Kurt Steinbach

Kurt Steinbach mit seinen FreundenAusztria

Ich bin am 10. Juli 1922 in Wien geboren und aufgewachsen. Mit eineinhalb Jahren fuhr ich mit meinen Eltern und meiner Schwester nach Buenos Aires, und nach drei Jahren kehrte ich nach Wien zurück. Meine Eltern ließen sich dort scheiden, und ich wurde meinem Vater zugesprochen. Ab diesem Zeitpunkt war ich bei meinem Vater. Meine Mutter und meine Schwester kehrten erst sechs oder acht Jahre später aus Buenos Aires zurück.

Mein Vater hieß Abraham Adolf Steinbach-Falsez-Goldschein und hat den Namen bis zum Schluss gehabt. Ich habe 1945 dann den Namen abgelegt. Geboren ist er am 29. Februar 1897 in Lemberg, Polen. Ich habe keine Ahnung, wann er gestorben ist. Er hat einen Bruder und sogar eine Schwester gehabt: Heinrich und Berta. Mein Onkel hat in Polen gelebt. Meine Tante Berta war da [in Wien]. Sie hat hier am Fleischmarkt gewohnt. Ich habe eine Zeitlang bei ihr gewohnt.

Meine Großeltern väterlicherseits sind in der Nähe von Lemberg, Polen geboren. Mein Großvater hieß Benjamin Steinbach-Falsez-Goldschein, und meine Großmutter hieß Ruchel. Ich war zwei Mal bei ihnen zu Besuch. Ich habe sogar von Rechtswegen dort ein Haus, um das ich mich nie im Leben gekümmert habe. Weiß nicht, steht´s, steht es nicht. Mein Vater ist, ich glaube im 35er Jahr oder so ähnlich runtergefahren und hat das Haus gekauft. Das ist das letzte, was ich weiß. Meine Großeltern haben nur in Polen gelebt.

Ich war zwei Mal bei meinen Großeltern, als ich sechs oder acht Jahre alt war. Ja, es ist ein unauslöschbarer Eindruck gewesen. Mein Großvater war ein Riese und hat solche Paijes und so einen Bart gehabt. Das habe ich mir jeden Tag anschauen können, weil zu essen hat es nichts gegeben, bevor er mich nicht zwischen die Füße genommen hat und angefangen hat, „Moide, moide ani lecha...“ aufzusagen. So ist es gegangen. Ich musste immer - vor jedem Bissen Brot – dawenen [beten]. Also, ich habe keine allzu große Freude dort gehabt. Wie gesagt, ich war zwei Mal dort, einmal für 14 Tage. Statt aufs Land zu fahren, hat mich mein Vater mitgenommen zu ihnen nach Lemberg, und so habe ich sie kennen gelernt.

Meine Großeltern haben mit mir auf Jiddisch gesprochen. Ich bin aber ein Antisprachentalent im wahrsten Sinne des Wortes. Miteinander haben meine Großeltern auf Jiddisch gesprochen, soweit ich mich erinnern kann. Wenn sie nicht wollten, dass ich was verstehe, haben sie miteinander auf Polnisch gesprochen. Mein Vater hat das auch gemacht.

Sie waren sehr streng religiös. Man kann sagen ultraorthodox. Mein Großvater war sogar Rabbiner. Sie hatten noch einen Sohn, soweit ich mich erinnern kann. Der hat Heinrich geheißen. Mein Bruder ist nach ihm benannt worden. Sie dürfen nicht vergessen, mich haben meine Großeltern interessiert wie der vorige Schnee. Wie Hitler kam, war ich 16, und ich hatte im allgemeinen äußert wenig Kontakt zu ihnen gehabt. Ich war zwar ein guter Jude, aber damit tut es überhaupt nichts zur Sache. Es ist außerdem sehr schwierig auf Entfernung gewesen. Für mich war das vollkommen uninteressant. Mein Vater fuhr jedes Jahr ein oder zwei Mal für ein paar Tage hin. Aber es war auch eine andere Zeit.

Das Haus, indem die Großeltern gewohnt haben, war ein ganz nettes Häuschen. Das ist ein kleiner Ort gewesen, und das Haus war relativ neu. Ich kann mich darum erinnern, weil mein Vater es gekauft hat. Vergleichen Sie es mit einem Zweifamilienhaus hier. Aber es war ein brauchbares und angenehmes Haus, also nicht in Reichtum sondern einfach. Es war nicht luxuriös ausgestattet, es war ein bürgerliches Haus. Ich weiß, dass Leute bei ihnen gearbeitet haben. 

Meine leibliche Mutter hieß Anna Löwenthal. Ich glaube, sie ist am 15. Dezember 1900 geboren. Weiß ich nicht mehr so genau. Sie ist in Zamborg, in Polen geboren.

Ich bin mit meinem Vater nach drei Jahren nach Wien zurückgekommen, und meine Mutter blieb mit meiner Schwester Regine in Buenos Aires. Nach vier Jahren sind sie zurückgekommen, und dann hat sich mein Vater von meiner Mutter scheiden lassen, da war ich ca. acht Jahre alt, und hat die Mutter meines Halbbruders geheiratet. Meine Stiefmutter war auch eine Polin und stammte auch aus diesem Grätzel dort. Ihr Vorname war Brandl. Wir haben sie auch Bronja genannt.

Meine Mutter kam nach Wien und war bis 15. Juni 1939 hier. Meine Schwester kam mit ihr. Mit meiner Mutter habe ich sehr kurze Zeit verbracht. Ich habe meine Mutter nur ein Mal die Woche gesehen. Auch meine Schwester. Es war immer nur für ein paar Stunden, und ich bin mit denen überhaupt nicht verreist. Das war eine andere Zeit. Mein Vater hat eine Wohnung in Purkersdorf genommen. Früher waren wir zwei Monate in Purkersdorf, da haben wir zur besseren Schicht gezählt, weil wir dort unsere Ferien verbracht haben. Aber sonst, Auslandsreisen gab es überhaupt nicht. Nur nach Polen, die zwei Mal zur Familie. Familientreffen gab es sonst nicht. In dieser Beziehung war ich nicht sehr verwöhnt, durch diese ganzen Umstände.

Meine Mutter hätte ich gern öfters gesehen. Sie war eine wirkliche Perle von einem Menschen. Ich war meinem Vater zugesprochen, und meine Schwester war ihr zugesprochen. Das war so. Und außerdem war sie ja auch im Geschäft. Sie hat im 3. und im 10. Bezirk ihre zwei Geschäfte gehabt, und man konnte nicht so einfach dort hingehen. Ich hab ein Fahrrad gehabt und bin zu ihr hingefahren, wenn ich konnte. Es war sehr schwer. Ich hab nicht viel Zeit gehabt, da ich in der Schule war. Nach der Schule hab ich gegessen, Aufgaben gemacht und bin runtergegangen Fußball spielen. Bei der Kultusgemeinde, wo das Hotel Merkur ist, beim Kornhäusel drüben, dort haben wir als Kinder Fußball gespielt.

Mein Vater war Schneider und hatte ein Kleidergeschäft, Ecke Judengasse/Hoher Markt. Wo heute der Wallenstein drinnen ist, dort hat er ein Geschäft gehabt. Und meine Mutter, die hat zwei Geschäfte gehabt, zwei kleine Parfümerien, die ihr mein Vater bei der Scheidung als Abfertigung gegeben hat.

Meine Eltern haben sich sehr gut gekleidet. Erstens war es der Beruf meines Vaters, und er hat auch uns Kinder angezogen. Und meine Mutter war ganz normal, aber sie war gut angezogen. Also die finanzielle Situation meiner Eltern war auch nicht schlecht. Mein Vater war sehr religiös. Meine Mutter weniger. Auch meine Schwester nicht. Ich selbst war erst 16 Jahre alt, das hat mich nicht viel interessiert.

Soweit ich mich erinnere, hat mein Vater sich äußerst wenig um Politik oder sonst was groß gekümmert. Er war nämlich nicht sehr interessiert, soweit ich weiß. Mein Vater war bis spät in der Nacht im Geschäft. Er hatte so einen Radio-Tick. Er hat damals, das muss man sich vorstellen, vor 60 Jahren, ein Radio gehabt, das war so groß wie der Fernseher. Ich hab ihn kaum gesehen. Mein Verlangen war auch nicht so groß, ihn zu sehen.

Ich ging in die Schottenschule auf der Freyung. Im Cheder war ich auch: im Latzenhof im 1. Bezirk. Und zwar bei der Judengasse rechts, da ist heute der obere Teil vom Hotel Merkur. Dieses Haus war eine ganz miese Hütte, und dort war der Cheder, und ich bin auch dort Bar-Mizweh geworden. Ich wollte nicht, ich musste hingehen. Mich hat der Cheder nicht interessiert. Ich bin sechs Jahre in den Cheder gegangen und zwar jeden Tag: von Montag bis Donnerstag. Schabbes und Sonntag natürlich nicht. Es waren 15 Kinder im Cheder, und unterrichtet hat uns ein Rabbiner. Das bedeutet schon sehr viel.

Eine gewisse Frömmigkeit war bei mir gegeben. Ich bin Freitag Abend und Schabbes in Schil gegangen. Da hat es ein Jugendg’ttesdienst in der Seitenstettengasse gegeben. Da sind links die Mädchen gesessen, rechts die Burschen. Das ist das einzige, woran ich mich erinnere. Außerdem war ich zwei Jahre im Chor. Da war ich zehn bis zwölf Jahre alt.

Ich habe erst am Ruprechtplatz gewohnt, und dann wohnte ich unmittelbar bei der Kultusgemeinde. Auch meine ganzen Freunde, die ich gehabt habe, die haben alle da gewohnt, und da hat es sich irgendwie ergeben. Da ist gestanden: Chor wird gesucht. Es war damals sehr gut, es ist ja bezahlt worden. Ich glaube ich habe 15 Schilling im Monat verdient. Das war für damalige Zeiten wahnsinnig viel, und mit dem Stimmwechsel war es dann aus. Das Singen hab ich dort gelernt. Zu Feiertagen und am Schabbes hab ich dann dort gesungen. So leicht hat man sich das nicht verdient. Wir mussten proben und proben. Ich glaube, wir haben mindestens drei Mal in der Woche proben müssen. Es waren ca. 30 bis 40 Kinder im Chor. In der Seitenstettengasse, dort, wo heute die Thore aufbewahrt wird, dort sind wir gestanden, oder oben im 3. Stock, wo die Tafel steht, dahinter stand eine Orgel. Dort oben sind wir bei Hochzeiten gestanden, weil sie Platz für die Chupe brauchten. Die anderen waren auch ungefähr so alt wie ich, es war ja altersbedingt. Der Älteste war 13 bis 14 Jahre alt. Der Großteil war nicht aus der Stadt. Der Großteil war aus der Leopoldstadt, also die habe ich immer nur gesehen, wenn wir geprobt haben und sonst nicht.

Ich war bei der Hakoah Ringen, und dann war ich Schwimmen bei der Hakoah. Ich kannte die Fritzi Löwi und die Judith Deutsch, die Könner waren. Die hätte bei der Olympiade beim Hitler antreten sollen und hat gesagt, sie geht nicht. Ich war also zwei Mal in der Woche Schwimmen und ein Mal in der Woche Ringen. Die ganze Hakoah war hier mal Österreichischer Meister im Ringen.

Mit sechs oder sieben Jahren bin ich in die erste Volksschulklasse gegangen. Ich bin bis zur vierten gegangen, also bin ich mit 14 Jahren aus der Schule ausgetreten. Mein Vater hat doch ein Kleidergeschäft gehabt und hat sich gedacht, ich soll Kürschnerei lernen. Ob ich wollte? Nein. Ich hätte gern weiterstudiert, ist aber nicht gegangen. Ja sicher, ich hab es ihm gesagt, aber ihm war wichtiger, Geld zu verdienen. Damals war es interessant, Geld zu verdienen, damit man sich die Mäuler stopfen konnte. Damals war ja die Arbeitslosigkeit sehr hoch.

Eigentlich gab es keine Probleme in der Schule, dadurch dass ich ein Jude war. Es gab schon Lehrer, die antisemitisch waren. Bei den Schülern gab es selbstverständlich auch welche. Nur hat man das damals doch anders aufgefasst, so „Jud, Jud“ und diese Bemerkungen. Wenn einer mir „Saujud“ gesagt hat, hab ich ihm eine gegeben und von meinem Vater einen Schilling kassiert, wenn ich es ihm erzählt habe. Aber im allgemeinen, auch altersmäßig, wir waren ja damals 14, 15 Jahre alt, natürlich sind blöde Redensarten gefallen - das ist klar, wie es da im allgemeinen der Fall ist.

Mein Vater hat es toleriert. Die Schule hat es weniger toleriert. Aber bitte, da konnte ich ja nichts machen. Ich wurde nicht rausgeschmissen. Ich hatte mal einen Vierer in Betragen. Damals gab es nur Vierer. Das war damals die schlechteste Note. Wir hatten ein Mitteilungsheft, und dort hat die Professorin reingeschrieben: Ihr Sohn hat das und jenes gemacht, und das hat man am nächsten Tag unterschrieben mitbringen müssen. Na, ich hab doch gewusst, wenn ich das meinem Vater gebe, kriege ich „Kalt, Warm, Süß und Sauer“, also hab ich es unterschrieben. Beim 20. Mal ist mein Vater dann draufgekommen. Ich weiß nicht, was ihm eingefallen ist. Er hat normalerweise nie meine Schultasche kontrolliert. Einmal hat er in die Schultasche reingeschaut, und da ist das Heft drinnen gelegen. Das war eben zu der Zeit, wie ich einen Vierer in Betragen bekommen habe, aber das war ja nur im ersten Halbjahr. Später hab ich dann im Betragen einen Einser gehabt. Ich war zufällig ein braves Kind. Wenn man mich in Ruhe lässt, dann bin ich brav.

Da habe ich einen Nachbarn gehabt, mit dem ich gut befreundet war, sein Name war Ernst Rudes. Er war auch Jude. Mein Umgang im allgemeinen war zu 99 Prozent mit Juden. Auch in der Schule, in die ich ging, waren großteils Juden. Aber wir hatten sehr wenige katholische Bekannte. Ich hab Freunde genug gehabt, ich war nie allein oder sonst etwas. Man muss immer das Alter des Umbruchs einkalkulieren, vorher relativ gut und nachher Lager, und danach gab es keine Freunde oder sonst was. Man hat geschaut, dass man überlebt. Ich hatte auch eine Freundin. Da hab ich mir nicht reinreden lassen. Ist doch nicht wie heute. Früher ein jüdisches Mädel, wenn ich ihr einen Kuss gegeben habe, und der Papa hat es gesehen, hat er gefragt: „Wann ist die Chassene [Hochzeit]?“. Das ist nicht sowie heute. Mein Sohn hat es da besser gehabt.

Heute hab ich nur jüdische Bekanntschaften und Freunde. Früher hab ich so Freunde gehabt, die Mischling waren. Auf jeden Fall wusste ich zu 100 Prozent, dass sie O.K. waren. Das wäre damals für mich das Allerärgste gewesen - mit einem Nichtjuden.

Ich hab hier in Wien gewohnt, in der Nähe vom Stephansplatz. Es war eine jüdische Gegend. Der Großteil der Juden hat zu der Zeit im 2. und 9. Bezirk gewohnt. Wir haben eine wunderschöne Wohnung mit vier großen Zimmern gehabt. Die Wohnung bestand aus einer Küche, einem Bad, einem Dienstbodenzimmer, einem riesigen Vorzimmer, einem Balkon und einer Toilette. Das Vorzimmer allein war 15 Meter lang. Es war sehr schön. Wie ich zurückgekommen bin aus dem Lager, bin ich hingegangen, da ist nicht ein Stein am anderen gestanden von dem Haus. Es war komplett weg. Auch das Haus am Hohen Markt, wo mein Vater das Geschäft gehabt hat, war weg, komplett weg. Wir hatten alles: Strom, Elektrizität und so weiter. Es war ja das beste Viertel von Wien. In der Wohnung, in der ich gelebt habe, habe ich mit meinem Vater, mit meiner Stiefmutter und mit meinem Bruder gewohnt. Zu Hause hatten wir ein Dienstmädel. Sie ist mit uns spazieren gegangen, hat uns bei einer Aufgabe oder sonst was geholfen. Sie war Dienstmädel und Kindermädel gleichzeitig.

Ich hatte einen Halbbruder, der war zehn Jahre jünger als ich. Geboren ist er am 26. Juni 1932. Er hat Heinrich geheißen. Und ich hatte eine Schwester, die war zwei Jahre älter als ich. Sie hat Regine geheißen und ist am 4. Juni 1920 geboren. Sie ist nach England und hat meiner Mutter noch ein Permit geschickt. Nur ist es erst am 30. August 1939 angekommen. Regine ist als Dienstmädchen nach England gegangen, da war sie 18 Jahre alt. Sie war ein sehr gescheites Mädel, sie hat Auszeichnungen in Klavier, Englisch und Französisch gehabt. Sie war wirklich auf Top! Sie hat was im Kopf gehabt, die war gut. Sie hat meiner Mutter also ein Permit geschickt, meine Mutter war in der Zwischenzeit schon nach Polen geflüchtet, und am 1. September 1939 ist der Krieg ausgebrochen. Also konnte sie nicht mehr das Permit ausnützen, so hätte sie vielleicht überlebt.

1938 hat sich mein Leben dann schlagartig verändert. Ich habe am Ruprechtplatz gewohnt, und ich erinnere mich, dass am 10. oder 11. die Stadt abgesperrt war, ich konnte aber durchgehen, weil ich dort gewohnt habe. Auf der einen Seite stand die Vaterländische Front und hat: „Heil Schuschnigg“ geschrieen, und vis-á-vis sind die Nazis gestanden und haben: „Heil Hitler“ und „Jude verrecke“ geschrieen. Und so bin ich nach Hause gegangen damals. Am nächsten Tag war bereits ein kommissarischer Leiter hier, mein Vater war ja Schneider und hatte ein Kleidergeschäft. Aber mein Vater war polnischer Staatsangehöriger und war 80 prozentiger Kriegsinvalide und bekam auch eine kleine Rente, und dadurch konnte man ihn nicht ausbürgern. Er war einer der wenigen, die nicht ausgebürgert wurden, und das war mein Vorteil. Ich war zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich auch polnischer Staatsbürger.

Mein Vater konnte nach dem Anschluss weiterarbeiten, sehr kurzfristig aber, weil er zwei Mal verhaftet wurde, und als er dann rauskam, das war im 38er Jahr, ist er auf die Idee gekommen, wir könnten alle nach Argentinien zurückfahren, denn vorher konnte man das. Wer mal drüben war und eine Sedula, also eine Rechnungskarte hatte, der konnte wieder hin. Aber als mein Vater soweit war, war die argentinische Botschaft auch soweit und hat gesagt, das gibt es nicht mehr. Nur Klosterschwestern konnten noch hinfahren.

Ich war in der Zwischenzeit auch auf einige Tage mit meinem Vater eingesperrt. Ich war auf der Elisabethpromenade für einige Tage eingesperrt, und mein Vater war im Landesgericht, soweit ich mich erinnere. Er wurde dann von der Gestapo gesucht. Die Familienverhältnisse waren ein bisschen komisch dadurch. Obwohl meine Eltern geschieden waren, hat sich meine Mutter tadellos mit meinem Vater verstanden, auch mit der zweiten Frau und dem Kind. Und mein Vater sah sich gezwungen, am 15. Juni 1939 Österreich zu verlassen, da ihn die Gestapo gesucht hat und er weg musste.
Er ist mit seiner Frau, meiner Mutter und meinem Halbbruder weggefahren. Sie sind nach Polen gefahren. Ich bin hier geblieben. Ich habe sie nie mehr wiedergesehen.

Ich war hier in Hachschara. Hachschara war eine Vorbereitung für Palästina. Ich war hier in Schwardorf am Dr. Segall´schen Gutshof, das war ein jüdischer Gutshof, der von der Gestapo beschlagnahmt war. Wir sind im allgemeinen dort auf Landarbeit und all diese Arbeiten vorbereitet worden - mit der Chance, nach drei bis vier Monaten nach Palästina zu kommen, es gab damals Israeltransporte für Jugendliche. Das war im Jahr 1939. Mein Vater ist am 15. Juni weggefahren, und am 16. Juni bin ich auf Hachschara nach Schwardorf gekommen. Ich war dort ca. drei Monate. Das hätte normalerweise genügt, um dann in einem Transport eingegliedert zu werden und dann nach Palästina zu kommen, nur hat mich in der Zwischenzeit ein Pferd gebissen. Ja, es klingt komisch, aber wir mussten in Ställen arbeiten, im Kuhstall, im Pferdestall. Und ich war in einem Pferdestall eingeteilt. Da war ein bissiges Pferd, das mich gebissen und mir zwei Rippen gebrochen hat. Ich hab noch einen Verband bekommen, und dadurch, als der 1. September 1939 kam, war jegliche Möglichkeit, für die Hachschara wegzukommen, vorbei. Das Arbeitslager ist unmittelbar nach der Kriegserklärung aufgelöst worden, es muss im September gewesen sein.
  
Ich hatte insofern Glück, da ich die Leute in der Kultusgemeinde hier gekannt habe, das waren Freunde von mir, die dort als Ordner tätig waren, und so konnte ich durch sie dort Arbeit bekommen. Ich kam dann wieder nach Wien zurück und hab hier erst bei einem Freund gewohnt, und am 22. oder 23. September 1939 stand in der Zeitung, dass sich alle staatenlose Polen beim Polizeipräsidium am Schottenring melden sollen. Da bin ich hingegangen und bin dort gleich drei Monate geblieben. Ich hatte aber noch großes Glück, da die anderen, die ins Stadion gebracht worden sind, direkt ins Lager kamen. Ich hatte das Glück, weil ich eben damals 16, 17 Jahre alt war. Also nur ich und noch ein anderer, deren Name ich vergessen habe, waren die einzigen, die von dieser ganzen Aktion freigegangen sind, denn alle anderen kamen in die Aasberggasse im 20. Bezirk. Da war ein Obdachlosenheim; gibt’s heute noch, glaube ich. Und die sind dann von dort nach Polen gekommen.

Das hab ich mir also damals erspart, ich bin dann freigekommen und bin wieder zur Kultusgemeinde gegangen, und dort habe ich in den verschiedensten Stellen gearbeitet. Ich hab vier Mark am Tag verdient, und ich habe in der SS-Oberhauptschnitt Donau, das war die höchste SS Österreichs, als Portierführer gearbeitet, das war für ca. ein Jahr.

Ich habe bei der Kultusgemeinde das ganze Jahr 1940 durchgearbeitet. Ich musste ja arbeiten, es hat ja überhaupt keine Vermögenswerte oder sonst was ähnliches gegeben. Das einzige, was ich gehabt habe, war ganz am Anfang der Persianermantel meiner Mutter. Den hab ich für 800.- DM verkauft. Das war mein einziges Vermögen. Ich hatte ja nichts. Das war nach 1939. Ich musste ja essen gehen. Auf der Lebensmittelkarte war ja ein „J“. Also offiziell konnte ich ja nicht ins Gasthaus essen gehen. Ich hab einen Ober gehabt, dem hab ich mehr gezahlt, und er hat mir dann zu essen gegeben.

Dann wurde die Kultusgemeinde aufgelöst, und ich habe dann bei der BOGESTA gearbeitet. BOGESTA war die Verwaltung der Umsiedlungsgüter der geheimen Staatspolizei. Die Leute, die emigriert sind und ihr Gepäck mitgenommen haben, ihre Kisten verpackt und sie hier beim Schenk oder Karon Jelinek abgegeben haben, das alles ist nach Hamburg gekommen, wurde dort beschlagnahmt und wieder nach Wien zurückgeschickt und hier in verschiedenen Lagern ausgepackt. Der Inhalt dieser Koffer und Kisten ist sortiert und dann verkauft worden, als erstes beim Rotundengelände. Die Gestapo hat als erste gekauft, dann die SS, dann die SA, dann die NSV. Dort konnten sie nämlich alles billiger erstehen. In diesem Lager habe ich also gearbeitet, und unter anderem kam eines Tages die Lieferung von der Speditionsfirma Karon Jelinek, und da waren die Kisten meines Vaters dabei.

Wie ich das gesehen habe, wollte ich es natürlich haben. Wir hatten dort einen ziemlich anständigen Inspektor, der war eben bei der Polizei, und ich hab ihm gesagt, dass es meine Kisten sind. Da hat er zu mir gesagt, ich soll sie in die Ecke hinstellen. Das hab ich dann gemacht und hab mir leichtsinnigerweise einen Anzug genommen, ein paar Hemden und ein Grammophon. Zu der Zeit hatte ich eine Freundin, die in der Habsburgergasse 10 gewohnt hat, und die hatten eine Haushälterin. Diese Freundin hat Jutta Hoffmann geheißen. Ihre Haushälterin war Jüdin und hatte einen Freund. Ich wusste nicht, wer dieser Freund war. Hat sich herausgestellt, er war ein konfidenter Gestapo. Wie sie das Grammophon gesehen hat, hat er die Anzeige gemacht, und ich wurde am 28. September 1941 verhaftet.

Ich bin also mit der Beschuldigung, ich hätte deutsches Gut gestohlen, auf die Elisabethpromenade gekommen. Dort wurde ich auch geschlagen. Ich bin zu drei Monaten schweren Kerkers verurteilt worden und hab die drei Monate im Landesgericht abgesessen.

Nach diesen drei Monaten, nach Verbüßung der Haft, wurde ich in die Kleine Sperlgasse in so ein Lager überstellt. Nur hab ich dort natürlich die Leute gekannt, weil die Ordner von der Kultusgemeinde waren dort, und ich kannte auch den Großteil der Referenten der Gestapo, da wir es ja eingerichtet haben und eigentlich ja auch unter ihrer Aufsicht standen, denn diese Öffnung und Ansammlung der Kisten und dieser Vermögenswerte waren ja unter Aufsicht des Kommissarsrat Berger, Becker. Sie haben ein gutes Wort für mich eingelegt, aber es hat nicht viel genutzt, weil der Brunner 1 kam. Man hat ihm zwar gesagt, wer ich bin, aber es hat nichts gebracht.
Es haben noch 50 Leute zum Transport gefehlt, und da bin ich dann mit dem Transport am 26. Januar 1942 nach Riga gekommen.

Mein Vater hatte eine Schwester hier in Wien. Bei dieser Tante und bei einem Freund, der mit mir auch bei der Kultusgemeinde zusammengearbeitet hat, der Ernst Ludwig, bei diesen zweien hab ich gewohnt. Ich hab ja keine Wohnung mehr gehabt. Von dort kam ich dann nach fünf Tagen nach Riga. Das war der bittere Winter 1941/42. Das war ein Wahnsinn. Die Leute sind ausgestiegen und hatten Erfrierungen dritten Grades, an den Füßen und Händen. Ich bin hier weggefahren, und all die Ordner der Kultusgemeinde haben die Leute eingeteilt in den Waggons. Sie wussten, dass der erste Waggon geheizt ist, weil der unmittelbar nach der SS war. Das war der einzige Waggon, der geheizt war. Und dort haben sie mich untergebracht und haben mir auch mein ganzes Gepäck, das ja sonst niemand gehabt hat, in den Waggon gebracht.

Mein Gepäck bestand aus sieben oder acht Koffern. Von der Bekleidung bis zum Grammophon. Während ich im Gefängnis war, haben mir die Burschen von zu Hause Bettzeug und so verschiedenes gebracht. Sie wussten ja, wenn ich rauskomme, dass ich wegkommen werde und dass man sich mit den Sachen ein bisschen über Wasser halten konnte, was auch zugetroffen ist.

In Riga angekommen, ist die ganze Partie ins Lager marschiert. Wir waren 1250 Leute, von diesen 1250 Leute sind 1200 ins Ghetto marschiert. Es war ein schrecklicher Winter, es war alles eingefroren. Es war grausam, es hat fürchterlich ausgesehen. Die Leute kamen ins Ghetto, und wir 50, man hat die jüngsten und kräftigsten rausgenommen, mussten die Waggons reinigen. Und da hab ich natürlich schon gesehen, dass die Leute, die nicht gut bei Fuß waren, auf die Waggons raufgeworfen wurden, und es wurde geschossen. Dort hat man festgestellt, was eigentlich so ein Menschenleben wert ist. Und da war mein erster Gedanke, das werde ich auch nicht vergessen, ich habe eine große Apotheke mitgehabt, und da hab ich mir gedacht, ich fresse sie auf. Das war das einzige Mal, dass ich so beieinander war. So habe ich mich nie erlebt.

Das Ghetto war ca. zwei Stunden vom Bahnhof entfernt, und die Leute wurden dort hingeführt. Die jungen Leute, die schon im Ghetto waren, durften mit großen Schlitten zum Bahnhof kommen - unter Aufsicht natürlich - und durften auf diese Schlitten Brot aufladen. Ich bin dort an einem Mädchen vorbeigegangen, die mit einem Schlitten dort gestanden ist, und die sagt zu mir: „Du bist der Kurtl Steinbach!“. Ich hab sie noch nie in meinem Leben gesehen. Noch nie! Und sie sagte zu mir: “Das Gepäck, wenn du was hast, ist alles im Eimer. Wenn du kannst, bring es her.“.

Die Leute, die haben ja kein Gepäck gehabt im allgemeinen, denn es war ja in den Waggons drinnen, und jeder hatte nur ein Handgepäck, und das hat man ihnen dann im Laufe des Weges nach zwei Stunden, wenn es ihnen schwer geworden ist, auch abgenommen. Und ich hatte ja im ersten Waggon mein ganzes Gepäck. Ich hab das Gepäck geholt, hab es zu dem Mädchen hingebracht. Das sind riesige Schlitten gewesen, nicht wie die Kinderschlitten. Sie hat das Gepäck unten aufgelegt, hat eine Decke drüber gegeben und oben das Brot.
Und sowie wir dann abends ins Ghetto gekommen sind, hab ich als einziger im Ghetto mein Gepäck gehabt. Ich hab dann das Mädchen kennen gelernt, sie hieß Gerda Hacker. Sie hat mit ihrer Schwester in der Pragergruppe gewohnt. Die Schwester hieß Olli Adler, das war die Freundin des Kommandanten des Hauptsturmführers, Kurt Krause. Der hat ihr dort eine Friseurstuben eingerichtet. Sie war ein hochanständiges Mädchen und ein liebenswerter Mensch.

Gerda Hacker hat im 2. Bezirk gewohnt. Da gab es vorher im 38er, 39er Jahr so eine Jugendgruppe von der Jugendaliyah. Das ist die einzige Möglichkeit, woher sie mich gekannt haben konnte. Ich kann es heute nicht beantworten, es zählt zu den Wundern. Ich war froh und glücklich, ich hab alles gehabt. Ich war also im Ghetto und hab sie des öfteren gesehen. Ich hatte eine Freundin, die konnte ich mit den Sachen aus den Koffern anziehen. Die hat ja nichts mehr gehabt, und die war mit ihrer Mutter. Sie waren bei dem Transport dabei. Der Name meiner Freundin war Eva Rekler. Den Namen ihrer Mutter weiß ich nicht mehr. Sie haben nicht überlebt. Auch die Gerda nicht. Keiner hat es überlebt. Weder die Gerda noch die Eva.

Ich bin ins Ghetto gekommen. Ich hab die Eva gesucht, also das war in der Moskauer Vorstadt, es sind kleinere Häuser gewesen. Wenn man damals die Stiegen raufgegangen ist, ist man über Kleider, über Fetzen und Einrichtungen gestolpert. Und wenn man in die Küche raufkam, stand noch die Suppe am Tisch. Denn drei Tage vorher sind 22 lettische Juden dort umgebracht worden, um Platz für unseren Transport zu machen. 

In meiner Wohnung war der Arzt. Das sind alles Sachen, die sehr wichtig waren, wenn man weiß, wie es im allgemeinen da zugegangen ist. Der Arzt war ein großer Raucher, Dr. Bloch hat er geheißen, und ich hatte 1000 Zigaretten mit. Und da hab ich ihm jeden Tag 10 Zigaretten gegeben, und dadurch bin ich nicht aufs Kommando gegangen, ich war krank geschrieben. Ich hab aber in der Zwischenzeit den Arbeitseinsatz kennen gelernt, und das wichtigste war, ein gutes Kommando zu bekommen, so dass man überleben konnte.

Das große Glück war ja, dass ich den Transporten nach Sadespitz - das war ein Vernichtungslager, wo keine drei Prozent überlebt haben - durch meine damalige „Krankheit“ entgangen bin. Wie ich dann wieder arbeiten gehen musste, hat mir der Arbeitseinsatz, den ich gekannt habe, ein Kommando gegeben. Es war zwei Stunden in der Früh gehen und zwei Stunden zurück. Dort war der Schlachthof. Das, was geschlachtet wurde, kam zu uns, wurde geputzt und eingesalzen. Es war wahnsinnig schwer. Es war nass, gefroren und das alles. Das war aber ein gutes Kommando. Von der Gruppe Wien war überhaupt keiner, ich bin dann der einzige gewesen, der dort eingeteilt wurde, und dort gab es zu essen. Wir haben zu Mittag eine Suppe bekommen, und so hatten wir was zu essen. Es war jedenfalls ein relativ gutes Kommando, und das wichtigste bei diesem Kommando war, da gab es einen so genannten Führer, der hat uns geholt und hat uns wieder gebracht. Und mit diesem Mann konnte ich Geschäfte machen.
Das heißt, von meinen Sachen, die ich hatte, hab ich ihm was gegeben, und er hat mir dann zwei Kilo Butter und ein Laibl Brot gebracht. Ja, das war die Währung. Das hat mich, Eva und ihre Mutter über die erste mieseste Zeit hinweggebracht. Denn im Ghetto selbst gab es ja nichts, es gab ein Mal für drei Tage und ein Mal für vier Tage ca. 200 bis 250 Gramm Brot. Dann gab es ein Mal in der Woche 10 oder 15 Gramm Margarine und dasselbe auch in Zucker. Es gab Kommandos, da hat es überhaupt nichts zu essen gegeben, dafür hat man Holz bekommen. Es gab Familien, die hatten was zum Essen aber nichts zum Heizen gehabt, während ein anderer Holz besaß und nichts zu essen hatte. So konnte man miteinander verhandeln, und jeder hat bekommen, was er wollte. Im Laufe der Zeit hat sich das besser eingependelt. Das war lebensgefährlich. Wer dabei erwischt wurde, ist gehängt worden. Ich hab es 50 Mal erlebt, nicht nur ein Mal. Ich hab nur das große Glück gehabt, dass ich bei diesem Kommando G’tt sei Dank nicht aufgeflogen bin.

Ich kam dann zur Ghettopolizei, nur war mein Dasein auch dort nicht von langer Zeit. Das war ca. im August 1942. Also, für mich war das überhaupt keine Beschäftigung, weil ich musste Leute holen. Ich musste dieses Kommando ausführen. Ich war ca. vier Wochen dort.

Ich habe mich dann bei einer Kürschnerei gemeldet.
Dort hatten wir einen Vorarbeiter, Hamburger hieß er, ein Wiener, also ein Goldstück.

Die Leute, die dort in der Kürschnerei saßen, haben nie eine Nadel in der Hand gehabt, haben sich aber trotzdem als Kürschner gemeldet. Also ich bin dort hingekommen und habe dort am ersten Tag 15 Jacken gemacht. Nähen kann man nur in der Wärme, sonst kann man nicht nähen. Also die Fabrik musste geheizt werden, und das war ein gutes Geschäft. Dort war ich ein paar Monate, und wir haben das vergrößert, und ich hab da meine Werkstätte mit 36 jungen Mädchen, die alle genäht haben, gehabt. Ich hatte diesen großen Vorteil, ich war Vorarbeiter, so komisch es klingt, ich hab unter anderem auch die Zwirn ausgegeben. Und da hab ich jeden Tag zwei bis drei Rollen Zwirn, die mir geblieben sind, gestohlen. Und die hab ich der Eva mitgegeben, weil die hat im Teillazarett gearbeitet, und die hat auch so einen Begleiter gehabt, dafür hat sie dann Suppe oder Brot bekommen, und außerdem war sie ein sehr hübsches Mädchen. Die Soldaten haben sie dort sehr gern gehabt, und man hat ihr die ganzen Zigaretten aufgehoben, und die hat sie mir mitgebracht, und ich hab das ausgenutzt. Ich konnte sie noch sogar gegen Kartoffel eintauschen. Das war im Oktober, November 1942.

Der Krause, der Kommandant, hat eine Vorliebe gehabt, das war die Fabrik. Die Fabrik herzurichten, war für ihn das wichtigste, weil das alles für die Wehmacht war, dafür hat er eine Schwäche gehabt. Dadurch konnte ich dorthin, sonst hätte ich von den Kommandos nicht weggehen können. In der Fabrik hat sich das eben so ergeben, das ging bis Anfang 1944. Dann wurde das Ghetto aufgelöst, und wir wurden zum Straßenhof gebracht.

Als das Ghetto aufgelöst wurde, kam die Eva nach Jungfernhof, das ist unmittelbar in der Nähe von Riga. Das ist auch ein Lager gewesen, eigentlich glaub ich mehr, dass es ursprünglich ein Gutshof war. Sie befand sich dort, und ich kam nach Straßenhof, das sich auch unmittelbar in der Nähe von Riga befand. Das war ein ehemaliges Kabelwerk, ein sehr lang gestreckter Bau, drei oder vier Stockwerke hoch. Eigentlich hat es Straßdenhof geheißen und war ein Konzentrationslager. Wir kamen von einem Ghetto, das ja relativ leicht überlebbar war, wir hatten ein bisschen Verbindungen, und in Straßenhof haben dann alle Verbindungen aufgehört.

Es gab aber auch dort irgendwelche Möglichkeiten, so dass man überleben konnte. Es gab einige Kommandos von der Stadt, und da hat es immer wieder diese Tauschmöglichkeiten gegeben. Ich habe weiterhin in der Kürschnerei gearbeitet. Am 06. August 1944 gab es dann eine Aktion, und die bis 16- und die über 30jährigen gingen ins Gas. Wir blieben noch in Straßenhof, wir Überlebenden sozusagen, denn drei, vier Tage später kamen Schiffe. Wir grenzten an einen Fluss, und wir haben die Schiffe ausgeladen, und da waren Kleider von den Leuten, die ins Gas gegangen sind. Und zwei Wochen oder drei Wochen später sind wir von Straßenhof nach Kaiserwald gekommen. Kaiserwald war ein KZ, weitaus größer als Straßenhof, unter Aufsicht von Berufsverbrechern, und der Kommandant hieß Sauer.

Der Großteil der Leute, die zu dieser Zeit in Kaiserwald waren, musste im Hafen arbeiten, denn es war ja der Rückzug, die Russen waren ganz nahe. Da ist alles auf die Schiffe verladen worden, und ich habe mich als Automechaniker gemeldet. Da hat man mich zum NSKK gebracht, dort waren 20 Leute im ganzen. Am Hafen waren Tausende. Da hat man eine Suppe bekommen, und die Aufgabe war, all die Autos auszuschlachten und in den dort stehenden Waggons aufzuladen. Ich hab dort die Zeit als Automechaniker überbrückt, es hat aber nicht mehr lange gedauert, da sind wir alle nach Stutthof verfrachtet worden. Das muss im September 1944 gewesen sein. Die Reise nach Stutthof war eine Katastrophe. Da war ein Schiff, da waren 5000 Leute, wir sind am Boden wie Sardinen nebeneinander gelegen, und wenn sich einer umgedreht hat, haben sich alle umdrehen müssen. Es gab natürlich kein Klo, und ich war ca. 4,5 Meter von der Wand entfernt, und dort sind die Kübel gestanden, und das ist alles übergegangen. Das war der Transport nach Danzing, und von dort sind wir zwei Tage vor dem Stutthof gesessen.
                    
Das war ein ganz mieses Lager, es war ein riesiges Lager, da waren 60.000 Leute dort und 2000 oder 3000 Juden. Das zu überleben, war nicht das leichteste. Der Großteil ist immer nach Danzing weggebracht worden, und ich wollte nicht. Ich habe mir gedacht, ich möchte nach Deutschland. Ich habe mir gedacht, je näher du in Deutschland bist, je weniger erschießen sie dich. Trotz all dem, ich hatte das Gefühl, ich müsste nach Deutschland. Gesagt, getan! Ich hab gewartet, und eines Tages kam der Transport nach Magdeburg. Zwei Tage später ist das Lager wegen Typhus gesperrt worden. Es sind zehntausend Leute oder so was gestorben.

In Magdeburg haben wir in einer Fabrik bei Poltek gearbeitet. Wir sind mit Waggons hingekommen, und der Transport hat einen Tag gedauert. In Magdeburg hatte ich ein sehr, sehr großes Glück. Es sind dort Granaten erzeugt worden. Dort waren 40.000 Leute, und da gab es eine Riesenhalle, wo die Granaten erzeugt wurden. In dieser Halle waren 3.000 Leute und 10 Arier, und ich kam in die Metallschleiferei, dort waren 18 Arier und 18 Juden. Von uns ist das ganze abhängig gewesen, denn bei uns wurden die Formen von den Granaten gemacht, denn ohne der Form ist es nicht durchführbar gewesen. Ich wurde Polierer. Es gab zwei Polierer, und die Granaten mussten spiegelglatt sein. Ich hatte das Riesenglück beim Formschleifen, hinter mir einen Mann stehen zu haben, der Otto Nitsche hieß. Dieser Otto Nitsche war ehemals ein Radrennfahrer und Reklamchef beim Bergmann privat.
Das war eine riesige Zigarettenfirma in Deutschland. Er war ein hochanständiger Mensch. Er hat mir jeden Tag ein paar Zigarren gegeben, und die hab ich zerschnitten und konnte sie im Lager den Leuten verkaufen. Das hat mir zu der Zeit das Leben gerettet.

In dieser Fabrik gab es vier Ausgänge, und bei jedem Ausgang saß ein Posten. Bei uns Metallschleifern saß auch ein Posten, und für diese 18 Arier wurde in der Nacht Kaffee geholt. Es gab eine deutsche Großküche dort. Und der Otto hat mich mitgenommen, und ich bin mit ihm hingegangen mit den zwei Kannen, und in der Küche lagen dann Erdäpfelschalen, Karottenschalen, etc. Wir haben was mitgehen lassen und sind dann wieder zurück, und wie es kalt war, haben wir es essen können. Also eines Tages bin ich wieder mit ihm hingegangen und wollte was nehmen, und plötzlich schrie jemand: „Halt“. Der Werkschutz. Als erstes hat er mir noch mit einer 25 Liter Milchkanne eine am Schädel gegeben. Der Otto hat es gesehen, hat die Kannen genommen, Kaffee geholt und ist zurück in die Fabrik. Der Werkschutzmann hat mich zum Werkschutz gebracht und mich geschlagen. Dann hat er mich rausgeführt und hat mich einem rumänischem SS-Mann übergeben, mit dem Auftrag, mich ins Lager zu führen. Der hat dann einen großen Schlauch mit einem dicken Drahtseil und einem Gummi drüber rausgezogen, und wie ich vor ihm gegangen bin, hat er mich mit dem am Hinterkopf geschlagen. Wenn ich schneller gegangen bin, hat er gesagt: „Bleib stehen, sonst leg i di um!“

Und so kam ich zum Kommandanten. Das muss im Februar gewesen sein. Der Kommandant hat gefragt, wo ich arbeite, da hab ich ihm gesagt, dass ich Metallschleifer bin. Hat er gesagt: „Da ist keine Zeit zu vergeuden, denn es ist das wichtigste.“. Und so bin ich wieder zurück.

Ich hatte eine schwere Gehirnerschütterung, aber das war ja nicht zu ändern oder zu beheben, da ich im Lager war. Die SS war abgezogen, das war am 12 oder 13. Jänner. Da war ein Angriff auf Magdeburg, und da wurde Magdeburg ziemlich zerstört. Das Lager stand in der Mitte, und es ist keine Bombe aufs Lager gefallen. Durch den Druck hat es den Zaun umgehauen, aber das Lager wurde nicht zerstört. Ich war zu der Zeit in der Fabrik, zwei Kilometer vom Lager entfernt. Die Fabrik hat sehr gelitten, wir waren im Keller unten und haben den Angriff überlebt. In den nächsten Tagen mussten wir dann die ganzen Aufräumungsarbeiten machen.    

Vier oder fünf Tage später hat die SS die Fabrik geräumt. Und wir sind zurück ins Lager gegangen. Niemand hat uns bewacht. Vom Abend bis am nächsten Tag in der Früh. Ich hab nicht versucht, vom Lager wegzukommen. Andere, die es versucht haben, sind wieder zurückgekommen. Zu der Zeit waren wir ca. tausend Männer im Lager und zweitausend Frauen oder so was ähnliches. Das ganze Lager ist geplündert worden, nur die Verpflegungskammer wurde nicht geplündert. Ich weiß genau, wir waren sechs Burschen, fünf Kilo Butter haben wir gehabt. Ich kann mich erinnern, wie ich jedem gesagt habe: „Esst ja nichts und wenn, dann ganz wenig!“. Da haben wir wen gefunden, der hat uns zwei Stück Brot gegeben, und wir haben ihm ein Stückl von der Butter gegeben. Da haben wir ganz wenig essen können. Und am nächsten Tag stand der Volksturm da. Der führte uns nach Sachsenhausen, und auf einem Tennisplatz mit anschließenden Fußballplatz haben wir Pause gemacht.

Auf dem Tennisplatz lagen die Männer, und am Fußballplatz waren die Frauen, und plötzlich sind Granaten gefallen. Ich hab überhaupt keine Ahnung gehabt, wie diese Granaten aufgetaucht sind. Auf jeden Fall, wir sind dort gelegen. Ich bin in der Mitte gelegen, links und rechts waren Freunde von mir. Also bei der ersten Granaten hab ich überhaupt nichts wirklich begriffen und hab mich wieder hingelegt, und wir sind so weiter gelegen. Kam wieder eine Granate. Ich stütze mich auf, griff links und rechts - war Blut. Hat es den einem die rechte Gesäßbacke weggerissen, und der zweite hatte einen kleinen Splitter. Wir wollten einen Doktor holen, also sind wir gelaufen, und da hat der Volkssturm uns nachgeschossen.

Wir haben diesen Mann mit dem Splitter mitgehabt und haben dann eine lettische Ärztin gefunden, die ihm den Splitter rausgeholt hat, und da haben wir uns für die nächsten vier Wochen versteckt. Wir waren ein paar Kilometer von Magdeburg entfernt. Mit uns waren noch 13 Belgier. Das war ja in den letzten Tagen. Und eines Tages stand der Volksturm vor der Tür. Der hat uns auf Pferdefuhrwerke aufgeladen, und wir fuhren los. Man wollte uns auf irgendeiner Polizei unterbringen, das war aber nicht möglich, da war alles voll.

Die Polizei hat uns freigelassen, und unmittelbar von dort war ein Lager. Dort waren Soldaten, und wir sind dort hingegangen und haben uns dort gemeldet. Wir hatten ja keine Möglichkeit, irgendwas anderes zu machen. Dort haben wir zwei Tage verbracht. Wir waren als Fremdarbeiter dort. Dass wir KZler waren, das hatten sie nicht gewusst..

Nach zwei Tagen sind wir mit den Belgiern 32 bis 34 Kilometer weitermarschiert. Wir sind in Richtung Laubenburg gegangen, weil wir wussten, dass Laubenburg zur freien Stadt erklärt worden war. Wir sind am Abend in Laubenburg angekommen, und am nächsten Tag sind wir Richtung Zerbst gegangen und sind letztendlich dort angekommen.

Dort waren wir in einem Lager, dort waren 1.000 Leute, es war ein ganzes Dorf, und wir sind dort geblieben, bis uns die Russen nach Dessau geführt haben. In Dessau bin ich über die Brücke gegangen und hab versucht zu den Amerikanern zu kommen. Ich wollte also in die amerikanische Zone rein, aber man hat mich nicht rübergelassen und hat gemeint, dass ich über die russische Zone nach Wien komme. Also bin ich zurückgegangen, und wir lagen in Dessau im Freien. Zu der Zeit war der Krieg schon beendet. Jetzt wollte ich zurück. Mit uns waren noch vier oder fünf Frauen aus Auschwitz, und ich hab uns beim Roten Kreuz einen LKW organisiert, der uns nach Berlin bringt. Das ist mir gelungen, nur konnten wir nicht bis nach Berlin, sondern sie haben uns bis nach Fürstenfeld gebracht. Von dort bin ich allein nach Berlin. Ich war einige Tage in einem jüdischen Heim in Wedding, das war ein Lager. Dort war ich mit einigen Tschechen zusammen, die Richtung Tschechien weitergefahren sind. Also bin ich mit denen dann nach Prag.

In Prag hab ich leider schnell rausbekommen, dass es nachteilig war, wenn man Deutsch gesprochen hat. Ich bin dann zur österreichischen Gesandtschaft gegangen, es war voll mit all den Nazis, die geflüchtet sind. Die haben gesagt der nächste Transport geht in drei bis vier Wochen nach Wien. Da hab ich gesagt: „Das mach ich nicht, geben sie mir einen Stempel, (ich hatte da irgend so einen komischen Ausweis) ich werde schauen, wie ich allein nach Hause komme.“.

In Wien bin ich zur Kultusgemeinde gegangen, die haben mir sehr geholfen. Die haben mir 50 Mark gegeben. Da bin ich einen Stock tiefer gegangen und hab mir 10 Zigaretten damit gekauft, und das war, was die Kultusgemeinde bis zum heutigen Tag für mich gemacht hat.

Nach dem Krieg hatte ich noch ein Mal Kontakt mit meiner Schwester. Sie war in London, ist im 45er Jahr in die amerikanische Armee eingetreten und war bei der CCD (Civil Centre Division) bei der Zensur in Esslingen, Deutschland. Ich hab sie dann von hieraus gefunden, und wir haben uns ein Mal in Salzburg getroffen. Wir haben einen Tag miteinander verbracht und haben uns trotz allem sehr gut verstanden. Wir haben uns geschrieben und wollten uns wieder treffen, aber sie hat mir dann einen Brief geschrieben, indem sie mir mitgeteilt hat, dass das CCD aufgelöst wird, und wenn sie nicht innerhalb von sechs Wochen einen Job bei der Army bekommt, muss sie nach England, oder sie fährt nach Amerika. Und seit dem Tag weiß ich nichts mehr von ihr. Sie hat angeblich dann irgendeinen amerikanischen Rechtsanwalt geheiratet. Ich hab versucht, das zu eruieren, ich war mit einem Oberstleutnant beim Pentagon, einem Freund von Nixon.

Ich hab alles erdenkliche und mögliche versucht, aber es ist mir nicht gelungen. Ich hab sie überall gesucht. Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich bin ein paar Mal nach London gefahren, weil ich hatte eine Tante mütterlicherseits dort, bei der sie teilweise gewohnt hat. Sie hat mir erzählt, sie soll Kommunistin gewesen sein und soll, wie sie in Deutschland war, angeblich in Berlin über die Grenze gegangen sein. Ich hab, gleich nachdem die Mauer gefallen ist, versucht, sie dort irgendwie ausfindig zu machen. Sie hat aller Wahrscheinlichkeit nach den Namen geändert. Ich war beim Roten Kreuz, ich war überall. Wenn sie heute noch leben würde, wäre sie 82 Jahre alt. Ich hab in einer jüdischen Zeitung in Amerika eine einseitige Suchanzeige aufgegeben. Ich habe die Suche eigentlich NIE aufgegeben.

Dann hab ich noch Freunde gehabt, die auch zurückgekommen sind, die hab ich dann gefunden, und so hat es sich irgendwie ergeben. Am Anfang haben uns die Amerikaner geholfen, bis ein Freund von mir, der mit mir in Riga war und auch zurückgekommen ist, mir angeboten hat, bei ihm zu arbeiten. Otto Toper hat er geheißen. Er hat dann einige Geschäfte gehabt und hat immer zu mir gesagt: „Kurtl, du kannst jederzeit zu mir kommen!“.

Ich hab nicht lange bei ihm gearbeitet und bin dann zum JOINT gegangen, dort war ich sechs Jahre. Das ist die größte jüdische Spendenorganisation der Welt. Ja, wahnsinnig schwer ist es gewesen: Waggons aufladen, Lebensmittel, Bekleidung, usw. Meine Frau hat die TBC gehabt. Das wichtigste war die ganze medizinische Versorgung, das hat es ja nicht gegeben. Durch den JOINT hab ich das alles bekommen. Und das wichtigste war die Verpflegung. Wir haben ja schwerst gearbeitet, wir haben die Waggons ausgeladen und haben die Lebensmittel bezahlt bekommen, und so hab ich sie auch wieder gesund gepflegt.
Sie ist gesund geworden, wir haben ein Kind bekommen, und nach 40 Jahren haben wir uns scheiden lassen. Im 45er Jahre hab ich sie kennen gelernt, und im 46er Jahre haben wir geheiratet. Wir haben uns bei ihrem Onkel kennen gelernt. Er war ein Jude, und seine Frau war Christin. Meine Ex-Frau heißt Hélène August. Sie ist am 23. April 1920 geboren und lebt heute noch. Ich hab mich 1985 scheiden lassen. Spät aber doch. Meine Frau ist nicht übergetreten, sie ist aus der Religion ausgetreten. Obwohl meine gewesene Frau keine Jüdin war, war sie eine bessere Jüdin wie manche Jüdinnen. Sie wollte übertreten und war schon in der Mikwe.

Nach sechs Jahren JOINT hab ich wieder beim Otto Toper gearbeitet. War zwei oder drei Jahre bei ihm, hab die Brancherechte gelernt, war dann 15 Jahre Geschäftsführer beim Kleiderhaus Meisenbrauner und hab bis zu meiner Pensionierung meine eigene Trafik gehabt.

Ich hab nur einen Sohn. Thomas ist am 03. März 1956 auf die Welt gekommen. Meine Beziehung zu ihm ist ausgezeichnet. Obwohl ich seit 15 Jahren geschieden bin, sehen wir uns so oft es geht. Wir telefonieren zwei Mal am Tag. Wir haben eine sehr enge Beziehung. Das ist das einzige, was ich eigentlich heute noch habe. Das ist für mich das Wichtigste. Mein Sohn ist nicht jüdisch erzogen. Also, erzogen ist er schon, aber er ist kein Jude. Und ich hab gesagt, er soll evangelisch werden, ich wollte nicht, dass er ohne Glauben aufwächst, und jetzt macht er mir die bittersten Vorwürfe, warum er kein Jude ist. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Er sagt mir: „Ich schau aus wie ein Jude, ich hab nur jüdische Bekannte und fühle wie ein Jude. Allein durch deine Vergangenheit, und dabei bin ich kein Jude!“. Es ist eine innere Zerrissenheit. Er hat einen inneren Konflikt.

Ich hab noch zwei Neffen. Einer ist in London, und der andere ist in Israel. Der eine ist schon Rabbiner und lebt in London. Sie waren alle schon zwei Mal bei mir. Meine Cousine und ihre Söhne sind meine einzigen Verwandten, die ich noch habe. Leider G’ttes ist sie schwerkrank. Sie hat Multiple Sklerose und ist nicht mehr so gut beieinander. Ich hab sie schon ein paar Mal besucht und hab versucht, ihr finanziell zu helfen. Ich ruf sie auch mal ab und zu an, um zu fragen, wie es ihr so geht. Ein gewisser Kontakt ist schon vorhanden.

Feiertage halte ich auch. Ich bin nicht fromm, ich bin ein guter Jude. Ich halte Rosch Ha Schana, Jom Kippur, etc. Ich hab sogar jetzt in der Türkei gefastet, obwohl ich 80 bin. Das hat mit Frömmigkeit nichts zu tun. Ich werde nicht für viel Geld aus der Religion austreten. Ich rede nicht gern darüber, ich lebe auch nicht in der Vergangenheit. Man sieht, wenn man alt wird und so zurückdenkt, so ist es immer was Gutes. Wenn ich mich an die schrecklichste Zeit im Lager erinnere, da denke ich nicht automatisch: „Ich hab hunderte Leichen gesehen“ oder sonst was. Ich denke mehr an das Gute. Ich sehe großteils das Positive. Verhältnismäßig für mein Alter hab ich noch genug Heiterkeit und erfreu mich noch an dem und jenem.

Country: 

Interjú adatok

Interjúalany: Kurt Steinbach
Interjúkészítő neve:
Shirly Pitz
Interjú készítésének hónapja:
November
Interjú készítésének éve:
2001
, Austria

Kulcsfigura

Kurt Steinbach
Születési év:
1922
Születési hely:
Wien
Ország neve a fénykép készültekor::
Österreich
Foglalkozása
II. világháború előtt:
Kürschner
II.világháború után:
Geschäftsführer v. Kleidergeschäft und Besitzer einer Traffik
Névváltozás
  • Születési név: 
    Steinbach-Falsez-Goldschein
    Névváltoztatás éve: 
    1945
    Névváltoztatás oka: 
    Assimilation

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