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Wilhelm Steiner

Meine Lehre wäre normalerweise vier Jahre gewesen, ich hab sie nicht zu Ende machen können. Ich habe ja erst 1935 begonnen, und im Jahre 1938 sind die Deutschen einmarschiert. Da sind wir, eine Handvoll Jungkommunisten zusammen mit einer Handvoll der christlichen Jugend, die Nazis sind schon auf allen Straßen mit den Fahnen marschiert, nach Floridsdorf, weil es hieß, dass es in Floridsdorf Widerstand gäbe. In Floridsdorf war kein Mensch, und als wir die Deutschen sahen, gingen wir so unauffällig wie möglich an ihnen vorbei. Dann haben wir uns gefragt: Was machen wir jetzt? Mitternacht bin ich in die Straßenbahn eingestiegen, ich hatte eine Gewerkschaftsfahrkarte, die habe ich dem Schaffner gezeigt. Ich habe zu ihm gesagt, das ich heute wahrscheinlich das letzte Mal mit dieser Karte fahren kann, weil ab Morgen... Sagt er: 'Lassen Sie mich in Ruhe, lassen Sie mich bitte in Ruhe, ich will von alldem nichts wissen.' Alle haben Angst gehabt.
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Erika Rosenkranz

Antisemitismus habe ich erst in dem Moment, als die Deutschen in Österreich einmarschierten erlebt. An dem Tag nach dem Einmarsch, hat mich meine Mutter von der Schule abgeholt. Da ging die ganze Klasse, das waren ungefähr 25 Mädchen, nach dem Unterricht auf mich los. Ich weiß nicht, wie es ausgegangen wäre, wenn meine Mutter mich nicht beschützt hätte.
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Otto Suschny

Den Jubel der Bevölkerung beim 'Anschluss' [2], die überall auftauchenden Nazifahnen und die Aktionen gegen Andersdenkende und Juden kennt jeder. Staatenlose Juden und Juden polnischer Staatsangehörigkeit wurden in unserem Bezirk in der Karajangasse, in einer ehemaligen Volksschule, eingesperrt. Manche von ihnen wurden von dort in ein Konzentrationslager deportiert.
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Alice Granierer

Und als der Hitler einmarschiert ist, wurde mein Vater sogar in Deutschland verhaftet und war ein paar Wochen im KZ Dachau.
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Sie sind auch über Brünn mit dem Schiff nach Palästina gekommen.

Einige Tage bevor das Schiff weggegangen ist, hat dort die Kultusgemeinde gesagt: 'Nehmt doch nicht die Kinder mit. Es kommt jetzt ein legaler Kindertransport. Und warum wollt ihr die Kinder mitnehmen auf ein illegales Schiff, wenn die Kinder bequem und gut fahren können.'

Aber der Hitler ist inzwischen einmarschiert. Die Kinder sind nicht mehr nach Palästina gekommen. Jacki und Anni sind mit meiner Großmutter Marie Beck nach Theresienstadt [heute: Tschechien] deportiert worden.
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Mein Vater war wieder geschäftlich in Deutschland unterwegs. Meine Mama war wieder hochschwanger. Und als der Hitler einmarschiert ist, wurde mein Vater sogar in Deutschland verhaftet und war ein paar Wochen im KZ Dachau.

Aber da er noch das Retourvisum gehabt hat, hat man ihn rausgelassen.
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Stella Semenowsky

Am Tag des Einmarsches der Deutschen [1938] hat Tante Rosa stolz verkündet: 'Ich habe einen polnischen Pass, ich gehe nach Polen, dort wird mir nichts passieren.' Wir haben nie mehr etwas von ihr und ihrer Familie gehört.
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1936 haben wir geheiratet. Mein Mann hat studiert, er hatte 1938 gerade sein Studium in Wien beendet und war von Beruf Dentist. Ich habe kurz aufgehört zu studieren und später wieder angefangen. Nach dem Anschluss 1938 musste ich das Studium abbrechen.
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Hannah Fischer

Unvergesslich ist die Zeit von März 1938 bis zum Schuljahresende 1938 für mich. Das waren meine letzten Monate in Wien vor der Emigration. Da kamen viele Schüler in die Schule, die aus den anderen Schulen ausgeschult worden waren, weil sie jüdisch waren. Ich glaube, wir waren zu dieser Zeit über 50 Kinder in der Klasse.

Die dazu gekommenen Kinder haben mich tief beeindruckt. Die waren alle sehr deprimiert, weil sie zum Teil nicht einmal gewusst hatten, dass sie Juden sind. Sie waren oft aus getauften Familien, christlich erzogen, und auf einmal waren sie Juden. Das werde ich nie vergessen können.

Die ganze Klassengemeinschaft hat sich um diese Kinder gekümmert, wir nahmen sie absolut auf. Aber es gab schon eine Stimmung der Auflösung; mehrere wussten, dass sie emigrieren werden. Es war nur noch eine 'Schule auf Zeit' für viele der Schüler.

Meiner Lateinlehrerin Frau Dr. Klein-Löw ist dann die Flucht nach England gelungen, wo sie als Hausgehilfin gearbeitet hat. Lydia ist die Flucht nach Amerika gelungen. Nelly Szabo, auch eine Freundin aus der Schule, flüchtete ebenfalls nach Amerika.

Ich hatte noch längere Zeit Kontakt zu ihr, aber wenn man sich nie sieht, dann verliert sich das irgendwann. Etlichen aus meiner Klasse gelang die Flucht, aber natürlich nicht allen. Meistens schafften es die wohlhabenderen Familien. Den ärmeren Familien gelang die Flucht oft nicht mehr. Manchmal gelang es ihnen aber wenigstens, ihre Kinder wegzuschicken.

Wie alle jüdischen Kinder ist natürlich auch mein Bruder aus seiner Schule geworfen worden und musste dann im 14. Bezirk in eine Sammelschule für Juden gehen.

Mein Vater hatte in der Nähe des Aspanger Flughafens - dieser Flughafen existierte seit 1912 - ein Grundstück gekauft und bearbeitet. Er hatte es dort gekauft, weil es billig war. Jedes Wochenende fuhren wir also von der einen auf die andere Seite Wiens, nach Eßling, - das war eine lange Fahrt.

Allerdings mussten wir am Schwedenplatz umsteigen, da gab es schon damals das herrliche Eisgeschäft, das es auch heute noch gibt. Wir bekamen jedes Mal ein Eis um zehn Groschen. Ende März 1938 wurde mein Vater verhaftet. Der Nachbar des Grundstückes in Eßling war ein Nazi, das wussten wir. Und dieser Nachbar wollte unser Grundstück haben.
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Richard Kohn

Meine Schwester Hildegard war ein Mädchen, deshalb war ich weit von ihr entfernt. Ich war noch zu jung, um zu verstehen, und ich ahnte nicht, wie wenig Zeit wir miteinander verbringen durften. Meine Schwester war ein eher ruhiges, nachdenkliches Kind. Beim Einmarsch der Deutschen im Jahre 1938 war sie dreizehn Jahre alt und erlebte in der Schule den offenen aggressiven Antisemitismus. Das war schrecklich für sie, und sie versuchte, alles für sich zu behalten und zog sich sehr in sich zurück. Als ich in die Schule ging, erlebte ich keinen Antisemitismus, und nach dem Einmarsch der Deutschen war meine Schulzeit bereits beendet.
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Paul Rona

Vor dem Krieg war eine Sache, an die ich mich gut erinnere. Der Emmerich Strasser, der Sohn der ältesten Schwester meines Vaters, der diese Emstra Fabrik hatte, fuhr im Februar 1938 nach Deutschland, nach München, zu einem jüdischen Geschäftsfreund. Das war zu der Zeit, als Schuschnigg [15] sich mit Hitler in Berchtesgaden [16] traf. Als er zurückkam, gab es ein großes Familientreffen im Café Ritter. Das war das erste Mal, dass ich bei so einer ernsten Besprechung dabei sein durfte. Der Emmerich Strasser sagte, er habe sich erkundigt: die Jugend solle möglichst bald, sollte Hitler in Österreich einmarschieren, weg. Die anderen Familienmitglieder werden Hitler schon überstehen. Die Familie wird zusammenhalten - man hat sich bisher geholfen - man wird sich noch ein bissl mehr helfen. Die paar Jahre wird man durchhalten, die das dauern kann. Er sprach meiner Erinnerung nach von Jahren.
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Mit dem Turnprofessor und mit dem Religionslehrer war ich immer auf Kriegsfuß. Bei dem Turnlehrer war es leicht verständlich, er war ein Nazi. Das hat sich dann herausgestellt. Der wurde nach dem Einmarsch der Deutschen, in Österreich 1938, Direktor der Schule, wenn ich richtig informiert bin.
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Eva Köckeis-Stangl

Und dann war bald das Jahr 1933 da, wo Hitler in Deutschland schon an die Macht gekommen ist und jüdische Intellektuelle emigriert sind und unter anderem auch nach Wien geflüchtet sind – und auch solche Menschen sind zu uns auf Besuch gekommen. Aber mein Vater hat immer gemeint, in Wien ist das ganz unmöglich, in Wien sind die Juden ein so wesentlicher Teil des wirtschaftlichen  und kulturellen Lebens, das ist ganz unmöglich, die auszuschalten. Ja, allerdings, wie dann die Nazis in Österreich einmarschiert sind, sind sie binnen kurzem, schon nach wenigen Tagen, bei uns in der Wohnung aufgetaucht. Es wurde eine Hausdurchsuchung gemacht, vieles kaputtgeschlagen, mit der Brutalität und Niedertracht, genau derselben, die die Nazis woanders angewendet haben und Otto wurde verhaftet. Die Nazis haben in Otto keinen politischen Gegner gesehen, sondern vor allem einen wohlhabenden Juden, den man dazu zwingen muss, oder den sie durch die Haft dazu gezwungen haben, alle seine Besitztümer den Nazis zu schenken.
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Und dann war bald das Jahr 1933 da, wo Hitler in Deutschland schon an die Macht gekommen ist und jüdische Intellektuelle emigriert sind und unter anderem auch nach Wien geflüchtet sind – und auch solche Menschen sind zu uns auf Besuch gekommen. Aber mein Vater hat immer gemeint, in Wien ist das ganz unmöglich, in Wien sind die Juden ein so wesentlicher Teil des wirtschaftlichen  und kulturellen Lebens, das ist ganz unmöglich, die auszuschalten. Ja, allerdings, wie dann die Nazis in Österreich einmarschiert sind, sind sie binnen kurzem, schon nach wenigen Tagen, bei uns in der Wohnung aufgetaucht. Es wurde eine Hausdurchsuchung gemacht, vieles kaputtgeschlagen, mit der Brutalität und Niedertracht, genau derselben, die die Nazis woanders angewendet haben und Otto wurde verhaftet. Die Nazis haben in Otto keinen politischen Gegner gesehen, sondern vor allem einen wohlhabenden Juden, den man dazu zwingen muss, oder den sie durch die Haft dazu gezwungen haben, alle seine Besitztümer den Nazis zu schenken.
Ich bin damals schon, in den Jahren davor, geheim zu einer Jugendgruppe gegangen, die hat sich „Jung Urania“ genannt und später unter dem Deckmantel, dass wir ‚Pfadfinder‘ sind, waren vielleicht 20 Leute, zweimal die Woche. Wir waren kommunistisch. Und zu links-sein hat dazugehört, sich für Psychoanalyse zu interessieren und meine Freundin hat da so Originalschriften von Freud mitgebracht. Was wir als 13-jährige davon verstanden haben, frag‘ ich mich. Sicher hab ich das kommunistische Manifest in einer Gruppensituation gelesen, aber es war außerordentlich schwierig, solche Schriften aufzutreiben. Und in den allerletzten Monaten in Wien, wie der Otto schon eingesperrt war, bin ich zu denen gegangen und hab‘ gesagt: So, jetzt ist mein Vater im Häfn, jetzt kann ich machen was ich will. Und da haben‘s mich in den Kommunistischen Jugendverband aufgenommen, das war eine Gruppe, die war mehr proletarisch.
Die sind immer zu Fuß gegangen, und da sind wir einmal zu Fuß zum Peilstein gegangen, ein ganz schöner Hatscher, und haben dort in einer Höhle geschlafen, war meine erste Begegnung mit Bergsteigen. Hat sich sehr gehalten.
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Edith Landesmann

Im Jahre 1938 spitzte sich die politische Lage zu. Hitler besetzte Österreich. Mein Bruder Kurt war gerade 15, als Schuschnigg seine berühmte Rede endete mit den Worten: "Gott schütze Österreich".
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