Trude Scheuer

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Wien
Österreich
Datum des Interviews: März 2002
Name des Interviewers: Artur Schnarch

Trude Scheuer ist eine sehr resolute Frau, was bei dem teilweise schwarzen Humor ihres Gatten Peter sicher sehr hilfreich ist. Sie ist klein, ein bisschen pummelig und sehr agil. Der Empfang in ihrer, in einem noblen Stadtteil Wiens gelegenen Wohnung, ist sehr herzlich, und ich werde mit Kaffee und Kuchen verpflegt. So urwienerisch Trude Scheuer auch ist, haben ihre Jahre in Israel etwas Unkonventionelles und Offenes zu ihrer Art beigetragen.

Theodor Gottesdiener, der Vater meiner Mutter, kam 1909 mit seiner Frau Franja aus Krakau [Polen] nach Wien. Sie hatten zu dieser Zeit schon vier Kinder - Emil, Isaak, Max und meine Mutter Rosa, die die Jüngste war und gerade erst ein Jahr alt.

Meine Großmutter Franja stammte aus Krakau. Ihr Mädchenname war Kleinmann. Ich habe keinerlei Erinnerung an sie, da sie relativ jung - schon 1931 - in Wien gestorben ist. Man hat mir nur erzählt, dass sie, als ich an einem Schabbat [1] geboren wurde, und sie aus religiösen Gründen nicht mit Verkehrsmitteln gefahren ist, vom 2. Bezirk, wo sie gewohnt hat, zu Fuß bis in die Frauenklinik Gersthof gegangen ist, um mich und meine Mutter zu sehen.

Meine Großmutter hatte eine Schwester, eine verheiratete Wortsmann und einen Bruder, der Siegfried Kleinmann hieß. An die Schwester kann ich mich kaum erinnern, aber an ihre zwei Töchter Erna und Genia, die sich während des Holocaust nach Paris retten konnten. Erna wurde aber von Paris deportiert und ist umgekommen. Genia hat überlebt und hat nach dem Krieg meine Mutter in Wien besucht. Den Bruder Siegfried Kleinmann habe ich erst in Palästina kennen gelernt. Er hatte die Tante Ella geheiratet und vor dem Krieg mit ihr in Berlin gelebt. Sie besaßen in Berlin ein Klaviergeschäft und sind relativ früh nach Palästina ausgewandert. In Jerusalem haben sie wieder ein Klaviergeschäft eröffnet. ‚Klaviere Kleinmann’ waren berühmt in Jerusalem.

Mein Großvater hat in der Rembrandtstrasse, im 2. Wiener Gemeindebezirk, gewohnt. Gleich dort ums Eck, in einem kleinen Gasserl, hatte er in einem Kellergewölbe sein Geschäft - eine Erzeugung von Koffern und Taschen aus Leder. In unserer assimilierten jüdischen Familie waren diese Großeltern die einzigen Frommen. Mein Großvater war in einer Schil [Anm.: jiddisch Schule für Synagoge] in der Nähe ein so genannter ‚Kuwet Hazen’ [Anm.: Kantor] und hat dort jeden Schabbes und zu den anderen Feiertagen gesungen. Die Frömmigkeit ist allerdings auf seine Kinder überhaupt nicht übergegangen. Ich kann mich sogar erinnern, dass seine Söhne zu Jom Kippur [2] immer heimlich gegessen haben.

Theodor Gottesdiener hatte einen Halbbruder, Abraham Gottesdiener. Der Vater meines Großvaters hatte in Polen noch ein Mal geheiratet und noch einen Sohn bekommen, der recht früh nach Palästina ausgewandert ist und dort eine hohe Position in der Misrachi [3] bekleidet hat. Er war verheiratet, hatte aber keine Kinder. Er hat uns 1939 ein Einreisevisum nach Palästina organisiert. Als er dies auch für seinen Bruder Theodor tun wollte, war es schon zu spät - mein Großvater ist 1940 in Wien, im Rothschild Spital, gestorben. Er war alt, zuckerkrank und ganz allein in Wien.

Meine Mutter war am 31. März 1908 als Rosa Gottesdiener noch in Krakau geboren. Sie war ein paar Jahre in Wien aufs Gymnasium gegangen, hatte aber dann aufgehört, obwohl die Lehrerin meiner Großmutter damals gesagt hat, dass meine Mutter sehr gut in der Schule ist. Aber meine Mutter wollte arbeiten und hat auch gleich einen Job in der Getreidebörse auf der Taborstrasse bekommen. Sie hat einen Maschinschreiben-Kurs gemacht und als Sekretärin gearbeitet. Als sie geheiratet hat, hat sie aufgehört zu arbeiten und ist mit meinem Vater in die Prammergasse 8, im 9. Bezirk, gezogen.

Der älteste Bruder meiner Mutter war Emil. Er war das schwarze Schaf. Erstens hat er nicht studiert, und eine richtige Pernusse [Anm.: Existenz] hat er auch nicht gehabt. Er wollte schnell heiraten und hat dann auch Sofie geheiratet und zwei Söhne bekommen: den Kurt und den jüngeren Fredi. Als die Deutschen nach Wien einmarschiert sind, haben sie Kurt zu einer Schwester von Emils Frau nach Amerika geschickt. Der Fredi ist in Wien geblieben und wurde mit seiner Mutter deportiert, und man hat nie wieder etwas von ihnen gehört [Sofie Gottesdiener und ihr Sohn Fred, der 1930 geboren war, wurden 1942 aus Wien in das Ghetto Theresienstadt deportiert und 1943 ins KZ Auschwitz, wo sie ermordet wurden. Quelle: DÖW Datenbank]. Emil ist illegal nach Belgien geflüchtet und wurde in den Bergen von einer Partisanin während des ganzen Krieges versteckt. Sie hieß Anna und war Flämin. Emil hat sie dann nach dem Krieg geheiratet. So assimiliert die Familie war, ist Emil aber der einzige, der eine Nichtjüdin geheiratet hat. Emil hat dann von der Firma Haas in Linz den Vertrieb von PEZ [Anm.: Pfefferminz] in Belgien übernommen und war damit sehr erfolgreich. Das Verhältnis zu seinem Sohn Kurt war nicht gut, da die Verwandten der Mutter sagten, Emil habe sich nicht genug um seine Frau gekümmert. Kurt ist in Amerika geblieben. Onkel Emil hat ihn besucht, und sie haben sich ausgesöhnt. Eine normale Vater-Sohn-Beziehung konnte aber daraus nicht mehr werden. Mit Onkel Emil war ich in Kontakt. Er hat uns auch in Wien immer wieder besucht.

Der mittlere Bruder Max Mosche Gottesdiener war Kommunist und ist schon 1935 nach Paris [Frankreich] gegangen. Er hat dort eine polnische Jüdin, die auch Kommunistin war, geheiratet und hatte mit ihr zwei Söhne: Henri und Louis. Er kam ein Mal nach Wien seinen Vater Theodor Gottesdiener besuchen. Da habe ich ihn kennen gelernt, vorher war ich ja noch zu klein. Als die Deutschen Paris besetzt haben, ist er auf der Strasse verhaftet worden. Er war Kommunist und Jude, das haben die Deutschen nicht sehr gern gehabt. Er konnte aber irgendwie fliehen und ist mit der Metro nach Hause gefahren. In der Metro wurde er noch ein Mal verhaftet, und dann hat man nie wieder etwas von ihm gehört. Mit Henri und Louis habe ich familiären Kontakt. Beide sind verheiratet und haben Töchter. Henri ist Städteplaner, seine Frau Hannah hat an der Sorbonne Psychologie gelehrt. Louis war ein höherer Staatsbeamter.

Isaak, der jüngste Bruder meiner Mutter, hat Medizin studiert und die Tante Gisela aus Trembovla, in Polen, geheiratet. Er war schon vor dem Krieg praktizierender Arzt in der Porzellangasse, im 9. Bezirk. Als er studiert hat, da war ihm der Name Isaak Gottesdiener zu jüdisch, und er hat seinen Namen auf Alfred Diener geändert. Wir haben ihn immer Fred gerufen. Als man nicht mehr in Wien bleiben konnte, hat Fredis Schwiegervater, der Rechtsanwalt und Gutsbesitzer in Trembovla war, den beiden ein Afidavid [4] besorgt. Einer Angestellten des Schwiegervaters, die nach Philadelphia ausgewandert war ist es gelungen, der Tante Gisela die Papiere zu organisieren, und so haben sich Fred und Gisela nach Amerika retten können. Fred hat dann in den USA wieder als Arzt gearbeitet. Seine Töchter Phillis und Susan leben in Miami. Fred war mein Lieblingsonkel und auch der Lieblingsbruder meiner Mutter.

Väterlicherseits gab es meinen Großvater Ignaz Barchelis. Er und meine Großmutter Juli Neubauer stammten aus Mähren. Mein Großvater starb schon 1929, ein Jahr vor meiner Geburt, und als die Großmutter 1938 an Leberkrebs starb, war ich erst acht Jahre alt. Meine Großmutter hatte zwei Schwestern: Lina und Gisela, die irgendwo im 9. Bezirk, in der Nähe der Friedensbrücke, wohnten. Sie waren ledig und haben immer zusammen gewohnt. Ich kannte sie natürlich nur als zwei alte Frauen. Wenn meine Eltern was zu tun hatten, wurde ich dort abgegeben.

Der Großvater Ignaz hat ein Textilgeschäft auf Raten betrieben. Das war damals sehr en vogue, weil die Leute nur wenig Geld hatten. Bettzeug, Tischwäsche, Vorhänge und lauter solche Sachen konnten sie sich nur auf Raten leisten. Meine Großeltern hatten im 20. Bezirk, im Eckhaus bei der Friedensbrücke, eine große Wohnung, und in einem der Zimmer war das Geschäft. Sie hatten zwei Töchter, Elsa und Olga, und die Jüngsten waren die Zwillinge Otto und mein Vater Alfred.

Else, die älteste Schwester meines Vaters, war mit Dr. Heinrich Turmann verheiratet. Die Ehe ist aber kinderlos geblieben. Heinrich Turmann war Jurist und hat für eine Versicherung oder Bank gearbeitet. Else und ihr Mann wurden beide 1939 nach Auschwitz deportiert und sind dort ermordet worden. Ich habe sogar nach dem Krieg den Akt der Vermögensbeschlagnahmung eingesehen [Heinrich und Else Turmann wurden 1942 von Wien nach Izbica in Polen deportiert und ermordet. Quelle: DÖW Datenbank].

Olga war mit Ignaz Schiller verheiratet, der mit meinem Vater gemeinsam das Textilgeschäft des Großvaters übernommen hat. Olga und Ignaz hatten einen Sohn Otto. Obwohl Otto neun Jahre älter war als ich, war er mein Lieblingscousin. Er hatte von Kind an einen, durch eine Angina ausgelösten, Herzklappenfehler und starb nach dem Krieg im Alter von 40 Jahren in Wien.

Die Jüngsten waren die am 28. November 1896 in Wien geborenen Zwillinge Otto und mein Vater Alfred. Otto ist im 1. Weltkrieg an der italienischen Isonzo Front gefallen, mein Vater wurde an der Hand verletzt - es war ein glatter Durchschuss. Aber er hat damals die bronzene Tapferkeitsmedaille bekommen, und im Alter hat er dann für diese Medaille eine kleine Rente erhalten. Nachdem sein Bruder Otto gefallen war, war er der einzige Sohn und hat bei seinem Vater im Textilgeschäft mitgearbeitet. Als der sich zurückzog, hat er gemeinsam mit seinem Schwager Ignaz Schiller das Geschäft übernommen.

Mein Onkel Emil Gottesdiener, der Bruder meiner Mutter, hat für kurze Zeit bei meinem Vater gearbeitet, als sich meine Eltern noch nicht kannten. Als mein Vater den Onkel Emil im Sommer ein Mal nach Baden eingeladen hat, hat er meine Mutter mitgenommen, und so haben sich meine Eltern kennen gelernt und 1929 geheiratet.

Ich wurde am 3. Mai 1930 in Wien, in der Frauenklinik Gersthof, als Trude Barchelis geboren. Ich bin die einzige Tochter von Alfred und Rosa Barchelis. Wir haben in einer Zwei-Zimmer-Wohnung gelebt, und ich konnte vom Fenster den Polizisten in der Polizeireitschule bei der Arbeit zuschauen. Ich bin ein Einzelkind geblieben, und auch im Freundeskreis meiner Eltern gab es wegen der unsicheren Zeiten und den Nachrichten aus Deutschland vorwiegend Einzelkinder.

Mit meiner Ankunft haben meine Eltern von den Großeltern die Haushaltshilfe übernommen. Die Amalie, Mali genannt, war ein junges Mädchen und war bei uns bis sie 1938 das ‚jüdische Haus’, so waren die Gesetze nach dem Einmarsch der Deutschen in Österreich, verlassen musste und zum Arbeitsdienst nach Deutschland geschickt wurde. Sie hat uns von dort noch geschrieben, wie schlecht es ihr bei der Feldarbeit geht und wie sie von den Bauern belästigt wird. Nach dem Krieg hat meine Mutter sie über das Meldeamt ausfindig gemacht, und wir haben sie besucht. Mali war verheiratet, hat sich sehr gefreut uns wieder zu sehen und kam dann ein Mal die Woche zu meiner Mutter aufräumen.

Das Geschäft ist dann in die Wohnung meiner Tante Olga und Onkel Ignaz Schiller in die Pfluggasse übersiedelt, weil Onkel Ignaz der Kompagnon meines Vaters war. Das war eine große schöne Wohnung mit einem richtigen Badezimmer. In einem sehr großen Zimmer stand ein riesiger Tisch, wo die Waren ausgebreitet waren. Da haben mein Cousin Otto und ich immer gespielt. Trotz der neun Jahre Altersunterschied, haben wir uns sehr geliebt und waren oft zusammen.

Den Sommer hat unsere Familie immer in Baden verbracht. Wir hatten kein eigenes Domizil, wir haben etwas in der Gegend gemietet. Wir sind ins Thermalbad gefahren und wir waren auch mit der Großmutter Juli Barchelis im Sommerdomizil meiner Tante Olga in Baden zu Besuch. Aber ein Mal haben wir eine Reise zu den Schwiegereltern von Onkel Fred nach Trembovla gemacht. Diese Reise zählt zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Ich war sechs oder sieben Jahre alt und fuhr mit meiner Mutter und Tante Gisela mit der Bahn über Krakau nach Trembovla. Der Vater von Gisela hatte dort ein Gut. Es gab dort viele Tiere und einen Fluss, in dem wir immer baden gegangen sind. Es war fremd und interessant, all die Mägde und Knechte des Gutes zu sehen. Bei der Rückfahrt haben wir bei irgendwelchen alten Verwandten in Krakau übernachtet. Das waren Geschwister von meinem Großvater oder meiner Großmutter mütterlicherseits.

In den Kindergarten ging ich im 9. Bezirk, in die Grünentorgasse, und meine Volksschule war bei uns ums Eck. Dort habe ich aber nur die erste Klasse gemacht. Dann wurden alle jüdischen Kinder in der Volksschule Börsegasse zusammengezogen.

Ich kann mich noch an meinen ersten Schwips erinnern. Da waren wir bei einem Seder [5], den mein Großvater Theodor hielt. Er hat immer gesagt, ich soll trinken, und meine Mutter hat es mir verboten. Schlussendlich hatte ich dann einen Schwips.

Von jüdischem Leben war bei uns nicht viel zu bemerken. Ich ging nie in die Synagoge, meine Eltern gingen auch nur zu Jom Kippur. Der Einzige, der zu Jom Kippur gefastet hat, war mein Vater - aus Solidarität mit seinem Schwiegervater.

Von Politik habe ich nicht viel mitbekommen. Ich weiß nur, dass in meiner Familie keine Kommunisten waren und alle eher antizionistisch eingestellt waren. Als meine Mutter den Ignaz ein Mal gefragt hat, ob er sich nicht ein Mal in Palästina umschauen wolle, hat er geglaubt, sie sei verwirrt.

Mit dem Anschluss [6] hat sich vieles verändert, aber für ein Kind spürbar wurde es erst nach der Reichskristallnacht [7]. Da haben die Erwachsenen nur noch darüber geredet, wer alles verhaftet worden ist. Am Tag nach der Reichskristallnacht ging ich durch die Müllnergasse und sah dort den abgebrannten Tempel [Müllnertempel]. Mein Vater wurde verhaftet und in einer Schule ein paar Tage festgehalten. Sie haben ihn geschlagen und wollten immer wieder hören, dass er sagt: ‚Ich bin ein Jude!’

Mein Onkel Ignaz wurde nach Dachau [Anm.: KZ Dachau, Deutschland] deportiert. Einmal, als ich gerade bei meiner Tante Olga war, sind SA Burschen in die Wohnung gekommen und haben gefragt, ob noch Männer da sind. Meine Tante hat gesagt: ‚Man hat ja meinen Mann mitgenommen’, während der Otto, der damals 17 Jahre alt war, im Badezimmer versteckt war. Ich habe die Gefahr gespürt und eine furchtbare Angst um meinen geliebten Otto gehabt. Die sind allerdings, ohne sich groß umzuschauen, wieder gegangen. Als Onkel Ignaz nach acht Wochen wieder zurückkam, habe ich ihn kaum wieder erkannt. Er war stark abgemagert und hatte einen geschorenen Kopf. Sie haben sich dann nicht mehr getraut, in Wien zu bleiben. Vor allem wegen des Ottos, der ja schwer herzkrank war, haben sie große Angst gehabt. Sie hatten nirgendwohin ein Visum und sind dann zu entfernten Verwandten nach Brünn [Brno, heute Tschechien] gefahren. Mein Vater hat sie noch bis zur Grenze begleitet, und sie haben uns geschrieben, als sie gut angekommen waren. Sie haben aber bald gesehen, dass es dort auch nicht sicher war, und sind irgendwie auf die Patria [8] gekommen und so nach Haifa [heute Israel] gefahren. Onkel Ignaz ist bei der Sprengung der Patria durch die Haganah [9] ertrunken, und Tante Olga und Otto kamen ins Internierungslager nach Atlith bei Haifa. Nach zwei Monaten haben sie sich in Haifa ein Untermietzimmer und Arbeit gesucht. Olga hat als Köchin gearbeitet, und Otto hat eine Stelle als Musiker in einem Club gefunden.

Die SA war auch bei uns in der Wohnung und hat alle Laden durchsucht. Und ein Mal, als mein Vater mich zu meiner Tante bringen wollte, hat uns ein SA-Mann, so einer mit einer Hackenkreuzbinde, aufgehalten und hat meinen Vater gefragt, ob er Jude ist. Als er das bejahte, wollte er meinen Vater gleich mitnehmen. Da habe ich zu weinen begonnen, und mein Vater hat ihm sein Ehrenwort gegeben, dass er mich nur bei meiner Tante absetzt und gleich wieder zurückkommt. Der war einverstanden, und mein Vater ist natürlich nicht zurückgegangen.

Dann hat uns Abraham Gottesdiener, der Bruder meines Großvaters mütterlicherseits, das Einreisevisum nach Palästina besorgt, und wir sind mit dem Zug nach Triest gefahren. Als wir dort ankamen, war die große Schlagzeile, dass die Deutschen in Prag einmarschiert sind. Wir sind dann erst noch nach Abbazia [Opatija, heute Kroatien] gefahren, weil meine Eltern dort jemanden treffen mussten. Aber im März 1939 war es dann so weit, unser Schiff fuhr mit uns nach Palästina. Wir sind zu Abraham Gottesdiener nach Jerusalem gefahren. Da haben wir ein paar Wochen gewohnt und sind dann für eine Zeit zu meinem anderen Großonkel Siegfried Kleinmann, das ist der mit dem Klaviergeschäft, übersiedelt, bis meine Eltern eine Untermietwohnung gefunden hatten.

Ich bin in die Mädchenschule Bet Sefer Lemel in Jerusalem eingeschult worden. Es war sehr schwer für mich. Ich bin in die zweite Klasse gekommen, obwohl ich in Wien, in der Börsegasse, schon mit der dritten Klasse begonnen hatte. Ich habe kein Wort verstanden und richtige Depressionen bekommen. Mein Lehrer Adon Ben Ari kam aus Russland und hat immer wieder versucht, mir auf Jiddisch zu erklären, was wir gerade machen. Ich hatte vorher Jiddisch noch nie gehört, aber so ungefähr konnte ich ihn verstehen. Manchmal hat die Batija, ein Mädchen aus Bessarabien, das von ihrem Großvater Jiddisch konnte, versucht, sich mit mir in der Pause im Hof zu unterhalten. Aber ich war sehr einsam. Der Lehrer hat dann ein Mädchen aus der 8. Klasse gebeten, jeden Tag zu mir zu gehen und mit mir Lesen zu üben. Ich habe dann meiner Mutter immer vorgelesen. Gegen Ende des Schuljahrs konnte ich schon ein bisschen lesen und verstehen, und in der dritten Klasse war ich schon eine richtige Sabre [Anm.: In Israel Geborene]. In der Schule haben mich alle Schulamith gerufen.

Ich war später Mitglied der linksgerichteten Jugendorganisation Gordonia. Da haben wir Ausflüge gemacht, gesungen und getanzt, aber auch politische Diskussionen über die Zukunft des Landes geführt. Unser Madrich [Gruppenleiter] war ein echter Kibbutznik [Mitglied eines Kibbutz] und wurde von allen bewundert.

Meine Mutter hat nie Hebräisch gelernt, ist aber mit bewakascha und toda [bitte und danke] in der Konditorei, wo sie gearbeitet hat, gut durchgekommen. Sie ist später in ein Restaurant gewechselt, wo sie besser verdient hat. Als in Wien schon klar war, dass wir
nicht bleiben können, haben viele Juden alle möglichen Handwerke erlernt, um im Exil arbeiten gehen zu können. Meine Mutter hatte den Beruf eines Gürtelmachers gelernt, und wir hatten zu Hause dauernd alle möglichen Gürtel. Manche Frauen wurden Modistinnen und Sima Gross hat Schneiderin gelernt. Sima lebt heute noch 92jährig in Tel Aviv, und ihre Tochter ist über all die Jahre meine Freundin geblieben.

Mein Vater hat bei den Briten als Gafir [Hilfspolizist] gearbeitet. Nach der Staatsgründung Israels im Mai 1948 wurden die jüdischen Gafirim [Anm.: Mrz. von Gafir] in die israelische Polizei übernommen - mein Vater auch.

Gewohnt haben wir zuerst in einer sehr schönen Gegend gleich bei der Rechov King George. Man musste die Rechov Hamaalot herauf, zwei Minuten von der Sochnuth [Anm.: jüdische Einwanderungsbehörde] oder vom Jeschuron Tempel entfernt. Die Wohnung war zu klein, und meine Eltern haben geschaut, dass sie etwas Größeres finden. Da wurden gerade in einem großen Garten drei Häuser fertig gestellt, und meine Eltern haben sich gemeinsam mit einem kinderlosen Ehepaar eine große Wohnung gekauft. Jedes Zimmer hatte einen Balkon und einen wundervollen Ausblick auf die Altstadt. Meine Eltern hatten nicht genug Geld, um die Wohnung zu kaufen, und nachdem das kinderlose Ehepaar zwei Kinder bekommen hatte, hat sich dieser Teilhaberkauf aber als großer Fehler herausgestellt.

Im Jahre 1941 hat sich meine Mutter von meinem Vater scheiden lassen, und mein Vater ist ausgezogen. Meine Mutter hatte schon in Wien den Josef Friedmann kennen gelernt. Er war in die Schweiz geflüchtet und hätte nach New York zu seiner Schwester fahren sollen. Er ist aber nach Palästina zu meiner Mutter gekommen. Er wohnte in unserer Nähe und hat als Sekretär für einen Mann gearbeitet, der ständig im Hotel King David gewohnt hat und auch dort sein Büro hatte. Jossel, wie ich ihn immer nannte, war Rechtsanwalt und konnte in Palästina seinen Beruf nicht ausüben. Geheiratet haben meine Mutter und Jossel erst kurz bevor wir nach Wien zurückgingen.

Ich war schon vor dem Krieg in Wien im Ballettunterricht und habe das dann in Palästina fortgesetzt. Nebenbei habe ich nach der 8. Klasse eine Schneidereilehre gemacht. Aber mein Leben war das Tanzen. Ich hatte in Palästina bei einer russischen Ballettlehrerin Unterricht und habe später in ihrer Schule selber unterrichtet. Nach der Staatsgründung Israels [Anm.: Mai 1948] sind wir durch das ganze Land auf Tournee gefahren.

Mit den jüdischen Untergrundbewegungen Haganah, Ezel und Lechi, den Engländern und den Arabern wurde die Lage immer schlimmer. Aber als Kind gewöhnt man sich daran, dass einem die Kugeln um die Ohren pfeifen und es dauernd Explosionen von Mörsergranaten gibt. In den ersten Jahren sind wir noch zur Klagemauer gegangen, später war es einfach zu gefährlich. Wir sind aber im Land herumgefahren. In Tel Aviv haben wir die Sima und die Mia besucht, in Haifa war meine Tante Olga, bis sie nach Jerusalem gezogen ist, oder wir sind auch für ein paar Tage ans Tote Meer gefahren. Ein Mal hat meine Mutter mit mir einen richtigen Urlaub gemacht. Da waren wir zwei Wochen in Nataniya im Hotel am Meer. Und ein Mal hatten wir eine wunderschöne Zeit in Naharyia. Da hat mein Cousin Otto als Schlagzeuger in einer Band zusammen mit Fredi Dura gespielt. Wir haben in einer Pension gewohnt und sind jeden Abend in den Club gegangen und haben getanzt.

Im Jahr vor der Staatsgründung wurde ich zum Militärdienst eingezogen. Marion, die Tochter meines Großonkels Siegfried Kleinmann, war mit einem höheren Offizier der jüdischen Untergrundbewegung Haganah verheiratet, und der hat mich einberufen. Erst wurde ich in eine Privatwohnung in der ein Rekrutierungsbüro war gesetzt, da habe ich mit der Hand alle Daten der Rekruten aufgeschrieben. Das hat mir nicht sehr gefallen, und nach zwei Wochen hat er für mich einen anderen Posten gefunden. Da war ich auch in einer Privatwohnung, in der King George Strasse, man musste sich ja noch vor den Engländern verstecken. Dort hatten Techniker ein Verbindungstelefon für die Haganah Offiziere eingerichtet. Das war so ein großer altmodischer Apparat mit Schaltern und Stöpseln. Das Gerät hieß Psanter [hebräisch: Klavier], und ich hatte dort jeden Tag sieben Stunden Dienst. Anfangs waren wir drei Mädchen, die dort eingeschult waren, bis im Keller der Sochnuth ein zweites Gerät aufgestellt wurde, welches Kinor [hebräisch: Geige] hieß und weitere Mädchen dazukamen. Ich habe dann immer abwechselnd bei einem der beiden gearbeitet. Als die Engländer dann am Abziehen waren, haben sie den Juden den Schneller übergeben. Das war ein ursprünglich von den Deutschen errichtetes Militärcamp, das die Engländer genutzt hatten. Dort wurde dann, diesmal offiziell, der Chalil [hebräisch: Flöte] eingerichtet. Ich bekam jetzt auch eine Uniform und hatte in dem Militärcamp ein Zimmer mit einem Verbindungstelefon. Da habe ich auch gehört, wie ein Offizier einem anderen mitgeteilt hat, dass der Bernadotte [10] umgebracht worden ist. Da habe ich gewusst, jetzt kommen Ausgangssperren auf uns zu, und so war es dann auch.

Lotte, die Schwester vom Jossel, meinem Stiefvater, war in New York die Chefsekretärin vom Bernhard Altmann. Bernhard Altmann hatte in Wien eine große Strickwarenfabrik und ist, nachdem die Nazis ihm alles weggenommen hatten, über Paris nach Amerika geflüchtet. Dort hat er wieder eine große Strickwarenfabrik aufgebaut. Er wollte nach dem Krieg seinen Besitz in Österreich wieder zurückhaben, und so hat die Lotte den Jossel, der Anwalt war, kontaktiert und ihn gebeten, nach Wien zu gehen und sich um die Altmann Sachen zu kümmern. Das war für Jossel eine Chance, man hat damals mit den Restitutions- und Wiedergutmachungsverfahren sehr gut verdienen können. Und so haben meine Mutter und der Jossel beschlossen, nach Wien zurückzukehren. Ich wollte natürlich nicht mit, aber meine Mutter hat gesagt, dass ich unmöglich allein in Israel bleiben kann. Ich hatte ja keinen richtigen Job, und mein Vater hatte nur ein Untermietzimmer. Also bin ich mitgefahren, und wir sind 1949 über Rom, wo wir ein paar wundervolle Tage verbracht haben, nach Wien gekommen.

In Wien hat meine Mutter eine Wohnung in der Lange Gasse, im 8. Bezirk, gefunden, wo der Jossel zuerst auch sein Büro hatte. Für mich war es furchtbar! Alles war grau, finster und zerstört. Gott sei Dank war mein Cousin Otto schon in Wien und hat mich überall hin mitgenommen. So habe ich auch bei den jüdischen Hochschülern und bei Ausflügen auf die Hakoahhütte [11] am Semmering langsam ein paar Freunde gewonnen.

Ich habe mich dann beim Raimundtheater als Tänzerin beworben und wurde genommen. Leider wurde diese Produktion nach relativ kurzer Zeit wieder eingestellt. Ich habe dann ein Engagement bei einer italienischen Revue bekommen und bin vier Jahre mit dieser Truppe durch Italien getourt. Als sie dann einen Auftrag in Kairo hatten, bin ich nicht mehr mitgefahren und bin nach Wien zurückgekommen.

Mein Vater ist 1951 auch nach Wien gekommen und hat mit seiner Schwester Olga einen Nylonstrumpfimport betrieben. Er hat dann noch seine Freundin aus Israel nach Wien geholt und sie geheiratet. Er ist 1983 in Wien gestorben. Meine Mutter starb am 25. Mai 1991 in Wien.

Ich bin in Wien ein bisschen in der Luft gehangen, wusste nicht so recht, nachdem das Tanzen jetzt vorbei war, was ich tun soll. Da habe ich 1954 beim Ball Parée [Ball der jüdischen Hochschüler] den Moritz Leder kennen gelernt. Wir sind ein paar Wochen miteinander gegangen, und dann hat er mich gefragt, ob ich ihn heiraten möchte. Die große Liebe war es nicht, aber alle meine Freundinnen waren auch schon verheiratet, und in der Lange Gasse mit meiner Mutter und Jossel wohnen war sehr eng. So habe ich zugestimmt, und im Dezember 1955 wurde schon meine Tochter geboren. Sie musste nach der verstorbenen Schwester meines Mannes, die Frimme Malke hieß, einen Namen mit F bekommen. Und darum heißt sie Felicitas.

Moritz kam aus Banila in der Bukowina [Anm: bis 1918 Österreich-Ungarn] und hatte noch zwei Brüder, die in Mailand lebten. Die Brüder haben ihm Teppiche und Vorhänge aus Italien geschickt, und er hat die Teppiche und Vorhänge in Wien an die Russen verkauft. Davon haben drei Familien sehr gut gelebt. Meine Ehe lief nicht, wir waren einfach zu verschieden. Nachdem die Russen weg waren, lief auch das Geschäft nicht mehr. Als Felicitas zwei Jahre alt war, haben wir uns scheiden lassen, und Moritz ging nach Brasilien, um sich dort eine Existenz aufzubauen.

Meine Mutter hat immer mit der Elsa Slataper Bridge gespielt, und die hatte einen Neffen - Peter Scheuer. Die beiden haben versucht, uns zusammenzubringen. Das ist ihnen auch gelungen, und wir haben im März 1961 geheiratet. Peter wurde am 3. Mai 1921 in Innsbruck geboren und hat gemeinsam mit dem Ackermann eine Handelsfirma betrieben. Sie haben mit Kunstdärmen für Würste gehandelt.

Im Dezember kam schon meine Tochter Ellen, die nach der als Kind verstorbenen Schwester meines Mannes benannt wurde, zur Welt. Im Sommer vor Ellens Geburt haben wir einen zweiwöchigen Urlaub in Italien gemacht. Als wir zurückkamen, erfuhren wir, dass mein erster Mann mit seinem Bruder in Wien war, um unsere Tochter Felicitas zu sehen. Da wir nicht da waren, sind sie wieder zurückgefahren und hatten einen Autounfall, bei dem Moritz tödlich verunglückte.

Es gab dann kaum Kontakt zu der Leder Familie, obwohl der Älteste, Max Leder, wieder nach Wien übersiedelte. Wir haben auch den Namen von Felicitas auf Scheuer ändern lassen. Zur Hochzeit von Felicitas mit Böhmer kamen sie und haben ihr ein sehr großzügiges Geschenk gemacht. Diese Ehe ging auch nicht so gut, und sie haben sich scheiden lassen, aber ich habe immerhin 1980 mein erstes Enkelkind Janine bekommen. Felicitas arbeitet seit langem für Israel Bonds [Anm.: Eine dem israelischen Finanzministerium unterstehende Organisation].

Ellen hat in den frühen 1980er-Jahren Charly Weiss geheiratet, und 1985 wurde Julian geboren. Ellen handelt - wie mein Mann früher - mit Kunstdärmen.

Ich blicke jetzt zufrieden zurück und habe viel Freude mit meinen Töchtern und Enkelkindern.

Glossar

[1] Schabbat, Schabbes [hebr.: Ruhepause]: Der siebente Wochentag, der von Gott geheiligt ist, erinnert an das Ruhen Gottes am siebenten Tag der Schöpfungswoche. Am Schabbat ist jegliche Arbeit verboten. Er soll dem Gottesfürchtigen dazu dienen, Zeit mit Gott zu verbringen. Der Schabbat beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend.

[2] Jom Kippur: der jüdische Versöhnungstag, der wichtigste Festtag im Judentum.
Im Mittelpunkt stehen Reue und Versöhnung. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten.

[3] Misrachi

[4] Affidavit: Im anglo-amerikanischen Recht eine schriftliche eidesstattliche Erklärung zur Untermauerung einer Tatsachenbehauptung. Die Einwanderungsbehörden der USA verlangen die Beibringung von Affidavits, durch die sich Verwandte oder Bekannte verpflichten, notfalls für den Unterhalt des Immigranten aufzukommen.

[5] Seder [hebr.: Ordnung]: wird als Kurzbezeichnung für den Sederabend verwendet. Der Sederabend ist der Auftakt des Pessach-Festes. An ihm wird im Kreis der Familie (oder der Gemeinde) des Auszugs aus Ägypten gedacht.

[6] Anschluss: Der Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich. Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Schuschnigg am 11. März 1938 besetzten in ganz Österreich binnen kurzem Nationalsozialisten alle wichtigen Ämter. Am 12. März marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Mit dem am 13. März 1938 verlautbarten ‚Verfassungsgesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich‘ war der ‚Anschluss‘ de facto vollzogen.

[7] Novemberpogrom: Bezeichnung für das [von Goebbels organisierte] ‚spontane‘ deutschlandweite Pogrom der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Im Laufe der zynisch als ,Kristallnacht’ bezeichnete Pogrom, wurden 91 Juden ermordet, fast alle Synagogen sowie über 7000 jüdische Geschäfte im Deutschen Reich zerstört und geplündert, Juden in ihren Wohnungen überfallen, gedemütigt, verhaftet und ermordet

[8] Patria: Jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und Polen, hatten bereits eine Odyssee hinter sich, als sie im Spätherbst 1940 den Hafen von Haifa erreichten. Nach wochenlanger Fahrt durch das Schwarze Meer und den Bosporus, erreichten drei Schiffe im Spätherbst 1940 nacheinander den Hafen von Haifa. Als am 24. November die ‚Atlantik’ als letztes der drei Schiffe ankam, befanden sich die Passagiere der ‚Pazifik’ und der ‚Milos’ bereits auf der ‚Patria’. "Unter Quarantäne", wie man sagte. Sehr bald stellte sich jedoch heraus, dass die Briten die unwillkommenen Ankömmlinge nach Mauritius im Indischen Ozean deportieren wollten. Um die Verschleppung ihrer Kameraden zu verhindern, schmuggelte die jüdische Widerstandsgruppe Haganah Sprengstoff an Bord der ‚Patria’. Das Schiff sollte seeuntüchtig gemacht werden. Am 25. November 1940 morgens gegen neun Uhr erschütterte eine gewaltige Explosion den Hafen von Haifa. Die Haganah hatte die Menge des Sprengstoffs falsch berechnet. Bei der Explosion, die die ‚Patria’ in die Luft jagte, und dem anschließenden Schiffbruch, verloren cirka 270 Menschen ihr Leben.

[9] Haganah [hebr. 'Verteidigung]: 1920 gegründete zionistische Militärorganisation in Palästina während des britischen Mandats [1920-1948], die Juden vor arabischen Überfällen schützen sollte. Die Hagana unterstand der Histadrut [Gewerkschaft]. Sie wurde so zum Vorläufer der israelischen Armee, in der sie nach der Staatsgründung aufging.

[10] Folke Bernadotte Graf von Wisborg [1895 - 1948] war ein schwedischer Offizier. Von 1943 bis 1948 war er Vizepräsident und später Präsident des Schwedischen Roten Kreuzes. 1948 wurde er Vermittler der Vereinten Nationen in Palästina und im selben Jahr Opfer der jüdischen Untergrundbewegung Lechi, die während der britischen Mandatszeit existierte.

[11] Hakoah [hebr.: Kraft]: 1909 in Wien gegründeter jüdischer Sportverein. Bekannt wurde vor allem die Fußballmannschaft [1925 österreichischer Meister]; der Verein brachte auch Ringer, Schwimmer und Wasserballer hervor, die internationale und olympische Titel errangen. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich wurden die Spielstätten beschlagnahmt und der Verein 1941 verboten.

 

Interview details

Interviewte(r): Trude Scheuer
Interviewt von:
Artur Schnarch
Monat des Interviews:
März
Jahr des Interviews:
2002

HAUPTPERSON

Trude Scheuer
Geburtsjahr:
1930
Geburtsort:
Wien
Geburtsland:
Österreich
Beruf
nach dem 2. Weltkrieg:
Tänzerin
Familiennamen
  • Vorheriger Familienname: 
    Barchelis
    Jahr der Namensänderung: 
    1954
    Grund der Namensänderung: 
    Heirat
  • Vorheriger Familienname: 
    Leder
    Jahr der Namensänderung: 
    1961
    Grund der Namensänderung: 
    Heirat

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