Sylvia Segenreich

Sylvia Segenreich als Gast im ParlamentWien, Österreich

 

Sylvia Segenreich
Wien
Österreich
Datum des Interviews: Mai 2002/ Dezember 2007
Name des Interviewers: Artur Schnarch/ Tanja Eckstein


Ich habe mit Sylvia Segenreich einen spannenden und effizienten Nachmittag verbracht. Sie ist mit ihren 76 Jahren voller Energie und Lebenslust und hat mir in ihrer eleganten Innenstadtwohnung ihr Leben erzählt. Sie spricht sehr schnell, hat ein hervorragendes Erinnerungsvermögen und hat die Geschichte durch viele Anekdoten sehr bereichert. Sie hat mit ihrer Lebendigkeit den zwischen uns bestehenden Generationssprung vergessen gemacht, und wir haben ganz natürlich, ohne es groß besprechen zu müssen, zum Du-Wort gefunden [A.S.]

Ich wurde 1926 in Czernowitz, in der Bukowina [1], geboren. Bis 1918 hat Czernowitz zu Österreich-Ungarn gehört. Meine Eltern waren also alte Österreicher, und sie haben Österreich geliebt. Im Jahre 1918, nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall des Österreichisch-Ungarischen Reiches, kam Czernowitz zu Rumänien, 1940 zu Russland, 1941 wieder zu Rumänien, 1944 wieder zu Russland, und seit 1991 gehört Czernowitz zur Ukraine.

Mein Großvater mütterlicherseits hieß Tobias Schmul, meine Großmutter hieß Rivka Retter. Sie lebten in dem Dorf Bojan [heute Ukraine]. Dort besaßen sie ein größeres landwirtschaftliches Anwesen. Zwischen 1914 und 1918, also während des Ersten Weltkriegs, sind die Großeltern mit ihren Kindern aus der Bukowina nach Wien geflüchtet. Beide Großeltern, väterlicherseits und mütterlicherseits, lebten mit ihren Kindern zu dieser Zeit in Wien, aber sie haben sich noch nicht gekannt. Nach dem Ersten Weltkrieg sind sie wieder in die Bukowina zurück gefahren. Während der Heimkehr ist mein Großvater Tobias an der Spanischen Grippe gestorben. So habe ich ihn nicht kennen lernen können.

Die Großeltern hatten acht Kinder - fünf Söhne und drei Töchter - die alle in Bojan aufwuchsen. Mit diesen Onkel und Tanten bin ich groß geworden. Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahre 1918, sind die meisten von ihnen nicht mehr nach Bojan zurückgegangen, sondern sind in Czernowitz geblieben. Auch die Großmutter ist, da mein Großvater gestorben war, in Czernowitz geblieben. Zwei der Söhne - Hermann und Moses - haben das Gut in Bojan weitergeführt. Aber dann haben sie es sich geteilt und Moses hat sich in Rarancia 8heute Ukraine], einer Ortschaft nahe Czernowitz, ein Gut gekauft. Ich war als Kind oft in Bojan und Rarancia liegt nicht weit entfernt.

Onkel Hermann, der das Gut in Bojan besaß, war verheiratet mit Tina Retter, die eine Cousine mütterlicherseits war. Er hatte viele Angestellte auf dem Gut. Während der Woche war er in Bojan, und an den Wochenenden war er meistens in Czernowitz bei seiner Familie. Die Töchter Miriam und Sidonie leben noch heute in Tel Aviv [Israel]. Sie haben den Holocaust in Transnistrien [2] überlebt und sind total paralysiert zurückgekommen. Eine kann sich bis heute kaum bewegen, obwohl soviel Zeit seit dem Holocaust vergangen ist. Beide waren nie verheiratet und haben auch keine Kinder.

Onkel Moses war mit Tante Frieda verheiratet. Sie hatten einen Sohn und eine Tochter. Beide leben heute in Israel. Der Sohn heißt Tobias, nach dem Großvater, aber in Israel heißt er Tuvie. Er heißt auch nicht mehr Schmul, sondern Schmueli. Die Tochter heißt Rosa. Tobias lebt in Rechovot und Rosa lebt in Ramat Gan. Tobias ist genau so alt wie ich und Rosa ist 2 oder 2 ½ Jahre jünger als ich. Tobias hat drei Söhne, die schon in Israel geboren wurden und die alle verheiratet sind. Rosa hat zwei Söhne, die auch in Israel geboren wurden und die auch verheiratet sind. Die Großmutter, der Moses und meine Familie haben in der Morgenbesser Gasse, auf Rumänisch hieß sie Dobrogie Gasse, gewohnt. Moses hatte seiner Mutter nach dem Tod des Großvaters ein kleines Haus gebaut, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1934 gelebt hat. Ich habe sie oft besucht, weil wir in derselben Gasse gewohnt haben. Während des Krieges waren Moses und Herrmann mit ihren Familien in Transnistrien, in den Orten Mogilev und Djurin. Das waren Arbeitslager. Der Onkel Hermann ist in Mogilev gestorben. Der Moses ist mit seiner Frau Frieda und mit beiden Kindern im Jahre 1944, als es möglich war, Transnistrien zu verlassen, nach Czernowitz zurückgekommen. 1945 ist es ihm gelungen, nachdem die Russen das zweite Mal nach Czernowitz einmarschierten, mit seiner Frau und seiner Tochter nach Rumänien zu flüchten. Er war nicht mehr der Jüngste und ist mit seiner Familie nach Israel eingewandert. Dort sind er und seine Frau gestorben.

Der Oswald war der Älteste, er war Rechtsanwalt und mit einer Cousine mütterlicherseits, der Geburtsname der Cousine war Retter, verheiratet. Ihren Vornamen habe ich vergessen, denn ich habe sie nicht persönlich gekannt. Auch den Oswald habe ich nur ein Mal gesehen, denn er kam einmal zu Besuch nach Czernowitz, als die Großmutter Rivka noch lebte. Das war in den 1930er Jahren. Die älteste Tochter Miriam wurde 1913 geboren. Als sie noch ganz klein war, während des 1. Weltkriegs, ist die Familie wie alle anderen nach Wien geflüchtet. Der Sohn Paul wurde in Wien geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg sind sie aber nicht mehr nach Czernowitz zurückgekommen, sondern sind nach Prag gegangen, wo Onkel Oswald Richter wurde. Bis 1938 haben sie in Prag gelebt. Alle, außer Paul, wurden während des Holocaust ins Ghetto Theresienstadt [3] deportiert. Paul ist, als die Deutschen 1939 die Tschechoslowakei überfielen, nach England geflüchtet und dann weiter nach Palästina. In Palästina war er in der Britischen Armee und kam gleich nach dem Krieg, noch in Uniform, nach Prag zurück, um seine Familie zu suchen. Er hatte die Hoffnung, sie zu finden, aber sie waren tot. Nur Miriam hat den Krieg überlebt. Sie war mit einem Nichtjuden verheiratet, trotzdem war sie auch im Ghetto Theresienstadt. Ich habe ihren Mann gekannt, er war ein sehr anständiger Mensch. Sie hatten eine Tochter Susi, die schon gestorben ist und zwei Söhne, der ältere Sohn hieß Paul. Eine Tochter lebt in Australien, sie ist auch mit einem Nichtjuden verheiratet, Paul ist vor zwei Jahren in Tschechien gestorben, der jüngere lebt in Tschechien. Mein Cousin Paul hat in England Medizin studiert und lebt in Australien.

Der nächste Bruder meiner Mutter war der Hermann. Er hatte im Jahre 1912 oder 1913, ich weiß nicht genau wann, mit so einer Art Traktor einen Unfall, und ein Fuß musste ihm amputiert werden. Als die Russen im Ersten Weltkrieg in die Bukowina kamen, das war im Jahre 1914, ist Hermann beim Gut geblieben, weil er gesagt hat, dass jemand drauf aufpassen muss. Der jüngste der Brüder, der Josef, hat daraufhin gesagt: ich lasse ihn nicht allein und blieb bei ihm. Als die Russen kamen, wurden sie beide nach Russland verschleppt. Ich weiß nicht, wo sie dort waren, ich weiß nur, dass man sie getrennt hat. Der Josef arbeitete in einer kleinen Stadt in einem Textilgeschäft, und der Hermann, er hatte eine Beinprothese, hat bei einem Bauern gearbeitet. Die zwei haben nicht gewusst, wo der andere sich aufhält. Das hat man mir so erzählt, ich kann es nur so weitererzählen. In das Textilgeschäft, in dem der Josef gearbeitet hat, kam eines Tages ein Bauer vom Land und wollte dieses und jenes kaufen. Er kannte den Inhaber des Geschäftes und fragte ihn, wer denn der Josef sei. Der antwortete, das sei ein Flüchtling oder so etwas Ähnliches - aber ein sehr braver Bursch. Und der sagte, so einen habe er auch, der sei auch brav und anständig, aber leider fehle ihm ein Fuß. Das hörte der Josef, und er fragte den Bauern, wie sein Angestellter heiße. So haben sich die Brüder wieder gefunden. Nach dem Krieg konnten sie wieder in die Bukowina zurück. Hermann war nicht verheiratet und hat wahrscheinlich in der Landwirtschaft mitgearbeitet. Der Josef ist im Jahre 1929, da war die Rezession, nach Amerika ausgewandert. Er ging nach Philadelphia, und in Philadelphia hat er sich in der Juwelenbranche ein Imperium erarbeitet. Er war ein sehr guter Mensch und hat vielen Familienmitgliedern finanziell geholfen. Einmal habe ich es gesehen, dieses Imperium. Das war Ende 1961. Meine Schwester hat damals in New York gelebt. Ich habe sie besucht, und wir sind zusammen zu unserem Onkel Josef nach Philadelphia gefahren. Ich habe mir gedacht, ein Millionär, der wird sonst wie angezogen sein, aber er trug noch seine Schuhe aus Czernowitz, und auch der Anzug sah eher bescheiden aus. Er war damals Ende 50, er war 1902 oder 1903 geboren. Seine Frau, eine Amerikanerin, hat ihn herum kommandiert. Sie hatten einen Sohn. Irgendwann habe ich dann gehört, dass Onkel Josef gestorben ist.

Der jüngste der Brüder war der Rudolf. Er hat lange Zeit mit seiner Mutter zusammengelebt, daran erinnere ich mich noch. Er hatte eigentlich keinen richtigen Beruf. Ich weiß nicht warum, aber während des Ersten Weltkriegs, war er noch ein kleines Kind. Als der Vater gestorben ist, ist er bei der Mutter geblieben. Mein Vater hat ihn dann zu uns ins Geschäft genommen. Dann hat er Charlotte aus Bessarabien geheiratet, und sie hatten eine Tochter Rivka. Sie wurden alle auch nach Transnistrien verschleppt, und mein Onkel Rudolf ist dort gestorben. Die Frau und die Tochter sind zurückgekommen und sind dann nach Israel emigriert. Charlotte ist in Israel gestorben. Rivka hat sich von der ganzen Familie abgesondert. Als ich die ersten Male nach Israel gefahren bin, habe ich sie noch jedes Mal gesehen. Dann hatte sie einen neuen Lebensgefährten und ist verschwunden. Nicht ein Mal die Familie weiß, wo sie ist. Sie hat sich vollkommen zurückgezogen.

Jetzt kommen die drei Schwestern meiner Mutter: Die Älteste war die Jetti. Sie war verheiratet mit Isaak Herzig, der Angestellter einer Zuckerfabrik war. Sie haben in Czernowitz gelebt und hatten zwei Kinder, eine Tochter Thea und einen Sohn Friedl. Thea war sechs Jahre älter als ich, und Friedl war zwei Jahre jünger als ich. Er war leider körperlich behindert. Er hatte ein normales Gesicht, aber einen sehr großen Kopf, zu kurze Hände und zu kurze Beine. Er war sehr gescheit, er hat sogar das Lizeum besucht. Isaak Engler hat Transnistrien nicht überlebt, Jetti und die beiden Kinder sind nach dem Krieg nach Palästina emigriert. Thea ist Mitte der 1990er-Jahre gestorben, Friedl ist auch schon gestorben.

Die zweite Schwester war die Mali, Malza wurde sie gerufen. Sie war verheiratet mit Artur Dawer aus Polen. Aus welcher Stadt in Polen er kam, weiß ich nicht. Sie haben auch in Czernowitz gelebt und besaßen ein elegantes Herrenkonfektionsgeschäft in der Hauptstraße. Drei seiner Brüder haben auch in Czernowitz gelebt und besaßen zusammen eine Herrenhutfabrikation. Seine Mutter hieß Sylvia und war schon gestorben, und ich wurde nach ihr benannt, weil meine zwei Großmütter noch gelebt haben, und die Dawer Nachkommen lauter Buben waren. Meine Mutter hat mir erzählt, dass, wenn wir, als ich noch ein Kind war und die Familie des Onkels getroffen haben, sie zu mir gesagt:  Mamale, Mamale! Sie haben Mamale zu mir gesagt, weil ich denselben Namen wie ihre Mutter hatte! Den Krieg haben sie mit ihren Söhnen Martin und Friedrich in Transnistrien überlebt. Dann sind sie nach Czernowitz zurückgegangen, als die Russen wieder nach Czernowitz kamen, nach Rumänien geflüchtet und dort haben sie eine zeitlang gelebt. Artur ist in Rumänien gestorben. Das war in den 1950er Jahren, ich kann das nicht genau sagen. Malza ist dann mit ihren Söhnen nach Israel emigriert. Martin war in Haifa Arzt, jetzt ist er schon in Pension. Er ist verheiratet mit einer Ärztin, die auch aus der Bukowina stammt. Sie haben eine Tochter, die auch Ärztin ist. Friedrich lebt in Tel Aviv. Er ist verheiratet, hat aber keine Kinder.

Meine Mutter hieß Sophie Schmul. Ich glaube, sie wurde 1897 oder etwas früher geboren. Ich weiß das nicht so genau, weil sie sich immer ein bisschen jünger gemacht hat. Sie hat immer gesagt, sie sei 1900 geboren, aber eine Tante hat mir gesagt, dass das nicht stimmt. Ist ja auch egal! Meine Mutter ist wie ihre Geschwister in Bojan geboren, im Jahre 1914 mit der Familie nach Wien geflüchtet und im Jahre 1918 wieder nach Czernowitz zurückgegangen. Mein Vater war mit ihrem Bruder, dem Moses, befreundet. So sind sie zusammengekommen. Mein Vater hieß Pinkas Paul Engler.

Die Familie meines Vaters besaß eine Eisfabrik in Czernowitz. Die Englers waren eine bekannte Familie. Wenn man mit Czernowitzer Leuten meiner Generation spricht, dann kennen sie alle die Familie Engler. Mein Großvater hieß Feiwel Engler und meine Großmutter hieß Minna Engler, geborene Heier. Eine Schwester der Großmutter habe ich noch gekannt. Ich glaube, sie hieß Rachel. Sie hat in Czernowitz gelebt und war schon sehr alt, älter als meine Großmutter. Ich habe sie nur so sitzen gesehen, ein - oder zweimal habe ich sie gesehen.

Meine Großeltern besaßen in Czernowitz eine Eisfabrik und Eiskellereien. Mein Großvater war ursprünglich, das wurde mir erzählt, Spengler von Beruf. Als er bereits verheiratet war, die älteste Tochter Fanny war schon geboren, ist er nach New York gefahren. Das war damals so ein Trend: man fuhr nach Amerika, um Geld zu machen! Nach einem Jahr hat die Großmutter, sie war eine sehr schöne Frau, gesagt: er lebt dort, ich lebe hier, und sie hat ihre Tochter, die noch klein war, bei ihren Eltern gelassen und ist ihm nach Amerika hinterher gefahren. Der Großvater war ein Arbeitstier und auch so ein bisserl ein geiziger Mensch. Die Großmutter hat in Amerika dann auch ein wenig gearbeitet. Sie hat nähen können, aber sie wollte auch leben und hat sofort einen Bukowiner Club gegründet. Der Großvater hat dann gesagt: ich bin nach Amerika gekommen, um Geld zu machen und nicht, um Geld auszugeben. Irgendwann hat die Großmutter zum Großvater gesagt: Feiwel, wann wirst du mit mir nach Hause gehen? Ich will nach Hause zurück, ich werde keine Zähne mehr haben, wenn wir nach Hause gehen. Wir haben genug Geld, wir werden damit etwas aufbauen können. So haben sie begonnen. Sie haben in Czernowitz ein Haus und die Fabrik gebaut und langsam, langsam haben sie sich emporgearbeitet. Die Großeltern hatten in meiner Zeit einen großen Hof, auf dem vier Häuser, die Eisfabrik und die Eiskellereien standen. Als der Großvater 1929 gestorben ist, ist die Großmutter in ihrem Haus wohnen geblieben.

In den Eiskellereien wurde Natureis gelagert, das man im Winter vom Prut [Fluss] herausgeschnitten hat und das im Sommer verkauft wurde. Das Eis wurde im Winter, wenn man es gebracht hat, von Maurern bearbeitet, denn das Natureis war natürlich nicht gerade. Es wurde zerhackt, und aus dem zerhackten Eis entstanden Blöcke. Die wurden so bearbeitet und gelagert, dass keine Luft zwischen ihnen entstehen konnte. So hat es besser gehalten. Im Sommer sind die Arbeiter schon um vier Uhr in der Früh in die Eiskellerei gekommen, haben die Eisblöcke abgeklopft, und so wurde es verkauft. Im Sommer wurde in der Eisfabrik auch chemisch Eis erzeugt. Das waren dann viereckige Eisblöcke. Ich glaube, als ich nach Wien kam, habe ich hier auch solche Eisblöcke gesehen. Es gab ein Gesetz, dass die Fleischhauer nur das chemisch hergestellte Eis, also die Blöcke, zum Kühlen des Fleisches benutzen durften. Das Natureis hat zwar länger gehalten als diese Blöcke, aber aus hygienischen Gründen durfte das Fleisch nicht nur auf dem Natureis gehalten werden. Aber das chemisch hergestellte Eis wurde oft von den Fleischhauern mit dem Natureis gemischt. Man nahm ein bisserl von dem und ein bisserl von dem.

Mein Vater war an der Fabrik des Großvaters beteiligt, hatte sich aber auch mit einer eigenen Eiskellerei selbstständig gemacht. Wir hatten auch Ställe für unsere Pferde - es waren zwischen 20 oder 30 Pferde. Und wir hatten einige Kühe. Das Eis wurde auf den Pferdewagen jeden Tag zu den Kunden - Fleischhauern, Hotels, auch private Abnehmer waren fixe Kunden - transportiert.

Wir hatten viele Angestellte. Das waren Arbeiter vom Land, hauptsächlich Ruthenen. Sie waren jahrelang bei uns beschäftigt. Im Winter wurde kein Eis gebraucht, da haben unsere Pferdewagen aus Bessarabien Alkohol für die Likörfabrik in Czernowitz transportiert - Peres hieß die Fabrik oder der Inhaber hieß Peres, das weiß ich nicht mehr. Und im Herbst und im Frühjahr transportierten die Pferdewagen meines Vaters Baumaterial für Baufirmen. Die Arbeiter waren also das ganze Jahr beschäftigt. Sie hatten über den Stallungen Zimmer, wo sie wohnten. Zu den Feiertagen, zum Beispiel zu Weihnachten, sind deren Familien zu uns gekommen, um mit ihnen gemeinsam zu feiern.

Die Fanny, das älteste Kind der Großeltern, lebte in Czernowitz und hat einen Herrn Rippel geheiratet. Sie hatten zwei Söhne Schnoppi, den richtigen Namen weiß ich nicht, so wurde er genannt und Louis. Er hatte eine Goldschmiedelehre in Czernowitz gemacht. Der Herr Rippel ist zwischen Argentinien und Czernowitz gependelt, er ist oft hin und hergefahren. Dann ist der Louis auch nach Argentinien, nach Buenos Aires, zum Vater gefahren und die Fanni ist ihnen gefolgt. Sie ist aber wieder nach Czernowitz zurückgekommen, das ist so ein ‚a hin und a her’ gewesen. Dann waren schlechtere Zeiten in der Bukowina, und sie ist mit dem Schnoopi in Argentinien geblieben, ich habe sie nie wieder gesehen. Aber der Louis war Anfang der 1950er-Jahre, als meine Eltern noch lebten, mit seiner Frau zu Besuch in Wien. Er ist auch oft nach Israel gefahren, aber sie leben alle nicht mehr.

Als nächstes Kind der Großeltern kam die Berta. Sie hat Leon Lutwak geheiratet. Sie hatten in Czernowitz, in der Tempelgasse, ein bekanntes Delikatessengeschäft. Damals importierte man schon Spezialitäten aus dem Ausland. Das war wirklich ein herrliches Geschäft! Die Tochter Sylvia ist leider schon im Alter von 20 Jahren in Czernowitz gestorben. Sie war krank, ich glaube, sie hatte Leukämie. Die Berta und der Leon wurden 1941 nach Transnistrien deportiert. Sie haben den Holocaust überlebt und sind nach Czernowitz zurückgekommen. Als die Russen das zweite Mal nach Czernowitz kamen, sind sie nach Bukarest geflüchtet. Dort habe ich sie wieder gesehen. Sie sind dann nach Argentinien zur ältesten Schwester Fanny gefahren und dort geblieben. Beide sind dort gestorben.

Die nächste Schwester war die Jetti. Sie hat den Moses Horowitz geheiratet. Moses Horowitz stammte nicht aus der Bukowina, sondern aus Rumänien. Aber sie haben in Czernowitz gelebt. Sie hatten einen Sohn, den Otto. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Otto in Italien auf eine Marineschule. Als Mussolini begann mit Hitler anzubandeln, ist Otto nach Bukarest [Rumänien] gegangen. Er hat in Bukarest in einer großen Fabrik irgendetwas gearbeitet und sich mit der Tochter des Inhabers der Fabrik verlobt. Sie wollten heiraten, aber 1940 sind die Russen [Juni 1940 bis Sommer 1941 besetzte die sowjetische Truppen Czernowitz] nach Czernowitz gekommen. Otto hat seine Eltern dringend gebeten, zu ihm nach Bukarest zu kommen, aber sein Vater hat gesagt, dass er zuerst alles liquidieren und verkaufen will. Da ist Otto nach Czernowitz gefahren, um seine Mutter zu holen. Damals konnte man am Anfang, als die Russen gekommen sind, noch ein bissel hin und herfahren. Aber als er mit seiner Mutter nach Bukarest fahren wollte, hatten die Russen schon alles abgesperrt. Sie kamen nicht mehr hinaus. Da hat Otto einem Grenzposten sehr viel Geld bezahlt, damit er sie über die Grenze bringt, aber der hat sie direkt zum NKWD [4] gebracht. Sie wurden verhaftet und nach Sibiren geschickt. Die Tante hat überlebt, aber Otto ist dort gestorben. Schrecklich, der Junge ist dort gestorben! Die Tante Jetti hat nach dem Krieg ihren Mann, den Moses, wieder gefunden. Sie sind dann beide zu den Schwestern nach Argentinien geflüchtet.

Netti, die nächste Schwester war verheiratet mit Herrn Kraft. Ich habe beide nur aus Erzählungen gekannt, denn 1927 oder 1928 sind sie nach Argentinien gegangen.
Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie mich adoptieren und mitnehmen wollten, weil sie keine Kinder bekommen konnten. Aber wer gibt ein Kind weg? Ich habe sie nicht gesehen, denn ich war nie in Argentinien. Jetzt sind sie natürlich schon lange tot.

Salo Engler, also der Bruder meines Vaters, war verheiratet mit Paula Hoch. Sie hatten eine Tochter, die Miriam, die jetzt in Israel lebt. Der Salo ist sehr jung gestorben, 1933 glaube ich. Ich war damals noch ein Kind. Die Paula hatte er in Czernowitz kennen gelernt. Salo hat in der Eisfabrik gearbeitet. Drei Brüder, Salo, Pinkas, Isidor und die Großmutter waren Besitzer der Eisfabrik. Mein Vater hatte sich separat eine Eiskellerei und das Transportgeschäft eröffnet. Als der Salo gestorben ist, war seine Tochter drei oder vier Jahre alt. Er hatte leider Leukämie. Sie sind auch wegen der Leukämie nach Wien gefahren, aber es hat nichts geholfen. Tante Paula und Miriam sind 1941 auch nach Transnistrien deportiert worden. Sie haben überlebt und sind im Jahre 1944 nach Czernowitz zurückgekommen, wie die Russen gekommen sind sie nach Palästina emigriert.

Der jüngste Bruder war der Isidor. Isidor war auch einer der Mitbesitzer der Eisfabrik des Großvaters. 1941 wurde er auch nach Transnistien deportiert. Er hat spät, nach dem Krieg, Mania Kuppermann geheiratet. Sie hatten keine Kinder. Als die Russen wieder nach Czernowitz kamen, sind sie mit meiner Großmutter vor den Russen aus Czernowitz nach Jassi, in Rumänien, geflüchtet. Meine Großmutter ist in Jassi gestorben. Ich glaube, 1958 sind mein Onkel und seine Frau dann aus Jassi nach Wien geflüchtet und wollten weiter nach Israel emigrieren. Aber Mania wollte nicht in Israel leben. Sie hatte einen wohlhabenden Bruder in New York, und sie wollte zu ihrem Bruder. Einige Zeit haben sie in Wien gelebt, dann sind sie nach New York gefahren. Ich weiß nicht, was Isidor in Amerika gemacht hat. Er war wahrscheinlich irgendwo angestellt. Beide sind schon lange tot.

Meine Eltern haben 1922 in Czernowitz geheiratet und 1923 ist mein Bruder geboren. Der deutsche Name meines Bruders war Theobald, im jiddischen hieß er Tuwie, nach dem Vater meiner Mutter, der 1918 an der Spanischen Grippe gestorben war. Theobald ist ein ganz deutscher Name, meine Mutter war so eine bewusste Österreicherin, sie liebte aber auch alles deutsche, zum Beispiel die Literatur. Als ich ein Kind war, ist es einige Male passiert, dass meine Mutter geweint hat. Da sagte ich: Mama, was ist los, was ist geschehen? Da sagte sie: Heute ist der Todestag von Kaiser Franz Josef. Da sage ich: Das trauerst du?
Und sie sagte: Das kannst du nicht verstehen, er war wie unser Vater. Und meine Mutter war keine primitive Frau! In unserer Bibliothek standen Bücher von Schiller, Goethe und viele andere deutschsprachige Schriftsteller, die sie gelesen hat. Sie ist, gesessen und hat gelesen. Und meine Eltern hatten natürlich Zeitungen abonniert. Das war damals das ‚ Morgenblatt’, das ‚ Abendblatt’ und die ‚Allgemeine Zeitung’. Das waren rumänische Zeitungen. Wenn eine Zeitung ist gekommen, hat sie die Zeitung genommen und ist ins Zimmer gegangen, und man durfte sie nicht stören. Meine Mutter war sehr belesen.

Gerufen wurde mein Bruder Theo und nicht Theobald. Als er geboren wurde, haben meine Eltern in der Russischen Gasse eine Wohnung gehabt. Ich bin 1926 in Czernowitz, in der Morgenbesser Gasse, geboren. Das ist der deutsche Name der Strasse, in der wir dann gewohnt haben. Mein jiddischer Name ist Sure, also Sarah. Ich bin schon im eigenen Haus mit einem großen Hof aufgewachsen. Das war dort, wo die Eiskellerei stand. Auch der Fuhrpark hatte dort Platz, es war ein sehr großer Hof.
Als ich klein war, ging ich in einen Kindergarten. Wenn ich vom Kindergarten nach Hause gekommen bin, hat es Mittagessen gegeben, dann habe ich auf der Strasse oder bei uns im Hof gespielt. Der Hof war immer voller Kinder. Mein Vater hatte im Sommer einen Wagen voll Sand für uns Kinder auf den Hof geschüttet, und wir haben dort mit dem Sand gespielt, wie am Strand. In die Volksschule ging ich mit vielen anderen jüdischen Kindern. Ich hatte eine Mitschülerin, die hieß auch Sylvia Engler, wir waren aber nicht verwandt. Wir waren Sylvia Engler Nummer 1 und Sylvia Engler Nummer 2.

Mit unseren Eltern, Onkel und Tanten haben wir Kinder in der dritten Person gesprochen: ‚Wenn die Mama erlaubt‚ wenn der Papa will’… und so weiter. So hat man damals gesprochen. Wir waren so erzogen worden, und wir kannten keine Ausnahmen. Es gab das ‚Du’ nicht. So habe ich auch noch gesprochen, als wir nach dem Krieg in Bukarest lebten und ich schon verlobt war. Meine Tante Berta hat damals auch in Bukarest gelebt. Sie war so ein moderner Typ, und sie hat zu mir gesagt. ‚Sag einmal, ist es nicht an der Zeit, dass du ordentlich zu deinen Eltern sprichst?’ Ich habe gar nicht gewusst, was sie meint! ‚Was meint die Tante’, habe ich sie gefragt. Da sagte sie: ‚Sag nicht: was meint die Tante, sondern was meinst du, Berta. So sollst du zu mir sagen. Und genauso sollst du mit deiner Mama sprechen.’ Ich war es gewöhnt, so mit meinen Eltern, Tanten und Onkel zu sprechen, es war irgendwie so eingefleischt. Aber meine Eltern waren nicht streng, das hatte damit nichts zu tun. Wir hatten ein durchaus warmes, liebevolles Verhältnis miteinander.

Meine Mutter hat viel davon gehalten, armen Menschen zu helfen. Täglich kamen arme Juden zu uns, manchmal auch Christen und Zigeuner, allen hat sie etwas gegeben. Sie hat auch denen geholfen, die nichts verlangt haben, aber von denen sie wusste, dass es ihnen nicht gut geht. Sie hat immer ein ‚offene Tasche’ gehabt.

Meine Familie war religiös. Mein Vater hat Tefillin [5] gelegt und mein Bruder nach seiner Bar Mitzwa [6] auch einige Zeit. Wir haben Pessach gefeiert und ganz traditionell den Seder [7] begangen. Wir lebten streng koscher und wenn das Dienstmädel ein Mal ein Messer, das für milchig war für fleischig benutzt hatte, wurde das Messer sofort draußen in die Erde gesteckt und musste drei Tage in der Erde sein. Mein Vater ist aber nicht dauernd mit einer Kipa [Kopfbedeckung] gegangen. Aber zu den Feiertagen trug er natürlich eine Kopfbedeckung und den Schabbat [8] haben wir auch gefeiert, und da wurde der Kiddusch [9] gesprochen. Manchmal waren wir zu den Feiertagen bei Verwandten , aber meisten sind sie zu uns gekommen, denn in unserem Haus waren so viele Arbeiter, da ist meine Mutter lieber zu Hause geblieben. Am Samstag wurde trotz Schabbat gearbeitet. Was hätte man denn machen sollen? Das wäre ein zu großer finanzieller Verlust gewesen. Zu den Hohen Feiertagen [10] bekamen wir Kinder immer neue Kleider, und die Feiern waren sehr traditionell. In unserer Umgebung gab es ungefähr 15 Schils [jiddisch für Synagogen], es waren viele. Es war sogar in unserer Nähe eine kleine Schil, da hatten wir Plätze, aber zu den Feiertagen sind wir nicht dort hingegangen. Dort war ein Dajan [rabbinischer Richter], nicht ein Rebbe [jiddisch für Rabbiner]. Zu den Feiertagen wurde die Tombey Halle gemietet. Die war sehr groß, und da sind sehr viele hingegangen. Wir haben nicht im jüdischen Viertel gewohnt, aber meine Großmutter lebte nicht weit vom jüdischen Viertel. Sicher hat man dort Kaftan [traditionelles Kleidungsstück] und Pejes [11] gesehen, auch am Schabbes. Das war alles in der jüdischen Gasse, so hat es geheißen. In den vier Häusern meiner Großmutter haben zwanzig Parteien gewohnt, alle waren Juden. Sie hat nur an Juden vermietet. Da gab es auch ebenerdige Wohnungen, die billiger waren. Da lebten fromme Leute mit sechs, sieben oder acht Kindern. Das habe ich gesehen. Die Männer trugen immer einen Hut, und auch Pejes. Aber sie trugen keine weißen Socken, das waren arme Leute. Die hat man unterstützt! Aber der Oberrabbiner vom Großen Tempel, der Mark, war ein moderner Rabbiner. Der hatte dasselbe Schicksal wie mein Bruder.

Zweimal in der Woche kam ein Melamed [12] zu meinem Bruder und zu mir nach Hause und hat uns Religion und Hebräisch lesen gelehrt. Schreiben nicht. Der Melamed kam zu meinem Bruder und zu mir separat. Ich wollte nicht neben ihm sitzen, weil er so nach Knoblauch gestunken hat. Ich habe immer gesagt: er muss dort sitzen, und ich sitze hier. Er stinkt Mama, er stinkt, ich kann nicht neben ihm sitzen! Aber wir haben gelernt. Mein Bruder hat sich dann vor seinem 13. Geburtstag mit dem Melamed auf seine Bar Mitzwa vorbereitet. Er war 13 Jahre alt, und ich war zehn. Ich weiß, die Bar Mitzwa war in einer Schil, aber ich weiß nicht genau, in welcher. Wir haben dann sehr schön gefeiert, mit der ganzen Familie. Meine Familie war ja sehr groß, wenn alle gekommen sind, väterlicher - und mütterlicherseits, waren das sehr viele Personen. Es waren vierzehn Enkelkinder nur mütterlicherseits. Und die Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen meiner Eltern! Natürlich war das sehr schön.

Meine Mutter hat mitgearbeitet. Im Winter haben wir Kinder sogar mitgearbeitet, die ganze Woche. Wenn das Eis da war, haben wir auch Samstag und Sonntag gearbeitet. Man hat ja nicht gewusst, wann das Eis schmilzt, das konnte ja über Nacht passieren. Es gab warme Strömungen, und dann war es vorbei. Man wusste nie, wie lange der Winter bleibt, und mein Vater wollte so viel wie möglich Eis in seinen Eiskellereien lagern. Es bestand immer der Druck, dass es wärmer werden könnte, und das Eis im Fluss schmilzt. Unsere Pferde mit den Wagen haben das Eis vom Prut gebracht und mein Vater hat auch noch andere Fuhrwerker engagiert, die Eis gebracht haben. Sie haben einen Bon für jede Fuhre bekommen, und wenn mein Bruder und ich aus der Schule kamen, stand meine Mutter draußen mit einer Pelzmütze, denn es war doch schrecklich kalt und hat Bons ausgegeben. Wir haben dann unsere Schultaschen ins Haus geworfen und sind auch gestanden und haben diese Bons ausgegeben. Und mein Vater hat am Ende der Woche dafür bezahlt. Manche Arbeiter von denen haben geglaubt, sie können uns Kinder betrügen. Wenn sie angekommen sind, haben sie einen Bon bekommen und nachher sind sie noch ein Mal gekommen und wollten noch einen Bon. Aber wir waren instruiert: zuerst abladen lassen, und dann erst haben wir die Bons ausgegeben.

Unsere Privatkunden, das waren die, die einen Eiskasten hatten, haben im Sommer gewusst, um welche Zeit das Eis kommt. Sie sind heruntergekommen und haben sich das Eis geholt und es hinauf getragen. Gezahlt haben sie monatlich. Mein Vater kassierte nur die Hotels, Fleischhauer, Gasthäuser und so weiter, ab. Mein Bruder und ich haben die Privatleute abkassiert, denn zu den Wohnungen der Privatkunden herauf laufen, das konnte mein Vater nicht. Wenn wir dann gekommen sind, wollten manche nicht zahlen und haben versucht, uns abzuwimmeln, damit wir ein andermal wieder kommen: kommt morgen, kommt übermorgen! Ich habe dann gesagt: Sie haben das Eis schon bekommen, wollen Sie, dass mein Vater mit mir schimpft, weil ich das Geld nicht bringe? So habe ich kassiert, ich war zehn oder zwölf Jahre alt. Ich hatte einen Block, auf dem stand, wen ich abkassiert hatte und der Kunde hat das unterschrieben.

Die Großmutter haben wir im Winter immer zwischendurch besucht. Wir Kinder sind aber im Winter auch Eislaufen gegangen. Ecke Dr. Reisgasse, Dr. Roth Gasse war der Eislaufplatz. Das Haus beim Eislaufplatz gehörte einem Cousin meiner Mutter, dem Isidor Retter. Für das Benutzen des Eislaufplatzes musste man bezahlen. Auf der Prut konnten wir nicht Eislaufen, denn das war zu gefährlich. Viele sind trotzdem gegangen, aber es sind viele dort auch ertrunken. Damals gab es noch keine Eislaufschuhe, wir haben Kufen an unsere Schuhe geschnallt.

Mein Bruder hat bereits seit seinem 10. Lebensjahr bei der Maccabi Fußball gespielt. Die Fußballmannschaft ist sogar nach Bukarest gefahren und hat gegen Maccabi Bukarest gespielt - Maccabi Czernowitz gegen Maccabi Bukarest. Den Haschomer Hatzair [13] gab es bei uns auch, aber man hat gesagt, das sind die Linken, das sind die Kommunisten.

Die ersten zwei Klassen bin ich in die rumänische Volksschule gegangen, die nächsten zwei Klassen in eine Privatvolksschule, die einen jüdischen Direktor hatte, ihm gehörte die Schule. Er hieß Meisler und die Schule hieß Meislerschule. Alle Lehrer waren Juden. Da war sogar ein Cousin meiner Mutter Lehrer. Er hieß Benno Retter und ist auch in Transnistrien umgekommen. „Onkel Benno“ haben wir immer zu ihm gesagt, ich und der Friedrich Daver, mein Cousin. Wir waren im selben Alter und sind in eine Klasse gegangen, und ein Sohn von einer Cousine meiner Mutter, der Nuti Feuerstein, war auch in derselben Klasse. Am ersten Tag hat uns der Onkel Benno gesagt, dass wir ihn nicht Onkel Benno nennen sollen:’ Hier bin ich nicht euer Onkel Benno, hier bin ich der Lehrer Benno Retter. Wir kennen uns nicht!’ Als ich aus der Schule nach Hause kam, habe zur Mama gesagt: ‚Weisst du, der Onkel Benno war so böse!’ In der ersten Volksschule, das war eine Volksschule mit Öffentlichkeitsrecht, waren auch die meisten Lehrer Juden. Da war die Mutter vom Nuti Feuerstein Lehrerin, mit ihr war die gleiche Geschichte. Für mich war das völlig unverständlich.

Zu Hause haben wir Deutsch gesprochen, aber ich habe auch Rumänisch und Ukrainisch sprechen können, weil wir zu Hause mit den Arbeitern immer Rumänisch oder Ukrainisch gesprochen haben. Meine Eltern haben auch Rumänisch gesprochen, es war aber ein schreckliches Rumänisch, wir haben sie ausgelacht. Mein Rumänisch war gut. Wir wohnten zwar in einem Villenviertel, aber es waren drei Kasernen in der Nähe. Da lebten viele Offiziere mit Kindern, und die Kinder haben Rumänisch gesprochen. Wir haben viel mit den Kindern gespielt. Mit den Arbeitern haben wir Ukrainisch, aber eigentlich war das mehr Ruthenisch gesprochen.

Im Sommer sind wir zum Prut schwimmen gegangen. Da gab es einen Strand, und wir sind mit den Eltern mit zwei Sandläufern, so wurden die genannt, das waren so eine Art gelbe Fiaker mit Gummirädern, und die Pferde waren mit einem speziellen Geschirr ausgestattet, baden gefahren. Meine Mutter hat das Essen mitgenommen und ein Tischerl, und wir haben dort Picknick gemacht, zusammen mit Freunden, manchmal auch mit der Familie. Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich Babys sehr geliebt habe. Einmal beim Prut bin ich verschwunden. Das war eine schreckliche Aufregung! Sie haben mich schon im Wasser gesucht, auch mein Bruder ist herumgelaufen mich suchen. Ich war damals vielleicht drei Jahre alt, mein Bruder war sechs Jahre. Er kam dann auf die Idee, mich dort zu suchen, wo Kinderwagen sind. Und auf einmal sah er einen Kinderwagen und kam gelaufen, da lag ich daneben im Gras und schlief. Ich war müde und bin eingeschlafen.

Ein einziges Mal bin ich mit meiner Mutter, meinem Bruder, meiner Tante Paula und ihrer Tochter Miriam, die jetzt in Israel lebt, zwei Wochen ans Schwarze Meer auf Urlaub gefahren. Damals war ich acht Jahre alt. Wir haben in einem Hotel gewohnt und im Meer gebadet. Mein Vater ist nie auf Urlaub gefahren, weil er durch die Arbeit nicht weg konnte. Um G’tteswillen, man hatte damals keine Zeit, man konnte das Geschäft nicht allein lassen, das gab es nicht! Es waren soviel Arbeiter, die bei uns gewohnt haben, und die Pferde mussten versorgt werden. Mein Vater hat zum Beispiel das Getreide für die Pferde, den Hafer, immer in zwei bis drei sehr großen Wagen beim Großhändler gekauft. Wir hatten zehn riesengroße Magazine. Ein Mal hatte er keine Zeit, den Hafer zu holen, und es war schon wenig da. Nicht weit von uns gab es einen Getreidehändler, Sonntag hieß er. Er war auch Jude. Da hat mein Vater einen Arbeiter und mich zum Herrn Sonntag geschickt. Ich sollte auf die Waage aufpassen. Ich war damals vielleicht sechs Jahre alt. ‚Papa, ich kenn mich doch nicht aus,’ habe ich gesagt. ‚Ich weiß’, sagte mein Papa ‚du brauchst nichts machen. Nur schauen, dass der Herr Sonntag nicht den Fuß hinten auf die Waage stellt, und du musst schauen, dass die zwei Zeiger sich decken. Sonst brauchst du nichts machen.’ Und weil der Papa gesagt hat, ich soll schauen, habe ich geschaut, ob der Herr Sonntag den Fuß hinten auf die Waage legt. Als ich schon älter war, vielleicht zwölf, hat der Herr Sonntag, wenn ich dabei war, wenn das Futter für die Pferde bei ihm gekauft wurde, immer gesagt: ‚Nu Mädele kommst schauen, ob ich die Waage richtig eingestellt habe? Er hat mich sehr gern gehabt, der Herr Sonntag. Das sind so Erinnerungen…

Als ich älter war, bin ich in Czernowitz ins Kino gegangen. Meine Eltern waren nie im Kino, dafür hatten sie keine Zeit. Es gab mehrere Kinos, das ‚Roxi’, das ‚Capitol’, das ‚Savoy’… und wie sie alle geheißen haben. Czernowitz hatte ein eigenes jiddisches Theater, und es sind jiddische Theatergruppen nach Czernowitz gekommen. Wir sind manchmal mit unseren Eltern ins jiddische Theater gegangen, da spielten die großartige Sidi Tal und der Adolf Teffner, daran erinnere ich mich noch.

Nach der Volksschule bin ich ins Gymnasium gegangen. Das war ein privates rumänisches Mädchengymnasium mit Öffentlichkeitsrecht. Der Inhaber war der Professor Hofmann, der auch Jude war, dem hat die Schule gehörte. Vom Staat war eine Direktorin eingesetzt. In meiner Klasse waren 54 Mädels, davon waren 51 Jüdinnen. Damals waren das Riesenklassen! Es gab viele Anwärter auf die Schulen, und weil man Schulgeld zahlen musste, wurde in die Klassen soviel reingestopft, wie es nur ging. Wir hatten dreierlei kleine Bänke, aber wir hatten nicht das Gefühl, dass wir zu viele Kinder in der Klasse sind. Es hat alles funktioniert. Die meisten Professoren waren Juden. Mein Bruder ist auch auf so ein Gymnasium gegangen, aber für Buben. Mädchen und Buben waren damals getrennt.

Im Jahre 1938 ist ein rumänisches Regime an die Macht gekommen, das war die Garde de Fier, die Eiserne Garde. Da begann dann auch schon der Antisemitismus. Viele Freunde meines Bruders aus der Maccabi, die älter als er waren, sind nach Palästina geflüchtet. Mein Bruder ist nach Hause gekommen - ich erinnere mich wie heute - und hat gesagt:
‚Ich will nach Palästina fahren.’ Er war 15 Jahre alt und mein Vater hat sich aufgeregt und zu ihm gesagt: ‚Was hast du in Palästina zu suchen, geht es dir hier schlecht. Ganz allein mit 15 Jahren soll ich dich wegfahren lassen, kommt nicht in Frage, du bleibst mit uns hier! Es wird schon nicht so arg sein.’ Und das hat mein Vater gesagt, obwohl schon viele ehemalige Czernowitzer, die in Wien gelebt hatten, nach dem Einmarsch der Deutschen im März 1938 in Österreich, als Flüchtlinge aus Wien zurückgekommen waren und erzählt haben, was sie erlebt hatten. Aber man hat trotzdem nicht geglaubt, dass es schlimm werden könnte.

Im Jahre 1940 sind dann die Russen gekommen. Zu dieser Zeit war ich im Gymnasium, aber das Gymnasium war eine Privatschule, und die Privatschulen wurden von den Russen aufgelöst. Es wurden zwei jüdische Schulen eröffnet, und ich bin dann in eine russisch jüdische Schule gegangen. In der jiddischen Schule wurde jedes Fach auf Jiddisch unterrichtet. Wir hatten jiddische Bücher, alles war Jiddisch. Es gab aber auch rumänische Schulen, moldawische Schulen haben die geheißen. Mein Bruder ist in die moldawische Schule gegangen, und ich bin in die jiddische Schule gegangen, weil sie nicht so weit entfernt von unserem Haus war. Meine Eltern wollten nicht, dass ich weit gehen muss. Die Russen hatten uns alles weggenommen, die Fabrik, die Eishallen… einfach alles. Alles wurde verstaatlicht. Aber mein Vater war sehr tüchtig. Er hat Pferde und Wagen behalten und für die Bierbrauerei gearbeitet. Er hat Bier transportiert. Er nahm sich jemanden, der ihm geholfen hat, und er hat Steuern gezahlt. Offiziell hat er aber allein gearbeitet. So konnte er wenigstens selbstständig sein. Und er hat sich auch arrangiert mit dem Natschalnik, dem Leiter von einer Fabrik. Das war ein Russe, dem er Geld zugesteckt hat, damit er rechtzeitig und das bessere Bier bekommt, so dass er liefern konnte. Mein Vater hat Geschäfte gemacht, und dann begonnen, Champagner nach Sibirien für reiche Leute zu transportieren. Eines Tages sagte einer von denen zu meinem Vater: du stehst auf der Liste für Sibirien. Mein Vater kam sofort nach Hause, und wir sind weg von zu Hause. Bei den Russen war das so: wenn du eine Zeit nicht da warst, man hat dich nicht gefunden zu dem Termin wo man dich finden sollte, dann war das vergessen und erledigt. Und so sind wir weg und haben uns bei unserer Tante Jetti versteckt. Ihr Mann war Angestellter, er hat nichts besessen. Sie lebten in einer Mietwohnung. Wir waren ein paar Tage dort, dann sind wir wieder nach Hause gegangen und nach einem Monat hat mein Vater wieder erfahren, dass man ihn nach Sibirien verschleppen will, da sind wir wieder weg von zu Hause.

Nach einem Jahr kamen die Deutschen nach Rumänien, das war Anfang Juli 1941.
Da begann die bittere Zeit. Aber das Ghetto ist erst im Herbst entstanden. Zufällig war dort die Fabrik meines Vaters, da hat auch meine Großmutter gewohnt. Dort sind wir untergekommen. Wir haben dort in einer 3 Zimmerwohnung zusammen mit 30 Familienmitgliedern gelebt, das waren die Geschwister meiner Mutter mit ihren Familien.

Mein Bruder lebte zu dieser Zeit nicht mehr. Als die Deutschen gekommen sind, hatten sie das Sagen, die Rumänen sind nur so mitgegangen. Da wurden die Strassen abgesperrt und die Juden mussten raus zur Arbeit, auch mein Vater und mein Bruder. Ich sehe ihn noch jetzt wie er auf der Strasse steht. Die ganze Strasse war voller Menschen, auch der Oberrabbiner Mark war dabei. Man hat sie zum Kulturpalast, der am Fischplatz war, gebracht. Juden durften nicht tagsüber und nicht abends ausgehen. Nur von 10 Uhr bis 13 Uhr, um etwas einzukaufen. Aber sonst durften wir nicht auf die Strasse gehen. Im Kuturpalast hat man begonnen, die Leute zu sortieren. Die einen mussten nach Rechts, die anderen nach Links gehen. Ein deutscher Hauptmann hat diese Aktion geleitet. Es hat geheißen, das sind Arbeitsgruppen. Mein Vater ist zu meinem Bruder gegangen, aber der Offizier hat es bemerkt und ihn zurückgeschickt. Sie bleiben dort, wo sie sind, hat er zu meinem Vater gesagt. Als eine Schießerei auf der Strasse begann, gelang meinem Vater, seinem Bruder und Bekannten, sich von Haus zu Haus zu schleichen. Er ist zu meiner Tante gegangen. Er ist nicht nach Hause gekommen und hat dort die Nacht verbracht. Erst dann haben wir erfahren, dass er dort ist. Mein Bruder wurde mit der anderen Gruppe über den Prut geführt, und dort wurden sie alle erschossen. Am 9. Juli in der Früh wurde die Gruppe noch gesehen. Es waren hunderte Juden. Zuerst hieß es, sie sind zu einer Arbeit geführt worden. Außerhalb der Stadt, auf der Schießstätte in Jucica, wurde die ganze Gruppe von den Deutschen erschossen. Es kamen Bauern, die gesagt haben: gib uns ein Foto und Geld, es geht euren Familienangehörigen nicht gut, wir geben es ihnen. Meine Mutter hat einem Bauern viel Geld für meinen Bruder gegeben, aber später hat sich herausgestellt, dass sie alle bereits am 9. Juli erschossen worden waren. Mein Bruder auch. Das haben wir aber erst Monate später erfahren. Fünf Tage danach, also am 14. Juli, wurde meine Schwester geboren.

Mein Vater blieb versteckt, meine Mutter hat die Wehen bekommen, und ich mit meinen 15 Jahren musste die Familie versorgen. Aber wie war die Auswahl? Wer ist auf die eine Seite gekommen, wer auf die andere? Warum war der Vater da und mein Bruder dort? Man hat sie irregeführt, es hieß, sie gehen zur Arbeit. Darum hat mein Vater mit meinem Bruder zusammen sein wollen. Mein Bruder war gerade 18 Jahre alt.

Ich war also nun die Versorgerin, aber man durfte nicht hinaus auf die Strasse. Zum Glück war der jüngere Bruder meiner Tante blond und hatte blaue Augen. Er hat sich Stiefel angezogen und sah dadurch aus wie ein SS-Mann. Irgendwo hat er so ein Wagerl gefunden, die Mama hereingesetzt in dieses Wagerl, und wir sind gefahren in das so genannte jüdische Spital. Da hat sie entbunden. Aber was sich dort getan hat, schwer kranke Leute standen auf der Strasse. Aus allen Spitälern hatte man die Juden hinaus geworfen und dort waren dann alle. Ich ging dann allein nach Hause, aber im Spital gab es nichts zu essen, gar nichts!

Die Russen hatten unsere Eiskellereien beschlagnahmt. Wir hatten dann bei meiner Großmutter gewohnt, denn aus unserem Haus mussten wir ausziehen. In den Eiskellereien hatten die Russen Lebensmittel gelagert. Czernowitz war unter rumänischer Verwaltung, und die Rumänen waren nicht so schlecht wie die Deutschen. Meine Tante Mania und ich sind zum rumänischen Hauptmann gegangen, wir haben mit ihm rumänisch gesprochen, und wir haben gesagt, dass wir verhungern, denn wir haben nichts mehr zu essen. Das ganze Haus in dem wir wohnen ist voller Juden, und meine Mutter ist im Spital, und die Leute im Spital haben auch nicht zu Essen. Wir wissen, die Russen haben Lebensmittel zurückgelassen. Der Rumäne war sehr nett, und er sagte, dass wir um 6 Uhr kommen sollen. Dann schicke er den Wachposten, der vor den Eiskellereien stehe weg, und wir hätten eine halbe Stunde Zeit, in der wir alles, was wir tragen können, mitnehmen dürfen. Wir sind mit Schüsseln gegangen und alle Einwohner des Hauses haben etwas bekommen, und ich habe für das Spital Proviant zusammengepackt. Die Krankenschwestern haben kaum erwarten können, dass ich komme. Aber ich durfte um diese Zeit nicht auf die Strasse. Ich habe mir Zöpfe gemacht, habe mich angezogen wie ein Mädel vom Land und bin barfuss gegangen. So wurde ich die Ernährerin. Als meine Schwester geboren wurde, gab es nichts, es gab auch keine Windeln. In welchen Zustand meine Mutter war, brauche ich nicht zu erzählen. Wir haben Leintücher zerrissen und als Windeln benutzt.

Meine Schwester heißt im jiddischen eigentlichen Rivka, nach der Großmutter. Hier in Wien heißt sie Renée. Sie wurde am 14. Juli 1941 geboren, fünf Tage, nachdem mein Bruder von den Deutschen ermordet wurde.

Mein Vater hat dann eine Bewilligung bekommen, dass er ein bisschen arbeiten durfte. Aber dann wurden wir von den Rumänen nach Transnistrien deportiert. Transnistrien lag in damals Rumänien, heute gehört es zur Ukraine. Die Czernowitzer Juden mussten sich auf dem Maccabi Platz versammeln und wurden mit Zügen nach Transnistrien deportiert. Jeder nahm das mit, was er tragen konnte: einen Koffer, einen Rucksack. Wir kamen in Berschat an. Wir waren die Einzigen aus unserer Familie, die in Berschat waren, alle anderen waren in Mogilev. In Berschat haben wir sehr beengt in kleinen Häusern gewohnt, aber wir hatten nicht das ganze Haus, wir hatten ein Zimmer bei einer Familie. Es war eine große Misere. Wir mussten arbeiten, um nicht an Hunger zu sterben. Es war eine schreckliche Zeit, man hat auch jeden Tag geglaubt, man wird umgebracht. Gearbeitet hat man, wo man hingeschickt wurde. Ich habe in einer Militärküche des rumänischen Militärs gearbeitet. Wir haben Kartoffeln geschält und den Mist raus getragen und zusammengekehrt und Wäsche gewaschen, dazu hat man uns gebraucht. Aber gezahlt hat man uns gar nichts, wir haben nur vom Essen ein bisschen etwas bekommen. Meine Schwester war noch klein und wurde von meiner Mutter gestillt, so hatte sie etwas zu essen und konnte überleben. Sie kann sich zum Glück an nichts erinnern. Wir konnten uns in dem Ort frei bewegen, aber das Städtel verlassen durften wir nicht - es gab rumänische Wachen. Zuerst hatte man noch etwas zum Tauschen, und Holz für den Winter haben wir im Wald gesammelt. Den ansässigen Bauern, die dort gelebt haben, denen haben wir Dazugekommenen alles verkauft, was wir mitgebracht hatten. Aber viele Menschen sind verhungert, die meisten sind nicht zurückgekommen. Drei meiner Onkel sind dort gestorben, von meinem Vater Cousins und Cousinen. Ganze Familien sind dort geblieben. Wenn ich heute daran denke, frage ich mich: wieso habe ich das durchgehalten - ich weiß es nicht. Ich habe das Glück gehabt, dass meine Eltern auch überlebt haben.

Anfang 1944 haben die Russen uns befreit, und wir konnten nach Czernowitz zurück.
Dann wollten die Russen uns zum Militär nehmen, meinen Vater und mich auch. Da haben wir uns herausgewunden, haben einen Russen bestochen und sind geflüchtet nach Dorohoi. Dorohoi ist eine kleine Stadt in Rumänien, gegenüber der Bukowina. Wir sind mit einem russischen Wagen zu Viert geflüchtet. Wir haben auch meinen Cousin mitgenommen, den Tuvie, der heute in Israrel lebt. Er hat die Papiere meines Bruders bekommen. Wir haben gesagt, dass er mein Bruder ist. Irgendwelche Papiere brauchte man, wenn man dort angekommen ist. Gut, wir haben ein bissl die Namen geändert, als wir nach Rumänien kamen. Von Mai 1944 bis September 1944 haben wir in Dorohoi gelebt. Ich bekam dort Bauchtyphus, aber das sind nur so Kleinigkeiten. Wir hatten Angst vor den Russen, weil wir ja geflüchtet waren mit den falschen Papieren. So sind wir immer hinter der Front hergezogen. Unser Ziel war Bukarest. Mein Vater hat das organisiert. Wir waren 12 Familien mit Wagen und Pferden. Zwei, drei Familien haben sich immer zusammen ein, zwei Pferde und einen Wagen gekauft, und das bissl Hab und Gut was man mitgehabt hatte, hat man dort raufgelegt und ist gefahren. Aber Bukarest war noch nicht befreit. So sind wir hinter der Front gegangen. Überall lagen tote Pferde, und ich weiß, die Russen wollten uns unsere Pferde wegnehmen. Aber wir wollten sie natürlich nicht hergeben. Als wir in Vakau, einer kleinen Stadt nahe Bukarest ankamen, konnten wir schon kaum noch.

Wir haben schon nicht mehr können, soviel Tage und Nächte waren wir mit den Pferden unterwegs. Mein Vater ist in Vakau zum Bahnhof gegangen. Damals sind schon Züge wieder von Vakau nach Bukarest gefahren. Das waren aber keine Personenzüge. Er ist zum Bahnhofsvorstand gegangen und hat ihm vorgeschlagen, dass er uns einen Viehwaggon zur Verfügung stellt. Der sagte, dass er das nicht machen könne, weil er alles eintragen müsse. Mein Vater sagte: Dann wirst du diesen Waggon nicht eintragen! Er hat ihm eine schöne Summe gegeben. Wir hatten noch ein bisschen Schmuck, den haben wir verkauft und für das Geld hat er uns einen Waggon zur Verfügung gestellt. Er hat den Waggon nicht eingetragen und uns gesagt, das sei in Bukarest dann unsere Sache. Er wisse jedenfalls dann nichts von uns.

Wir haben einen Wagen und ein paar Pferde mitgenommen. In dem Waggon waren der Wagen und die Pferde und viele Leute. Die anderen Pferde und Wagen haben wir vor der Fahrt nach Bukarest verkauft. Mein Vater war ja Pferde gewöhnt, und er hat gedacht, dass er die Pferde in Bukarest vielleicht noch brauchen kann. ‚Ich weiß ja nicht, was ich machen werde, also warum soll ich sie jetzt verkaufen, ich nehme sie mit’, hat mein Vater gesagt. Er hat sie mit Müh und Not in den Waggon hereingebracht. Aber es gab eine Rampe, da sind wir mit dem Wagen herein gegangen. Wir haben dann sogar die eine Nacht mit den Anderen auf dem Wagen geschlafen. Wir hatten Stroh und haben uns hingelegt. Auf einem Bahnhof vor Bukarest kam der Bahnhofsvorsteher und sagte, dass wir aussteigen müssen. Mein Vater sagte, er steige nicht aus, er fahre nach Bukarest. Der Bahnhofsvorsteher hat ihm dann gesagt, dass er dort nicht aussteigen könne. Aber die Rumänen hatten den Juden gegenüber ein bissl ein schlechtes Gewissen, denn wir haben gesagt, dass wir aus dem Lager kommen. Sie waren am Tod von sehr vielen Juden beteiligt, denn sie waren die Verbündeten der Deutschen. Also konnten wir weiterfahren.

Wir kamen in Bukarest auf dem Hauptbahnhof an, und der Bahnhofsvorsteher hat gesehen, dass unser Waggon nicht eingetragen ist. Er hat uns gefragt, wo wir eingestiegen sind. Mein Vater hat gesagt: ‚Ich weiß nicht, wir kommen aus dem Lager. Wir waren auf irgendeinem Bahnhof, ich weiß nicht, wo das war. Der Waggon war leer, und wir sind einfach eingestiegen.’ Aber ihr könnt hier nicht aussteigen’, sagte der Bahnhofsvorsteher. ‚Das können wir doch’, sagte mein Vater. Mein Vater und mein Cousin haben mit Hilfe der Seitenbretter des Wagens die Pferde und den Wagen auf den Bahnsteig hinunter geschafft, und noch heute sehe ich den Bahnhofsvorsteher vor mir, wie er da steht und höre, wie er sagt: So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen - Pferde und Wagen auf dem Bahnhof in Bukarest. Das war noch nicht da! Ja, so haben wir uns durchgeschlagen.

Als die Rumänen Czernowitz besetzt hatten, hat ein Rumäne, Ion Radulescu hieß er, die Bierbrauerei übernommen, in der mein Vater unter den Russen gearbeitet hatte. Sie haben sofort miteinander Freundschaft geschlossen. Obwohl die Rumänen Juden in dieser Zeit nicht besuchen durften, war er oft bei uns und hat uns auch geholfen. Mein Vater hat gesagt: Gehen wir zu einer öffentlichen Telefonzelle, schauen wir im Telefonbuch nach Ingenieur Ion Radulescu, ob seine Adresse drinsteht. Ich habe geschaut und den Namen gefunden. Weil mein Rumänisch wesentlich besser war, als das meines Vaters, habe ich angerufen und gesagt, wer ich bin. ‚Sylvia, bist du es, wo bist du?’ Ich habe ihm gesagt, dass ich in Bukarest bin. ‚Wieso, seit wann, mit wem, ist der Papa auch da?’ Ich habe gesagt, der Papa, die Mama sind da und die kleine Schwester ist auch da. Dass mein Bruder erschossen wurde, hat er schon gewusst. Das war vorher passiert. Er hat gesagt, dass wir alle sofort zu ihm kommen sollen. Er hat gesagt, dass er eine wunderschöne Villa hinter dem königlichen Palais hat. Aber mit uns waren doch noch die anderen, die auch im Zug waren. Ich habe gesagt, dass wir nicht alleine sind, und er sagte, dass wir alle kommen sollen. Wir kamen an eine wunderschöne Villa, aber es gab keine richtige Einfahrt, nur ein kleines Tor. Damals war es so, wenn wir die Pferde auf der Strasse hätten stehen lassen, hätten die Russen sie sofort mitgenommen. Und das ging doch nicht! Er hat uns gesagt, dass wir den Zaun niederreißen und mit den Pferden und dem Wagen hereinfahren sollen. Bukarest war von den Alliierten bombardiert worden, und seine Frau und die Kinder waren aufs Land geflüchtet. Er musste beruflich in Bukarest bleiben. Wir haben dann alle 1-2 Monate bei ihm gewohnt.

In dieser Zeit begann mein Vater zu arbeiten. Wir haben eine Wohnung gefunden - interessanter Weise bei einer jüdischen Familie, die ihr Haus zurückbekommen hatte. Wir haben von Herbst 1944 bis 1947 dort im ersten Stock gewohnt.

Anfang der 1960er-Jahre hat Ion Radulescu meinen Vater angerufen und hat zu ihm gesagt: Ich würde so gern einmal Wien sehen. Da hat mein Vater gesagt: ‚Kommen Sie Herr Ingenieur, Tür und Tor sind offen für Sie’. Und er ist wirklich gekommen. Aber er musste allein kommen, weil die kommunistische Regierung in Rumänien die Familie nicht raus gelassen hat. Aber er war so glücklich mit uns zusammen zu sein und Wien zu sehen. Er war früher der, der geholfen hat, und dann hat sich mein Vater revanchiert. Mein Vater hat auch ein Auto im Dorotheum gekauft auf den Namen des Ingenieurs und hat es ihm geschenkt. ‚Das gibt es doch nicht’ hat der Ingenieur gesagt. Und da hat mein Vater gesagt, er hat sehr schlecht Rumänisch gesprochen: Für Sie alles!’ Ion Radulescu war so stolz, er ist mit dem Auto von Wien nach Bukarest gefahren. Einmal war er noch in Wien. Er hat in Rumänien den Behörden immer gesagt, er fahre krankheitshalber nach Wien. Er hat nichts von uns gesagt, das wäre nicht gegangen, sie hätten ihn nicht fahren lassen. Er war wirklich ein einmaliger Mensch! Dann hat der Kontakt aufgehört. Meine Mutter ist 1961 gestorben und mein Vater 1963. So ist das Leben!

Mein Vater ging schon 1945 nach Österreich. Zuerst ist er immer hin - und hergependelt; von Wien nach Bukarest und von Bukarest nach Wien. Und im August 1947 ist meine Mutter mit meiner Schwester illegal nach Wien gekommen - aber immerhin im Schlafwagen.

Ich habe 1946 in Bukarest Leon Segenreich geheiratet. Leon war 1913 als einer von neun Kindern in Botosani, in Rumänien, geboren und hatte in Czernowitz Jus studiert. Sein Cousin Salo Segenreich aus Czernowitz hatte meine Cousine Lola Fenster in Transnistiren geheiratet. Dadurch haben wir uns in Bukarest kennen gelernt, Lola hat mir meinen Leon vorgestellt. Es gab Czernowitzer Segenreichs, es gab Botosanis Segenreichs, und es gab in Bukarest Segenreichs. Das ist alles eine Familie. Die Mutter meines Mannes hieß Adele, Ada wurde sie genannt. Nach ihr ist meine Tochter benannt. Ihr Vater war Rabbiner. Sie war sehr fromm und trug bei ihrer Hochzeit einen Scheitl [14]. Meine Schwiegermutter hat zwölf Kinder geboren, von denen neun am Leben geblieben sind. Sie ist 1938 gestorben. Mein Schwiegervater, Ben Segenreich, war nicht so fromm. Mein Sohn ist nach ihm benannt. Die Familie meines Schwiegervaters stammte aus Polen. Er ist bereits als junger Mann nach Botosani gekommen und hatte einen Export von Eiern und ist immer herumgefahren und hat Eier verkauft. Ich habe sogar ein Bild von ihm, wo er auf der Rückseite seiner Frau schreibt, er habe so und so viel Waggons Eier verkauft. Neben dem Eierexport hat er Papiertüten und Papiersäcke erzeugt. Mein Schwiegervater hat den Krieg in Botosani überlebt. Zehn Tage nach unserer Hochzeit ist er gestorben. Er wäre gern gekommen, aber er war schon sehr krank, und man hat so kurz nach dem Krieg doch nicht mit dem Zug fahren können. Es hätte ihn jemand zu unserer Hochzeit bringen müssen.

Wir haben unsere Hochzeit am Vormittag und Mittag gefeiert, weil wir Angst vor den Russen hatten. Am Abend hat man sich nicht getraut auf die Strasse zu gehen. Die Russen haben die Leute überfallen und ihnen alles weggenommen.

Mein Mann konnte sein Studium nicht beenden, denn nach der Matura hatte er ein Jahr beim rumänischen Militär gedient, Maturanten brauchten nur ein Jahr dienen, und während seines Studiums kamen die Deutschen. Er hat in Bukarest nach dem Krieg mit seinem um 10 Jahre älteren Bruder Saul und dem jüngsten Bruder Jechiel einen Papiergroßhandel eröffnet. Durch den Vater hatten sie Beziehungen zur Papierbranche. Saul hatte auch in Czernowitz Jus studiert, wie mein Mann. Er war ein fertiger Rechtsanwalt. Aber man hat die Juden damals nicht zur Rechtsanwaltskammer zugelassen in Bukarest, und er hat nie als Rechtsanwalt gearbeitet. Den Krieg hat er, auch wie wir, in Transnistrien überlebt. Er ist Ende der 1940er-Jahre nach Israel emigriert.

Mein Vater hat mich und meinen Mann dann gedrängt, auch nach Wien zu kommen. Er hat uns dann mit falschen russischen Papieren nach Wien geholt. Aber mein Mann konnte nicht russisch. Ich habe schon ein bisschen russisch sprechen können. Im September oder Oktober 1947 sind wir in Wien angekommen. Mein Vater hatte in Wien sofort die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen, weil er doch ein alter k. u. k. Österreicher war, aber wir mussten fünf Jahre warten, dann waren wir auch österreichische Staatsbürger. Als wir nach Wien kamen, waren die Russen noch da. Und vor denen waren wir doch aus Czernowitz geflüchtet. Aber sie sind 1955, nach dem Staatsvertrag [15], aus Österreich abgezogen. Mein Vater hatte eine Zimmer-Kabinett-Wohnung mit Außenklo in der Pramergasse gemietet. Im Kabinett wohnte der Mann, dem die Wohnung gehörte. Er hatte nichts, wovon er hätte leben können, so hat er das Zimmer vermietet. Er hat gesagt, dass er auch die Küche nicht brauche, nur das Kabinett. Als wir gekommen sind, wussten wir nicht, wo wir wohnen können. Gut, man hätte im Rotschildspital wohnen können, aber mein Vater wollte das nicht. Also haben wir zu fünft in dem einen Zimmer gewohnt: mein Mann, mein Vater, meine Mutter, ich und meine kleine Schwester Renée. Renée war damals erst drei Jahre alt. In den Kindergarten war sie in Bukarest gegangen und hat dort Rumänisch gesprochen, und zu Hause hat sie Deutsch gesprochen. Aber Rumänisch konnte sie besser sprechen. In Wien kam sie in die erste Klasse. Jetzt versteht sie Rumänisch noch, aber sie kann es nicht mehr sprechen. Renée ging nach der Volksschule vier Jahre aufs Lycée [Ecole française de Vienne, französische Schule in Wien]. Von der französischen Schule wechselte sie dann in die Handelsakademie, und nach der Handelsakademie hat sie die Modeschule Hetzendorf absolviert. Sie war immer sehr kreativ und hat ihre Kreativität auch in dem Juweliergeschäft, das sie mit ihrem Mann Claude Sillam betrieb, umsetzen können. Sie ist sehr vielseitig und malt fantastisch. Ihre Tochter Helene ist Ärztin und hat vier Kinder. Der Sohn hat Renées kreative Begabung geerbt. Er führt jetzt das Juweliergeschäft weiter.

Meine Eltern sind auch in Wien regelmäßig in den Tempel gegangen, aber koscher waren sie nicht mehr. Natürlich gab es kein Schweinefleisch, aber das Geschirr war nicht mehr separat. Mein Mann ist fast jeden Freitagabend und Samstag in den Stadttempel in der Seitenstettengasse gegangen. Er stammte aus einem sehr religiösen Haus, sein Großvater war ja Oberrabbiner. Und dieser Oberrabiner, das hat mir mein Mann erzählt, ist mit seiner Frau damals nach Palästina gefahren, um dort zu sterben. Und er ist wirklich dort gestorben und dort begraben. Mein Mann hatte von seiner Mutter ungefähr gewusst, wo das Grab ist. Und als er das erste Mal nach Israel gefahren ist, da wurde auf der jordanischen Seite eine Strasse gebaut und man wusste nicht mehr genau, wo der Friedhof war.

Wenn mein Mann Freitagabend in den Tempel ging, bin ich nie mitgegangen, weil ich das Nachtmahl vorbereitet habe. Wir hatten manchmal Gäste. Das war selbstverständlich. Zu den hohen Feiertagen hatten wir unsere festen Plätze im Tempel, solange mein Mann lebte.

Mein Mann und mein Vater haben zusammen im 15. Bezirk eine Gummisohlenfabrik eröffnet. Die Gummisohlenfabrik war in der Flachgasse. Als mein Vater Anfang der 1960er-Jahre am Herzen erkrankte, hat mein Mann die Fabrik allein weitergeführt. Meine Eltern starben beide an einem Herzinfarkt, meine Mutter 1961, mein Vater 1963. Die Fabrik hatten wir bis 1970/71, da waren unsere Kinder schon fast aus dem Haus. Wir hätten dann viel investieren müssen - neue moderne Maschinen kaufen müssen. Da hat mein Mann gesagt, das sei ein Blödsinn, wir sollten etwas anderes beginnen, denn rechts und links von uns entstanden Gemeindebauten, und nur wir waren noch dazwischen. Die Stadt hat dann ein Bauverbot für uns erlassen, und wir mussten verkaufen, notgedrungen eigentlich! So haben wir ein kleines Geschäft am Rudolfsplatz, im 1. Bezirk, für viel Ablöse gekauft. Wir wollten etwas haben, wo wir allein arbeiten können - ohne Angestellte, ohne Arbeiter. Mein Mann war schon fast 60 Jahre alt, ich war 13 Jahre jünger. Er war fast 60, aber es ging ihm gut, und er hat immer jugendlich ausgeschaut. So hatten wir dann ein kleines Textilgeschäft. Mein Mann ist 1988 gestorben, und ich habe das Geschäft noch bis 1996 weiter geführt.

Meine Tochter Ada wurde 1949 geboren. Eigentlich heißt sie Adele, aber wir rufen sie Ada. Während der Schwangerschaft mit meiner Tochter hatte ich über 30 Kilo zugenommen. Ein Wahnsinn! Ich habe schrecklich ausgeschaut. Ich wollte gar nicht soviel essen, aber meine Mama hat immer gesagt: Iß, du isst jetzt für zwei! Ich war jung damals und blöd! Na ja, egal! So ist es halt. Dann habe ich aber zum Glück alles wieder abgenommen.

Auch Ada und mein Sohn Ben haben, wie meine Schwester Renée, das Lycée besucht - vom Kindergarten bis zur Matura. Nach der Matura hat Ada sehr schnell geheiratet. Sie hat drei Kinder - Katja, David und Jonathan - und vier Enkelkinder - Joshua, Ethan, Elijah und Nathaniel. Ihr Mann Claude Tuchband hat eine Versicherungsgesellschaft in Paris. Das Haus der Versicherungsanstalt ist groß, und es gibt viele Büros und viele Angestellte. Der ältere Sohn David hat Jus studiert und arbeitet auch in der Versicherungsgesellschaft. Jonathan studiert Wirtschaft. Ada hatte viele Jahre eine Modeschmuckfirma, da wurde Modeschmuck erzeugt, der nach Japan exportiert wurde, und sie war auch oft in Japan. Das war ihr Hobby, aber jetzt ist sie nur noch karitativ unterwegs. Sie arbeitet für jüdische Organisationen.

Mein Sohn Ben wurde 1952 geboren. Er beteiligte sich aktiv am jüdischen Leben in Wien. Er war Mitbegründer der Maccabi in Wien und hat jahrelang bei Maccabi Fußball gespielt. Jeden Sonntag sind mein Mann und ich mit einem jüdischen Ehepaar, sie war Wienerin und er stammte aus Belgien, auf den Fußballplatz gegangen. Die zwei waren damals schon ältere Leute. Die Anhänger von Maccabi und die Anhänger der anderen Mannschaft sind immer separat gesessen. Und wenn Maccabi ein Tor geschossen hat, wurde es immer offen antisemitisch. Einmal sind die Anhänger der anderen Mannschaft zu uns gekommen und haben die Frau geboxt. Ich bin daneben gestanden und habe zurückgegeben. Die Frau war etwas verletzt, das hat mein Mann gesehen, da ist er auch gekommen. Und dann begann eine Schlägerei. Na gut, mein Sohn hat am Fußballplatz während des Spiels einem Gegner aus Versehen zwei Zähne ausgeschlagen. Aber offenen Antisemitismus habe ich, in der Zeit seit ich hier lebe, nur auf dem Fußballplatz erlebt. Meine Kinder haben damals auch nichtjüdische Kinder mit nach Hause gebracht, mit denen sie befreundet waren. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass mir das nichts ausgemacht hat, es waren Freunde, egal was sie waren. Mensch ist Mensch. Das waren gute Kinder. Keine Antisemiten. Aber heimlich habe ich schon gehofft, gesagt habe ich nichts, dass sie einmal Juden heiraten werden. Und es ist auch so gekommen, Gott sei Dank!

An die Bar Mitzwa von Benni kann ich mich noch genau erinnern. Damals war es üblich nach der Feier im Tempel ins jüdische Restaurant, Vorhand hieß der Besitzer, zu gehen und mit den Freunden und Verwandten weiter zu feiern. Das Restaurant war in einem Keller, in der Weihburggasse, im 1. Bezirk. Vorhand hatte auch eine jüdische Bäckerei in der Hollandstrasse, im 2. Bezirk. Er war sein eigener Maschgiach, das bedeutet, er passte selber auf, dass das Essen nach den jüdischen Gesetzen ‚rein’ ist. Eines Abends habe ich zu meinem Mann gesagt: ‚Ich will nicht in der Weihburggasse die Feier machen, das Essen ist nicht gut und der Service ist noch schlechter. Die einen sind noch bei der Vorspeise, die anderen schon bei der Nachspeise. Ich will eine schöne Bar Mitzwa.’ Was war mir eingefallen? Das Hotel InterContinental, in der Johannesgasse, hatte gerade eröffnet. Dort wollte ich mich erkundigen. Mein Mann war entsetzt und meinte, dass der Preis ein Wahnsinn sein werde und die Speisen außerdem nicht koscher, also nach jüdischen Gesetzen rein. Aber unsere Freunde waren alle nicht koscher, und der Rabbiner würde eben etwas Vegetarisches essen und Wein trinken. Ich habe im Hotel angerufen, mich angemeldet und bin hingefahren. Da war ein sehr freundlicher junger Direktor, sehr nett, der mir sofort Vorschläge für das Buffet machte. ‚Moment bitte,’ habe ich gesagt ‚das geht alles nicht, wir sind Juden.’ Daraufhin holte er einen seiner Köche. Dieser Koch hatte jahrelang in Amerika in einem jüdischen Restaurant gearbeitet. Was für ein Zufall! Ich habe mich mit dem Koch über gefillte Fisch und viele andere Speisen unterhalten. Er hat gesagt, er weiß wie man jüdische Gerichte zubereitet. Nun der Preis! Das war ja sehr wichtig, denn wir haben mit über Einhundert Gästen gerechnet. Mein Mann konnte gut reden, immerhin war sein erlernter Beruf Anwalt. Mein Mann hat also zu dem Direktor gesagt: ‚Schaun Sie, wenn Sie das moderat machen werden, garantier ich Ihnen, dass es nach unserer Feier andere jüdische Feiern geben wird.’ Und es hat sich bewahrheitet: Es gab dann andere Bar Mitza Feiern und auch jüdische Hochzeiten dort, denn es hat sich herumgesprochen, wie wunderbar das Essen und der Service waren. Ein paar Tage vor der Feier rief mich der Koch an und bat mich, dass ich kommen soll, um ihm genau zu zeigen, wie ich das Essen haben möchte. Daraufhin habe ich gesagt: ‚Wissen Sie was, kommen Sie zu mir. In meiner Küche kenne ich mich aus.’ Und ich habe ihm alles gezeigt. Und einen Tag vor der Feier hat er mich in der Früh angerufen, ich soll abschmecken kommen, ob es ihm so gelungen sei, wie ich es wolle. Alle Gäste haben dann gesagt: ‚Wer hat das gekocht, es ist wunderbar!’ Das habe ich alles für Benni gemacht, denn ich habe nur einen Sohn, und ich wollte eine schöne Bar Mitzwa. Für meine Tochter Ada haben wir nur eine kleine Feier gemacht. Es war damals nicht üblich für Mädchen. Ich hätte das selbstverständlich für sie auch gemacht.     

Beide Kinder waren im Lycée alle Jahre Vorzugsschüler. Ich habe nichts dazu getan. Aber natürlich war ich stolz, aber ich hab es nicht so gezeigt. Mein Sohn hat, als er schreiben und lesen gelernt hat, sofort angefangen Gedichte zu schreiben. Wenn ich gesagt habe: schreib was, hat er es sofort gemacht. Aber als mein Mann ihn gefragt hat was er studieren will, wusste er nicht was. Viele Freunde von ihm haben Medizin studiert. Da hat mein Mann zu ihm gesagt: ‚Studier Medizin.’ Da hat er gesagt: ‚Ich kann Menschen nicht leiden sehen, ich kann das nicht.’ ‚Dann mach was du willst’, hat mein Mann zu ihm gesagt, und mein Sohn hat Physik studiert. Zwei Jahre hat er in Paris studiert. Ich habe ihm im selben Haus, in dem meine Tochter gewohnt hat, eine kleine Wohnung gemietet. Da konnte er immer bei der ersten Tochter meiner Tochter Babysitter sein. Nach dem Studium hat er sechs Jahre in Wien bei Siemens gearbeitet. Dann hat er sich entschlossen, nach Israel auszuwandern, und er hat bei Siemens gekündigt. Damals war er ungefähr 30 Jahre alt. Er ist nach Israel gefahren und hat dort bei der Elektronik Firma Tadiran ein paar Jahre gearbeitet. In dieser Zeit hat er schon für deutsche Zeitungen, für Schweizer Zeitungen, auch für Wiener Zeitungen geschrieben. Ich weiß nicht, wer im ORF über ihn gesprochen hat, aber er bekam dann eine Einladung nach Wien. Er hatte im ORF ein Interview, und sie haben ihn als Israel Korrespondenten eingestellt. Am Anfang hat er nur fürs Radio gearbeitet, und dann hat er fürs Fernsehen und für den ‚Standard’ gearbeitet. Jetzt lebt er schon lange mit seiner Frau Daniela und den Töchtern Timna und Noa, die in Israel geboren sind, in Israel.

Ich habe keinen Platz mehr im Tempel, weil ich die Feiertage entweder bei meinem Sohn in Israel oder bei meiner Tochter in Paris verbringe. Gott sei Dank, ich hab ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern. Zu Pessach [16] bin ich in Israel bei meinem Sohn. Und zu Rosch Haschana [17] und Jom Kippur [18] bin ich bei meiner Tochter in Paris. Das ist schon Jahre so, seitdem ich allein bin. Den ganzen August ist mein Sohn in Österreich, er ist nicht die ganze Zeit in Wien, sie fahren auch ein bisschen mit den Kindern herum. Und meine Tochter kommt auch, so oft sie kann. Seitdem ich allein bin, ruft sie mich tagtäglich an.

Sie lebt traditionell und mein Sohn in Israel sowieso. Noch heute, wenn ich nach Paris fahre, nehme ich gefillte Fisch und verschiedene andere jüdische Gerichte mit. Ich bereite das Essen zu Hause vor, und dort koche ich es. Nach Israel nehme ich auch das vorbereitete Essen mit. Früher habe ich in Paris immer Melanzani gebraten, aber das kann ich jetzt bei meiner Tochter nicht mehr, weil sie einen Elektroherd hat, und so brate ich die Melanzani zu Hause, frier sie ein und nehme sie dann mit. Auf dem Elektroherd kann man die Melanzani nicht vorbereiten. Seit zwei Jahre hat mein Sohn auch einen Elektroherd, da kann ich das auch nicht mehr machen. Da muss ich inzwischen auch die Melanzani mitbringen.

Katja, die älteste Tochter meiner Tochter ist besonders fromm. Sie lebt mit ihrem Mann und den Kindern in London, ist koscher, das Geschirr ist separat. Ihr Mann ist sehr fromm, aber er trägt keine Pejes. Sein Vater ist schon als Kind mit seinen Eltern aus Russland nach England gekommen. Er ist auch fromm, trägt aber auch keine Pejes. Woher seine Mutter stammt, weiß ich nicht.

Eigentlich ist Wien für mich ein zu Hause geworden, ich wohne doch seit 1947 schon hier. Aber ich habe fast nur jüdische Freunde. Leider sind sehr viele meiner Bekannten und Freunde gestorben. Als wir jünger waren, sind wir immer viel ausgegangen. Im Krieg hat man das doch nicht können. Jeden Samstagabend waren mein Mann und ich mit Freunden im Theater. Im Theater in der Josefstadt, im Burgtheater und im Operettentheater. Jeden Samstag! Und danach sind wir noch in eine Bar gegangen und haben getanzt. Wir waren jung und hatten Nachholbedarf. Ich hatte eine wunderschöne Kindheit, aber meine Jugend war katastrophal. Na ja, so ist das Leben eben.

Mit meinen Freundinnen treffe ich mich fast jeden Samstag. Da sitzen wir im Kaffeehaus Landmann oder im Lehmann und unterhalten uns, oder ich lade sie manchmal auch zu mir ein. Wir fahren auch zum Heurigen, aber selten. Auch mit meiner Schwester treffe ich mich. Mein Sohn will, dass ich nach Israel komme, um dort zu leben und in seiner Nähe zu sein, aber solange ich mir alles allein machen kann, lebe ich in meiner Wohnung, in der ich so viele Jahrzehnte bin. Ich wünsche mir, nur solange zu leben, wie ich fit bin. Werden wir sehen!
Ich kann mir schon vorstellen, in Israel zu leben. Ich habe als Kind Hebräisch lesen gelernt, ich verstehe nicht alles, aber viel, aber in Israel würde ich auch mit Rumänisch, Deutsch, Jiddisch, Russisch und Ukrainisch durchkommen. Wenn ich in Israel in den Supermarkt einkaufen gehe, frage ich: wer spricht Rumänisch, wer spricht Russisch, wer spricht… und wenn ich etwas wissen will, dann gehe ich zu demjenigen und frage. Mein Mann und ich sind immer nach Israel gefahren, da waren die Kinder noch ganz klein. Fast die ganze Familie hat dort gelebt, denn die Geschwister meines Mannes sind nach dem Krieg nach Israel gegangen. Aber jetzt lebt von denen niemand mehr, nur die Kinder und die Enkelkinder sind da.

Natürlich habe ich auch Angst um meine Familie in Israel. Nur hilft mir die Angst? Zu meinem Sohn hat irgendjemand gesagt: ‚Sie können doch auch hier, in Wien, sehr schön leben.’ Da hat er geantwortet: ‚Meine Heimat ist Israel.’ Ich hatte nie die Absicht, Österreich wieder zu verlassen. Hier bin ich selbstständig, und ich bin bei mir zu Hause. Der Antisemitismus in Österreich war immer da, und er ist da, und er wird immer da sein. Ich wohne hier im Haus schon über 50 Jahre. Die Leute, die damals hier gewohnt haben, sind nicht mehr da. Aber deren Kinder. Sie sind nett, und man grüßt sich.

Ich hoffe schon so viele Jahrzehnte auf Frieden in Israel. Was kann man machen? Wir können nur drüber reden, machen können wir eh nichts.

Als ich vor sechs Jahren in Czernowitz war, habe ich alles wieder gesehen, unsere Häuser und unsere Fabrik und die Eishallen. Es schaut schrecklich aus, die Häuser sehen schrecklich aus. Ich besitze die Dokumente über das ganze Vermögen, und ich bin dort zu einem Rechtsanwalt gegangen. Er hat mich gefragt, warum ich das alles noch besitze. Ich habe ihm gesagt, dass meine Eltern die Dokumente aufgehoben haben. Ich dachte, dass er eine Idee hat, was ich damit machen kann. Er hat gesagt, ich soll die Sachen für meine Enkeln oder Urenkeln aufheben, damit die vielleicht mal was davon haben. Kann man nichts machen, so ist das Leben!

Glossar


[1] Bukowina, Die - historische Landschaft in Südosteuropa. Die nördliche Hälfte gehört zur Ukraine und ist Teil der Oblast Czernowitz. Die südliche Hälfte gehört zu Rumänien und ist Teil der Bezirke Suceava und Botosani. Die Bukowina, so wie das östlich davon liegende Bessarabien, ist ein Teil der historischen Region Moldau. Nordwestlich davon liegt Galizien, im Südwesten grenzt es an Siebenbürgen.


[2] Transnistrien: Östlich des Dnestr gelegene Teil Moldawiens. Transnistrien wird hauptsächlich von Russen und Ukrainern bewohnt. Von 1941 bis 1944 wurde das Gebiet als Transnistria bezeichnet und an Rumänien, das sich am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligte, angeschlossen. Viele rumänische Juden wurden nach Transnistria deportiert und dort ihrem Schicksal überlassen. Die Überlebenden kehrten 1945 nach Rumänien zurück.


[3] Ghetto Theresienstadt [Terezin] : Ende des 18. Jahrhunderts gegründete Garnisonsstadt in der heutigen Tschechischen Republik, die während der Zeit des Nationalsozialismus zum Ghetto umfunktioniert wurde. In Theresienstadt waren 140.000 Juden interniert, die meisten aus dem Protektorat Böhmen und Mähren, aber auch aus Mittel- und Westeuropa. Nur etwa 19,000 der Menschen, die in Theresienstadt waren, überlebten.


[4] NKWD [Abkürzung für Narodny Komissariat Wnutrennich Del., dt: Volkskommissariat für innere Angelegenheiten], 1934 gebildetes sowjetisches Unionsministerium, zuständig unter anderem für politische Überwachung, Nachrichtendienst, politische Strafjustiz, Verwaltung der Straf- und Verbannungslager, Grenzschutz. War das Instrument des stalinistischen Terrors.


[5] Tefillin: lederne ‚Gebetskapseln‘, die im jüdischen Gebet an der Stirn und am linken Arm getragen werden und Texte aus der Torah enthalten


[6] Bar Mitzwa: [od. Bar Mizwa; aramäisch: Sohn des Gebots], ist die Bezeichnung einerseits für den religionsmündigen jüdischen Jugendlichen, andererseits für den Tag, an dem er diese Religionsmündigkeit erwirbt, und die oft damit verbundene Feier. Bei diesem Ritus wird der Junge in die Gemeinde aufgenommen.


[7] Seder [hebr.: Ordnung]: wird als Kurzbezeichnung für den Sederabend verwendet. Der Sederabend ist der Auftakt des Pessach-Festes. An ihm wird im Kreis der Familie (oder der Gemeinde) des Auszugs aus Ägypten gedacht.


[8] Schabbat [hebr.: Ruhepause]: der siebente Wochentag, der von Gott geheiligt ist, erinnert an das Ruhen Gottes am siebenten Tag der Schöpfungswoche. Am Schabbat ist jegliche Arbeit verboten. Er soll dem Gottesfürchtigen dazu dienen, Zeit mit Gott zu verbringen.
Der Schabbat beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend.


[9] Kiddusch: von hebr. ‚kadosch‘, heilig. Der Begriff findet in verschiedenen Zusammenhängen Verwendung. Als Kiddusch wird u.a. der Segensspruch über einen Becher Wein bezeichnet, der am Schabbat und anderen Festtagen gesagt wird.


[10] [Die] Hohen Feiertage: Rosch Haschana [Neujahrsfest] und Jom Kippur [Versöhnungstag]


[11] Pejes od. Peies [hebr: Peot]: die jiddische Bezeichnung für die von frommen Juden getragenen Schläfenlocken. Das Tragen des Bartes und der Schläfenlocken geht auf das biblische Verbot zurück, das Gesicht mit scharfen und schneidenden Gegenständen zu berühren.


[12] Melamed [jidd.: Lehrer] : lehrte im Cheder des Schtetl die 4-8jährigen Jungen Bibel, Hebräisch-Schreiben und –Lesen und die Grundrechenarten.


[13] Haschomer Hatzair [hebr.: ‚Der junge Wächter‘]: Erste Zionistische Jugendorganisation, entstand 1916 in Wien durch den Zusammenschluß von zwei jüdischen Jugendverbänden. Hauptziel war die Auswanderung nach Palästina und die Gründung von Kibutzim. Aus den in Palästina aktiven Gruppen entstand 1936 die Sozialistische Liga, die sich 1948 mit der Achdut Haawoda zur Mapam [Vereinigte Arbeiterpartei] Zusammenschloss.

[14]  Scheitl [Scheitel]: Die von orthodox-jüdischen Frauen getragene Perücke.


[15] Staatsvertrag betreffend der Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreichs: Abgeschlossen wurde der Staatsvertrag zwischen den Alliierten Mächten - der UdSSR, Großbritannien und Nordirland, USA und Frankreich einerseits sowie Österreich andererseits. Die Unterzeichnung fand am 15. 5. 1955 von den Außenministern der Signatarmächte W. M. Molotow, J. F. Dulles, H. Macmillan und A. Pinay sowie dem österreichischen Außenminister Leopold Figl im Schloss Belvedere, in Wien, statt. Der von den Alliierten Mächten abgeschlossene Staatsvertrag trat am 27. 7. 1955 in Kraft, da Österreich als erstes Opfer der Angriffspolitik Hitlers betrachtet wurde.


[16] Pessach: wird acht Tage [in der Diaspora] gefeiert, zur Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, auch als Fest der ungesäuerten Brote [Mazza] bezeichnet.


[17] Rosch Haschana [heb.: Kopf des Jahres]: das jüdische Neujahrsfest. Rosch Haschana fällt nach dem jüdischen Kalender auf den 1. Tischri, der nach dem gregorianischen Kalender auf Ende September oder in die erste Hälfte des Oktobers fällt.


[18] Jom Kippur: der jüdische Versöhnungstag, der wichtigste Festtag im Judentum.
Im Mittelpunkt stehen Reue und Versöhnung. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stadt: 
Wien

Interview details

Interviewte(r): Sylvia Segenreich
Wien, Austria

HAUPTPERSON

Sylvia Segenreich
Jüdischer Name:
Sarah
Geburtsjahr:
1926
Geburtsort:
Czernowitz
Beruf
nach dem 2. Weltkrieg:
Kaufmann
Familiennamen
  • Vorheriger Familienname: 
    Engler
    Jahr der Namensänderung: 
    1946
    Grund der Namensänderung: 
    Heirat

AUDIO - INTERVIEW

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