Siegfried-Buby Schieber

Wien, Ausztria

Siegfried Buby Schieber
Wien
Österreich
Datum des Interviews: Juni 2003
Name des Interviewers: Tanja Eckstein

Meine erste Begegnung mit Buby Schieber findet im Kaffeehaus Sacher statt. Er möchte mich erst einmal kennen lernen und dann entscheiden, ob er mir ein Interview über sein Leben gibt. Ich lasse die lange Schlange, die sich vor dem Kaffeehaus Sacher wie gewöhnlich gebildet hat hinter mir und betrete, ohne auf die eventuell bösen Blicke der Wartenden zu achten, das Kaffee. Dann bitte ich den auf mich zueilenden Kellner, mich zum Tisch des Ingenieurs Schieber zu geleiten. Daraufhin lächelt mich der Kellner wohlwollend an und führt mich zum Tisch eines stattlichen, gutaussehenden, sehr gepflegten älteren Herrn, der sich höflich erhebt, um mich zu begrüßen. Einige Zeit später ahne ich bereits, die Prüfung bestanden zu haben, denn wir befinden uns in einem anregenden Gespräch. Das nächste Treffen findet in seiner Wohnung, im 3. Wiener Gemeindebezirk, statt. Seit dem Tod seiner Frau fühlt er sich sehr allein. Der Kühlschrank ist leer, wie er mir zeigt - das Sacher ist seit Jahren sein zu Hause. Er erzählt mir seine und die Geschichte seiner Familie, und wir telefonieren in den nächsten Wochen miteinander. Unsere letzte Begegnung findet wieder im Kaffeehaus Sacher statt, wo auch ich mich, in seiner Gesellschaft, beinahe schon zu Hause fühle.
Am 8. Juli 2005 stirbt Buby Schieber in Wien.

Meine Familiengeschichte
Meine Kindheit
Während des Krieges
Nach dem Krieg
Wien
Glossar

 

Meine Familiengeschichte

Mein Urgroßvater väterlicherseits hat Moische Schloime Salman geheißen. Ich wurde nach ihm benannt, denn bei den Juden gibt man den Kindern die Namen von Verstorbenen.
Sein Sohn, mein Großvater, hieß Chaim Suchar Schieber. Er wurde 1859 in Wiznitz [heute Ukraine], geboren. Wiznitz gehörte zur damaligen Bukowina und war eine sehr große berühmte jüdische Niederlassung - eine große rabbinische Stadt. Mein Urgroßvater blieb in Wiznitz, aber mein Großvater kam 1895 nach Kimpolung [Rumänien], dass auch in der Bukowina lag.

In Kimpolung lebten ungefähr 12 000 Menschen, davon waren ungefähr 1 500 Juden, circa
10 000 orthodoxe Christen und circa 500 Katholiken und Protestanten.

Meine Großmutter, die ich leider nicht kennen gelernt habe, hieß Bella Ruchel. Sie kam auch aus Wiznitz und war in Kimpolung als eine große Wohltäterin bekannt, denn sie ist immer zu den ärmeren Leuten gegangen, um zu kontrollieren, ob sie auch genug Essen haben, um den Schabbat [1] zu feiern. Wenn die Leute arm waren, hat sie ihnen etwas gebracht, denn Wohltätigkeit war ein Brauch bei den Juden. Heute geht man nicht, um zu fragen: ‚Hast du genügend Geld, dass du in Ehre den Schabbat feiern kannst’, aber so war das damals.

Mein Großvater war Kaufmann und besaß in Kimpolung ein Möbelhaus mit den berühmten Thonet Möbeln [2] aus Wien. Die Großeltern flüchteten während des 1. Weltkrieges in die Tschechoslowakei, nach Mährisch Ostrau [heute Tschechien], wo meine Großmutter starb.
Als der Großvater allein, ohne die Großmutter nach Kimpolung zurückkam, war das Möbelhaus ausgeraubt. Seit dieser Zeit hatte er kein Geschäft mehr.
Mein Großvater war in unsere Gemeinde Vizepräsident im Kultusrat. Er war immer sehr gefragt und sehr respektiert, er war ein Balabat, ein balabatischer Mensch, ein Herr, wie man im jiddischen sagt.

Bei den Juden wird man im Tempel aufgerufen zur Thora. Und dort wird man gefragt: ‚Wie heißt du?’ Da muss man seinen Namen sagen und Ben, das heißt Sohn, den Namen des Vaters. Es gibt eine sogenannte Hierarchie: Ist er religiös? War sein Vater ein sehr religiöser Mann? War er sehr angesehen? Und da gab es auch Ehrentitel, im Sinne von: War er ein guter Mensch? Mein Großvater war ein Balabat, mein Urgroßvater ein Zaddik [3]. Ein Zaddik war ein anerkannter Gelehrter im Vergleich zu den Katholiken wie ein Kardinal - religiös gesehen.

Meine erste große Liebe war ein schönes blondes Mädchen, aber sie war keine Jüdin.
Irgendeiner von den besseren Menschen aus der Stadt, ein angesehener Bürger, ein Balabat, ein Herr also, ist zu meinem Großvater Chaim Suchar gegangen und hat zu ihm gesagt:
‚Wie akzeptierst du das? Dein Enkel, der den Namen nach unserem Zaddik, dem heiligen Zaddik hat, der geht mit einer Schickse!’
Das war gar nicht böse gemeint, das heißt nur, er geht mit einer Christin. Wenn man damals mit einer jungen Frau gegangen ist, ist man seriös gegangen. Die Kinder waren noch so erzogen: Wenn man ein Mädchen verehrt hat, hat man sie ernsthaft verehrt. Deswegen war dieser Herr so aufgeregt: Der verehrt eine Christin? Der wird heiraten eine Christin? Und mir hat das ein Arzt erzählt, der meinen Großvater behandelt hat und der ein Freund von meinem Vater war. Mit der Zeit habe ich die Freundschaft mit dem alten Herrn übernommen, denn ich wirkte ein bisschen älter wie mein Jahrgang, und man hat mich akzeptiert. Und er hat mir gesagt, was der Großvater geantwortet hat. Der Großvater hat gesagt: Wenn man ein älterer Mensch ist, soll man auch Verständnis haben für die jungen Leute.
‚Aber du kannst beruhigt sein, er wird mich nicht beschämen.’ Und außerdem hat er noch diesen Satz betont: ‚Gott hat die Liebe gegeben den Menschen, nicht der Religion.’ Ich war sehr stolz, dass mein Großvater so modern war. Als wir Matura machen wollten, mit 17 Jahren, wurden wir ausgeschlossen aus dem Lyzeum, weil Buben und Mädchen nicht zusammen gehen durften. Wir wurden angeklagt, weil wir in einem kleinen Park gesessen sind, wie viele andere Schulkollegen auch und uns vorbereitet haben auf die Matura. Das ist eine Geschichte, die für mich sehr wichtig ist, aber sonst vielleicht uninteressant. Ich habe eine Maturasaison verloren. Nachher ist mein Vater nach Bukarest [Rumänien] gefahren und hat einen Skandal gemacht im Ministerium. Da ist speziell ein Minister gekommen, und man hat dann sogar die Lehrer bestraft, weil sie uns ein Jahr gestohlen hatten.

Vor der Deportation meiner Familie nach Transnistrien [heute Ukraine] ist eine Gruppe von 15 bis 16jährigen Nazis, in Rumänien haben die Legionäre geheißen, zu uns nach Haus gekommen. Das waren Kinder - junge Buben - größtenteils in Nationaltracht. Die rumänische Nationaltracht ist der griechischen sehr ähnlich, auch mit dem Hemd über der Hose. Es war um vier, fünf Uhr in der Früh, es ist gerade hell geworden. Sie sind in das Schlafzimmer meiner Eltern gegangen und haben gesagt: ‚Bleibt liegen!’ Einige sind in mein Schlafzimmer gekommen. Einer hat auch zu mir gesagt, ich soll liegen bleiben, also bin ich liegen geblieben. Auf einem Sessel lagen meine Sachen. Nicht so sehr Sessel, sondern ein Kleidergestell war das: Rock, Hose und das Hemd hingen darauf. Einen dieser Sessel habe ich hier in meiner Wohnung und einen habe ich in Israel. Sie fragten, ob sie die Sachen untersuchen dürfen. Ich gestattete zu schauen, was ich in den Taschen habe, und sie fanden meine Brieftasche und in der Brieftasche ein Kuvert. Einer nahm es heraus und las den Brief.
In Rumänien war es Tradition, dass die Mädchen am 1. März den Buben irgendetwas schenkten. Zum Beispiel eine Blume, die sie mit einem ganz dünnen rot-weißen Faden mit Fransen wie ein Pinsel am Ende, umwickelten. Das nennt man Märzischor. Nicht nur eine Million, mehrere Millionen hat man verkauft, weil das alle Rumänen machen. Aber heutzutage schenkt auch ein Bub einem Mädchen, sie schenken sich gegenseitig einen Märzischor. Damals aber bekam man das nur von einer intimeren Freundin geschenkt. Meine Freundin war blond und hatte ein Haar mit diesem Faden eingewickelt und auf eine Visitkarte schief angepickt. Und was habe ich gemacht als ich das bekommen habe? Ich habe auch eine Visitkarte genommen und habe ein Gedicht geschrieben für sie. Wenn man die ersten Buchstaben des Gedichts senkrecht liest, dann stand da ihr Name. Sie hieß Valeria Georgian, also war das ein ziemlich langes Gedicht. Und ich hatte den Märzischor und mein Gedicht zusammen in einem Visitkartenkuvert in meiner Anzugtasche. Da erinnerte sich einer der jungen Nazis, dass einmal ein Bursche aus dem Bezirk - es gab nur ein einziges Lyzeum und diese Buben waren auch von diesem Lyzeum - eigentlich waren sie meine Nachfolger, mit einem rumänischen Mädchen ging und es einen Skandal gegeben hatte. So etwas hat sich natürlich herumgesprochen. Dieser Bub erinnerte sich an den Skandal. Ich bin im Bett gelegen, es war Tag geworden, aber es war noch nicht ganz hell. Und ich hab die Augen geschlossen und gehört, wie die geflüstert haben. Einer von diesen jungen Buben sagte zu den anderen:
‚Schaut dieses Gedicht an, wie schön. Und außerdem, erinnert ihr euch nicht? Er war unser Rechtsaußen, er hat immer so gut gespielt.’
Ich war ein sehr guter Fußballspieler. Im Lyzeum war das sehr wichtig. Es gab damals einen großen Fußballer der hieß Dobei [Anm.: Stefan Dobei], und viele hatten gesagt, ich sei wie der Dobei. Und ich hörte, wie der eine zu den anderen sagte:
‚Lassen wir sie in Ruhe.’
‚Alle’, fragte ein anderer.
‚Ja’, sagte er zu den Kollegen.
Ich erzähle das gerne, weil das in einer gewissen Art zeigt, dass die Deportationen nicht von der Masse der Nazis gemacht wurden. Das rumänische Volk hat die Deportationen der Juden nicht gewünscht und hat das auch sehr bedauert. Und diese kleinen Lausbuben, ich war damals 22 Jahre alt, haben gesagt: ‚Lassen wir sie in Ruhe!’ Dann sind sie alle weggegangen.

Mein Vater hieß Abraham Isak Schieber. Er wurde am 2. März 1885 in Wiznitz geboren. Er besuchte das Lyzeum in Kimpolung und die Oberschule für Kunst und Handwerk. Dann ist er für ein Jahr nach Wien gegangen und hat Innenarchitektur studiert, denn die höhere Fachschule für Kunst und Handwerk war identisch mit einer Kunstschule. Mein Vater hatte viele Ideen und war sehr talentiert. Er hat sehr schön gezeichnet und hat zum Beispiel auch Holzschnitzerei studiert.

Mein Vater hatte einen Bruder und drei Schwestern. Der Bruder hieß Simon. Er war Offizier im 1. Weltkrieg und mit dem Regiment in Lemberg stationiert. In Lemberg hat er sich in ein Mädel verliebt und sie geheiratet. Wie sie hieß, weiß ich nicht, denn mein Großvater hat ihm nicht verziehen, dass er in Lemberg geblieben war und geheiratet hatte, ohne ihn zu fragen.
Das hatte er ihm unter anderem deshalb nicht verziehen, weil er nach dem 1. Weltkrieg komplett ausgeraubt und arm war, und mein Vater ihn erhalten musste, und der andere Sohn, der Simon, auch dazu verpflichtet gewesen wäre. Aber er hatte sich nicht gemeldet. Was mein Onkel in Lemberg gearbeitet hat, weiß ich nicht. Zehn Jahre lang gab es überhaupt keinen Kontakt zwischen meiner Familie in Kimpolung und dem Onkel Simon in Lemberg. Nach zehn Jahren ist Onkel Simon zu Besuch nach Kimpolung gekommen. Onkel Simon und seine Frau hatten einen Sohn, der Siegmund hieß. Die Familie wurde sehr schön empfangen, es gab kein böses Wort. Mein Vater und Onkel Simon trugen Anzüge aus demselben Anzugstoff und beide ein Schmucktüchlein in der Jackettasche. Obwohl sie überhaupt keinen Kontakt zueinander hatten, waren sie ähnlich gekleidet. Einer war in Lemberg und der andere in Kimpolung, aber der Anzugstoff war derselbe. Nach diesem Treffen ist man in brieflichem Kontakt geblieben, aber eine große Annäherung ist nicht entstanden, denn auch um die zwei Schwestern, für die Onkel Simon ebenfalls hätte sorgen müssen, hatte er sich nicht gekümmert. Miriam und Cirl waren nicht verheiratet und lebten zusammen in einem Haus in Kimpolung. Auch wegen Miriam und Cirl hat die Familie dem Simon nicht verziehen, denn er hätte helfen sollen, sie zu verheiraten. Dadurch hat mein Vater allein seinem Vater und seinen Schwestern helfen müssen, und die Zeiten waren nicht immer gut. Lea, die dritte Schwester, war mit Hermann Rennert verheiratet. Sie hatten eine Tochter Sofia. Gemeinsam mit Miriam und Cirl betrieben Lea und Hermann eine Konditorei in Kimpolung. Onkel Simon und seine Familie, Miriam, Cirl, Lea, Herman und ihre Tochter Sofia starben im 2. Weltkrieg in irgendeinem Lager in Transnistrien.

Mein Vater heiratete meine Mutter Sarah, geborene Josiper, und war während des 1. Weltkrieges Kadettaspirant. Am 6. Oktober 1916 wurde ich in Kimpolung geboren. Dieser 6. Oktober war der Tag von Kol Nidre [4]. Das ist das größte Gebet im jüdischen Sinne, das wird am Abend vor Jom Kippur [5] gebetet. Also bin ich geboren am Jom Kippur. Mein Vater ist geboren zu Pessach [6] und ist auch zu Pessach gestorben, meine Schwester ist auch an einem Feiertag geboren und gestorben, und meine Mutter ist zu Schawuot [7] geboren und zu Schawuot gestorben.

Ich erzähle gerne die Geschichte meiner Geburt so, wie meine Mutter mir das erzählt hat: Es war der Abend von Jom Kippur und mein Vater hatte sich den Smoking angezogen, um in den Tempel zu gehen, weil die Herren früher im Smoking an diesem hohen Feiertag in den Tempel gingen. ‚Als er wieder nach Hause gekommen ist, bist du da gewesen’, hat sie gesagt. 
Ich wurde zu Hause von einer Hebamme entbunden, das hat man früher so gemacht.

Einige Zeit arbeitete mein Vater in einem Sägewerk, wo er einen guten Posten hatte.
Für damalige Verhältnisse hatte er eine wunderbare Ausbildung. Wenn jemand nur zwei Volksschulklassen hatte, hat er schon einen Posten bekommen. Wenn man die ganze Matura hatte, war man schon gut ausgebildet. Und wenn man studiert hat an einer Hochschule, dann war das sehr viel. Aber sein Schwiegervater hat zu ihm gesagt: ‚Schau, von deinen Phantasien kann man nicht leben. Aber weißt du, wovon man gut leben kann? Von dem was ich mache.’ Und was hat er gemacht? Er war der Verwalter von dem sogenannten Beamten Casino in Kimpolung. In diesem Casino hat man nicht Karten gespielt, sondern gut gegessen. Das war ein Restaurant, wo nur die Beamten, also die Angestellten von Österreich, essen durften. Ein Beamter früher war eine anerkannte Persönlichkeit. Beamte waren unter anderem: der Bürgermeister, der Landeshauptmann und die Beschäftigten in der Landeshauptmannschaft und im Bürgermeisteramt. Nur die durften dort hinein. Oder zum Beispiel der Bahnvorsteher, das war auch eine Persönlichkeit. Sie hatten dort im Casino auch wahrscheinlich gute Konditionen.

Mein Großvater mütterlicherseits hieß Jakob Josiper. Ich weiß nicht genau, aber ich glaube, er wurde Ende der 1850er- Anfang der 1860er-Jahre, in Warschau geboren. Vielleicht ist er aber auch in Lemberg [Ukraine] geboren. Er hatte Brüder und Schwestern, Nichten und Neffen, aber keinen von denen habe ich gekannt; denn alle sind in jungen Jahren aus Warschau nach Amerika ausgewandert. Sie haben dem Großvater regelmäßig Geld geschickt, das weiß ich.
Der Großvater hatte eine Jeschiwa [8] besucht, das war seine Ausbildung. In der Jeschiwa in Warschau war ein Cousin meines Großvaters, der auch Josiper geheißen hat. Beide sind dann zusammen nach Kimpolung gegangen, und mein Großvater hat den Posten in Kimpolung als Verwalter vom Beamtencasino bekommen. Ein Neffe von diesem Cousin wohnt jetzt in Bukarest. Er hat mich einmal aufgesucht und gesagt, dass wir miteinander verwandt sind.
Nach dem 1. Weltkrieg war mein Großvater außerdem Vertreter einer Bierfabrik und besaß eine Abfüllanlage. Er hat von der Fabrik einen Waggon mit Fässern bekommen, vielleicht
Tausend Liter Bier. Mit Apparaten wurde das Bier in Flaschen abgefüllt, und er ist dann mit Pferd und Wagen in die Dörfer und Provinzen im Kreis Kimpolung gefahren und hat die Leute mit Bier versorgt. Damit ist er sehr reich geworden. Er war ein guter Kaufmann. Er hatte zwei Häuschen, sie waren nicht groß, aber es waren Häuser. Um die Häuser herum war ein Garten - also war er ein wohlhabender Mann.

Der Urgroßvater meiner Mutter mütterlicherseits hieß Wagner, den Vornamen weiß ich nicht. Er lebte von 1802 bis 1918 in Suczawa [Rumänien], wurde also 116 Jahre alt. Er war zweimal verheiratet und hatte 14 Kinder. Als seine erste Frau sehr krank war, fuhr er mit einem Ochsengespann nach Wien sie untersuchen lassen. Alle Kinder hatte er auf dem Ochsengespann mitgenommen, alle fuhren mit ihm und ihrer kranken Mutter in diesem Wagen. Die Ärzte in Wien sollten seine Frau gesund machen, aber sie ist gestorben. Ein Rabbiner in Wien stellte dem Urgroßvater seine Tochter zur Betreuung der Kinder zur Verfügung. Und als er zurückgefahren ist nach Suczawa wurde sie seine Frau. Als er 76 Jahre alt war, wurde sein letztes Kind geboren. Und damit man nicht sagen sollte, dass der Nachbar daran schuld gewesen wäre, war die Tante Honora meinem Urgroßvater wie aus dem Gesicht geschnitten - sie hat ausgeschaut wie ihr Vater. Sie wurde eine berühmte Schneiderin in Suczawa und war verheiratet mit Onkel Rotkopf. Wenn noch in Suczawa eine alte Frau lebt, weiß sie bestimmt, wer Honora Rotkopf war. Das waren sehr liebe, feine Leute - Tante Honora und der Onkel. Honora war mit meiner Mutter befreundet, beide waren gleich alt, aber Honora war die Tante und meine Mutter ihre Nichte. Tante Honora und ihr Mann haben den Holocaust überlebt und sind in Suczawa gestorben. Sie haben noch viele Jahre zusammen dort gelebt. Eine Tochter hatten sie, sie war sehr krank. Sie ist verkrüppelt gewesen. Auch sie hat den Holocaust überlebt. Es leben noch viele Enkel, und Enkel der Enkel von so vielen Geschwistern meiner Großmutter in Israel. Mit einer Enkelin von ihnen habe ich Kontakt, auch mit meiner Schwester hatte sie noch Kontakt.

Die Großmutter hieß Rachel. Sie hatte mit meinem Großvater Jacob zwei Töchter: Sarah, meine Mutter, die 1888 in Kimpolung geboren wurde und Regina, die Schwester meiner Mutter. Der Großvater hatte als Verwalter von dem Casino sehr viel mit Christen zu tun. Die Beamten in der Bukowina wurden aus Wien geschickt. Österreich war ja ein riesiges Land - von Wien über Budapest, Klausenburg [heute: Cluj-Napoca, Rumänien], Czernowitz [heute Ukraine] bis nach Lemberg [heute Ukraine] hinauf. Die Beamten von Wien bis Lemberg waren größtenteils Österreicher, aber nicht Juden; die Juden waren hauptsächlich Kaufleute. Mit diesen österreichischen Beamten hat mein Großvater die ganze Zeit zusammen gearbeitet. Ich glaube, das hat abgefärbt. Ich kann das niemandem sagen, man glaubt es mir nicht, aber deshalb waren meine Großeltern wirklich nicht so orthodox religiös. Sie haben alle Traditionen eingehalten, denn wenn man ins Haus hineingegangen ist, gab es Mesusot [9] und es wurden alle Feiertage festlich begangen. Der Großvater hat gedavnt [Anm.: jidd. gebetet], mit dem Tallit [10], und er hat Tefillen [11] gelegt und hat die Kippa [12] getragen.

Ich erinnere mich, die Großmutter hat oft Kartoffelsuppe mit Knoblauch für uns Kinder gekocht, denn zu Hause haben wir keinen Knoblauch bekommen. Sie war sehr angesehen bei den Bauern. Die Bauern sind am Tag der Deportation gekommen, weil sie gehört hatten, dass ich sie nach Transnistrien mitnehme. Sie haben gesagt, ich soll sie dalassen, weil sie die Großmutter verstecken wollten. Auch sie wollte bleiben. Und das kann ich mir im Leben nicht verzeihen, dass ich sie trotzdem mitgenommen habe, obwohl ich glaube, es hätte ihr nicht geholfen.

Meine Eltern waren beide Intellektuelle. Das sehe ich, wenn ich mir die Briefe von meinem Vater oder von meiner Mutter ansehe. Meine Mutter hatte die Schule in Kimpolung gemacht und ist dann nach Czernowitz auf die Hochschule gegangen und hat dort studiert, denn Universitäten gab es nur in den großen Städten. Meine Mutter hatte eine Lehrerinnenausbildung, aber sie hat danach geheiratet und ihren Beruf nie ausgeübt. Sie war eine noble Dame und für die heutigen Begriffe eine Schönheit. Sie war religiös, aber auch nicht mehr so streng religiös. Zum Beispiel hat sie heimlich Schinken für mich gekauft, obwohl Schinken doch trefe [13] ist, aber Schinken ist sehr gesund, und ich sollte natürlich gesund sein. Auch mein Vater war ein moderner Mann, aber er wollte seinem Vater keinen Kummer machen. Zum Beispiel hat er geraucht, und obwohl er schon ein älterer Herr war, hat er vor seinem Vater nie geraucht.

Meine Tante Regine, die Schwester meiner Mutter, war ein extravagantes Mädchen. Mein Großvater, also ihr Vater, war mit ihr sehr konziliant, weil sie die ersten sieben Jahre ihres Lebens nicht gesprochen hat - sie war stumm. Deswegen haben die Eltern ihr alles nachgegeben. Dann plötzlich ist sie hinausgeschossen und ist eine Intellektuelle großer Art geworden. Sie ist in Kimpolung zur Schule gegangen, hat die Matura gemacht und wurde auch Lehrerin, wie meine Mutter. Aber meine Tante hat in ihrem Beruf gearbeitet. Die Kimpolunger haben meine Tante sehr geehrt, denn alle Kinder waren ihre Kinder sozusagen. Geheiratet hat sie nie.

Viele Juden in der Bukowina waren Zionisten: die Czernowitzer, die ganze Studentenschaft, auch meine Tante, mein Vater und meine Mutter und meine Tante Regina. Meine Mutter und Tante Regina waren Mitbegründerinnen der zionistischen Frauenorganisation WIZO [14] in Kimpolung. Damals entstanden viele jüdische Organisationen, rechte und linke. Tante Regina war bei den Sozialdemokraten, mit ihr war nicht zu spaßen. Meine Mutter und Tante Regina gründeten und finanzierten auch den ersten zionistischen Kindergarten. Die Kinder lernten dort Hebräisch und die Liebe zu ‚Eretz Israel’. Es gibt ein Foto meines Vaters, da trägt er den Magen David [Davidstern], das war das Zeichen der Zionisten. Auf seinem Nachttisch standen ein Bild von Theodor Herzl und ein Bild vom Kaiser Franz Joseph. Ich habe damals auch Land in Palästina gekauft, aber wir hatten keine Beweise, dass wir das Land gekauft hatten.

Meine Kindheit

Meine Kindermädchen waren Kinder der Schulkolleginnen meiner Mutter. Die rumänischen Bäuerinnen haben ihre Kinder zu den Juden gegeben, damit sie lernen, wie man kocht, wie man ein Bett macht und wie man einen Tisch deckt. Die Mädchen waren elf oder zwölf Jahre alt und die Bäuerinnen waren glücklich, die Kinder in jüdischen Familien unterzubringen. Bei mir waren drei Mädchen. Die haben nicht waschen müssen oder so etwas, für die Wäsche war eine Frau da. Die Mädchen haben mit mir gespielt, mein Essen gebracht, mich gefüttert, haben mich angezogen – obwohl ich mich immer selber anziehen wollte. Meine Mutter hat ihnen gesagt: ‚Lasst ihn, er soll sich aussuchen, was er anziehen will.’
Eines Tages kam eines dieser Mädchen, sie hat Olympia geheißen, zu meiner Mama und hat gesagt:
‚Ich weiß nicht, aber es verschwinden die Sachen von dem Kind. Er hat einen Anzug gehabt, und der ist nicht mehr da.’ Das Mädchen hatte Angst, meine Mutter könnte glauben, dass sie meinen Anzug gestohlen hätte. Meine Mutter hat geantwortet: ‚Du brauchst dir keine Sorgen zu machen und auch die anderen zwei Mädchen brauchen sich keine Sorgen zu machen. Ihr seid doch die Töchter meiner Freundinnen und ich verdächtige euch nicht, die Sachen gestohlen zu haben.’ Nach einiger Zeit kam das Mädchen wieder zu meiner Mutter, denn es waren wieder Anziehsachen von mir verschwunden. Die Sache war so: Wir hatten einen großen Hof und mein Vater hatte auf diesem Hof Sand zum Spielen für mich aufschütten lassen. Aber es sind auch andere Kinder gekommen, unter anderem waren da auch Zigeuner. Über die Zigeuner hat man damals gesagt, dass sie Kinder stehlen. Sie bekamen nur auf einem Platz außerhalb der Stadt die Genehmigung zu wohnen. Manchmal sind sie in die Stadt hereingekommen und haben Sachen verkauft, Dinge aus Bronze zum Beispiel. Die Kinder der Zigeuner kamen auch auf unseren Hof. Sie waren entweder nur mit einem Hemderl bekleidet oder nur mit einem Höschen, so sind sie herumgelaufen. Und da sah meine Mutter eines Tages, wie ich mich auszog, alles - die Strümpfe, die Hose und die Unterhose - und die Sachen den Zigeunerkindern anzog. Danach bin ich in die Wohnung gelaufen und habe mir einen anderen Anzug angezogen. Meine Mutter hat das meiner Frau erzählt und gesagt: ‚Schau was für einen Sohn ich dir erzogen habe.’ Sie war stolz auf mich.

Ich habe mit vier Jahren das erste Volksschulbuch ins Hebräische übersetzt, und heute kann ich nicht einmal mehr zwei Worte. Aber ich lerne auch nicht mehr, nicht aus Protest, ich lerne einfach nicht.

Alle jüdischen Buben haben mit drei Jahren begonnen zu lernen, entweder zu Hause oder im Cheder [15]; die Gebete, die Buchstaben und das Zählen. Ein jüdischer Bub mit drei, vier, oder fünf Jahren, bevor er in die Schule kam, ging in den Cheder. Ich habe zuerst zu Hause gelernt. Und dann, mit vier oder mit fünf war ich auch im Cheder. Ich war sehr beliebt bei dem Lehrer - auf jiddisch heißt er Melamed. Er hat uns hebräisch gelehrt und weil er mit meinem Großvater in derselben Jeschiwa war und ich sehr gut gelernt habe, hat er mich nicht geschlagen. Aber die anderen Kinder hat er, wenn sie nicht gelernt haben, oder irgendetwas angestellt hatten, mit einem dicken Stock auf die Hand geschlagen. Die Kinder haben gewusst, dass er mich protegiert, und wenn sie etwas angestellt hatten und er ist hereingekommen und hat gefragt: ‚Wer war das’, haben sie gesagt, dass ich das gewesen wäre. Und ich habe geschwiegen, weil er mich nicht geschlagen hat; ich war ein großer Spitzbub. Ich erinnere mich so an Sachen, die waren sehr schön.

Nach dem Cheder bin ich in die normale Volksschule gegangen. Ich habe sehr gut gelernt in der Volksschule, ich war immer ganz oben mit den Noten. Dann kam ich aufs Lyzeum. Ich habe nie schlecht gelernt, aber da war ich nicht besonders gut, außer in Mathematik. Mathematik habe ich sehr gern gehabt, da hatte ich immer die beste Note. Und Latein hat mir sehr gut gefallen, da habe ich auch sehr gute Noten gehabt, und ich hatte auch noch sehr gute Noten in Gymnastik.

Meine Schwester Bella wurde am 27. September 1920 in Kimpolung geboren. Bis zu ihrem Tod habe ich für meine Schwester gesorgt. Ich habe sie sehr geliebt, und wenn die Kinder meine Schwester nur berührten, habe ich sie sofort geschlagen - so schlimm war ich.

Im Jahre 1920 eröffnete mein Vater ein Bodega - Restaurant [Anm.: span. Weinstube, Weinkeller, Weinlager] auf der Hauptstrasse, gegenüber dem Rathaus. Das Restaurant war für die Verhältnisse damals was hier in Wien das ‚Sacher’ [berühmtes Wiener Kaffeehaus] ist. 
Es war wunderschön eingerichtet mit Sachen, die heute nur in besonders eleganten Geschäften verkauft werden. Was mein Vater an Ware hatte, das kann man sich nicht vorstellen, so gut ist es ihm gegangen. Für dieses Restaurant, an das ich mich genau erinnere, hatte mein Vater ein Radio gekauft, das sehr viel gekostet hat. Es war eines der ersten Radios, die es in der Bukowina gab, denn im Jahre 1920 hat nicht jeder ein Radio gehabt. Oben war ein Lautsprecher, aber diesen Lautsprecher durfte man nicht benützen, denn man musste eine besondere Bewilligung haben für ein Radio.

Mein Vater hatte zuerst dieses Restaurant und dann hatte er ein noch größeres Restaurant, das nur im Sommer wegen der Touristen geöffnet war. Er war außerdem der Besitzer des Restaurants im Rathaus; Rathaus heißt rumänisch Primaria. Auch unsere Wohnung befand sich im Rathaus. Da hat mein Vater gezeigt, dass er Innenarchitekt ist. Was er aus diesem Haus gemacht hat! Er hat die Vorhänge in der Tschechoslowakei eingekauft und nach dem Muster der Vorhänge hat er die Tapeten ausgesucht. Die Maler, die das Haus renoviert haben, waren seine Schulkameraden, mit denen er aufgewachsen war. Der eine ist später ein Restaurator geworden, die anderen sind Maler geblieben und haben sehr gut verdient.

Ich bin aufgewachsen wie ein Königssohn. Es gibt hier in Wien eine Dame, die eine Schulkollegin von meiner Schwester Bella war. Ihr Sohn ist Arzt, und sie ist sehr bekannt. Sie hatte sehr nahe zu meinen Großeltern gewohnt. Sie hat mir einmal erzählt, dass es für sie als 14jähriges Mädchen ein Ereignis war, am Nachmittag oder am Vorabend in das Restaurant meines Vaters hinein zu schauen, in dem auch getanzt wurde. So ein elegantes Restaurant mit einem großem Orchester und Tanz existiert nicht einmal in Wien.

Mein Vater war ein religiöser Mann, er legte jeden Tag Teffilin und betete jeden Morgen, andererseits war er auch modern. Er war ein sehr gescheiter Mann, er hat weggeschaut, wenn ich nicht gebetet habe, denn er hat gesehen, dass ich nicht unreligiös war, Gott behüte, im Gegenteil! Er war Vizepräsident der National Liberalen Partei und sehr eng befreundet mit dem Präfekt Leonties, der der Präsident der National Liberalen Partei war.

Wir waren eine wohlhabende Familie, nicht im Sinne von Rothschild oder dergleichen, aber wohlhabend und zwischen den Bestverdienenden im Städtchen. Meine Eltern waren immer sehr beschäftigt, haben immer viel gearbeitet, denn da waren das große Restaurant, ein Hotel, ein großer Weinkeller und eine Bierabfüllerei. Nicht nur mein Großvater hatte eine Bierabfüllerei, auch mein Vater hatte eine. Im Urlaub war bei uns in Kimpolung Hochsaison. Kimpolung war ein Kurort und in der Urlaubszeit hat man am meisten verdient.

Ich war als Kind im Haschomer Hatzair [16], der zionistischen Jugendorganisation. Die Aktivitäten im Haschomer waren so ähnlich, wie die heute. Wir haben gesungen, Ausflüge gemacht und viel über den Zionismus gesprochen; Theodor Herzl war unser großer Held. Mit 13 hatte ich, wie jeder jüdische Junge meine Bar Mitzwa [17]. Meine Familie war sehr stolz über meine Rede.

Nach der Matura, 1935, begann ich in Bukarest Technische Chemie zu studieren. Im selben Jahr starb mein Großvater Chaim Suchar Schieber.

Als ich ans Lyzeum kam, begann die Legionärsbewegung. Am Anfang waren die Legionäre in der Minderheit, später schlossen sich aber viele meiner Kinderfreunde diesen Legionären an. Auf der Universität griffen die Legionäre der ‚Eisernen Garde’ oft die jüdischen Studenten an, verprügelten sie und stießen sie die Treppen der Universität hinunter. Eine Schweizer Studienkollegin, Rotmund Johanna hieß sie, pflegte uns oft rechtzeitig zu erzählen, wann die Nazis, meist Studenten der Fakultäten für Recht oder Medizin, kommen wollten, um uns zu schlagen. Da sind wir ganz einfach an diesem Tag nicht zur Universität gegangen, und die sind umsonst gekommen. Ich habe das alles nicht ertragen und meldete mich zur Armee.

Während des Krieges

Ich diente in der Armee von 1938 bis 1940. Die Offiziere benahmen sich den jüdischen Soldaten gegenüber sehr anständig. Da ist es mir sehr gut gegangen. Als mein Regiment 1939 an die Front geschickt wurde, mussten die jüdischen Soldaten zur Zwangsarbeit.  

Nachdem mein Vater als Jude nach 1938 keine Konzession für ein Restaurant oder Hotel mehr in Kimpolung erhalten hatte, hatte er mit seinem Freund Leonties das ‚Hotel-Restaurant Palace’, das unter Leonties´ Namen eingetragen wurde, eröffnet. Als die Rassengesetze gegen Juden aber immer stärker wurden, mussten wir aus dem Haus, in dem sich das Hotel befand und in dem wir gemeinsam mit Leonties und seiner Familie in tiefer Freundschaft zusammen gelebt hatten, ausziehen. Der Präfekt Leonties wollte keine Probleme bekommen und brach den Kontakt mit uns ab. Unser gesamtes Eigentum blieb in seinen Händen, aber er unterstützte uns später nicht in Transnistrien. Das war für meinen Vater ein schwerer Schlag. Das Haus existiert noch heute dort; es ist ein sehr schönes Haus.

Am 12. Oktober 1941 wurden die Juden aus Kimpolung in Viehwaggons nach Transnistrien deportiert. Damals war Rumänien das Land am Dnjestr. Die Grenze zwischen Rumänien und Russland war der Dnestr, ein großer Fluss, der ins Schwarze Meer fließt. Auf der Seite vom Dnjestr bis zum Dnjepr gibt es noch einen anderen Fluss, der heißt Bug. Das Gebiet zwischen diesen zwei Flüssen, dem Dnjestr und dem Bug, war in der Verwaltung der Rumänen, weil Rumänien sich den Deutschen im Krieg gegen Russland angeschlossen hatte. Auf diesem Gebiet befand sich das Lager Transnistrien. Dorthin wurden die rumänischen Juden deportiert. Es wurden keine Baracken für die Deportierten gebaut, sondern die Städte und Dörfer eines gewissen Gebietes von Transnistrien wurden zum Lager. In diesen Städten oder Dörfern lebten vorher fast ausschließlich Juden wie in Kimpolung.

In Shargorod, einem kleinen Ort, lebten 1 000 Einwohner. Dann kamen 5 000 Deportierte dazu und die mussten mit den Einwohnern zusammen leben. Es wurde ein Ghetto, im wahrsten Sinne des Wortes. In allen diesen Städtchen, wo Juden gewohnt hatten, wurden Ghettos errichtet. Zusammengepfercht mussten wir zusammen in den Häusern leben. Diese Juden waren schon so ausgehungert, dass wir sie gerettet haben, nicht sie uns. Dort war nicht ein einziger Jude der etwas hatte, um zu überleben. Aber gegenüber den anderen Lagern wie das KZ Auschwitz und wie die alle hießen, war es ein Paradies, das kann man nicht vergleichen.

Wir hatten das Quartier Nummer acht. Zuerst haben wir viele Sachen verkauft um zu heizen und zu essen. Dann bekamen im Frühjahr elf von zwölf Mitgliedern meiner Familie Typhus, auch ich bekam Typhus. Zuerst starb meine Großmutter Rachel und innerhalb kurzer Zeit mein Vater Abraham Schieber, meine Tanten Miriam und Cirl Schieber, Lea Rennert, geb. Schieber, mein Onkel Herman Rennert, meine Cousine Sofia Rennert und mein Großvater Jacob Josiper. Mein Vater ist zwar wie die anderen Mitglieder meiner Familie an Flecktyphus gestorben, aber seelisch war er schon tot. ‚Wieso konnten sie mir das antun?’ hatte er immer wieder gefragt.

Ein Kinderfreund, der Sohn eines rumänischen Pfarrers, hat mir sehr geholfen zu überleben. Ich musste beim Straßenbau arbeiten und eines Tages, es war im Sommer 1942, kam ich zurück nach Hause in dieses Shargorod, da sagte man mir: ‚Es war ein Rumäne hier, er heißt Mircea Breaban. Er hat gesagt, dass er ein Kollege aus der Jugendzeit ist, und er wird sich noch einmal melden. Mircea und ich waren Kinderfreunde, hatten uns aber auch einmal wegen dieses blonden Mädels, das ich verehrt hatte, gestritten.

Am nächsten Tag war ich wieder bei der Arbeit, da erschien die Sekretärin des Chefs. Prätor Dindelegan war ein Rumäne und Chef über alle Lager, die dort waren. Die Sekretärin sagte:
‚Du hast großes Glück, es war ein Freund aus deiner Kindheit beim Chef und hat gesagt, dass er dir helfen soll. Auf einem Lastwagen hat mich der Prätor eigenhändig zurück gefahren nach Shargorod. Ich musste nicht mehr zu meiner Arbeit am Straßenbau, sondern ich wurde in der Zuckerfabrik in Derebcin der Berater des Fabrikverwalters. Mircea hat mich dann auch in der Zuckerfabrik besucht. So ein Glück wie ich hat nicht jeder gehabt.

Der Chef der Zuckerfabrik war ein Rumäne, ein wunderbarer Mensch, der mich sehr unterstützt hat. Als Gehalt bekam ich Geld und Zucker. Bei der Zuckerherstellung entsteht als Nebenprodukt Melasse. Aus Melasse kann man Alkohol herstellen, genauso wie aus Getreide oder aus Kartoffeln. Die Arbeiter der Zuckerfabrik bekamen monatlich zu ihrem Gehalt Zucker und Melasse. Die Melasse verkauften sie an die Ukrainer, die in kleinen Kesseln daraus das alkoholische Getränk Samagon herstellten.

Eines Tages kam ich aus der Fabrik und sah, wie sich die Arbeiter mit den Käufern der Melasse gestritten haben. Sie stritten nicht über den Preis, der war festgelegt, aber die Ukrainer haben versucht, sie zu betrügen. Ich machte den Arbeitern den Vorschlag, ihnen die Melasse abzukaufen, womit sie einverstanden waren und verkaufte die Melasse en gros an die Ukrainer. So verdiente ich viel Geld, half meiner Familie und vielen anderen, denn ich gab das Geld der Kultusgemeinde für die Kantine. Wenn es in der Kantine Brot und Suppe gab, hatten tausende Menschen eine Überlebenschance. Ich pflegte das Geld in einem Sack in die Kultusgemeinde zu bringen. Dort war ein kleiner siebenjähriger Bub, den die Kultusgemeinde schützte vor der schweren Arbeit. Er durfte Staub wischen und wenn ich das Geld brachte, hat er es gezählt und gebündelt. Was ich erlebt habe, ist ein Wunder: Ein Mann, der nichts gehabt hat, wird auf einmal ein reicher Mann und gibt viel Geld den Armen. Ich habe vielen Familien geholfen. Zum Beispiel: Isidor Kreisel wurde zum Tod von den Rumänen verurteilt, weil er Ware zum Überleben von den Soldaten gekauft hatte. Sein Schwager kam zu mir und sagte: ‚Ich brauche 400 Dollar, damit ich das Leben des Bruders meiner Frau retten kann.’ Ich habe ihm die 400 Dollar geborgt und man hat kleine Goldstücke hergestellt, Napoleons. Das sind berühmte Münzen, so berühmt wie der Dollar. So eine Münze kostet zehn Dollar. Die Schwester vom Isidor, die eine Tochter Sascha hat, hat die Münzen in einen Gürtel aus Stoff genäht. Der Vater von Sascha ist mit diesem Gürtel nach Tiraspol gefahren, das am Schwarzen Meer liegt, um seinen Schwager zu retten. Das war wirklich heldenhaft. Er hat das Bakschisch gegeben [Bestechungsgeld] und seinen Schwager nach Hause gebracht. Wenn nicht, hätte man ihn erschossen. Später ist Isidor Kreisel in Israel gestorben. Sascha ist Universitätsprofessorin, lebt in Bukarest und ist mir sehr dankbar, dass ich ihren Onkel gerettet habe.

Für mich ist ein Beweis, dass Gott existiert, weil ich den Menschen helfen konnte. Wenn man so nachdenkt, ist es nicht so einfach zu sagen: Ich glaube an Gott und nicht an die Religion. Ich habe Beweise dafür, dass Gott mir geholfen hat. Dieser Junge, der das Geld gezählt hat, das ich gebracht hatte, ist heute eine Persönlichkeit in Israel und befreundet mit meinem Freund, dem Professor Allerhand. Ich habe das nicht gewusst und eines Tages sagt er:
‚Weißt du, dieser Mann kennt dich.’ Er war sieben Jahre alt damals, ich war 17 Jahre alt. Das war ein großer Unterschied, aber heute sind wir befreundet. Ich habe vielen Menschen geholfen zu überleben. Ich hatte so einen Charakter und ein Herz, schon damals, als junger Mann. Es ist für mich wunderbar mit diesem Bewusstsein zu leben, das ist mir sehr viel Wert.

Meine Schwester Bella machte nach dem Holocaust in Rumänien eine Ausbildung als Diplomkaufmann und arbeitete als Buchhalterin. Sie war verheiratet mit Dr. Merdler und hatte zwei Töchter: Ruth und Anita. Seit 1982 lebte die Familie in Israel. Sie wollten alle zusammen nach Israel gehen, aber meine Mutter konnte nicht mehr. Meine Mutter ist einen Monat, bevor sie mit der Familie meiner Schwester nach Israel ausreisen wollte, in Suczawa gestorben. Alle Papiere waren schon fertig und plötzlich ist sie gestorben. Sie hatte schon einen Pass zu Hause - das war eine große Sache, so ein Pass damals in Rumänien. Meine Schwester ist vor zwei Jahren in Israel gestorben. Vor zwei Jahren war ich wie ein junger Mann, seither bin ich alt.

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg bin ich nicht mehr nach Kimpolung zurückgegangen. Ich bin nach Bukarest gegangen und habe meine Frau geheiratet, die als Mitgift sozusagen, ihre Eltern mitbrachte. Aber Gott hat mir dafür geholfen. Als junger fescher Bursche hat man ein reiches Mädchen gesucht, aber ich war damals nicht so. Auch meine Mutter war mit der Heirat einverstanden.

Meine Frau Mariana Sas wurde am 24. März 1922 in Budapest geboren. Ihr Vater war Direktor in einer der größten Gummiwarenfabriken in Budapest. Er wurde vor dem Krieg von Budapest nach Bukarest geschickt, weil in Bukarest auch eine Gummiwarenfabrik gebaut wurde. Als im Jahre 1938 in Rumänien die Naziregierung an die Macht kam, gingen sie zurück nach Ungarn. Sie haben mit falschen Papieren den Krieg in Budapest überlebt. Als die Russen nach Ungarn kamen, sind sie wegen der Fabrik nach Rumänien zurück. Mein Schwiegervater war der große Direktor der Fabrik, aber die Familie war arm - sie hatten alles verloren.

Meine Frau wurde Professorin für Choreografie und besaß eine große Tanzschule für Kinder.
Im Jahre 1947 wurde die Volksrepublik Rumänien gegründet und 1948 war die Nationalisierung. Da sind alle Eigentümer nationalisiert worden.

Bis 1960 arbeitete ich in einer ganz großen Lebensmittelfabrik und war der Chef einer der größten Weindestillationen. Zwölf Jahre arbeitete ich dort, so lange, bis ich nach Österreich ausgewandert bin.

Ich hatte keine Probleme im Kommunismus, weil ich sehr seriös war. Ich habe immer eine sehr gute Ehe geführt und habe auch beruflich keine Probleme gehabt. Ich war sehr tüchtig, habe dann sogar eine Innovation gemacht und ein Riesenvermögen legal verdient; 500 000 Lei, das war damals wirklich ein Vermögen. Auch meine Frau hat als Choreografin gut verdient. Trotzdem wollten wir weg aus Rumänien. Der Bruder meiner Frau ist Zahnarzt in Wien. Dadurch bekamen wir die Einreise nach Österreich, die Ausreise haben wir durch Protektion bekommen. Der Schwiegervater war in Rumänien gestorben. Meine Frau, meine Schwiegermutter und ich haben bis zum Tod meiner Schwiegermutter zusammen gelebt und ich habe das Geld für uns verdient.

Als meine Tante Regina aus Transnistrien zurückkehrte, kümmerte sie sich um das kulturelle Leben in Kimpolung und um den jüdischen Kindergarten. Viele der heute noch in Israel lebenden Kimpolunger waren Kinder von meiner Tante Regina. Sie bemühte sich sehr, ein jüdisches Leben wieder herzustellen. Tante Regina schrieb auch Theaterstücke. In vielen Städten in der Umgebung von Kimpolung wurden sie aufgeführt, aber ab 1948 verboten ihr die Kommunisten alle zionistischen Aktivitäten, auch die Theateraufführungen.

Tante Regina übersiedelte Ende der 1940er-Jahre aus Rumänien, was damals nicht einfach war, nach Jerusalem in ein Altersheim. Später lebte sie in einem Altersheim in Natanya.
Auch im Altersheim war sie kulturell sehr aktiv. Es gibt ein Theaterstück, das zu Purim [18] gespielt wird: Ein König hat sich in eine jüdische Tochter verliebt, aber der König war kein Jude. Und der Vater hat ihr gestattet ihn zu heiraten, weil sie durch die Heirat das jüdische Volk retten sollte. Und sie beeinflusste den König, dass er das jüdische Volk nicht töten soll, denn es gab einen Premierminister Haman, der das jüdische Volk töten wollte. Und sie hat dem König gesagt: ‚Er will das Volk töten, weil er das Geld stehlen will.’ Und da hat der König dem Haman hinterher spionieren lassen und ist draufgekommen, dass das stimmt.
Meine Tante hat das Stück modernisiert und hat Moshe Dayan [19] zum König ernannt. Das Stück wurde im Altersheim von den Heimbewohnern gespielt, die alle über 80 Jahre alt waren und General Moshe Dayan kam persönlich zur Aufführung. Die ehemaligen Kimpolunger in Israel blieben meiner Tante Regina treu und besuchten sie regelmäßig. Sie starb in den 1980er-Jahren in Israel und hat in Jerusalem ein Ehrengrab.

Wien

In Wien habe ich mich sofort sehr gut gefühlt. Ich habe sehr viel Glück gehabt im Leben. Ich habe einen Posten mit einem unglaublichen Gehalt für damalige Verhältnisse bekommen.
Zuerst, als ich noch kein Geld in Österreich hatte, sind meine Frau und ich in der Innenstadt spazieren gegangen. Bei der Oper wurde Eis verkauft, und ich habe Eis sehr gerne gehabt. Ein Becher kostete einen Schilling. Und ich habe so geschaut und wieder geschaut, da hat meine Frau gesagt:
‚Geh kauf dir Eis!’ Sagte ich:
‚Aber das kostet doch einen Schilling.’ Sagte sie: ‚Macht nichts, wir werden woanders sparen.’
Eine Langstreckenkarte mit der Tramway hat drei Schilling gekostet und eine Kurzstrecke einen Schilling. Da pflegten wir einen Teil zu Fuß zu gehen, so dass wir nur einen Schilling zahlen mussten. Das ging zwei Monate so. Dann habe ich mich bei einem kleinen Unternehmen, einem Likörerzeuger, vorgestellt. Ich habe gesagt was ich kann und schlug vor, ich würde einen oder zwei Monate auf Probe arbeiten, und er könnte sehen, was ich kann; dann würden wir über das Gehalt reden. Das hat ihm sehr gut gefallen und er hat gesagt:
‚Beginnen Sie sofort!’ Ich habe am Montag begonnen, am Ende der Woche hat er mich ins sogenannte Chefzimmer eingeladen.
‚Also Herr Ingenieur, man muss ja wissen, wovon man lebt.’ Und er fragte mich wie viel ich mir vorstelle und ich sagte:
‚Schauen Sie, jedes Gehalt, dass sie mir anbieten, nehme ich. Denn ich möchte Ihnen ein zwei Monate zeigen was ich kann.’
Hier in Wien gibt es Spezialisten für Liköre, Spezialisten für Weine, ein Dritter macht Champagner und so weiter. Und er wollte auch eine Weindestillerie. Und diese Weindestillerie war ein Kessel. Ich hatte von solchen Kesseln in Bukarest in der Fabrik zwanzig im Alteisen. Auf einmal war ich der Chefingenieur von diesem kleinen Kessel.
Ein Kollege aus Bukarest, der mich in Wien in der Fabrik besuchte, hat mich bedauert, aber ich hatte hier ein Gehalt im Monat, das hatte ich in einem ganzen Jahr in Rumänien nicht bekommen.

Vier Jahre arbeitete ich in der Firma. Der Chef und ich hatten auch eine Firma für Weinimporte gegründet. Ich fuhr mit ihm nach Spanien und habe dort Weine eingekauft. Dann gab es mit der Frau meines Chefs Probleme. Ich habe gehört, dass sie antisemitische Bemerkungen machte. Ich sagte, dass ich die Firma verlasse. Mein Chef wollte, dass ich etwas Gutes finde, denn wir mochten uns sehr. Er sprach mit seinem Konkurrenten, der Inhaber der Likörfirma ‚Mozart’ war. Der wollte gerade seine Fabrik verkaufen. Als er hörte, dass ich bei den Leuten, die seine Firma kaufen wollen, der Geschäftsführer sein werde, sagte er: ‚Ich muss die Firma nicht verkaufen, übernehmen Sie die Leitung der Fabrik. Ich gebe Ihnen 25%.’ So wurde ich Mitbesitzer einer Fabrik und verdiente viel Geld. Also hatte ich es wieder wunderbar getroffen.

Nach fast zwei Jahren wollte ich zu meiner Mutter nach Rumänien. Da ich in Rumänien gute Kontakte hatte, habe ich gewusst, dass ich dort gute Geschäfte machen kann. Ich habe die Fabrik zurückgegeben und begann nach Rumänien zu reisen.

In die Bnei Brith Loge bin ich eingetreten, und ich arbeite für die Loge bis zum heutigen Tag. Bnei Brith ist eine wettweite Wohltätigkeitsorganisation mit 500 000 Mitgliedern und mit einem sehr großen Prestige auf der ganzen Welt.

Zur jüdischen Kultusgemeinde habe ich überhaupt keinen Kontakt. Ich gehe aus Überzeugung nicht in den Tempel, aber ich bin ein hundertprozentiger Jude und ein hundertprozentig gläubiger Jude, aber kein Praktizierender. Ich glaube an Gott und nur an Gott. Ich brauche nicht an einem Feiertag mit einem dicken Gebetbuch im Tempel sitzen und von der Früh bis in die Nacht beten. Man steht auf bei einem Gebet, dann setzt man sich wieder hin, dann singt man usw. Ich kann mit meinem Gott direkt reden, ohne dass ich einen Rabbiner als Vermittler benötige, ich habe ein direktes Telefon. In diesem Sinne bin ich kein frommer Jude, aber ich respektiere alles, was die Juden machen. Ich lege keine Tefillin und ich ziehe keinen Tallith an.

Eine religiöse Überzeugung habe ich, aber ich stelle mir die Welt auf meine Art vor:
Wenn es wahr ist, dass Adam und Eva, weil sie ein Vergehen begangen haben, aus dem Garten Eden vertrieben wurden, dann sind sie ja auf die Erde vertrieben worden, denn woanders leben ja keine Menschen. Aber wenn sie vertrieben wurden aus dem Garten Eden, wurden sie vertrieben in die Hölle, denn zwischen Paradies und Hölle gibt es ja nichts.
Also, aus dem Paradies hat man sie vertrieben und die Hölle ist die Erde. Wir leben also hier in der Hölle. Und deshalb stirbt man, weil das hier nicht das Paradies ist. Keine Religion hat ihre Pflicht erfüllt. Wir Juden haben den Christen einen Gott gegeben, und sie töten uns. Sie sagen, wir haben den Gott getötet und deshalb muss man uns töten, deswegen sind sie Antisemiten. Und Antisemiten sein heißt, sie sind gegen uns.

Es gibt Gott, aber wer ist Gott? Ich denke, ein ewig lebender Mann und eine ewig lebende Frau. Das ist das Paar, welches die Welt beherrscht und das ist Gott. Und da stelle ich mir vor, im Garten Eden, im Paradies, regiert die Frau und in der Hölle regiert der Mann. Und ich, wenn ich etwas will, dann sage ich der Madame Fortuna: ‚Madame, schau wie er mich sekkiert. Sprich mit deinem Mann, er soll ein bisschen netter sein.’ Und sie hilft mir, denn ich bin ein Protege Gottes, weil es mir immer gut gegangen ist. Ich war nie ein reicher Mann, aber ich habe immer so viel Geld gehabt, wie ich benötigt habe, und ich habe immer sehr vielen Menschen helfen können.

 

Glossar

[1] Schabbat [hebr.: Ruhepause]: der siebente Wochentag, der von Gott geheiligt ist, erinnert an das Ruhen Gottes am siebenten Tag der Schöpfungswoche. Am Schabbat ist jegliche Arbeit verboten. Er soll dem Gottesfürchtigen dazu dienen, Zeit mit Gott zu verbringen. Der Schabbat beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend.

 

[2] Thonet-Möbel: Thonet, Gebrüder, berühmte Möbelmanufaktur, gegründet 1825 von Michael Thonet, ab 1842 in Wien. Spezialisiert auf die Anfertigung von Bugholzmöbeln, 1850 Entwicklung von Stuhl Nummer 1.

 

[3] Zaddik: ‚Der Gerechte’, einer, der sich streng an die Gebote hält und dessen gute Taten die bösen überwiegen

 

[4] Kol Nidre: [hebr.: alles Gelübde]: Eröffnungsgebet an Jom Kippur

 

[5] Jom Kippur: der jüdische Versöhnungstag, der wichtigste Festtag im Judentum.
Im Mittelpunkt stehen Reue und Versöhnung. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten.

 

[6] Pessach: Feiertag am 1. Frühlingsvollmond, zur Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, auch als Fest der ungesäuerten Brote [Mazza] bezeichnet.

 

[7] Schawuot: Achttägiges Wochenfest, das sieben Wochen nach Pessach gefeiert wird. Fest der Torahgebung und der Erstlingsfrüchte, die an Schawu'ot zum Tempel gebracht wurden.

 

[8] Jeschiwa [Mrz: Jeschiwot]: Talmudhochschule, dient vor allem dem Studium des Talmud, gab es schon zur Zeit des Zweiten Tempels, als der Talmud noch mündlich weitergegeben wurde.

 

[9] Mesusa [Mrz: Mesusot; hebr: Türpfosten]: Bezeichnung für eine kleine Schriftrolle mit Worten aus dem fünften Buch Mosis; wird in einer Kapsel am rechten Türpfosten eines jüdischen Hauses angebracht.

 

[10] Tallit: ritueller ‚Gebetsmantel‘, wird von erwachsenen Juden (ab 13) beim Beten getragen.

 

[11] Tefillin: lederne ‚Gebetskapseln‘, die im jüdischen Gebet an der Stirn und am linken Arm getragen werden und Texte aus der Torah enthalten.

 

[12] Kippa [Kappe, Käppchen, Jarmulke]: für Männer erforderliche Kopfbedeckung

 

[13] Trefe: Nicht koscher, unrein im Sinn der jüdischen Speisegesetze.

 

[14] Wizo: Akronym für Womens International Zionist Organisation. International tätige zionistische Frauenorganisation.

 

[15] Cheder [hebr:Zimmer]: die Bezeichnung für die traditionellen Schulen, wie sie bis Beginn des 20. Jahrhunderts im osteuropäischen Schtetl üblich waren.
Der Unterricht fand im Haus des Lehrers statt, der von der jüdischen Gemeinde bzw. einer Gruppe von Eltern finanziert wurde, und war in der Regel nur Jungen zugänglich. Der Unterricht fand in kleinen Gruppen mit Jungen verschiedener Altersgruppen statt.

 

[16] Haschomer Hatzair [hebr.: ‚Der junge Wächter‘]: Erste Zionistische Jugendorganisation, entstand 1916 in Wien durch den Zusammenschluss von zwei jüdischen Jugendverbänden. Hauptziel war die Auswanderung nach Palästina und die Gründung von Kibutzim. Aus den in Palästina aktiven Gruppen entstand 1936 die Sozialistische Liga, die sich 1948 mit der Achdut Haawoda zur Mapam [Vereinigte Arbeiterpartei] zusammenschloss.

 

[17] Bar Mitzwa: [od. Bar Mizwa; aramäisch: Sohn des Gebots], ist die Bezeichnung einerseits für den religionsmündigen jüdischen Jugendlichen, andererseits für den Tag, an dem er diese Religionsmündigkeit erwirbt, und die oft damit verbundene Feier. Bei diesem Ritus wird der Junge in die Gemeinde aufgenommen.

 

[18] Purim: Freudenfest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen Diaspora erinnert. Nach der Überlieferung versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, die gesamten Juden im Perserreich auszurotten. Der [jüdischen] Königin Ester gelang es jedoch, den König von den unlauteren Absichten Hamans zu überzeugen und so die Juden zu retten.

 

[19] Dayan, Moshe [1915-1981], israelischer General und Politiker

 

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Country: 
City: 
Wien

Interjú adatok

Interjúalany: Siegfried Buby Schieber
Interjúkészítő neve:
Tanja Eckstein
Interjú készítésének hónapja:
Juni
Interjú készítésének éve:
2003
Wien, Austria

Kulcsfigura

Siegfried Buby Schieber
Születési év:
1916
Születési hely:
Kimpolung
Halálozási év:
2005
Halálozási hely:
Wien
Meghalt:
after WW II
Foglalkozása
II.világháború után:
Beschäftigter in naturkundlichen und technischen Wissenschaften

AUDIO - INTERVIEW

Additional Information

Also interviewed by:
Das Leben und das Martyrium der Juden aus Kimpolung-Bukowina

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