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Die Großmutter hieß Rachel. Sie hatte mit meinem Großvater Jacob zwei Töchter: Sarah, meine Mutter, die 1888 in Kimpolung geboren wurde und Regina, die Schwester meiner Mutter. Der Großvater hatte als Verwalter von dem Casino sehr viel mit Christen zu tun. Die Beamten in der Bukowina wurden aus Wien geschickt. Österreich war ja ein riesiges Land - von Wien über Budapest, Klausenburg [heute: Cluj-Napoca, Rumänien], Czernowitz [heute Ukraine] bis nach Lemberg [heute Ukraine] hinauf. Die Beamten von Wien bis Lemberg waren größtenteils Österreicher, aber nicht Juden; die Juden waren hauptsächlich Kaufleute. Mit diesen österreichischen Beamten hat mein Großvater die ganze Zeit zusammen gearbeitet. Ich glaube, das hat abgefärbt. Ich kann das niemandem sagen, man glaubt es mir nicht, aber deshalb waren meine Großeltern wirklich nicht so orthodox religiös. Sie haben alle Traditionen eingehalten, denn wenn man ins Haus hineingegangen ist, gab es Mesusot [9] und es wurden alle Feiertage festlich begangen. Der Großvater hat gedavnt [Anm.: jidd. gebetet], mit dem Tallit [10], und er hat Tefillen [11] gelegt und hat die Kippa [12] getragen.
Interview
Siegfried-Buby Schieber