Identitätskarte von Rene Fischer in Palästina

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  • Foto aufgenommen in:
    Natanya
    Jahr:
    1945
    Ländername:
    Palästina
    Name des Landes heute:
    Israel

Das ist die Identitätskarte von meiner Mutter, Rene Fischer, geborene Wertheim, in Palästina. Das Foto dafür wurde 1945 in Natanya aufgenommen.

Bei Ankunft in Palästina hatten wir überhaupt keine Papiere. Wir waren Flüchtlinge, hatten alles weggeschmissen und neue Papiere hatten wir nicht bekommen.

Für zwei oder drei Wochen mussten wir in das Auffanglager Atlit bei Haifa, denn jeder der während des Krieges nach Palästina kam, konnte ein Feind sein.

Wir waren in einer Gruppe, in einer Riesengruppe. Ich glaube, diese Gruppe bestand aus Zwölfhundert Menschen. Wir waren mehr tot als lebendig, wir waren psychisch und physisch ganz erledigt.

Ich fand keine Arbeit aber dann sprach sich herum, dass ich ausgebildeter Uhrmacher bin. Ein Uhrmacher, er war Österreicher, gab mir Arbeit.

Aber ich war psychisch in einer so schrecklichen Verfassung, dass meine Hände zitterten und konnte keine Uhren reparieren. Nach einer Woche schickte er mich wieder weg.

Dann bekam ich in Natanya als Neueinwanderer in einer Diamantenschleiferei Arbeit.

Wenn ich kein ole chadasch, also Neueinwanderer gewesen wäre, hätte man mich am dritten Tag rausgeschmissen, weil ich nicht einmal in der Lage war, Diamanten schleifen lernen zu können.

Die ole hungaria [kümmerte sich um ungarische Neueinwanderer] stellte mir ein Zimmer zur Verfügung. Zwei Monate bezahlten sie den Zins und dann musste ich das Zimmer selber bezahlen.

So begann ich, als Diamantschleifer zu arbeiten. Meine Mutter fand sofort Arbeit als Hausgehilfin und Köchin bei einem sehr reichen Rumänen in einer wunderschönen Villa in der Panorama Road in Haifa.

Ich litt sehr darunter, meine Mutter, eine angesehene Juwelierin, als Putzfrau sehen zu müssen. Von einem Tag auf den anderen war sie auf die tiefste Stufe gesunken.

Das belastete mein Gewissen und schmerzte in meiner Seele. Aber ich wäre ohne meine Mutter nie geflüchtet. Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, sie in Budapest zu lassen.

Wir haben sehr viel miteinander durchgemacht, meine Mutter und ich, aber für meine Mutter war es sicher schlimmer als für mich.

Es ist gar nicht schön, dass ich mich darüber beschwere, ein schweres Schicksal gehabt zu haben.

Zur selben Zeit sind so viele Menschen so schrecklich umgekommen, dass wir direkt von Glück reden können, dass wir in dieser Situation waren.

Aber das haben wir damals nicht verstanden, das haben wir damals nicht so sehen können und als wir es begriffen, da ging es uns schon etwas besser.

Als wir über das Schicksal der europäischen Juden erfuhren, da sahen wir die harten Prüfungen, die schweren Zeiten, die wir erleben mussten, in einem anderen Licht. Wir waren gerettet und durften weiterleben.

Meine Mutter und ich bekamen in Natanya auch Identitätskarten ausgestellt, so besaßen wir wieder einen Beleg für unsere Existenz.

Interview details

Interviewte(r): Anton Fischer
Interviewt von:
Tanja Eckstein
Monat des Interviews:
Februar
Jahr des Interviews:
2004
Wien, Österreich

HAUPTPERSON

Rene Fischer
Geburtsjahr:
1893
Jahrzehnt der Geburt:
1890
Geburtsort:
Paks
Geburtsland:
Österreich-Ungarn vor 1918
Todesjahr:
1970
Todesort:
Budapest
Sterbeort (Land):
Ungarn
Gestorben:
after WW II
Beruf
Vor dem 2. Weltkrieg:
Geschäftsmann, Einzelhändler
nach dem 2. Weltkrieg:
Geschäftsmann, Einzelhändler
Familiennamen
  • Vorheriger Familienname: 
    Wertheim
    Grund der Namensänderung: 
    Heirat
    Decade of changing: 
    1910

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