichts gehabt, sie waren selbst verhungert. Der Prochnik hat uns dann wirklich die Möglichkeit gegeben, nach Bayern auszureisen. So sind wir in das DP-Lager nach Deggendorf gebracht worden.

Der Transport ging über Pilsen mit der Bahn bis nach Deggendorf. Das ist nicht allzu weit entfernt. In Deggendorf war eine alte Kaserne der Wehrmacht. Dort hatte man das Lager errichtet. Ich besitze noch die Listen von allen Leuten, die nach Deggendorf kamen, viele ehemalige Wiener aus Theresienstadt und sehr viele Deutsche sind dabei.

  • Deggendorf

In Deggendorf  hatten wir eine sehr schöne Zeit, vier Jahre blieben wir dort. Ich habe begonnen zu arbeiten, am Anfang für die Hilfsorganisation UNRRA der United Nations Relief and Rehabilitation Administration, später übernahm die IRO [Internationale Flüchtlingsorganisation (engl. International Refugee Organization)] diese Arbeit und dann arbeitete ich für den Joint [JDC - volle Bezeichnung: American Jewish Joint Distribution Committee, Kurzform Joint, ist eine seit 1914 vor allem in Europa tätige Hilfsorganisation US-amerikanischer Juden für Juden].

Ich wohnte mit meiner Mutter zusammen in einem großen Zimmer in der Kaserne.

Wir haben schön gewohnt, ich hatte einen guten Job, ich hatte meine Mutter und ein paar Freunde. Es gab dort einen Motorpool. Mit den Autos der UNRRA haben wir alles transportiert, was die Leute im Lager brauchten. Und wir haben die Autos in ‚Schuss gehalten’. Später war ich dann noch verantwortlich für einen größeren Motorpool beim Joint in Straubing, noch später habe ich in München-Schleißheim gearbeitet für den Joint.

Ich hatte dann ein Auto, einen Jeep. Benzin bekam ich wie viel ich wollte und konnte herumgefahren in Deutschland. Damals war es noch nicht möglich nach Israel einzureisen. Der Staat Israel wurde erst 1948 gegründet, und man konnte erst 1949 legal einwandern. Mein Job war gut, und ich habe gut verdient.

Mit meiner Schwester und meinem Freund Harry Linser, der 1946 illegal nach Palästina eingereist war, später einen guten Posten bei EL AL innehatte, standen wir die ganze Zeit im Kontakt. Harry, der auch in Theresienstadt gewesen war, war ein großer Sportler.

Er hatte es geschafft, 1946 aus Wien illegal nach Palästina auszuwandern. Er lebt noch heute hier. Er schriebuns damals: eilt euch nicht, ihr braucht noch nicht kommen, ihr habt noch ein biss’l Zeit. Die meisten der Freunde, mit denen ich die ganze Zeit zusammen war, später auch die Freunde in Deggendorf, sind nach Amerika ausgewandert. Man konnte von Deggendorf leichter nach Amerika auswandern, als in andere Länder.

Georg Gottesmann, der nach Gauting gebracht worden war, damit er geheilt wird, ist dann, nachdem wir erfahren hatten, dass seine Mutter und seine Schwester überlebt hatten, von München über Salzburg nach Wien zurückgegangen. Aber er ist nicht in Wien geblieben. Er ist dann nach Amerika ausgewandert.

Dort hatte einen Verwandten, das war der Otto Preminger 29. Er war Regisseur des Films Exodus. Georg hat dann auch beim Film gearbeitet. 1953 war er in Tel Aviv und hat an der ersten Maccabiade [Anm.: jüdische Olympiade] teilgenommen.

Georgs Schwester Thea war eine Jugendfreundin von mir, auch noch in Theresienstadt. Sie war ein fesches Mädel, alle Buben sind ihr nachgelaufen. Ich bin noch heute mit ihr in Kontakt. Sie lebt in Amerika. Sie ist wie meine Schwester. Das ist das Schöne, alle Leute, die damals zusammen waren, sind wie Brüder und Schwestern.

Mein Freund Shalom Berger war ein hübscher Bursch, hat Ghetto und KZ überlebt, war mit mir in Deggendorf im DP-Lager, war ein sehr intelligenter Junge, hat in der Zeitungsredaktion gearbeitet, die wir herausgegeben haben, hat beim Joint gearbeitet und in Amerika noch ein Doktorat gemacht.

Dann hat er sich wegen einer Frau umgebracht. Das ist doch schrecklich! Wieso weiss ich das? Der Direktor der Universität hat meine Adresse bei ihm gefunden, weil ich mit Shalom korrespondiert hatte. Da hat er uns das geschrieben.

Im Mai 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen. Natürlich war es damals ziemlich schwer, es war ja nichts da. Es war ein ganz armes Land. Die Engländer haben wenig zurückgelassen und hatten auch nicht allzu viel Geld investiert. Sie haben höchstens herausgeholt, was man hier rausholen kann. Die Engländer waren keine guten Kolonialherren.

  • Israel

Meine Mutter und ich kamen aus Deutschland mit einem Schiff hierher. Wir sind nach Marseille mit der Bahn gefahren. Und in Marseille waren wir ein, zwei Wochen in einem kleinen Lager. Das war so ein Umschlaglager. Und von dort aus hat man uns zum Schiff gefahren. Wir sind mit einem israelischen Schiff unter einer israelischen Flagge gefahren.

Natürlich war das für uns das erste Mal, dass wir so ein Schiff gesehen haben, mit einer großen israelischen Flagge. Wir hatten sogar Kabinen, und wir haben Essen bekommen. Das war eine herrliche Reise! Das war wirklich eine wunderschöne Reise. Wir waren alle, das waren ungefähr 1 000 Menschen auf dem Schiff, sehr, sehr gespannt.

Die Reise hat ungefähr fünf Tage gedauert. In der letzten Nacht haben wir schon nicht mehr geschlafen. Wir haben getanzt: jeder wollte Haifa sehen, wenn es auftaucht. Um fünf Uhr in der Früh haben wir uns der Küste genähert. Von weitem haben wir die Lichter gesehen. Das war ein großer Augenblick, ein wunderbarer Anblick!

Wir sind langsam nähergekommen, und dann in die Bucht gefahren. Das Schiff fuhr zur Landestelle, und wir sind ausgestiegen.

Wir haben Haifa von unten gesehen, den Karmel, die schönen Häuser! Für uns war das etwas Unfassbares. Viele Häuser in Haifa sind im Bauhaus-Stil gebaut. Die Engländer hatten sehr viel in der Nähe vom Hafen, den sie gebaut hatten, investiert. Die ganze Hafengegend war voll von englischen Büros, welche mit den Schiffen zu tun gehabt hatten.

Als wir vom Hafen abgeholt wurden, haben wir Formulare ausfüllen müssen und jeder hat ein Einwanderungszertifikat bekommen. Und in diesem Augenblick war jeder, der das Zertifikat bekommen hatte, israelischer Staatsbürger. Dann hat man uns zu Autobussen gebracht, die sind unten gleich beim Hafen gestanden.

Das waren eine Menge Autobusse. Man brachte uns in das Einwanderungslager Sankt Lux. Unter diesem Namen war es bekannt. Das war früher ein ganz riesiges großes Camp der Britischen Armee. Nachdem die Briten abgezogen waren, haben die Israelis daraus ein Einwanderungscamp gemacht.

Es gab sehr viele Baracken, da konnte man leicht die Leute unterbringen. Später wurde es umbenannt in Sha'ar haAliya [Tor zur Alija (Einwanderung)]. Heute kann man davon nichts mehr erkennen, es existiert nicht mehr.
Jeder hat seine Baracke bekommen. Ich habe mit meiner Mutter zusammen gewohnt.

Aber ich wollte unbedingt zu meiner Schwester. Ich hatte ihre Adresse, und ich hatte englische Pfund von meinem Cousin, den ich in Deutschland kennengelernt hatte. Dem war es gelungen 1944 über Rumänien illegal nach Palästina einzuwandern. Er ist dann aber 1946 nach Deutschland zurückgefahren.

Er wollte damals Business machen. Das ging zu dieser Zeit hier sehr schlecht. Wir hatten uns in Deutschland getroffen. Er hatte schon Geld, hat uns auch immer mit Geld unterstützt, wenn wir welches gebraucht haben. Meine Schwester hatte nach Deutschland geschrieben, dass wir verschiedene Sachen mitbringen können. Wir haben einen Kühlschrank gebracht, und da mein Schwager Tischler war, haben wir Maschinen für seine Tischlerei gekauft. Wir durften alles zollfrei mitnehmen. Wir haben es in Deutschland aufgegeben und hierher geschickt.

Ich hatte Taschengeld und habe mir erklären lassen, wie ich nach Hadera komme. Ich bin dann aus dem Lager mit einem Sammeltaxi bis Hadera gefahren und hab dort die Adresse meiner Schwester gesucht. Es war damals sehr heiß, ich erinnere mich, es war der 6. Juli 1949. Sie wohnte sehr weit von der Hauptstrasse entfernt.

Das Haus war wie eine Baracke, ein halbes Haus. Es gab kein elektrisches Licht, die Toilette war außerhalb, Wasser auch. Man musste damals Eis kaufen für den Kühlschrank, und kochen musste man mit Petroleum, das war hier alles wirklich sehr, sehr primitiv.

Sie hat dort mit ihrem Mann und mit ihren zwei Töchtern gewohnt. Unsere erste Begegnung ist schwer zu beschreiben. Ich habe sie durch die Fotos, die sie uns nach dem Krieg nach Deggendorf geschickt hatte, sofort erkannt. Es war eine sehr große Freude, sehr berührend.

Sie hatte mich verlassen, da war ich noch ein kleiner Bub, gerade sechs Jahre alt. Und ich kam zu ihr als junger Mann, das ist schwer zu beschreiben.


Dann habe ich meinen Schwager kennengelernt, nur Bilder hatten wir gesehen. Er hat sehr, sehr schwer gearbeitet damals, sie mussten in Hadera beginnen mit gar nichts. Damals war eine schwere Zeit, Geld zu verdienen war sehr schwer. Aber mein Schwager hatte eine gute Arbeit gefunden.

Für die Neubauten hat man aus Holz das Gerüst gemacht, und dann hat man Ziegel draufgelegt für die Dächer. Das Gerippe war aus Holz. Damit hat er begonnen. In der Sonne auf den Dächern arbeiten war sehr schwer. Aber er war ein sehr fleißiger Mann. Nach zwei Tagen bin ich mit meiner Schwester nach Sankt Lux zu meiner Mutter gefahren.

Meine Schwester war sehr unzufrieden, dass wir dort wohnten. Und sie hat nicht weit von sich entfernt ein Zimmer mit einer kleinen Küchenecke für uns gemietet. Nach zwei Wochen sind wir übersiedelt. Jeder Neueinwanderer hat damals von der Jewish Agency ein Eisenbett, eine Decke, eine kleine, leichte Matratze und irgendein paar kleine Sachen bekommen.

Das Geld für diese Sachen musste man später zurückbezahlen. Das habe ich nicht gewusst. Wir haben unterschrieben, und man hat uns die Sachen gegeben. Das Eisenbett hat man am Anfang gebraucht, aber später hat man das alles nicht mehr gebraucht.

Meine Mutter und ich haben dann besser gewohnt als meine Schwester. Wir hatten Licht, die Toilette war drinnen und das Wasser auch. Als meine Mutter gesehen hat, wie meine Schwester wohnt, war sie ganz erschüttert. Wir kamen doch aus Europa. Das war so ein enormer Unterschied. Es war sehr schwer für sie zu begreifen, dass meine Schwester so arm leben musste.

Also hat meine Mutter immer gesagt, ihr müsst was machen, da könnt ihr nicht bleiben. Mein Schwager hat dann eine Anleihe aufgenommen, und er hat Boden gekauft, und dann hat er langsam begonnen, ein kleines Häuschen zu bauen. Ich hatte damals schon etwas Geld verdient, das hab ich ihnen gegeben.

In zwei oder drei Jahren hat er das Haus gebaut. Sie sind dann übersiedelt, bevor noch alles fertig war, es gab noch keinen Strom. Aber sie haben besser gewohnt, als vorher. Das Haus ist dann wirklich schön geworden, im Garten standen sogar Orangenbäume. Das Haus existiert noch heute, meine beiden Nichten Ruth und Pessy haben es geerbt.

Jeden Samstag bin ich mit meiner Mutter zu der Familie meiner Schwester gefahren.

Aber ich hab gesehen, Hadera, eine Stadt, die schon aus der Zeit von Rothschild war, war eine tote Stadt. Es gab kein Leben, es hat sich nichts verändert. Dort wollte ich nicht bleiben. Das war nichts für mich. Ich kannte eine junge Frau und ihre Freundin aus Theresienstadt, die meine Freunde und ich mit falschen Papieren nach Deggendorf geschmuggelt hatten. Sie waren Polinnen, aber sie haben auch Russisch gesprochen.

Sie hatten sich freiwillig zur Roten Armee gemeldet und unter General Shukow 30, in der Roten Armee als Krankenschwestern, gedient. Die eine hat dann beim Joint als Krankenschwester gearbeitet und einen polnisch jüdischen Zahnarzt, der in Frankreich studiert und gelebt hat, kennengelernt.

Ich hatte gehört, dass er nach dem Krieg in Frankreich bei der OSE [Obschtschestwo Sdrawoochranenija Jewrejew], einer jüdischen Hilfsorganisation, zu arbeiten begonnen hatte. Und ich hatte gehört, dass sie nach Israel eingewandert waren, denn diese OSE hat eine Zweigstelle hier in Israel aufgemacht.

Und ich hatte außerdem gehört, dass er mit einer fahrbaren Zahnklinik nach Israel gekommen war. Zu der Zeit haben sie jemanden gesucht, der mit dem Zahnarzt, Edek Fisher hat er geheißen, arbeiten wollte. Da ich in Deutschland beim Joint gearbeitet hatte, war ich ihnen bekannt, und sie haben mich dort gemocht und mich engagiert.

Also hab angefangen, bei denen zu arbeiten. Dieser Autobus kam mit einem Schiff. Alles war eingebaut, die Geräte, ein Generator und ein großen Tank für Wasser. Das heisst, man konnte arbeiten, wo man wollte. Wasser haben wir bekommen, das habe ich immer angefüllt, Benzin konnte man kaufen bei den Tankstellen, den Generator haben wir gehabt, und im Auto haben wir geschlafen. Wir hatten dort zwei Betten, eines über dem anderen. Wir sind von einer Stadt zur anderen gefahren.

Ich hab also begonnen, als Zahntechniker-Gehilfe zu arbeiten. Natürlich war das alles neu für mich. Ich hab gelernt, Plomben zu machen und habe dem Dr. Fisher sehr geholfen. Wir sind in Schulen gefahren und haben den Kindern die Zähne in Ordnung gebracht.

Wir sind in alle Gegenden gefahren, wo vorher die Araber gewohnt hatten, und nach dem Befreiungskrieg sich viele Immigranten niedergelassen hatten; zum Beispiel nach Ramlet oder nach Be'er Scheva. Dort entstanden natürlich auch Schulen. Das war ein riesiges Auto, und ich konnte gut Auto fahren, denn ich war ja viel in Deutschland gefahren.

Überall sind wir hingefahren und haben die Zähne jeden Kindes durchkontrolliert, und wer eine Plombe gebraucht hat, hat sie gleich bekommen. In Be'er Scheva, waren wir zum Beispiel eine ganze Woche. Ich war damals das erste Mal in Be'er Scheva. Alles war für mich neu. Be'er Scheva war damals eine Beduinenstadt. Dort waren drei oder vier Straßen und sechs Querstraßen.

Das war alles. Das war Be'er Scheva. Damals war Waffenstillstand. Man durfte nicht sehr nahe an die jordanische Grenze fahren, weil das noch gefährlich war. Es gab immer sehr viele Überfälle, auch in in Be'er Scheva. Man hatte uns gewarnt, wir mussten immer sehr vorsichtig sein. Heute ist Be'er Sheva eine Stadt von fast zweihundertfünfzigtausend Menschen.

Diese Hilfsorganisation hat dann begonnen, Heime für Mütter zu bauen. Die Mütter haben dort gelernt, wie man Kinder waschen muss, wie man sie erziehen muss. Und es entstanden Erholungsheime, auch diese Erholungsheime haben wir betreut. In einem dieser Heime habe ich meine Frau kennengelernt.

Sie hat dort als Pflegerin gearbeitet. Sie hat mir sofort gefallen. Später hatte sie dort’n einen anderen Job. Sie ist dann nach Ben Shemen gegangen, dort gab es eine Kinderrepublik, die Dr. Siegfried Lehmann in den 1930er Jahren gegründet hatte. Das Kinderdorf war für Waisenkinder und Kinder von Neueinwanderern.

Die meisten hatten keine Eltern mehr, die waren umgekommen, und die Kinder sind übriggeblieben. Für die Älteren gab es eine landwirtschaftliche Schule, Shimon Peres 31 wurde dort ausgebildet. Die Kinder und Jugendlichen haben wie im Kibbuz gelebt. Meine Frau war dort Erzieherin. Sie hatte eine Gruppe von Kindern auf die sie aufpassen musste. Dass die Kinder angezogen sind, dass sie alles bekommen, dass sie die Schulaufgaben machen.

  • Meine Frau Schoshana

Meine Frau Shoshana, geborene Riesenberg, ist 1924 in Milnica geboren. Milnica gehörte bis 1918 zu Galizien, das zu Österreich-Ungarn gehörte und nach dem 1. Weltkrieg zu Polen. Ihr Vater war sehr früh gestorben. Nach dem Hitler-Stalinpakt 32 im August 1939 wurde Milnica den Russen zugesprochen.

Die Deutschen und die Russen haben sich damals Polen geteilt. Heute gehört die Stadt zur Ukraine.

Im Jahre 1939 war meine Frau 15 Jahre alt. Sie hat, als die Russen das Gebiet besetzt hatten in der Schule auch Russisch gelernt. Als der Überfall der Deutschen im Sommer 1941 auf die Sowjetunion begann, sind die die Russen geflüchtet und die Deutschen in Milnica einmarschiert. Zuerst gab es Massenerschießungen an Juden.

Die Übriggebliebenen wurden weiter östlich in ein riesengroßes Ghetto deportiert, wo sehr viele von ihnen an Hunger und Krankheiten starben. Shoshanas Mutter wurde von einer Familie versteckt. Die Deutschen haben sie gefunden, und man hat sie und die Leute, die sie versteckt hatten, umgebracht. Meine Frau und ihre Schwester Sonja waren in dem Ghetto.

Als die Deutschen begannen, das Getto zu liquidieren, sind meine Frau mit ihre Schwester in einen Wald gelaufen. Dort sind große Wälder. In dieser Gegend fanden sie bei einem Ukrainer, bei dem schon eine jüdische Familie versteckt, war, Unterschlupf. Der Ukrainer hat sich dafür bezahlen lassen, aber er hat sie nicht verraten und ihnen das Leben gerettet.

Als die Russen kamen, waren sie frei. Wenig später sind sie aus Polen mit einem Transport nach Deutschland in das DP-Lager Neu-Freimann in München. Freimann ist ein Stadtteil von München. Im Januar 1949 ist meine Frau nach Israel eingewandert, ihre Schwester und ihr Mann, den sie in Polen kennengelernt hatte, sind nach Kanada ausgewandert.

Meine Frau hatte noch einen Bruder. Zwi war, als die Deutschen kamen, mit den Russen nach Russland geflohen, hat in der Roten Armee gedient, dann in der polnischen Armee. Auch er hat den Krieg überlebt. Er ist nach dem Krieg illegal nach Israel eingewandert.

Zwi hat die größte polnische Auszeichnung von General Jaruzelski überreicht bekommen. Einmal war Shimon Peres in Polen bei General Jaruzelski, der ihn fragte, ob er Zwi kenne. Peres ließ Zwi dann über die Presse suchen. Zwi war, als er mit der Armee 1945 in Berlin war, sie einen kleinen Flugplatz erobert hatten, und die Deutschen eine Gegenoffensive starteten, der einzig Überlebende, der den Flughafen erfolgreich verteidigte.

Shoshana und ich haben 1955 geheiratet.

Ich hab also bei der OSE weitergearbeitet. Und dann hatte die OSE nicht mehr genügend Geld, und wir konnten nicht mehr mit dem Zahnarztwagen fahren. Ich habe mir einen anderen Job gesucht und fand einen bei Malben. Malben war die Hauptinstitution des Joint in Israel.

Es hat ein Netzwerk von Rehabilitationszentren, Krankenhäusern und Heimen für alte Menschen und behinderte Einwanderer aufgebaut. Dort arbeitete ich zehn Jahre. Im Jahre 1969 übergab der Joint alle Malben-Einrichtungen der Regierung und konzentrierte seine Bemühungen darauf, existierende soziale Dienste durch Zusammenarbeit mit der Regierung zu verbessern.


Ich begann in einem Spital nicht weit von Tel Aviv als ‚Mädchen für alles’ zu arbeiten. Das war ein Spital für chronisch Kranke und für ältere Leute. Ich war dort der Einkäufer für Gemüse und alles mögliche Andere. Ich hab den Job bekommen, weil der Direktor von Malben, der dort Personalchef war, ein Tscheche, ein gewisser Dr. Benesch, mit mir in Theresienstadt war. Er hat mich nicht gekannt, aber er hat es gewusst.

Die Wohnung meiner Mutter in Hadera hatte nur ein Zimmer. Ab 1953, damals war Golda Meir 33 Arbeitsministerin, hat man in Israel begonnen, Genossenschaftswohnungen zu bauen. Man brauchte nur verhältnismäßig wenig einzuzahlen, um zu so einer Wohnung zu kommen. Das habe ich gemacht.

Im Lager in Deggendorf hatte ein Mann gelebt, Schlomo Stendel hieß er, der eine Art Kibbuz an der Donau aufgebaut hatte. Dort hatte man begonnen, junge Juden als Matrosen auszubilden. Er war der Leiter dieser Jugendlichen. Später ist er nach Israel ausgewandert. Ich hatte ihn aus den Augen verloren.

Er war dann in Israel verantwortlich für die Registrierung dieser Genossenschaftswohnungen. Ich bin zu ihm gekommen, hat er mich gesehen, und durch ihn war ich einer der ersten, die so eine Wohnung bekommen haben. Das ist Eigentum, aber das war sehr billig. Wir haben, glaube ich, zweihundert Pfund bezahlen müssen. Damals gab es noch Pfunde und die Hypothek waren tausendsechshundert auf zwanzig Jahre. Es war eine wunderbare Wohnung.

1956 unsere Tochter Nava in Kfar Saba zur Welt gekommen, 1959 wurde unser Sohn Moshe in Jaffa geboren.

Wir haben acht oder neun Jahre da gewohnt, zum Teil mit meiner Mutter zusammen. Dann habe ich wieder beim Joint gearbeitet, da, konnte ich die Hypothek zurück zahlen. Zu dieser Zeit begannen auch die Restitutionszahlungen aus Deutschland und für viele Menschen in Israel wurde dadurch das Leben etwas leichter.

Bevor wir hier eingezogen sind, habe ich meiner Mutter eine eigene Wohnung in Givatayim gekauft. Ich habe für sie, nachdem mein Vater umgekommen war, einen Antrag auf Zahlungen aus Deutschland gestellt, und meiner Mutter wurde dieser Antrag von den Deutschen bewilligt. Und  schon von den ersten Zahlungen haben wir ihr einen Kühlschrank gekauft. Ein Kühlschrank war eines der wichtigsten Sachen. Man hat diese Kühlschränke hier produziert, aber man musste sie mit Dollar bezahlen.

Die Atmosphäre im Land war, trotz der Armut und der vielen Probleme, gut. Wir hatten viele Freunde. Das war ein komisches Land: die Eltern haben von den Kindern die Sprache gelernt, nicht umgekehrt. Ich hab erst begonnen Hebräisch von meinen Kindern zu lernen. Meine Frau hat gut Hebräisch gesprochen.

Sie hatte schon in der Schule Hebräischunterricht, also konnte sie dolmetschen. Ich konnte mich ein biss’l verständigen, aber Hebräisch sprechen konnte ich nicht. Und da, wo wir gewohnt haben, haben auch viele Leute, ehemalige Juden aus Deutschland und aus Österreich, gewohnt.

Wir haben uns immer getroffen, und wir haben uns unterhalten, alle Feste haben wir zusammen gefeiert und Ausflüge gemacht. Das war wirklich eine richtig große Familie. Die ganze Umgebung! Das war sehr schön. Wir waren nicht reich, aber wir haben alles gehabt.

Zum Beispiel jeden Freitag haben wir uns getroffen, jeder hat etwas zu essen mitgebracht. Es gab noch nicht genügend Lebensmittel. Gemüse und Obst gab es viel, Brot war spottbillig, aber richtige Sachen hat es nicht gegeben. Und am Anfang war viel rationiert. Zucker und Öl waren rationiert. Später, 1953 hat das schon aufgehört.

Ich habe auch Leute wieder getroffen, von denen ich nicht gewusst hatte, dass sie überlebt haben. Einmal, bei einer Autobusfahrt, sehe ich, dass der Chauffeur eine Nummer am Arm hat. Ich schaute ihn an und sagte zu ihm:
‚Wir sind doch schon mal nebeneinander gestanden.’ Er schaute mich an:
,Was machst du da?'
Wir waren wirklich beide zusammen in Polen. Wir haben uns getroffen, er hat nämlich, glaub ich, 50 Nummern mehr gehabt als ich. Sein Name ist Refisch. Luster und Refisch standen im KZ 50 Nummern voneinander entfernt. Es hat sich dann herausgestellt, dass er auch in Givatayim wohnt, so wie ich. Wir haben uns oft getroffen - noch heute bin ich mit ihm in Kontakt. Seit langer Zeit lebt er in England. So war das, Leute haben sich wiedergefunden.

Aber was ich auch sagen will, zu Beginn haben sich die Sabres, also die Leute, die hier geboren waren, uns gegenüber nicht schön benommen. In ihren Augen waren wir Feiglinge; ‚Warum habt ihr euch nicht verteidigt? Ihr seid wie die Schafe zur Schlachtbank gegangen.’ Das haben sie nicht verstehen können.

Deswegen hatten wir auch wenig Kontakt mit den Sabres. Sie haben auf uns herabgeschaut. Unsere Geschichten haben sie überhaupt nicht interessiert. Das wollten sie gar nicht wissen. Sie haben gesagt, ihr seid wie die die Schafe gegangen, ihr seid Feiglinge.

Was wirklich passiert war, haben sie nicht begriffen. Erst 1961, während des Eichmann-Prozesses, haben sie begonnen, uns zu verstehen. Da ist der große Umschwung gekommen, da haben sie angefangen, sich wirklich zu interessieren.
An einem Tag hatte ich Gelegenheit beim Eichmann-Prozess dabei zu sein.

Es war sehr schwer, Karten zu bekommen. Der Prozess fand im Volkshaus in Jerusalem statt. Das erste, was mich unheimlich beeindruckt hat, es wurde im Radio übertragen, war die Anklagerede von Gideon Hausner, dem Staatsanwalt.

Er hat eine Stimme gehabt, da hat man eine Gänsehaut bekommen. Wie er gestanden ist und gesagt hat:

‚ich klage Sie an und spreche hier im Namen von sechs Millionen Juden.’ Ich hab das sogar auf Band aufgenommen.

Es gibt viele, die erzählen, sie wären Eichmann vor der Vernichtung der Juden persönlich begegnet. Das glaube ich nicht. Niemand ist an ihn rangekommen Keiner hat ihn persönlich gesehen, man kennt halt sein Gesicht. Von der Wiener Kultusgemeinde stand der Murmelstein mit dem Eichmann in Verbindung und der Löwenherz 34.

Sie hatten die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen. Und ich weiß, dass unser Aron Menczer mit ihm gesprochen hat. Zuerst ging es ja um Vertreibung der Juden und um den Diebstahl all ihren Besitzes. Dann ging es um Mord. Ich habe ihn an diesem einen Tages während des Prozesses gut sehen können, der Saal war nicht allzu groß.

Er saß in der Kabine, man hatte Angst, dass ihn jemand erschießen wird. Ein deutscher Anwalt hat ihn verteidigt. Aber es hat ihm nicht geholfen. Der einzige Mensch, der hier in Israel aufgehängt worden ist, ist der  Eichmann, man hat seine Asche nachher über das Meer verstreut.

Meine Mutter hat dann von ihrem Bruder Jaques aus Amerika, der 1914 aus Galizien ausgewandert war, Briefe bekommen. Er wollte sie sehen und hat ihr ein Flugticket gekauft. Aber sie brauchte einen Pass, und den Pass konnte sie erst bekommen, wenn ich die Kaution für die Eisenbetten, die uns zu Beginn unseres Lebens in Israel zur Verfügung gestellt worden waren, bezahlt habe.

Ich hatte ja damals einen Wechsel unterschrieben. Nachdem ich alles bezahlt hatte, bekam sie einen Pass. 1956 ist dann meine Mutter nach Amerika geflogen. Ihr Bruder lebte in Brooklyn und arbeitete als Kellner. Damals, als wir noch in Wien waren, hat er uns wirklich nicht helfen können, Onkel Benjamin und seine Familie hat er retten können, aber für alle hat es eben nicht gereicht.

Leider haben sich meine Mutter und ihr Bruder nicht sehr gut verstanden, sie hatten sich nicht mehr allzu viel zu sagen. Aber sie hatten sich noch einmal gesehen. Nach einigen Wochen in Amerika kam meine Mutter zurück.

Meine Mutter konnte sich überall zu Recht finden, auch in Israel. Sie war nach ihrem Besuch bei ihrem Bruder in New York zufrieden, wieder zu Hause zu sein. Später war ich mit meiner Mutter noch einmal in Europa, ich glaube, das war 1958.

Wir sind mit dem Schiff nach Triest gefahren, und dann mit der Bahn nach Wien. In Wien haben wir eine Bekannte besucht, mit der hat meine Mutter korrespondiert hat. Sie hatte meine Mutter eingeladen. Sie war eine ehemalige Nachbarin, eine Jüdin, die verheiratet war mit einem Nicht-Juden.

Dadurch konnte sie in Wien überleben. Meine Mutter hat bei ihr gewohnt. Das war im 2. Bezirk, in der Franz-Hochedlinger-Gasse. Ihr Mann war Schneider. Sie war Kommunistin, eine sehr starke Kommunistin. Früher hatten wir immer über Politik diskutiert.

Meine Mutter hat sich in Wien aber nicht besonders gut gefühlt. Wir sind auch zu unserer alten Wohnung gegangen. Wir waren auch auf dem Friedhof, meine Mutter hat dort ihre Mutter besucht. Nach kurzer Zeit hatten wir genug und sind zu meinem Cousin Bernhard Westreich nach Brüssel gefahren. Mein Cousin war Diamanthändler. Er hatte den Krieg versteckt mit falschen Papieren in Budapest überlebt. Seine Eltern sind in einem Ghetto nahe Brzesko, wo sie gelebt hatten, umgekommen.

Die Zeit mit ihm war eine herrliche Zeit. Er hat uns dort die schönsten Plätze gezeigt, wir haben die besten Sachen gegessen, das war eine einmalige Sache. Wir waren vielleicht zwei Monate in Belgien, dann sind wir wieder zurück nach Hause gefahren - zurück nach Israel. Bernhards Frau und seine drei Kinder, ein Sohn und zwei Töchter leben in Belgien. Bernhard starb, ich glaube im Jahr 2008.

Ich glaube, Ende der 1950er Jahre habe ich dann eine Reise mit meiner Frau nach Amerika gemacht. Wir sind mit dem Schiff von Haifa bis nach Amerika gefahren. Bis nach New York. Das war eine der schönsten Reisen, die ich nie vergessen werde. Die Reise dauerte 20 Tage, das Schiff war die ‚Shalom’.

Einer meiner Freunde war Manager in New York von El Al, bei dem haben wir gewohnt. Ich habe dort alle meine ehemaligen Freunde, die nach dem Krieg nach Wien gegangen und von Wien nach Amerika ausgewandert waren, wieder getroffen. Wir waren dort einen Monat und hatten eine sehr, sehr schöne Zeit mit den Freunden.

Dann sind wir mit dem Autobus zu der Schwester meiner Frau nach Kanada, nach Toronto, gefahren. In Toronto hatten sie und ihr Mann ein Lebensmittelgeschäft, indem sie gearbeitet hat. Als ihr Mann starb, ist sie uns öfters in Israel besuchen gekommen.

Dann habe ich meinen Job verloren, weil das Gesundheitsministerium sich entwickelt und die Spitäler übernommen hat. Das waren dann alles Regierungsspitäler. Der Joint wollte diese Aufgabe sowieso loswerden. Die Regierung hatte dann ihre eigenen Leute.

Meine Mutter starb 1980 in Petach Tikva. Sie wurde 88 Jahre alt. Die letzten zwei Jahre ihres Lebens verbrachte sie in einem Elternheim in Ramat Gan. 

Ich hatte meine österreichische Staatsbürgerschaft behalten. In der österreichischen Botschaft in Tel Aviv arbeitete ein Mann, dessen Vater einer der Gründer der Hakoah war. Sein Partner war ein sehr weit entfernter Verwandter meines Onkels, der in Amerika gestorben war. Die Botschaft suchte damals gerade einen Chauffeur. Ich habe einen guten Eindruck auf sie gemacht und bekam diesen Posten. Das war ein wirklich guter Job. Ich hatte sehr gute Beziehungen mit allen österreichischen Botschaftern.

Da ich ein Holocaustopfer bin, hatten sie Respekt vor mir. Ich durfte sogar die österreichische Politik kritisieren. Die Botschafter und Botschaftssekretäre und Sekretärinnen haben hier gern gelebt, denn wenn man eine Zeit lang hier lebt, wirkt sich das stark aus. Sie waren hier sehr zufrieden. Und ich war auch sehr oft in Wien. Als ich bei der Botschaft gearbeitet habe, sind meine Frau und ich oft nach Wien gereist. Wir waren auch in Deutschland, und wir waren zusammen in Theresienstadt.

Durch die Arbeit in der Botschaft habe ich viel gesehen. Zum Beispiel 1967 während des Sechstagekrieges. Da war ich mit dem Auto in der Jerusalemer Altstadt, gleich wie die Armee hineingegangen ist. Und dann war ich auf den Golanhöhen, als die Israelis die Golanhöhen erobert haben.

Einmal, in den 1980er Jahren, sind wir nach Wien gefahren und von Wien zu meinem Cousin nach Brüssel gereist und dann mit meinem Cousin von Brüssel mit dem Auto nach Polen. Mein Cousin war in Krakau geboren und dort in die Schule gegangen. Er hat uns Krakau gezeigt. Wir haben in einem Hotel gewohnt und hatten Tag und Nacht Angst.

Angst vor den Polen und Angst vor den Kommunisten. Zu dieser Zeit, als wir Polen besuchten, regierten dort die Kommunisten. Mit meinem Cousin sind wir dann nach Auschwitz gefahren. Damals war ich das erste Mal nach dem Krieg in Auschwitz. Das war für uns sehr schwer. Er war das erste Mal in Auschwitz.

Er selber war nicht in Auschwitz, aber sein Vater war dort ermordet worden. Mein Cousin hatte am Auto eine Brüssler Nummer, ich eine Wiener Nummer. Und ich hatte einen Diplomatenpass durch meine Arbeit. Aber damals gab es noch keine diplomatischen Beziehungen zwischen Polen und Israel. Erst ab Februar 1990. 

Für mich war Auschwitz eine schwere Sache. Und meine Frau konnte sich eine Woche lang darüber nicht beruhigen, was sie in Auschwitz und Birkenau gesehen hatte. Es war schrecklich! Überhaupt fühlten wir uns in Polen nicht gut, wir waren sehr unsicher dort.

Meiner Tochter und meinem Sohn habe ich sehr spät über meine Vergangenheit erzählt. Bevor meine Kinder zum Militär gegangen sind, habe ich sie nach Wien gebracht. Ich wollte ihnen zeigen, wo ich hergekommen bin, wo einmal mein zu Hause war. Und da habe ich auch begonnen ihnen über mich zu erzählen.

Ich habe ihnen die Plätze gezeigt, wo die Verfolgungen stattgefunden haben. Auch meine KZ-Geschichte habe ich erzählt, aber nicht so gründlich. So richtig habe ich dann begonnen zu erzählen, als meine Enkelkinder größer geworden sind, als sie 14 Jahre alt waren, und wie viele israelische Kinder mit ihren Schulklassen nach Polen, nach Auschwitz, gefahren sind.

Nachdem ich sehr oft in Wien war, haben wir immer versucht, eine große nicht zu übersehende Gedenktafel für die zehntausenden Juden, die aus Österreich vom Aspangbahnhof im dritten Bezirk nach dem Osten deportiert worden sind, zu initiieren. Nachdem es dort fast nichts gibt, nur einem ganz unscheinbaren Gedenkstein.

Das hat mich immer sehr verdrossen. Bis zum heutigen Tag ist nichts passiert. Ich habe mit vielen Politikern darüber gesprochen, auch dem jetzigen Bundeskanzler Faymann und dem Stadtrat für Kultur und Wissenschaft Mailath-Pokorny habe ich anlässlich einer Zusammenkunft in der Residenz des österreichischen Botschafters in Tel Aviv gesagt, dass sie sich schämen sollen. Ich würde ein Mahnmal am Aspangbahnhof gern noch erleben.

Als meine Kinder jung waren, war Reisen für Israelis sehr teuer. Wenn man keine Verwandten hatte, bei denen man wohnen konnte, hat man sich das nicht leisten können. Ich konnte deshalb mit den Kindern reisen, weil ich einen Teil meines Gehalts auf ein Konto in Wien bekam. So waren sie recht früh in Europa, das war schon sehr schön, denn dadurch hat sich ihr Horizont sehr erweitert.

Meine Tochter Nava ist an vielen Dingen interessiert. Sie hat in Givatayim Architektur studiert. Sie mag aber die deutsche Sprache nicht und fühlt sich verständlicherweise in Österreich nicht sehr wohl. Meine Tochter ist mit Izchak Kedar verheiratet. Sein ursprünglicher Name ist Koronia, wie König. Seine Eltern stammen aus Istanbul.

Sie sind Nachfahren der Juden aus Spanien. Ihre Vorfahren, Urgroßeltern oder Ururgroßeltern waren aus Spanien in die Türkei geflüchtet. Weil mein Schwiegersohn bei der Polizei gearbeitet hat, musste er seinen Namen hebräisieren. Er hatte an seiner Uniform zwei Sterne. Die Sterne nennt man hier Falafel [Anm.: frittierte Bällchen aus Kichererbsen und Gewürzen]. Er war Oberst, jetzt ist er bereits in Pension.

Mein Sohn hat viele Jahre in Australien gelebt. Aber ich wollte nicht, dass er dort bleibt und meine Frau und ich haben ihn zurück geholt. Er ist nicht froh darüber, aber er ist da, und das ist wichtig. Mein Sohn hatte viele Freundinnen, hat aber nie geheiratet. Auch Kinder hat er keine. Jetzt ist er fünfzig. Aber vielleicht kommt noch mal die Richtige. Beruflich macht er Filme.

Nachdem ich aufgehört hatte zu arbeiten, habe ich mir eine Beschäftigung suchen müssen. Das war 1992. Ich habe mich mit Gideon Eckhaus verbunden, einem ehemaligen Wiener, der 1938, als 15 Jähriger, ganz allein nach Palästina geflüchtet war. Seine Mutter starb vor dem Holocaust, sein Bruder überlebte in den USA, sein Vater wurde in Auschwitz ermordet.

Er ist der Vorsitzende des Zentralkomitees der österreichischen Juden hier in Israel. Das Zentralkomitee beschäftigt sich mit Restitutionen, Pensionen und Staatsbürgerschaften für ehemalige österreichische Juden und deren Nachkommen. 1992 haben wir begonnen mit Österreich zu verhandeln, damit die Leute zu ihrem Recht kommen. In der Zwischenzeit ist viel passiert.

hat man den Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus gegründet und da hat Österreich den Vertrag unterzeichnet, 210 Millionen Dollar für das entwendete jüdische Vermögen zu bezahlen [Österreich sicherte im "Washingtoner Abkommen" zu, 210 Mio. US-Dollar für Opfer des Nationalsozialismus bereitzustellen und richtete zu diesem Zweck den Allgemeinen Entschädigungsfonds ein.

Dieser Fonds hat seit Aufnahme seiner Tätigkeit fast 21.000 Anträge mit rund 120.000 einzelnen Forderungen im Gesamtausmaß von 1,5 Mrd. $ bearbeitet.

Mittlerweile ist die Arbeit des Fonds fast abgeschlossen. 96 % der Fondsmittel sind ausgezahlt, Betroffene erhielten in der Regel zwischen 10 und 20 % der geltend gemachten Ansprüche. Anm.: aus dem Internet]. Außerdem hat der damalige österreichische Bundeskanzler Schüssel zugesichert, dass Österreich zum Beispiel Pflegegeld und Pensionszeitenanrechnung für vertriebene Juden aus Österreich, die jetzt in Israel leben, zahlen wird.

Da hatten und haben wir sehr viele Leute hier, die davon betroffen sind. Wir helfen diesen Leuten, dass sie zu ihren Pensionen kommen. Heute können in Österreich auch Kinder von Juden, die nicht in Österreich, sondern auf Mauritius, in Amerika oder in Israel geboren sind, einreichen und günstig Pensionen durch Nachzahlungen einkaufen.

Wir sind ein Komitee, bestehend aus zehn Leuten, das sich regelmäßig trifft. Unser Büro befindet sich in Tel Aviv, in der Levy Jitzchak Straße. Dieses Büro ist unser Eigentum, das hat Österreich finanziert. Im Büro arbeiten auch eine Sekretärin und eine Buchhalterin. Wenn Leute sterben, kommen andere und machen die Arbeit weiter.

Jeden Tag bin ich mehrere Stunden im Büro, freiwillig, wir nehmen kein Gehalt. Wir sind ein registrierter Verein, schreiben regelmäßig Berichte über unsere Arbeit und geben eine Zeitung heraus. Wir beraten gemeinsam, wir unterschreiben gemeinsam.

Wir werden finanziell von Österreich unterstützt und sind in guter Verbindung mit der österreichischen Botschaft in Tel Aviv. Ich habe natürlich besonders gute Verbindungen durch meine lange Arbeit bei der Botschaft. Ich kenne auch den jetzigen Botschafter. Wir sind sehr, sehr gut miteinander. Einer hilft dem anderen, und wir unterstützen uns gegenseitig.

Wir haben sehr vielen Leuten geholfen, die Leute sind sehr, sehr dankbar. Sie mussten sich Arbeitsjahre nachkaufen, damit sie ungefähr hundertachtzig Monate zusammen haben. Aufgrund der hundertachtzig Monate können sie nachher eine Pension bekommen. Die Pension ist nicht groß, es handelt sich vielleicht um eine Summe zwischen drei-, vierhundert Euro monatlich.

Aber was gut und wichtig ist: Sie haben eine Möglichkeit, wenn sie Gott behüte krank werden und hilfsbedürftig sind, einen Pflegezuschuss zu bekommen. Ich brauche oft die Hilfe aus dem Matrikelamt der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Und die bekomme ich. Da sucht mir der Herr Eckstein aus den alten Dokumenten viele Informationen heraus, und da kann ich den Leuten Auskunft geben.

Sie wollen wissen, wohin wurden ihre Verwandten deportiert, wo sind ihre Verwandten gestorben, wo sind sie begraben. Oder ich brauche Geburtsscheine. Früher war dort’n die Frau Weiss.

Da musste ich immer nach Wien selber fahren, um mir die Informationen zu holen. Jetzt ist mir leichter, jetzt rufe ich mehrere Male in der Woche an, und der Herr Eckstein kümmert sich sofort um alles. Heute, zum Beispiel, hab ich angerufen, eine Stunde später hatte ich schon die Geburtsscheine. Er sucht sofort und schickt mir alles per Email.

  • Die politische Lage in Israel

Ich bin der Meinung, dass die Grundlage für Israels Aufbau die Kibbuzim 34 geschaffen haben, die Kibbuzniks, sie waren die Pioniere. Das waren Sozialisten, das war die sozialistische Partei, die Mapai, die Arbeiterpartei. Bis 1973 haben sie die Mehrheit gehabt.

Und dann haben sie die Wahlen verloren. Jede Partei, die zu lange an der Macht ist, wird unbeliebt. Die Leute, die zu lange an der Macht sind, werden korrupt. Es darf nicht nur eine Partei regieren. Man muss immer tauschen. In unserem Land herrscht Demokratie, das ist wirklich sehr gut.

Die Mapai hat damals die Wahlen verloren, dann ist Menachem Begin 35 an die Macht gekommen. Begin war der größte Feind vom Ben Gurion 36, denn Begin war Revisionist und gehörte zur Jabotinsky-Partei 37. Die meisten Anhänger vom Begin waren sephardische Juden. In Israel leben sehr viele sephardische Juden.

Sie haben eine große Kultur gehabt in Marokko, in Ägypten, in der Türkei, überall. Aber sie bildeten keine Führungsschicht. Viele von den Sephardim sind abergläubisch, sind sehr fromm, sie glauben noch an alle möglichen Sachen, welche wir, die aus europäischen Ländern kommen, schon abgelegt haben.

Das größte Problem hat Israel mit den Palästinensern. Sie sagen, wir hätten sie von hier vertrieben. Das stimmt zum Teil. Aber ich denke, so ist das nun mal in der Welt. Zum Beispiel: sehr viele Deutsche haben in der Tschechoslowakei, im Sudetenland, gelebt.

Die wollten auch, nachdem die Tschechen sie nach dem 2. Weltkrieg zu Recht und zu Unrecht vertrieben hatten, zurückgekommen in ihre Heimat. Hat man denen was zurückgegeben? Nein! Nicht nur eine, sehr viele Generationen hatten bereits dort gelebt.

Die Palästinenser wollen nach Ramlet zurück, sie wollen nach Tel Aviv zurück und nach Jaffa. 1948, als sie hier weggelaufen sind, waren es nach heutigen Schätzungen 450 000 Araber. Heute sind sie zwei Millionen. Ihren Kindern haben sie eingeredet, sie seien hier geboren und das sei hier ihr zuhause.

Sie glauben, dass sie hierher kommen und sich alles nehmen können. Das wurde ihnen die ganzen Jahre lang eingetrichtert. Wir sind fünf Millionen Juden. Um uns herum sind Milliarden Araber. Wir können nur dagegen setzen, weil wir stark sind. Weil wir uns von hier nicht vertreiben lassen.

Es gibt ein Gebiet, das nennt man Wadi Ara. Wadi nennt man einen ausgetrockneten Flusslauf. Dieses Gebiet befindet sich auf dem Weg nach Afula, einer Stadt in der Jesreel Zone im Norden Israels. Es gibt von Tel Aviv aus einen schönen Weg dorthin durch die Berge, durch den Karmel.

Dort war so eine Armut, dass man sich das heute kaum noch vorstellen kann. Die Araber haben dort gelebt wie vor hundert Jahren. Wenn man heute dort durchfährt, sieht man schöne Häuser, und überall gibt es richtige Strassen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dort und zwischen dem restlichen Israel.

Es gab den Vorschlag, dass diese Araber zu den Palästinensern gehen, und wir werden die Gebiete austauschen. Das wollten sie unter keinen Umständen. Sie wollen nicht unter palästinensischer Herrschaft leben.

Die Araber in Jerusalem, die immer in der Altstadt gewohnt haben, die bekommen von Israel die Social Security. So etwas gibt es bei den Arabern nicht. Wenn einer alt ist, kann er in ein Altersheim, die Eltern bekommen für ihre Kinder Kindergeld, sie haben eine Krankenkasse, das haben sie alles in Israel bekommen.

Während des Befreiungskrieges 1948 verloren wir das jüdische Viertel der Altstadt in Jerusalem und den Osten der Stadt an Jordanien. Jerusalem blieb deshalb bis 1967 in das israelische Westjerusalem und das jordanische Ostjerusalem geteilt.

Die Juden waren vertrieben worden, das jüdische Viertel in der Altstadt zerstört, und der Zugang zur Klagemauer, dem heiligsten Ort des Judentums, blieb Juden fortan versperrt. Sie haben sogar geschossen, sie haben niemanden hingelassen. 1967, während des Sechstagekrieges, eroberten die israelischen Truppen das Gebiet zurück. Erstmals seit der Staatsgründung konnten Juden an der Klagemauer beten.

Aber Israel verweigerte den Muslimen nicht den Zugang zu ihren heiligen Stätten, sondern unterstellte den Tempelberg einer autonomen muslimischen Verwaltung. Das war vor 43 Jahren.

In der arabischen Altstadt von Jerusalem sieht man, dass Araber da leben und in der jüdischen Altstadt sieht man, dass Juden da leben. Man kann sich in der arabischen Altstadt frei bewegen, in die Geschäfte gehen, ohne irgendeine Angst zu haben. Die Altstadt hat nie so schön ausgesehen wie jetzt. Es gibt in der arabischen Altstadt ein österreichisches Hospiz.

Dieses Hospiz neben der Via Dolorosa wurde 1863 eröffnet. Kaiser Franz Joseph hat damals das Heilige Land besucht, als er zur Eröffnung des Suezkanals gefahren ist. Zur damaligen Zeit war Österreich eine Weltmacht. Damals haben sie fast Europa beherrscht.

Der Kaiser ist mit dem Schiff angekommen und dann mit dem Schiff zur Eröffnung des Suezkanals weiter gefahren. In Jaffa gab es zu dieser Zeit noch keinen Hafen. Da musste das Schiff draussen vor Anker gehen, und mit kleinen Booten wurden die Passagiere zum Hafen gebracht.

Da gibt's eine Geschichte dazu, die habe ich gelesen. Es war ein Sturm, und ein Araber ist mit seinem Boot losgefahren und hat den Kaiser nach Jaffa gebracht. Nachher hat ein Jude für ihn einen Brief an den Kaiser geschrieben, da hat der Araber eine lebenslängliche Rente bekommen.

Der Kaiser ist dann mit einer Kutsche bis nach Jerusalem gefahren, wo je ein Vertreter aller Religionen, die dort gelebt haben, ihm die Ehre erwiesen haben. Die Moslems haben ihm dort in die Moschee geführt, und die Christen haben ihn in die Grabeskirche geführt. In der Grabeskirche gibt es eine extra Abteilung der österreichischen Katholiken. Ein jüdischer Rabbiner lud den Kaiser in eine große Synagoge. Und nachdem die Zeremonie beendet war, fragte der Kaiser den Rabbiner:
‚Warum hat diese Synagoge kein Dach?’ Die Synagoge war damals noch im Bau. Der Rabbiner antwortete:

‚Zu Ehren Eurer Hochwürden haben wir unseren Hut abgenommen’. Daraufhin hat der Kaiser Geld gespendet, damit die Synagoge fertig gebaut werden konnte.

In Jerusalem gab es für alle Nationen, die hier lebten, ein Konsulat. Da hat’s ein französisches Konsulat gegeben, ein deutsches Konsulat gegeben und auch ein österreichisches Konsulat. Das österreichische Konsulat war etwas Besonderes. Alle standen unter dem Schutz von Kaiser Franz Joseph. Der Kaiser ist sehr verehrt worden von den Juden. Bis zum heutigen Tag.

Der Kaiser hat dann auch in Bethlehem eine Kirche gespendet, da wurde immer die Mitternachtsmesse gelesen. Dann gibt es in Jerusalem die 1910 geweihte römisch-katholische Dormitio-Kirche, die ist von den Benediktinern, nach den Plänen eines deutschen Architekten aus Köln, entstanden.

Da gibt es unten im Keller einen großen Altar, dort ist die sogenannte Mutter Gottes eingeschlafen. Und in einer Seitenkapelle ist für dem ermordeten österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß 38 ein Altar als Erinnerung entstanden.

Als ich ins Land gekommen bin, hat es sehr viele arme Juden gegeben. Auf dem Rothschild Boulevard lagen viele arme Leute schlafend auf den Bänken. Auch heute gibt es wieder arme Leute. Es ist hier nicht anders als in anderen Ländern, auch in Österreich gibt es viele arme Menschen. Es ist hier genauso wie in Österreich, das System ist dasselbe.

Die Orthodoxen leben wie in einem Ghetto unter sich. Sie wollen auch unter sich bleiben. Sie haben eine eigene Partei, die sie wählen können. Wenn die Partei viele Stimmen hat, bekommen sie Sitze in der Knesset [isr. Parlament]. Dort kann man reden.

Und sie haben viele Abgeordnete dort, sie haben sehr viele Leute. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass Israel mal ein religiöses Land werden wird. So weit wird es nicht kommen. Die Religiösen mischen sich leider in die Politik ein. Das ist nicht gut; Religion ist Religion. Und Politik ist Politik.

Die Chassidim 39 leben in einem Teil von Jerusalem. Diese Religiösen gibt es auch in Wien. Sie sind antizionistisch, demonstrieren gegen uns Säkulare, aber Geld nehmen sie für ihre Kinder. Und sie schreien gegen die Regierung. Aber das ist Demokratie, jeder kann seine Meinung äußern. Dagegen kann man nichts machen. Aber ich glaube, das geht zu weit.

Im Moment sind die Beziehungen vieler Staaten zu Israel schlecht. Zum Beispiel die Beziehung mit der Türkei. Das ist schrecklich. Lange Zeit, seit dem Atatürk 40, war die Türkei antireligiös. Jetzt, auf einmal, sind sie ganz religiös. Genau so wie die Iraner. Wir hatten zurzeit des Schahs gute Beziehungen und gute Handelbeziehungen. zueinander. Genauso die Syrier. Sie reden sich ein, sie werden uns besiegen. Wir haben ringsherum hier nur Feinde. Damit zu leben ist schwer.

Ich hab viel gesehen, hatte viele Bekannte, war oft in Wien. Als man hier das Parlament, die Knesset, eröffnet hat, da wurden alle Parlamentspräsidenten der europäischen Länder eingeladen.

Da kam auch der damalige österreichische Parlamentspräsident, ein gewisser [Alfred, ÖVP, Anm.] Maletta. Ich war immer neben ihm, er hat mich nicht von der Hand gelassen, denn er hat kein Wort Englisch gekonnt. Er war damals nicht der Einzige, der kein Englisch konnte. Der Handelsminister Otto Mitterer hat auch kein Wort Englisch können. Zum Botschafter sagte er damals:

‚geben Sie mir den Luster, ich nehme ihn zu mir nach Wien mit, er wird bei mir im Büro arbeiten.’ Der Botschafter sagte:
‚den überzeugen sie nicht, der geht nicht nach Wien, der geht von hier nicht weg.’ So war es auch, ich wäre nie aus Israel weggegangen.

Anm.: Herr Leo Luster erhielt 1984 für seine Arbeit in der österreichischen Botschaft die Silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich verliehen, 2002 als Mitglied des Vorstandes in der Vereinigung Österreichischer Pensionisten in Israel und des Zentralkomitees österreichischer Juden in Israel das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen.

  • Glossar

1 Jeshiva: eine Talmudhochschule, an der sich männliche Schüler dem Tora-Studium, und insbesondere dem Talmud-Studium widmen

2 Sheitl [Scheitel]: Die von orthodox-jüdischen Frauen getragene Perücke.

3 Affidavit: Im anglo-amerikanischen Recht eine schriftliche eidesstattliche Erklärung zur Untermauerung einer Tatsachenbehauptung. Die Einwanderungsbehörden der USA verlangen die Beibringung von Affidavits, durch die sich Verwandte oder Bekannte verpflichten, notfalls für den Unterhalt des Immigranten aufzukommen.

4 Schadchen: jidd.: Heiratsvermittler, Brautwerber

5 Schidach: Vermittlung

6 Cheder [hebr:Zimmer]: die Bezeichnung für die traditionellen Schulen, wie sie bis Beginn des 20. Jahrhunderts im osteuropäischen Schtetl üblich waren.
Der Unterricht fand im Haus des Lehrers statt, der von der jüdischen Gemeinde bzw. einer Gruppe von Eltern finanziert wurde, und war in der Regel nur Jungen zugänglich. Der Unterricht fand in kleinen Gruppen mit Jungen verschiedener Altersgruppen statt.

7 Chumasch: Buch mit den fünf Büchern Mose

8  Schammes: [hebr. Schamasch = Diener]: Synagogendiener. Er erfüllt die unterste Funktion in einer Synagoge. Daher wird der Begriff allgemein abwertend als ‚Laufbursche‘ gebraucht. Als Schammes wird auch für die Kerze bezeichnet, die zum Anzünden der übrigen Kerzen der Chanukkia [Chanukkaleuchter] verwendet wird.

9 Bar Mitzwa: [od. Bar Mizwa; aramäisch: Sohn des Gebots], ist die Bezeichnung einerseits für den religionsmündigen jüdischen Jugendlichen, andererseits für den Tag, an dem er diese Religionsmündigkeit erwirbt, und die oft damit verbundene Feier. Bei diesem Ritus wird der Junge in die Gemeinde aufgenommen.

10 JUAL-Schule: Zwischen 1938 und 1942 war die Schule in der Marc Aurel Straße 5 der einzige Ort, wo jüdische Kinder keine Angst vor Verfolgung haben mussten und sich geborgen fühlen konnten. Die jungen Chawerim [Freunde] wurden dort in jüdischer Geschichte, Religion und in praktischen Dingen unterrichtet und auf die Auswanderung nach Erez Israel vorbereitet.

11 Jüdische Künstlerspiele: Von 1927 bis 1938 war der Nestroyhof [Hamakom] die Heimat der Jüdischen Künstlerspiele. Unter der Leitung von Jakob Goldfließ präsentierten die Jüdischen Künstlerspiele Abende, die Zionismus, jüdische Identität und Antisemitismus thematisieren.

Der Spielplan war breit gefächert, sowohl jiddische Revuen mit zionistischer Tendenz von Abisch Meisels als auch anspruchsvolle Dramen wie Arnold Zweig.

Außer ansässigen Schauspielern wie Mina Deutsch, Paula Dreiblatt, Dolly Nachbar und Benzion Sigall traten in den Künstlerspielen Gäste aus „Ost und West“ auf, besonders beliebt waren die Gastspiele der Siegler-Pastor Truppe aus Rumänien mit ihrem Star Sevilla Pastor. Ernste Theaterkunst boten Paul Baratoff in August Strindbergs „Der Vater“, auch Schauspieler wie Hans Moser traten dort auf.

12 Kiddusch: von hebr. ‚kadosch‘, heilig. Der Begriff findet in verschiedenen Zusammenhängen Verwendung. Als Kiddusch wird u.a. der Segensspruch über einen Becher Wein bezeichnet, der am Schabbat und anderen Festtagen gesagt wird.

13 Pessach: Feiertag am 1. Frühlingsvollmond, zur Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, auch als Fest der ungesäuerten Brote [Mazza] bezeichnet.

14 Koscher [hebr.: rein, tauglich]: den jüdischen Speisegesetzen entsprechend.

15 Mazze [hebr.matzá] auch ungesäuertes Brot genannt, ist ein dünner Brotfladen, der von religiösen und traditionsverbundenen Juden während des Pessachfestes gegessen wird. Matze wird aus Wasser und einer der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel ohne Triebmittel gefertigt.

16 Sepharde, Pl. Sepharden [hebr. Sepharad = Iberien]: Juden, deren Vorfahren bis 1492 in Spanien und Portugal ansässig waren. Heute versteht man unter den sephardischen Juden in erster Linie diejenigen Bewohner Israels, die aus Ländern wie Marokko, dem Jemen, Syrien oder Indien nach Israel einwanderten.

17 Aschkenase, Pl. Aschkenasen [hebr. Aschkenas = Deutschland]: die Selbstbenennung der Juden Mittel- und Osteuropas, die eine gemeinsame religiöse Tradition, Kultur und die Jiddische Sprache verbindet

18 Menczer, Aharon [18.04.1917 - 7.10.1943]: Als Mitglied der zionistischen Jugendorganisation Gordonia arbeitete Menczer nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 für die Jugend-Alija.

Im März 1939 begleitete er im Auftrag der Organisation eine Gruppe der Jugend-Alija nach Palästina. Aufgrund seines Pflichtgefühls gegenüber der in Wien gebliebenen jüdischen Jugend kehrte er wieder zurück. Auch eine weitere Gelegenheit zur Emigration nahm er nicht wahr.

Im September 1939 wurde Menczer zum Leiter der Jugend-Alija in Wien ernannt. Nachdem 1940 eine Flucht nicht mehr möglich war, konzentrierte er seine Aktivitäten auf die Ausbildung an der Wiener Jugend-Alija-Schule, die regelmäßig von 400 Schülern besucht wurde.

Nachdem die Einrichtungen der Jugend-Alija in Österreich verboten worden waren, wurde Menczer in ein Zwangsarbeiterlager in der Nähe von Linz deportiert. Am 14. September 1942 wurde er nach Wien zurückgebracht und am 24. September nach Theresienstadt überführt. Dort wurde er Jugendführer und im November Mitglied des Hechaluz. Im August 1943 schloss Menczer sich einer Gruppe an, die für 1.260 aus Bialystok gebrachter Kinder sorgte.

Am 15. Oktober desselben Jahres wurde Menczer gemeinsam mit den Kindern nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Am 9. November 2012 wurde vor dem Haus Marc-Aurel-Strasse 5 eine Gedenktafel, dessen Marmorblock aus dem Sinai gebrochen und von Israel nach Wien importiert worden war, in Anwesenheit von Leo Luster, Martin Vogel, Herbert Schwarz, Ari Rath, ‚Kindern’ von Aron Menczer, für Aron Menczer eingeweiht. 

19 Kiddusch: von hebr. ‚kadosch‘, heilig. Der Begriff findet in verschiedenen Zusammenhängen Verwendung. Als Kiddusch wird u.a. der Segensspruch über einen Becher Wein bezeichnet, der am Schabbat und anderen Festtagen gesagt wird.

20 Schuschnigg, Kurt [1897 – 1977]: österreichischer christlichsozialer Politiker. Er folgte 1934 dem von Nationalsozialisten ermordeten Dollfuß als Bundeskanzler. Er versuchte, Österreich zum ‚besseren deutschen Staat‘, als es das Deutsche Reich war, zu machen.

Am 9. März 1938 setzte er für den 13. März eine Volksabstimmung über den Erhalt der Eigenstaatlichkeit Österreichs an. Am 11. März 1938 trat er unter dem Druck Nazideutschlands zurück. Nach dem Anschluß wurde Schuschnigg inhaftiert und blieb bis Ende des Zweiten Weltkrieges in Haft. 1948 wanderte er in die USA aus und war bis 1967 Professor für Staatsrecht an der Universität St. Louis/Missouri.

21 Novemberpogrom: Bezeichnung für das [von Goebbels organisierte] ‚spontane‘ deutschlandweite Pogrom der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Im Laufe der ,Kristallnacht’ wurden 91 Juden ermordet, fast alle Synagogen sowie über 7000 jüdische Geschäfte im Deutschen Reich zerstört und geplündert, Juden in ihren Wohnungen überfallen, gedemütigt, verhaftet und ermordet.

22 Minjan [hebr.: Zahl]: Ausdruck für die Anzahl von mindestens zehn erwachsenen männlichen Betern, mit der sich eine Gemeinde konstituiert. Diese Anzahl ist für einen öffentlichen Gemeindegottesdienst notwendig.

23 Edelstein, Jakob [1903-1944] war ein tschechoslovakischer Zionist sowie erster Judenältester im Ghetto Theresienstadt. Nach der Annexion Tschechiens 1939 wurde Edelstein Ansprechpartner der deutschen Besatzer für die Auswanderung tschechischen Juden nach Palästina.

Zwischen 1939 und 1941 reiste er mehrmals ins Ausland und nahm dort Kontakt mit jüdischen Funktionären zwecks Informationsaustausches auf; so reiste er nach Palästina, Triest, Wien, Genua, Berlin, Amsterdam.

Edelstein wurde mit etwa 1000 weiteren jüdischen Männern im Rahmen des sogenannten Nisko-und Lublin-Plans am 18. Oktober 1939 aus Ostrava nach Nisko deportiert. Nach dem Scheitern dieses Plans kehrte Edelstein im November 1939 wieder nach Prag zurück.

Edelsteins Bestreben war zu verhindern, dass die Juden aus dem Protektorat Böhmen und Mähren nach Polen deportiert wurden. Daher schlug er den deutschen Besatzern wiederholt vor, tschechische Juden als Arbeitskräfte im Protektorat einzusetzen. Die Einrichtung des Ghetto Theresienstadt sah Edelstein als Erfolg, da ihm und den anderen jüdischen Funktionären nicht bewusst war, dass Theresienstadt als Durchgangslager für die Vernichtungslager geplant war.

Am 4. Dezember 1941 traf Edelstein mit Familie in Theresienstadt ein. Zeitgleich wurde er erster Judenältester im Ghetto Theresienstadt. Ende Januar 1943 wurde Edelstein als Judenältester von Paul Eppstein abgelöst und wurde nun dessen erster Stellvertreter.

Aufgrund von Unterschieden bei der registrierten und der tatsächlichen Zahl der Insassen des Ghettos wurde er am 9. November 1943 verhaftet und 1943 wurde er in das KZ Auschwitz deportiert. Am 20. Juni 1944 musste Edelstein zunächst der Ermordung seiner Ehefrau Miriam und seines Sohnes Ariel zusehen, bevor er selbst im Krematorium erschossen wurde.

24 Histadrut, die [hebr. Für Zusammenschluss] ist der Dachverband der Gewerkschaften Israels. Sie wurde im Dezember 1920 wurde die Histradut  von David Ben Gurion in Haifa gegründet.

25 DP-Lager waren Einrichtungen zur vorübergehenden Unterbringung so genannter ‚Displaced Persons‘ nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland, Österreich und Italien. Als ‚Displaced Persons‘ galten Menschen, die in Folge des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat geflohen, verschleppt oder vertrieben worden waren, z. B. Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Konzentrationslagerhäftlinge und Osteuropäer, die vor der sowjetischen Armee geflüchtet waren.

26 Murmelstein, Benjamin [1905- 1989]: Rabbiner und jüdischer Gelehrter, in Lemberg geboren. Wurde in der NS-Zeit als Leiter der Auswanderungsabteilung der Kultusgemeinde in Wien und 1944 als ‚Judenältester‘ von Theresienstadt eingesetzt. 1945 wurde über Murmelstein in der Tschechoslowakei die Untersuchungshaft verhängt, aber er wurde nicht angeklagt und nach 18 Monaten freigelassen. Bis zu seinem Tod 1989 lebte er als Möbelverkäufer in Rom.

27 NSDAP, die [Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei] war eine in der Weimarer Republik entstandene politische Parte, deren Programm beziehungsweise Ideologie  von radikalem Antisemitismus und Nationalismus sowie der Ablehnung von Demokratie und Marxismus bestimmt war. Ihr Parteivorsitzender war seit 1921 Adolf Hitler, unter dem sie Deutschland von 1933 bis 1945 als einzige zugelassene Partei beherrschte.

28 NKWD, der [Abkürzung für russisch Narodnyj Komissariat Wnutrennych Del, Volkskommissariat für innere Angelegenheiten«], 1934 gebildetes sowjetisches Unionsministerium, zuständig u. a. für politische Überwachung, Nachrichtendienst, politische Strafjustiz, Verwaltung der Straf- und Verbannungslager [GULAG], war das Instrument des stalinistischen Terrors.


29 Preminger, Otto Ludwig [1905-1986] geboren in Wiznitz, Bukowina, Österreich-Ungarn, war ein österreichisch-amerikanischer Filmregisseur, Filmproduzent, Schauspieler, Theaterregisseur, Theaterdirektor, der während des 1. Weltkriegs mit seiner Familie nach Graz zog, Neben seinem Studium der Rechtswissenschaft widmete er sich der Schauspielerei.

1931 drehte Preminger seinen ersten Film, Die große Liebe, der ihn nach seinen erfolgreichen Theaterinszenierungen in Hollywood und New York weiter bekannt machte. Im Oktober 1935 ging er in die USA, drehte dort zahlreiche Kinofilme und wirkte in mehreren Filmen auch als Schauspieler mit.

Er blieb jedoch auch dem Theater treu, bis in die sechziger Jahre arbeitete er als Theaterregisseur in New York. Preminger gehörte zu den vielseitigsten Regisseuren Hollywoods; er drehte Komödien, Kriminalfilme, Western und Literaturverfilmungen.

30 Schukow, Georgi Konstantinowitsch [1896-1974] war Generalstabschef der Roten Armee und Verteidigungsminister und Marschall der Sowjetunion. Schukow wurde als erfolgreicher Verteidiger in der Schlacht um Moskau 1941 und als Sieger der Schlacht um Berlin 1945 international bekannt. In der Nacht auf den 9. Mai 1945 nahm er in Berlin-Karlshort als Vertreter der Sowjetunion die bedingungslose Kapitulation frt deutschen Wehrmacht und aller Teilstreitkräfte entgegen.

31 Peres, Schimon [1923 in Wiszniewo] ist ein israelischer Politiker, Friedensnobelpreisträger und seit 2007 Staatspräsident. Peres ist das weltweit älteste Staatsoberhaupt und war mit Unterbrechungen an mehreren Regierungen beteiligt. Zudem war er mehrmals Vorsitzender der israelischen Arbeitspartei Awoda, aus der er jedoch 2006 austrat.

32 Hitler-Stalinpakt: Als Hitler-Stalin-Pakt bezeichnet man den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, der am 23. August 1939 in Moskau von dem deutschen Außenminister von Ribbentrop und dem sowjetischen Außenminister Molotow unterzeichnet wurde.

In einem geheimen Zusatzprotokoll legten die Länder die Aufteilung Nordost- und Südeuropas fest, sofern es zu einer ‚territorialen Umgestaltung‘ kommen sollte. Im Zentrum stand die Teilung Polens.

33 Meir‎, Golda ursprünglich Golda Meyerson, geb. Mabowitsch [geb.1898 in Kiew - 1978 inJerusalem] war eine israelische Politikerin. Sie war von 1956 bis 1965 Außenministerin Israels und von März 1969 bis Juni 1974 die bisher einzige Ministerpräsidentin Israels.

34 Kibbuz [Pl.: Kibbuzim]: landwirtschaftliche Kollektivsiedlung in Palästina, bzw. Israel, die auf genossenschaftlichem Eigentum und gemeinschaftlicher Arbeit beruht.

35 Begin, Menachem [1913 in Brest-Litowsk - 1992 in Tel Aviv] war Ministerpräsident undAußenminister Israels

Nachdem er zunächst aus Polen vor den deutschen Besatzern geflohen war, gelangte er über die Sowjetunion nach Palästina, wo er Führer der Irgun-Untergrundorganisation wurde. Nach der Staatsgründung Israels ging er in die Politik und stieg zum Minister, 1977 schließlich zum israelischen Ministerpräsidenten auf. In seine Amtszeit fiel sowohl der Friedensschluss mit Ägypten, für den er 1978 mit Muhammad Anwar as-Sadat den Friedensnobelpreis erhielt. 1983 trat er als Ministerpräsident aufgrund ausbleibender Erfolge im 1. Libanonkrieg zurück.

36 Ben-Gurion, David,  gebürtig als David Grün [1886 in Plonsk  1973 in Tel HaSchomer, Israel] war der erste Premierminister Israels und einer der Gründer der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Israels. Er war Parteivorsitzender von 1948 bis 1963.

Von 1948 bis 1953 und von 1955 bis 1963 war Ben-Gurion israelischer Premierminister. 1955 amtierte er kurz als Verteidigungsminister

Jabotinsky, Wladimir Zeev [1880 Odessa-1940 Hunter, USA] war ein russischer Zionist und Schriftsteller.

38 Dollfuß, Engelbert [1892-1934]: Österreichischer Christlich-Sozialer Politiker, 1932-1934 Bundeskanzler, schaltete im März 1933 das Parlament aus. 1933 verbot er die NSDAP, die Kommunistische Partei und den Republikanischen Schutzbund, 1934 – nach den Februarkämpfen – auch die Sozialdemokratische Partei.

Er regierte mit Notverordnungen und führte Standrecht und die Todesstrafe ein. 1934 schuf er den autoritären Ständestaat, der sich auf die Kirche, die Heimwehr und die Bauern stützte.

Am 25. Juli 1934 wurde Dollfuß während eines nationalsozialistischen Putschversuches ermordet.

39 Chassid [hebr: ‚der Fromme‘; Pl. Chassidim]: Anhänger des Chassidismus, einer mystisch-religiösen jüdischen Bewegung, die im 18. Jahrhundert in Polen entstand. Neben dem Torastudium rücken im Chassidismus das persönliche oder gemeinschaftliche religiöse Erleben - in Gebet, Liedern und Tänzen - und die ekstatische Begeisterung ins Zentrum.

40 Atatürk geboren als Mustafa Kemal [1881 – 1938] war der Begründer der modernen Republik Türkei und erster Präsident der nach dem 1. Weltkrieg aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen Republik. Er trieb als Machtpolitiker die Modernisierung seines Landes nach westlichem Vorbild beharrlich voran. 1934 verlieh ihm das türkische Parlament den Nachnamens ‚Atatürk’ [Vater der Türken].

Hillel Kempler

Country: Israel

Date of Interview: August 2010

Name of Interviewer: Tanja Eckstein

Hillel Kempler is my friend Ilana’s favorite uncle. Ilana is from Israel and has been living for a long time with her family in Vienna. Before I interview Hillel, she tells me a lot about her uncle. Finally it’s possible! The taxi driver who takes me to my first visit to Hillel uses my cell phone four times to find the house. Hillel is already standing at the garden gate when I finally get there. We like each other from the first moment. Since he was seven years old, Hillel has been living in what is today Israel, and his German is made up of a lot of invented, but understandable, wonderful words, that have never been heard before. He tells his story chronologically, almost literarily, in order to make my job easier. His wife Ester sits nearby during the sessions. She speaks Yiddish and so can follow our conversation. Ester is an artist – her pictures, which she creates from the fibers of newspapers and magazines - hang all over the house and are terrific. Hillel, who speaks more familiarly with me after a half and hour, is very proud of Ester. Hillel’s story is part of the story of Israel.

Hillel Kempler passed away in April 2014

My Childhood

We were five siblings, I was the youngest. My sister Fanny was born in 1914 and my sister Gusti in 1917 in Vyzhnytsia [today Ukraine], where my father, Nathan David Kempler, and my mother, Liebe Kempler, lived until 1918. Vyzhnytsia belonged to Galicia, which was part of the Austro-Hungarian monarchy. After the end of the First World War and the fall of the Monarchy, my father saw no future for his family in Vyzhnytsia, and my parents relocated to Berlin. My brother Isi was born in 1919, my sister Miriam in 1923, and I on October 26th, 1925 in Berlin.

My father was born in Lviv [today Ukraine]. I never saw his family. At the age of 14 he was an apprentice in a pastry shop, and in 1906 he received his certification as an assistant in a gingerbread bakery. After that he did his mastership. In the First World War my father was a soldier with the Austrian military and was stationed in Albania. Sometimes he would tell us how horrible the war was. He got sick with malaria and so couldn’t fight any more. Then he cooked for the officers.

I think my father’s family was killed during the Second World War, but I don’t know who they were. I never knew my grandparents’ names. In 2000 something interesting happened. It had to do with the Berlin Jewish Museum. I was visiting Berlin with my wife Ester a year before the opening of the museum. Someone told me that there were tours through the unopened museum. The building was already finished but it was still empty. That sounded interesting to me and so we went on a tour. I then told the man leading us through the museum that I was born in Berlin. That really interested him and so we stayed in contact and I gave the museum some of my family photos and documents. My wife and I were invited by the city of Berlin to the opening of the museum. It was very exciting for me; almost 70 years after my family fled from Berlin to Palestine I was a guest at the opening of the Jewish Museum in Berlin. There were people from all over the world there. And in one of the rooms hung a picture of my family as well.

Some years later a couple from Texas visited the museum. They were really interested in the photo of my family and went to the office to ask who it came from. The man from Texas was also called Kempler. The people in the office didn’t give him any information, but they sent us his address and wrote that we could get in contact with him if we wanted, since they weren’t allowed to give out any information. My daughter Giza, who is interested in our family’s genealogy, took over immediately. She wrote to Texas and also spoke with Mr. Kempler on the phone. It was proved: yes, it is my family. They sent us pictures and so we saw that this Mr. Kempler looked very similar to my father. And since then we always send them our wishes on Rosh Hashanah. That’s how it’s been. Maybe we’ll meet some day.

My mother’s maiden name was Ettinger. This family lived in Vyzhnytsia, where my sisters, Fanny and Gusti, were also born. I believe my parents were married in Vyzhnytsia. I don’t know how or where they met. But they both came from very religious families and in those days there was Schadchen [marriage-arranger], who connected the partners on behalf of the family.

Right after the First World War my parents immigrated to Germany with my sisters Fanny and Gusti, since the postwar situation in Vyzhnytsia and in the whole region was really tough. My father was a very ambitious person. He wanted to have something to show for his life. He had imagined, or else heard, I don’t know, that there were more opportunities to advance professionally in Germany.

In Berlin he opened the kosher pastry shop “Krakauer Café and Konditorei” at Grenadier-strasse [today Almstadt-strasse] 20. In my father’s pastry shop there were some baked goods – they would also be delivered from the shop - and you could eat breakfast and supper there. I own a photograph of the pastry shop that shows everything.

 Grenadierstrasse was a Jewish street in the famous Berlin Scheunenviertel. The Scheunenviertel was located between Hackescher Markt and the current Rosa Luxemburg Platz. During the time that I lived there, Rosa Luxemburg Platz was called Bülowplatz. In those days in the Scheunenviertel there were a lot of very religious Jews with payot and shawls, modern Jews like my father and his friends, workers, and businesspeople. Initially my father rented the pastry shop, then later he bought it. It was a well-known pastry shop, it had a good reputation. In the shop there was coffee and a variety of cakes: cheesecake, apple cake, strudel, and such things, there was also ice cream and beer. The pastry shop was pretty small. From the street-level you would go down two or three steps, since the place was in the half-basement. There were two rooms with tables for guests, next to which were two more rooms, and in one was the bakery with the machines. My father had an employee, but my mother also worked sometimes when there were a lot of guests. I can still remember that, following the success of the pastry shop, my father, I don’t know exactly what year that was, but it must have been around 1931, rented a large café across from the pastry shop. They café didn’t exist for very long, however; it didn’t work out. It was clearly too big for him. I know that it was there and then it was gone again.

A communist group met regularly in our pastry shop. There were approximately ten to fifteen people. They spent a lot of time in the pastry shop. I know that there were Jewish and non-Jewish communists. They exchanged information and played games – I can remember dominoes well. I really liked playing dominoes as well. They often called to me: come, Hillel, play with us! And I was always very proud that I was allowed to play with them. They drank beer and coffee and ate a lot of cheesecake. My father’s cheesecake was pretty well known. They always paid for everything. My father was a devout Jew, he didn’t understand politics, since politics didn’t interest him at all. It was good for him that the communists came to him, since they consumed so much. That was his interest. Our street was very Jewish, but we co-existed nicely with the communists. Of course, at that time I didn’t know what a communist was.

There were a lot of kosher shops and many synagogues in the Scheunenviertel. These synagogues were not stand-alone buildings. In those days you would rent only one or two rooms and open a synagogue there. I went to so many small shtiebelekh [prayer rooms] or shtiebel. Shtiebelekh means room in Yiddish. I can still remember some of this shtiebelekh very well.

My parents were religious. Every morning my father would put on tefillin, and Friday evenings and on Saturdays go to his shtiebel. All of his friends were at the shtiebel, and his community life revolved around the shtiebel. My father had a beard, but he was modern orthodox. You couldn’t tell from his clothing that he was very devout, and as the Nazis came to power in 1933, he immediately shaved his beard.

We were kosher, of course, and weren’t allowed to even think about pig. My brother Isi, he was six years older than me, took me by the hand one day and said: come, Hillel, we’re going to buy sausages. There were small wagons on the street that sold sausages. Of course these were sausages made of pork. Isi brought me to one of these wagons and crept around it so that no one would see us. Then he positioned himself at a corner of the wagon and bought us each a pair of sausages. We quickly ran with the sausages to the next street and ate them in an entryway. Isi then made me swear: Hillel, you must never tell anyone. And for years I was afraid that someone would find out and tell that I had eaten pork sausages. But that was such a thrill, the forbidden! Isi needed to try it once. We thought, who knows what would happen to us after eating the sausages.

My parents spoke a mixture of German and Yiddish, but it was certainly more Yiddish than German. Sometimes they also went to a Yiddish theatre, of which there were many in Berlin. My sister, I guess, spoke High German, since she went to the Jewish High School in Berlin. I was always playing with lots of kids in the street. All the children were on the street in those days, and someone said to me when I arrived in Israel: I know your language, you’re from Berlin. I had picked up a bit of Berlin slang from the kids on the street.

Our apartment was also on Grenadier-strasse, directly across from my father’s pastry shop. The apartment had six rooms. It was on the second floor. There was a parlor, which was a large room. In the parlor there was a long table for twelve people that had been very expensive. I can recall it exactly. And there was a large bureau and a grandfather clock that needed to be wound once a week. Only my father was allowed to do that, no one else. My parents were very proud of everything that they had accomplished. My father often gave gifts to my mother, once he even bought her an Astrakhan coat. That was quite exceptional, of course. In 1933 she sent the Astrakhan coat with our moving boxes to Palestine, but she of course had no need for it here.

We had two maids that looked after us children. One was called Herta. She was a young girl.

Before I went to primary school I would go to a shtiebel in the afternoon. There was a Rabbi and a couple of other children there, and we learned religion and Hebrew. When my brother Isi was young, he was certainly also in a shtiebel. Later we were enrolled in a completely normal primary school.

My mother was a beautiful woman, and she was a loving mom. I was once very sick as a child; I had strange blue spots on my legs and needed to go to a convalescent home near Hamburg for a couple of months. I don’t know what kind of illness that was. Because of my sickness I was very spoiled. But because I was the youngest, I was also very spoiled by my siblings. My sisters often looked after me; we were all very close.

On Friday, on Shabbat, we always ate at the large table in the parlor. We were all so proud of the fact that we only ate at the large table on Shabbat and the High Holidays. During the week everyone came home at a different times and we didn’t eat together.

We often had guests, friends of my father and my mother’s two sisters, who also lived with their families in Berlin. My mother had many siblings, there were ten kids in that family. The majority of them lived in Poland and one brother lived in Czechoslovakia. I don’t know anything about this uncle, only that he lived there. My Aunt Loni in Berlin was married to Michael Striks. I don’t know what his profession was any more. They had three children: Harry was two years younger than me, Edith – Ester in Israel – and Herta – Chaya in Israel. They all managed to flee to Palestine. Ester died in the 1990s of Parkinson’s, and Chaya still lives in Tel Aviv. My Aunt Lene was a widow. She also lived on Grenadier-strasse. Aunt Lene also had three children, the daughter was called Loni, she died in the 1980s in Ramat Gan, and the two boys were Adolf and Jossel. The three children also made it to Palestine; only Aunt Lene stayed in Berlin and was murdered [Helene Etinger, neé Ettinger, born August 24th, 1886 in Wisnicz, deported March 1st, 1943 to Auschwitz, from Gedenkbuch der jüdischen Opfer des Nationalisozialismus, Edition Hentrich, Berlin 1995].

Before Passover the whole apartment would be cleaned, food would be cooked, and the Passover dishes would be taken out. The dishes that we used throughout the year were put away. The Seder was a very important evening. A large white tablecloth with religious symbols was laid out on our large table. On the table there was a plate with five sections – that was the Seder bowl. There were various things to eat in it, each with a symbolic character. There were three matzoth in a cushion with three levels. My father took out one matzo, broke it, and hid one half. That was the afikoman. We children had to look for and find the afikoman. My father wasn’t allowed to end the meal until he got the afikoman back. Whoever found the piece of matzo was allowed to ask my father for something at the end of the meal in the evening, which lasted a few hours. It could be a book or a game. Then he, my mother, and my sisters would bite the afikoman into a round shape, a hole would be made in the middle, and there was a nail in the room the afikoman would be hung on. It would stay there until the next Passover. For the Seder my father wore a satin coat. He had to put the coat on over his head. The arms were embroidered with silver thread, and my father wore a flat cap on his had that was also embroidered with silver thread. He ate like a king. He wasn’t permitted to sit on a chair, two armchairs were put together for him, and so he would be half sitting, half lying down. That was the tradition: if he’s a king, he should also sit like a king. Today when we read the Haggadah at home, we always jump ahead because we want to eat. But my father read the whole Haggadah, and that took hours. We loved our father; we respected him.

My mother often read from the Yiddish woman’s bible – the bible was called Ze’enah and Re’enah. It is a very well-known bible for Jewish women [In the Middle Ages a number of additions of the Jewish women’s bible “Ze’enah and Re’enah” were printed in Poland]. This bible was written in Yiddish. Often, once we were already in Tel Aviv, she would tell stories from the bible during Shabbat. I don’t know where the book went. I would really like to have it, but it has disappeared.

It was a tradition in Jewish households to leave a section of wall in a room, not big, maybe a meter, unpainted. That was to commemorate the history of the Jews. We had that in Berlin, not in the parlor, but in one of the upper rooms.

We were a real Berlin family, and enjoyed ourselves. We often drove around and were always out and about. My father would come too, since the pastry shop was closed on Saturdays. For example we’d go to Wannsee or Grunewald. We’d go to Alexanderplatz, which was really close by. There were always markets at Alexanderplatz, and often circuses. I can also still remember a Zeppelin from New York that landed in Berlin. We were there for that; the whole city was there. The Babylon cinema was located near Grenadier-strasse, on Rosa-Luxemburg-Platz, across from the Berliner Volksbühne [a famous Berlin theatre]. I went often to the Babylon; I knew it well. I would see funny films there – they were still silent, pictures without talking – with my brother Isi or my sister Gusti, and in winter I would skate on the ice on the square in front of the Volksbühne with other children. We also had good relationships with gentiles. It was totally normal and didn’t matter if someone was Jewish or not. You were accepted. I never heard “Jew” associated with anything negative from the people on our street. Maybe in school, but I was only there for half a year.

I could already read before I went to school. I always loved reading. I read whatever I could get my hands on. And when I went out in the streets I read the signs on the storefronts. Maybe it’s because of my siblings, who were always giving me newspapers and periodicals. Then in Berlin I was only in school for a half a year, and even today I can still read German well, which is astounding.

In 1932 I was enrolled in the primary school on Gips-strasse. Of course I also got a candy cone for my first day of school, which was already customary back then. I have a photo of myself in a sailor suit with my candy cone. Both Jewish and gentile children received a candy cone. I don’t know how many kids in my class were Jewish, I didn’t care in those days. My siblings were all at different schools, all in the neighborhood. Once my wife Ester and I visited my school on Gips-strasse. We wanted to see everything. The first time I went looking for the street I didn’t find it. We were then in Berlin again and I had the right address with me. We went into the school and I looked for various things there and tried to remember, but couldn’t find anything.

I can’t recall my brother Isi’s Bar Mitzvah any more. It must have been in 1932 in Berlin.

If Hitler hadn’t come we definitely would have stayed in Berlin.

Seizure of Power

I want talk about the day when everything changed. After Hitler won the elections in January 1933, the Nazis immediately took through the streets, breaking windows. They wore brown uniforms and boots. I can still see it right before my eyes. The Süssapfel family lived below us. One night we heard horrible noises coming from the Süssapfel’s apartment. It woke us all up. My father was still in the pastry shop, preparing everything for the next day. Herta, our maid, quickly locked the front door. I think what I still know of it things that I both remember and things that were told to me. I can’t differentiate between them. We were really anxious. Herta said that the family was being beaten downstairs, and that we weren’t allowed to go out. Isi, my brother, positioned himself at our front door and wanted to hear exactly what was going on downstairs, but Herta kept chasing him away. There were horrible noises, and then all of a sudden, it was quiet. We waited a while longer, then Herta unlocked the door and went downstairs. As soon as she got back she told us that Nazi’s had been in the Süssapfels’ apartment and had beaten the husband and two sons: they had placed them at the wall and drove their heads into the wall. I don’t know what they wanted. Herta told us the wall was red with blood. Once the Nazis left the family wanted to call a doctor for help, but no one wanted to come. Then they called an ambulance, which also didn’t come. Then the father went with the two sons to a hospital by foot. They carried themselves there and were bandaged. Afterwards they came back home. No one knew at the time if the Nazis had been there officially, or if they could press charges with the police. They wanted to press charges, but were chased away. A couple of days later, I don’t know who told us this, it said in the police log: Grenadier-strasse 36, 1 a.m., fight between father and two sons, sons were drunk, the people were warned that it should never happen again.

My life changed that night. I didn’t know anything about politics yet, but that someone could just go into an apartment, beat the people there, and that there was blood in the apartment, is something that has stayed with me.

Everything was fine before that, and then all of a sudden something so awful happens.

The communists who lived in our neighborhood knew my father. There were also communists during this time that defected to the Nazis. Many thought my father was a communist. That’s why one day in April, shortly after the horrible event with the Süssapfel’s, my father was searched by the Nazis in the middle of the night. They pounded on the door. Mrs. Heinz, the doorman’s wife, heard it. She immediately knew what was happening. Mrs. Heinz was Christian. We had a very good relationship with her. My father often gave her cake as a gift. My father often gave the communists cake as well. He wanted good relationships and was a very likeable man. Mrs. Heinz ran very quickly from the backdoor of the courtyard to my father’s bakery and yelled: Mr. Kempler, Mr. Kempler, come quick! Then she put my father into her wood cellar and let the Nazis in.

She said: I don’t know where Mr. Kempler is, I haven’t seen him since midday. The Nazis stormed the bakery and cried: where is the Jew, where is the communist! They turned over all the tables and broke the machines and the furniture. Mrs. Heinz stood by and acted as though she didn’t know where my father was. The Nazis left after slapping Mrs. Heinz twice across the face. My father stayed in the basement for the whole night.

Mr. Meier was a member of the Communist Party in Berlin and was among the group of Communists that would regularly visit my father. After two days we saw Mr. Meier on the street in a brown uniform. He went to the SA office and wanted to speak with the commander. He told them that the Communist Party had helped him and things were going poorly for him and his family. He was unemployed and the Communists had given him vouchers for food and coal for winter, his children got clothes and shoes and his wife a warm coat. That’s the only reason he became a member of the Communist Party. Every time he was in the Jewish café he’d get cake for his wife and children, and sometimes even tickets for the circus. He knew that Jewish capitalists were responsible for the inflation, but Mr. Kempler was not a Communist. At this point the Communists were ready to go underground. Maybe Mr. Meier one of those who didn’t convert, but simply wanted to help by joining the SA and never actually abandoned his beliefs, since, for starters, he helped my father go into hiding.

There were a lot of villages in the area around Berlin. The farmers drove through the streets with horse-drawn carts and traded split wood for potato peels. Even my mother collected potato peels and traded them for wood. The farmers fed their pigs with the potato peels. All the people on our street did it.

A relative of Mr. Meier’s was one of those farmers with a farm. The next day he rode his horse-drawn carriage in front of the bakery. He brought special clothes for my father. My father got into the cart and they left Berlin. My father paid him 500 Reichsmarks.

My sister Fanny was 19 at the time. She and my mother went to the English consulate, since Palestine was an English protectorate then, and procured a tourist visa for my father, which he could use to flee to Palestine. A lot of women were standing in front of the consulate, very few men, and also people from the SA. At this time the SA still had some respect for women. They would insult the few men who were standing there, but never hit them. My mother had to pay a lot of money for the tourist visa at the English consulate. That was the deposit to get my father back to Berlin. Fanny and Gusti were politically educated through the Zionist youth organization Tchelet Lavan [Blue-White] and immediately understood that my father needed to leave Germany quickly, because the Nazis would never stop looking for him.

My father stayed with the farmer in the village until he could take the train through Switzerland to Italy, and then take a ship from Italy to Palestine without facing any trouble with his travel papers. That was still possible at this time. The Nazis didn’t have search lists for people like my father yet, that came later. Luckily, it was still crude.

My father was gone and my mother was alone with us children. I assume it was awful for her. But as a child I didn’t take notice. My father’s employee was still in the bakery. My mother discussed with the employee that he and she would continue baking. Customers were no longer coming into the pastry shop, but people still came into the shop, made their purchases and left again. I guess no one wanted to sit inside because it was dangerous. Because if someone sat inside, someone could have immediately said: you’re also a communist.

At this time the Nazis began hunting communists and Jews. When they saw Jews on the street they would beat them. They broke windows on the streets where the Jewish businesses were. My father also took a few hits, but that was before they got really aggressive. Everything began relatively slow. It didn’t start overnight – slowly, slowly!

Fleeing to Palestine

My mother didn’t know what was going to happen, but she understood that it wasn’t going to be good. She said that either our father comes back and we go somewhere together, maybe to Poland, or my father will stay in Palestine and she’ll go to him with the children. She went back to the English consulate and asked if she could have a visa for Palestine. No, you can’t have anything at all, because your husband went to Palestine on a tourist visa under the condition that he comes back, the official said. Unless he came back to Berlin my mother had no chance of getting us a visa for Palestine. She discussed it again with the official, but that didn’t help. Then Fanny went to the English consulate. But even she couldn’t convince the official there to give my mother a visa. So my mother decided, maybe she also consulted with friends and family, to cross Europe by train and bus, and then be smuggled into Palestine on a ferry. I was seven years old, Miriam was nine, and my brother Isi was fourteen.

My sisters stayed in Berlin. Fanny promised mother that she would look after Gusti, and that the chances to get to Palestine with the youth organization were very good.

My mother sold and gave away everything in the pastry shop. A mover helped us pack the crates for Palestine. We couldn’t take furniture, of course, but other important things. The mover took everything and sent it to Palestine. My mother didn’t take a lot of photos, that’s why I only have a few. After our departure my sisters were looked after by the youth organization.

My mother had money for the trip. It wasn’t difficult to get a visa for Czechoslovakia. Many Jews from Berlin would go regularly to Karlovy Vary for treatment at a health resort. My mother also went almost every year to Karlovy Vary.

We took the train from Berlin to Karlovy Vary. We didn’t have many suitcases, two, I believe. My mother carried one, and my brother Isi the other. We arrived in Karlovy Vary without a problem. I had fun on the ride. I enjoyed it and didn’t think about problems, I knew that we were going to my father.

The hotel that we went to in Karlovy Vary was rather empty since the German Jews weren’t going there any more. We stayed there for about two days. I believe that my mother had an acquaintance at the hotel who helped us. We went to Prague from Karlovy Vary. My mother had connections with a Jewish organization there. We met a man in the Jewish Community office who showed us the Prague old city with the synagogues, he also showed us the Old New Synagogue and told us the story of the Golem. Many, many years later I went back to Prague, that beautiful city, a couple of times. After a few days my mother received a visa for Budapest, something that wasn’t so easy. This visa was only valid for two days. We took the train to Budapest.

Budapest is a magnificent city. I also went back to Budapest a few times, and so I can’t quite remember what I thought of it back then. We lived in a hotel again, and mother took care of everything. We wanted to go to Yugoslavia, and after two days my mother had the visa, which also wasn’t easy. We were on the train again, this time to Belgrade.

My mother had already made a connection in Berlin with the director of the Jewish Committee in Belgrade. His name was Spitzer, I don’t know what his first name was, he was Mr. Spitzer to me. He was on the managing board at the Phillips company in Belgrade, and was seemingly well-off – not rich, but well-off. He worked in a large store. Mr. Spitzer sent someone to the train station and had already rented a room for us, and everything at the cost of the Jewish Community. He said: You’re our guests here! He understood how difficult our circumstances were. My mother still had money, but didn’t know, of course, how much she was going to need. We were in Belgrade for three weeks because wasn’ able to get a visa for Bulgaria, despite Mr. Spitzer’s help. During this time my mother and Mr. Spitzer’s wife became very good friends; it was a beautiful connection. We were always invited to their place on Friday night for Shabbat dinner. After three weeks my mother succeeded in getting us a transit visa for Bulgaria.

Then something awful happened. On the Bulgarian border the Bulgarians didn’t let is in, since my mother had one passport, which my sister Miriam and I were registered on. But she had nothing for my brother Isi. Isi was 14 years old at the time. He needed a passport, without a passport they wouldn’t let him into the country. As I learned much later, the Bulgarians at that time were really afraid of communists and communist youth who wanted to turn Bulgaria into a communist country. And they didn’t actually know if Isi was a Komsomol or if he was Mrs. Kempler’s son, as he said he was. To acquire a passport for Isi, my mother would have had to go to Poland. The officials said, we’re sorry, you can’t come into the country if the boy doesn’t have a passport. Oh God, that was horrible! The train left without us and we had to go back to Belgrade. My mother immediately called Mr. Spitzer in Belgrade. Luckily we had him! On this occasion he even sent a chauffeur to the train station. The room that we lived in was still free, and we moved back in. I guess Mr. Spitzer had sought counsel. After a few days he came by and said to my mother: there is only one solution, the boy is fourteen years old, at that age he can stay here as an apprentice. It’s very normal in Europe to have fourteen-year-old boys begin an apprenticeship. I know a woodworker; he’ll live there and learn woodworking. When he has a profession, he can work in Palestine on a kibbutz . He won’t be alone, we’ll take good care of him. Take the two children and leave the boy here. My mother began to cry, but after a couple of days she saw that there was no other solution. So she decided to leave my brother in Belgrade and go on with my sister Miriam and me. We all cried a lot.

We took the train to Sofia. Until Sofia, all the cities we’d been to had had the air of a European city. In Sofia the train station was next to a farmers’ market, right in the street. There were horses and donkeys there, and the farmers sat in the street. Everything was very dirty. I had never seen anything like it. It was a whole different world, and it fascinated me. I became the leader of the family there. My mother wanted to call a taxi, which wasn’t possible because all they had were horse droshkies. My mother couldn’t even make herself understood. I said: wait, I’ll bring you a droshky! I went to the droshky driver and led him by the hand to our suitcases.

We were only in Sofia for a short time, since there was problem getting a visa for Turkey. Our next stop was Istanbul.

Istanbul was also dirty, our hotel as well. The food was oriental and very strange. I had no problems, sometimes it tasted good, sometimes it was even delicious, and sometimes we had to laugh when we got food in the hotel. The streets in Istanbul were completely different than what I knew – narrow and curvy. And then there were the mosque roofs and minarets – all of that fascinated me. In Istanbul I was also fascinated by the Turkish bloomers the men wore. My mother had to explain it to me; I found it very intriguing. I marveled at the beautiful oriental synagogues, and there was something else there that I can remember: there was a bridge over the Bosporus that they’d lift a couple times a day, twice maybe, so that the ships could get through. I saw it from afar and needed to get there so I could understand how it functioned. Since we had enough time, my mother went with us to the bridge the next day. That image will stay with me forever.

I was a very active child, I moved around a lot, asked a lot of questions. My sister Miriam was more of a nervous child, always clinging to our mother’s apron, as they say. I ran through the streets of Istanbul and would find my way back. I was never afraid and never got lost. I really enjoyed the whole journey. We didn’t know anyone in Istanbul, but I think in Belgrade or Sofia my mother got the addresses of a man in Istanbul, and she got in contact with this man. We needed to go with a smuggler from Istanbul to Syria, and then cross the sea illegally with fishermen. But we needed to get to Syria first. After a few days in the hotel in Istanbul a man showed up who promised to help us as soon as it was possible for him. But he would have to deny every having met us. A short time later a truck with boxes of fruit came, since Turkey shipped fruit to Syria. Said, the driver, wore bloomers that almost reached the ground, and I laughed a lot. First we needed to put on Arab clothing. Miriam and I were placed between the fruit boxes, and our mother sat next to the driver so that it would look as though we were a family – husband, wife, children. The uncomfortable trip lasted a number of days. The driver had friends on the Syrian border, so there was no problem – we could proceed. The man brought us to Haleb, a large city in the north of Syria. He left us at a boarding house, and then was gone. Our suitcases were also gone. We couldn’t communicate – the people in the boarding house spoke Arabic and French, and my mother spoke German and Polish. The man from the boarding house didn’t know how he should talk to us, and then he had a good idea. He went into the city and brought back a man, Mr. Chakim, who was from a rich Jewish family. This man and my mother were able to speak with one another, I don’t know anymore whether it was German or Polish. My mother told him everything and he invited us to his house. We were given a room, and his wife gave us and our mother clothing. We had to immediately change out of the Arab things since we didn’t want people to notice that something wasn’t right. If someone had asked us something in Arabic, we wouldn’t have understood and been able to answer. Then the police might have noticed us. After two days, I can’t remember much more, I also don’t know what the house looked like, the man brought us new suitcases filled with new, beautiful clothes, and he gave my mother the address of a Jewish restaurant in Beirut [today Lebanon]. At that time Syria and Lebanon were under French control. The restaurant owner was supposed to help us get to Palestine. He wrote a few words for him on a piece of paper, then he brought us to an Arab bus that looked like a truck. He spoke with the driver; he did everything to make sure we made it to Beirut alright. He told the bus driver exactly where he was to bring us in Beirut, and gave him food and baskets of fruit. We sat behind the driver during the trip, I watched the Arab women in their burqas – I had never seen anything like that before and was fascinated by it.

In Beirut my mother gave the note to the restaurant owner and he brought us in his car to a house in a village. The house had a heavy gate and there was a fountain in the courtyard. The restaurant owner could speak a bit of Yiddish and told us to stay there, that he would take care of everything. He came every other day and each time brought one or more Jews with him. A family from Cologne arrived, a couple with two children in our age group. We played with the children. I remember that the husband was the headwaiter in a large café in Cologne. He spoke good French, and later really helped us out.

The plan was that we would be taken to Palestine on an Arab fishing boat and the fishermen would bring us to shore.

We were in the village for two weeks. My mothers had less and less money since the restaurant owner needed more and more money for the smuggler.

Before we had left Berlin and during our travels, my mother sent letters to our father in Palestine but she didn’t know if he got the letters.

We kept asking when we would be leaving and they always answered us: wait, wait, wait. Then there were about twenty of us waiting in the house in the small village. They would tell us that we’d be leaving some evening this week, and then it would be pushed back again, because of the stormy sea, for example. Until one day they said: we’re leaving today! Two small busses came into the courtyard, our suitcases were tied to the roofs and then we were really off. We were to meet the Arab fishermen who were bringing us to Palestine somewhere along the cliffs by the sea.

The bus driver was afraid that we would be stopped by the police and inspected, and so they took routes over sand and stone. All of a sudden we saw headlights in the distance. The bus driver knew that it could only be the police. There was a plan for this occasion to be used now: we were a group of tourists on their way to Egypt who had deviated from the road. There were arguments between the tourists and the bus drivers about the payment. One of the bus drivers began throwing the suitcases and boxes from the roof of the bus. He screamed to the supposed tourists: we’re not going any further, you can stay here! In the meantime the police had gotten out of their car and didn’t know what they should make of this. First they wanted the buses to follow their car to Beirut, and explain the situation from there. The bus driver explained that the bus’ motors were not in good shape. Because the police had no interest in driving behind two broken buses, they said: take the people back in the cars, and go with them to Beirut. It’s not our problem that you haven’t received enough money from them, but we want all of their passports. You can pick up the passports tomorrow at the police station in Beirut, then everything will be cleared up. The police collected all the passports. They counted the people and the number of passports. Once they were gone the bus drivers said: quick, quick, we’ll go on without the passports! On account of the names in the passports, the police would figure out immediately that we wanted to go to Palestine illegally. The bus drivers quickly threw the suitcases from the buses again, and we drove to the sea. An Arab was waiting there and showed us the path with a flashlight. And then we were on the sea. Arab fishermen carried us through the water to the ship. Miriam and I were carried together by one Arab, he took us under his arms, Miriam under the right one, me under the left one. Even the adults were carried on the backs of the Arab fisherman. Everything needed to go very quickly. We got on the boat and were immediately underway. The aim was to bring us to Palestine as quickly as possible.

We slept on sacks in the belly of the ship. Everything smelled like fish. Many people had to throw up because of the rocky sea. No one was allowed on deck to get fresh air. It would have been too dangerous since we couldn’t be seen. As we got closer to Haifa the fishermen saw searchlights that were sweeping the sea for illegal ships. They turned back to the sea. The following next night the ship was somewhere south of Haifa and the fishermen saw even more searchlights. That’s how they knew exactly where the harbor in Haifa was. We needed to wait a few more days. All we had to eat was pita and olives. I didn’t like the olives, they were so oily, and so I only ate the pita. That I can remember.

Someone told us later that the English really were looking for us because they knew we were coming when we didn’t go to Beirut to pick up our passports.  The French had understood immediately and relayed to the English that we were on our way to Palestine. On the fourth night their search efforts had subsided a bit and our ship went closer to the beach. We were brought to the beach in a small boat. This is Palestine, the rest is your problem! They left and a couple of suitcases were also gone.

It was September. We stood on the beach, our clothes were wet. Our skin began to itch. We got undressed, laid the clothing out on the brush so that they would dry a little. It began to get dark. I was very thirsty and wanted to drink, but there was no water. We began to cry. But no one could help. The next morning the adults deliberated on what they could do. They decided that we should head south, because the Arabs had said that that is where Haifa was, and we knew that Tel Aviv lay to the south of Haifa. We didn’t know how far it was to Tel Aviv. Along the sea there was a path for horses and donkeys, and we walked along it. At first we encountered no people, then we saw Arabs. They were carrying vessels. We knew that there was water in the vessels, but we were certain that they wouldn’t give us any water because they were going to work and the water needed to last the entire day. We wanted to speak with them, but we only knew the word maim, which is water in Arabic.

They understood us and one or two of them gave us children a little water. I don’t know if the adults drank, but we children drank. Then the Arabs kept going. We schlepped slowly ahead; we were tired and sad. It was awful! We kept going until we saw a tree. It was the first tree we saw – finally a little shade. And the adults decided that we’d sit under the tree and wait until someone came by, since none of us could keep going.

After some time a large, black taxi came from the direction of Haifa. We signaled. We thought that if the taxi was driving in the direction on Tel Aviv it could take one or two of us. But the taxi didn’t stop. After an hour we saw another taxi, but it was heading in the other direction. We didn’t lift our hands as it wasn’t our direction and it drove past us. But then the car came back and stopped under the tree. Luckily for us, the father of the other two children, the waiter from Cologne, could speak French. The driver of the car understood immediately that we were illegal emigrants and drove us to Atlit – first the women and children, and then the men. In those days Atlit was a small Jewish fishing village with a few small houses. He said to us: there are Jews here. Once they saw us, the families in the houses also understood right away what was going on. They brought us into their houses, and each person immediately began recounting what happened. They spoke Yiddish, and so we were able to communicate. They were probably Russian Jews that had already been living in Palestine for a long time. They brought us food, we showered, and then it became a bit easier. We also told them that they had been lookin for us with searchlights and they said: they’re looking for you, and they want you! And if they find you, who know what will happen! It’s dangerous to stay here, but you want to go south anyway. Today is Shabbat, there are no more trains today, but tomorrow morning there is a train. Spread yourselves out in different compartments so that you’re not conspicuous. A member of each of our families will go with you on the train; they’ll help you if something happens. Luckily nothing happened. That’s how we got to Tel Aviv by train. 

We stood there in Tel Aviv and knew no one. You must know that at that time Tel Aviv was a small city. There was a lot of sand, but on the other hand it was also European. The houses were small and had red roofs. There were already two-story houses here and there, but they were few. And there were very few paved roads, two, three main streets, otherwise there was sand everywhere. For example Ben Yehuda Street was only about one hundred meters long, maybe even less. The train station was on Allenby Street, and there were sidewalks to the left and right made of wooden planks so that the people didn’t get stuck in the sand. That was Tel Aviv in 1933, you got stuck in sand.

There were few cars on the road, there were camels and horse-drawn droshkies. The horse-drawn droshkies had two large and two small wheels. The Arabs mainly drove the horse- and camel-drawn wagons.

My mother had tied money and a piece of paper to her body with the address of a Jewish family in Tel Aviv. We took a droshky, she gave the driver the address, but as we were riding through Nachlat Benjamin, a woman suddenly yelled “Mrs. Kempler, Mrs. Kempler, welcome, welcome to Eretz Israel!” It was Mrs. Rabinovich from Berlin. Her face was beaming. Mrs. Rabinovich and her husband had already been living in Palestine for a few years.

There weren’t many droshkies at this time, and if a droshky went through the street everyone watched it. A droshky was an attraction. Other than that, droshkies always had bells, everyone heard that a droshky was coming. And that’s how Mrs. Rabinovich saw our mother. We got out of the droshky, they kissed each other, and she brought us to her apartment cooked for us.

The next day they discussed, with her husband as well, who was already very much a part of the community, how they could find my father. We wanted to get to him as quickly as possible, of course. My mother actually had an address, but it was no longer correct. Mr. Rabinovich had gone there straight away, but my father wasn’t there anymore. No one knew where my father was. In those days you didn’t work in one place as a pastry chef, but rather one day here, another there, since no one sought cakes back then. There were bakeries, but no pastry shops. So my father worked in a different bakery every day. He had an address, but very few people knew it.

Tel Aviv

I want talk a little about Tel Aviv at this time: in those days no one locked their doors, since there was no crime. Groups of people were always standing together on the streets and discussing everything. You could see people dancing at night on some of the streets, for example on Allenby Street. People from various European countries danced the Horah and similar dances. It was a wonderful atmosphere, everyone was content, despite the fact that life wasn’t easy. There wasn’t much food. Arabs brought bread, eggs, milk, cheese, and vegetables to Tel Aviv on camels or donkeys. The Arabs lived on a very low level. They had even less than the Jews. The relationship between the Arabs and Jews was normal at that time. Tel Aviv was a construction site, things were being built throughout the city. The Jewish construction workers made good money. They worked together with the Arabs, and learned a lot about building from the Arabs.

There were a few offices and banks, but shops were the first to develop once Jews came to the country in 1933, since up until 1933 only poor or idealistic Jews had been coming over. They hadn’t brought much money and so couldn’t enrich the community. But the had brought along dances and songs. After 1933 a lot of middle-class Jews with ties and better professions arrived from Germany. They had to look after themselves, and it was certainly difficult for these people. But they opened stores – groceries, clothing, shoes – the basics. A lot of Poles also came to the country at that time, because they were afraid of what could still develop. There were two groups of Poles: a large group, the Chalutzim, and a small group, the middle class. The middle class people already had small stores in Poland. They had some money and also opened shops in Palestine. The whole atmosphere was easy. I think the atmosphere was so good, that it was stronger than everyone’s worries. Of course we heard about what happened in Germany, but maybe the adults worried. I didn’t notice it as a child, anyway.

Mr. Rabinovich kept looking for my father. He knew the ropes in Tel Aviv, and so the search was easier for him than it would have been for my mother. A few days later he found a bakery in the south of Tel Aviv that was already a half Arab area, and there they told him where my father was living. That was a few days after we had arrived in Tel Aviv. He came and said: I found him! My mother wanted to go to him immediately, but Mr. Rabinovich said: it’s better if you go to him tomorrow.

The next morning we went there, and if Tel Aviv was poor, it was much, much poorer there. There was only sand and orange groves.

We had an address. It was a small house, but my father didn’t live in the house, rather in a shack in the courtyard. We went in and we saw him. He was sleeping. He worked during the night and we arrived in the daytime. And my mother looked at him, I don’t know what she was feeling and thinking. She hadn’t seen him for months. At home we knew my father in a beautiful apartment, and there he was lying on an iron bed and sleeping. Good, we waited until he turned over a little, opened his eyes, and then he had an enormous surprise. We kissed and sat together and my parents talked about everything that happened in the meantime. My father wasn’t in a good state: he didn’t have any more money. They began to discuss what they were going to do. There were a few places in Tel Aviv for new arrivals. They were wooden shacks and the Zionist organizations gave all new emigrants a bed in these camps. They weren’t rooms, they were large halls, and they distributed beds among the new arrivals so they could sleep. These people were in a much better state than my father in his room. Maybe he didn’t know how to get a place. I don’t know why he lived in this hole, but that’s how it was.

We didn’t know how things would progress. My father went to this office and asked: Can I get a place here with my family? They could accommodate all of us, but not together. In the camp there were rooms for men and rooms for women. There weren’t rooms for couples. Children were housed in a village in an area near Tel Aviv until their parents had found something. It was difficult, but that’s how we had to do it. Our father got a spot, our mother got a spot, and they’d meet up every morning. My father got information from Mr. Rabinovich about work possibilities, as my father had new situation since our meeting in Tel Aviv. Until that point he had only himself to worry about, and now that we found him he needed to worry about the family. He hadn’t yet given that any concrete thought.

Then my father decided that we would open a restaurant – not a pastry shop, but a restaurant. A restaurant still involved food. Mr. Rabinovich continued to help him. He looked with my parents for a place for the restaurant. They found a single-story house south of Tel Aviv, in Shrunat Shapira. That was where the old bus station was. Shrunat Shapira was still under construction, and Mr. Rabinovich helped my father get credit with the bank. The building was still under construction, and my father had to fill it with chairs, tables, and appliances for the kitchen, and he began cooking. The lower floor was made up of five rooms and a closed terrace. That was our apartment, and that’s also were the restaurant was supposed to go. Two rooms were for the guests, one room was the kitchen, and we lived in one and a half rooms. Other people lived on the second floor.

At this time many farmers or people from the villages volunteered to take in children from new immigrants so that their parents could settle in. Miriam and I went to the Moshav in Nes Ziona to the Feller family. The Fellers were very, very nice to us. They were originally from Russia, but had already been in Palestine for many years. They had a large orange grove and wine, and were doing economically well there. One of their sons went to a high school in Tel Aviv. Not every one could go to high school. Most of the children at this time went to school for six or seven years, and then began to work. The Fellers’ son went into Tel Aviv every day. That’s how you knew that they were pretty rich.

They family spoke Hebrew and Yiddish, but we couldn’t speak Hebrew yet and the Yiddish that they spoke was a Russian Yiddish. We didn’t understand it. So communication was very difficult.

We spent the whole day in the yard. There were chickens there that ran freely around the yard and the wife fed them bread and things. There were also donkeys in the yard. I wanted to get on the donkey, but would keep falling off. We were also really interested in the round oven that they baked bread in. It wasn’t a European oven, the Arabs also had ovens like that, which looked like igloos. Inside was a fire, and on top of the thing they didn’t bake bread, but rather a flat bread. That was the bread. Sometimes they also threw bread in, but then it was pretty thick. In those days all farmers had these ovens in their yard. They learned that from the Arabs. Miriam and I were really interested in how these ovens worked, how it functioned.

There were also various instruments for cutting vegetables. There was a lot for us to see, anyway.

Then the Fellers wanted us to go to school. Good, we went to school for one, two days. We sat there and didn’t understand anything. And the children called after us “Yekkes, Yekkes” [colloquial term in Yiddish for German-speaking Jewish immigrants to Palestine in the 1930s, and their descendants in contemporary Israel]. The children are always rude. “Yekkes, Yekkes, Yekkes,” so we didn’t want to go there anymore.

Despite the fact that the whole family was good to us, it was very difficult for Miriam and me. We were there for over a month. Then Miriam and I decided that we’d go to Tel Aviv and look for our parents. But we knew that we needed money. We knew you got there with the bus, and that the trip was long, three times longer than today since there weren’t any streets yet. We knew that we couldn’t walk the whole way. We also knew how we could get some money. We went into a store, I can still remember exactly, and we asked the shopkeeper if he could give us money for the bus to Tel Aviv, we wanted to go to our parents. The people in the area knew everyone, and that there were two children from Germany staying with the Fellers. Everyone knew everything back then. If something happened somewhere, everyone knew. They knew us, since we walked around the village.  The shopkeeper immediately knew what was going on. He said: no, I can’t give you money, but stay here for a little while. Then he gave us candy. We understood that wouldn’t be getting any money from him, so we said to ourselves: good, then we’ll go like the Arabs.

Jews and Arabs walked along the main street in the village. We saw that the Arabs went with a stick on their backs, and hanging from the stick was a sack with their things and a water jug.

Miriam and I consulted with each other and decided to do the same. There were a lot of water jugs in the yard where were living, and we broke a stick off from a shrub. There was a small mountain near the house with garden on it. One day after lunch, during the time when no one was there, we brought a water jug up there and hid it. We also carried up a stick, and so we were prepared.

We got up early the next day and went off in the direction of Tel Aviv. We didn’t get very far. It was during the grape harvest. There were a lot of wagons that were brining grapes to the wine cellars. We left; we didn’t care about that. But a farmer sitting atop a wagon stopped us. He knew immediately what we were up to. It was very obvious: two children are walking with a stick carrying water and provisions. Where are you going? He asked us. We said we going for a walk. He knew that that wasn’t true, but his wagon was full of grapes. He unloaded the grapes in his cellar and then followed us. He asked us again: you’re going for a walk? Yes, yes, we’re going for a walk we said. You know what, I’ll take you on my wagon and bring you home. It will be more comfortable for you and you won’t have to walk here in the sun. Of course we didn’t want to get on the wagon because we knew that it would go back. He lifted us onto the wagon and brought us home. We cried, it didn’t help. From that day forward they kept a more watchful eye on us. About two weeks later our parents came and told us that they had an apartment and the restaurant would soon be open. It wouldn’t be much longer before we were together again. We were very excited, and not long after our parents came and collected us. We got new clothes from the farmers and then went with our parents to Tel Aviv.

Miriam and I were happy to be back with our parents. In Tel Aviv we moved into the newly built house. Our parents bought tables and chairs, the first things for the kitchen, iron beds and mattresses. The mattresses weren’t like they are today, they were just sacks filled with straw that you had to pound into shape. Since there wasn’t gas or electricity, you cooked with petroleum. The petroleum always smelled really bad, but no one ever complained about it. My parents cooked German food. Our guests were the workers building the houses there. There were about twenty guests spread out over the course of a day. The people who lived nearby also came for supper. My mother always filled the plates to the brim, and everyone was so grateful to my parents. They felt very at ease and always ate well, and for so much food, didn’t pay that much. But my father always said to my mother: Liebe, if you keep filling up the plates like that we’re going to go broke. The workers earned money, but they couldn’t afford much. And if one of them was out of work, which happened a lot, he wouldn’t have the money to pay anymore and have to put it on credit. Each shop had a book where they’d write what each customer owed. Our parents filled an entire book, but many could never pay. In Israel in those days there were other ways of paying.

There were piasters and pounds. One hundred piasters were a pound. But because a lot of things were cheaper than a piaster, each shop printed or wrote their own money: a half piaster, a quarter piaster, and so in each grocery store you paid with the money that the store had produced – if you could pay. There was even a half piaster of metal. I still own a half metal piaster. This money wasn’t recognized by the government. Either you would exchange a piaster for small money in the particular shop, or if you had no money at all, you’d pay on credit. We went broke after two years.

The neighborhood we lived in and where our restaurant was located was, for tax purposes, part of Jaffa. Jaffa was an Arab city and Tel Aviv was a Jewish city. The English didn’t have schools for Jews; there were schools for Arabs. They said to the Jews: take care of your schools yourselves. The children from Tel Aviv could go to school for free. The city financed it through taxes and money from Europe. Since we didn’t live in Tel Aviv but were part of Jaffa, my parents had to pay tuition. And that was not cheap!

It took a few weeks before everything could be cleared up bureaucratically. Then Miriam and I could finally go to school.

They built a couple of school buildings in Tel Aviv. But there weren’t enough schools because a lot of people from all over the world were immigrating to Palestine. So apartment buildings were rented as from the city school buildings. For the first two years we went to the Bialik School, which was located in an apartment building between Berech Salame and Rechov Lewinsky. There was no schoolyard, so during breaks we would walk around the street. Because there weren’t enough classrooms, they rented another house. That’s how the schools were in those days. Miriam and I learned Hebrew very quickly. There were always around twenty children in a class together. I went to this school for two years.

The classroom language was Hebrew. The teachers came from everywhere. We had lessons in Hebrew, arithmetic, writing, reading, and biology. Biology was a very important subject. We began learning English later, but we didn’t have any religion lessons. After my father learned that we weren’t learning anything religious there, he said that he wanted me going to a school where you could also study religion. He found the Beit Sefer Tachkemoni school on Lilienblum Street, and I studied a lot of religion there. I went to school for eight years; for six of those years I had a lot of religion classes. But the lessons were modern, not like in a Cheder.

The kids I went to school with were from different European countries. There were also children from Germany. But at school I never spoke in German with them. I knew where these children were from, but we always spoke in Hebrew with one another.

My parents never learned Hebrew. They knew some words in Hebrew, but they conversed in Yiddish. There were a lot of people in our neighborhood who spoke Yiddish. That means that the conversational language was Yiddish. The majority of residents were from Poland and Russia. And the ones from Germany picked up Yiddish quickly, since German and Yiddish are so similar. Yiddish literature was brought over from abroad, so that was also no problem.

The general atmosphere back then was determined by the chalutzim. There was a saying: Yehudi daber evrit! [Jew speak Hebrew!] The chalutzim’s goal was to have all Jews in the country speaking Hebrew. I can remember that when people spoke in Yiddish with eachother on the street, the chalutzim would go up to them and say: “Learn Hebrew!” To them, Yiddish wasn’t a rich language, but Yiddish stayed strong since many people couldn’t learn Hebrew. The children all quickly learned and spoke Hebrew. They became real Israelis very fast. But even today there are circles where people still speak Yiddish because it’s their mother tongue.

Things went well for me. There were always a lot of kids on the street and I had a lot of friends.

There were two things that had very negative economic impacts on the area. They were, firstly, the Arab Resistance [April 1936 until 1939] and, secondly, the war in Abyssinian [1937].

The Arabs wanted the Jews to disappear. In those days the Arabs didn’t have heavy munitions yet, but cleavers, swords, and sticks, which they’d use on the Jews. Where they saw a Jew, they killed him. That was a difficult time. You had to guard everything: the kibbutzim and the cities. Our house was fairly close to the fence for an Arab orange grove. There were mostly stone houses in the neighborhood we were living in, but next to us was a quarter where Jews who didn’t have money for an apartment lived in wooden shacks. Anyone could put up a shack there. Every night the Arabs came from the orange grove and lit bottles with petroleum and threw them at the wooden shacks. They did this for weeks, and they managed to set fire to wooden shacks. During that time the Haganah very quickly organized, and the Chaverim [friends] of the Haganah went into the orange groves at night and captured the Arabs before they could set fire to any more wooden shacks. Then that stopped. And then the members of the Haganah, who were armed only with canes in those days, also guarded the streets.

At this time, 1936, my parents went broke with the restaurant. We had to sell the restaurant and leave our apartment, since we couldn’t pay for it any more. 1936 to 1939 was the most difficult time in Palestine. There was a lot of unemployment at this time and even young people were on the streets and starving. Many went back to Europe.

We had to move out and our family lived in one room. There was no bath, no shower, and the toilet was in the courtyard. But I didn’t suffer. It was difficult back then, but it was difficult for everyone. You didn’t have the sense that one person was rich and the other poor. There was only a very small class who had it better. But it was really very small. The majority was poor. Even my father couldn’t get any work and we needed to count every penny. My father then set up a lift on the street – it was a big crate in which personal effects from Germany and Austria were sent to Palestine, and which often served as a first residence in Palestine – and opened a small pastry shop. He still owned a few appliances from the restaurant that he could still use. He built a table and began baking cakes. Then he sold the cakes to stores, and that’s how we lived.

I’d often bring cakes to the stores with my father when I came home from school. We had two suitcases, and I can remember exactly how he and I would walk the streets to the stores. But not all the stores could buy, since they also didn’t have any money.

Unfortunately it was exactly at this time that the nice Mr. Spitzer from Belgrade visited us. He came to Palestine without his family in order to take a look around. He sent greetings from Isi and told us all about my brother.  Mr. Spitzer had sensed that Europe was beginning to burn and wanted to see how you could live in Palestine. He was a guest in our “hole,” and that must have certainly shocked him. He went back to Yugoslavia.

Isi, our brother, came to Palestine at the beginning of 1939. We hadn’t seen him for six years. During that time he had become a young man, but I recognized him immediately. We were lucky that he could still get out of there. A group was put together, and he went with this group to Palestine.

After the war we tried to find out about the Spitzer family. It was important, especially for Isi, since he felt very connected with the family and thankful for everything they had done for him. But we found no trace of the Spitzer family.

Now I want to talk about my sisters who stayed in Berlin when my mother, Isi, Miriam, and I were travelling: Fanny, my eldest sister, went to France with Hakhshara after we had left Berlin. She went to Palestine with this group, one year after us, I think. She got married in France. But it wasn’t a real wedding. The English were giving out certificates for entry to Palestine, and if someone got a certificate they could also bring their spouse. So all the men and women in the group were married.

Fanny’s husband, Nathan Treuherz, in Israel Nathan Tohar, was also a Berliner.

They lived with us for a short time. I remember that Nathan and I slept in the kitchen of our restaurant, and Fanny slept in the room with my parents. In Tel Aviv they got properly married by the Rabbinate. Then they relocated to a tent camp.

In Be’er Tuvia, which is a wealthy town today, tents were set up for them and they went there to work for the farmers. I spent two of my summer vacations with my sister Fanny and her husband in Be’er Tuvia. Then the whole group decided that they would found a new form of cohabitation – a mix between a kibbutz and a Moshav. Everyone could own their own house. At the beginning they continued to eat in the dining hall like on a kibbutz, and the machines belonged to everyone like on a kibbutz, everyone got the same wages and the children slept at home. They pulled it off over a considerable length of thime. In 1938 they established the Moledet settlement near En Harod, which isn’t far from Emeg Israel. Moledet means homeland.

Nathan was from a well-to-do family. He had a strong personality, and was the Madrich – the leader of the group – on Hakhshara in France. He had a number of important positions in Moledet as well.

The Arab Revolt was still going on when they established the settlement. The Arabs didn’t want places to be settled. Already on the first night the settlers were attacked. They developed a system: Choma u Migdal, which means wall and tower. Before the settlers began building the settlement, everything was prepared accurately. Parts of wooden shacks were loaded onto a truck. That always happened early in the morning. Kibbutzniks [the inhabitants of a Kibbutz] and members of Haganah were mobilized for this day in order to protect the settlers from attacks.

The settlers arrived with two trucks carrying the tower, wooden walls for the wall, and the parts for the barracks. Wooden walls were put up all around to protect the settlement. Two wooden walls were erected parallel to one another with a distance of around a half meter around the whole settlement, which came to about fifty meters. The space between the walls was filled with rocks, and cement was poured in-between the rocks. While one group of settlers – maybe ten to fifteen young people – put up the walls, the other set up the barracks between the walls, as well as the watchtower, which was placed in the middle and was about five or six meters high. The tower was brought as a whole piece. That’s how settlements were back then – maybe two, three wooden barracks, the tower, and the surrounding wall.

Not just the Arabs, but also the English, wanted to prevent the settlements, but there were so many of these places. The English police came in the evening, but they couldn’t do anything: the official laws in Palestine were still the old Turkish laws. That means the English followed the Turkish laws. There was one law that stated that, if someone illegally builds a house and if the house already has a roof, then it can no longer be torn down. The roof had to be put on very quickly. So people built many, many wooden houses. You couldn’t build a stone house like that, but you could build wooden houses pretty quickly. When the English heard what was happening during the day, there were already roofs on the wooden houses by the time they got there and they couldn’t say anything anymore. On the first night the Arabs attacked and fired at these settlements, but they couldn’t get in because the settlement was guarded. The settlers weren’t allowed to have weapons. The highest Jewish organization and the English government spoke, and the Jews said: you know that the Arabs are attacking Jews and that may Jews are being murdered. That doesn’t look good for you. You have to give us the possibility to defend ourselves. Otherwise the world will look down upon you.  They found a compromise: a troop was formed, the ghaffirs. These were auxiliary police officers trained by the English. They also received weapons but weren’t allowed to shoot them. Each settlement received around six ghaffirs, but they were limited in what they could do. On every tower there was a large searchlight powered by a generator, and each night they swept the area. There were also Morse code devices. It was possible to establish light contact between the settlements and the kibbutzim. That means that every night the guards exchanged information using searchlights and Morse code. There were courses back then to teach the younger people how to do it. There still weren’t any children in the settlements, but there were in the older kibbutzim and the older ones were familiar with the communication. It worked well.

For the first night there was no protection in Moledet. But on the second day six settlers registered as ghaffirs with the English. They were given uniforms with tall caps [Heb. kolpak] and weapons. They quickly completed a course, but since they were already members of the Haganah, they knew everything even without the course. But they acted as though they didn’t know anything. These six were then the police for the settlement, and my brother-in-law Nathan was corporal. The ghaffirs weren’t allowed to work in the settlement, since they were being paid by the English. The English would often drive around and check on the ghaffirs. But the ghaffirs were needed in the settlement as workers. The tower was also occupied during the day and whenever the person in the tower saw the English police in the distance, he would whistle and the six would quickly run to their rooms.

Nathan came from a family that had lived for many, many years in Germany and thus felt German. Nathan’s father had been an officer in the German Army during the First World War and was killed. And Nathan’s mother was very proud that her husband had fallen for Germany. That was the atmosphere in Germany back then! Nathan had studied law and was supposed to have become a judge. But he became a Zionist and fought a lot with his mother. His younger brother, Zwi, who had studied mechanical engineering, also became a Zionist and fled to Palestine in 1939. Their mother stayed in Berlin because she felt German. Nathan read to my sister Gusti some of the letters his mother wrote to him from Berlin. In every letter there was one subject: leave the Jews in Palestine, come back, your country is Germany. I don’t know whether or what he responded. His mother couldn’t flee anymore; she was killed.

Nathan’s brother – he was also called Tohar in Israel – also came to Moledet. He had only been there for a short time when the war began. He signed up for the English Army, and because he was a mechanical engineer, the English, who were looking for those kinds of people, sent him to South Africa. He became a pilot there. At the start of the War of Liberation, Israel didn’t have an airport, just small airplanes and hardly any pilots. He was the only one who had already had many hours of flying and could then be appointed as a flier. EL AL was founded after the War of Liberation and he was one of the first pilots. I am very proud of him, because when Mossad [Israeli intelligence service] brought Eichmann from Argentina to Israel, Zwi was the pilot of the airplane. That was the first plane to fly directly from Argentina to Israel. It was dangerous because of the length of the flight. But he did it!

My sister Gusti came to Palestine in 1934 with the youth Aliyah. Gusti came with the first group from Berlin, which was organized by Henrietta Szold. Gusti and her group – they had already been together in Berlin – went directly to En Harod. From there she wrote to our parents: I am in En Harod and feel very good here, come visit. Back then it took a whole day to travel from Tel Aviv to En Harod. Today it takes an hour and a half. There was no road from Tel Aviv to Haifa. There was only one possibility: you had to go from Tel Aviv to Jenin, which is in the mountains in Palestine, and then to Nablus, and then by car from Nablus to Haifa, from Haifa to Afula, and then from Afula to En Harod. It was also possible to go by train, but that was even more complicated. Our mother then went to the kibbutz and you can imagine how that was for her. She finally had her child in her arms again. She stayed for two days and didn’t like it. She was appalled with the life she saw there. The food was strange for her and she found the life the youth there had together off-putting. And the dirt she saw was not for her. Then she also heard that everything belonged to everyone, that no one owned anything for themselves, not even clothes. You were given clean laundry, shirts and pants once a week – that’s how life was. Gusti was very enthusiastic, but my mother didn’t understand it at all. How can you have no linens, no clothes? And my mother then started taking charge of Gusti again and told her she was to come to Tel Aviv.  But Gusti wouldn’t hear of it, she was 17 and wanted to stay with her friends and work and the evenings where they sat together and sang. Gusti stayed for a while in the kibbutz until she noticed that life there wasn’t only nice. Then she listened to our mother and came to Tel Aviv a few months later. Our mother went and picked her up. She came to Tel Aviv with nothing. She didn’t have a dress; she had nothing. She lived with us, of course. She took a position as an assistant in an office. One day Gusti visited our sister Fanny in Be’er Tuvia. There she met a boy who then became my second brother-in-law. Friedel Bär, everyone called him Bobby, was also from Germany, from Leipzig. He was an attractive man, he had even been a boxer. He, like my brother-in-law Nathan, also came from a well-to-do family. His father and his father’s older brother had run a fur trade. They even exported fur to America. The father and uncle often went to Poland and Russia and bought furs there. Bobby had one or two brothers in Palestine, and one sister, but she didn’t want to stay here. She went to America. Things went well for her in America. I don’t think any of them are still alive. My sister became pregnant straight away and went to Bertuvia. Fanny and Gusti were then living with their husbands in Bertuvia.

As Fanny, Nathan, and their friends wanted to set up the settlement in Moledet, Friedel wanted something of his own. He was more of a capitalist; he wanted to own something. He stayed with Gusti in Be’er Tuvia and rented a house. He worked on a farm and earned good money. He had a lot of initiative and worked well and frequently as a tractor driver. As soon as Friedel had the money he bought his own house, two cows, and chickens, and then operated his own farm in Sha'ar Hefer. Sha’ar Hefer is close to Netanya. When the Second World War began, all men in Israel were called to the English military or the Haganah. At that time the English already had interest in the Haganah, not officially, but they weren’t fighting anymore. They were even able to mobilize Friedel, my brother-in-law. Though he stayed in Israel and guarded the country, since the German General Rommel and his troops got very close to Israel. My sister was then alone with all the work and it was very hard for her, since she was sick. She had a type of malaria with constant fever attacks. One day, I was 14 and was in the last grade, my mother went to the director of the school. She asked him to let me take some time off to help my sister with work. Since I was a very good student, the director and teachers agreed. So for the last three months I wasn’t at school, but still received my diploma. I went to Be’er Tuvia and helped my sister on the farm.

Gusti’s son Jakov was born in Bee’r Tuvia. He was very sick, he had a severe muscular disorder and died at the age of 21. Gusti’s daughter Miriam was born in Sha’ar Hefer. Miriam had a bad kidney disease. She died in Sha’ar Hefer in 1996. Friedel died in 2005 and Gusti died in 2008.

Fanny had three daughters. Ester was born in Moledet in 1939. She became a nurse and lives today in Kfar Yehoshua. Edna was born in 1945. She was a nursery school teacher in Moledet and still lives there today. Daphna was born in Moledet in 1950. She worked in Moledet and is still living there. Fanny died in the 1990s; Nathan had already passed in the 1980s.

I was a member of the youth organization Noar Oved. That’s where I met my wife, Ester. Ester had been born in Palestine. Her father was a baker. His name was Elisha and had come to Palestine in 1920, two years after the First World War, with a Zionist group from Poland. He was the only Zionist in his family. His parents were very orthodox and cast him out. I already talked about that. His father was called Shaul Chernebroda and his mother was called Tamar. Chernebroda is Polish and means black beard. In Palestine Ester’s father took the name Yechezkeli. Yechezkel is one of the prophets. Ester’s father had eight siblings. His parents and all his siblings were murdered in the Holocaust. Ester’s mother came to Palestine shortly after him; her father died in Poland. Ester’s parents had already known each other in Poland and were married. They had decided that Ester’s father was to go first to Palestine, and that Ester’s mother would come shortly thereafter. Ester’s Uncle Shimon, her Aunt Rosza, and her grandmother Ahuva also came to Palestine. Three of her mother’s siblings stayed in Poland and were murdered.

The members [Heb. Chaverim – friends] of our organization would always go the very poor places, gather the small children and play with them, since back then there were no official institutions for young children yet. We were fourteen years old at the time.  Ester was one of the leaders. Since that time we’ve stayed together – over sixty years. I liked her, but fourteen-year-olds are still too young. That developed later. 

At the time of the Warsaw Ghetto Uprising, that was 1944, we head news about the events in Europe. One day, information came from the Warsaw Ghetto from the Jewish historian Emanuel Ringelblum. He was known around the world. He was with his wife and son in the Warsaw Ghetto and managed to smuggle information about the Ghetto – he has set up an archive in the underground – to London. The news came to Israel from London. The Jewish politicians, the officers of Va’ad Leumi [the Jewish National Council (JNC), or council of Jewish people, was the national authority of the Jewish community during the time of the British Mandate] and the Sochnut [Jewish Agency (Zionist Organization with government function in Jewish Palestine before 1948)] didn’t want too much fuss in Palestine, and so they didn’t want these crimes to become known. Those were political reasons. The leader of our left-leaning organization had been good friends with Ringelblum in Poland, who was hunted out of his hiding place with his wife, son, and others in hiding, and shot. He said: We need to “stir things up” a bit in Tel Aviv, it can’t be that no one here knows what’s happening in Europe. He sent off all the young people from our organization. We took to the streets, went to all the cinemas and theaters, gatecrashed the theater performances. We interrupted the films and performances, went up to the front and talked about what was happening in Warsaw. That was the first time that we understood what had happened to the Jews. That all happened in one evening. The reaction was very strong, it created a great stir. And then, bit by bit, slowly, slowly, we learned more.  

After the War

After the war there were a lot of Jewish soldiers that had been in the English military during the war and had gone through Europe with military vehicles. And everywhere they met Jews they found them physically and mentally shattered. They brought many of these Jews, many of whom were survivors of the concentration camps in Poland, to DP camps in Germany. From Israel they organized mapilim [illegal transports/illegal ships] to bring the people to Palestine. That means that the Jews in Palestine did everything they could from this position. They wanted to bring all Jews to Israel. People were afraid that what happened could happen again. After the murder of the European Jews, there was no longer a safe place for Jews in Europe. All of them should come to Israel. That was the right attitude! But the English, the occupying power, were against it. They tried to intercept the ships at sea. There was a battle between the English and us. It was a hard fight, but the English couldn’t prevent these poor people from going to the only country in the world to offer them security.

Many that came didn’t talk about what they experienced. They didn’t want to burden their families. There are thousands of families in which the parents were married here, built a new life, and didn’t talk about what happened to them. Those are private things. The government and schools did everything to ensure that everyone in Israel knows what happened. Every year many schoolchildren travel to Auschwitz; it’s been like that for a while, not just in recent years. I have gone with students to Auschwitz a few times myself. I was also with Israeli students at the first “March of the Living,” since back then I was the director of all vocational schools in Tel Aviv. We traveled through many camps in Poland and the students were very distressed. A boy wrote a whole page of curse words in the guestbook in Auschwitz, he was so distressed. A whole page of curse words, the poor boy! I saw it and asked him: what are you doing there? He said: I have to bring it all out.

When my brother-in-law returned to Be’er Tuvia I went back to Tel Aviv. We didn’t have any money for the high school, it was very expensive. So my father and I decided that I would attend a vocational school. But there weren’t any real vocational schools. I wanted to be an electrical mechanic, and so we decided I would become an apprentice in a workshop. We found a placement for me. There were two German brothers, I think they were called Illenberg. One brother was an electrical technician or engineer. He had studied at the AEG in Berlin. These brothers were able to teach me a lot through German efficiency and trained me in precision. That enabled me to advance very quickly.  I don’t want to boast, but I do have a talent for electrical engineering. We mostly repaired generators. That was still during the war and there were no raw materials. We took parts from old machines, but there was no copper and we needed a lot of cooper wires. It was very educational for me to replace these copper wires through various combinations.  I worked and was otherwise very active in the Zionist party Poale Zion Smol; I was always busy! Ester and I were always together in the party, then we fell in love.

For years my mother made noodles. Father helped her make the dough, since that was the most physically arduous work. Then she rolled the dough out on plates on our beds, cut it with scissors, and dried it out in the sun on blankets in the courtyard. She packed the noodles in bags made of newspaper and sold them in shops or to neighbors. That was the family’s source of income. My parents wanted to move out of the quarter where we were living. It wasn’t easy for them there, but there wasn’t enough money for another apartment. Isi, who came to Tel Aviv in 1939, first went to Moledet where my sisters had been living. But when the Second World War began in September 1939, he went immediately to the military, since he really wanted to fight the Germans. Isi was in Egypt for the whole war. After the war Isi returned to Tel Aviv and received aid from the state. Back then everyone got points for specific groceries, since there was so little. Isi, as liberator, had a privileged position. He could officially buy more food. At the time my father had been renting a shop again and my brother could provide him with the items he needed for the baked goods, like sugar and flour. My father was able to begin baking and selling cakes again, and that was very good for his self-confidence. My parents could then buy a small apartment, not far from the former central bus station in Tel Aviv.

After the war Isi was a carpenter, he had trained in Belgrade, and owned a workshop in Ramat Gan, where he lived with his family. He was married to Desi, a survivor of Auschwitz. That was a Shidduch [system of matchmaking in Orthodox Jewish communities]. They had two children: David was born in 1960 and Shaul in 1963. They lived in Ramat Gan, on Rehov Bialik. Desi only survived the concentration camp because the warden of the camp thought she was dead when they were in their barrack. So she remained lying down. She was a Greek Jew from Theassaloniki. She was a nurse. It was a difficult relationship because Desi, after everything she experienced in the concentration camp, was very difficult. The apartment was always underwater when you visited her. She felt compelled to constantly keep everything clean, but that was the least of it.

Isi died in the early 1990s and Desi died in 2008. Today David is living in Ganei Tikva and Saul lives in Ramat Fan.

In 1944 my sister Miriam married the Polish Jew David Vinograd, in Israel he was called David Anavi. When Miriam was 21 my mother found out that Polish soldiers had arrived in Tel Aviv. My mother looked for a husband for my sister among these soldiers. She liked David the most.

David was born in Lodz in 1915. He had three sibling, Aron, Hadassa, and Dvora. His father, Elieser, was a bookkeeper. His mother, Chava, was a housewife. David was trained as a textile engineer. When the Russians arrived in Poland following the Hitler-Stalin Pact in which Hitler and Stalin divided Poland, David was already a soldier in the Polish Army in the areas occupied by the Red Army. At first the Russians locked him up, but released him shortly thereafter. He fled to the Soviet Union. First he worked in a children’s village. There was famine in the Soviet Union, but people tried to protect the children at least. There my brother-in-law found out that his father and older siblings had also fled to the Soviet Union from Poland. His father managed to get to David in the children’s village. His siblings found work in a town 40 kilometers from the children’s village. His father told him that their mother and Dvora, the youngest sister, had stayed in Lodz. His mother didn’t want to go into the unknown and Dvora didn’t want to leave her mother alone. A German neighbor looked after them until they were deported to Auschwitz and murdered. He found out about that much later. His father was very sick, and as the Germans were approaching he fled with David. But he didn’t have any more strength and said farewell to his son in order to return to the village. That broke David’s heart forever; he never saw his father again. His siblings Aron and Hadassa never saw him again either.

He became a soldier with the Polish armed forces in the Soviet Union. This army fought together with Allied forces. They went as far as Persia, Iraq, and Gaza. In Gaza many Jewish soldiers deserted to Palestine – David too. For the first year David was in the kibbutz Sarid. That was a very, very left-wing kibbutz. There were many fanatical Stalinists there who didn’t believe David when he said anything about the Soviet Union and would attack him. That’s why he left the kibbutz and when to Tel Aviv where he eked out a living with occasional jobs, mostly on construction sites. The hard labor made him sick. Then he met Miriam.

Miriam had two daughters. Chava, named after David’s mother, was born in Tel Aviv in 1946, and Ilana was born in Beersheba in 1950. In 1962 David and Miriam moved with their family to Kiryat Ono and David worked as a city administrator. Chava lives with her family on the kibbutz Dvir in the Negev, and Ilana lives with her family in Vienna. Miriam died in 2001 and David died in 2004.

Family and friends came to our wedding. It had a wonderful atmosphere. We danced and it was very fun. Of course my father, as a pastry chef, baked the cake –beautifully decorated cakes. One of these cakes had two or three layers; that was the main cake. One of our friends decided that this cake belonged to him and, during the wedding, snatched the cake away and ate it. We were so proud of this cake and then it was just gone. We photographed the cake. We still have the photos. We’ve been married now for 62 years. On the evening of our 62nd wedding anniversary my son brought us to a small hall and we were surprised to find the whole family and good friends gathered there. As we arrived, everyone began clapping. Our children organized it. That was really very lovely! But the next surprise was that, during the celebration, my grandson and granddaughter arrived with a giant cake designed to look like the stolen cake from our wedding.

After the wedding I continued to work and was also very active in the Haganah. All the young people were organized there. Then the War of Liberation began in 1947, overnight, when the UN decided that the state of Palestine was to be divided into two states. People say the war began in May of 1948, following the call for the state of Israel, but there was already war. It’s true that the war began the night from the 29th to the 30th of November, 1947. I was immediately mobilized. It had been bubbling up constantly, but there was war on the night of the decision. The Arabs shot at all the highways in the country, at Jewish cars. We already had munitions and were prepared. The military didn’t just need soldiers who could shoot, but specialists. I was a specialist for motors and generators. There were very few materials and we had to keep trying to piece things together. I had various kinds of motors and generators that were broken, and had to put parts from various machines together in order to make a generator. The generators were important for lots of things, like camps and hospitals. It was our luck that the English military, and other smaller military troops that were here during the Second World War and withdrew between 1945 and 1947, had been well-equipped and left their camps here. They had taken the good equipment with them, but they left all the broken equipment here. It was my task to put the machines together. My friends in the military would always laugh, they would say, you’ve crossed a cow with a sheep. I had a knack for being able to see fairly quickly how you could build a machine out of other machines.

In 1948 Jerusalem was divided between Jews and Arabs. The Hebrew University of Jerusalem has been on Mount Scopus since 1925, and back then there was also the large Hadassah Hospital. Until 1967 the mountain was an Israeli enclave in the Arab/Jordanian territory in eastern Jerusalem. On April 13th, 1948, one month before the founding of the State of Israel, an Israeli logistics convoy was attacked by the Arabs en route to the hospital. The British Army only intervened after six hours. 77 Jewish doctors, nurses, and patients were killed in the ambush. Afterwards the hospital was relocated to Ein Karem in western Jerusalem. The original hospital on Mount Scopus was first re-opened in 1967.  Mount Scopus was surrounded by Arabs. When the war came to end in mid-July 1949, the UN had intervened and decided that the Jews were to stay on Mount Scopus. There were university buildings there and it was difficult to guard them. You had to go through the Arab territory in order bring supplies to the people there, which was only possible with UN vehicles. There were Israeli soldiers on the mountain to guard the residents. The Arabs demanded there be no soldiers up there. That’s why we called them police officers  - but of course they were soldiers. Every two weeks UN trucks drove up and brought all the things the people up there needed to live. The soldiers on Mount Scopus were regularly replaced. To better protect the people, it was decided that the mountain was to be fenced in with barbed wire.  Of course the Arabs didn’t allow barbed wire to be brought up to Mount Scopus.

One day – I was working as a teacher in a vocational school then – an officer came who had been my superior in the military and said: Hillel, I need you urgently. You have to take leave from the school. There was such an idealistic atmosphere back then, and of course I wanted to help when needed. So they brought me up one day when the soldiers were being replaced on Mount Scopus. There was a giant library up there at the university, and people in civilian clothes also went to this library.  We drove up Mount Scopus in a UN truck. As we got to the top the officer, who was also wearing plainclothes, called to me: come Hilel, we need electricity, you have to help us. There was a large square with burned out and broken cars, broken motors and such things. A metalworker and mechanic were also there. I found various parts and crossed “cows with sheep,” and built a generator. The mechanic found a gas motor among the broken cars and we fit them together. It turned and in the evening we had electricity. The Arabs and UN were surprised. The officer called me again in the evening and said: Hillel, what you did was very good. But we want something better. And he said that an engineer from a barbed wire factory would be coming, he would bring a very small machine to produce barbed wire. The engineer had taken apart the machine and smuggled the parts onto the bus we rode in. An engineer in Tel Aviv had invented this machine. These strange machines were in the basement. How do you produce wire? You pull a course wire through a machine with a diamond, the hardest material there is, and the wire becomes thinner, you keep at it, and the wire gets thinner and thinner. There was also another very small machine that looked like a sewing machine. You pulled the wire through this machine with two thinner ones on the side. For that we needed another motor I built, and everything worked. It rotated and we could see the barbed wire coming out of the machine. We were very impressed! I was then renowned and received a wonderful thank-you letter from the chief of military engineering. I was very pleased! I could only do it because I had so much experience with generators.

The war lasted a total of one and half years. There were also breaks – there was war for a few months, then several weeks of rest, and then it started up again.

Our son Yigal was born on November 3rd, 1949. At that time I was still in the military, but the war was almost over. I could come always come home in the meantime. Our son was a great joy for the whole family, and I was very happy. We didn’t have an apartment yet. We rented a room until I was discharged from the army. There was no kitchen. A man and a woman had a three-room apartment and rented out one room. That was very normal in Tel Aviv in those days. That’s where our son was born. We bought our house in 1950. But it didn’t look like it does today. You can’t imagine how it looked. The house had 30 square meters and was a quarter of what it is today. We added a lot to it.

My son Yigal was married in 1973. Sarah’s parents came to Israel from Czechoslovakia after the Second World War. They came on a ship that the English sent back, but they returned. That was between 1945 and 1947. At that time many ships were arriving to the country with Jews. They, just like us, arrived to the country illegally, but many Jews could help them at that time. When they came from the ships they were immediately distributed to various places. Sarah’s parents went to a kibbutz. They stayed there; they liked it there.

My son works as a manager for an organization that looks after seniors. Sarah works for the health insurance agency. Their children are called Omri and Dganit. Omri is 36 and Dganit is 33. She is a manager at Tnuva, the oldest and largest dairy firm in Israel.

Once I was discharged from the military I first went back to my old job. I was an officer in the military, I gave orders. And when I was discharged from the military I didn’t feel good anymore in the workshop. I worked there for a few months and then someone I knew from the military offered me the opportunity to manage a small factory where new motors were being built.  I was supposed to organize the work there. I was an expert, I wanted to do something proper, and he wanted to make money. So I became independent. There was a room through my father’s bakery where I set up a small workshop. I was a good worker but a bad businessman. I knew that it wasn’t for me. A friend told me that an electricity course was being set up in the Shevach technical vocational school on HaMasger Street in Tel Aviv. That was just the thing for my disposition. I liked it there and worked as a teacher there from 1952 to 1977.

My father died in 1954, he was 67. He never owned a pastry shop again, but he had a bakery and worked as a pastry chef almost until the very end. His bakery was located near the old bus depot. It was a great relief for him, since he didn’t have to walk through the streets with his suitcase. He even had employees who brought and sold everything. Life in Israel at that time was a bit easier; you could buy more.

My daughter Diza was born in 1955. For 25 years Diza has been living with her husband, Chaim. They aren’t married and have no children. Both are doctors – she in geophysics and he in astrophysics. Ester says he looks to the heavens and she to the earth. Neither of them works in their professions. Besides Australia, she’s been everywhere you can as an Israeli. Currently my daughter is in Peru. When he’s not abroad, Chaim works in a planetarium in Mitzpe Ramon, a town in the Negev desert. Both my daughter and son-in-law like reading and have a large library. My daughter is also interested in family history.

Post-War Events

The Communist Party was illegal under the English, but during the time of the Second World War they were no longer persecuted. At that time we were inspired by the Russians, the Russian military, and the Russian battles against the Germans. We also knew a lot of Russian songs. With the founding of the State of Israel, the Communist Party was legal. Ester and I weren’t actually in the Communist Party, but the Zionist party Poale Zion Smol was a left-wing party. Our opinions and those of our party changed when we learned about what happened and what was still happening in Russia from Khrushchev’s speech during the 20th CPSU party convention in 1956. Everything we had believed in was a lie. Communism was a nice dream, nothing more.

On October 29th, 1956, the Suez War with Egypt began. I was on the border to Sinai; they needed me, but they didn’t need my skills as an electrical engineer any longer, since they already had motors and generators. After the Suez War with Egypt, my work as a teacher became somewhat boring. I wanted new task, a bit of variety. There was the possibility to go to Eliat for a large construction company. Back then Eliat was a rock desert on the Red Sea, and they wanted to build a city there. They therefore needed to establish an electricity department for the construction company. They came to me and said I was the right man for the job. I don’t know who from the construction company went to the director of my school and convinced him to let me go. In any case, I was released, since the work in Eliat was important for the whole country, more important than my work as a teacher in a school. I was very pleased. They said: leave your family here in Tel Aviv and work there. But I said: We’re going together. I packed our furniture onto a truck and we drove down. That was 1957. In Eliat there was only desert and a few houses. We lived in one of these little houses. We were on the sea in the middle of the desert. We had a wonderful life there, like a return to the spirit of beginnings.

It is very hot in Eliat. For example you would attach a thick layer of grain in the window frame with a wire, then water would be sprayed down from above – and that was the cooling. Around a thousand people lived there at this time and they began building a city in the desert. We were a commune; we sat together, ate together, the children slept at their friends’ houses. We went to the sea every evening. It was a wonderful life; very primitive and very beautiful. Everyone was happy there. After a year and a half we returned to Tel Aviv and I went back to teach at my school

On May 31st, 1962, Adolf Eichmann was hanged in Israel. His body was burned and his ashes were scattered in the sea.  The whole country was stirred up during the Eichmann trial. People were talking about it for a long time, but now it’s gone. Israel is still looking for Nazis today, but people don’t talk about Eichmann anymore. I don’t know what students at school know about Eichmann. Since 1951 there has been a memorial day in Israel to commemorate victims of the Shoah on 27 Nissan, Yom HaShoah. I hope that people talk about Eichmann then.

The Six-Day-War was in 1967. That was a short war, only six days long. I was in Beersheba then. I was with a troop of older people. Officially we were soldiers, but we didn’t need to fight on the front line. We helped younger soldiers, who could then fight. I was with the military for two, three months. They didn’t want to discharge me, since a lot was damaged by the war and they needed my expertise to repair large machines.

One day the city of Tel Aviv was seeking a director for all technical colleges. I was an autodidact, had read a lot of books, but I didn’t have an official education, no papers. As a director you needed a certificate from the university, and I didn’t even have my high school certificate.  Despite all that, I was the right man for the position. I knew that if I wanted to get ahead, I needed to study. While I was still a teacher at the school I began studying at home and completed the university entrance qualification. Then I went to university. Luckily I could arrange that. I drove back and forth between work at the school, back then I only had courses a few days a week, and the university. There was also the summer semester, and so I studied the whole summer. Then I completed university and, starting in 1977, was able to take over the direction of all technical colleges. That was, again, the right work for me at that moment in time. I joyfully performed the job until my retirement in 1990.

Ester also worked. She was a teacher and for twenty years she taught courses in artistic handicrafts and drawing for adults at a club twice a week. The rest of the time she looked after our children.

The Yom Kippur War began on October 6th, 1973. That was a hard war. They were many dead on both sides. I was already 48 and was exempt from the military service due to sickness, my heart was no longer so healthy, and age.  But I wasn’t totally exempt. There were also civilians in the military. You were there for ten more years. That’s changed somewhat now. You live perfectly normally as a civilian, but if an order comes, you are immediately mobilized. Every quarter has civic people, even women are part of it, who have many duties. In this area I was supreme commander of a group of older civil soldiers. During these times of war the schools are always the centers. If anything happens, we are the first aid. We need to be in all places in order to organize help, with calling the fire department or ambulances, for example. We needed to do everything for the civil population so that the military is free from these duties. We were like the police, but in war. Some of us were also chauffeurs for the military commanders or ambulance drivers.

The Yom Kippur War was also my son’s first war. It wasn’t nice that my son was in the war. But that’s how it is, you have to live with, and you live with it.

1973 to 1975 was a difficult time, but there was no official war. That was primarily in the region of Sinai. Both sides were firing at each other. Arab murderers snuck into Israel at night, usually into villages, where they murdered people and set houses on fire. Then our counter-strikes began. We snuck into Arab camps and attacked Arab officers. It was a silent war, but many people were murdered.

My mother died in 1974. She was 86 years old.

In 1982 there was the fifth Arab-Israeli War; that was the first Lebanon War. The terrorists came at night over the borders into Israel from Lebanon and Jordan. I wasn’t in this war, but my son was a parachutist. Even my daughter was in the military. She is an officer and was given a fairly high rank. She was already in the military during the war in Lebanon, but she wasn’t in the war. She was voluntarily in the military for a few years.

We should not have fought the last Lebanon War. That just made us bad in the world. Firstly, we lost, and secondly, the Arabs, since they won, were completely ecstatic and therefore believe that they are now the strongest. And that is not good, because now they have more courage and venture to do things they wouldn’t have done before.

We Israelis had a lot of dreams. For the first years I was here, all the radicals were not religious. Back then the belief was in having our own country, that all Jews would live in this country – the dream. There were very few religious Jews at first. Devout Jews I characterize as the Jews with black suits who are constantly fighting to have people observe all God’s laws. But slowly there are more and more of them. For example: most of these devout Jews lived in Poland before the war. They were always against the young people going to Palestine. They always said we had to wait until the Messiah comes, and then we will all go to Israel. But as long as he doesn’t come, it’s not possible. It was so bad in Poland that families split up. When a daughter or son from a family said that they were going to Israel, they were thrown out. Ester’s father was from a family like that. They were very, very religious. And once he was gone, they broke all contact. That’s why we only have relatives from Ester’s mother’s side of the family. There are none from her father’s side. After the war more and more devout Jews came to the country from the East. Some of these very devout Jews even refuse to speak Hebrew. They only speak Yiddish with each other – until the Messiah comes. There aren’t many, but they create quite a stir. Many people in Israel, around 80 percent, say: I am not religious, but I believe in something. It’s good that way.

On average, the Knesset says this as well, roughly 20 percent are religious. But that includes all levels of religious. That means, that when someone goes to the synagogue on Shabbat, or at least on the High Holidays, and doesn’t lead a religious life but knows that you don’t eat bread over Passover and never goes to a restaurant that doesn’t serve kosher meat, they are partly devout, and I count them among the devout.  

And then there are many that aren’t devout but tell themselves it can’t hurt to go to synagogue on Yom Kippur or if I don’t smoke on Saturday and only go to kosher restaurants. And these give the devout their strength. It’s by saying, I’m not like that, but I don’t have anything against it, that they become more widespread.  And there will be more and more. They have very religious schools [Heb. Jeshiva, pl. Jeshivot], and they have a lot of money, since they get money from the state and support from America. That’s how they can study and don’t have to work. They do everything to get students from all over the world. They offer a lot of things free of charge, like food and clothing; that’s how they attract people. And because they have so many children, they get a lot of money and are becoming stronger and stronger. The anti-religious are maybe about ten percent. They fight against these devout Jews, but the force sent out by this ten percent is too weak. They can’t prevent very much. Various religious laws have been made, like, for example, that we don’t have buses on Saturday, on Shabbat. They enacted these. Everything has to be closed on Yom Kippur. Legally! Not just through faith, but it has to be like that by law. All life has to be kosher. They have to affix their stamps. We can’t do anything. We have to live with it.

A few weeks ago the police found a book in which a few Rabbis wrote about how to kill the Arabs. They took various laws from Judaism and read into them that there is an order from God to kill the Arabs. You’re even supposed to murder Arab children; that would be an order from God. They are extremists. And I fear they’re increasing. The Rabbis are to be put on trial. The police ordered them, but they don’t want to come. I heard that on the radio today.

The Workers’ Party and the Likud Party need the religious to govern, since the religious tip the scales. The very religious believe that God gave us Israel.  We are more ore less the half – the right with the devout and the left with the rest of the population, who are somewhat more intellectual. The intellectuals are somewhat fearful that the right is getting stronger.

I don’t want the devout to go into politics. I am for them living as they want, but they should leave the others alone and not be in charge of them. Around 80 percent think as I do. Marx and Lenin wrote in their papers that religion was opium for the people. You can still tell fairytales to the people coming from the eastern countries, they still believe in all sorts of things. Even they are giving the devout their voice, and with it their power. I am afraid that Israel will become even more religious. I am also afraid that the religious, if we want to live with the Arabs now, will become the problem on the Israeli side. But what can you do, they live in their own world.

I think that Sharon should have perhaps only given back a part of the Gaza Strip. We got out and didn’t get anything for it. How it happened is not good. The Golan Heights, for example: it’s obvious that we will give back a part. There are various plans. One plan would be: Jews, who want to, will stay there and live with the Arabs. I think that’s realistic. I think that when there is peace, but real peace, they can live together. If there is that kind of peace, then the countries can develop. But the main thing is, is that we have to stay here, the headquarters must be here in Israel. That means that Jerusalem remains our undivided capital, since we have so many historic sites in Jerusalem. Even the Arabs have historic sites there, they should also be able to be there. But they don’t agree. That is the problem. I think they would have agreed, since we agreed on a lot of points before the Lebanon War. For example there is a large Arab village next to Jerusalem, and in this village they built a giant building on the border to Jerusalem. The building is supposed to be a seat of government for the Arabs. They’ve even built an industrial center for Arabs and Jews, where they can work and invest together. Arab industrialists also want the industry to develop, and they know that it will be more successful with the Jews.

For a time we lived well together. The problem is that, around the world, the radicals among the religious are becoming more radical and stronger. If Iran succeeds in implementing what Ahmadinejad wants, it will be a catastrophe. I don’t know who will win, but there are only two possibilities: peace or the atomic bomb.

Peace must come, I firmly believe that.  How much longer will that take?

Hillel Kempler

2010
Name des Interviewers: Tanja Eckstein

Hillel Kempler ist der Lieblingsonkel meiner Freundin Ilana. Ilana kommt aus Israel und lebt seit langer Zeit mit ihrer Familie in Wien. Bevor ich Hillel interviewe, erzählt sie mir viel über ihren Onkel. Endlich ist es soweit! Der Taxifahrer, mit dem ich das erste Mal zu Hillel fahre, ruft ihn während unserer Fahrt viermal mit meinem Handy an, um das Haus zu finden. Hillel steht bereits am Gartentor, als ich endlich eintreffe. Wir mögen uns vom ersten Moment an. Seit seinem siebenten Lebensjahr lebt Hillel im heutigen Israel, und sein Deutsch besteht aus vielen erfundenen, aber verständlichen, wunderschönen noch nie gehörten Wörtern. Er erzählt chronologisch, beinahe literarisch, seine Geschichte, um mir die Arbeit zu erleichtern. Seine Frau Ester sitzt immer die vielen Stunden dabei. Sie spricht Jiddisch und kann dadurch unserem Gespräch folgen. Ester ist Künstlerin - ihre Bilder, die sie aus Fasern von Zeitungen und Zeitschriften kreiert, hängen überall im Haus und sind wunderschön. Hillel, der mir nach einer Stunde das Du anbietet, ist sehr stolz auf Ester. Hillels Geschichte ist ein Teil der Geschichte Israels.   

Hillel Kempler starb im April 2014.

Meine Kindheit
Machtergreifung
Flucht nach Palästina
Tel Aviv
Nach dem Krieg
Nachkriegsgeschehnisse
Glossar

Meine Kindheit

Wir waren fünf Geschwister, ich war der Jüngste. Meine Schwester Fanny wurde 1914 und meine Schwester Gusti wurde 1917 in Wischnitza [heute Ukraine] geboren, wo mein Vater Nathan David Kempler und meine Mutter Liebe Kempler bis 1918 gelebt haben. Wischnitza gehörte zu Galizien, das Teil der Österreichisch - Ungarischen Monarchie war. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zerfall der Monarchie, sah mein Vater in Wischnitza  keine Zukunft für die Familie, und meine Eltern übersiedelten nach Berlin. Mein Bruder Isi ist 1919, meine Schwester Miriam 1923, und ich bin am 26. Oktober 1925 in Berlin geboren.

Mein Vater ist in Lemberg [heute Ukraine] geboren. Seine Familie habe ich nie gesehen. Mit 14 Jahren wurde er Lehrling in einer Konditorei und 1906 bekam er seine Urkunde als Geselle der Lebkuchenbäckerei. Danach hat er seinen Meister gemacht. Im Ersten Weltkrieg wurde mein Vater Soldat beim österreichischen Militär und war in Albanien stationiert. Manchmal hat er uns erzählt, wie schrecklich der Krieg war. Er wurde krank, bekam Malaria und konnte dadurch nicht mehr kämpfen. Er hat dann für die Offiziere gekocht.

Ich glaube, die Familie meines Vaters ist im Zweiten Weltkrieg umgekommen, aber ich weiß nicht, wer dazu gehörte. Ich weiß nicht einmal die Namen meiner Großeltern. Im Jahre 2000 passierte etwas Interessantes. Das hatte mit dem Berliner Jüdischen Museum zu tun. Ich war ein Jahr vor der Eröffnung des Museums mit meiner Frau Ester in Berlin zu Besuch. Jemand erzählte mir, dass es Führungen durch das noch nicht eröffnete Museum gibt. Das Gebäude war schon fertig, aber es war noch leer. Mich hat das interessiert, und wir sind zu einer Führung gegangen. Ich habe dann zu dem Mann, der durchs Museum geführt hat, gesagt, dass ich in Berlin geboren bin. Das hat ihn sehr interessiert, wir sind dann in Verbindung geblieben, und ich habe dem Museum einige meiner Familienfotos und Dokumente übergeben.
Zur Eröffnung des Museum wurden meine Frau und ich von der Stadt Berlin eingeladen. Das war sehr aufregend für mich, fast 70 Jahre nach der Flucht meiner Familie aus Berlin nach Palästina, war ich Gast bei der Eröffnung des Jüdischen Museums in Berlin. Menschen aus aller Welt waren dabei. Und in einem der Räume hängt auch ein Foto meiner Familie.
Einige Jahre später hat ein Ehepaar aus Texas das Museum besucht. Sie haben sich sehr für das Foto meiner Familie interessiert und sind ins Büro gegangen, um nachzufragen, von wem das Foto stammt. Der Mann aus Texas hieß auch Kempler. Die Leute im Büro haben ihm keine Informationen gegeben, aber sie haben uns seine Adresse geschickt und uns geschrieben, wenn wir wollen, können wir mit denen in Kontakt treten, aber sie dürften keine Informationen heraus geben. Meine Tochter Diza, die sich sehr für die Genealogie unserer Familie interessiert, hat das sofort in die Hand genommen. Sie hat nach Texas geschrieben und auch am Telefon mit dem Herrn Kempler gesprochen. Es ist bewiesen: ja, das ist meine Familie. Sie haben uns Bilder geschickt, und da haben wir gesehen, dieser Herr Kempler ist meinem Vater sehr ähnlich. Und seither, immer zu Rosch Haschana 1, schicken wir Wünsche an sie. Das ist geblieben. Vielleicht werden wir uns noch einmal begegnen.

Meine Mutter hieß mit Mädchennamen Ettinger. Diese Familie lebte in Wischnitza, wo auch meine Schwestern Fanny und Gusti geboren wurden. Ich glaube, meine Eltern haben in Wischnitza geheiratet. Wie und wo sie sich kennengelernt haben, weiß ich nicht. Aber sie kommen beide aus sehr religiösen Familien, und damals gab es Schadchen [Anm.: Heiratsvermittler], die die Ehepartner im Auftrag der Familie vermittelt haben.

Gleich nach dem Ersten Weltkrieg sind meine Eltern mit meinen Schwestern Fanny und Gusti nach Deutschland ausgewandert, denn die Lage nach dem Krieg war in Wischnitza und der ganzen Gegend dort sehr schwer. Mein Vater war ein sehr ambitionierter Mensch. Er wollte es zu etwas bringen im Leben. Er hat sich vorgestellt oder gehört, das weiß ich nicht, dass es in Deutschland mehr Chancen gibt beruflich weiterzukommen.

In Berlin hat er die koschere Konditorei ‚Krakauer Cafe und Konditorei’ in der Grenadierstrasse [heute Almstadtstraße] 20 eröffnet. In der Konditorei meines Vaters gab es eigene Backwaren, auch außer Haus wurden sie geliefert, man konnte frühstücken und zu Abend essen. Ich besitze eine Fotografie der Konditorei, da steht das alles drauf.
Die Grenadierstrasse war eine jüdische Strasse im berühmten Berliner Scheunenviertel. Das Scheunenviertel befand sich zwischen dem Hackeschen Markt und dem heutigen Rosa-Luxemburg-Platz. Der Rosa-Luxemburg-Platz hieß in der Zeit, in der ich dort gelebt habe, Bülowplatz. Im Scheunenviertel wohnten damals viele sehr religiöse Juden mit Pejes 2 und Kaftanen, modernere Juden wie mein Vater und seine Freunde, Arbeiter und Geschäftsleute. Zuerst hat mein Vater die Konditorei gemietet, dann hat er sie gekauft. Es war eine berühmte Konditorei, sie hatte einen guten Namen. In der Konditorei gab es Kaffee und verschiedene Kuchen: Käsekuchen, Apfelkuchen, Strudel und so ne Sachen, und es gab sogar Eiscreme und Bier. Die Konditorei war ziemlich klein. Man ging von der Strasse drei oder vier Stufen hinunter, denn sie lag im Halbkeller. Es gab zwei Räume mit Tischen für die Gäste, daneben waren noch zwei Räume, in einem war auch die Backstube mit den Maschinen. Mein Vater hatte einen Gehilfen, aber auch meine Mutter hat manchmal, wenn viele Gäste da waren, mitgearbeitet. Woran ich mich auch noch erinnere, ist, dass mein Vater, nachdem er Erfolg mit der Konditorei hatte, ich weiß nicht genau, in welchem Jahr es war, aber das muss ungefähr 1931 gewesen sein, gegenüber unserer Konditorei ein großes Cafe gemietet hat. Das Cafe existierte aber nicht lange, es ist nicht gegangen. Es war scheinbar zu groß für ihn. Ich weiß, dass es da war, und dann wieder weg war.

In unserer Konditorei traf sich regelmäßig eine kommunistische Gruppe. Das waren ungefähr zehn bis fünfzehn Leute. Sie haben viel Zeit in der Konditorei verbracht. Ich weiß, dass es jüdische und nichtjüdische Kommunisten waren. Sie haben Informationen ausgetauscht und Spiele gespielt, an Domino kann ich mich gut erinnern. Auch ich habe sehr gern Domino gespielt. Oft haben sie mich gerufen: komm Hillel, spiel mit uns! Und ich war immer sehr stolz, dass ich mit ihnen spielen durfte. Sie haben Bier und Kaffee getrunken und viel Käsekuchen gegessen. Der Käsekuchen meines Vaters war nämlich ganz berühmt. Sie haben immer alles bezahlt. Mein Vater war ein frommer Jude, er hat nichts von Politik verstanden, denn Politik hat ihn überhaupt nicht interessiert. Für ihn war es gut, dass die Kommunisten zu ihm gekommen sind, weil sie viel konsumiert haben. Das war sein Interesse. Unsere Strasse war sehr jüdisch, aber mit den Kommunisten haben wir gut zusammen gelebt. Natürlich wusste ich damals nicht, was ein Kommunist ist.

Im Scheunenviertel gab es viele koschere Geschäfte und sehr viele Synagogen. Diese Synagogen waren keine Extragebäude. Man hat damals nur ein oder zwei Zimmer gemietet und dort eine Synagoge eröffnet. Ich war in vielen so kleinen Stiblach  [Betstuben] oder Stibel. Stiblach heißt auf Jiddisch Zimmer. An diese vielen Stiblach kann ich mich noch gut erinnern.

Meine Eltern waren religiös. Mein Vater hat jeden Tag am Morgen die Tefillin 3 gelegt, und am Freitagabend und am Samstag ist er in sein Stibel gegangen. Seine ganzen Freunde waren im  Stibel, und sein gesellschaftliches Leben war um das Stibel herum. Mein Vater trug einen Bart, aber er war ein moderner Orthodoxer. Anhand der Kleidung hat man ihm nicht angesehen, dass er sehr fromm war, und als die Nazis 1933 an die Macht kamen, hat er seinen Bart sofort abrasiert.

Natürlich waren wir koscher 4 und durften an Schwein nicht einmal denken. Mein Bruder Isi, er war sechs Jahre älter als ich, hat mich eines Tages an die Hand genommen und gesagt: komm Hillel, wir gehen Würstchen kaufen. Auf den Strassen standen kleine Wagen, die Würstchen verkauften. Natürlich waren diese Würstchen aus Schweinefleisch. Isi hat mich zu so einem Wagen genommen, ist dann so rumgeschlichen um den Wagen, damit niemand uns sieht. Dann hat er sich an eine Ecke des Wagens gestellt und uns beiden ein paar Würstchen gekauft. Wir sind mit den Würstchen schnell in die nächste Strasse gelaufen und haben sie in einem Hauseingang gegessen. Isi hat mich dann beschworen: Hillel, du darfst das Niemanden erzählen. Und ich habe jahrelang Angst gehabt, es wird jemand wissen und weitererzählen, dass ich Schweinewürstchen gegessen habe. Aber das war so ein starker Reiz, das Verbotene! Isi wollte das unbedingt mal probieren. Wir dachten noch, wer weiß, was uns nach dem Verzehr der Würstchen passieren wird.

Meine Eltern haben eine Mischung aus Deutsch und Jiddisch gesprochen, aber sicher war das mehr Jiddisch als Deutsch. Manchmal sind sie auch in ein jiddisches Theater gegangen, davon gab es viele in Berlin. Meine Schwestern, nehme ich an, haben Hochdeutsch gesprochen, weil sie in Berlin in das jüdische Gymnasium gegangen sind. Ich habe immer mit vielen Kindern auf der Strasse gespielt. Alle Kinder waren damals auf der Strasse, und man hat mir, als ich nach Israel gekommen bin, gesagt: ich kenn deine Sprache, du kommst aus Berlin. Ich hatte ein bisschen den Berliner Slang von den Kindern auf der Strasse angenommen.

Unsere Wohnung war auch in der Grenadierstrasse, genau gegenüber der Konditorei meines Vaters. Die Wohnung hatte sechs Zimmer. Sie war im zweiten Stock. Es gab einen Salon, das war ein großer Raum. In dem Salon stand ein langer Tisch für zwölf Leute, der sehr teuer gewesen war. Ich kann mich ganz genau erinnern. Und es gab eine große Kommode und eine Standuhr, die einmal in der Woche aufgezogen werden musste. Das durfte nur mein Vater, niemand sonst. Meine Eltern waren sehr stolz auf alles, was sie sich geschaffen hatten. Mein Vater machte meiner Mutter oft Geschenke, einmal hat er ihr sogar einen Persianermantel gekauft. Das war natürlich etwas ganz Besonderes. 1933 hat sie den Persianermantel mit unseren Umzugskisten nach Palästina geschickt, aber hier konnte sie ihn natürlich nicht mehr gebrauchen.

Wir hatten zwei Hausmädchen, die sich um uns Kinder gekümmert haben. Eine hieß Herta. Sie war ein junges Mädchen.

Bevor ich in die Volksschule gekommen bin, bin ich nachmittags in ein Stibel gegangen. Da waren ein Rabbi und noch ein paar Kinder, und wir haben Religion und Hebräisch lesen gelernt. Als mein Bruder Isi klein war, war er sicher auch in so einem Stibel. Später sind wir in eine ganz normale Volksschule eingeschult worden.

Meine Mutter war eine schöne Frau, und sie war eine liebevolle Mama. Als kleines Kind war ich einmal sehr krank, ich hatte so merkwürdige blaue Flecken an den Beinen und musste ein paar Monate in ein Genesungsheim in der Nähe von Hamburg. Was das für eine Krankheit war, weiß ich nicht. Durch die Krankheit wurde ich sehr verwöhnt. Aber da ich der Jüngste war, wurde ich auch von meinen Geschwistern sehr verwöhnt. Meine Schwestern haben sich viel um mich gekümmert, wir waren alle sehr nah zueinander.

Am Freitag, am Schabbat, haben wir immer an dem großen Tisch im Salon gegessen. Wir waren alle so stolz, denn nur am Schabbat und an den hohen Feiertagen haben wir an dem großen Tisch gesessen. Während der Woche ist jeder zu einer anderen Stunde nach Hause gekommen, und wir haben nicht zusammen gegessen.

Wir hatten oft Gäste, Freunde meines Vaters und zwei Schwestern meiner Mutter, die mit ihren Familien auch in Berlin lebten. Meine Mutter hatte viele Geschwister, es waren zehn Kinder in dieser Familie. Die meisten lebten in Polen und ein Bruder in der Tschechoslowakei. Über diesen Onkel weiß ich nichts, nur, dass er dort lebte. Meine Tante Loni in Berlin war verheiratet mit Michael Stricks. Seinen Beruf weiß ich nicht mehr. Sie hatten drei Kinder: Harry war zwei Jahre jünger als ich, Edith, in Israel Ester und Herta, in Israel Chaya. Allen ist die Flucht nach Palästina gelungen. Ester starb in den 1990ern an Parkinson, und Chaya lebt heute noch in Tel Aviv. Meine Tante Lene war Witwe. Sie wohnte auch in der Grenadierstrasse. Tante Lene hatte auch drei Kinder, die Tochter hieß Loni, sie ist in den 1980ern in Ramat Gan gestorben, und die zwei Burschen waren Adolf und Jossel. Die drei Kinder haben es auch nach Palästina geschafft, nur Tante Lene ist in Berlin geblieben und wurde ermordet [Helene Eitinger, geb. Ettinger, geb. 24.8.86 in Wisnicz, 1.3.1943 nach Auschwitz, aus: Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, Edition Hentrich, Berlin, 1995].

Vor Pessach 5 wurde die ganze Wohnung sauber gemacht, gekocht, und das Pessachgeschirr wurde heraus geholt. Das Geschirr, das wir das ganze Jahr benutzt haben, wurde weggestellt. Der Sederabend 6 war ein ganz besonderer Abend. Auf unserem großen Tisch im Salon lag eine große weiße Tischdecke mit religiösen Zeichen. Auf dem Tisch stand ein Teller mit fünf Abteilungen, das war die Sederschüssel. Darauf waren verschiedene Sachen zum Essen, die alle symbolischen Charakter haben. Drei Mazzot 7 befanden sich in einem Kissen mit drei Etagen. Eine Mazza hat mein Vater rausgenommen, durchgebrochen, und eine Hälfte davon hat er versteckt. Das war der Afikoman 8. Wir Kinder mussten den Afikoman suchen und finden. Mein Vater durfte das Essen nicht beenden, bis er nicht den Afikoman zurück bekommen hatte. Wer das Stück Mazza gefunden hatte, durfte am Ende des Essens an diesem Abend, das waren ein paar Stunden, von meinem Vater etwas verlangen. Das konnte ein Buch sein oder ein Spiel. Dann haben er, meine Mutter und meine Schwestern, den Afikoman rund gebissen, ein Loch wurde in die Mitte gemacht, und oben in einem der Zimmer war ein Nagel, an den der Afikoman angehängt wurde. Dort blieb er bis zum nächsten Pessach.
Mein Vater trug am Sederabend einen Mantel aus Satin. Den Mantel musste er über den Kopf anziehen. Die Ärmelaufschläge waren bestickt mit Silberfäden, und auf dem Kopf trug mein Vater eine flache Mütze, die auch mit Silberfäden bestickt war. Wie ein König ist er gesessen. Er durfte nicht auf einem Stuhl sitzen, es wurden für ihn zwei Fauteuils zusammengestellt, und er ist so halb gesessen und halb gelegen. Das war die Tradition: wenn er der König ist, sollte er auch wie der König sitzen. Heute, wenn wir zu Hause die Haggadah 9 lesen, springen wir immer schnell weiter, denn wir wollen essen. Aber mein Vater hat die ganze Haggadah gelesen, und das hat einige Stunden gedauert. Wir haben unseren Vater geliebt, und wir hatten Respekt vor ihm.

Meine  Mutter las oft in der jiddischen Frauenbibel - Ze'enah und Re'enah heißt diese Bibel. Das ist eine ganz bekannte Bibel für jüdische Frauen [schon im Mittelalter wurden in Polen zahlreiche Editionen der jiddischen Frauenbibel „Ze'enah und Re'enah" gedruckt]. Diese Bibel war in jiddischer Sprache geschrieben. Sie hat uns oft, auch als wir schon in Tel Aviv waren, am Schabbat die Geschichten aus der Bibel erzählt. Ich weiß nicht, wo das Buch geblieben ist. Ich würde es sehr gern besitzen, aber es ist verschwunden.

Es war Tradition, dass in einem jüdischen Haus ein Teil der Wand eines Zimmers, nicht groß, einen Meter vielleicht, nicht gestrichen wurde. Das sollte an die Geschichte der Juden erinnern. Bei uns in Berlin war das auch, nicht im Salon, aber in einem der oberen Zimmer.

Wir waren eine richtige Berliner Familie, wir haben uns viel amüsiert. Wir sind oft herum gefahren, samstags waren wir immer unterwegs. Auch mein Vater war dabei, denn die Konditorei war samstags geschlossen. Wir waren zum Beispiel am Wannsee und im Grunewald. Wir gingen zum Alexanderplatz, der ja ganz in unserer Nähe war. Auf dem Alexanderplatz gab es immer Märkte und häufig auch Zirkusse. Ich  kann mich auch noch an einen Zeppelin aus New York erinnern, der in Berlin gelandet ist. Auch da waren wir dabei, die ganze Stadt war dort. Das Kino Babylon befand sich in der Nähe der Grenadierstraße, am Rosa-Luxemburg-Platz, gegenüber der Berliner Volksbühne [Anm.: bekanntes Berliner Theater]. Im Babylon war ich oft, das habe ich gut gekannt. Ich habe da mit meinem Bruder Isi oder meiner Schwester Gusti komische Filme gesehen, das waren noch Stummfilme, Bilder ohne Sprache, und auf dem Platz vor der Volksbühne [Anm.: bekanntes Berliner Theater] bin ich im Winter mit anderen Kindern auf dem Eis geschliddert. Wir hatten auch gute Beziehungen zu Nichtjuden. Das war ganz normal, das war egal, ob Jude oder Nichtjude. Man hat sich akzeptiert. Ich hab ‚Jude’ niemals in Verbindung mit etwas Negativem von den Bewohnern in unserer Strasse gehört. In der Schule vielleicht, ich war aber nur ein halbes Jahr dort.

Bevor ich in die Schule kam, konnte ich schon lesen. Ich habe Lesen immer geliebt. Was ich in die Hände bekam, hab ich gelesen. Und wenn ich auf der Strasse gegangen bin, habe ich an den Geschäften die Schilder gelesen. Vielleicht kam das durch meine Geschwister, die mir immer Zeitungen und Journale gegeben haben. Ich war dann in Berlin nur noch ein halbes Jahr in der Schule, und ich lese heute noch gut Deutsch, das ist schon erstaunlich.

Ich wurde 1932 in die Volksschule in der Gipsstrasse eingeschult. Natürlich bekam auch ich zur Einschulung eine Zuckertüte, wie das schon damals üblich war. Ich habe ein Foto von mir mit Matrosenanzug und Zuckertüte. Diese Zuckertüte hatten jüdische und nichtjüdische Kinder. Ich weiß nicht, wie viele Kinder in meiner Klasse jüdisch waren, das hat mich damals nicht interessiert. Meine Geschwister waren alle in verschiedenen Schulen, alle in der Gegend. Meine Frau Ester und ich haben einmal meine Schule in der Gipsstrasse besucht. Wir wollten alles anschauen. Das erste Mal hab ich die Strasse gesucht, und ich hab sie nicht gefunden. Wir waren dann noch einmal in Berlin, da hatte ich die richtige Adresse. Wir sind in die Schule gegangen, und ich habe dort nach verschiedenen Dingen gesucht, habe versucht, mich zu erinnern, aber ich hab nichts Richtiges gefunden.

An die Bar Mitzwa meines Bruders Isi kann ich mich nicht mehr erinnern. Die muss 1932 in Berlin gewesen sein.

Wenn Hitler nicht gekommen wäre, wären wir bestimmt in Berlin geblieben.

Machtergreifung

Ich will von dem Tag erzählen, an dem sich alles verändert hat. Nachdem Hitler die Wahlen im Januar 1933 gewonnen hatte, sind die Nazis gleich durch die Straßen gezogen und haben Fensterscheiben zerschlagen. Sie trugen braune Uniformen und Stiefel. Ich sehe das noch genau vor mir.
Unter uns wohnte die Familie Süßapfel. Eines nachts haben wir aus der Wohnung der Familie Süßapfel schrecklichen Lärm gehört. Wir sind alle davon aufgewacht. Mein Vater war zu dieser Zeit noch in der Konditorei und bereitete alles für den nächsten Tag vor. Herta, unser Hausmädchen, hat schnell unsere Wohnungstür verschlossen. Ich glaube, was ich darüber noch weiß, sind Dinge, an die ich mich erinnere und Dinge, die mir erzählt wurden. Ich kann das nicht differenzieren. Wir waren sehr aufgeregt. Herta hat gesagt, dass man die Familie unten schlägt und wir nicht hinaus gehen dürfen. Isi, mein Bruder, hat sich an unsere Wohnungstür gestellt und wollte genau hören, was da unten los ist, aber Herta hat ihn immer weggejagt. Es waren schreckliche Geräusche, und dann war es plötzlich still. Eine längere Zeit haben wir gewartet, dann hat Herta die Tür aufgeschlossen und ist runter gegangen. Als sie zurück kam hat sie uns erzählt, dass die Nazis in der Wohnung der Familie Süßapfel waren und den Mann und die zwei Söhne geschlagen haben: sie haben sie an die Wand gestellt und mit dem Kopf an die Wand geschlagen. Ich weiß nicht, was sie wollten. Herta hat uns erzählt, dass die Wand rot vom Blut war. Als die Nazis weg waren, wollte die Familie einen Arzt zu Hilfe holen, aber niemand wollte kommen. Dann haben sie einen Ambulanzwagen bestellt, der ist auch nicht gekommen. Dann ist der Vater mit seinen zwei Söhnen zu Fuß in ein Krankenhaus gegangen. Sie haben sich geschleppt, und dort hat man sie bandagiert. Danach sind sie nach Hause gekommen. Niemand wusste damals, ob die Nazis offiziell dort waren oder ob man bei der Polizei Anzeige erstatten kann. Als sie Anzeige bei der Polizei erstatten wollten, wurden sie weggejagt. Ein paar Tage später, ich weiß nicht, wer uns das erzählt hat, stand im Ereignisprotokoll der Polizei: Grenadierstrasse 36, 1 Uhr nachts, Streit zwischen Vater und zwei Söhnen, Söhne waren betrunken, die Leute wurden verwarnt, dass so etwas nicht wieder passieren darf.
Diese Nacht hat mein Leben verändert. Von Politik habe ich noch nichts verstanden, aber dass man einfach in eine Wohnung gegangen ist, die Leute geschlagen hat und das Blut in der Wohnung, das habe ich mir gemerkt.
Vorher war alles in Ordnung, und plötzlich ist so etwas Schreckliches passiert.

Die Kommunisten, die in unserer Gegend gewohnt haben, haben meinen Vater gekannt. Es gab auch Kommunisten, die sind in dieser Zeit zu den Nazis übergelaufen. Manche haben gedacht, mein Vater ist  Kommunist. Deshalb wurde mein Vater im April, kurze Zeit nach dem schrecklichen Ereignis mit der Familie Süßapfel, eines Tages, mitten in der Nacht, von den Nazis gesucht. Sie haben an die Haustür geschlagen. Frau Heinz, die Portiersfrau, hat das gehört. Sie hat gleich verstanden, was da passiert. Frau Heinz war Christin. Wir hatten eine sehr gute Beziehung zu ihr. Sie hatte immer viel Kuchen von meinem Vater geschenkt bekommen. Auch den Kommunisten hatte mein Vater oft Kuchen mitgegeben. Er wollte eine gute Beziehung, und er war ein sehr lieber Mensch.
Frau Heinz ist ganz schnell von einer Hintertür vom Hof zur Backstube meines Vaters gelaufen und hat gerufen: Herr Kempler, Herr Kempler, kommen Sie schnell! Dann hat sie meinen Vater in ihren Holzkeller geschoben und die Nazis reingelassen. Sie hat gesagt: ich weiß nicht, wo der Herr Kempler ist, seit heute Nachmittag habe ich ihn nicht mehr gesehen. Die Nazis sind in die Bäckerei gestürmt und haben geschrien: wo ist der Jude, wo ist der Kommunist! Sie haben alle Tische umgeworfen und die Maschinen und Möbel kaputt geschlagen. Frau Heinz hat daneben gestanden und hat so getan, als wüsste sie nicht, wo mein Vater ist. Dann sind die Nazis weggegangen, nachdem sie Frau Heinz zwei Ohrfeigen gegeben haben. Mein Vater ist in die ganze Nacht im Keller geblieben.

Herr Meier war Mitglied der Kommunistischen Partei in Berlin und gehörte zu der Gruppe der Kommunisten, die regelmäßig zu meinem Vater kamen. Schon seit zwei Tagen sahen wir Herrn Meier in brauner Uniform auf der Strasse. Er ging zum SA-Büro 10 und wollte mit dem Kommandanten sprechen. Er erzählte denen, dass die Kommunistische Partei ihm geholfen hatte, als es ihm und seiner Familie sehr schlecht ging. Er war arbeitslos und die Kommunisten gaben ihm Bons für Essen und für Kohlen für den Winter, und seine Kinder bekamen Kleidung und Schuhe und seine Frau einen warmen Mantel. Nur deshalb war er Mitglied der Kommunistischen Partei geworden. Jedes Mal, wenn er in dem jüdischen Kaffee gewesen war, habe er Kuchen für seine Frau und seine Kinder bekommen und manchmal sogar Karten für den Zirkus. Er wisse, dass die jüdischen Kapitalisten an der Inflation Schuld seien, aber ein Kommunist sei der Herr Kempler nicht gewesen. Die Kommunisten waren zu dieser Zeit bereits in den Untergrund gegangen. Vielleicht war der Herr Meier einer, der gar nicht übergewechselt war, sondern einer, der durch den Eintritt in die SA nur helfen wollte und gar nicht seine Gesinnung abgelegt hatte, denn er hat dann meinem Vater geholfen, erst einmal unterzutauchen. 

In der Umgebung von Berlin gab es viele Dörfer. Die Bauern sind mit Pferdewagen durch die  Strassen gefahren und haben gespaltenes Holz für die Winteröfen gegen Kartoffelschalen getauscht. Auch meine Mutter hat die Kartoffelschalen gesammelt und sie gegen Holz getauscht. Mit den Kartoffelschalen haben die Bauern ihre Schweine gefüttert. Alle Leute in unserer Strasse haben das damals so gemacht.

Herr Meiers Verwandter war so ein Bauer mit einem Bauernhof. Er kam mit seinem Pferdewagen am nächsten Tag vor die Bäckerei gefahren. Er hatte spezielle Kleidung für meinen Vater mitgebracht. Mein Vater ist auf den Wagen gestiegen, und sie haben Berlin verlassen. Mein Vater hat ihm dafür 500 RM [Anm.: Reichsmark] gegeben.
Meine Schwester Fanny war damals 19 Jahre alt. Sie ging mit meiner Mutter zum englischen Konsulat, weil Palästina zu dieser Zeit unter englischem Protektorat stand, und sie haben ein Touristenvisum für meinen Vater besorgt, damit er nach Palästina flüchten konnte. Vor dem Konsulat standen viele Frauen, wenige Männer und auch SA Leute. Zu dieser Zeit hatten die SA-Leute noch ein wenig Respekt vor Frauen. Die wenigen Männer, die sich dort angestellt hatten, haben sie beleidigt, aber nicht geschlagen. Meine Mutter musste beim englischen Konsulat viel Geld für das Touristenvisum bezahlen. Das war der Pfand dafür, dass mein Vater nach Berlin zurück kommt.
Fanny und Gusti waren durch die zionistische Jugendorganisation Tchelet Lavan [Blau-Weiß]. politisch gebildet, und haben gleich verstanden, dass mein Vater schnell Deutschland verlassen musste, weil die Nazis nicht aufhören würden, ihn zu suchen.

Mein Vater blieb solange bei dem Bauern auf dem Dorf, bis er völlig unbelästigt mit seinen Reisepapieren mit der Bahn durch die Schweiz nach Italien und von Italien mit dem Schiff nach Palästina fahren konnte. Zu dieser Zeit war das noch möglich. Die Nazis hatten für solche Personen wie meinen Vater noch keine Suchlisten, das kam erst später. Das war damals zum Glück noch primitiv.

Mein Vater war weg, meine Mutter war allein mit uns Kindern. Ich nehme an, dass es für sie furchtbar war. Aber ich habe es als Kind nicht bemerkt. In der Bäckerei war noch der Gehilfe meines Vaters. Meine Mutter hat mit dem Gehilfen besprochen, dass er und sie weiter backen. Gäste sind in die Konditorei nicht mehr reingekommen, aber die Leute sind noch ins Geschäft gekommen, haben gekauft und sind wieder gegangen. Ich nehme an, dass niemand drin sitzen wollte, weil das schon gefährlich war. Denn wenn jemand drin gesessen wäre, hätte man gleich gesagt: du bist auch ein Kommunist.
Zu dieser Zeit haben die Nazis Jagd auf Kommunisten und Juden gemacht. Wenn sie in der Straße Juden gesehen haben, haben sie sie geschlagen. In den Straßen, wo jüdische Geschäfte waren, haben sie die Fenster zerbrochen. Mein Vater hatte auch mal Schläge bekommen, aber das war, bevor sie ganz aggressiv wurden. Alles hat relativ langsam begonnen. Das hat nicht in einer Nacht angefangen - langsam, langsam!

Flucht nach Palästina

Meine Mutter wusste nicht, was passieren wird, sie hat aber verstanden, dass es nicht mehr gut werden wird. Sie hat gesagt, entweder unser Vater kommt zurück, und wir fahren gemeinsam irgendwohin, nach Polen vielleicht, oder mein Vater wird in Palästina bleiben und sie wird mit den Kindern zu ihm fahren. Sie ist wieder auf das englische Konsulat gegangen und hat dort gefragt, ob sie ein Visum nach Palästina haben kann. Nein, du kannst überhaupt nichts haben, weil dein Mann nach Palästina mit einem Touristenvisum gefahren ist unter der Bedingung, dass er zurück kommt, hat ihr der Beamte dort gesagt. Bis er nicht nach Berlin zurück gekommen ist, hatte meine Mutter keine Chance, ein Visum nach Palästina für uns zu bekommen. Sie hat noch mit den Beamten diskutiert, aber das hat nichts geholfen. Dann ist Fanny zum englischen Konsulat gelaufen. Auch sie konnte die Beamten dort nicht davon überzeugen, meiner Mutter ein Visum zu geben. Da hat meine Mutter beschlossen, vielleicht hat sie sich auch beraten mit Familie und Freunden, dass sie durch Europa mit der Bahn und Bussen fahren wird, und mit einer  Fähre nach Palästina würde man schon mitgeschmuggelt werden. Ich war sieben Jahre alt, Miriam war neun und mein Bruder Isi war vierzehn.

Meine Schwestern sind in Berlin geblieben. Fanny hat der Mutter versprochen, dass sie sich um Gusti kümmern wird, und die Chancen, dass sie mit der Jugendorganisation nach Palästina kommen sehr gut sind.

Meine Mutter hat alles, was sich in der Konditorei befand, verkauft und verschenkt. Ein Spediteur hat uns geholfen Pakete für Palästina zu packen. Möbel konnten wir natürlich nicht mitnehmen, aber andere wichtige Sachen. Der Spediteur hat alles genommen und nach Palästina geschickt. Viele Fotos hat meine Mutter nicht mitgenommen, deswegen habe ich auch nur wenige. Meine Schwestern wurden nach unserer Abreise durch die Jugendorganisation betreut.

Meine Mutter hatte Geld für die Reise. Ein Visum für die Tschechoslowakei zu bekommen war nicht schwer. Viele Juden aus Berlin sind regelmäßig nach Karlovy Vary [heute Tschechien] zur Kur gefahren. Auch meine Mutter war fast jedes Jahr in Karlovy Vary.

Wir fuhren mit dem Zug von Berlin nach Karlovy Vary. Koffer hatten wir nicht viele, zwei glaube ich. Einen hat meine Mutter geschleppt und einen mein Bruder Isi. Wir kamen ohne Probleme in Karlovy Vary  an. Ich habe mich auf der Fahrt amüsiert. Es hat mir gefallen, ich habe an Probleme nicht gedacht, und ich habe gewusst, dass wir zu meinem Vater fahren.

Das Hotel in Karlovy Vary, in das wir gingen, war ziemlich leer, weil die deutschen Juden nicht mehr hingefahren sind. Ungefähr zwei Tage blieben wir dort. Ich glaube, meine Mutter hatte eine Bekannte im Hotel, die uns geholfen hat. Von Karlovy Vary sind wir nach Prag gefahren. Dort hatte meine Mutter Verbindung zu einer jüdischen Organisation. Im Büro der jüdischen Gemeinde haben wir einen Mann getroffen, der uns die Altstadt von Prag mit den Synagogen gezeigt hat, auch die Altneusynagoge, und er hat uns die Geschichte vom Golem erzählt. Viele, viele Jahre später war ich noch ein paar Mal in Prag, dieser schönen Stadt. Nach ein paar Tagen hatte meine Mutter, was nicht so leicht war, ein Visum nach Budapest bekommen. Dieses Visum galt aber nur für zwei Tage. Wir sind mit der Bahn nach Budapest gefahren.
Budapest ist eine wunderschöne Stadt. Auch in Budapest war ich später noch einige Male, darum kann ich mich nicht so genau daran erinnern, was ich damals gedacht habe. Wir haben wieder in einem Hotel gewohnt, und meine Mutter hat alles erledigt. Wir wollten nach Jugoslawien fahren, und nach zwei Tagen hatte meine Mutter das Visum, was auch nicht leicht war. Wieder saßen wir im Zug, diesmal nach Belgrad.

Meine Mutter hatte schon von Berlin aus eine Verbindung zum Leiter des jüdischen Komitees in Belgrad hergestellt Er hieß Spitzer, seinen Vornamen weiß ich nicht, für mich war er Herr Spitzer. Er gehörte zum Vorstand der Firma Philipps in Belgrad und war ziemlich wohlhabend - nicht reich, aber wohlhabend. Er hat in einem großen Geschäft gearbeitet. Herr Spitzer hat jemanden zum Bahnhof geschickt und hatte für uns auch schon ein Zimmer gemietet, und das alles auf Kosten der jüdischen Gemeinde. Er hat gesagt: ihr seid hier unsere Gäste! Er hatte verstanden, wie schwierig unsere Lage war. Meine Mutter hatte noch Geld, aber sie wusste ja nicht, wie viel sie noch brauchen wird. Drei Wochen waren wir in Belgrad, weil es meiner Mutter zuerst nicht gelungen ist, trotz Hilfe von Herrn Spitzer, ein Visum durch Bulgarien zu bekommen. In dieser Zeit haben sich meine Mutter und die Frau von Herrn Spitzer sehr befreundet, das war eine schöne Verbindung. Wir waren auch immer am Freitag zum Schabbatessen zu ihnen eingeladen. Nach drei Wochen war es meiner Mutter gelungen, dass wir ein Durchreisevisum für Bulgarien bekamen.

Dann passierte etwas Schreckliches. An der Grenze nach Bulgarien haben uns die Bulgaren  nicht reingelassen, denn meine Mutter hatte einen Pass, da waren meine Schwester Miriam und ich eingetragen. Aber für meinen Bruder Isi hatte sie nichts. Isi war damals 14 Jahre alt. Er brauchte einen Pass, ohne Pass ließen sie ihn nicht ins Land. Wie ich viel später erfahren habe, hatten die Bulgaren zu dieser Zeit schreckliche Angst vor Kommunisten und kommunistischen Jugendlichen, die aus Bulgarien ein kommunistisches Land machen wollten. Und nun wussten sie nicht, ist Isi ein Komsomolze oder ist er der Sohn von Frau Kempler, wie diese das behauptete. Um einen Pass für Isi zu besorgen, hätte meine Mutter nach Polen fahren müssen. Die Beamten sagten, es tut uns leid, ihr könnt nicht ins Land, wenn der Junge keinen Pass hat. Oh Gott, das war schrecklich! Der Zug ist ohne uns losgefahren, und wir mussten wieder zurück nach Belgrad. Meine Mutter hat sofort Herrn Spitzer in Belgrad angerufen. Zum Glück, dass wir ihn hatten! Er hat uns auch dieses Mal einen Chauffeur zum Bahnhof geschickt. Das Zimmer, in dem wir gewohnt hatten, war noch frei, und wir sind wieder eingezogen. Ich nehme an, Herr Spitzer hat sich dann beraten. Nach einigen Tagen ist er gekommen und hat zu meiner Mutter gesagt: es gibt nur eine Lösung, der Junge ist vierzehn Jahre alt, mit vierzehn Jahren kann er als Lehrling hier bleiben. Das ist in ganz Europa normal, Jungs mit vierzehn Jahren gehen in eine Lehre. Ich kenne einen Tischler, er wird dort wohnen und das Tischlerhandwerk erlernen. Wenn er einen Beruf hat, kann er in Palästina in einem Kibbutz 11arbeiten. Er wird nicht allein sein, wir werden gut auf ihn aufpassen. Nimm die zwei Kinder und lass den Jungen hier. Meine Mutter hat angefangen zu weinen, aber nach ein paar Tagen hat sie gesehen, dass es keine andere Lösung gibt. Also hat sie beschlossen, meinen Bruder in Belgrad zu lassen und mit meiner Schwester Miriam und mir weiter zu fahren. Wir haben alle schrecklich geweint.

Wir fuhren mit dem Zug nach Sofia. Bis Sofia hatten die Städte, in denen wir waren, die Atmosphäre einer europäischen Stadt. In Sofia war der Bahnhof neben einem Bauernmarkt, direkt an einer Straße. Da gab es Pferde und Esel, und die Bauern sind auf der Strasse gesessen. Alles war sehr schmutzig. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Das war eine ganz andere Welt, und mich hat das fasziniert. Ich wurde dort zum Führer der Familie. Als meine Mutter ein Taxi rufen wollte, war das nicht möglich, denn es gab dort nur Pferdedroschken. Meine Mutter konnte sich auch nicht verständigen. Da habe ich gesagt: warte, ich bring dir eine Droschke! Ich bin zu einem Droschker gegangen und hab ihn an der Hand zu unseren Koffern gezogen.
In Sofia waren wir nur kurze Zeit, denn ein Visum für die Türkei zu bekommen, war kein Problem. Unsere nächste Station war Istanbul.

Istanbul war auch schmutzig, und unser Hotel auch. Das Essen war orientalisch und uns sehr fremd. Ich hatte keine Probleme, manchmal hat es geschmeckt, manchmal war es sogar sehr delikat, und manchmal mussten wir sogar lachen, wenn wir das Essen im Hotel bekamen.
Die Straßen in Istanbul waren ganz anders, als ich sie kannte - schmal und kurvig. Und dann die Dächer der Moscheen und die Minarette, das alles hat mich fasziniert. Fasziniert haben mich in Istanbul auch die türkischen Pumphosen, die die Männer trugen. Das musste mir meine Mutter erklären, das hat mich sehr interessiert. Ich habe die schönen orientalischen Synagogen bestaunt, und da war noch was, woran ich mich genau erinnern kann: über dem Bosporus ist eine Brücke, die man ein paar Mal am Tag, zweimal, glaube ich, gehoben hat, damit die Schiffe durchfahren können. Das habe ich von weitem gesehen und wollte unbedingt da hingehen, um zu verstehen, wie das funktioniert. Da wir genug Zeit hatten, ist meine Mutter am nächsten Tag mit uns zu der Brücke gegangen. Dieses Bild werde ich immer in Erinnerung behalten. 

Ich war ein sehr aktives Kind, habe mich viel bewegt, habe viel gefragt. Meine Schwester Miriam war eher ein ängstliches Kind, hing immer an der Schürze von der Mama, wie man so sagt. Ich bin auch in Istanbul durch die Strassen gelaufen und habe zurück gefunden. Ich hatte keine Angst und habe mich auch niemals verlaufen. Die ganze Reise hat mir sehr gut gefallen. In Istanbul kannten wir Niemanden, aber ich glaube, in Belgrad oder in Sofia hatte meine Mutter die Adresse eines Mannes in Istanbul bekommen, und sie hat sich mit diesem Mann in Verbindung gesetzt. Wir mussten von Istanbul mit einem Schmuggler nach Syrien und dort mit Fischern illegal übers Meer nach Palästina. Aber erst einmal mussten wir nach Syrien. Nach einigen Tagen in dem Hotel in Istanbul kam ein Mann, der versprach, wenn es ihm möglich ist, uns zu helfen. Er werde aber jederzeit abstreiten, uns jemals begegnet zu sein. Kurze Zeit später kam ein Lastwagen mit Obstkisten, denn die Türkei hat Obst nach Syrien geliefert. Said, der Chauffeur trug Pumphosen fast bis zum Boden, und ich habe sehr gelacht. Zuerst mussten wir uns arabische Kleidung anziehen. Miriam und ich wurden zwischen die Obstkisten gesetzt,  und unsere Mutter musste neben dem Fahrer sitzen, damit es so aussah, als wären wir eine Familie – Mann, Frau und Kinder. Mehrere Tage dauerte die unbequeme Fahrt. An der syrischen Grenze hatte der Chauffeur Freunde, und alles ging problemlos - wir durften weiterfahren. Der Mann hat uns nach Haleb gebracht, einer großen Stadt im Norden von Syrien. In einer kleinen Pension hat er uns abgesetzt, und dann war er weg. Auch einer unserer Koffer war weg. 
Wir konnten uns nicht verständigen, die Leute in der Pension sprachen Arabisch und Französisch, und meine Mutter sprach Deutsch und Polnisch. Der Mann von der Pension wusste nicht, wie er mit uns reden soll, da kam ihm eine gute Idee. Er ging in die Stadt und holte einen Mann, Herrn Chakim, aus einer reichen jüdischen Familie. Dieser Mann und meine Mutter konnten miteinander sprechen, ob Deutsch oder Polnisch, weiß ich nicht mehr. Meine Mutter erzählte ihm alles, und er lud uns in sein Haus ein. Wir bekamen ein Zimmer, und seine Frau hat uns Kindern und meiner Mutter Kleidung gegeben. Wir sollten sofort die arabischen Sachen ausziehen, denn sie wollten nicht, dass die Leute bemerken, dass etwas nicht stimmt. Wenn uns jemand etwas auf Arabisch gefragt hätte, hätten wir nichts verstanden und nicht antworten können. Vielleicht wäre dann die Polizei auf uns aufmerksam geworden. Nach zwei Tagen, an mehr kann ich mich nicht erinnern, ich weiß auch nicht, wie das Haus ausgesehen hat, hat uns der Mann einen neuen Koffer voller neuer schöner Kleidung gebracht, und er hat der Mutter eine Adresse von einem jüdischen Restaurant in Beirut [Anm.: heute Libanon] gegeben. Syrien und der Libanon standen damals noch unter französischer Herrschaft. Der Restaurantbesitzer sollte uns helfen, nach Palästina zu kommen. Er hat ein paar Worte für ihn auf einen Zettel geschrieben, dann hat er uns zu einem arabischen Bus gebracht, der aussah wie ein Lastwagen. Er hat mit dem Chauffeur gesprochen, er hat alles getan, damit wir gut nach Beirut kommen. Er hat dem Busfahrer genau gesagt, wo er uns hinbringen soll in Beirut, und er hat ihm Essen und Körbe mit Obst gegeben. Während der Fahrt, wir saßen hinter dem Chauffeur, habe ich die arabischen Frauen in ihren Burkas beobachtet, so etwas hatte ich noch nie gesehen, das hat mich fasziniert.

In Beirut hat meine Mutter dem Restaurantbesitzer den Zettel gegeben, und der hat uns mit seinem Auto in ein Haus in einem Dorf gebracht. Das Haus hatte ein schweres Tor, und im Hof gab es einen Brunnen. Der Restaurantbesitzer konnte ein bisschen Jiddisch und sagte uns, dass wir dableiben sollen, er werde alles erledigen. Jeden zweiten Tag ist er gekommen, und jedes Mal hat er noch einen oder mehrere Juden gebracht. Es kam auch eine Familie aus Köln, ein Ehepaar mit zwei Kindern in unserem Alter. Mit den Kindern haben wir gespielt. Ich erinnere mich, der Mann war in Köln Oberkellner in einem großen Cafe. Er hat gut Französisch gesprochen, das hat uns später sehr geholfen.
Der Plan war, dass wir mit einem arabischen Fischerboot nach Palästina gebracht werden und die Fischer uns an Land bringen.
Zwei Wochen waren wir in dem Dorf. Das Geld meiner Mutter wurde immer weniger, denn der Restaurantbesitzer hat für die Schlepper immer mehr Geld gebraucht.

Bevor wir aus Berlin weggefahren waren und wahrscheinlich auch von unterwegs, hatte meine Mutter meinem Vater Briefe nach Palästina geschickt, aber sie wusste nicht, ob er die Briefe erhalten hatte.

Wir haben ständig gefragt, wann es losgeht, und uns wurde immer nur geantwortet: wartet, wartet, wartet. Dann waren wir ungefähr zwanzig Leute, die in dem Haus in dem kleinen Dorf gewartet haben. Mal hieß es, es geht diese Woche an irgendeinem Abend los, dann wurde es wieder verschoben, zum Beispiel wegen stürmischer See. Bis es eines Tages hieß: heute fahren wir! Es kamen zwei kleine Busse auf den Hof gefahren, unsere Koffer wurden auf den Dächern der Busse angebunden, und dann sind wir wirklich losgefahren. Wir sollten irgendwo an den Felsen vom Meer arabische Fischer treffen, die uns nach Palästina bringen sollten.

Die Busfahrer hatten Angst, dass uns die Polizei anhält und kontrolliert, und deshalb fuhren sie auf Wegen über Sand und Steine. Plötzlich sahen wir von weitem Autoscheinwerfer. Die Busfahrer wussten, dass das nur die Polizei sein konnte. Für dieses Ereignis gab es einen Plan, der nun zum Einsatz kam: wir waren eine Gruppe Touristen, die nach Ägypten fährt, und von der Strasse abgekommen ist. Es gab zwischen den Touristen und den Busfahrern Streitereien wegen der Bezahlung. Einer der Busfahrer begann, die Koffer und Pakete vom Dach des Busses runterzuwerfen. Er schrie die angeblichen Touristen an: wir fahren nicht weiter, ihr könnt hier bleiben! Die Polizisten waren inzwischen aus ihrem Auto gestiegen und wussten nicht genau, was sie davon halten sollten. Zuerst wollten sie, dass die Busse ihrem Auto nach Beirut folgen, um dort die Sachlage zu klären. Da behaupteten die Busfahrer, dass die Motoren der Busse nicht in Ordnung seien. Da die Polizisten keine Lust hatten, hinter zwei kaputten Kleinbussen herzufahren, sagten sie: nehmt die Menschen wieder zurück in die Autos, und fahrt mit ihnen nach Beirut. Dass ihr nicht genug Geld von denen bekommen habt, ist nicht unsere Sache, aber wir wollen die Pässe von allen. Morgen könnt ihr euch die Pässe in Beirut auf der Polizeistation abholen, dann hat sich alles aufgeklärt. Die Polizisten haben alle Pässe eingesammelt. Sie haben die Leute gezählt und die Anzahl der Pässe. Als sie weg waren, haben die Busfahrer gesagt: schnell, schnell, wir fahren ohne Pässe weiter! Anhand der Namen in den Pässen würde den Polizisten sofort bewusst sein, dass wir illegal nach Palästina wollten. Die Busfahrer haben schnell die Koffer wieder auf die Busse geworfen, und wir sind zum Meer gefahren. Dort wartete ein Araber, der uns mit einer Taschenlampe den Weg gezeigt hat. Und dann waren wir am Meer. Arabische Fischer haben uns durchs Wasser auf  das Schiff getragen. Miriam und ich wurden zusammen von einem Araber getragen, er hat uns unter seine Arme geklemmt, Miriam rechts, mich links. Aber auch die Erwachsenen wurden auf den Rücken der arabischen Fischer geschleppt. Das musste alles sehr schnell gehen. Wir sind aufs Schiff und sofort losgefahren. Das Ziel war, uns so schnell wie möglich nach Palästina zu bringen.

Geschlafen haben wir auf Säcken im Bauch des Schiffes. Alles hat dort nach Fisch gestunken. Viele haben brechen müssen wegen der unruhigen See. Niemand durfte an Deck, um frische Luft zu schnappen. Das wäre zu gefährlich gewesen, denn wir durften nicht gesehen werden. Als wir uns Haifa näherten, sahen die Fischer Suchscheinwerfer, die das Meer nach illegalen Schiffen absuchten. Sie sind wieder zurück aufs Meer gefahren. In der nächsten Nacht befand sich das Schiff südlich von Haifa, und die Fischer haben noch mehr Suchscheinwerfer gesehen. Dadurch wussten sie genau, wo der Hafen von Haifa ist. Wir mussten noch einige Tage warten. Zu essen hatten wir Pitot [Einz. Pita (Gebäck)] und Oliven. Ich mochte die Oliven nicht, die waren so ölig, also hab ich nur die Pitot gegessen. Daran kann ich mich erinnern.

Nachher hat man uns erzählt, dass die Engländer wirklich uns gesucht haben, weil sie wussten, dass wir kommen, denn wir waren nicht in Beirut, um unsere Pässe zu holen. Die Franzosen haben das sofort verstanden und den Engländern mitgeteilt, dass wir unterwegs nach Palästina sind. In der vierten Nacht waren ihre Suchtätigkeiten geringer, und unser Schiff fuhr nahe zum Strand. Wir wurden mit einem kleinen Boot an den Strand gebracht. Das ist Palästina, der Rest ist es euer Problem! Sie sind weg, und auch ein paar Koffer waren wieder weg. #01:03:27-2#

Es war September. Wir standen am Strand, unsere Kleidung war nass. Unsere Haut begann zu jucken. Wir haben uns ausgezogen, die Kleidung auf Sträucher gelegt, damit sie ein bisschen trocknet. Es begann dunkel zu werden. Ich war sehr durstig, wollte trinken, aber es gab kein Wasser. Wir Kinder haben angefangen zu weinen. Aber niemand konnte helfen. Am nächsten Morgen haben die Erwachsenen beraten, was man tun kann. Sie haben beschlossen, dass wir in Richtung Süden gehen, weil die Araber gesagt hatten, wo Haifa liegt, und wir wussten, dass Tel Aviv südlich von Haifa liegt. Wie weit es nach Tel Aviv ist, wussten wir nicht. Es gab am Meer einen Weg für Pferde und Esel, den sind wir  entlang gegangen. Zuerst haben wir keinen Menschen getroffen, dann sahen wir Araberinnen und Araber. Sie trugen Gefäße. Wir wussten, dass in den Gefäßen Wasser ist, aber wir waren uns sicher, dass sie uns kein Wasser geben würden, weil sie zur Arbeit gingen, und das Wasser für den ganzen Tag reichen musste. Wir wollten mit ihnen sprechen, wir kannten aber nur das Wort Maim, das heißt auf Arabisch Wasser. #01:06:45-0#
Sie haben verstanden, und ein oder zwei haben uns Kindern ein bisschen Wasser gegeben. Ich weiß nicht, ob die Erwachsenen getrunken haben, aber wir Kinder haben getrunken. Dann sind die Araber weitergegangen. Wir haben uns langsam vorwärts geschleppt, wir waren müde und traurig. Es war ganz schrecklich! Wir sind gegangen, bis wir auf einem Platz einen Baum gesehen haben. Das war der erste Baum, den wir sahen - endlich etwas Schatten. Und da haben die Erwachsenen beschlossen, dass wir unter diesem Baum sitzen bleiben und warten, bis jemand vorbei kommt, denn wir konnten alle nicht mehr gehen.  #01:07:44-3#

Nach einiger Zeit kam ein großes schwarzes Taxi aus der Richtung von Haifa. Wir haben gewunken. Wir dachten, das Taxi, wenn es in Richtung Tel Aviv fährt, kann ein oder zwei von uns mitnehmen. Aber das Taxi hielt nicht an. Nach einer Stunde sahen wir wieder das Taxi, aber es fuhr in die andere Richtung. Wir haben nicht die Hand gehoben, denn es war ja nicht unsere Richtung, und es ist an uns vorbeigefahren. Dann kam das Auto aber zurück und blieb unter dem Baum stehen. Unser Glück war, dass der Vater der zwei anderen Kinder, der Kellner aus Köln, Französisch konnte. Der Fahrer des Autos hat sofort verstanden, dass wir illegale Einwanderer sind und uns, zuerst die Frauen mit den Kindern, dann die Männer nach Atlit gefahren. Atlit war damals ein kleines jüdisches Fischerdorf mit wenigen Häuschen. Er hat zu uns gesagt: hier sind Juden. Die Familien in den Häusern haben, als sie uns sahen, auch gleich verstanden, was passiert ist. Sie haben uns auf die Häuser verteilt, und jeder in seiner Familie hat gleich angefangen zu erzählen. Sie haben Jiddisch gesprochen, und so haben wir uns verständigen können. Wahrscheinlich waren das russische Juden, die schon längere Zeit in Palästina lebten. Sie haben uns Essen gebracht, und wir haben geduscht, und schon war es etwas leichter. Wir haben ihnen auch erzählt, dass wir mit Scheinwerfern gesucht wurden, und sie sagten: die suchen euch, und die wollen euch! Und wenn sie euch finden, wer weiß, was passiert! Es ist gefährlich hier zu bleiben, aber ihr wollt ja sowieso in den Süden. Heute ist Schabbat, heute gibt es keine Bahn mehr, aber morgen Früh gibt es eine Bahn. Ihr verteilt euch in verschiedene Abteile, damit ihr nicht auffallt. Einer aus unserer Familie wird mit euch im Zug fahren, wenn etwas passiert, wird er euch helfen. Zum Glück ist nichts passiert. So sind wir mit der Bahn nach Tel Aviv gekommen.

Wir standen in Tel Aviv und kannten niemanden. Man muss wissen, dass Tel Aviv zu dieser Zeit eine kleine Stadt war. Es gab viel Sand, aber es war andererseits auch europäisch. Die Häuser waren klein und hatten rote Dächer. Hier und da gab es schon zweistöckige Häuser, aber es waren wenige. Und es gab sehr wenige gepflasterte Straßen, zwei, drei Hauptstraßen, sonst war überall Sand. Zum Beispiel die Ben Yehuda Straße existierte gerade mal ein paar hundert Meter, vielleicht sogar weniger. Der Bahnhof war in der Allenbystrasse, und damit die Leute nicht im Sand steckenbleiben, gab es rechts und links einen Gehsteig aus Holzbrettern. Das war Tel Aviv 1933, man ist im Sand stecken geblieben.
Es gab sehr wenige Autos auf den Straßen, es gab Kamele und Pferdedroschken. Die Pferdedroschken hatten zwei große und zwei kleine Räder. Hauptsächlich fuhren Araber mit den Pferde- und Kamelwagen.

Meine Mutter hatte sich Geld und einen Zettel mit der Adresse einer jüdischen Familie in Tel Aviv an den Körper gebunden. Wir haben eine Droschke genommen, sie hat dem Kutscher die Adresse gegeben, aber als wir durch die Nachlat Benjamin [Anm.: Strasse] fuhren, rief auf einmal eine Frau ‚Frau Kempler, Frau Kempler, Willkommen, Willkommen in Erez Israel!’ Das war Frau Rabinovich aus Berlin. Ihr Gesicht hat gestrahlt. Frau Rabinovich lebte bereits einige Jahre mit ihrem Mann in Palästina.
Zu dieser Zeit sind nicht viele Droschken gefahren, und wenn eine Droschke durch die Straße fuhr, haben alle geschaut, wer das ist. Eine Droschke war eine Attraktion. Außerdem hatten die Droschken immer Glocken, alle haben gehört, dass eine Droschke fährt. Und darum hat Frau Rabinovich die Mutter gesehen. Wir sind von der Droschke runter, sie haben sich geküsst, sie hat uns in ihre Wohnung mitgenommen und für uns gekocht.
Am nächsten Tag haben sie sich beraten, auch mit ihrem Mann, der schon sehr integriert in der Gesellschaft war, wie sie meinen Vater finden können. Wir wollten natürlich so schnell wie möglich zu meinem Vater. Meine Mutter hatte zwar eine Adresse, aber die Adresse stimmte nicht mehr. Herr Rabinovich war sofort dorthin gegangen, aber mein Vater wohnte nicht mehr da. Niemand wusste, wo mein Vater war. Damals hat man als Konditor nicht an einem Platz gearbeitet, sondern einen Tag hier, einen Tag dort, denn niemand hat damals Kuchen gesucht. Bäckereien gab es, aber keine Konditoreien. So hat mein Vater jeden Tag in einer anderen Bäckerei gearbeitet. Er hatte eine Adresse, aber kaum jemand wusste davon.

Tel Aviv

Ich möchte ein bisschen über Tel Aviv in dieser Zeit erzählen: damals musste niemand die Türen verschließen, denn es gab keine Kriminalität. Auf den Straßen standen immer Menschengruppen zusammen, die über alles diskutierten. Nachts konnte man auf einigen Strassen, zum Beispiel auf der Allenby, Tanzende sehen. Da tanzten Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern Hora und solche Tänze. Es war eine wunderbare Atmosphäre, alle waren zufrieden, obwohl das Leben nicht leicht war. Es gab nicht viel Essen. Brot, Eier, Milch, Käse und Gemüse brachten die Araber mit Kamelen oder Eseln nach Tel Aviv. Die Araber haben auf ganz niedrigem Niveau gelebt. Sie hatten noch weniger als die Juden. Die Beziehung zwischen den Arabern und den Juden war damals normal. Tel Aviv war eine einzige Baustelle, in der ganzen Stadt wurde gebaut. Die jüdischen Bauarbeiter haben gut verdient. Sie haben zusammen mit den Arabern gearbeitet, und sie haben über Häuserbau viel gelernt von den Arabern.

Büros und Banken gab es einige, aber Geschäfte sind erst entstanden, als die Juden 1933 ins Land kamen, weil bis 1933 nur ziemlich arme Juden gekommen waren oder Idealisten. Sie hatten nicht viel Geld mitgebracht, da konnte die Gesellschaft nicht reicher werden. Aber die  Tänze und die Lieder hatten sie mitgebracht. Nach 1933 sind viele bürgerliche Juden mit Schlips und besseren Berufen aus Deutschland gekommen. Sie mussten sich anpassen, und das war sicher sehr schwer für diese Leute. Aber sie haben Geschäfte eröffnet - Lebensmittel, Kleidung, Schuhe - die einfachen Sachen. Auch viele Polen sind damals ins Land gekommen, weil sie Angst davor hatten, was sich noch entwickeln kann. Von den Polen sind zwei Gruppen gekommen: eine große Gruppe, die Chaluzim und eine kleine Gruppe, der Mittelstand. Die Leute aus dem Mittelstand hatten schon in Polen kleine Geschäfte. Sie hatten etwas Geld und haben auch in Palästina kleine Geschäfte eröffnet.
Die ganze Atmosphäre war leicht. Ich glaube, die Atmosphäre war so gut, dass sie stärker war, als die Sorgen, die man sich gemacht hat. Wir hatten ja erlebt, was in Deutschland passiert ist, aber vielleicht haben sich die Erwachsenen Sorgen gemacht. Ich als Kind jedenfalls habe das nicht bemerkt.
#00:01:54-0#
Herr Rabinovich hat weiter meinen Vater gesucht. Er kannte sich gut aus in Tel Aviv, und die Suche war für ihn leichter, als sie es für meine Mutter gewesen wäre. Wenige Tage später fand er eine Bäckerei im Süden von Tel Aviv, das war schon halb arabische Gegend, und dort sagte man ihm, wo mein Vater wohnt. Das war einige Tage, nachdem wir in Tel Aviv angekommen waren. Er kam und sagte: ich hab ihn gefunden! Meine Mutter wollte gleich zu meinem Vater, aber Herr Rabinovich sagte: es ist besser, ihr geht morgen zu ihm. 
Am nächsten Morgen sind wir hingegangen, und wenn Tel Aviv arm war, dort war es noch viel, viel ärmer. Da gab es nur Sand und Pardessin [Anm.: Orangenhaine].
Wir hatten eine Adresse. Da war so ein kleines Haus, aber mein Vater hat nicht im Haus gewohnt, sondern auf dem Hof in einer Baracke. Wir sind rein, und wir haben ihn gesehen. Er hat geschlafen. Er hatte in der Nacht gearbeitet, und wir sind am Tag gekommen. Und meine Mutter hat ihn angeschaut, ich weiß nicht, was sie gefühlt und gedacht hat. Sie hatte ihn monatelang nicht gesehen. Zuhause kannten wir meinen Vater in einer schönen Wohnung, und dort lag er auf einem Eisenbett und schlief. Gut, wir haben gewartet, bis er sich ein bisschen umgedreht hat, die Augen geöffnet hat, und dann war das für ihn eine riesengroße Überraschung. Wir haben uns geküsst und sind zusammen gesessen, und meine Eltern haben sich erzählt, was inzwischen passiert war. Mein Vater war in keiner guten Lage: er hatte kein Geld mehr. Sie haben angefangen zu diskutieren: was machen wir weiter? In Tel Aviv gab es ein paar Plätze für Neueinwanderer. Das waren Holzbaracken und die zionistische Organisation hat allen Neueinwanderern in diesen Lagern ein Bett gegeben. Das waren keine Zimmer, das waren große Säle, und sie haben Betten an Neuankömmlinge verteilt, dass man schlafen kann. Diese Leute waren in einer viel besseren Lage als mein Vater in seinem Zimmer. Vielleicht hatte er nicht gewusst, wie er da hinkommt. Ich weiß nicht, warum er da in diesem Loch gelebt hat, aber so war das.

Wir wussten nicht, wie es weiter geht. Mein Vater ist dann in diesen Büro gegangen und hat gefragt: kann ich meine Familie hier unterbringen?  3:52-0#
Sie konnten uns alle unterbringen, aber nicht zusammen. Im Lager waren Zimmer für Männer und Zimmer für Frauen. Für ein Paar gab es kein Zimmer. Die Kinder wurden in einem Dorf in der Gegend von Tel Aviv untergebracht, bis die Eltern etwas gefunden hatten. Es war schwer, aber wir mussten das so machen. Der Vater hat einen Platz bekommen, die Mutter hat einen Platz bekommen, und jeden Morgen haben sie sich getroffen. Durch Herrn Rabinovich hat mein Vater Informationen über Arbeitsmöglichkeiten erhalten, denn für meinen Vater begann durch unser Eintreffen in Tel Aviv eine neue Situation. Bisher hatte er sich nur um sich selbst gekümmert, jetzt, wo wir ihn gefunden hatten, musste er sich um die Familie kümmern. Darüber hatte er noch nicht konkret nachgedacht.

Mein Vater hat dann beschlossen, dass wir ein Restaurant eröffnen - keine Konditorei, sondern ein Restaurant. Ein Restaurant hat ja auch mit Essen zu tun. Wieder half ihm Herr Rabinovich. Er suchte mit meinen Eltern einen Platz für das Restaurant. Sie fanden ein einstöckiges Haus im Süden von Tel Aviv, in Shrunat Shapira. Das liegt dort, wo die alte Busstation war. Shrunat Shapira war noch im Bau, und auch da half Herr Rabinovich, dass mein Vater einen Kredit bei der Bank bekam. Das Gebäude war noch im Bau, da begann mein Vater bereits Stühle, Tische und Geräte für die Küche einzuräumen, und er begann zu kochen. Der untere Stock bestand aus fünf Zimmern und einer geschlossenen Terrasse. Das war unsere Wohnung, und da sollte auch das Restaurant rein. Zwei Zimmer waren für die Gäste, ein Zimmer war die Küche und in eineinhalb Zimmern haben wir gewohnt. Im ersten Stock wohnten andere Leute.

Viele Bauern oder Bewohner von Dörfern haben in dieser Zeit freiwillig Kinder von Neueinwanderern zu sich nach Hause genommen, damit sich die Eltern eingewöhnen können. Miriam und ich kamen zusammen in den Moschaw 12 Nes Ziona zur Familie Feller. Familie Feller war sehr, sehr nett zu uns. Sie kamen ursprünglich aus Russland, aber sie waren schon viele Jahre in Palästina. Sie hatten einen großen Pardess und Wein und sind ökonomisch sehr gut dagestanden. Einer ihrer Söhne ging in ein Gymnasium in Tel Aviv. Nicht jeder konnte ins Gymnasium gehen. Die meisten Kinder in dieser Zeit sind sechs, sieben Jahre in die Schule gegangen und haben dann angefangen zu arbeiten. Der Sohn der Fellers ist jeden Tag nach Tel Aviv gefahren. Daran sieht man, dass sie ziemlich reich waren.
Die Familie hat  Hebräisch und Jiddisch gesprochen, aber wir konnten noch kein Hebräisch, und das Jiddisch, das sie sprachen, war ein russisches Jiddisch. Das haben wir nicht verstanden. Dadurch war es mit der Verständigung sehr schwer.
Wir waren den ganzen Tag auf dem Hof. Da gab es Hühner, die sind frei im Hof rumgelaufen,  und die Frau hat sie mit Brot gefüttert und mit solchen Sachen. Auf dem Hof waren auch Esel. Ich wollte immer auf einen Esel rauf und bin immer runtergefallen. Was uns auch sehr interessiert hat, war der runde Ofen, in dem sie ihr Brot gebacken haben. Das war kein europäischer Ofen, die Araber haben auch solche Öfen, die aussehen wie ein Iglu. Drinnen war ein Feuer, und auf dem Ding hat man kein Brot gebacken, sondern Fladen. Das war das Brot. Manchmal haben sie auch Brot reingeworfen, aber das war dann ziemlich dick. Diese Öfen hatten damals alle Bauern dort auf den Höfen. Das hatten sie von den Arabern gelernt. Miriam und mich hat sehr interessiert, wie diese Öfen arbeiten, wie das funktioniert.23:24-0#
Es gab auch verschiedene Instrumente, um Gemüse zu schneiden. Jedenfalls gab es viel für uns zu sehen.
Dann wollten die Fellers, dass wir in eine Schule gehen. Gut, wir sind ein, zwei Tage in die Schule gegangen. Wir sind dort gesessen und haben nichts verstanden. Und die Kinder haben uns ‚Jeckes, Jeckes’ [Anm.: umgangssprachliche Bezeichnung der jiddischen Sprache für die deutschsprachigen jüdischen Einwanderer der 1930er-Jahre in Palästina und ihre Nachkommen in der heutigen Bevölkerung Israels] hinterher gerufen. Kinder sind immer roh. ‚Jeckes, Jeckes, Jeckes’, da wollten wir nicht mehr hingehen.
Trotzdem die ganze Familie lieb zu uns war, war es sehr schwer für Miriam und mich. Wir waren dort über einen Monat. Dann haben Miriam und ich beschlossen, wir fahren nach Tel Aviv und suchen unsere Eltern. Aber wir haben gewusst, dass wir Geld brauchen. Wir wussten, dass wir mit dem Autobus gekommen waren, und die Fahrt war lang, dreimal so lang wie heute, weil es noch keine Straßen gab. Wir haben verstanden, dass wir nicht den ganzen Weg gehen können. Wir wussten auch, wie wir Geld kriegen können. Wir sind in ein Geschäft gegangen, daran kann ich mich noch genau erinnern, und haben den Verkäufer gefragt, ob er uns Geld geben kann für den Bus nach Tel Aviv, wir wollen zu unseren Eltern fahren. Die Bewohner der Gegend wussten alle, da sind zwei Kinder aus Deutschland, die sind untergebracht bei der Familie Feller. Damals wussten alle Alles. Wenn irgendwo etwas passierte, wussten es alle. Alle haben uns also gekannt, wir sind ja auch im Dorf herum spaziert. Der Verkäufer hat sofort verstanden, was da passiert. Er hat gesagt: nein, ich kann euch kein Geld geben, aber bleibt ruhig ein Weilchen hier. Dann hat er uns Bonbons gegeben. Wir haben verstanden, dass wir kein Geld von ihm kriegen, da haben wir uns gesagt: gut, dann gehen wir wie die Araber.
Auf der Hauptstraße durch das Dorf gingen Juden und Araber. Und wir hatten gesehen, die Araber gehen mit einem Stock auf dem Rücken, und an dem Stock hing ein kleiner Sack mit ihren Sachen und ein Wasserkrug. 
Da haben Miriam und ich uns beraten und beschlossen, wir machen dasselbe. Auf dem Hof, wo wir gelebt haben, waren viele Wasserkrüge, und einen Stock haben wir von einem Strauch abgebrochen. In der Gegend des Hauses gab es einen kleinen Berg, und auf dem Berg war ein Garten. Eines Tages nach dem Mittagessen, während dieser Zeit waren nie Leute dort, haben wir einen Wasserkrug raufgetragen und dort versteckt. Auch einen Stock haben wir raufgetragen, und nun waren wir vorbereitet.  #00:27:33-3#
Am nächsten Tag sind wir ganz früh aufgestanden und in Richtung Tel Aviv losgegangen. Wir sind nicht weit gekommen. Es war die Zeit der Weinlese. Da waren viele Wagen, die die Trauben in die Weinkellereien gebracht haben. Wir sind gegangen, uns hat das nicht interessiert. Aber ein Bauer, der auf einem Wagen gesessen ist, hat uns angehalten. Er hat sofort verstanden, was da passiert. Das war ganz klar: zwei Kinder gehen mit einem Stock, an dem Wasser und Proviant hängt. Wo geht ihr hin, hat er uns gefragt? Wir haben gesagt, wir gehen ein bisschen spazieren. Er wusste, das stimmt nicht, aber er hatte seinen Wagen voller Trauben. Er hat die Trauben in seinem Keller abgeladen und ist uns dann gefolgt. Er hat noch einmal gefragt: ihr geht spazieren? Ja, ja, wir gehen spazieren, haben wir gesagt. Wisst ihr was, ich nehme euch auf meinem Wagen mit und bringe euch zu euerm Haus. Es wird bequemer sein für euch, und ihr müsst nicht hier in der Sonne spazieren. Wir wollten natürlich nicht auf den Wagen, weil wir wussten, dass es wieder zurück geht. Er hat uns auf den Wagen gehoben und uns zu unserem Haus gebracht. Wir haben geweint, es hat nichts geholfen. Von dem Tag an haben sie mehr aufgepasst auf uns. Vielleicht zwei Wochen später sind unsere Eltern gekommen und haben uns erzählt, dass sie eine Wohnung haben und unser Restaurant bald eröffnet wird. Es würde nicht mehr lange dauern, bis wir wieder zusammen sind. Wir haben uns sehr gefreut, und nicht lange danach sind unsere Eltern gekommen und haben uns abgeholt. Von den Bauern bekamen wir noch neue Kleidung, dann sind wir mit unseren Eltern nach Tel Aviv gefahren.

Miriam und ich waren glücklich, wieder mit unseren Eltern zusammen zu sein. In Tel Aviv sind wir in das neu gebaute Haus gezogen. Die Eltern hatten Tische und Stühle, erste Sachen für die Küche und Eisenbetten und Matratzen gekauft. Die Matratzen waren nicht so, wie man sie heute hat, das waren nur Säcke mit Stroh gefüllt, die klopfte man etwas gerade. Da es weder Gas noch Elektrik gab, kochte man mit Petroleum. Das Petroleum hat immer sehr gestunken, aber nie hat sich jemand darüber beschwert. Meine Eltern haben deutsche Küche gekocht. Unsere Gäste waren die Arbeiter, die die Häuser dort gebaut haben. Es waren ungefähr zwanzig Gäste über den Tag verteilt. Diejenigen, die in unserer Nähe gewohnt haben, sind auch zum Abendbrot gekommen. Meine Mutter hat die Teller immer bis zum Rand gefüllt, und alle waren meinen Eltern dankbar. Sie haben sich sehr wohl gefühlt, sie haben sehr gut gegessen, und für sehr viel Essen nicht viel bezahlt. Aber mein Vater hat immer zu meiner Mutter gesagt: Liebe, wenn du die Teller so voll machst, werden wir pleite gehen.
Die Arbeiter haben verdient, aber sie konnten sich nicht viel leisten. Und wenn einmal einer arbeitslos war, und das ist sehr oft passiert, hatte er kein Geld mehr, um zu zahlen, und dann musste er anschreiben lassen. In allen Lebensmittelgeschäften konnten die Leute anschreiben lassen. Jedes Geschäft hatte ein Buch, und da wurde eingeschrieben, was der Kunde dem Geschäft schuldig war. Unsere Eltern hatten ein ganzes Buch vollgeschrieben, aber viele konnten nie zahlen. Damals gab es in Israel noch einen anderen Weg der Bezahlung.
Es gab Piaster und Pfund. Hundert Piaster waren ein Pfund. Aber da viele Sachen billiger als ein Piaster waren, hat sich jedes Geschäft sein eigenes Geld gedruckt oder geschrieben: ein halber Piaster, ein viertel Piaster, und so hat man in jedem Lebensmittelgeschäft mit dem Geld, das das Geschäft hergestellt hat, bezahlt - wenn man bezahlen konnte. Es gab sogar halbe Piaster aus Metall. Ich besitze so einen halben Metall Piaster noch. Dieses Geld war von der Regierung nicht anerkannt. Entweder man hat im jeweiligen Geschäft einen Piaster gegen das kleinere Geld getauscht, oder, wenn man gar kein Geld hatte, hat man anschreiben lassen.
Nach zwei Jahren sind wir Pleite gegangen.

Das Viertel, in dem wir gewohnt haben und unser Restaurant war, hat steuerlich zu Jaffa gehört. Jaffa war eine arabische Stadt, und Tel Aviv war eine jüdische Stadt. Die Engländer hatten keine Schulen für Juden, für Araber gab es Schulen. Sie haben zu den Juden gesagt: kümmert euch selbst um eure Schulen. Die Kinder aus Tel Aviv konnten unentgeltlich in die Schulen gehen. Das hat die Stadt durch Steuern und Geld, das aus Europa gekommen ist, finanziert. Weil wir nicht in Tel Aviv gewohnt haben, sondern steuerlich zu Jaffa gehörten, mussten meine Eltern in Tel Aviv für uns Schulgeld bezahlen. Und das war nicht wenig!
Bis alles bürokratische erledigt war, hat es ein paar Wochen gedauert. Dann konnten Miriam und ich endlich wieder in die Schule gehen.

In Tel Aviv hatte man ein paar Schulgebäude gebaut. Aber es waren nicht genug Schulen, weil viele Menschen aus der ganzen Welt nach Palästina emigrierten. So wurden Wohnhäuser von der Stadt als Schulen gemietet. Die ersten zwei Jahre war ich in der Bialik-Schule 13, die sich zwischen der Berech Salame und Rechow Lewinski in einem Wohnhaus befand. Es gab keinen Hof, also sind wir in den Pausen auf der Straße herumspaziert. Da es nicht genug Klassen gab, haben sie noch ein Haus gemietet. So waren die Schulen damals. Miriam und ich haben sehr schnell Hebräisch gelernt. Ungefähr zwanzig Kinder waren immer zusammen in einer Klasse. Zwei Jahre bin ich in diese Schule gegangen.
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Hebräisch war die Unterrichtssprache. Die Lehrer kamen aus allen Ländern. Wir hatten Unterricht in Hebräisch, Rechnen, Schreiben, Lesen und  Biologie. Biologie war ein sehr wichtiges Fach. Später haben wir angefangen Englisch zu lernen, aber wir hatten keinen Religionsunterricht. Nachdem mein Vater mitbekommen hatte, dass wir nichts Religiöses dort lernen, hat er gesagt, er will, dass ich in eine Schule gehe, in der man auch Religion lernt. Er hat die Schule Beit Sefer Tachkemoni in der Lilienblum Street gefunden, und ich hab dort viel Religion gelernt. Ich war acht Jahre in der Schule, davon habe ich sechs Jahre lang viel Religion gelernt. Aber der Unterricht war modern, nicht so wie im Cheder.

Die Kinder, mit denen ich in einer Schule war, waren aus den verschiedensten europäischen  Ländern. Es gab auch Kinder aus Deutschland. Ich habe aber in der Schule mit den Kindern niemals deutsch gesprochen. Ich wusste, woher diese Kinder kamen, aber wir haben immer hebräisch miteinander gesprochen. 

Meine Eltern haben niemals Hebräisch gelernt. Sie haben einige Wörter auf  Hebräisch gekonnt, aber unterhalten haben sie sich jiddisch. In unserer Gegend waren viele, die jiddisch gesprochen haben. Das heißt, die Umgangssprache war Jiddisch. Die Mehrheit der Einwohner dort kamen aus Polen und aus Russland. Und die aus Deutschland gekommen sind, haben es schnell geschafft, Jiddisch zu lernen, weil sich Deutsch und Jiddisch sehr ähnlich sind. Jiddische Literatur wurde aus dem Ausland gebracht, das war also auch kein Problem. #00:50:44-7#
Die allgemeine Atmosphäre damals haben die Chaluzim 14 bestimmt. Es gab so einen Spruch: Jehudi daber ewrit [Jude sprich Hebräisch]! Das Ziel der Chaluzim war, dass alle Juden im Land Hebräisch sprechen. Ich kann mich erinnern, wenn Leute auf der Strasse untereinander Jiddisch sprachen, sind die Chaluzim zu ihnen gegangen und haben gesagt: ‚Lerne Hebräisch!’ Jiddisch war für sie keine reiche Sprache, aber Jiddisch ist stark geblieben, weil viele Leute kein Hebräisch lernen konnten. Die Kinder haben alle schnell Hebräisch gelernt und gesprochen. Sie sind sehr schnell richtige Israelis geworden. Aber auch heute noch gibt es Kreise, in denen Jiddisch untereinander gesprochen wird, weil es die Muttersprache ist. #00:52:40-8#

Mir ging es sehr gut. Auf den Straßen waren immer viele Kinder, und ich hatte viele Freunde.00:52:49-1#
Es gab zwei Sachen, die sich ökonomisch sehr negativ auf die ganze Gegend ausgewirkt haben. Das war erstens der arabische Aufstand [Anm.: April 1936 bis 1939] und zweitens der Krieg in Abessinien [Anm.: 1937].
Die Araber wollten, dass die Juden verschwinden. Damals hatten die Araber noch keine schwere Munition, aber Hackmesser, Schwerter und Stöcke, und damit sind sie auf die Juden losgegangen. Wo sie einen Juden gesehen haben, haben sie ihn getötet. Das war eine sehr schwere Zeit. Man musste damals alles bewachen: die Kibbutzim und die Städte. Unser Haus war ziemlich nahe einem Zaun von einem arabischen Pardess. In dem Viertel, in dem wir gewohnt haben waren meistens Steinhäuser, aber neben uns war auch ein Viertel, da wohnten Juden, die kein Geld für eine Wohnung hatten, in Holzbaracken. Jeder konnte sich dort seine Baracke hinstellen. Jede Nacht sind die Araber aus dem Pardess gekommen und haben Flaschen mit Petroleum angezündet und auf die Holzbaracken geworfen. Wochenlang haben sie das gemacht, und es ist ihnen gelungen, Holzbaracken anzuzünden. Damals hat sich sehr schnell die Hagganah 15 organisiert, und die Chawerim [Anm.: Freunde] der Hagganah sind in den Nächten in die Pardess reingegangen und haben die Araber gefangen, bevor sie noch mehr Häuser anzünden konnten. Das hat dann auch aufgehört. Und dann haben die Mitglieder der Hagganah, die damals nur mit Stöcken bewaffnet waren, auch die Strassen bewacht.

Zu dieser Zeit, 1936, sind meine Eltern mit dem Restaurant Pleite gegangen. Wir mussten das Restaurant schließen und auch unsere Wohnung verlassen, da wir sie nicht mehr zahlen konnten. Von 1936 bis 1939 war die schwerste Zeit in Palästina. Zu dieser Zeit gab es eine große Arbeitslosigkeit und auch junge Menschen waren auf den Strassen und haben gehungert. Viele sind damals zurück gefahren nach Europa.
Wir mussten ausziehen und unsere Familie hat dann in einem Zimmer gewohnt. Da gab es kein Bad und keine Dusche, und das Klosett war im Hof. So haben wir gelebt. Aber ich hab nicht gelitten. Es war schwer damals, aber für alle war es schwer. Da hatte man kein Gefühl, dass einer reich ist und einer arm ist. Da gab es nur eine ganz kleine Schicht, der es besser ging. Aber die war wirklich sehr klein. Die Masse war arm. Auch mein Vater konnte keine Arbeit kriegen, und wir mussten ‚den Groschen umdrehen’. Mein Vater hat dann einen Lift, das war eine große Kiste, mit der Umzugsgut aus Deutschland und Österreich nach Palästina geschickt worden war, und die dann in Palästina oft als erste Unterkünfte diente, auf einen Platz gestellt und eine kleine Konditorei eröffnet. Aus dem Restaurant besaß er noch verschiedene Geräte, die er benutzen konnte. Er hat einen Tisch gebaut und begonnen, Kuchen zu backen. Den Kuchen hat er an Geschäfte verkauft, und davon haben wir gelebt.
Oft, wenn ich aus der Schule nach Hause kam, habe ich mit meinem Vater die Kuchen in die Geschäfte gebracht. Wir hatten zwei Koffer, und ich kann mich genau erinnern, wie ich mit ihm die Straßen entlangging zu den Geschäften. Aber nicht alle Geschäfte konnten kaufen, denn auch sie hatten kein Geld.

Leider besuchte uns genau zu dieser Zeit der nette Herr Spitzer aus Belgrad. Er war ohne seine Familie nach Palästina gekommen, um sich einmal umzusehen. Er bestellte uns viele Grüße von Isi und erzählte uns alles über meinen Bruder. Herr Spitzer hatte gespürt, dass Europa zu brennen begann und wollte sehen, wie man in Palästina leben kann. Er war Gast in unserem ‚Loch’, und das muss ihn wohl sehr abgeschreckt haben. Er ist zurück nach Jugoslawien gefahren. 5#
Isi, unser Bruder, kam zu Beginn des Jahres 1939 nach Palästina. Wir hatten ihn sechs Jahre nicht gesehen. Inzwischen war er ein junger Mann, aber ich habe ihn sofort erkannt. Wir haben Glück, dass er noch von dort rausgekommen ist. Da war eine Gruppe, die sich organisiert hatte, und mit dieser Gruppe ist er nach Palästina gekommen. #01:06:28-7#
Nach dem Krieg haben wir uns bemüht, etwas über die Familie Spitzer zu erfahren. Vor allem für Isi war es sehr wichtig, denn er fühlte sich der Familie sehr verbunden und war ihnen dankbar für alles, was sie für ihn getan hatten. Aber wir haben keine Spur von der Familie Spitzer gefunden.

Nun möchte ich noch etwas über meine Schwestern, die, als meine Mutter mit Isi, Miriam und mir abgereist war, in Berlin geblieben waren, erzählen: Fanny, meine älteste Schwester, ist nach unserer Abreise aus Berlin nach Frankreich auf Hachschara 16 gefahren. Sie ist, glaube ich, ein Jahr nach uns mit dieser Gruppe nach Palästina gekommen. In Frankreich hat sie geheiratet. Aber das war keine richtige Hochzeit. Die Engländer haben Zertifikate für die Einreise nach Palästina vergeben, und wenn jemand ein Zertifikat bekommen hatte, konnte er auch den Ehepartner mitnehmen. Da haben in der Gruppe alle Männer und Frauen geheiratet.                                                                                                        :09:47-6#
Fannys Mann Nathan Treuherz, in Israel Nathan Tohar, war auch ein Berliner.

Kurze Zeit haben sie bei uns gewohnt. Ich kann mich erinnern, Nathan und ich haben in der Küche unseres Restaurants geschlafen, und Fanny hat im Zimmer mit meinen Eltern geschlafen. In Tel Aviv haben sie dann auch richtig beim Rabbinat geheiratet. Dann sind sie in ein Zeltlager übersiedelt.

In Bertuvia, das ist heute ein reiches Dorf, wurden Zelte für sie aufgestellt, und sie sind dorthin, um bei den Bauern zu arbeiten. Ich habe in Bertuvia bei meiner Schwester Fanny und ihrem Mann zweimal meine Sommerferien verbracht. Dann hat die gesamte Gruppe beschlossen, sie gründen eine neue Form des Zusammenlebens, eine Mischung aus Kibbutz und Moschaw. Jeder sollte sein eigenes Haus besitzen. Am Anfang aßen sie noch in einem Speisesaal wie in einem Kibbutz,  die Maschinen gehörten, wie in einem Kibbutz, allen, jeder bekam den gleichen Lohn und die Kinder schliefen zu Hause. Das ist ihnen alles innerhalb längerer Zeit gelungen. 1938 haben sie nahe En Harod, das ist nicht weit von Emeg Israel, die Siedlung Moledet gegründet. Moledet bedeutet Heimat.

Nathan kam aus einer wohlhabenden Familie. Er war eine starke Persönlichkeit, er war schon der Madrich, der Leiter der Gruppe, auf Hachschara in Frankreich. Auch in Moledet war er in verschiedenen wichtigen Positionen.
Als sie die Siedlung errichteten, war noch der arabische Aufstand. Die Araber wollten nicht, dass Plätze besiedelt werden. Schon in der ersten Nacht wurden die Siedler überfallen. Da hat man ein System entwickelt: Choma u Migdal, das bedeutet Mauer und Turm. Bevor die Siedler begannen die Siedlung aufzubauen, wurde alles genau vorbereitet. Es wurden Teile von Holzbaracken auf einen Laster geladen. Das passierte immer in der Früh. Kibbutzniks [Anm.: Bewohner eines Kibbutz] und Mitglieder der Hagganah waren mobilisiert für diesen Tag, um die Siedler vor Angriffen zu schützen. Die Siedler kamen mit zwei Lastwagen auf denen der Turm, Holzwände für die Mauer und die in Teile zerlegten Baracken waren. Um den Platz der Siedlung zu schützen, wurden rundherum Holzwände aufgebaut. Es wurden immer zwei Holzwände parallel zueinander im Abstand von ungefähr  einem halben Meter um die gesamte Siedlung aufgestellt, die vielleicht fünfzig Meter betrug. Der  Zwischenraum zwischen den Wänden wurde mit Steinen ausgefüllt, und zwischen die Steine wurde Zement gegossen. Während die Wände von den einen Siedlern, es waren vielleicht zehn bis fünfzehn junge Leute, zusammengebaut wurden, haben die anderen die Baracken innerhalb der Wände aufgestellt und den Wachturm, der in die Mitte kam und fünf, sechs Meter, glaube ich, hoch war. Der Turm wurde immer als ganzes Teil gebracht. Das waren die Siedlungen damals, vielleicht zwei, drei Holzbaracken, der Turm und die Mauer rundherum.
Nicht nur die Araber, auch die Engländer wollten die Siedlungen verhindern, aber es gab viele solche Plätze. Abends kam die englische Polizei, aber sie konnten nichts machen: die offiziellen Gesetze in Palästina waren noch die alten türkischen Gesetze. Das heißt, die Engländer hielten sich an die türkischen Gesetze. Da gab es ein Gesetz, dass, wenn jemand ein Haus illegal baut und wenn das Haus bereits ein Dach deckt, darf man es nicht mehr abreißen. Also musste das Dach ganz schnell rauf. So hat man sehr, sehr viele Holzhäuser gebaut. Ein Steinhaus konnte man nicht so bauen, aber Holzhäuser konnte man ziemlich schnell bauen. Wenn die Engländer am Tag gehört haben, was passiert, bis sie gekommen sind, waren schon die Dächer auf den Holzhäusern, und sie  konnten nichts mehr sagen. Die Araber haben natürlich in der ersten Nacht diese Siedlungen überfallen und beschossen, aber sie konnten nicht rein, weil die Siedlungen bewacht waren. Die Siedler aber durften keine Gewehre haben, und da haben die höchste jüdische Organisation und die englische Regierung miteinander gesprochen, und die Juden haben gesagt: ihr wisst, dass die Araber die Juden überfallen und dass sehr viele Juden ermordet werden. Das wirft kein gutes Bild auf euch. Ihr müsst uns die Möglichkeit geben, dass wir uns verteidigen. Sonst wird die Welt böse auf euch schauen. Sie haben einen Kompromiss gefunden: es entstand eine Truppe, die Gafire. Das waren Hilfspolizisten, die von den Engländern ausgebildet wurden, und sie bekamen auch Gewehre mit denen sie aber nicht schießen durften. Jede Siedlung bekam ungefähr sechs Gafire, aber die waren eben beschränkt in ihren Handlungen. Auf jedem Turm gab es einen großen Scheinwerfer, der mit einem Generator betrieben wurde, und jede Nacht wurde die Umgebung abgesucht. Es gab auch Morsegeräte. Man hatte die Möglichkeit, dass die Siedlungen und Kibbutzim Lichtkontakt zueinander hatten. Das heißt, jede Nacht haben die Wächter Informationen mit Hilfe von Scheinwerfern und Morsegeräten ausgetauscht. Es gab damals Kurse, dass man die Jüngeren lehrt, wie man das macht. In den neuen Siedlungen gab es noch keine Kinder, aber in den älteren Kibbutzim, und die Älteren kannten sich aus mit der Kommunikation. Das hat gut funktioniert. 24:42-7#

In Moledet gab es in der ersten Nacht keinen Schutz, aber am zweiten Tag haben sich sechs Siedler bei den Engländern als Gafire gemeldet. Sie haben Uniformen, die Gafire hatten Uniformen mit hohen Mützen [hebr. kolpak] und Gewehre bekommen. Sie haben schnell einen Kurs absolviert, aber da sie sowieso Mitglieder der Haganah waren, wussten sie auch ohne Kurs alles. Sie haben aber so getan, als würden sie nichts wissen. Diese sechs waren dann die Polizei der Siedlung, und mein Schwager Nathan war der Korporal. Die Gafire durften in der Siedlung nicht arbeiten, denn sie wurden von den Engländern bezahlt. Die Engländer sind oft herumgefahren und haben die Gafire kontrolliert. Aber die Gafire wurden in der Siedlung als Arbeitskräfte gebraucht. Der Turm war auch tagsüber besetzt, und immer wenn derjenige, der auf dem Turm war von weitem die englische Polizei sah, hat er gepfiffen und die sechs sind schnell in ihre Zimmer gerannt.

Nathan kam aus einer Familie, die schon viele, viele Jahre in Deutschland lebte und die sich als Deutsche fühlten. Nathans Vater war im Ersten Weltkrieg bei der deutschen Armee Offizier und ist gefallen. Und Nathans Mutter war sehr stolz, dass ihr Mann für Deutschland gefallen war. So war damals in Deutschland die Atmosphäre! Nathan hatte Jura studiert und sollte als Richter arbeiten. Aber er ist Zionist geworden, und er hat sich mit seiner Mutter sehr gestritten. Sein jüngerer Bruder Zwi, er hatte Maschinenbau studiert, wurde auch Zionist und flüchtete noch 1939 nach Palästina. Die Mutter blieb in Berlin, weil sie sich als Deutsche fühlte. Meiner Schwester Gusti hat der Nathan mal ein paar Briefe seiner Mutter aus Berlin vorgelesen, die sie ihm geschrieben hatte. In allen Briefen gab es ein Thema: lass die Juden in Palästina, komm zurück, dein Land ist Deutschland. Ob und was er geantwortet hat, weiß ich nicht. Die Mutter konnte nicht mehr flüchten, sie ist umgekommen.
Nathans Bruder, auch er hieß in Israel Tohar, ist auch nach Moledet gekommen. Er war erst kurze Zeit da, da hat der Krieg begonnen. Er hat sich gleich zum englischen Militär gemeldet, und da er Maschinenbauingenieur war, haben ihn die Engländer, die solche Leute gesucht haben, nach Südafrika geschickt. Dort ist er Pilot geworden.
Zu Beginn des Befreiungskrieges, Israel hatte keinen Flughafen, nur kleine Flugzeuge und kaum Piloten, war er der Einzige, der bereits viele Stunden geflogen war und als Flieger eingesetzt werden konnte. Nach dem Befreiungskrieg wurde die EL AL gegründet, und er war einer der ersten Piloten. Ich bin sehr stolz auf ihn, denn als Eichmann aus Argentinien vom Mossad [Anm.: israelischer Auslandsnachrichtendienst (Geheimdienst)] nach Israel entführt wurde, war Zwi der Pilot des Flugzeuges. Es war das erste Flugzeug, das direkt von Argentinien bis Israel geflogen ist. Das war gefährlich wegen der Länge der Strecke. Aber er hat es geschafft!

Meine Schwester Gusti kam 1934 mit der Jugendaliah nach Palästina. Gusti kam mit der ersten Gruppe aus Berlin, die von Henrietta Szold 17 organisiert wurde. Gusti und ihre Gruppe, sie waren schon in Berlin zusammen, sind gleich nach En Harod gefahren. Von dort hat sie den Eltern geschrieben: ich bin in En Harod und fühle mich hier sehr gut, kommt mich besuchen. Von Tel Aviv nach En Harod zu fahren dauerte damals einen ganzen Tag. Heute dauert es eineinhalb Stunden. Von Tel Aviv nach Haifa gab es keinen Weg. Es gab bloß eine Möglichkeit: man musste von Tel Aviv nach Dschenin, das liegt schon in den Bergen von Palästina, dann nach Nablus, und von Nablus mit einem Auto nach Haifa, von Haifa nach Afula und von Afula nach En Harod.  Es gab auch die Möglichkeit mit der Bahn zu fahren, aber das war noch komplizierter. Unsere Mutter ist in den Kibbutz gefahren, und man kann sich vorstellen, wie es ihr gegangen ist. Sie hatte endlich ihr Kind wieder in den Armen. Sie blieb zwei Tage, und es hat ihr nicht gefallen. Sie war entsetzt, als sie das Leben dort sah. Das Essen war ihr fremd und das Leben, was die Jugendlichen da miteinander lebten, war für sie abschreckend und der Schmutz, den sie sah, war nichts für sie. Dann hat sie auch noch gehört, dass allen alles gehört und niemand etwas eigenes besitzt, nicht einmal Kleidung. Einmal in der Woche bekam man saubere Wäsche, Hemden und Hosen, und so war das Leben.
Die Gusti war ganz begeistert, aber meine Mutter hat das überhaupt nicht verstanden. Wie kann das sein, dass einer keine Wäsche, keine Kleidung hat? Und meine Mutter begann wieder über Gusti zu bestimmen und sagte zu ihr, dass sie nach Tel Aviv kommen soll. Aber Gusti wollte nichts davon hören, sie war 17 Jahre alt, und sie wollte dort bleiben bei ihren Freunden und der Arbeit und den Abenden, an denen sie zusammen saßen und sangen. Gusti blieb noch eine Zeit lang im Kibbutz, bis sie bemerkte, dass das Leben dort nicht nur schön war. Da hat sie dann auf unsere Mutter gehört, und nach ein paar Monaten kam sie zu uns nach Tel Aviv.
Die Mutter ist hingefahren und hat sie abgeholt. Sie ist nach Tel Aviv gekommen mit nichts. Sie hatte kein Kleid, sie hatte nichts. Natürlich hat sie mit uns gewohnt. Sie bekam einen Posten als Gehilfin in einem Büro. Eines Tages besuchte Gusti unsere Schwester Fanny in Bertuvia. Dort lernte sie einen Burschen kennen, der dann mein zweiter Schwager wurde. Friedel Bär, alle haben ihn Bobby gerufen, war auch aus Deutschland, aus der Stadt Leipzig. Er war ein attraktiver Mann, er war sogar einmal Boxer. Auch er kam, wie mein Schwager Nathan, aus einer wohlhabenden Familie. Sein Vater und dessen älterer Bruder hatten einen Pelzhandel betrieben. Sie hatten Pelze sogar nach Amerika exportiert. Der Vater und der Onkel sind immer nach Polen und nach Russland gefahren und haben dort Felle gekauft. Bobby  hatte einen oder zwei Brüder in Palästina und eine Schwester, aber die wollten nicht hierbleiben. Sie sind weiter nach Amerika gefahren. Es ist ihnen in Amerika gut gegangen. Ich glaube, von denen lebt auch niemand mehr.
Meine Schwester ist gleich schwanger geworden und nach Bertuvia gegangen. Nun lebten Fanny und Gusti zusammen mit ihren Männern in Bertuvia.

Als Fanny, Nathan und ihre Freunde die Siedlung Moledet aufbauen wollten, wollte Friedel lieber etwas Eigenes. Er war kapitalistisch eingestellt, er wollte etwas besitzen. Er blieb mit Gusti in Bertuvia und mietete ein Haus. Auf einem landwirtschaftlichen Hof hat er gearbeitet und gut verdient. Er hatte sehr viel Initiative und arbeitete gut und viel als Traktorfahrer. Als Friedel das Geld beisammen hatte, kaufte er sich ein eigenes Haus, zwei Kühe und Hühner und betrieb seine eigene Landwirtschaft in Shaar Chefer. Shaar Chefer befindet sich in der Nähe von Natanya. Als der Weltkrieg begann, wurden in Israel alle Männer zum englischen Militär oder in die Haganah einberufen. Die Engländer hatten zu dieser Zeit schon ein Interesse an der Haganah, nicht offiziell, aber sie haben sie nicht mehr bekämpft. Auch Friedel, meinen Schwager, hat man mobilisiert. Er blieb aber in Israel und hat das Land bewacht, denn der deutsche General Rommel ist mit seinen Truppen Israel sehr nahe gekommen. Meine Schwester war dann allein mit der vielen Arbeit, und es war sehr schwer für sie, denn sie war krank. Sie hatte so eine Art Malaria mit ständigen Fieberschüben.
Eines Tages, ich war 14 Jahre alt und besuchte die letzte Klasse, kam meine Mutter in die Schule zum Direktor. Sie bat darum, dass ich die nächste Zeit freigestellt werde, damit ich meiner Schwester bei der Arbeit helfen könne. Da ich ein sehr guter Schüler war, waren der Direktor und mein Lehrer einverstanden. So war ich die letzten drei Monate nicht mehr in der Schule, bekam aber trotzdem mein Abschlusszeugnis. Ich fuhr nach Bertuvia und half meiner Schwester in der Landwirtschaft.
Gustis Sohn Jakov wurde noch in Bertuvia geboren. Er war sehr krank, er hatte eine schwere Muskelerkrankung und starb mit 21 Jahren. Gustis Tochter Miriam wurde bereits in Shaar Chefer geboren. Miriam hatte eine schwere Nierenerkrankung. Sie starb 1996 in Shaar Chefer. Friedel starb 2005, und Gusti starb 2008.

Fanny hatte drei Töchter. Ester wurde 1939 in Moledet geboren. Sie wurde Krankenschwester und lebt heute in Kfar Jehoshua, Edna wurde 1945 geboren, sie war Kindergärtnerin in Moledet und lebt noch heute in Moledet. Daphna wurde 1950 in Moledet geboren. Sie hat in Moledet gearbeitet und lebt noch heute dort.
Fanny starb in den 1990er Jahren, Nathan bereits in den 1980ern.

Ich war Mitglied in der Jugendorganisation Noar Oved. Dort habe ich meine Frau Ester kennengelernt. Ester ist schon in Palästina geboren. Ihr Vater war Bäcker. Er hieß Elisha und war 1920, zwei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, mit einer zionistischen Gruppe aus Polen nach Palästina gekommen. Er war der einzige Zionist in seiner Familie. Seine Eltern waren sehr orthodox und haben ihn verstoßen. Das habe ich schon erzählt. Sein Vater hieß Schaul Tschernebroda, und die Mutter hieß Tamar. Tschernebroda ist polnisch und heißt schwarzer Bart. In Palästina hat Esters Vater den Namen Jecheskeli. angenommen. Jecheskel. ist einer der Propheten. Esters Vater hatte acht Geschwister. Seine Eltern und alle Geschwister wurden im Holocaust ermordet. Esters Mutter kam kurze Zeit nach ihm nach Palästina, der Vater war in Polen gestorben. Esters Eltern kannten sich schon in Polen und waren verheiratet. Sie hatten beschlossen, dass zuerst Esters Vater nach Palästina fährt, und Esters Mutter kam kurze Zeit nach ihm ins Land. Esters Onkel Shimon, Esters Tante Rosza und ihre Großmutter Ahuva kamen auch nach Palästina. Drei Geschwister von Esters Mutter blieben in Polen und wurden ermordet. 

Die Mitglieder [Anm.: hebr. Chawerim - Freunde] unserer Organisation sind immer zu den ganz armen Plätzen gegangen, haben die kleinen Kinder eingesammelt und mit ihnen gespielt, denn damals gab es  noch keine offiziellen Einrichtungen für kleine Kinder. Wir waren damals vierzehn Jahre alt. Ester war eine der Leiterinnen. Seit dieser Zeit sind wir immer zusammen geblieben, über sechzig Jahre. Sie hat mir gefallen, aber Vierzehnjährige sind noch zu jung. Das hat sich dann später entwickelt.

Zur Zeit des Warschauer Ghettoaufstands, das war 1944, haben wir Nachrichten über die Geschehen in Europa gehört. Eines Tages kamen Informationen aus dem Warschauer Ghetto von dem jüdischen Historiker Emanuel Ringelblum. Er war bekannt in der ganzen Welt. Er war mit seiner Frau und seinem Sohn im Warschauer Ghetto und schaffte es, Informationen über das Ghetto, er hatte im Untergrund ein Archiv aufgebaut, nach London zu schmuggeln. Aus London kamen diese Informationen nach Israel. Die jüdischen Politiker, die Offiziere der Vaad Leumi [der Jüdische Nationalrat (JNC) oder Rat der jüdischen Leute war der nationale Vorstand der jüdischen Gemeinschaft innerhalb der Zeit der britischen Mandatsmacht] und die Sochnut [Jewish Agency (zionistische Organisation, die vor 1948 die Regierungsfunktion im jüdischen Palästina ausübte)] wollten nicht zu viel Wirbel in Palästina, und deshalb wollten sie nicht, dass diese Verbrechen bekannt werden. Das waren politische Gründe. Der Führer unserer linksgerichteten Organisation war in Polen sehr befreundet mit dem Ringelblum gewesen, der mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn und anderen Untergetauchten in seinem Versteck aufgestöbert und erschossen wurde. Er hat gesagt: wir müssen Tel Aviv ein bisschen ‚aufmischen’, ‚umrühren’, es darf nicht sein, dass hier niemand weiß, was in Europa geschieht. Er hat die ganze Jugend unserer Organisation losgeschickt. Wir sind auf die Strassen und in alle Kinos und Theater gegangen, sind mitten in die Filme und Theatervorstellungen reingeplatzt. Wir haben die Filme und Vorstellungen unterbrochen, sind nach vorn gegangen und haben erzählt, was in Warschau passiert. Das war das erste Mal, dass wir verstanden haben, was mit den Juden geschieht. Das alles geschah an einem Abend. Die Reaktion war sehr stark, das hat große Wellen geschlagen. Und dann, nach und nach, langsam, langsam, haben wir immer mehr erfahren.

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg gab es viele jüdische Soldaten, die während des Krieges beim englischen Militär waren und die durch Europa mit Militärfahrzeugen unterwegs gewesen sind. Und überall, wo sie Juden getroffen hatten, waren diese schwer körperlich und geistig angeschlagen. Sie haben diese Juden, sehr viele waren Überlebende der KZs in Polen, nach Deutschland in DP Lager gebracht. Es wurden von Israel aus Mapilim [illegale Transporte/illegale Schiffe] organisiert, die die Leute nach Palästina brachten. Das heißt, von diesem Standpunkt aus haben die Juden in Palästina alles gemacht, was sie konnten. Man wollte alle Juden nach Israel bringen. Man hatte Angst, was passiert war, könne noch mal passieren. Nach der Ermordung der europäischen Juden gab es für Juden keinen sicheren Platz in Europa mehr. Alle sollten nach Israel kommen. Das war der richtige Standpunkt!
Aber die Engländer, die Besatzungsmacht, war dagegen. Sie versuchten die Schiffe im Meer abzufangen. Es gab einen Kampf zwischen uns und den Engländern. Es war ein harter Kampf, aber die Engländer konnten nicht verhindern, dass diese armen Menschen in das einzige Land der Welt kamen, das ihnen Sicherheit bot.

Viele, die hergekommen sind, haben nichts erzählt über das, was sie erlebt hatten. Sie wollten ihre Familien nicht belasten. Es gibt tausende Familien, deren Eltern hier geheiratet haben und sich ein neues Leben geschaffen haben und nicht erzählt haben, was ihnen geschehen ist. Das sind private Sachen. Die Regierung und die Schulen haben alles dafür getan, dass alle in Israel wissen, was passiert war. Jedes Jahr fahren viele Schulkinder nach Auschwitz, das ist schon lange so, nicht erst die letzten Jahre. Ich selbst bin ein paar Mal mit Schülern in Auschwitz gewesen. Ich war auch mit israelischen Schülern beim ersten ‚March of the living’ 18 dabei, denn ich war damals schon der Direktor aller Berufsschulen in Tel Aviv. Wir sind in Polen durch viele Lager gefahren, und die Schüler waren sehr erschüttert. Ein Junge hat in das Besucherbuch in Auschwitz ein ganzes Blatt voll mit Schimpfwörtern geschrieben, so erschüttert war er. Eine ganze Seite voller Schimpfwörter, der arme Junge! Ich habe das gesehen und ihn gefragt: was machst du da? Hat er gesagt: ich muss das alles raus bringen.

Ich bin, als mein Schwager wieder nach Bertuvia zurückkam, nach Tel Aviv zurückgefahren. Für das Gymnasium hatten wir kein Geld, das war sehr teuer. Da haben mein Vater und ich beschlossen, dass ich in eine Berufsschule gehe. Aber es gab keine richtige Berufsschule. Ich wollte Elektromechaniker werden, und da haben wir beschlossen, dass ich Lehrling in einer Werkstatt werde. Wir haben einen Platz für mich gefunden. Es gab zwei deutsche Brüder, ich glaube, Illenberg hießen sie. Ein Bruder war Elektrotechniker oder Ingenieur. Er hatte bei AEG in Berlin gelernt. Diese Brüder haben mir mit deutscher Gründlichkeit sehr viel beigebracht und mich zu Genauigkeit erzogen. Dadurch bin ich sehr schnell sehr gut vorangekommen. Ich will mich nicht rühmen, aber ich habe auch ein Talent für die Elektrotechnik. Meistens haben wir Generatoren repariert. Das war noch während des  Weltkriegs, und es gab kein Rohmaterial. Wir haben aus alten Maschinen Teile herausmontiert, aber da war kein Kupfer, und wir brauchten sehr viel Kupferdraht. Diesen Kupferdraht durch verschiedene Kombinationen zu ersetzen, war für mich sehr lehrreich. Ich  habe gearbeitet und war außerdem aktiv in der zionistischen Partei Poalej Zion Smol, ich war immer beschäftigt! Ester und ich waren in der Partei immer zusammen, und dann haben wir uns verliebt.

Meine Mutter hat jahrelang Nudeln erzeugt. Beim Teig machen hat ihr der Vater geholfen, weil das die körperlich schwerste Arbeit dabei war. Sie hat den Teig dann auf Platten auf unseren Betten ausgerollt, mit einer Schere zerschnitten und in der Sonne im Hof auf Decken getrocknet. Sie hat sie in Tüten aus Zeitungspapier verpackt und sie in Geschäften oder an Nachbarn in der Umgebung verkauft. Das war eine Einnahmequelle für die Familie.
Meine Eltern wollten aus dem Viertel wegziehen, in dem wir wohnten. Es war nicht leicht dort für sie, aber das Geld reichte nicht für eine andere Wohnung. Isi, der 1939 nach Tel Aviv gekommen war, ging zuerst auch nach Moledet, wo meine Schwestern damals lebten. Aber als im September 1939 der Zweite Weltkrieg begann, ging er sofort zum Militär, denn er wollte unbedingt gegen die Deutschen kämpfen. Isi war den ganzen Krieg in Ägypten. Nach dem Krieg, als Isi nach Tel Aviv zurück kam, bekam er Hilfe vom Staat. Damals bekamen alle Punkte für bestimmte Lebensmittel, denn es gab zu wenig. Isi, als Befreier, hatte eine privilegierte Stellung. Er konnte offiziell mehr Lebensmittel kaufen. Mein Vater hatte zu dieser Zeit wieder einen Laden gemietet, und mein Bruder konnte ihn dadurch mit den Lebensmitteln, die er für die Backwaren brauchte, wie zum Beispiel Zucker und Mehl, versorgen. Mein Vater konnte wieder Kuchen backen und verkaufen, und das hat seinem Selbstbewusstsein sehr gut getan. Meine Eltern konnten sich dann auch eine kleine Wohnung, nicht weit von der alten Hauptbusstation in Tel Aviv, kaufen.
Nach dem Krieg war Isi Tischler, das hatte er in Belgrad gelernt, und besaß eine Tischlerei in Ramat Gan, wo er mit seiner Familie lebte. Verheiratet war er mit Desi, einer Auschwitz Überlebenden. Das war ein Schidach. Sie bekamen zwei Kinder, David wurde 1960 geboren und Shaul 1963. Sie wohnten in Ramat Gan, in der Rechov Bialik. Desi hatte das KZ nur überlebt, weil die KZ Aufseher, als sie in ihrer Baracke waren, glaubten, sie sei tot. Deshalb ließen sie sie liegen. Sie war eine griechische Jüdin aus Thessaloniki. Von Beruf war sie Krankenschwester. Es war eine schwere Beziehung, weil Desi, nach allem was sie im KZ erlebt hatte, sehr schwierig war. Immer stand die Wohnung unter Wasser, wenn man sie besuchte. Sie stand unter dem Zwang, ständig sauber machen zu müssen, aber das war noch das Wenigste. 
Isi starb Anfang der 1990er Jahre, und Desi starb 2008. David lebt heute in Gane Tikva, Shaul lebt in Ramat Gan.

Meine Schwester Miriam heiratete 1944 den polnischen Juden David Vinograd, in Israel hieß er David Anavi. Als Miriam 21 Jahre alt war, erfuhr meine Mutter, dass polnische Soldaten in Tel Aviv angekommen waren. Unter diesen Soldaten suchte meine Mutter einen Mann für meine Schwester. David gefiel ihr am besten.
David wurde 1915 in Lodz geboren. Er hatte drei Geschwister, Aron, Hadassa und Dvora. Sein Vater Elieser war Buchhalter, die Mutter Chava war Hausfrau. David lernte den Beruf des Textiltechnikers. Als die Russen 1939 aufgrund des Hitler - Stalin – Paktes, Hitler und Stalin hatten sich Polen geteilt, nach Polen kamen, war David gerade Soldat der polnischen Armee in den von der Roten Armee besetzen Gebieten. Zuerst wurde er von den Russen eingesperrt, aber bald wieder entlassen. Er flüchtete auf das Gebiet der Sowjetunion. Zuerst arbeitete er in einem Kinderdorf. In der Sowjetunion herrschte großer Hunger, aber man versuchte, wenigstens die Kinder zu schützen. Mein Schwager erfuhr dort, dass sein Vater und seine älteren Geschwister auch aus Polen in die damalige Sowjetunion geflüchtet waren. Sein Vater schaffte es, zu David ins Kinderdorf zu kommen. Die Geschwister fanden Arbeit in einem Ort, der 40 Kilometer vor dem Kinderdorf lag. Der Vater erzählte, dass die Mutter und Dvora, die jüngste Schwester, in Lodz geblieben waren. Die Mutter wollte nicht ins Ungewisse, und Dvora ließ die Mutter nicht allein. Ein deutscher Nachbar kümmerte sich um die beiden, bis sie ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet wurden. Das erfuhr er aber erst viel später. Der Vater war sehr krank, und als die Deutschen näher kamen, flüchtete er mit David. Aber er hatte keine Kraft mehr und verabschiedete sich von seinem Sohn, um zum Dorf zurück zu gehen. David brach das Herz für immer, er hat seinen Vater nie wieder gesehen. Auch seine Geschwister Aron und Hadassa sah er nie wieder.
Er wurde Soldat der polnischen Streitkräfte in der Sowjetunion. Diese Armee kämpfte gemeinsam mit den Alliierten Streitkräften. Sie kamen bis nach Persien, dem Irak und nach Gaza. In Gaza desertierten viele jüdische Soldaten nach Palästina, auch David. Das erste Jahr war David im Kibbutz Sarid. Das war ein ganz, ganz linker Kibbutz. Da waren viele fanatische Stalinisten, die David, wenn er etwas über die Sowjetunion sagte, nicht glaubten und ihn beschimpften. Er verließ deshalb den Kibbutz, ging nach Tel Aviv und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten, meist auf dem Bau, durch. Er wurde durch die schwere Arbeit krank. Dann lernte er Miriam kennen.
Miriam bekam zwei Töchter, Chava, nach Davids Mutter benannt, wurde 1946 in Tel Aviv geboren, und Ilana wurde 1950 in Beer Sheva geboren. 1962 zogen Miriam und David mit ihrer Familie nach Kiriat Ono, und David arbeitete als Stadtverwalter. Chava lebt mit ihrer Familie im Kibbutz Dvir im Negev, und Ilana lebt mit ihrer Familie in Wien. Miriam starb 2001, und David starb 2004.

Zu unserer Hochzeit kamen Familie und Freunde. Es war eine wunderbare Atmosphäre. Wir haben getanzt, und es war sehr lustig. Mein Vater hatte natürlich, als Konditor, die Kuchen gebacken, das waren wunderschön geschmückte Torten. Eine dieser Torten war drei oder vierstöckig, das war die Haupttorte. Einige unserer Freunde haben beschlossen, diese Torte gehöre ihnen, und jemand hat während der Hochzeit die Torte weggeschnappt, und sie haben sie aufgegessen. Wir waren so stolz auf diese Torte, und sie war einfach weg. Wir hatten die Torte fotografiert, die Fotos haben wir noch immer. Jetzt sind wir 62 Jahre verheiratet. Am Abend unseres 62. Hochzeitstages hat mein Sohn uns zu einem kleinen Saal gebracht, und wir waren ganz überrascht, weil die ganze Familie und gute Freunde dort versammelt waren. Als wir kamen, fingen alle an zu klatschen. Unsere Kinder hatten das organisiert. Das war wirklich sehr schön! Aber die nächste Überraschung war, dass während der Feier mein Enkelsohn und meine Enkeltochter mit einer riesengroßen Torte kamen,  die der gestohlenen Torte unserer Hochzeit nach gestaltet war.

Nach der Hochzeit habe ich weiter gearbeitet, und ich war auch aktiv in der Haganah. Die ganze Jugend war da organisiert. Der Befreiungskrieg begann bereits 1947, in der Nacht, als die UNO beschloss, dass der Staat Palästina in zwei Staaten geteilt wird. Man sagt immer, der Krieg habe im Mai 1948 begonnen, nach der Ausrufung des Staates Israel, aber da war schon Krieg. Richtig ist, dass der Krieg in der Nacht vom 29. zum 30. November 1947 begann. Ich wurde sofort mobilisiert.
Gebrodelt hatte es immer, aber in der Nacht des Beschlusses war Krieg. Die Araber schossen auf allen Chausseen des Landes auf jüdische Autos. Auch wir hatten schon Munition, wir waren darauf vorbereitet. Das Militär brauchte nicht bloß Soldaten die schießen, sondern auch Spezialisten. Ich war Spezialist für Motoren und Generatoren. Es gab wenig Material, und wir mussten immer versuchen, etwas zusammen zu basteln. Ich hatte ganz verschiedene Motoren und Generatoren, die kaputt waren, und ich habe immer Teile von verschiedenen Maschinen zusammengestellt und aus denen einen Generator gebastelt. Die Generatoren waren sehr wichtig für vieles, zum Beispiel für Camps und für Krankenhäuser. Unser Glück war, dass das englische Militär, auch andere kleinere Militärtruppen, die hier waren während des Zweiten Weltkriegs und zwischen 1945 und 1947 abzogen und gut ausgerüstet waren, ihre Lager hierließen. Die guten Geräte haben sie mitgenommen, aber alle kaputten Geräte sind hier geblieben. Diese Maschinen zusammen zu bauen war meine Aufgabe. Meine Freunde beim Militär haben immer gelacht, sie haben gesagt, du hast eine Kuh mit einem Schaf zusammen gelegt. Ich hatte das Talent ziemlich schnell zu sehen, wie man verschiedene Maschinen zu einer Maschine zusammen bauen kann. 

Jerusalem war 1948 geteilt zwischen Juden und Arabern. Auf dem Skopus [Eigenname; hebr. Berg] steht seit 1925 die Hebräische Universität von Jerusalem, und damals befand sich auch das große
Hadassah - Krankenhaus dort. Der Berg war bis 1967 eine israelische Enklave in arabischem / jordanischem Gebiet in Ostjerusalem. Am 13. April 1948, einen Monat vor der Gründung des Staates Israel, wurde ein israelischer Versorgungskonvoi auf dem Weg zum Krankenhaus von den Arabern angegriffen. Die britische Armee griff erst nach sechs Stunden ein. Bei diesem Überfall wurden 77 jüdische Ärzte, Krankenschwestern und Patienten getötet. Daraufhin wurde das Krankenhaus nach En Kerem in Westjerusalem verlegt. Das ursprüngliche Spital auf dem Skopus wurde erst 1967 wieder eröffnet. Der Skopus war von Arabern umgeben. Als der Krieg Mitte Juli 1949 beendet war, hat die UNO sich eingemischt und beschlossen, dass die Juden auf dem Skopus bleiben sollen. Da standen Häuser der Universität, und es war schwer, sie zu bewachen. Man musste durch arabisches Gebiet, um die Leute dort zu versorgen, was nur mit UNO Fahrzeugen möglich war. Auf dem Berg befanden sich israelische Soldaten, um die jüdischen Bewohner zu bewachen. Die Araber hatten verlangt, dass keine Soldaten da oben sind. Darum nannten wir sie Polizisten, aber es waren natürlich Soldaten.
Alle zwei Wochen fuhren zwei UNO Lastwagen herauf und brachten alle Sachen hinauf, die die Leute oben zum Leben brauchten. Die Soldaten auf dem Skopus wurden regelmäßig ausgetauscht. Um die Leute besser schützen zu können wurde beschlossen, dass der Berg mit Stacheldraht umzäunt werden soll. Natürlich haben die Araber nicht erlaubt, dass man Stacheldraht auf den Skopus bringt. 

Eines Tages, ich hab damals als Lehrer in einer Berufsschule gearbeitet, kam ein Offizier, der mein Vorgesetzter beim Militär war, und sagte: Hillel, ich brauch dich sehr dringend. Du musst dir von der Schule frei nehmen. Damals war so eine idealistische Atmosphäre, und ich wollte natürlich helfen, wenn man mich braucht. An so einem Tag des Austauschs der Soldaten auf dem Skopus hat man mich hinaufgebracht. Es gab dort oben auf der Universität eine riesengroße Bibliothek, und zu dieser Bibliothek fuhren auch Personen in ziviler Kleidung.
Wir fuhren mit dem UNO Lastauto auf den Skopus. Oben angekommen, rief mich der Offizier, auch er war in Privatkleidern: komm Hillel, wir brauchen Elektrizität, du musst uns helfen. Es gab einen großen Platz mit verbrannten und kaputten Autos, kaputten Motoren und solchen Sachen. Es kamen noch ein Schlosser und ein Mechaniker herauf. Ich hab verschiedene Teile gefunden und ‚Kühe mit Schafen’ gemischt und einen Generator gebaut. Der Mechaniker hatte zwischen den kaputten Autos einen Benzinmotor gefunden, und wir haben die beiden zusammenmontiert. Es hat sich gedreht, und am Abend hatten wir Elektrizität. Die Araber und die UNO haben sich darüber gewundert. Am Abend rief mich wieder der Offizier und sagte: Hillel, was du gemacht hast, ist sehr gut. Aber wir wollen etwas Besseres. Und er sagte, dass mit mir auch ein Ingenieur von einer Stacheldraht Fabrik gekommen sei, der hätte eine ganz kleine Maschine mitgebracht, mit der konnte man Stacheldraht herstellen. Der Ingenieur hatte die Maschine in ihre Teile zerlegt und in dem Bus, in dem wir gekommen waren, war sie geschmuggelt worden. Ein Ingenieur aus Tel Aviv hatte diese Maschine erfunden. In einem Keller stand diese komische Maschine. Wie stellt man Draht her? Man zieht einen groben Draht durch eine Maschine mit einem Diamant, der das härteste Mineral ist, und da wird der Draht dünner, und das macht man sehr oft, und der Draht wird immer dünner und dünner. Daneben war noch eine ganz kleine Maschine, die aussah wie eine Nähmaschine. Durch diese kleine Maschine hat man einen Draht durchgeführt und seitlich noch zwei dünnere. Dafür brauchten wir noch einen Motor, den ich gebaut habe, und alles hat funktioniert. Es hat sich gedreht, und wir konnten sehen, wie der Stacheldraht aus der Maschine kam. Wir waren ganz begeistert! Ich war dann berühmt und habe einen wunderbaren Dankesbrief von dem Obersten des Ingenieurmilitärwesens bekommen. Ich habe mich sehr darüber gefreut! Ich hatte das nur geschafft, weil ich viel Praxis mit Generatoren hatte.

Der Krieg dauerte insgesamt eineinhalb Jahre, aber es gab auch Pausen, ein paar Monate war Krieg, dann war mehrere Wochen lang Pause, und dann begann es wieder.

Am 3. November 1949 wurde unser Sohn Jigal geboren. Zu dieser Zeit war ich noch beim Militär, aber der Krieg war schon fast zu Ende. Ich konnte zwischendurch immer nach Hause kommen. Unser Sohn war für die ganze Familie eine riesengroße Freude, und ich war sehr glücklich. Zu der Zeit hatten wir noch keine Wohnung. Bis ich vom Militär befreit wurde, haben wir ein Zimmer gemietet. Eine Küche war nicht dabei. Ein Mann und eine Frau hatten eine Dreizimmerwohnung, und ein Zimmer haben sie vermietet. Das war damals in Tel Aviv ganz normal. Dort ist unser Sohn geboren. 1950 haben wir unser Haus gekauft. Aber das war nicht so, wie es heute aussieht. Das kann man sich nicht mehr vorstellen. Das Haus hatte 30 Quadratmeter, das war ein Viertel von dem, was heute ist. Wir haben sehr viel angebaut.

Mein Sohn Jigal hat 1973 geheiratet. Sarahs Eltern kamen nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei nach Israel. Sie sind mit einem Schiff gekommen, das die Engländer zurückgeschickt haben, aber sie sind wieder gekommen. Das war zwischen 1945 und 1947. In dieser Zeit kamen viele Schiffe mit Juden ins Land. Sie sind, genauso wie wir damals, illegal ins Land gekommen, nur konnten ihnen in dieser Zeit viele Juden helfen. Wenn sie von den Schiffen kamen, wurden sie sofort an verschiedene Plätze verteilt. Sarahs Eltern kamen in einen Kibbutz. Dort sind sie geblieben, dort hat es ihnen gefallen.
Mein Sohn arbeitet als Manager für eine Organisation, die Senioren betreut. Sarah arbeitet bei der Krankenkasse. Ihre Kinder heißen Omri und Dganit. Omri ist 36 Jahre alt und Dganit ist 33 Jahre alt. Sie arbeitet als Managerin bei Tnuwa, der ältesten und größten Molkereifirma in Israel.

Als ich vom Militär befreit wurde, bin ich erst zurück zu meinem alten Arbeitsplatz. Beim Militär war ich Offizier, da war ich ein Chef, ich habe Befehle gegeben. Und als ich vom Militär entlassen worden war, habe ich mich nicht mehr gut gefühlt in der Werkstatt. Da habe ich dort ein paar Monate gearbeitet, und dann hat mir einer, den ich vom Militär kannte, angeboten, eine kleine Fabrik zu führen, in der neue Motoren gebaut wurden. Ich sollte dort die Arbeit organisieren. Nach einem halben Jahr war ich auch nicht mehr zufrieden, weil es meinem Bekannten nur darum ging, Geld zu machen. Ich war ein Fachmann, ich wollte etwas Richtiges machen, und er wollte Geld machen. Da wurde ich selbstständig. Über der Bäckerei meines Vaters war ein Raum, in dem habe ich mir eine kleine Werkstatt eingerichtet. Ich war ein guter Arbeiter, aber ein schlechter Geschäftsmann. Da wusste ich, dass ist nichts für mich. Ein Freund hat mir erzählt, dass in der technischen Berufsschule Schewach, in Tel Aviv, in der Hamasger Street eine Elektrizitätsklasse eingerichtet wird. Das war genau richtig für mein Naturell, das hat mir gefallen, und dort habe ich als Lehrer von 1952 bis 1977 gearbeitet.

Mein Vater starb 1954, da war er 67 Jahre alt. Er besaß nie wieder eine Konditorei, aber er hatte eine Bäckerei, und er hat fast bis zum Schluss als Konditor gearbeitet. Seine Bäckerei befand sich in der Nähe des alten Busbahnhofs. Das war eine große Erleichterung für ihn, er musste nicht mehr mit dem Koffer durch die Straßen gehen. Er hatte sogar Angestellte, die alles geholt und verkauft haben. Das Leben in Israel war in dieser Zeit schon etwas leichter, man konnte schon mehr kaufen.

1955 ist meine Tochter Diza geboren. Diza lebt seit 25 Jahren mit ihrem Mann Chaim zusammen. Sie sind nicht verheiratet und haben keine Kinder. Beide sind Doktoren, sie in Geophysik, er in Astrophysik. Ester sagt, er schaut in den Himmel, und sie schaut in die Erde. Beide arbeiten nicht in ihren Berufen. Sie arbeiten als Reiseführer und reisen mit Gruppen durch die ganze Welt. Außer in Australien waren sie schon überall, wo man als Israeli hinfahren kann. Zurzeit ist meine Tochter in Peru. Chaim arbeitet, wenn er nicht im Ausland ist, auch in Mizpe Ramon, einer Kleinstadt in der Negev Wüste, in einem Planetarium. Beide, meine Tochter und mein Schwiegersohn, lesen sehr gern und besitzen eine große Bibliothek. Meine Tochter interessiert sich außerdem sehr für die Familiengeschichte.

Nachkriegsgeschehnisse

Die Kommunistische Partei war unter den Engländern illegal, aber während der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde sie nicht mehr verfolgt. Wir waren in dieser Zeit begeistert von den Russen, dem russischen Militär und von den Kämpfen der Russen gegen die Deutschen. Wir kannten auch viele russische Lieder. Ab Gründung des Staates Israel war die Kommunistische Partei dann legal. Ester und ich waren zwar nicht in der Kommunistischen Partei, aber die zionistische Partei Poalej Zion Smol war eine linke Partei. Als wir im Februar 1956 durch die Rede Chruschtschows auf dem 20. Parteitag der KPdSU erfuhren, was in Russland passiert war und sahen, was in Russland noch immer passiert, haben sich die Meinung unserer Partei und unsere Meinung geändert. Woran wir geglaubt hatten war eine Lüge. Der Kommunismus war ein schöner Traum, mehr nicht.

Am 29. Oktober 1956 begann der Suezkrieg mit Ägypten.  Ich war an der Grenze zu Sinai, man brauchte mich, wie man alle brauchte, aber meine Qualitäten als Elektroingenieur haben sie nicht mehr gebraucht, da hatten wir schon Motoren und Generatoren.

Nach dem Suezkrieg mit Ägypten, wurde mir meine Arbeit als Lehrer etwas langweilig. Ich wollte immer neue Aufgaben, etwas Abwechslung. Da ergab sich die Möglichkeit, für eine sehr große Baugesellschaft nach Eilat zu gehen. Eilat war damals eine Steinwüste am Roten Meer, und man wollte dort eine Stadt bauen. Deshalb sollte eine Elektrizitätsabteilung für die Baugesellschaft aufgebaut werden. Man kam zu mir und sagte, ich sei der richtige Mann dafür. Und da haben sich die zwei Sachen getroffen. Ich weiß nicht, wer von dieser großen Gesellschaft zu dem Direktor meiner Schule kam und ihn überredet hat mich freizustellen. Jedenfalls habe ich freibekommen, denn die Arbeit in Eilat war wichtig für das ganze Land, wichtiger als meine Arbeit als Lehrer in der Schule. Ich habe mich sehr gefreut. Man hat gesagt: lass die Familie hier in Tel Aviv und arbeite dort. Da habe ich gesagt: wir gehen zusammen. Ich hab unsere Möbel auf ein Lastauto gepackt, und wir sind runter gefahren. Das war 1957. In Eilat gab es damals nur Wüste und ein paar wenige Häuser. In so einem kleinen Haus haben wir gewohnt. Wir waren am Meer mitten in der Wüste. Wir hatten dort ein wunderbares Leben, es war zurück zur Atmosphäre des Beginns.
In Eilat ist es sehr heiß. Da hat man zum Beispiel mit Draht an die Fenster in einem Rahmen eine dicke Schicht Getreide geklemmt, von oben hat man Wasser darauf gespritzt, das war die Kühlung.
Ungefähr Tausend Leute haben dort in dieser Zeit gelebt und begonnen, in der Wüste die Stadt zu bauen. Wir waren wie eine Kommune, wir haben zusammen gesessen, zusammen gegessen, die Kinder haben bei ihren Freunden geschlafen. Jeden Abend sind wir zum Meer gegangen, es war ein wunderbares Leben, sehr primitiv und sehr schön. Alle waren glücklich dort.
Nach eineinhalb Jahren sind wir nach Tel Aviv zurück gekommen, und ich bin wieder als Lehrer in meine Schule gegangen.

Adolf Eichmann wurde am 31. Mai 1962 in Israel gehenkt, seine Leiche verbrannt und seine Asche im Meer verstreut. Während des Eichmann-Prozesses war das ganze Land aufgerüttelt. Man hat lange Zeit darüber gesprochen, aber jetzt ist das weg. Israel sucht noch heute solche Nazis, aber man spricht nicht mehr über Eichmann. Ich weiß nicht, was die Schüler in den Schulen über Eichmann wissen. Seit 1951 wird in Israel am 27. Nissan mit einem Gedenktag, dem  Jom ha-Shoa, an die Opfer der Schoa gedacht. Ich hoffe, dass man da auch über Eichmann spricht.

1967 war der Sechs-Tage-Krieg. Das war ein kurzer Krieg, nur sechs Tage lang. Da war ich in Be'er Schewa. Ich war bei einer Truppe von älteren Leuten. Offiziell waren wir Soldaten, aber wir mussten nicht an vorderster Front kämpfen. Wir halfen jüngeren Soldaten, die dann kämpfen konnten. Ich war zwei, drei Monate beim Militär. Sie wollten mich nicht vom Militär entlassen, weil durch den Krieg vieles kaputt war und sie meine Kenntnisse gebraucht haben, um große Maschinen zu reparieren.

Eines Tages hat die Stadt Tel Aviv einen Direktor für alle Fachschulen gesucht. Ich war Autodiktat, hatte viele Bücher gelesen, aber ich hatte keine offizielle Ausbildung, keine Papiere. Als Direktor brauchte ich ein Zeugnis von der Universität, und ich hatte nicht einmal die Matura. Trotzdem war ich der richtige Mann für diesen Posten. Da wusste ich, wenn ich weiter kommen will, muss ich studieren. Ich begann, da war ich noch Lehrer an der Schule, am Abend zu Hause zu lernen und habe die Matura nachgemacht. Dann bin ich auf die Universität gegangen. Das konnte ich mir zum Glück einteilen. Ich bin zwischen der Arbeit in der Schule, ich hatte damals nur an ein paar Tagen in der Woche Kurse in der Schule, und der Universität immer mit meinem Auto hin- und hergefahren. Es gab auch Sommersemester, da hab ich den ganzen Sommer gelernt. Und dann habe ich den Universitätsabschluss geschafft und durfte ab 1977 die Leitung aller Fachschulen übernehmen. Das war für mich zu diesem Zeitpunkt wieder genau die richtige Arbeit. Diese Arbeit habe ich bis zu meiner Pensionierung im Jahre 1990 mit Freude gemacht.

Auch Ester hat gearbeitet. Sie war Lehrerin und gab zwanzig Jahre lang zweimal in der Woche in einem Klub Kurse für künstlerische Handarbeit und Zeichnen für Erwachsene. Die andere Zeit hat sie sich um unsere Kinder gekümmert.

Der Yom-Kippur-Krieg begann am 6. Oktober 1973. Das war ein harter Krieg. Es gab viele Tote auf beiden Seiten. Ich war bereits 48 Jahre alt und wegen Krankheit, mein Herz war nicht mehr so gesund, und Alter befreit vom Militär. Aber ich war nicht ganz befreit. Es gibt auch Zivile beim Militär. Da war man dann noch zehn Jahre. Jetzt hat sich das schon etwas geändert. Man lebt ganz normal wie ein Zivilist, aber wenn ein Befehl kommt, wird man sofort mobilisiert. Jedes Viertel hat zivile Leute, auch Frauen sind dabei, die viele Aufgaben haben. Ich war hier in der Gegend als Oberkommandeur einer Gruppe älterer ziviler Soldaten. Die Zentren sind dann in diesen Kriegszeiten immer die Schulen. Wenn irgendetwas passiert, sind wir die erste Hilfe. Wir müssen auf allen Plätzen sein, um Hilfe zu organisieren, zum Beispiel Feuerwehren oder Ambulanzen rufen. Wir mussten alles für die Zivilbevölkerung tun, damit das Militär frei ist von diesen Pflichten. Wir waren wie eine Polizei, aber im Krieg. Ein Teil von uns waren auch Chauffeure für die Kommandanten vom Militär oder Ambulanzfahrer.
Der Yom-Kippur-Krieg war auch der erste Krieg meines Sohnes. Es war nicht schön, dass mein Sohn im Krieg war, aber so ist es, man muss damit leben, und man lebt damit.

Von 1973 bis 1975 war eine sehr schwere Zeit, das war kein offizieller Krieg. Das war hauptsächlich in der Gegend des Sinai. Beide Seiten haben sich beschossen. Arabische Mörder sind in den Nächten nach Israel eingedrungen, meist in Dörfer, und haben Leute ermordet und Häuser angezündet. Dann begannen unsere Gegenkämpfe. Wir sind in arabische Lager eingedrungen und haben arabische Polizisten überfallen. Das war ein stiller Krieg, aber viele Leute sind ermordet worden.

Meine Mutter starb 1974. Sie wurde 86 Jahre alt.

1982 war der fünfte israelisch-arabische Krieg, das war der erste Libanonkrieg. Die Terroristen sind vom Libanon und aus Transjordanien über die Grenzen in den Nächten nach Israel gekommen. Ich war nicht mehr in diesem Krieg, aber mein Sohn war damals als Fallschirmjäger dabei. Auch meine Tochter war beim Militär. Sie ist Offizierin, hat eine ziemlich hohe Stufe bekommen. Als der Krieg war im Libanon, war sie bereits beim Militär, aber sie war nicht im Krieg. Sie war ein paar Jahre feiwillig beim Militär.

Den letzten Libanon Krieg hätten wir nicht führen sollen. Der hat uns nur schlecht gemacht in der Welt. Erstens haben wir ihn verloren, zweitens sind die Araber, weil sie ihn gewonnen haben, völlig in Ekstase geraten, und sie glauben dadurch, sie sind jetzt die Stärksten. Und das ist nicht gut, weil sie jetzt mehr Mut haben und sich Sachen erlauben, die sie vorher nicht gemacht haben.  

Wir Israelis hatten viele Träume. In den ersten Jahren, in denen ich hier war, waren alle radikal nicht gläubig. Damals war der Glaube an ein eigenes Land und dass alle Juden in diesem Land leben, der Traum. Fromme Juden gab zuerst sehr wenig. Als fromme Juden bezeichne ich die Juden mit den schwarzen Anzügen, die immer darum kämpfen, dass man alle Gesetze von Gott einhält. Aber langsam werden es immer mehr. Zum Beispiel: Die meisten dieser frommen Juden lebten vor dem Krieg in Polen. Sie waren immer dagegen, dass die Jugend nach Palästina geht. Sie haben immer gesagt, wir müssen warten, bis der Messias kommt, dann fahren wir alle nach Israel. Aber solange er nicht gekommen ist, geht es nicht. Das war so schlimm in Polen, dass Familien sich getrennt haben. Wenn von einer Familie eine Tochter oder ein Sohn sagte, dass sie oder er nach Israel geht, hat man sie rausgeworfen. Der Vater von Ester, meiner Frau, war aus so einer Familie. Die waren ganz, ganz fromm, und als er weg ist, haben sie alle Kontakte abgebrochen. Und deswegen haben wir von Esters Familie nur mütterlicherseits Verwandte. Väterlicherseits gibt es überhaupt keine. Nach dem Krieg kamen aber auch immer mehr fromme Juden aus dem Osten ins Land. Einige ganz Fromme weigern sich sogar Hebräisch zu sprechen, sie sprechen nur Jiddisch miteinander - bis der Messias kommt. Das sind nicht viele, aber die machen einen großen Wirbel. Viele Leute in Israel, das sind ungefähr 80 Prozent, sagen: ich bin nicht fromm, aber ich glaube trotzdem an etwas. Und das ist gut so.

Im Durchschnitt, das sagt auch die Knesset, gibt es ungefähr zwanzig Prozent Fromme. Aber da sind alle Stufen von fromm dabei. Das bedeutet, wenn jemand am Schabbat in die Synagoge geht, oder wenigstens zu den hohen Feiertagen, und er führt kein religiöses Leben, aber er weiß, dass zu Pessach kein Brot gegessen wird, und er geht niemals in ein Restaurant, in dem es kein koscheres Fleisch gibt, das sind Halbfromme, und die zähle ich zu den Frommen.

Und dann gibt es viele, die sind nicht fromm, aber sie sagen sich, es kann nicht schaden, wenn ich am Jom-Kippur in die Synagoge gehe, oder wenn ich am Samstag nicht rauche und nur in koschere Restaurants gehe. Und die geben den Frommen die Kraft. Sie sagen, ich bin nicht so, aber ich hab nichts dagegen, dass sie sich verbreiten. Und sie werden immer mehr. Sie haben ganz fromme Schulen [Anm.: hebr. Jeschiwa, Mrz. Jeschiwot], und sie haben sehr viel Geld, denn sie bekommen das Geld vom Staat, und sie bekommen Unterstützung aus Amerika. Dadurch können sie lernen und müssen nicht arbeiten gehen. Sie tun alles dafür, dass viele Schüler aus aller Welt kommen. Sie bieten vieles unendgeldlich an, zum Beispiel Essen und Kleidung, und so locken sie die Leute an. Und weil sie viele Kinder haben, kriegen sie viel Geld und  werden immer stärker und stärker. Es gibt  vielleicht zehn Prozent Anti-Fromme. Sie kämpfen gegen diese Frommen, aber von diesen zehn Prozent geht zu wenig Kraft aus. Sie können nicht soviel verhindern. Es wurden verschiedene fromme Gesetze gemacht, zum Beispiel, wir haben keine Busse am Samstag, am Schabbat. Das haben sie durchgesetzt. Am Jom Kippur muss alles geschlossen sein. Gesetzlich! Nicht durch den Glauben, sondern durch das Gesetz muss das sein. Das ganze Leben soll koscher sein. Sie müssen ihren Stempel aufdrücken. Wir können nichts machen, wir müssen damit leben.

Die Polizei hat vor ein paar Wochen ein Buch gefunden, in dem ein paar Rabbiner geschrieben haben, wie man die Araber töten soll. Sie haben verschiedene Gesetze aus dem alten Judentum genommen und herausgelesen, dass es einen Befehl von Gott gibt, dass man die Araber töten soll. Auch arabische Kinder soll man ermorden, das wäre der Befehl von Gott. Das sind die ganz Extremen. Aber ich befürchte, sie werden mehr. Den Rabbinern soll der Prozess gemacht werden, die Polizei hat sie bestellt, aber sie wollten nicht kommen. Das habe ich heute im Radio gehört.

Die Arbeiterpartei und die Likud Partei brauchen die Religiösen zum Regieren, denn die Religiösen sind das Zünglein an der Waage. Die ganz Religiösen glauben, dass Gott uns das Land Israel gegeben hat. Wir sind mehr oder weniger die Hälfte - die Rechten mit den Frommen und die Linken mit der restlichen Bevölkerung, die etwas mehr intellektuell ist. Die Intellektuellen haben ziemliche Angst, dass die Rechten immer stärker werden.

Ich will nicht, dass die Frommen in die Politik gehen. Ich bin dafür, dass sie leben wie sie wollen, aber sie sollen die anderen in Ruhe lassen und nicht über sie bestimmen. So wie ich denke, denken ungefähr 80 Prozent. Marx und Lenin sprachen in ihren Schriften davon, dass Religion Opium für das Volk ist. Den Leuten, die aus östlichen Ländern kommen, kann man noch Märchen erzählen, die glauben noch an alles Mögliche. Auch sie geben den Frommen ihre Stimmen und dadurch die Macht. Ich fürchte mich davor, dass der Staat Israel immer frommer wird. Ich habe auch Angst, dass die Frommen, wenn wir jetzt mit den Arabern leben wollen, das Problem auf israelischer Seite sein werden. Aber was kann man machen, die leben in ihrer Welt.

Ich glaube, Sharon hätte vielleicht nur einen Teil vom Gazastreifen zurückgeben sollen. Wir sind ganz rausgegangen, und wir haben nichts dafür bekommen. So wie es gelaufen ist, ist es nicht gut. Zum Beispiel die Golanhöhen: dass wir einen Teil zurückgeben, ist ganz klar. Es gibt verschiedene Pläne. Ein Plan wäre: Juden, die wollen, sollen dort bleiben und mit den Arabern zusammen leben. Ich glaube, das ist realistisch. Ich glaube, wenn da Frieden ist, aber richtiger Frieden, können sie zusammen leben. Wenn so ein Frieden ist, dann können sich die Länder entwickeln. Aber die Hauptsache ist, wir müssen hier bleiben, die Zentrale muss hier in Israel sein. Das bedeutet, dass Jerusalem unsere ungeteilte Hauptstadt bleibt, denn wir haben so viele historische Plätze in Jerusalem. Auch die Araber haben dort historische Plätze, auch sie sollen dort sein können. Aber damit sind sie nicht einverstanden. Das ist das Problem. Ich glaube, sie wären einverstanden, denn vor dem Libanon Krieg waren wir uns schon in vielen Punkten einig. Zum Beispiel, neben Jerusalem ist ein großes arabisches Dorf, und in diesem Dorf haben sie ein riesiges Gebäude direkt an die Grenze von Jerusalem gebaut. Das Gebäude sollte ein Regierungssitz für die Araber sein. Man hat auch schon ein Industriezentrum für Araber und Juden gebaut. Dort können sie zusammen arbeiten und investieren Die arabischen Industriellen wollen auch, dass sich die Industrie entwickelt, und sie wissen, dass das gemeinsam mit den Juden mehr Erfolg hat. Eine Zeit lang haben wir ziemlich gut miteinander gelebt, das Problem ist, dass auf der ganzen Welt die Radikalen unter den Religiösen immer radikaler und stärker werden. Wenn es dem Iran gelingt, das durchzuführen, was der Ahmadinedschad 19 will, das wird eine Katastrophe sein. Wer siegt, weiß ich nicht, aber da gibt es nur zwei Möglichkeiten: der Frieden oder die Atombombe.
Der Frieden muss unbedingt kommen, ich glaube fest daran. Wie lange soll denn das noch dauern?

Glossar

1 Rosch Haschana [heb

: Kopf des Jahres]: das jüdische Neujahrsfest. Rosch Haschanah fällt nach dem jüdischen Kalender auf den 1. Tischri, der nach dem gregorianischen Kalender auf Ende September oder in die erste Hälfte des Oktober fällt.

2 Pejes od

Peies [hebr: Peot]: die jiddische Bezeichnung für die von frommen Juden getragenen Schläfenlocken. Das Tragen des Bartes und der Schläfenlocken geht auf das biblische Verbot zurück, das Gesicht mit scharfen und schneidenden Gegenständen zu berühren.

3 Tefillin

lederne ‚Gebetskapseln‘, die im jüdischen Gebet an der Stirn und am linken Arm getragen werden und Texte aus der Torah enthalten.

4 Koscher [hebr

: rein, tauglich]: den jüdischen Speisegesetzen entsprechend.

5 Pessach

das Pessachfest gehört zu den zentralen Festen des Judentums. Es erinnert an den Auszug aus Ägypten, also die Befreiung der Israeliten aus der dortigen Sklaverei, mit der sie nach dem Tanach als eigenes, von Gott erwähltes Volk in die Geschichte eintraten. Die Nacherzählung [Haggada] verbindet jede neue Generation der Juden mit ihrer Ursprungsgeschichte.

6 Seder [hebr

: Ordnung]: wird als Kurzbezeichnung für den Sederabend verwendet. Der Sederabend ist der Auftakt des Pessach-Festes. An ihm wird im Kreis der Familie [oder der Gemeinde] des Auszugs aus Ägypten gedacht.

7 Matze [hebr

מצה‎, matzá; dt. Matze; Plural hebr. מצות‎, matzót; dt. Matzen - auch jiddisch מצה‎, mátze; dt. Matze; Plural jiddisch מצות‎, mátzes; dt. Matzen], auch ungesäuertes Brot genannt, ist ein dünner Brotfladen, der während des Pessachfestes gegessen wird. Matze wird aus Wasser und einer der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel ohne Triebmittel gefertigt.

8 Afikoman [auch Afikomon, aus aramäisch Afiko und Kamen = vor uns herausziehen] ist ein bestimmter Teil der am Sederabend von Juden gegessenen Mazza

Er wird während des Mahls beiseite geschafft bzw. versteckt, um als Nachspeise nach dem eigentlichen Mahl vor dem Dankgebet für die Speisen gegessen zu werden.

9 Hagadah od

Haggadah od. Haggada [hebr: ‚Verkündung/Erzählung‘]:Büchlein, das am Sederabend beim Festmahl mit der Familie gemeinsam gelesen und gesungen wird. Das Buch beschreibt das Exil in Ägypten und den Auszug in die Freiheit.

10 SA

die ‚Sturmabteilung’ war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP während der Weimarer Republik. Sie spielte als Ordnertruppe eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten. Nach der NS-Machtübernahme wurde die SA von Hermann Göring, dem Reichskommissar für das preußische Innenministerium und damit Dienstherr der preußischen Polizei, kurzzeitig auch als staatliche Hilfspolizei eingesetzt. Nach dem Sommer 1934, als SS-Einheiten die SA-Führungsspitze ermordet hatten [siehe Röhm-Putsch], verlor sie in der weiteren Zeit des Nationalsozialismus sehr stark an Bedeutung. Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches 1945 wurde sie wie NSDAP und SS mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 verboten und aufgelöst.

11 Kibbutz [Pl

: Kibbutzim]: landwirtschaftliche Kollektivsiedlung in Palästina, bzw. Israel, die auf genossenschaftlichem Eigentum und gemeinschaftlicher Arbeit beruht.

12 Moschaw [hebräisch

Singular: מושב moschaw, Plural: מושבים moschawim] ist eine genossenschaftlich organisierte ländliche Siedlungsform in Israel bezeichnet. Nicht zu verwechseln mit der Moschawa und mit mehr Privateigentum als der Kibbuz, ist der Moschaw die jüngste und häufigste Form israelischer Dörfer. Heute bestehen etwa 400 solcher Siedlungen.

13 Bialik, Chaim Nachman [1873-1934]

jüdischer Dichter, Autor und Journalist, der auf Hebräisch schrieb; einer der einflussreichsten hebräischen Dichter; gilt in Israel als Nationaldichter.

14 Als ‚He Chaluz’ [hebräisch für Der Pionier] wurde ein 1917 gegründeter zionistischer Weltverband bezeichnet, der sich zum Ziel setzte, die jüdische Einwanderung nach Palästina [Alija] und deren Vorbereitung [Hachschara] zu organisieren

15 Haganah [hebr

'Verteidigung]: 1920 gegründete zionistische Militärorganisation in Palästina während des britischen Mandats [1920-1948], die Juden vor arabischen Überfällen schützen sollte. Die Hagana unterstand der Histadrut [Gewerkschaft]. Sie wurde so zum Vorläufer der israelischen Armee, in der sie nach der Staatsgründung aufging.

16 Hachschara (hebr

für Vorbereitung, Tauglichmachung) bezeichnete die gezielte und organisierte Vorbereitung von Juden auf die Einwanderung, die Besiedelung Palästinas. Im Regelfall fanden Hachscharakurse auf landwirtschaftlichen Gütern statt.

17 Henrietta Szold [21

Dezember 1860 in Baltimore - 13. Februar 1945 in Jerusalem] war eine bedeutende Aktivistin des frühen Zionismus. Sie war Erzieherin, Autorin, Sozialarbeiterin und 1912 Gründerin der amerikanischen zionistischen Frauenorganisation Hadassah, der größten zionistischen Organisation der Welt. Sie leitete die Kinder- und Jugend-Alijah in Palästina.

18 March of the Living ist eine Internationale Initiative, die am Jom Haschoa, dem Holocaust-Gedenktag, jüdische Jugendliche aus aller Welt zu einem Marsch von Auschwitz nach Birkenau bringt, dem größten Konzentrationslagerkomplex, der im zweiten Weltkrieg gebaut wurde

Im Anschluss daran fahren die Jugendlichen nach Israel, um dort am Jom Hasikaron, dem Gedenktag für die gefallenen israelischen Soldaten, und am Jom Ha’azmaut, dem Israelischen Unabhängigkeitstag, teilzunehmen.

19 Ahmadinedschad, Mahmud ist ein ultrakonservativer iranischer Politiker und seit dem 3

August 2005 der sechste Präsident der Islamischen Republik Iran. Zu den Hauptmerkmalen von Ahmadinedschads internationalem Auftreten gehören seit Beginn seiner Präsidentschaft im Jahr 2005 aggressive anti-israelische Äußerungen, die den Aufruf zum Kampf gegen Israel, das Absprechen des Existenzrechts Israels, Vernichtungsvorhersagen, antisemitische Verschwörungstheorien sowie Holocaustleugnungen umfassen

Friedrich Seliger

Wien
2003
Name des Interviewers: Tanja Eckstein

Meine Familiengeschichte
Meine Kindheit
Während des Krieges
Nach dem Krieg
Glossar

Meine Familiengeschichte

Die Großeltern väterlicherseits habe ich nicht gekannt. Die Mutter meines Vaters starb noch vor dem Ersten Weltkrieg. Sie hieß Ettl Seliger. Mein Großvater hieß Moische Jehuda Seliger, er war Direktor einer Erdölstation und lebte in Galizien, in der Nähe von Zakopane [Polen]. Meine Großeltern hatten fünf Kinder. Meinen Vater Heinrich, Pinchas, Zivia, Rifka und Feige.
Als die Großmutter gestorben war, hat der Großvater noch einmal geheiratet. Er hat eine Frau geheiratet, deren Mann sich von ihr hatte scheiden lassen, weil sie zehn Jahre keine Kinder bekommen hatte. Der Großvater hat gesagt, er brauche keine Kinder mehr, er will eine Hausfrau und eine Mutter für seine Kinder, aber dann haben sie noch drei Kinder zusammen gehabt, Bronka, Fridza und Schlomo. Eine Halbschwester meines Vaters hat in Wien gelebt, sie ist auch in Wien gestorben, und der Jüngste hat auch in Wien gelebt und ist auch in Wien, vor dem Zweiten Weltkrieg, gestorben.

Rifka, die Schwester meines Vaters, heiratete Schlomo Dank. Bereits 1921 übersiedelten sie nach Palästina. Sie hatten zwei Kinder, Rachel und Amos. Rifka starb 1997 in Israel.
Eine meiner Tanten hatte einen Verlobten, er hieß Adolf Pippes. Sie waren zehn Jahre verlobt und lebten in Wien. Dann sind sie nach Amerika gezogen. Das war vor dem Krieg. Als der Krieg ausgebrochen ist, haben sie gesagt: ‚wir gehen nach Hause’. Und sie sind zurück nach Polen gegangen. Die Deutschen haben der Sowjetunion den Krieg im Juni 1941 erklärt und sind dann in die Gegend gekommen, die die Russen in Polen okkupiert hatten. Die Familie Pippes ist ermordet worden. Auch Polen haben Juden in grausamer Art und Weise ermordet. Zum Beispiel meinen Onkel Pinchas haben die Hunde zerrissen. Polen, die große Antisemiten waren, hatten Hunde auf ihn gehetzt. Der Großvater hat dann eine Postkarte geschrieben, aber er hat geschrieben, der Pinchas sei auf der Straße bei Eis ausgerutscht und gestorben. Er konnte so etwas Grausames nicht auf eine Karte schreiben.

Eine Schwester meines Vaters war Kommunistin. 1939 hatten sich die Russen und die Deutschen Polen geteilt [1; siehe Hitler-Stalin-Pakt]. Einer meiner Onkel war Forstverwalter, er war auch Kommunist. Zuerst kamen die Russen, dann mussten die Russen flüchten, und die Deutschen kamen. Die Deutschen haben die Familie umgebracht. Die ältere Schwester Zivia ist verschwunden. Sie hatte viele Kinder, die sind alle verschwunden. Niemand hat mehr etwas von ihnen gehört. Eine Schwester war nur kurz verheiratet, sie ist auch umgebracht worden. Mein Großvater und sein Bruder wurden umgebracht. Ich weiß nicht, wie und wo sie umgekommen sind, aber nach dem Krieg war niemand mehr da.

Mein Vater, Heinrich Seliger, sein jüdischer Name war Zwi, wurde am 3. Mai 1896 in Dzwiniacz [heute Ukraine], in Galizien, geboren. Seine Familie kam ursprünglich aus Russland. Er ist bei seiner Tante und seiner Großmutter aufgewachsen. Die Tante war eine Ledige und ein Krüppel, und die Großmutter war die Schwester vom Großvater.

Meine Großeltern mütterlicherseits hießen Feder. Sie kamen aus Galizien, aus Zalozce. Zalozce lag damals an der polnischen Grenze zur Ukraine. Heute gehört das Gebiet zur Ukraine. Ich habe nur meine Großmutter Pesie Feder, geborene Milgrom, kennengelernt. Im Jahre 1916, die Russen waren vormarschiert, Galizien gehörte zu Österreich, sind meine Großeltern nach Wien geflüchtet. Meine Großmutter hatte 15 Kinder geboren, von denen fünf Kinder, noch in Galizien, an Krankheiten gestorben sind. Mit acht Kindern verließen die Großeltern Galizien, ein Kind wurde 1916, unterwegs nach Wien, geboren und noch ein Kind 1917 in Wien.

Lea, die Älteste, war meine Mutter. Sie wurde am 30. Mai 1896 in Zalozce geboren und starb 1978 in Israel. Regina wurde 1897 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Palästina und starb in Israel. Isak wurde in 1899 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Australien und starb dort. Rosa wurde 1901 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Amerika und starb dort.
Miriam [Anm. Maria oder Mali genannt] wurde 1905 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Palästina und starb 1966 in Haifa. Hermann wurde 1906 in Zalozce geboren, lebte in Wien und wurde mit seiner Frau Toni während der Flucht nach Palästina, in Jugoslawien, ermordet. Sie waren auf dem bekannt gewordenen Kladovo-Transport 2. Hermann wurde erschossen, Toni wurde in einem Gaswagen vergast. Simon wurde 1908 in Zalozce geboren, lebte in Wien und flüchtete nach Australien, wo er vor einigen Jahren starb.
Leon wurde 1914 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Schweden und war mit der Nichte des österreichischen Operettenkomponisten Komponisten Leo Fall verheiratet. Er starb in Schweden. Klara wurde 1916, während der Flucht nach Wien, geboren. Sie flüchtete nach Palästina, von Palästina nach Australien, wo sie heute noch lebt.
Berta, die jüngste, wurde 1917 in Wien geboren. Sie flüchtete nach Amerika und lebt heute mit ihrer Tochter in England.

Meine Großeltern flüchteten vor dem Ersten Weltkrieg in ihre Heimat, nach Wien, denn Wien war die Hauptstadt der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Sie siedelten sich im 2. Bezirk, in der Perinetgasse 2, an. Mein Großvater, Salomon Feder, hatte in Wien eine Schwester, sie hieß Mina und war mit Julius Blaustein verheiratet. Die Blausteins waren wohlhabende Leute, dadurch ist mein Großvater nach Wien gekommen. Julius starb sehr früh, den habe ich nicht mehr kennengelernt. Mina Blaustein wohnte in der Oberen Donaustrasse 9, das liegt nur einige Meter von der Perinetgasse entfernt. Sie besaß einen Salon für Damenkleider. Sie hatte zwei Kinder Irma und Eduard und einen Papagei. Die Kinder sind nach Südamerika geflüchtet, die Schwester meines Großvaters wurde zusammen mit meiner Großmutter Pesie nach Theresienstadt 3 deportiert.

Mein Großvater Salomon ist als Waisenkind aufgewachsen. Ich weiß nicht viel über ihn. Von Beruf war er Uhrmacher, besaß aber auch ein Geschäft mit Schreibwaren und Büchern. Er war ein sehr intelligenter und sehr angesehener Mann, weil er so gebildet war. Er sprach mehrere Sprachen, war der Abgeordnete des Dorfes in der Kreisstadt und hat die Krankenkassa geleitet. Mein Großvater war sehr viel herumgekommen, aber warum er soviel herumgekommen ist, weiß ich nicht. Vielleicht sind die Leute damals durch die Welt gewandert, um zu lernen. Er ist so ein Typ gewesen. Er war religiös, aber er trug keine Pejes 4. Einen kleinen Spitzbart hatte er. Als meine Großeltern mit ihren Kindern aus Galizien flüchteten, hatten sie Geld, aber durch die Inflation war das Geld nichts mehr wert. Im November 1918 starb der Großvater an der Spanischen Grippe. Die Großmutter blieb mit zehn Kindern allein. Das jüngste Kind war ein halbes Jahr alt, das älteste Kind war meine Mutter, die 20 Jahre alt war. Mein Großvater liegt in Wien am Zentralfriedhof am 4. Tor begraben.

Die Großmutter Pesie Feder kannte ich sehr gut. Das Leben muss sehr schwer für sie gewesen sein. Ihr Geld verdiente sie dann damit, dass sie auf der Nähmaschine Därme für Würste nähte. Damals gab man um die Wurst noch kein Plastik. Mit dieser Arbeit hat meine Großmutter ihre Kinder ernährt. Sie war sehr eine tapfere Frau. Meine Großmutter war schon nicht mehr sehr fromm. Sie ist zum Beispiel am Schabbat 5 mit der Straßenbahn gefahren, koscher 6 war sie aber. Ich habe sie sehr gern gehabt, meine Großmutter, sie war eine kluge Frau. Sie war oft bei uns zu Besuch, und als ich später im Ersten Bezirk gearbeitet habe, bin ich jeden Tag über den Donaukanal gelaufen, um Großmutters gute Suppe zu essen.

Mein Vater ist als Soldat der kaiserlichen Armee 1916, während des Ersten Weltkriegs, nach Wien gekommen. In Wien hat er meine Mutter kennengelernt, und 1920 haben sie geheiratet.

Meine Kindheit

Ich wurde am 26. Januar 1921 in Wien geboren. Wir haben in Ottakring [Anm.: 16. Bezirk], Grundsteingasse 52, gewohnt. Wenn meine Mutter mit mir im Kinderwagen ging, hing eine Schwester von ihr, sie war drei Jahre alt, an der einen Seite ihres Kleides, die andere Schwester, die sechs Jahre alt war, hing an der anderen Seite, und der Onkel, der 1914 geboren war, ist hinten gegangen, und jeder hat gesagt: ‚So eine junge Frau und so viele Kinder hat sie schon.’

Ich blieb das einzige Kind meiner Eltern. Mein Vater war ein normaler Beamter mit einem kleinen Gehalt, wovon wir aber gut gelebt haben. Er war in der Kultusgemeinde von 1925 bis zu seiner Übersiedlung nach Israel im Jahre 1952 angestellt. Er war im Währinger Tempel, in der Schopenhauergasse 39, zuständig für das Matrikelamt in Währing [18. Bezirk]. Dort war er all die Jahre angestellt. Einige Zeit hatten meine Eltern mal ein kleines Geschäft mit Eiscreme, das haben sie aber wieder aufgegeben.

Meine Mutter hatte die Matura und war sehr gebildet, sie hat auch mehrere Sprachen gesprochen. Es gibt so eine Geschichte: Meine Mutter hat, als ich beschnitten werden sollte, geträumt, sie hätte ihren heißgeliebten Vater auf der Straße getroffen. Sie hat ihn eingeladen, er muss zum Brit Mila 7 kommen. Er hat mit ihr gesprochen, er könne leider nicht kommen, er müsse mit den Toten beten, und er sagte: ‚öffne deine Hand, ich geb dir Geld!’ Und er hat ihr einige Kreuzer, das war noch das alte Geld, in die Hand gezählt. Sie hat ihre Hand geschlossen, und plötzlich ist er verschwunden. Als sie aufwachte, war sie sehr verstört. Meine Großmutter war ein sehr praktischer Mensch, sie hat gesagt: ‚Ah, Meshiggene [Anm.: Meschiggene: jiddisch für Verrückte], was hast du, ein Traum war das, nichts weiter.’ Meine Mutter hat die Kreuzer für einen Lotterieschein genommen – und, sie hat gewonnen!

Ich bin in einen Gemeindekindergarten gegangen, denn in Ottakring gab es keinen jüdischen Kindergarten. Damals ist man wirklich in die Nähe in den Kindergarten oder in die Schule gegangen, und nicht sonst wo hin. Heute würde man sagen, na gut, dann fährt man halt in den 2. Bezirk. In die Volksschule ging ich beim Schuhmeierplatz, nahe der Thaliastrasse. Die Hauptschule war in der Grundsteingasse. Meine Lieblingsfächer waren Geographie und Geschichte. Ich war in keiner jüdischen Schule, denn es gab nur ein jüdisches Gymnasium im 2. Bezirk. Ich habe zu meinen Eltern gesagt, jeder will ein Doktor oder ein Advokat werden, ich will das nicht.

Ich kann mich noch gut an die Unruhen im Sommer 1927 8 in Wien erinnern. Da war ich sechs Jahre alt. Ich war damals in Lainz [Lainz ist Teil des 13. Wiener Gemeindebezirks Hietzing] in einem Sommerferien-Kindergarten. Ein Verwandter hat diesen Kindergarten geleitet, deshalb durfte ich daran teilnehmen. Man hat uns von dort in Lastautos nach Hause gebracht, denn in den Straßen wurde geschossen. Der Justizpalast hat gebrannt.

Ich bin aufgewachsen in einem Haus mit 18 Parteien, 17 christliche Parteien, und wir waren die einzige jüdische Partei. Ich habe keine schlechten Erinnerungen an die Leute im Haus. Ich bin dort mit den Kindern aufgewachsen, wir haben zusammen gespielt, und wir gingen in dieselbe Schule. Auch meine Mutter hat sich sehr gut verstanden mit den Parteien. Oft waren alle Nachbarn mit meiner Mutter zusammen und haben Karten gespielt, da sah man nicht, das ist eine jüdische Frau und das sind christliche Menschen. So eng waren sie miteinander verbunden. Meine Mutter war sehr temperamentvoll, und sie hat sogar mit ihren christlichen Freundinnen Fasching gefeiert. Es hat sie auch nicht gestört, wenn sie die einzige Jüdin dort war. Zu Pessach 9 ist immer die beste Freundin meiner Mutter bei uns gesessen, das war die Mizzi Schöberl. Sie war keine Jüdin, ihr Vater war der Hausmeister.

Auch die Geschwister meiner Mutter sind oft zu uns gekommen. Meine Tante hatte eine schöne Stimme. Und wenn sie aus ‚Tosca’ gesungen hat, bin ich unter den Tisch gekrochen und habe geweint. Das hat man mir erzählt. Meine Mutter liebte Musik, mein Vater nicht so sehr. Mein Vater war ein sehr ruhiger und anständiger Mensch. Er war fromm, aber kein Fanatiker. Deshalb war er sehr beliebt. Er war nie extrem, immer sehr tolerant. Er hat mit allen Leuten gut gelebt. Unser Haus war immer voller Leute. Er hat meine Mutter nicht gestört. Mein Vater hat sich nie eingemischt. Alles war gut so.

Bei uns zu Hause wurde natürlich kein Weihnachten gefeiert, aber ich wurde immer eingeladen zum Weihnachtsbaum, zu den Geschenken, und in der Nacht bin ich immer mit zur Messe gegangen. Meinen Vater hat das nicht gestört. Wir hatten einen jüdischen Freund in der Familie, der war nur mit nichtjüdischen Mädchen zusammen, und die waren hochanständige Menschen. Mein Onkel hat auch eine Christin geheiratet, die zum Judentum übergetreten ist.

Als Kind in Polen hat mein Vater in einem Cheder 10 gelernt. Er hat alles gekonnt und verstanden. Er hat mich aber zu nichts gezwungen. Ich weiß nicht, warum er so tolerant war. Vielleicht, weil meine Mutter so war. Während der Schulzeit hatten wir jüdischen Kinder nachmittags zwei Mal in der Woche Religionsunterricht. Wenn die christlichen Kinder Religionsunterricht bei einem Pfarrer hatten, sind wir rausgegangen aus der Klasse, denn wir waren vom christlichen Religionsunterricht befreit, und dann sind wir in eine andere Schule gegangen. Dort hatten wir den jüdischen Religionsunterricht. Das war offiziell von der Regierung genehmigt.

Jüdische Geschichte haben wir gelernt und die Buchstaben zum Beten. Ich habe immer gern gelesen, aber wir haben nicht gewusst, was wir beten. Für mich war das so wie lateinisch oder spanisch. Ich konnte es lesen, aber ich hatte keine Ahnung, was es bedeutet. Die Israelis heute wissen genau was geschrieben steht, aber früher haben das die Leute nicht gewusst. Man hat das automatisch runter geleiert. Das hat mich gestört, dadurch hat mich die Religion nicht so interessiert.

Ich habe jeden morgen Tefillin 11 gelegt, jeden Tag in der Früh, solange ich zu Hause war. Nach der Bar Mitzwa 12 habe ich gebetet. Vorher braucht man nicht zu beten, nachher ist man dazu verpflichtet. Solange ich noch in Wien war, habe ich gebetet. Das war für mich selbstverständlich. Wir sind auch am Schabbat nicht gefahren, wir sind nur zu Fuß gegangen. In der Schule habe ich am Schabbat nicht geschrieben, ich war befreit davon. Das wurde akzeptiert. Aber das war so eine blöde Sache. Wir waren vier jüdische Burschen in der Schule. Zwei haben geschrieben, zwei, das waren die nichtreligiösen, haben nicht geschrieben. Und der Lehrer hat gefragt, wie ist das möglich? Zwei ja, und zwei nein?

Zu Hause war ein sehr religiöses Leben. Meine Eltern und ich sind regelmäßig in den Hubertempel in der Hubergasse 8 gegangen. Ich habe als Kind acht Jahre im Tempel im Chor gesungen. Im Bezirk meines Vaters waren viele arme Leute. Er hat von den Reichen Geld genommen, um den Armen etwas zu kaufen, zu Pessach Kartoffeln, Matza 13 usw. Er wollte die armen Leute nicht beschämen, niemand sollte wissen, dass sie Geschenke bekommen. Er hat die Säcke allein in die Wohnungen geschleppt. Meine Mutter und ich haben das nicht gewusst, nachher hat eine Frau meiner Mutter davon erzählt. Mein Vater hat uns nie solche Sachen erzählt. In Wien waren damals viele Leute arbeitslos. Uns vis a vis gab es ein Arbeitslosenamt. Auch Arbeitslose haben uns besucht.

Im Jahre 1934 13 waren wieder Unruhen. Das war genau eine Woche nach meiner Bar Mitzwa. Wir haben im Parterre gewohnt, da mussten wir uns auf den Boden legen, weil von der Straße reingeschossen wurde. Hinter unserem Haus war eine Kirche, das war Ecke Lerchenfelderstrasse und Kirchstetterngasse. Dort oben waren sie mit dem Militär, und von dort oben haben sie zu uns in den Hof hereingeschossen. Dadurch, dass wir mit den Christen so eng befreundet waren, hat uns eine Freundin meiner Mutter in ihre Wohnung genommen, ein, zwei Tage waren wir dann dort.

Ich bin neun Jahre in die Schule gegangen. Danach war ich zwei Jahre auf der Textilfachschule. Ich habe bei einer Textilfirma gearbeitet, das waren Tschechen, die hatten auch eine Fabrik in der Tschechoslowakei. Und ein großes en gros Geschäft in der Sterngasse 13, im 1. Bezirk. Der Filialleiter war aus dem 18. Bezirk, dadurch hat ihn mein Vater gekannt. Wir haben gefragt, ob er mich als Lehrling nehmen will, und dort habe ich zwei Jahre gelernt. Ich sollte drei Jahre Lehrling sein. Nach zwei Jahren, ich war ein guter Schüler und beliebt in der Firma, hat er mir schon das Zeugnis gegeben. Am selben Tag, als die Deutschen nach Österreich einmarschiert sind [Anm.: Samstag, 12. März 1938], habe ich mein Zeugnis bekommen. Das war Zufall. Im Juni wurden alle Juden entlassen. Die Firma ist arisiert worden.

Während des Krieges

1938 wollte mein Vater seinen Vater das erste Mal, nachdem er 1916 nach Wien gegangen war, besuchen. Koffer wurden gekauft, alles wurde vorbereitet. Ich weiß, es war ein Freitagabend, als der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg 14 im Radio sprach, und wir erfuhren, dass Hitler in Österreich einmarschieren wird.

Die Leute in unserem Haus waren sehr anständig zu uns, sogar hochanständig! Ein Mann aus unserem Haus, der Nazi war, hat zwar mit mir nicht mehr gesprochen, aber er hat uns nie was getan. Ein anderer, der Nazi war, seine Frau war eine gute Freundin meiner Mutter, ist mit mir sogar illegal Stiefel kaufen gegangen. Als Jude durfte ich das nach dem Einmarsch der Deutschen nicht. Da ist er mit mir zusammen gegangen, um mich zu schützen. Dann war ein SS Mann bei uns im Haus, seine Mutter war bei uns die Wäscherin. Meine Mutter hatte sich ihr gegenüber immer so benommen, als wäre eine Freundin zu Gast. Sie hat auch mit uns zusammen zu Mittag gegessen. Meine Mutter war nicht klassenbewusst, und das haben die Leute verstanden. Als am 9. November 1938 das Pogrom 15 war, ist dieser SS Mann auf der Straße gestanden und hat gesagt: ‚Hier wohnen keine Juden’, dadurch waren wir in dem Moment geschützt.

Die Kultusgemeinde hat viele Leute als Ordner gebraucht. Viele Juden waren arbeitslos. Man hat doch alle entlassen, man hat ihnen die Geschäfte weggenommen und sie aus den Wohnungen vertrieben. Manche Leute hatten nicht einmal mehr was zu Essen.
In der Kultusgemeinde, im 1. Bezirk, gab es eine Ausspeisung, da sind sehr viele Leute gekommen. Und dann sind Leute gekommen, die nicht gewusst habe, was sie machen sollen. Die haben Hilfe für die Auswanderung bekommen. Die Leute haben kein Geld gehabt. Wenn jemand ein Visum für irgendwo hatte, hat die Kultusgemeinde ihm Geld vorgestreckt. Die Leute standen die ganze Nacht, um Geld zu bekommen. Ich habe dort freiwillig gearbeitet, ich habe das gesehen. Damals haben die Deutschen das Palais Rothschild in der Prinz-Eugen Strasse okkupiert. Das wurde die Zentralstelle für jüdische Auswanderung, weil sie ein wirkliches Interesse daran hatten, dass die Juden auswandern sollten. Sie haben viel gemacht, um den Leuten die Auswanderung zu geben, damit sie sich ordentlich bereichern konnten, denn mitnehmen durfte man nur wenig, außerdem hatten die meisten sowieso fast nichts oder gar nichts mehr. 

In der Pogromnacht 15 vom 9. zum 10. November 1938 bin ich zur Arbeit gegangen. Ich war ahnungslos. Die Seitenstettengasse [Anm.: Gasse, in der sich die Kultusgemeinde und der Wiener Stadttempel befindet] ist eine kurze Gasse. Sie war leer, aber am Anfang der Straße standen zwei Kriminalbeamte.
Ich hatte noch einen Burschen in der Straßenbahn getroffen. Ein Kriminalbeamter fragte uns: ‚Was wollt ihr hier?’ Wir sagten:
‚Wir arbeiten hier.’
Man stieß uns in ein Zimmer und sagte uns, wir sollten warten.
Nachher sind wir dort gesessen, es kamen die ganzen Beamten, jeder, der dort was zu tun hatte, und um drei Uhr brachte man uns in einen Saal, in dem Eichmann 16 saß.
Eichmann sagte:
’Meine Herrschaften’, er sprach das nicht beleidigend aus, sondern sehr zuvorkommend, sehr höflich.‚Ihr seid hier, um den Leuten beim Auswandern zu helfen. Wir wollen, dass die Juden auswandern, mehr nicht. Für den Fall, dass ihr belästigt werdet bei eurer Arbeit, gebe ich euch meine private Telefonnummer.’ Das war wirklich Adolf Eichmann!
Ich bin nach Hause gegangen, saß noch im Mantel, da kamen zwei SA Männer, die wollten meinen Vater mitnehmen. Mein Vater war krank. Mein Vater hatte einen Zettel von einem christlichen Doktor, dass er krank ist.
Sie fragten mich, wer ich sei. Sagte ich:
‚Ich bin der Sohn.’
Sie nehmen mich mit. Meine Mutter sagte ihnen, dass ich einen Zettel von Eichmann habe.
Aber sie nahmen mich trotzdem mit. Lizzi Schöberl, die Freundin meiner Mutter, hat sofort den Zettel genommen und hat mit dem Büro von Eichmann telefoniert.

Die SA Männer haben mich in die Hubergasse, im 16. Bezirk, mitgenommen. Dort war eine der Polizeistationen. Viele Menschen waren dort. Nach einiger Zeit hat man uns in die Karajangasse [Anm.: 20. Wiener Gemeindebezirk] geführt. In der Karajangasse 14 war eine Schule. Dort war es wie in einem KZ. Hunderte Menschen waren in den Turnsälen gefangen. Es war sehr gedrängt, es war sehr unangenehm. Die Leute wurden geschlagen. Ich habe einen meiner Onkel dort getroffen. Der hatte blau geschlagene Augen. Dann sind die Deutschen weg, und die österreichische Polizei ist gekommen. Die haben sofort Platz gemacht, noch Säle geöffnet, und es ist leichter geworden. Ein Beamten hat mit meinem Onkel gesprochen, und dieser Beamte ist zu meinem Onkel nach Hause gegangen, und hat ihm Essen geholt.
Gegen zwei Uhr in der Nacht, haben sie begonnen, fremde Staatsbürger aufzurufen, die konnten gehen. Dann alle Leute über 65 Jahre, dann alle unter 18 Jahren.
Ich war unter 18 Jahre. Ich wollte aber nicht gehen ohne meinen Onkel, aber mein Onkel schickte mich weg.

Ich hatte Angst herauszugehen, es war zwei Uhr in der Früh. Wir waren vier oder fünf Burschen, die hinaus durften. Wir hatten Angst, dass man uns vielleicht erschießt.
Gewohnt habe ich in Ottakring, nun war ich im 20. Bezirk. Das ist eine große Entfernung.
Heute ist in dieser Schule in der Karajangasse, in der wir gefangen waren, eine ständige Ausstellung über diese Zeit. Ich habe die Ausstellung gesehen.
Wir sind hinausgegangen, und dort stand ein Taxi.
Der Taxifahrer fragte uns: ‚Ihr kommt von der Polizei?’
Sagten wir: ‚Ja.’
Sagte er: ‚ Wollt ihr nach Hause fahren?’
Sagten wir: ‚Ja, aber wir haben kein Geld, man hat uns alles weggenommen.’
Sagte er: ‚Kommt, ich fahr euch nach Hause.’
Er hat jeden nach Hause geführt, ich war der letzte, weil Ottakring weit draußen liegt. Als er anhielt, sagte ich zu ihm:
’Warten Sie, ich werde bei meinen Eltern anklopfen und Geld holen.’ Da antwortete er:
‚Ich will von euch kein Geld’, und er fuhr weg.
Es gab auch solche Menschen.

Ich habe dann meinen Eltern gesagt: ‚Hier bleibe ich nicht!’ Am 19. November 1938 bin ich weggefahren. Damals hatte ich gespartes Geld. Der 19. November war ein Samstag. Alle Nachbarn, das Haus, in dem wir wohnten, war ein großes Haus, denn es war ein ehemaliges Landwirtschaftshaus mit einer großen Einfahrt für die Wagen mit dem Heu, standen im Spalier und haben geweint: unser Fritz muss wegfahren! Solche Nachbarn habe ich gehabt.

Ich bin von der Reichsbrücke in Wien auf ein Schiff gegangen. Dort standen Gestapo-Beamte. Es war unter der Aufsicht der Gestapo, sonst konnte man nicht hinaus fahren. Wir sind dort bis Mittwoch gestanden, weil man Leute aus dem KZ Dachau gebracht hat, die durch ein Einreisevisum nach Palästina entlassen worden waren. Dann sind wir auf der Donau bis nach Rumänien gefahren. Dort gingen wir auf ein anderes Schiff und waren einen ganzen Monat unterwegs. Ich wurde sehr krank. Zu Essen hatten wir verschimmeltes Brot. Tee haben wir getrunken und Meerwasser. Ältere Menschen haben sich noch an religiöse Dinge gehalten, aber ich war ein junger Bursche unter 18 Jahre. Aber für mich auf einem Schiff, ohne Essen, waren andere Dinge als Religion wichtig.

Die Wahrheit ist, wenn die Welt offen gewesen wäre, das ganze Judentum hätte gerettet werden können. Nur: die ganze Welt war verschlossen. Ich bin böse auf die Welt, weil sie das zugelassen haben.

Der Wohnungsinhaber unserer Wohnung in Wien war Professor an der Universität. Er ist persönlich zu meinen Eltern gekommen, um sich zu entschuldigen, dass er meine Eltern aus der Wohnung werfen muss, weil er den Befehl dazu bekommen hatte. Wir hatten diesen Mann all die Jahre nicht gekannt.

Meine Eltern mussten in eine Wohnung in der Seitenstettengasse ziehen, weil mein Vater Beamter der Kultusgemeinde war. Es war eines der Häuser, die der Kultusgemeinde gehören.

Mein Vater war damals für die Verpflegung der jüdischen Gemeinde in Wien verantwortlich. Die Juden in Wien haben damals keine Lebensmittelkarten bekommen. Das weiß ich durchs Erzählen.
Es waren Juden und Halbjuden [Anm.: Begriff der Nürnberger Rassegesetze; (jüdischer Mischling mit zwei volljüdischen Großeltern)], es waren Mischehen [Anm.: Christlich-jüdische Ehegemeinschaften], denen erlaubt war, unter verschiedenen Bedingungen weiter in Wien zu leben. Sie mussten den gelben Stern [Anm.: Im ‚Deutschen Rech’ ab 1. September 1941] tragen und für Kriegsinteressen arbeiten. Sie besaßen keine bürgerlichen Rechte mehr, nur die Kultusgemeinde hat ihnen Rechte gegeben. Vor dem Krieg gab es in Wien viele Synagogen und Bethäuser, es gab jüdische Schulen,  Kindergärten und ein jüdisches  Spital. Das Rothschild - Spital gab es auch. Und es gab das jüdische Altersheim in der Seegasse [Anm.: 9. Wiener Gemeindebezirk]. Allmählich aber verschwanden die meisten dieser Einrichtungen und ihre Bewohner auch.

Eine Tochter meiner Großmutter, das war die Tante Rosa, lebte in Amerika. Meine Tante Rosa hatte in den 1920er Jahren einen amerikanischen Touristen kennen, er hieß Morris Vogel. Anfang der 1930ger Jahre zog sie mit ihm in die USA. Sie hat ihrer Mutter, meiner Großmutter Pesie, alle Papiere für eine Einreise geschickt. Aber meine Großmutter hatte keinen Pass, weil sie vergessen hatte, nach dem Ersten Weltkrieg für Österreich oder für Polen zu optieren. So ging es vielen. Die polnische Regierung hatte alle polnischen Juden, die in Wien gelebt haben, ausgebürgert. Das hatten viele ehemalige polnische Juden nicht mitbekommen.
Vor der polnischen Gesandtschaft standen die Leute nach der Pogromnacht im November 1938 die ganze Nacht, und wenn sie hereinkamen, wurden sie gefragt: ‚Wann waren Sie das letzte Mal in Polen?’
Meine Großmutter antwortete: ‚Vor dem Ersten Weltkrieg.’
‚Haben Sie Steuern in Polen gezahlt?’
‚Nein’, sagte meine Großmutter.
‚Dann sind Sie keine polnische Bürgerin mehr.’
Man hatte sie ausgebürgert, sie waren staatenlos. Das ist, wie gesagt, nicht nur meiner Großmutter passiert. Die Amerikaner haben ihr das Visum gegeben. Ein Sohn ist mit ihr ins Auswanderungsamt gegangen, und die Deutschen haben gesagt: wir geben ihnen gerne einen Nansenpass. Damals hat es Pässe für einmalige Reisen gegeben, die hießen Nansenpässe. Das waren Pässe vom Völkerbund.
Die Deutschen haben gesagt:
‚Bringen sie uns das Visum von den Amerikanern, dann geben wir ihnen so einen Pass.’
Die Amerikaner aber haben gesagt: ‚Wenn Sie keinen Pass bringen, können wir kein Visum ausstellen.’ Ein Stückl Papier geben und darauf schreiben: Frau Feder hat eine Visum..., das haben sie nicht wollen, die Amerikaner. Und dadurch ist meine Großmutter nach Theresienstadt deportiert worden. Sie musste aus ihrer Wohnung, hat zuerst mit meinen Eltern zusammen in Ottakring, dann in der Seitenstettengasse, gewohnt. Und dann hat man sie nach Theresienstadt geschickt [Anm.: letzte Wohnadresse: 2. Bezirk, Hollandstraße 12. Pesie Feder wurde am 20. August 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und von Theresienstadt am 26. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie ermordet wurde. DÖW Opferdatenbank].

Meine Mutter hat mir über den Rabbiner Murmelstein 17 erzählt. Er war damals verantwortlich für alle Sachen. Er soll schrecklich gewesen sein. Sie sagte, sie hat sich vor ihm niedergekniet, ihm die Schuhe geküsst, er soll ihre Mutter bei ihr lassen. Es hat nichts geholfen.

Meine Mutter hat mir auch erzählt, dass in den Transporten viele alte Leute aus dem  Altersheim in der Seegasse waren. Sie hat für die alten Leute gebacken, und ein Mann hat die Pakete zum Bahnhof gebracht. Alois Brunner 18 hatte dort die Aufsicht. Er hat den Wagen mit den Paketen aufgehalten. Er fragte was in den Paketen sei.
Der Mann antwortete, dass die Pakete für die alten Leute sind. Brunner wollte wissen, von wem die Pakete seien. Er antwortete, dass sie von meiner Mutter seien.
‚Sofort bringen Sie die Frau Seliger zum Transport,’ befahl Brunner.
Der Mann lief schnell zum Telefon:
‚Verstecken Sie sich,’ warnte er meine Mutter. Dadurch hat er ihr Leben gerettet. Der Brunner hat dieses Ereignis dann vergessen.
Meine Eltern haben viele Pakete nach Theresienstadt geschickt. Sie haben Postkarten aus Theresienstadt von den Leuten bekommen, die sich bedankt haben und glücklich waren über den Inhalt der Pakete und dass meine Eltern sie nicht vergessen hatten.

Im Jahre 1944 hat man 10. 000 ungarische Juden nach Wien gebracht. Die haben hier gearbeitet, Wien vom Schutt der Bombardierungen gesäubert. Für diese Leute war mein Vater auch verantwortlich. Fast alle wurden dann deportiert und ermordet. Mein Vater hat gesagt, ich kann das nie vergessen: Ich werde Hitler überleben! Woher hat er die Sicherheit genommen? Er hat an den Herrgott geglaubt, und es ist ihm gelungen zu überleben.

Mein Vater hat mir erzählt, wie das damals war. Der Herr Löwenherz 19 hat ihn gerufen und hat ihm gesagt:
‚Herr Seliger, tut mir sehr leid, von heute an gehören Sie nicht mehr zur Kultusgemeinde, Sie gehören zum Sonderkommando.’ So hat das geheißen.
Das Lebensmittelmagazin befand sich in der Großen Pfarrgasse. Eines Tages, es war Samstag, klopfte jemand an die Tür. Hereingekommen ist ein SS Mann, der zu meinem Vater sagte: ‚Ich suche den Herrn Seliger.’ Sagte mein Vater:
‚Das bin ich.’ Meine Mutter war auch da, und der Mann sagte:
‚Warum ist es hier so finster?’ Sagte mein Vater:
‚Ich bin religiös, ich drehe das Licht am Samstag nicht auf.’ Der SS Mann sagte:
‚Wo ist der Schalter, dann mach ich das Licht an.’
Es entstand ein Einvernehmen. Der Mann war ein anständiger Mensch, er sagte zu meinem Vater:
‚Was Sie machen, interessiert mich nicht. Wichtig ist, dass nichts fehlt; keine ’schwarzen Geschäfte’. Und so war es, das war das Verhältnis zwischen ihnen. Jede Flasche Öl war ein Vermögen wert.

Der SS-Mann war kein überzeugter Nazi. Vor dem Krieg war er Kriminalbeamter im Sudetengebiet. Alle Berufspolizisten hat man in die SS gezwungen. Ich habe einen Brief, in dem steht, dass er 600 Juden das Leben gerettet hat. Diesen Brief haben ungarische Juden nach dem Krieg an meine Eltern geschrieben. Sie bedankten sich bei ihnen für die große Hilfe, ohne die sie nicht überlebt hätten und erzählen, dass Knoll, so hieß der SS Mann, in den letzten Tagen des Krieges 600 Juden gerettet hatte. Meine Mutter hat erzählt, als die Russen schon in Wien waren, meine Eltern gehörten zu den wenigen Juden, die wegen der Arbeit meines Vaters ein Telefon hatten, klingelte es in der Früh und der Knoll sagte:
‚Frau Seliger, wo ist Ihr Mann?’ Meine Mutter sagte:
‚Es wird geschossen, mein Mann ist das Magazin bewachen gegangen.’ Da sagte er:
‚Ich wollte mich verabschieden, lassen Sie ihn schön grüßen, Gott schütze Sie!’

Die letzten Tage versteckten sich meine Eltern mit anderen Menschen in den unterirdischen Kanälen Wiens, denn auf den Strassen wurde geschossen. Meine Mutter sagte, sie hätte damals in den zehn Tagen zehn Kilo abgenommen. Als sie raus kamen, waren die Russen da. Die Russen wollten sie sofort erschießen. Sie haben natürlich nicht gewusst, wer meine Eltern sind. Meine Mutter konnte russisch sprechen und rief:
‚Wir sind Juden!’
Da hat man sie gelassen. Dann sind meine Eltern nach Ottakring zur Mizzi, der Freundin meiner Mutter, gegangen, wo wir mal gewohnt hatten. Da blieben sie, bis sich die Situation beruhigt hatte. Mein Vater ging dann wieder in die Kultusgemeinde.

Ich hatte Glück! Nachbarn aus Ottakring  lebten in Tel Aviv.  Das waren Juden, die 1934 ausgewandert waren. Bei ihnen konnte ich eine Zeit lang bleiben. Dann hatte ich meine Tante Mali, die Schwester meiner Mutter, mit ihrer Familie in Haifa. Dadurch ging ich nach Haifa.

Fast sechs Jahre diente ich im englischen Militär, dann im jüdischen Militär.

Im September 1944 bekam ich eine sehr schwere Ohrenentzündung. Ich war drei Monate im Spital. Damals gab es noch kein Penicillin. Die Ärzte glaubten, dass ich nicht überlebe. Ich hatte hohes Fieber, und man konnte mich nicht operieren. Doch plötzlich ist das Fieber runter gegangen, da wurde ich sofort operiert. Durch die Operation hatte ich ein Loch im Rücken, bis heute kann man es noch sehen. In der britischen Armee gab es ein Gesetz, wenn jemand mehr als 21 Tage nicht in seiner Einheit war, dann musste er ins Zentraldepot. Ich war bei der Royal Artillery. Das Zentraldepot war in Ägypten, ich blieb ein halbes Jahr in Ägypten.
Eines Tages wurde ich neu ausgestattet. Ich war der einzige Israeli dort, auf meiner Schulter stand ‚Palestine’, denn Israel gab es noch nicht. Ich musste zur Ehrenparade für den König Faruq, der von 1936 bis 1952 König von Ägypten war.

Nach dem Krieg

Ich wollte nach Europa, aber man schickte mich zurück nach Haifa in eine andere Einheit. Ich war noch eineinhalb Jahre in dieser Einheit. Insgesamt war ich fünf Jahre und neun Monate in der britischen Armee.

Dann arbeitete ich, wie viele andere, in der Landwirtschaft, am Straßenbau und andere Sachen. In den letzten Jahren habe ich in einer großen Firma als Prokurist gearbeitet.

Meine Frau war eine geborene Israelin und hieß Jochewet Nikrasowski. Ich war 24 Jahre alt, als wir heirateten. Meine Frau wurde am 9. August 1929 in Tel Aviv geboren. Sie starb 2000 in Ramat Gan.

Wir haben zehn Jahre in Beit Lechem Hagilit im Norden von Israel gelebt, das war ein Moschaw, in dem Templer gelebt hatten. Templer waren Mitglieder der deutschen Tempelgesellschaft, einer christlichen Religionsgemeinschaft, die sich im 19. Jahrhundert in Palästina niedergelassen hatten. Sehr viele von ihnen waren begeisterte Nationalsozialisten, sie wurden nach Beginn des Krieges interniert und nach dem Krieg nach Australien umgesiedelt.

Als der jüdische Staat gegründet wurde, wurde ich in Beit Lechem Hagalit ansässig. Dort habe ich auch einen Teil meines Berufslebens verbracht.

Meine Eltern sind im Jahre 1951 nach Israel auf Besuch gekommen. Dann, 1952, ist meine Mutter, danach mein Vater nach Israel übersiedelt. Alle Frauen meiner Familie waren gute Köchinnen. Sie waren jüdische Hausfrauen, sie haben gekocht und gebacken. Meine Tante Regina und ich hatten ein Restaurant und eine Pension in Zichron Yaakov aufgemacht, in der Absicht, wenn meine Eltern kommen, übernehmen sie das Restaurant und die Pension und ich arbeite etwas anderes. So war es auch. Meine Tante und ich haben etwas geschaffen, das hat ein paar gute Jahre gehalten. Mein Vater aber hat die Übersiedlung nach Israel nachher sehr bedauert. Er hatte von Anfang an nicht nach Israel gewollt. Er war fest verwurzelt in Wien, hatte Jahrzehnte für die jüdische Gemeinde gearbeitet, hatte die schwerste Zeit in Wien überlebt, und er hat dann meine Mutter schwer beschuldigt und gesagt:
‚Das hier ist kein Land für Juden. Alles ist falsch, alles ist ungerecht.’ Er hat sich nicht gut gefühlt in Israel.
Nur meinetwegen waren meine Eltern nach Israel gekommen. Sie hatten mir 1946 vorgeschlagen, nach Wien zurück zu kommen. Sie hatten für mich die Erlaubnis von den vier Besatzungsmächten in Wien für meine Einreise nach Wien bekommen. Aber ich wollte nicht fahren, damals war ich schon Zionist. Ich habe einen Brief geschrieben, den Brief hat man damals in der Zeitung veröffentlicht, ein zionistischer Brief ist das gewesen. Ich bedauere das heute. Ich glaube, in Wien hätte ich mehr Möglichkeiten gehabt, mich zu entwickeln als in Israel, und ich hätte auch keine fünf Kriege mitmachen müssen.

1954 ist mein Vater gestorben, er war noch keine 58 Jahre alt. Meine Mutter hat nach zehn Jahren noch einmal geheiratet, einen ungarischen Juden namens Awram Weißkopf. Auch er war ein sehr religiöser Mensch. Er war der Mashgiach auf dem Schiff Shalom. Das war ein großes jüdisches Passagierschiff. Mit ihm gemeinsam hat meine Mutter dann die Pension betreut. Sie haben sich gut verstanden, dann ist auch er gestorben, und meine Mutter ist zu ihrer Schwägerin nach Pardess Chana gezogen. Sie war die Schwester meines Vaters. Dann ist meine Mutter in ein Altersheim, auch in Pardess Chana, gegangen. Die letzten Jahre war sie sehr krank, 1978 ist sie gestorben.

Meine Frau und ich haben drei Kinder. Mein Sohn Pinchas Seliger wurde am 5. Januar 1950 in Tel Aviv geboren, er hebräisierte vor vielen Jahren seinen Namen in Pinchas Maor. Pinchas hatte mit seiner ersten Frau Lea einen Sohn. Er heißt Gay und lebt in Norwegen. Mit seiner zweiten Frau Ronit, die Lehrerin ist und in einem Kibbutz lebt, hatte Pinchas drei Kinder: Moran, sie lebt in Tel Aviv und ist Rechtsanwältin, Edan lebt und arbeitet in Afrika, in Nigeria, und Dorian war beim Militär und lebt jetzt bei seiner Mutter im Kibbutz. Pinchas war Manager in einer Fabrik, die Aircondition herstellt. Er starb 2004 an Krebs.

Mein Sohn Arnon Seliger wurde am 1. März 1953 in Zichron Yaakov geboren. Er ist mit Nechama verheiratet. Sie haben zwei Kinder, Sharon und Itai. Sharon ist mit Ejal verheiratet und hat auch zwei Kinder, Itai studiert noch. Arnon war lange Zeit beim Militär bei der Airforce tätig. Er wurde nach vielen Jahren am Bein verletzt und arbeitet jetzt als Manager in einem Einkaufcenter. Arnon lebt mit seiner Familie in Rosh Haaim, nahe Tel Aviv.

Meine Tochter Ajala wurde 1955 in Bethlehem geboren. Sie ist mit Meni Silberstein verheiratet. Ajala ist Bankdirektorin, Meni ist Computerfachmann. Sie haben zwei Töchter, Li und Gal. Li ist Architektin, Gal studiert. Ajala und ihr Mann leben in Or Yehuda, in der Nähe von Netanya.

Ich habe acht Enkelkinder.

Ich kann wegen meiner Kinder nicht nach Wien zurück. Man hat mir erklärt, wenn ich in Wien wohnen würde, würde ich die doppelte Pension bekommen. Aber ich kann meine Kinder nicht allein lassen. Ich habe sehr gute Kinder, meine Tochter telefoniert, wenn ich zu Hause bin, zwei mal am Tag mit mir.

Ich komme jedes Jahr nach Wien. Die Mizzi Schöberl ist gestorben. Ich habe sie noch lebend gesehen, als ich das erste Mal in Wien war. Sie war damals sehr krank, sie hatte Krebs. Sie hatte niemanden mehr, aber früher hatte sie viele Freunde. Und dann ist sie gestorben. Mit Helga, der Enkeltochter von der Mizzi Schöberl, die in Wien die beste Freundin meiner Mutter war, bin ich gut bekannt. Mit ihrer Mutter war ich im selben Alter, wir sind im selben Hof aufgewachsen.

Ich war dort, das Haus existiert nicht mehr. Dort wurde eine Schule gebaut. Es waren drei Häuser, von demselben Hausbesitzer, die hat man alle niedergerissen.

Ich war im Januar 2002 in Australien. Dort hatte ich auch meinen Onkel Izu aus Wien, der ist bereits gestorben.

Vor vielen Jahren war ich mit meiner Frau in Bad Tatzmannsdorf. Dort habe ich einen Regierungsrat kennengelernt. Wir sind gute Freunde geworden. Er ist mit mir nach Rechnitz gefahren. Er hat mir erzählt, dass es dort einen Gedenkstein für die ermordeten Juden gibt. Die SS hatte tausende Juden von Ungarn nach Österreich getrieben [Anm.: Am 24. März 1945 wurden 600 ungarische Juden von Güns in Ungarn per Bahn nach Burg (Burgenland) transportiert, wo sie beim ‚Südostwallbau’ als Zwangsarbeiter eingesetzt werden sollten. 200 der deportierten, völlig erschöpften Menschen wurden jedoch wieder zum Bahnhof Rechnitz rückgeleitet, da sie für den Arbeitseinsatz teils zu krank, teils körperlich zu stark geschwächt waren. In der Nacht darauf wurden rund 180 dieser Juden von Teilnehmern des im Schloß Bátthyány abgehaltenen Kameradschaftsfestes beim sogenannten Kreuzstadel in Rechnitz ermordet]  Die sind am Abend dort angekommen und man hat sie in eine Scheune geführt. Die SS Leute waren bei einer Baronin eingeladen und sie hat gesagt, wozu wollt ihr die Juden weiterführen, die werden sowieso umgebracht, bringt sie hier um. Alle wurden erschossen. Bis heute will niemand sagen, wo die Juden verscharrt wurden.

Ich liebe die Operetten von Franz Lehár [Anm.: österreichischer Komponist ungarischer Herkunft]. Wenn ich bestimmte Arien höre, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Ich liebe Musik. Ich war bei einem Aufenthalt in Wien in der Slowakei und habe dort ‚Die Czardas Fürstin’ gesehen.

Ich lebe hauptsächlich mit meiner Familie. Freunde findet man, wenn man jung ist. Später ist es schwer, sich mit Leuten zu verbinden. Ich habe für meine Kinder organisiert, dass sie die österreichische Staatsbürgerschaft haben können. Früher ist das nicht so einfach gewesen. Die Österreicher hatten mich doch ausgebürgert damals. 1948, wenn man die israelische Saatbürgerschaft nicht abgelehnt hat, ist man automatisch Israeli geworden. Dadurch habe ich die österreichische Staatsbürgerschaft verloren. Ich habe 1993 die österreichische Staatsbürgerschaft zurückbekommen. Ich bin zum Magistrat in Wien gegangen und wollte für meine Frau auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Die sagten mir, dass meine Frau erst in zehn Jahren die Staatsbürgerschaft erhalten kann, weil sie nie österreichische Bürgerin vorher war. Da habe ich ihnen gezeigt, dass das nicht wahr ist. Ich habe 1947 geheiratet, damals war ich noch österreichischer Bürger, es gab noch keine israelische Staatsbürgerschaft. Dadurch war meine Frau auch österreichische Staatsbürgerin.
Meine Frau war ein Jahr lang österreichische Staatsbürgerin, aber sie wusste es nicht. Trotzdem sollte meine Frau zehn Jahre warten. Wir wollten warten, aber meine Frau ist zu früh gestorben.

Meine Kinder beeilen sich nicht mit der österreichischen Staatsbürgerschaft. Ich sage ihnen ständig: holt euch die Staatsbürgerschaft, es ist alles in Ordnung. Meine Tochter sagt: was willst du, soll ich nach Österreich ziehen, soll ich in Wien wohnen? Ich will nicht! Aber ich sage: weißt du, das ist gut für schlechte Zeiten. Wer weiß, was bei uns passieren kann.

Glossar

1 Hitler-Stalinpakt

Als Hitler-Stalin-Pakt bezeichnet man den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, der am 23. August 1939 in Moskau von dem deutschen Außenminister von Ribbentrop und dem sowjetischen Außenminister Molotow unterzeichnet wurde. In einem geheimen Zusatzprotokoll legten die Länder die Aufteilung Nordost- und Südeuropas fest, sofern es zu einer ‚territorialen Umgestaltung‘ kommen sollte. Im Zentrum stand die Teilung Polens.

2 Kladovo-Transport

Der vom ‚Mossad le Alija Bet’ im November 1939 organisierte Transport auf Donauschiffen war, das wussten die etwa tausend Flüchtlinge, illegal. Sie kamen bis an die rumänische Grenze, bis in den kleinen Donauhafen Kladovo. Dann brauchte man die Schiffe für Wichtigeres, und die Flüchtlinge wurden auf Kohlenschleppern donauaufwärts zurückgeschickt. Im Frühjahr 1941 fielen sie in Šabac in die Hände der Deutschen, vor denen sie seit achtzehn Monaten auf der Flucht waren. Anfang 1942 wurden bis auf zweihundert Jugendliche alle ermordet.

3 Theresienstadt [Terezin]

Ende des 18. Jahrhunderts gegründete Garnisonsstadt in der heutigen Tschechischen Republik, die während der Zeit des Nationalsozialismus zum Ghetto umfunktioniert wurde. In Theresienstadt waren 140.000 Juden interniert, die meisten aus dem Protektorat Böhmen und Mähren, aber auch aus Mittel- und Westeuropa. Nur etwa 19,000 der Menschen, die in Theresienstadt waren, überlebten.

4 Pejes od

Peies [hebr: Peot]: die jiddische Bezeichnung für die von frommen Juden getragenen Schläfenlocken. Das Tragen des Bartes und der Schläfenlocken geht auf das biblische Verbot zurück, das Gesicht mit scharfen und schneidenden Gegenständen zu berühren.

5 Schabbat [hebr

: Ruhepause]: der siebente Wochentag, der von Gott geheiligt ist, erinnert an das Ruhen Gottes am siebenten Tag der Schöpfungswoche. Am Schabbat ist jegliche Arbeit verboten. Er soll dem Gottesfürchtigen dazu dienen, Zeit mit Gott zu verbringen.
Der Schabbat beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend.

6 Koscher [hebr

: rein, tauglich]: den jüdischen Speisegesetzen entsprechend.

7 Brit Mila [auch

Berit Mila, Mila; hebräisch Berith: Bund, Mila: Beschneidung] ist die partielle Entfernung der Vorhaut des männlichen Glieds und wird im Judentum als Eintritt in den Bund mit Gott angesehen. Die Brit Mila findet am achten Lebenstag des Knaben statt.

8 Der Brand des Wiener Justizpalastes 1927, auch die Julirevolte in Wien genannt, begann am 15

Juli 1927 als Unmutsäußerung gegen ein als skandalös empfundenes Urteil eines Geschworenengerichts und endete mit Polizeischüssen in die demonstrierende und das Justizgebäude angreifende Menge. Es gab 89 Todesopfer unter den Demonstranten und fünf auf Seiten der Polizei; dazu hunderte Verletzte auf beiden Seiten.

9 Pessach

Feiertag am 1. Frühlingsvollmond, zur Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, auch als Fest der ungesäuerten Brote [Mazza] bezeichnet.

10 Cheder [hebr

Zimmer]: die Bezeichnung für die traditionellen Schulen, wie sie bis Beginn des 20. Jahrhunderts im osteuropäischen Schtetl üblich waren. Der Unterricht fand im Haus des Lehrers statt, der von der jüdischen Gemeinde bzw. einer Gruppe von Eltern finanziert wurde, und war in der Regel nur Jungen zugänglich. Der Unterricht fand in kleinen Gruppen mit Jungen verschiedener Altersgruppen statt.

11 Tefillin

lederne ‚Gebetskapseln‘, die im jüdischen Gebet an der Stirn und am linken Arm getragen werden und Texte aus der Torah enthalten.

12 Bar Mitzwa

[od. Bar Mizwa; aramäisch: Sohn des Gebots], ist die Bezeichnung einerseits für den religionsmündigen jüdischen Jugendlichen, andererseits für den Tag, an dem er diese Religionsmündigkeit erwirbt, und die oft damit verbundene Feier. Bei diesem Ritus wird der Junge in die Gemeinde aufgenommen.

13 Matza [hebr

‏מצה‎, matzá; dt. Matze; Plural hebr. ‏מצות‎, matzót; dt. Matzen - auch jiddisch ‏מצה‎, mátze; dt. Matze; Plural jiddisch ‏מצות‎, mátzes; dt. Matzen], auch ungesäuertes Brot genannt, ist ein dünner Brotfladen, der von religiösen und traditionsverbundenen Juden während des Pessachfestes gegessen wird. Matze wird aus Wasser und einer der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel ohne Triebmittel gefertigt.

14 Schuschnigg, Kurt [1897 – 1977]

österreichischer christlichsozialer Politiker. Er folgte 1934 dem von Nationalsozialisten ermordeten Dollfuß als Bundeskanzler. Er versuchte, Österreich zum ‚besseren deutschen Staat‘, als es das Deutsche Reich war, zu machen.
Am 9. März 1938 setzte er für den 13. März eine Volksabstimmung über den Erhalt der Eigenstaatlichkeit Österreichs an. Am 11. März 1938 trat er unter dem Druck Nazideutschlands zurück. Nach dem Anschluß wurde Schuschnigg inhaftiert und blieb bis Ende des Zweiten Weltkrieges in Haft. 1948 wanderte er in die USA aus und war bis 1967 Professor für Staatsrecht an der Universität St. Louis/Missouri.

15 Pogrom, Novemberpogrom

Bezeichnung für das [von Goebbels organisierte] ‚spontane‘ deutschlandweite Pogrom der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Im Laufe der ,Kristallnacht’ wurden 91 Juden ermordet, fast alle Synagogen sowie über 7000 jüdische Geschäfte im Deutschen Reich zerstört und geplündert, Juden in ihren Wohnungen überfallen, gedemütigt, verhaftet und ermordet.

16 Eichmann, Otto Adolf [1906-1962]

SS-Obersturmbannführer, organisierte die Vertreibung und Deportation der Juden aus Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten. Nach dem Anschluss im Jahre 1938 baute er in Wien die Zentralstelle für jüdische Auswanderung auf, welche die zwangsweise Ausreise der jüdischen Bevölkerung aus Österreich betrieb. Ab 1941 war Eichmann für die Organisation der Deportation der Juden aus Deutschland und den besetzen europäischen Ländern zuständig und mitverantwortlich für die Ermordung von sechs Millionen Juden. 1960 wurde Eichmann von Mossad-Agenten in Argentinien gefasst und nach Israel gebracht, wo er wegen Verbrechen gegen das jüdische Volk vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und hingerichtet werde.

17 Murmelstein, Benjamin [Lemberg, 1905- Rom, 1989] war ein österreichischer Rabbiner, Gelehrter, Mitglied des Judenrats in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, sowie letzter ‚Judenältester’ im Ghetto Theresienstadt

Murmelstein war als Judenältester bemüht, durch Kooperation mit den Nationalsozialisten möglichst viele der internierten Juden zu retten. Er gilt bis heute als ambivalente Persönlichkeit, da es bis in die heutige Zeit umstritten bleibt, inwieweit er mit den Nationalsozialisten kollaborierte beziehungsweise kooperieren musste.

18 Brunner, Alois

ehemaliger SS-Hauptsturmführer und einer der wichtigsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns bei der Realisierung der „Endlösung der Judenfrage“. Als Leiter des SS-Sonderkommandos war Brunner zwischen 1939 und 1945 mitverantwortlich für die Deportation von weit über 100.000 Juden aus Wien, Berlin, Griechenland, Frankreich und der Slowakei in die KZs und Vernichtungslager des Dritten Reiches.Nach dem 2. Weltkrieg flüchtete Brunner nach Syrien, dessen Regierung seinen Aufenthalt stets dementierte. Von französischen Militärgerichten wurde er 1954 in Abwesenheit zweimal zum Tode verurteilt. 2001 wurde er in Frankreich nochmals zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt, und 2007 wurden in Österreich für Hinweise zu seiner Ausforschung und Ergreifung 50.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

19 Löwenherz, Josef [1884 – New York, 1960] war Rechtsanwalt und Amtsdirektor der Israelitische Kultusgemeinde Wien während der Zeit des Nationalsozialismus

Nach dem Ersten Weltkrieg war er als Rechtsanwalt in Wien tätig. Von 1924 bis 1937 war er Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und danach hauptamtlich Direktor der jüdischen Gemeinde Wiens. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Österreich wurde die jüdische Gemeinde Wiens am 18. März 1938 durch SS-Angehörige geschlossen und Löwenherz mit anderen Führungsmitgliedern der Gemeinde sowie weiteren jüdischen Funktionären verhaftet. Löwenherz entging der Deportation in das KZ Dachau, da er durch Adolf Eichmann Anfang Mai 1938 mit dem Wiederaufbau der nun als ‚Jüdische Gemeinde Wien’ bezeichneten Israelitischen Kultusgemeinde beauftragt wurde. Sein Stellvertreter wurde 1940 Benjamin Murmelstein. Löwenherz war in der Ausübung seiner Amtsgeschäfte den Anweisungen von SS und Gestapo vollkommen unterworfen. Ab dem 1. November 1942, nach der durch die Nationalsozialisten verfügten Auflösung der ‚Jüdischen Gemeinde Wiens’, leitete er als so genannter Judenältester den ‚Ältestenrat der Juden in Wien’. Die verbliebenen jüdischen Institutionen, zunächst die „Jüdische Gemeinde“ und später auch der ‚Ältestenrat’, wurden letztlich für Deportationen, Beschlagnahmung und Verfolgung der Juden in Österreich durch die NS-Behörden instrumentalisiert. Dennoch versuchte Löwenherz weiter, jüdischen Mitbürgern die Ausreise zu ermöglichen. Im Mai 1945 wurde Löwenherz von Soldaten der Roten Armee wegen Kollaboration mit der NSDAP verhaftet und war danach für drei Monate in der Tschechoslowakei interniert. Ein gegen ihn in Prag eingeleitetes Ermittlungsverfahren wurde eingestellt und die Beschuldigungen gegen Löwenherz fallengelassen. Anschließend stellte er sich noch einem jüdischen Ehrengericht in London, welches ihn von jeglichem Kollaborationsanschuldigungen freisprach. Löwenherz zog über die Schweiz mit seiner Frau Sophie zu seinen Kindern in die USA und lebte in New York City. Im Rahmen des Eichmann-Prozess in Jerusalem wurde er im Dezember 1960 durch den israelischen Konsul gebeten, eine schriftliche Zeugenaussage für das Verfahren abzugeben. Löwenherz, der unter den Erlebnissen der NS-Zeit litt, starb nur drei Tage danach an einem Herzinfarkt.

БЕНО РУСО И РОЗА КАМХИ: ГОДИНИТЕ СИ ГО ПРАВАТ СВОЕТО

Бено и Роза се вљубија некаде во триесеттите години на минатиот век, а во 1946 година тие се венчаа. Во меѓувреме, најголемиот број од македонските Евреи, поточно над 7. 400 беа депортирани во логорот на смртта Треблинка. Ниту еден од нив не се врати жив дома. Бено и Роза, заедно со неколку нивни пријатели Евреи, на неполни дваесет години зедоа пушка в рака и им се приклучија на партизаните во борбата против фашизмот. Кога во 1945 година војната заврши Бено имаше само 24 години. Тогаш тој стана генерал. Оваа приказна не води низ бурни времиња се до 2011 година, при тоа опфаќајќи го перидот на смртта на Тито, распаѓањето на СФР Југославија, па се до отворањето на најголемит Музеј на Холокаустот во јужна Европа. На овој начин филмот е исклучително значаен при реализацијата на наставата по историја, историјата на Евреите и изучувањето на холокаустот.
Интервјуто со Бено Русо и Роза Камхи беше направено од страна на Рејчел Чанин во 2005 година. Филмот, кој всушност се базира на ова интервју е направен на барање на Меморијалниот Центар на Холокаустот на Евреите од Македонија, во Скопје. Таму истиот се прикажува како составен дел од музејската поставка. Филмот е изработен во Македонија во режија на Стојан Вујчиќ и Апостол Тноковски, при што двајца реномирани актери ги читаат улогите на Бено и Роза. Со кликнување на копчето play ќе ве одведеме на сајтот на Музејот бидејќи овој филм е исто така прикачен и на Музејскиот сервер.

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