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Hanny Hieger

Meine Tante Elisa Geiringer habe ich nicht kennengelernt. Sie starb 1918 an der Spanischen Grippe.
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Friedrich Seliger

Die Großeltern väterlicherseits habe ich nicht gekannt. Die Mutter meines Vaters starb noch vor dem Ersten Weltkrieg. Sie hieß Ettl Seliger. Mein Großvater hieß Moische Jehuda Seliger, er war Direktor einer Erdölstation und lebte in Galizien, in der Nähe von Zakopane [Polen]. Meine Großeltern hatten fünf Kinder. Meinen Vater Heinrich, Pinchas, Zivia, Rifka und Feige.
Als die Großmutter gestorben war, hat der Großvater noch einmal geheiratet. Er hat eine Frau geheiratet, deren Mann sich von ihr hatte scheiden lassen, weil sie zehn Jahre keine Kinder bekommen hatte. Der Großvater hat gesagt, er brauche keine Kinder mehr, er will eine Hausfrau und eine Mutter für seine Kinder, aber dann haben sie noch drei Kinder zusammen gehabt, Bronka, Fridza und Schlomo. Eine Halbschwester meines Vaters hat in Wien gelebt, sie ist auch in Wien gestorben, und der Jüngste hat auch in Wien gelebt und ist auch in Wien, vor dem Zweiten Weltkrieg, gestorben.

Rifka, die Schwester meines Vaters, heiratete Schlomo Dank. Bereits 1921 übersiedelten sie nach Palästina. Sie hatten zwei Kinder, Rachel und Amos. Rifka starb 1997 in Israel.
Eine meiner Tanten hatte einen Verlobten, er hieß Adolf Pippes. Sie waren zehn Jahre verlobt und lebten in Wien. Dann sind sie nach Amerika gezogen. Das war vor dem Krieg. Als der Krieg ausgebrochen ist, haben sie gesagt: ‚wir gehen nach Hause’. Und sie sind zurück nach Polen gegangen. Die Deutschen haben der Sowjetunion den Krieg im Juni 1941 erklärt und sind dann in die Gegend gekommen, die die Russen in Polen okkupiert hatten. Die Familie Pippes ist ermordet worden. Auch Polen haben Juden in grausamer Art und Weise ermordet. Zum Beispiel meinen Onkel Pinchas haben die Hunde zerrissen. Polen, die große Antisemiten waren, hatten Hunde auf ihn gehetzt. Der Großvater hat dann eine Postkarte geschrieben, aber er hat geschrieben, der Pinchas sei auf der Straße bei Eis ausgerutscht und gestorben. Er konnte so etwas Grausames nicht auf eine Karte schreiben.

Eine Schwester meines Vaters war Kommunistin. 1939 hatten sich die Russen und die Deutschen Polen geteilt [1; siehe Hitler-Stalin-Pakt]. Einer meiner Onkel war Forstverwalter, er war auch Kommunist. Zuerst kamen die Russen, dann mussten die Russen flüchten, und die Deutschen kamen. Die Deutschen haben die Familie umgebracht. Die ältere Schwester Zivia ist verschwunden. Sie hatte viele Kinder, die sind alle verschwunden. Niemand hat mehr etwas von ihnen gehört. Eine Schwester war nur kurz verheiratet, sie ist auch umgebracht worden. Mein Großvater und sein Bruder wurden umgebracht. Ich weiß nicht, wie und wo sie umgekommen sind, aber nach dem Krieg war niemand mehr da.

Mein Vater, Heinrich Seliger, sein jüdischer Name war Zwi, wurde am 3. Mai 1896 in Dzwiniacz [heute Ukraine], in Galizien, geboren. Seine Familie kam ursprünglich aus Russland. Er ist bei seiner Tante und seiner Großmutter aufgewachsen. Die Tante war eine Ledige und ein Krüppel, und die Großmutter war die Schwester vom Großvater.

Meine Großeltern mütterlicherseits hießen Feder. Sie kamen aus Galizien, aus Zalozce. Zalozce lag damals an der polnischen Grenze zur Ukraine. Heute gehört das Gebiet zur Ukraine. Ich habe nur meine Großmutter Pesie Feder, geborene Milgrom, kennengelernt. Im Jahre 1916, die Russen waren vormarschiert, Galizien gehörte zu Österreich, sind meine Großeltern nach Wien geflüchtet. Meine Großmutter hatte 15 Kinder geboren, von denen fünf Kinder, noch in Galizien, an Krankheiten gestorben sind. Mit acht Kindern verließen die Großeltern Galizien, ein Kind wurde 1916, unterwegs nach Wien, geboren und noch ein Kind 1917 in Wien.

Lea, die Älteste, war meine Mutter. Sie wurde am 30. Mai 1896 in Zalozce geboren und starb 1978 in Israel. Regina wurde 1897 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Palästina und starb in Israel. Isak wurde in 1899 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Australien und starb dort. Rosa wurde 1901 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Amerika und starb dort.
Miriam [Anm. Maria oder Mali genannt] wurde 1905 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Palästina und starb 1966 in Haifa. Hermann wurde 1906 in Zalozce geboren, lebte in Wien und wurde mit seiner Frau Toni während der Flucht nach Palästina, in Jugoslawien, ermordet. Sie waren auf dem bekannt gewordenen Kladovo-Transport [2]. Hermann wurde erschossen, Toni wurde in einem Gaswagen vergast. Simon wurde 1908 in Zalozce geboren, lebte in Wien und flüchtete nach Australien, wo er vor einigen Jahren starb.
Leon wurde 1914 in Zalozce geboren, lebte in Wien, flüchtete nach Schweden und war mit der Nichte des österreichischen Operettenkomponisten Komponisten Leo Fall verheiratet. Er starb in Schweden. Klara wurde 1916, während der Flucht nach Wien, geboren. Sie flüchtete nach Palästina, von Palästina nach Australien, wo sie heute noch lebt.
Berta, die jüngste, wurde 1917 in Wien geboren. Sie flüchtete nach Amerika und lebt heute mit ihrer Tochter in England.

Meine Großeltern flüchteten vor dem Ersten Weltkrieg in ihre Heimat, nach Wien, denn Wien war die Hauptstadt der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Sie siedelten sich im 2. Bezirk, in der Perinetgasse 2, an. Mein Großvater, Salomon Feder, hatte in Wien eine Schwester, sie hieß Mina und war mit Julius Blaustein verheiratet. Die Blausteins waren wohlhabende Leute, dadurch ist mein Großvater nach Wien gekommen. Julius starb sehr früh, den habe ich nicht mehr kennengelernt. Mina Blaustein wohnte in der Oberen Donaustrasse 9, das liegt nur einige Meter von der Perinetgasse entfernt. Sie besaß einen Salon für Damenkleider. Sie hatte zwei Kinder Irma und Eduard und einen Papagei. Die Kinder sind nach Südamerika geflüchtet, die Schwester meines Großvaters wurde zusammen mit meiner Großmutter Pesie nach Theresienstadt [3] deportiert.

Mein Großvater Salomon ist als Waisenkind aufgewachsen. Ich weiß nicht viel über ihn. Von Beruf war er Uhrmacher, besaß aber auch ein Geschäft mit Schreibwaren und Büchern. Er war ein sehr intelligenter und sehr angesehener Mann, weil er so gebildet war. Er sprach mehrere Sprachen, war der Abgeordnete des Dorfes in der Kreisstadt und hat die Krankenkassa geleitet. Mein Großvater war sehr viel herumgekommen, aber warum er soviel herumgekommen ist, weiß ich nicht. Vielleicht sind die Leute damals durch die Welt gewandert, um zu lernen. Er ist so ein Typ gewesen. Er war religiös, aber er trug keine Pejes [4]. Einen kleinen Spitzbart hatte er. Als meine Großeltern mit ihren Kindern aus Galizien flüchteten, hatten sie Geld, aber durch die Inflation war das Geld nichts mehr wert. Im November 1918 starb der Großvater an der Spanischen Grippe. Die Großmutter blieb mit zehn Kindern allein. Das jüngste Kind war ein halbes Jahr alt, das älteste Kind war meine Mutter, die 20 Jahre alt war. Mein Großvater liegt in Wien am Zentralfriedhof am 4. Tor begraben.
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Irena Wojdyslawska

He fought in World War I, but he was dismissed from the army, because he fell ill with the ‘Spanish flu’.
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