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Gertrude Mechner

Die Synagoge wurde 1938 zerstört und dem Hausmeister als Brennholz übergeben. Die Torahrollen konnten aber gerettet werden.
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Max Tauber

Ein Bruder meiner Mutter, Leopold, hat Johanna, eine Jüdin geheiratet. Er hatte in der Goldschlagstrasse eine Schuhmacherwerkstatt und seine Frau hatte eine Putzerei. Knapp vor dem 10. November 1938 kamen zwei SA Männer ins Geschäft, die Schuhwerkstätte meines Onkels war im hinteren Raum, und fragten meine Tante was eine Jüdin hier noch zu suchen habe. Da kam mein Onkel aus dem hinteren Raum mit einem Riemen und hat auf die SA Männer eingedroschen. Sie haben ihn derartig verprügelt, dass er im Krankenhaus gestorben ist.
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Otto Suschny

An Antisemitismus der Nachbarn in unserem Haus kann ich mich nicht erinnern. Auf der Straße war ich manchmal von irgendwelchen Rowdies angestänkert worden. Ich hab sicher nicht sehr jüdisch ausgeschaut, aber ein bisschen vielleicht doch. Nach 1938 wurde das kritisch. Da wurden dann auch Erwachsene gefährlich. Den 10. November 1938 [3] haben wir nicht am eigenen Leib gespürt, zu uns ist keiner gekommen. Niemand von meiner Familie wurde eingesperrt. Aber wir haben natürlich mitgekriegt, was anderen Leuten passiert ist, die eingesperrt und geprügelt wurden.
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Alice Granierer

In Knittelfeld gibt es einen kleinen jüdischen Friedhof mit neun Gräbern. Nach dem Krieg ist meine Mutter natürlich gefahren, ihren Vater am Friedhof zu besuchen, und ich bin mitgefahren. Da hatte sich ein Bauer diesen Friedhof gekauft.

Als wir zum Friedhof hineinwollten, mussten wir beim Bauern läuten, damit er uns hereinlässt. Einige Zeit ist es sehr gut gegangen. Aber der Bauer hatte zwei so große Hunde, die gebellt haben, wenn er uns das Tor geöffnet hat, da habe ich mich immer gefürchtet.

Eines Tages mussten wir nicht mehr beim Bauern klingeln, sondern von der Grazer Kultusgemeinde die Schlüssel holen, um auf den Friedhof zu kommen. Der Bauer war dann nicht mehr freundlich. Er hat gesagt: 'Ich weiß nicht, wozu Sie herkommen. Wissen Sie überhaupt, wer dort liegt?' Ich habe gesagt: 'Was heißt, wer da liegt? Mein Großvater liegt da.

Sie sehen den Namen auf dem Grab.' Dann sagte er: 'Im 38er Jahr sind Leute gekommen, haben jedes Grab aufgeschaufelt, weil ma ja gwusst ham, dass die Juden Gold und wertvolle Sachen versteckt ham in die Gräber, die ham aba nix gefunden.

Ham ma alles wieder zam gemacht. Wer seitdem dort wirklich liegt, weiß ich nicht.' Ich habe gesagt: 'Mir erzählen Sie keine Geschichten. Für mich ist im Grab mein Großvater. Ob jetzt andere Gebeine da liegen oder er - das ist mir egal.' Zwei Jahre später hat der Bauer den Grund verkauft, dort war dann eine Hundezuchtanstalt.

Aber nach ein paar Jahren hat die jüdische Gemeinde Graz die Steine von der Mauer in die Mitte verlegt. Angeblich sind sie - wir waren nicht mehr dort - jetzt wieder zurück zur Mauer mit neuen weißen Grabsteinen.
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Gertrude Kritzer

Als sie meinen Papa am 10. November 1938, nach der Pogromnacht, aus der
Wohnung abgeholt haben, hat meine Mama ihnen alles gegeben, damit sie ihn
nicht mitnehmen.
'Lasst meinen Mann, lasst meinen Mann da, nehmt ihn nicht mit', weinte
meine Mama, aber es hat nicht geholfen. Ich glaube, meine Eltern hatten
ziemlich viele Wertpapiere. Die hat sie ihnen gegeben. Sie haben ihr noch
den Ehering vom Finger gezogen und ihre Ohrringe genommen. Trotzdem haben
sie meinen Papa mitgenommen und misshandelt.
Nach zehn Tagen kam er zurück. Seine vorher schwarzen Haare waren
schneeweiß.
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Am 10. November
1938, nach der Pogromnacht [4] - nachdem mein Papa verhaftet worden ist -
bin ich zu ihm gegangen und er hat zu mir gesagt:
'Siehst du, wie dumm es ist, die Tür zu öffnen?' Kurze Zeit später wurde er
verhaftet. Auf dem Weg nach Dachau soll er einen SA Mann geschlagen haben
und der hat ihn erschossen.
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Oskar Rosenstrauch

Mein Vater wurde im November 1938 verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. Frau Spielman schickte auch ihm Papiere aus England, wodurch er nach vier Monaten aus Dachau entlassen wurde.
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Hannah Fischer

Samstags sind mein Bruder und ich in der Volksschulzeit immer zu Fuß - das war ein längerer Marsch - in den Tempel in der Eitelbergergasse gegangen. Der Tempel ist in der Pogromnacht im November 1938 zerstört worden, heute steht zum Gedenken eine Tafel dort.
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Richard Kohn

In der Pogromnacht [7], am 10. November, 1938 holten die SS Leute meinen Vater und mich aus unserer Wohnung. Wir wurden in die Wachstube der Polizei gebracht. In der Wachstube waren schon viele Juden versammelt. Von dort wurden wir in die Bauernfeldgasse zum Tempel geführt und dort bekamen wir Hacken und Stangen aus Eisen, und dann mussten wir alles demolieren. Es waren alte Juden, die sehr fromm waren dabei, die sehr weinten.

Nach einigen Tagen ließ man meinen Vater und mich nach Hause gehen. Die Lebensmittel waren knapp, die Wohnsituation sehr beengt und so beschloss ich, wodurch ich davon erfahren habe weiß ich nicht mehr, mich auf die Ausreise nach Palästina vorzubereiten und auf Hachschara [8] zu gehen.
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Paul Rona

Ich war angemeldet für einen Kindertransport [18] nach England. Mein Vater und ich waren in der Pogromnacht [19] aus der Wohnung heraus verhaftet und gleich weggeführt worden. Die SA Leute sollen in unserer Wohnung dann ziemlich gewütet haben, aber der neue Besitzer der Wohnung stoppte die Zerstörung, weil er unsere Sachen wollte. Er schmiss meine Mutter raus. Sie verließ mit zwei Koffern die Wohnung und ging zu den Marksteins in die Brigittenauer Lände.

Mein Vater und ich wurden in der Karajangasse in der Schule, in der ich im Gymnasium war, eingesperrt. Am Abend wurden wir abgezählt: A, B, C, D. Mein Vater war ‚D’ und ich war ‚A’. Wir hätten leicht den Platz wechseln können. Das ‚D’ stand für Dachau, was wir nicht wussten. Mir wäre nichts geschehen, wenn wir verkehrt gestanden hätten, weil die unter Siebzehnjährigen noch rausgelassen wurden, und ich war noch nicht siebzehn Jahre alt.
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Robert Walter Rosner

Am 10. November 1938, in der Pogromnacht [11], wurde das Geschäft zerstört und dadurch war auch das vorbei. In meinen Erinnerungen war schon vor dem 10. November alles sehr schrecklich, so dass der 10. November nur noch die Spitze des Eisberges war.

Ich glaube in Deutschland wurden die Juden bis zum 10. November ziemlich in Ruhe gelassen, erst ab 10. November 1938 ging der Terror los, während es bei uns in Wien ab dem Einmarsch der Deutschen im März 1938 schrecklich wurde. Wir haben weiter gelebt und versucht, aus Österreich heraus zu kommen.
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Louise Eva Papo

Am 10. November 1938 wurde mein Mann verhaftet. Das war die sogenannte ‚Kristallnacht’ [5]. 15 Tage lang hatte ich nicht gewusst, wo er war. Nach 15 Tagen kam ein Brief aus dem KZ Dachau [Deutschland]: ‚Ich bin gesund, es geht mir gut. Du darfst mir jeden Monat 15 Mark schicken und zweimal im Monat einen Brief mit 15 Zeilen. Der Türkische Tempel war, wie alle anderen Tempel in Wien, am 10. November 1938 niedergebrannt worden. Nur ein einziger blieb erhalten. Bevor sie ihn niedergebrannt haben, haben sie sich die Listen der Mitglieder geholt. Und die, die österreichische Staatsbürger waren, die haben sie abgeholt.
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Herbert Wolfgang Reisner

Der Tempel wurde im November 1938 zerstört. Jetzt stehen dort, wo der Tempel sich befunden hat, Wohnhäuser. Eine Gedenktafel hat man nicht gewollt, da wurde ein Gedenkstein in den Boden vor dem Haus eingelassen. Ich habe damals zur Einweihung des Gedenksteins gesprochen, weil ich Mitglied des Tempelchores war.
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Peter Scheuer

Ich wurde dann aus dem Gymnasium vertrieben und ging noch eine Zeitlang in ein Gymnasium in der Sperlgasse, wo alle Juden hin mussten. In der Zwischenzeit waren meine Eltern auch nach Wien gekommen und wohnten jetzt mit mir zusammen in der Weihburggasse in Untermiete. Gott sei Dank sind sie nach Wien gekommen, denn die Reichkristallnacht [7] hätte mein Vater in Innsbruck, wo ihn jeder kannte, nicht überlebt.

Mein Vater wurde in Wien verhaftet und auf der Polizeistation festgehalten. Aber damals war der Brunner [8] in der Judenverkehrsstelle, und meine Mutter ist zu ihm hin und hat erwirkt, dass man ihn wieder freigelassen hat. Sie hat ja auch so goiisch [nichtjüdisch] ausgeschaut.
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Georg Wozasek

In dieser Gasse gab es vor dem 10. November 1938 eine sehr schöne Synagoge, die in der Pogromnacht zerstört worden war.
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