Anton Fischer während des Militärdienstes

+
  • Jahr:
    1940
    Ländername:
    Ungarn
    Name des Landes heute:
    Ungarn

Das bin ich als Jude im Arbeitsdienst bei der ungarischen Armee mit gelber Binde in den 40er Jahren.

Nach der Matura absolvierte ich einen Uhrmacher-und Goldschmiedelehrgang und legte die Gesellenprüfung ab.

Danach wollte ich auf der Wirtschaftsuniversität studieren, war schon angemeldet, musste aber kurz darauf einrücken.

Das war 1940. Ich unternahm alles, um vom Militärdienst befreit zu werden, aber ich wurde nicht befreit.

Unter uns waren solche, die zwölf Dioptrien Augengläser hatten oder hinkten, auch die wurden einberufen.

Zuerst hatten wir eine militärische Ausbildung, wie alle anderen und waren in Budapest, Gewehre bekamen wir aber nicht.

Dann nahm man uns die Soldatenuniformen weg und wir mussten unsere eigene Kleidung mit einer gelben Binde tragen, wir waren nun eine jüdische Kompanie, unser Militärdienst wurde in einen Arbeitsdienst umgewandelt und wir wurden 1941 nach Siebenbürgen geschickt.

Nur die Soldaten waren Juden, die Feldwebel und der Kompaniechef waren keine Juden.

In Siebenbürgen mussten wir einen Graben in den Karpaten ziehen. Es wurde ein Kabel gelegt, um russische Truppen beim Überschreiten der Karpaten in die Luft zu sprengen.

Aber die Russen machten einen großen Bogen um diese Gefahr, denn sie hatten bestimmt davon erfahren.

Mit fünf anderen Kompanien waren wir ein ganzes Jahr dort. Danach kamen wir zurück nach Dömsöd, einer Stadt, die 50 Kilometer von Budapest entfernt ist. In Dömsöd hoben wir ein Flussbett aus.

Dann begannen sie Kompanien für die Front nach Russland, in die Ukraine, zusammenzustellen. Durch Glück und Protektion entkam ich meinem sicheren Tod.

Interview details

Interviewte(r): Anton Fischer
Interviewt von:
Tanja Eckstein
Monat des Interviews:
Februar
Jahr des Interviews:
2004
Wien, Österreich

HAUPTPERSON

Anton Fischer
Geburtsjahr:
1920
Jahrzehnt der Geburt:
1920
Geburtsort:
Budapest
Geburtsland:
Österreich-Ungarn 1918-1938
Todesjahr:
2014
Beruf
nach dem 2. Weltkrieg:
Geschäftsmann, Einzelhändler

Mehr Fotos aus diesem Land

glqxz9283 sfy39587stf02 mnesdcuix8
glqxz9283 sfy39587stf03 mnesdcuix8