Liselotte Albin

Wien, Rakousko

Liselotte Albin
Wien
Österreich
Datum des Interviews: April 2002 Name des Interviewers: Tanja Adler

Liselotte Albin starb im Dezember 2003.

Meine Familiengeschichte
Meine Kindheit
Während des Krieges
Nach dem Krieg
Glossar

 

Meine Familiengeschichte

Ich bin am 28. November 1920 in Wien, in der Bürgerspitalgasse im 6. Bezirk, geboren. Das war mein zu Hause, da haben wir bis zur Emigration gelebt. Damals waren die Hausgeburten noch üblich, ich glaube, man hat sich eine Hebamme genommen, weil man nicht wusste, was im Spital mit einem gemacht wird. Ich bin ein Zwilling, also nicht das Sternzeichen Zwilling, sondern ein echter Zwilling, denn eine halbe Stunde nach mir kam mein Bruder Rudolf zur Welt.

Die Familie väterlicherseits hieß Reichfeld, die mütterlicherseits Frankl. Soweit ich mich zurück erinnern kann, lebten alle Großeltern in Wien. Ursprünglich kamen die Großeltern väterlicherseits, Heinrich Joachim und Rosa Reichfeld aber aus Ungarn, beide sind G´tt sei Dank vor 1938 gestorben. Mein Großvater kam mit seiner Frau und der Familie vor 1893, also noch zur Zeit der Monarchie nach Wien, denn mein Vater und zwei seiner jüngeren Brüder sind schon in Wien geboren. Die Großeltern hatten acht Kinder und, obwohl ihre Muttersprache ungarisch war, sprachen sie ein perfektes Deutsch. Die Familie war assimiliert und überhaupt nicht fromm. Ich nehme an, man hat, wie in so vielen dieser Familien, Jom Kippur [1] gehalten. An Pessach [2] oder andere Feiertage, die väterlicherseits gefeiert wurden, kann ich mich nicht erinnern. Obwohl ich zur Familie väterlicherseits weniger Kontakt hatte, weiß ich noch, wie mein Großvater einmal sehr krank war, und ich mir gewünscht habe, er solle doch noch leben, bis ich vierzehn bin, weil dann wäre ich schon erwachsen! Ich muss damals zwölf Jahre alt gewesen sein. Es gab Geschwister meines Großvaters, aber wir hatten keinen Kontakt zu denen. Da waren eine Großtante und ein Großonkel, und ein Großcousin war homosexuell. Das war damals eine ganz besondere Sache, und dann noch in jüdischen Kreisen!

Mein Bruder und ich sind nicht unbedingt gern zu den Großeltern väterlicherseits gegangen, denn die Kinder unserer Onkeln und Tanten, also unsere Cousins und Cousinen, waren um einiges älter als wir, und die Großeltern waren, obwohl sie so viele Kinder hatten, nicht besonders kinderlieb. Wir waren aber mindestens einmal im Monat dort. Das war wohl auch ein Zugeständnis an meinen Vater, denn wir hatten ein sehr enges Verhältnis zur Großmama und der Familie mütterlicherseits, und da hörten wir des Öfteren von meiner Mutter: 'Ihr geht zu den Großeltern, wart´s schon lange nicht dort!' Jedes Mal mussten wir uns dort alte Postkarten anschauen.

Meine Großeltern mütterlicherseits hießen Jacob und Regine Frankl. Sie kamen ursprünglich aus Mähren. Meinen Großvater habe ich allerdings nicht gekannt. Er ist knapp vor der Geburt meiner Mutter gestorben, sie hat ihren Vater also auch nicht mehr gekannt.

Die Großmama kam mit ihren neun Kindern 1914 oder 1915 von Mähren nach Wien, ebenso einige ihrer Freunde; es war wahrscheinlich der Zug in die Metropole, obwohl es in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie keine Arbeitserlaubnis gab. Sie sind einfach gekommen und haben, wenn sie eine Arbeit gefunden hatten, begonnen zu arbeiten. Die Großmutter hatte aber noch etwas Grund in Mähren, und den kleinen Gemischtwarenladen hatte sie nach dem Tod ihres Mannes aufgelöst. Sie wird also keine ganz arme Frau gewesen sein. Als sie geheiratet hatte, muss sie sehr jung gewesen sein. Sie hat dann ihre neun Kinder ohne Mann durchgebracht. Die Kinder konnte sie zwar nicht studieren lassen, aber eine Schule hatten sie alle.

Meine Mutter Jacobäa war 1897 in Mikulschitz [heute: Tschechien], also noch in Mähren geboren. Sie war das letzte von den neun Kindern der Großmutter und wurde im Andenken an ihren Vater Jacob Jacobäa genannt. Sie hat perfekt tschechisch gesprochen, weil sie die Volksschule noch auf Tschechisch absolviert hatte. Danach hatte sie die Bürgerschule und danach irgendeine Handelsschule besucht, aber die waren in deutscher Sprache. Sie hat kurz in einem Büro gearbeitet, aber dann kam für sie und ihre acht Geschwister - Vilma, Emma, Rosa, Hedwig, Laura, Elsa, Siegfried und Ludwig - der 1. Weltkrieg dazwischen.

Ich glaube, eine oder zwei Schwestern meiner Großmutter lebten schon in Wien, als meine Großmutter kam. Tante Ottilie hat ganz feine Nudeln gemacht für die Suppe, die hatte einen Lechner geheiratet, deswegen hieß sie Tante Lechner bei uns. Onkel Karl hat manchmal den Seder [3]gemacht, und eine Tante Artner, von der weiß ich nur, dass sie einen Bart hatte und beim Eislaufplatz gewohnt hat. Wir hatten aber wenig Kontakt, sie waren ja schon alte Leute. Zwei Töchter meiner Großmutter, Hedwig Fischer und Laura Frank und ein Sohn Siegfried Frankl lebten in der Tschechoslowakei, zu denen ist sie manchmal auf Besuch gefahren. Obwohl die Großmutter einige Male mit uns auf Urlaub gekommen ist, auf Kur ist sie nie gefahren: 'Das sind 'Narrischkeiten', hat sie gesagt und 'Kur macht man nicht!' Auch die Familie meines verstorbenen Großvaters zog nach Wien, aber zu denen hatten wir wenig Kontakt. Vielleicht hatte die Großmama den Kontakt nicht gehalten, vielleicht hatte sich seine Familie um die Witwe mit ihren neun Kindern nicht gekümmert - ich weiß es nicht. Die Großmutter hatte sieben Töchter und zwei Söhne, von denen einer im 1. Weltkrieg gestorben ist und ein anderer im Holocaust ermordet wurde.

Meine Großmutter war eine äußert kluge, sehr resolute Frau, aber auch unendlich gläubig. Sie hat die Bibel in Hebräisch gelesen, sie hat koscher [4] gegessen, hat allerdings immer Konzessionen für uns gemacht. Ich war ihre Lieblingsenkelin und bekam auf einem Pergament Schinken, aber wenn sie zu uns auf Besuch gekommen ist, hat sie koschere Würste mitgebracht, Raber hat man die genannt. Sie hat sie bei uns gekocht, dann aber nicht vom Teller gegessen, weil bei uns milchig und fleischig nicht getrennt war. Ansonsten war die Familie in Wien hier recht assimiliert, aber trotz allem sehr, sehr bewusst jüdisch. Großmama hatte in Wien, im 16. Bezirk in der Kirchstetterngasse, eine Zweizimmerwohnung. Die Wohnung war ohne Vorzimmer, man ist direkt in die Küche gekommen, ohne Badezimmer, aber mit einem Klo. Dort hat sie bis zum letzten Tag gelebt. Sie hat sich bis zu unserer Abreise geweigert, ein Telefon zu haben; sie hatte nicht einmal eine Uhr. Die Großmama hat gesagt: 'Wenn ich ausgeschlafen bin, steh ich auf, und wenn ich hungrig bin, dann esse ich, und um 18 Uhr weiß ich, dass der Herr Schwarz - das war ein Geschäft vis-à-vis - zusperrt. No, was brauch ich eine Uhr?'

Großmama hatte ein Repertoire an Aussprüchen. Sie muss die Zeit Bismarcks noch miterlebt haben, denn sie pflegte, wenn irgendetwas passiert war, zu sagen: 'Mach dir nichts draus, Bismarck ist auch ersetzt worden' und 'ein Zufall ist ein Kellertier'. Vielleicht war sie nicht sehr gebildet, aber sie war eine ausgesprochen kluge Frau. Ich glaube, sie hat weder Radio gehört noch Zeitung gelesen. Aber sie hatte jede Woche ihre in Wien lebenden Töchter Rosa, Elsa, Emma und Vilma zu Besuch. Was im Haus vorging, hat sie auch immer gewusst, denn dort pflegte sie einige Freundschaften. Es gab damals in Wien kaum ein Mietshaus, in dem keine jüdische Familie wohnte. Bei uns zu Hause zum Beispiel waren es vier Familien. Es gab auch eine Familie, mit der die Großmama eng befreundet war, die müssen sich noch aus Mähren gekannt haben; auf jeden Fall übertrug sich die Freundschaft auf meine Mutter und die Tochter der Familie, und diese Freundin war die Mutter von der Grete Frisch, meiner langjährigen Freundin. Also die Freundschaft hat sich wirklich über Generationen gehalten.

Wenn ich so zurückdenke, als die Großmama weggegangen ist 1938 in die Tschechoslowakei, war sie Mitte 70. Da war man wahnsinnig überrascht, als sie sich ein paar Jahre zuvor neue Bettwäsche angeschafft hatte: 'Na was sagst du zur Mutter', hat man da gesagt, weil die Lebenserwartung natürlich viel geringer war als heute. Die Großmama ist alt geworden. Ich hätte mir gewünscht, sie wäre weniger alt geworden: wäre sie mit 75 gestorben, hätte sie sich Theresienstadt erspart. Wie wir aus Wien weg sind, ist sie zu ihrer Tochter Hedwig in die noch unbesetzte Tschechoslowakei, nach Brünn gefahren. Von dort wurde sie dann direkt nach Theresienstadt abtransportiert. Ich bin wirklich kein Friedhofgänger, aber das Gefühl zu haben, ich weiß von unendlich vielen meiner Familie, von denen mir meine Großmama am nächsten stand, keine Stelle, wo sie begraben sind, ist furchtbar.

Mein Vater Richard Reichfeld ist 1893 geboren, er wäre heute weit über hundert Jahre alt. Der Papa ist schon in Wien geboren, trotzdem hat sein jüngster Bruder Paul komischerweise ungarisch gekonnt. Mein Vater nicht, aber der konnte etwas Französisch. Er war Kaufmann, schon vor dem 1. Weltkrieg, er hatte damals irgendeinen guten Job bei einer Firma in Ägypten. Es gab ein Foto von meinem Vater, er war etwas größer als ich, aber für einen Mann sehr klein, da saß er auf einem Kamel. Das Foto ging natürlich durch viele Hände. Schade, dass ich es nicht mehr habe. Hier in Wien hatte mein Vater später eine Chemikalienhandlung en gros. Im Jahre 1914 kam er aus Ägypten nach Österreich zurück, um zum Militär zu gehen. Das war nicht freiwillig, er wurde eingezogen, aber die meisten österreichischen Juden waren damals Patrioten. Der Krieg hat ihn dann aber weniger begeistert, er war die ganze Zeit von 1914 bis 1918 eingezogen, er war aber nicht an der Front. Er hat mir erzählt, dass er nur Schweineställe beschützt hat, und ein großer Drückeberger war! Sein jüngerer Bruder Arthur war aber an der Front und wurde schwer verwundet.

Mein Vater hatte sieben Geschwister, die wir allerdings relativ selten gesehen haben. Da waren drei Schwestern, die Aranka, ein armer Hund - eine ewige Jungfrau - die Therese und die Grete. Eine von beiden hatte zwei Söhne, die älter als ich waren. Die vier Brüder waren der Arthur, der hatte keine Kinder, dann gab es einen Ignaz, der muss das schwarze Schaf der Familie gewesen sein, den Nikolaus in Ungarn und den jüngsten, das war der Paul. Mein Vater unterhielt engen Kontakt mit seinen Eltern und Geschwistern, schon alleine deshalb, weil er sowohl seinen Vater, als auch seine beiden Schwestern, die schlechte Ehen führten, unterstützte. So weit die Nachkommen noch leben, halten wir heute noch engen Kontakt. Der Alterunterschied, 'doesn't make any difference', wenn der eine 81 und der andere 75 oder 87 ist!

Meine Mutter hat meinen Vater erst im Jahre 1919 auf irgendeiner Festivität kennen gelernt. Er muss ein schneidiger junger Mann gewesen sein, denn im selben Jahr haben sie im Huber-Tempel, in Ottakring, geheiratet. Im 1920er- Jahr haben sie dann eine vornehme Wohnung im 6. Bezirk gefunden. Die Wohnung war gut bürgerlich, ich habe nie Sorgen gekannt, wir sind auch auf Urlaub gefahren, obwohl man damals unendlich viel bescheidener gelebt hat als heute, gar keine Frage.

Meine Kindheit

Beide Eltern hatten Humor, und darüber bin ich heute sehr glücklich. Wir hatten ein richtiges Familienleben. Meine Mutter hat alle meine Jungmädchenbücher, die ich gelesen habe, auch gelesen. Ich kann mir vorstellen, dass sie nicht sehr begeistert war. Mein Vater zum Beispiel hat erst, als mein Bruder und ich in das Alter gekommen sind, Karl May gelesen. Es wurde überhaupt sehr viel bei uns gelesen, auch die Zeitung, die meine Eltern abonniert hatten. Aber ich kann mich nicht erinnern, zu Hause bis 1938, jüdische Publikationen gesehen zu haben.

Ich weiß noch, dass ich das erste Mal im Tempel war, als irgendein Onkel von mir geheiratet hat. Das war in der Schmalzhofgasse, im 6. Bezirk, wo ich dann auch im Jugendgottesdienst war. Jom Kippur haben wir entweder zu Hause mit den Eltern gefeiert oder wir wurden von der Nachbarin eingeladen. Die Mutti hat gefastet, der Vater hat gesagt, er kann nicht fasten, er bekommt davon Migräne! Wir sind in den Religionsunterricht gegangen, und mein Bruder hat seine Bar Mitzwah [5] gefeiert. Unser Religionslehrer war schrecklich arm. Der hat sich gar nicht getraut, schlechte Noten zu geben. Ich habe die Bibel sehr spät gelesen, aber ich habe die Geschichten gekannt, sie wurden mir erzählt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es zu Hause eine Bibel gab. Trotzdem hat mein Vater nicht erlaubt, dass wir in Strümpfen bzw. ohne Schuhe herumlaufen [Anm.: ohne lederne Schuhe - Vorschrift in der Trauerzeit in der jüdischen Religion]. Man war sich der Traditionen sehr bewusst und hat diese auch eingehalten.

Die Beziehungen der Hausparteien untereinander waren gut. Es gab vier Stockwerke mit vielen Familien und vielen Kindern. Trotzdem war der Kontakt zu den Familien Wachtmann und Felsenburg, also zu den jüdischen Familien, weitaus enger als zu den nichtjüdischen Familien. Wirklichen Kontakt hatten wir noch mit dem Hausbesorger, aber das war so: Erstens hatte er zwei Kinder, zweitens haben wir ihn gebraucht. Meine Eltern verkehrten, trotzdem sie nicht sehr fromm waren, komischerweise stark in jüdischen Kreisen. Ich würde sagen, ihre Gesellschaft bestand zu 90 Prozent aus Juden, nur ist es einem damals nicht aufgefallen. Der Vater hat jeden Sonntag im Kaffeehaus 'Westend' Tarock gespielt. Das Kaffeehaus war im Haus, dort waren fast alles Juden, und er hatte, mit Ausnahme eines Vertreters, nur jüdische Angestellte.

Mein Bruder und ich waren nicht im Kindergarten, wir hatten mehrere Dienstmädchen, weil die Mutti zusammen mit dem Vater gearbeitet hat. Die Dienstmädchen haben auf uns aufgepasst und sind mit uns im Park spazieren gegangen. Manche waren sehr nett, manche waren 'a bißl deppert'. Da war einmal eine, bei der ich während des Ausflugs dringend auf die Toilette musste. Auf die Idee, mit mir in ein Kaffeehaus zu gehen, ist sie anscheinend nicht gekommen, und so hat sie mich in ein Männerpissoir geschickt. Da wir ja ein sehr enges Familienleben hatten, wurde ich am Abendtisch natürlich gefragt, was wir denn gemacht hätten. Da hab ich gesagt: 'Ich war heute wo, wo lauter Männer waren!' 'Wo warst du?' 'Na ja, ich habe dringend gemusst, und die haben auch gemusst.' Das Kindermädchen war natürlich schon am nächsten Tag weg.

In den Ferien, solange wir wirklich Kinder waren, sind wir mit der Mutter weggefahren. Mein Vater ist immer dageblieben, er hat das Geschäft geführt. Aber ich glaube, es wäre ihm auch zu anstrengend mit uns Kindern gewesen. Wir sind aber nie sehr weit weg gefahren, denn am Freitag oder Samstag ist er auf Besuch gekommen. Dort, wo wir waren, waren auch nur jüdische Leute. Wir waren jahrelang in Bad Fischau, da hatten wir bei einer Bäuerin - Hartmann hat sie geheißen - ein Zimmer mit einem Waschtisch. Wir bekamen immer ein Frühstück, und es gab einen sehr schönen Garten und einen Hof - das war ideal für Kinder. Einmal haben wir einen Sommerurlaub in Mauer bei Wien verbracht, auch in Baden waren wir. Als wir um die 15 Jahre alt waren, sind wir in ein Zeltlager gefahren, für drei oder vier Wochen bei Villach. Das war mit dem Jugendbund 'Bundschuh', der stammte noch aus den Bauernkämpfen. Die Eltern sind uns dort besuchen gekommen und haben uns in ihr Hotel mitgenommen, wo wir doppelt und dreifach gebadet wurden. Ich glaube, in der ganzen Zeit dort haben wir uns maximal die Hände gewaschen. Es gab ja einen See und man hat gefunden: Wenn man schwimmen geht, braucht man sich nicht zu waschen!

In den Ferien haben wir im Gasthaus zu Mittag gegessen, obwohl wir in Wien ganz selten ins Restaurant gegangen sind. Gegenüber unserem Haus in Wien war ein Gasthaus, da wären wir nicht hingegangen, denn dort haben die Leute viel Alkohol getrunken, aber die hatten sehr gutes Gulasch, und gelegentlich haben uns die Eltern mit dem Reindl hingeschickt, Gulaschsaft holen! Wenn wir zusammen ins Restaurant gegangen sind, muss das eine besondere Gelegenheit gewesen sein, da wurde unsere Wohnung ausgemalt oder so etwas, sonst wären wir nicht hingegangen. Aber auch im Urlaub auf Ausflügen haben wir wenig konsumiert. Ein Soda oder ein Soda Himbeer war schon eine Ausnahme. Ich bin heute zu hundert Prozent überzeugt, dass es keine Frage des Geldes war. Mein Vater, der abgesehen davon sehr großzügig war, war ein 'Verbraucher'. Auf das Kracherl ist es ihm nicht angekommen, er hat seine Eltern und die Großmama unterstützt, es wäre also gar kein Problem gewesen. Man hat einfach um ein Eckhaus bescheidener gelebt. Man ist auch nie mit dem Taxi gefahren, das war Luxus, ebenso wie ein Auto besitzen. Man ist damals eigentlich nur unter zwei Bedingungen Auto gefahren: mit Koffern zum Bahnhof oder ins Spital!

Trotzdem alle meine Vorfahren aus Mähren respektive Ungarn stammen - eine typische Wienerin also! - war Deutsch für mich von vornherein keine Fremdsprache, da man mit mir überhaupt nur Deutsch gesprochen hat. Wenn man aber etwas vor den Kindern geheim halten wollte, hat man tschechisch gesprochen, da die Großmama und meine Mutter noch Tschechisch sprachen. Oder man hat uns Kinder um ein Glas Wasser geschickt, mit den Worten: 'Lass das Wasser lange ablaufen!'

Ich hätte mit sechs Jahren in die Schule kommen sollen, aber da ich im November geboren wurde, wurde ich ein Jahr später eingeschult. Ich weiß noch, das die sehr nette Direktorin gefragt hat, wie die finanziellen Verhältnisse in unserer Familie sind und ob es sehr wichtig ist, dass ich sobald wie möglich verdienen muss. Meine Mutter hat daraufhin gesagt: 'Darauf möchte ich mich nicht verlassen!' So hat man mich dann zurückgestellt; geistig hätte ich das zwar noch bewerkstelligt, aber ich war nicht vorhanden: klein, zart und mager. Da hat meine Mutter damals gesagt: 'Gut, dann geht der Bub auch nicht, es sind Zwillinge!' So kamen wir mit fast sieben Jahren in die Volksschule in der Mittelgasse, im 6.Bezirk. In der Mittelschule war ich dann im 13. Bezirk, in der Wenzgasse. Von Verkehr war damals noch nicht zu sprechen, jedenfalls haben wir das so empfunden. Ich weiß, ich bin auf der Mariahilferstrasse gegangen und vis-a- vis war eine Schulfreundin, und man ist einfach rüber gelaufen. Na, laufen Sie heute einmal einfach rüber!

Ich hatte das unerhörte Glück, eine ganz besonders kluge Lehrerin zu haben. Ich bin auch komischer Weise vom ersten bis zum letzten Schultag gern in die Schule gegangen - sehr gern. Ich war schon in der Volksschule eine sehr gute Schülerin, habe immer Vorzugszeugnisse bekommen. Ich mochte alle Fächer, mit Ausnahme von Zeichnen und Handarbeiten, das wir erst in Mittelschule gehabt haben. Meine Arbeit ist immer nur dreckig geworden, nie fertig; ich bin wirklich völlig unbegabt. Ich hatte eine ganz blöde Handarbeitslehrerin, die hat meine Mutter kommen lassen, weil sie sich gezwungen fühlte, mir eine schlechte Note zu geben und mir dadurch den Vorzug zu verpatzen. Mutti sagte: 'Das wird sie zu verkraften wissen', worauf die Lehrerin meinte: 'Was soll nur einmal aus dem Kind werden?' 'Keine Handarbeitslehrerin!' hat die Mutti gesagt.

In unserer Klasse waren wir 25 Kinder, davon sechs oder sieben jüdische. Aber eigentlich habe nicht ich mich denen angeschlossen, sondern meine Mutter deren Müttern. Ich hatte eine besondere Herzensfreundin, sie war keine Jüdin und kam aus ganz armen Verhältnissen - sie hat so gut wie bei uns gelebt. Im Jahre 1938 kam dann ihre Mutter und sagte: 'Na, jetzt werdet ihr sehen, was es heißt, nichts zu haben!' Dabei hatten wir dem Kind immer nur Gutes getan. Ich hätte es ja auch noch verstanden, wenn die so etwas unter sich sagen, denn die waren ja überzeugt davon, dass alle Juden steinreich sind. Ich erinnere mich noch daran, dass zu uns ins Haus ein Jude mit seinem Bauchladen gekommen ist - also wenn der reich war, dann bin ich 1,80 m groß! In Wien lebten viele Juden konzentriert im 2. Bezirk, auch viele Flüchtlinge aus dem Osten. Es war aber nicht reguliert, jeder konnte in den 2. Bezirk hinein und von dort wieder hinaus. Jeder geht lieber dahin, wo er einen Landsmann findet, der ihm sagt: Da musst du hingehen, zu der Behörde musst du gehen.' Das gibt es überall.

Wir waren sehr viel 'en famille'. Mein Bruder und ich waren natürlich immer zu zweit, aber auch meine Mutter und die Großmama haben sich oft gesehen. Und dann natürlich die Geschwister meiner Eltern, die ja fast alle Kinder hatten. Ich war als Kind unendlich viel krank, alle Krankheiten hatte ich. Das war nicht so schlimm, denn da hat man meinen Bruder immer zu einer Tante schicken können, zum Spielen. Meine Lieblingstante war die Tante Elsa, sie hatte zwei Söhne und hat deshalb gefunden, alle Kinder sind brav; gemessen an ihren Söhnen. Aber ich habe alle Geschwister meiner Mutter gern gehabt, nur zu denen, die in Tschechien waren, hatten wir etwas weniger Kontakt. Unter den Kindern gab es aber riesige Altersunterschiede. Mit einer Cousine war ich nach dem Krieg sehr gut, aber als ich dreizehn Jahre alt war, war sie zwanzig und hat sich die Nägel angestrichen, da habe ich mir gedacht: So eine blöde Gans!'

Mein Bruder und ich hatten natürlich Perioden, wo wir uns nur gestritten haben. Aber wir waren furchtbar eng miteinander, wenn dem einem etwas passiert ist, hat der andere schon losgebrüllt. Wir waren wirklich sehr eng, obwohl wir auf verschiedene Schulen gegangen sind, denn es gab damals noch keine Koedukation, Buben und Mädchen waren getrennt. Da wir uns ein Zimmer teilten und zusammen aufwuchsen, war für mich ein Bub nichts Besonderes und für ihn ein Mädchen nicht. Ich kann mich erinnern, als wir einmal in Bad Fischau waren, da war ein Mädel, sie hatte ihre Regel und hat herumgeredet, die Tante sei da oder was weiß ich, und sie könne deshalb nicht ins Wasser gehen. Mein Bruder hat sie angeschaut und gesagt: 'Was willst? Unwohl bist!' Das war bei uns zu Hause kein Problem, aber bewusst nackt habe ich meine Eltern nie gesehen, obwohl es keine Scheu gab. Ich habe auch sehr früh 'Die Mutzenbacher' [6] gelesen, weil mein Bruder sie aus der Schule mitgebracht hat, auch pornographische Bilder habe ich gekannt, na freilich!

An den Wochenenden war ich mit Schulkollegen, mit Freunden oder Verwandten unterwegs. Wir sind mit dem Fahrrad zum Schwimmen in die Lobau gefahren, wir sind ins Kino gegangen - aber am Abend war ich zu Hause. Ich hatte schon sehr zeitig einen Freund. Der Pepi war 17 oder 18, er war auch Jude, ich muss 14 gewesen sein. Wir waren sehr eng und sehr platonisch befreundet. Ich glaube, er hat in der Gegend gewohnt. Wir hatten uns beim Eislaufen kennen gelernt. Nach dem Krieg habe ich ihn dann ein paar Mal in England besucht, und er mich, wenn er in Wien war.

Meinen ersten Mann Herbert habe ich dann mit 15 Jahren kennen gelernt. Wir sind viel ins Burgtheater gegangen, wir hatten immer Stehplätze, und es war selbstverständlich, dass ein Bursche das Mädchen nach Hause brachte. Ich glaube, meine Eltern sind jedes Mal schon beim Fenster gestanden. Wir gingen oft zu Bahnhöfen, da hat man sich so schön küssen können, ohne dass es jemand auffiel! Aber nur zu den großen Bahnhöfen, wo immer wieder Züge kamen, denn wir mussten ja so tun, als ob einer ankommt oder wegfährt! Also da hat sich unendlich viel getan in den letzten Jahrzehnten, denn wem fällt heute schon auf, wenn sich zwei junge Leute küssen? Damals ging das nicht so einfach.

Bis zu meinem fünfzehnten Lebensjahr war ich in der sehr gemäßigten sozialistischen Bewegung 'Bundschuh' mit Einverständnis meiner Eltern, wahrscheinlich sogar von ihnen initiiert. Es war eine wunderschöne Zeit, und natürlich wurde ich auch irgendwie durch diese Jugendbewegung geformt. Ich war sehr sozialistisch, war auch dafür, alles sozial zu verteilen. Ich war sehr bös mit meinem Vater, der eine Chemikalienhandlung en gros hatte, dass er etwas kauft und es teurer verkauft: 'Das ist reinster Kapitalismus! So was macht man nicht!' Mein Vater hat darauf nur gesagt: 'Mein Kind, wenn du mit der Schule fertig bist, kommst du ins Geschäft und dann führst du es.' Ich finde das sind Erlebnisse, an die man sich erinnern sollte. Man macht seine Erfahrungen, und wenn man etwas älter ist, wird man etwas gescheiter.

Wenn es Wahlen gab, hat mein Vater sozialdemokratisch gewählt, weil es damals geheißen hat: 'Na, was soll ein Jude schon wählen? Christlichsozial? Nicht wirklich!' Unter Dollfuß [7] wurden dann ja alle auch nur politisch angehauchten Organisationen verboten. In meiner Organisation waren zu 90 Prozent jüdische Kinder, so hat sich das wahrscheinlich von allein aufgehört, weil die Eltern ja wussten, das es verboten war.

Ich muss aber sagen, dass ich während meiner Schulzeit nie direkt angepöbelt wurde, oder ich habe es nicht bemerkt. Antisemitismus als solchen habe ich erst 1938 bewusst mitbekommen, wahrscheinlich habe ich mich viel zu wenig mit Politik beschäftigt. Ich kann mich aber noch gut an den Justizpalastbrand 1934 [8] erinnern. 1938 habe ich eine Erfahrung gemacht, die ich nie vergessen werde. Ich war knapp 18 Jahre alt, habe natürlich Radio gehört und Zeitung gelesen, und ich dachte mir: Es wird nicht alles stimmen, was die sagen, aber - und das ist die unerhörte Macht der Propaganda - manches wird schon stimmen. Und das habe ich gedacht, obwohl ich selbst betroffen war. Und jetzt frage ich mich, wie leicht jemand zu beeinflussen ist, der nicht betroffen ist, der nur das weiß, was er hört oder liest.

Während des Krieges

Als wir im November 1938 weg sind, war ich sehr traurig, weil ich nicht mehr in die Schule gehen konnte. Dadurch, dass ich erst mit sieben Jahren in die Schule gekommen bin, war ich im Jahre 1938 in der 7. Klasse Mittelschule, hätte also im nächsten Jahr maturieren sollen. Ich war noch vom März bis Juni 1938 in der Schule, danach durfte ich nicht mehr. Einen Beweis dafür, wie dumm und unreif ich war, erbrachte ich, als ich mit meinem tadellosen Abgangszeugnis zum Stadtschulrat ging und sagte: 'Ich möchte gern extern maturieren', und ein netter Herr sagte: 'Ja mein Kind, aus welchem Grund, politisch?' Ich bejahte. Da sagte er: 'Was genau?' 'Ich bin Jüdin!' Da war ich schon draußen! Allein schon die Idee! Das war aber irgendwie auch die allgemeine Linie damals. Trotzdem man seit 1933 mitbekommen hatte, was in Deutschland passierte, höre ich meinen Vater noch sagen: 'Wenn einer nichts angestellt hat, kann man ihn nicht einsperren.'

Mein Vater hatte in Wien einen Magazineur, der ihm 1938 angeboten hat, das Geschäft für ihn zu übernehmen, aber mein Vater hat gesagt: 'Nein, ich habe zwei heranwachsende Kinder, ich bleib nicht hier und liefere meine Familie dem Goi aus. Da gehen wir lieber weg!' Man hat uns die Wohnung nicht weggenommen, mein Vater hat nicht gekündigt, bis zum letzten Moment Zins gezahlt, und wir haben in unserer Wohnung gewohnt. Er hat auch nicht unsere Einrichtung quasi verschleudert. Es war ihm egal, ob er für die Wohnungseinrichtung ein paar Schillinge bekommt, die er nicht mitnehmen darf. Es hat auch, außer der engsten Familie, niemand gewusst, dass wir weggehen.

Shanghai war der einzige Ort, an den man, wenn man eine Schiffskarte hatte, einfach hinfahren konnte. Man hat kein 'Permit' [9] gebraucht und keine Arbeitserlaubnis. Mein Vater hat damals gesagt: 'Kinder, da fahren wir hin, dann suchen wir von dort weiter. Dort wird man mich als Juden nicht verhaften, hier ja.' Meine Eltern und die meines zukünftigen Ehemanns hatten wenig Kontakt, aber 1938 hatten sie ihn dann, weil wir zwei gesagt haben, dass wir zusammen bleiben wollen. Er war mit seiner Familie vor uns in Shanghai. Als wir ankamen, standen sie am Pier, um uns abzuholen.

Die 'Reichskristallnacht' [10] habe ich noch erlebt, aber vielleicht gibt es einen G'tt, denn wir waren damals bestimmt insofern geschützt, weil wir zu der Zeit Spediteure zu Hause hatten, denn wir sind ja schon Ende November weg. Auch das Geschäft meines Vaters war kein öffentliches Geschäft, das war ein Großhandel, ohne Auslagen. Da wurde gepackt, verpackt und weggeschickt, es waren also alle Arbeiter im Haus. Ich selbst war auf der Mariahilferstrasse unterwegs, den Lärm habe ich mitbekommen. Schon vorher wurde ein Cousin von mir - ein Sohn meiner Tante Elsa - nach Dachau [KZ Dachau, Deutschland] geschickt, er war 3 Jahre älter als ich, also 21. Er hatte irgendeine Vorstrafe, ich weiß nicht welche, aber er hatte weder ein Kind geschändet, noch sonst etwas Schreckliches getan, aber diese Leute hat man sofort geholt.

Zu der Zeit, als ich in Shanghai ankam, konnte man noch überall wohnen, es war nur eine Frage des Geldes. Im internationalen Settlement war es teuer, dort lebten die Nobelemigranten, die so genannten '33-er' [Anm.: Deutsche Juden, die bereits 1933, nach Hitlers Machtergreifung, geflohen waren.], im Kriegsgebiet, es herrschte Krieg zwischen China und Japan, war es natürlich billiger. Wir, das heißt, mein Verlobter und seine Familie und meine Familie, wohnten im Kriegsgebiet. Die Japaner haben dann einige Jahre später dieses Gebiet besetzt. So wurde es zu einem Ghetto.

Ich habe viel von dieser Zeit verdrängt, ich weiß nicht mehr, wann Shanghai besetzt wurde und wie lange es dauerte. Ich kann auch nicht genau sagen, wann ich wo in Shanghai gewohnt habe. Sicher ist, dass ich in den ersten Jahren bei meinen Eltern gewohnt habe, im vom Krieg zerstörten Gebiet, in Hong Kio. Als mein Mann und ich 1942 geheiratet haben, bekamen wir eine Wohnung außerhalb. 1944, als mein Mann starb, lebten wir aber bereits wieder bei den Eltern, obwohl ich mich nicht erinnern kann, aus welchen Gründen wir damals aus unserer Wohnung ausgezogen sind. Möglicherweise veranlassten die Japaner während des Krieges, dass die Emigranten wieder zurück mussten, aber ich weiß es wirklich nicht mehr. Ich war in dieser ganzen Zeit staatenlos, ich habe nicht einmal einen Pass gehabt. Es war Krieg, und ich bin in den ganzen Jahren nie aus Shanghai weggekommen.

In Shanghai konnte man alles machen. Mein Vater hatte mit einem Deutschen zusammen eine Hemdenerzeugung, und mein Bruder war bei einer Import-Export Firma. Als mein Mann gestorben ist, war ich plötzlich allein und wusste nicht, was ich tun soll. So ging ich in eine Leihbibliothek arbeiten. Nur jüdische Mädeln haben dort gearbeitet. Trotz eines unmöglichen Chefs, habe ich diese Arbeit sehr gern gemacht und relativ lange dort gearbeitet. Danach habe ich mit einem Freund, dem Fritz, eine Margarinefabrik betrieben. Ich glaube, ich bin für einige Magenkoliken verantwortlich! Bis zu meiner Rückkehr habe ich dann als Sekretärin in einem 'Austrian Center' gearbeitet, das dort gegründet worden war.

Meine Tante Rosa Rendelstein, die Schwester meiner Mutter und ihre Familie waren auch kurz in Shanghai, um dann weiter nach Kanada zu fahren. Dort haben sie überlebt. Die, die in der Tschechoslowakei waren, inklusive meine Großmama, sind nach Theresienstadt deportiert worden, wo alle, bis auf Tante Laura, gestorben sind. Eine Tante ist im KZ Auschwitz umgekommen. Von meiner engsten Familie haben eigentlich nur meine Eltern und mein Bruder überlebt. Großmama nicht, einige Geschwister meiner Mutter nicht, viele derer Kinder nicht. Es gibt in Prag eine Synagoge, wo alle Namen der Umgekommenen an den Wänden stehen. Die Namen sind in einer rötlichen Farbe auf weißem Grund niedergeschrieben. Dort bin ich gestanden und ich habe gelesen: Siegfried Frankl, seine Kinder Berthold Frankl und Evelina Frankl, Käthe Frankl, Regine Frankl. Das waren nur die, die unter 'F' standen, da habe ich gesagt: 'Jetzt können wir gehen!' Diejenigen, die mütterlicherseits überlebt haben, waren in der Emigration in Kanada und Südamerika. Tante Elsa war zuerst in England, später in Amerika und kam dann zurück nach Wien. Aber die Familie ist reichlich dezimiert worden. Von Vaters Seite sind alle Geschwister, außer Tante Grete, die in England überlebt hat - sie hat als Köchin gearbeitet und ist dort gestorben - und der jüngste Bruder Paul, der 1938 nach Israel ins Exil ging und nach dem Holocaust nach Wien zurück kam, ermordet worden.

Nach dem Krieg

Ich kam im August 1947 mit meinem späteren Ehemann Hans nach Wien zurück. Wir kamen direkt aus Shanghai, und ich kann sagen, dass die Fahrt bei G´tt nicht angenehm war. Am 25. Oktober 1951 haben wir geheiratet, ich hatte ein paar Jahre gebraucht, und er war noch nicht geschieden. Natürlich hatten wir damals überlegt, ob wir nach Israel gehen sollten. Ich habe gewusst, dass es hier Antisemitismus gibt, weil es ihn immer gegeben hat. Aber es gibt ihn überall, ich weiß zwar nicht warum, aber es gibt ihn bestimmt überall. Ich würde nicht sagen, dass es Heimatgefühl war, weswegen ich zurückgekommen bin, es war irgendwie auch die deutsche Sprache.

Ich hatte vorher mit Bekannten in Wien korrespondiert, die haben in der Innenstadt eine kleine Pension besessen. Ich habe geschrieben, dass ich kommen möchte und ob ich dort wohnen könne, worauf sie mir geantwortet hatten, dass ich selbstverständlich kommen könne. Ich war also kein Rückkehrer ohne Dach über dem Kopf. Ich hatte noch meine Eltern und meinen Bruder in Shanghai, Familie im Ausland und etwas Geld. Ich bin nicht zu meinem Elternhaus gegangen. Ich kann mich noch erinnern, als ich kurz nach meiner Ankunft am Kai spazieren ging und alle Leute deutsch sprachen, war mein erster Gedanke: So viele Juden hat es doch früher nicht gegeben!' Oder als ich am Anfang, in meinem ganz kleinen Zimmer in der Pension saß und durstig war, dachte ich: 'Na wenn der Durst jetzt nicht aufhört, dann nehme ich aber ein ungekochtes Wasser!' In Shanghai hatte man das Wasser kochen müssen, bevor man es trinken konnte.

Ich habe per Zufall ehemalige Schulkollegen getroffen. Ich habe sie damals gefragt, ob sie nichts bemerkt hätten oder ob es sie nicht gewundert hatte, dass die 'kleine Reichfeld' nicht mehr in die Schule gekommen ist, denn an meinen Leistungen kann es ja nicht gelegen sein. Ich habe nie eine andere Antwort als 'nein' bekommen.

Ich habe damals ziemlich bald begonnen, beim 'World Jewish Congress' zu arbeiten. Ich bin einfach hingegangen und habe mich beworben, ich hatte ein Empfehlungsschreiben aus Shanghai vom 'Austrian Center'. Ich habe so lange dort gearbeitet, bis es aufgelöst wurde.

Meine Eltern sind einige Monate nach mir zurückgekommen, und als deren Wohnung fertig wurde, zog ich wieder mit ihnen zusammen. Als ich 1951 geheiratet habe, haben mein Mann und ich uns eine Wohnung im 19. Bezirk genommen, in der ich jetzt seit fast 50 Jahren lebe.

Mein Bruder kam ungefähr ein Jahr später, obwohl er eigentlich dort geblieben wäre, hätten die Kommunisten nicht die Macht übernommen. Ich habe dann bei meinem Vater in der Firma gearbeitet, als Sekretärin und in der Buchhaltung. Er hatte sein Geschäft wieder eröffnet, es war auch kein Problem, einen Gewerbeschein zu bekommen. Weitaus schwieriger war es für mich, einen Staatsbürgerschaftsnachweis zu erhalten. Gleich nach meiner Ankunft bin ich zum Rathaus und wollte auf meinen damaligen Namen Rosenbaum einen Nachweis ausgestellt bekommen. Der zuständige Herr wollte mein Trauzeugnis sehen, und ich hatte sogar eines, allerdings von der jüdischen Gemeinde in Shanghai. Natürlich hieß es dann: 'Des kann i´ net anerkennen!' Ich habe gesagt: 'Wissen Sie was, geben Sie mir einen Heimatschein auf meinen Mädchennamen.' Es ist mir egal gewesen. Aber die Antwort war: 'Des kann i´ net, weil Sie waren ja verheirat!' Das nächste Mal kam ich besser ausgerüstet: Meine Tante Elsa in Amerika hat immer Zigaretten geschickt, und so kam ich mit einer Stange Zigaretten zum selben Standesbeamten. Da hat er nur noch gefragt: 'Auf welchen Namen wollen Sie's denn haben?' Aber das war sicher nicht, weil ich Jüdin war oder er Antisemit - das war einfach ein ganz normaler Beamter.

Ich bin nach meiner Rückkehr nicht frömmer geworden. Ich lebe nicht koscher, am liebsten esse ich Matzes mit Butter und Schinken. Aber bewusster und interessierter bin ich geworden. Vor 1938 hatte ich weder wirtschaftliche noch politische Interessen oder Kenntnisse. Und obwohl ich in meiner Jugend eher in die kommunistische Richtung tendierte, war nach dem davon keine Rede, weil ich viele Kommunisten kennen gelernt hatte und sie oft als sehr einseitig und stur empfunden habe. Ich war aber politisch weitaus interessierter als vorher.

Ich kann mich erinnern, als in Israel 1967 der Sechs-Tage-Krieg [11] ausgebrochen ist, da waren eine Menge Österreicher überrascht, dass Israelis Juden sind. Einige meiner Freunde lebten damals in Israel, auch ein Teil meiner Familie. Im Sechs-Tage-Krieg habe ich niemanden verloren, aber im Jom Kippur Krieg [12] 1973 sind einige Freunde gefallen. Ich war vier Mal in Israel, aber ich muss ehrlich sagen, momentan ist es mir etwas zu heikel. Ich habe das Gefühl, dass sich die Menschen hier denken, dass die armen Palästinenser 'besetzt' sind, und dann heißt es: 'Wir wissen, was es heißt, besetzt zu sein, wir waren doch von den Russen besetzt.'

Ich war immer ein Befürworter von Kreisky [13]. Ich weiß aber, dass in der Kreisky-Ära seine Versuche zwischen Juden und den Palästinensern zu vermitteln, in jüdischen Kreisen sehr negativ beurteilt wurden. Heute könnten diese Menschen wohl zu Recht sagen: 'Wir haben es Euch gesagt!' Ich war ja enorm überrascht, dass Kreisky gewählt wurde. Ich habe immer gesagt: 'Kinder, der Mann ist gebildet und klug, durchaus kein Adonis, und er ist ein Jude: So einen wählt man in Österreich nicht.' Aber man hat! Obwohl ich keine Lokalpatriotin bin: aber wenn jemand Österreich eine Weltgeltung verschafft hat, dann ist es Kreisky. In der damaligen Zeit im Ausland sagen zu können: 'Ich bin Österreicher', war ein Plus, jetzt ist das nicht mehr so.

Über die Öffnung des Ostblocks und den Fall der Berliner Mauer 1989 war ich sehr froh, weil jedes diktatorische Regime, das verschwindet, ein Plus ist und ein Aufbruch. Ich finde jede Diktatur furchtbar: Angst haben müssen, man selbst sein zu können. Aber viele Menschen können diese Freiheit nicht schätzen. Sie sagen, früher sei es ihnen besser gegangen. Aber wenn man mit Freunden zusammen sitzt und man nicht seine Meinung äußern kann, weil man Angst haben muss, dass man angezeigt wird, das ist schrecklich!

Ich persönlich habe, seitdem ich wieder in Wien bin, nur eine negative Erfahrung gemacht. Das war hier im Haus mit einer viel älteren Dame, sie ist jetzt nicht mehr da. Ich hatte mich um sie gekümmert, und sie hat immer gesagt: 'Jö, wenn i´ sie net hätt, Frau Albin!' Eines Tages sagte sie: 'Wissen´ s, was der schönste Tag in meinem Leben war? Das war, wie der Krieg ausbrach!' 'Das kann ich nicht verstehen', habe ich gesagt und sie sagte: 'Da war Wien judenfrei!' Daraufhin bin ich aufgestanden und gegangen. 'Jö, wenn i des gwußt hätt, das des a Jüdin is, i hätts ja net gsagt!' Aber um genau das geht es! Sie hat nicht gewusst, dass ich eine Jüdin bin, aber es ist doch schön, wenn Wien judenfrei ist!

Heutzutage sind es eher die Ausländer, die den Österreicher stören. Die Juden haben in diesem Fall glücklicher- oder tragischerweise kein 'Potential' mehr. Die Leute wundern sich immer, warum Flüchtlinge nach Österreich kommen: Warum bleiben sie nicht dort, wo sie herkommen? Ich bin dann mit allen bös! So schön stell' ich mir das nämlich nicht vor, hierher zu kommen, in einem Flüchtlingslager zu leben und jeden Tag damit rechnen zu müssen, dass man wieder zurückgeschickt wird. Ich meine, dass man heute bei uns die Leute hereinlässt und ihnen keine Arbeitserlaubnis gibt, das ist ein Witz. Und dann wundert man sich auch noch, wenn die 'krumme Sachen' machen! Manchmal denke ich, ich möchte irgendeinem nicht jüdischen Österreicher wünschen, er soll gezwungen sein, irgendwo als Flüchtling zu leben. Bei einer unserer Bridgepartien war einmal eine ältere Dame, die hat gesagt: 'Die Juden haben es gut gehabt, die sind alle reich geworden in Amerika.´

Als bei uns der Haider in die Regierung kam, habe ich es, ehrlich gesagt, als Bedrohung empfunden. Aber die Menschen im Ausland, natürlich auch meine Familie, haben es noch ärger aufgenommen als wir. Da hat meine Cousine aus England angerufen: 'Du kannst jeder Zeit zu uns kommen!' Und aus Israel: 'Wenn du kommst, bist du da!' Irgendwo, ganz tief unten, habe ich noch ein Gefühl von Bedrohung. Nicht so, dass ich sage, es passiert wieder etwas, aber weiß der Kuckuck, was die Masse und solche Verhetzung zu bewirken im Stande sind. Meiner Meinung nach sind die jungen Leute, die jede Woche demonstrieren gehen, das Einzige, was Österreich rehabilitiert; sonst müsste man sagen, dass die Österreicher die Regierung haben, die sie verdienen.

Ich persönlich habe zwei Restitutionen gehabt. Einmal gab es eine allgemeine und jetzt für unsere Wohnung. Ich habe auch keinen Anspruch: Wir waren nicht reich, wir haben nichts gehabt. Aber ich wäre sehr, sehr froh gewesen, wenn es kein Geld gegeben hätte, aber von vorn herein ein Schuldbekenntnis.

Was die Zukunft betrifft, bin ich eine große Befürworterin der Europäischen Union. Ob alles unbedingt gut wird, weiß ich nicht. Es wird wirtschaftliche Vor- und Nachteile geben, aber ich sehe es als Chance, einen Krieg zu verhindern. Das ist eine große Chance, denn das Schlimmste, was es gibt, ist der Krieg.

Der ganze Hitler-Graus hat vielleicht einen kleinen 'Vorteil' gebracht, man hat in der ganzen Welt Kontakte. Es gibt, ob Südamerika ob Nordamerika, irgendwo immer jemanden. Das ist etwas, was man uns Juden zwar von fremder Seite übel nimmt, aber wenn ein Jude zum anderen kommt und etwas braucht, dann ist der für ihn da und hilft. Ein Freund von meinem Cousin aus Israel hatte einmal bei mir angerufen. Er war mit seiner Familie in Wien, und ich habe ihn vom Flughafen abgeholt, und wir sind zu meiner Mutter gefahren. Sie hatte eine 3-Zimmer-Wohnung, dort haben wir die vier einquartiert, und die Mutti ist zu mir gekommen. Ganz ehrlich, wenn das keine Juden gewesen wären, ich glaube nicht, dass die Mutti sie genommen hätte. Ich glaube, dass die Juden mehr als andere zusammenhalten, weil wir seit Jesus Christus und schon vorher immer verfolgt wurden.

Mein Freundeskreis heute ist leider klein geworden! Viele sind darunter, die in so genannten Mischehen gelebt haben, der Vater war Christ, die Mütter Jüdin. So haben sie den Holocaust überlebt, denn solche Ehen waren einigermaßen geschützt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder aus diesen Ehen oft jüdisch leben, obwohl ihr jeweiliger jüdischer Elternteil meistens alles andere als bewusst jüdisch oder religiös war. Natürlich habe ich mit meinen Verwandten engen Kontakt, auch mit den Kindern meiner Cousins und Cousinen - und das ist immerhin schon die dritte Generation. Wenn möglich, treffen wir uns oder wir telefonieren - ich gehöre dazu, bin auf Hochzeiten eingeladen und feiere mit den Jungen Bar Mitzwah.

Glossar

[1] Jom Kippur: der jüdische Versöhnungstag, der wichtigste Festtag im Judentum. Im Mittelpunkt stehen Reue und Versöhnung. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten.

[2] Pessach : Jüdisches Fest, erinnert an den Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten, welcher die 200 Jahre währende Knechtschaft beendete. Jegliche gesäuerte Speise [Chamez] ist verboten, und so wird ungesäuertes Brot (Mazza) verzehrt.

[3] Seder [hebr.: Ordnung]: wird als Kurzbezeichnung für den Sederabend verwendet. Der Sederabend ist der Auftakt des Pessach-Festes. An ihm wird im Kreis der Familie (oder der Gemeinde) des Auszugs aus Ägypten gedacht.

[4] Koscher [hebr.: rein, tauglich]: den jüdischen Speisegesetzen entsprechend.

[5] Bar Mitzwa: [od. Bar Mizwa; aramäisch: Sohn des Gebots], ist die Bezeichnung einerseits für den religionsmündigen jüdischen Jugendlichen, andererseits für den Tag, an dem er diese Religionsmündigkeit erwirbt, und die oft damit verbundene Feier. Bei diesem Ritus wird der Junge in die Gemeinde aufgenommen.

[6] Mutzenbacher: Die Memoiren einer Wiener Dirne sind unter dem Titel Josefine Mutzenbacher erstmals 1906 in kleiner Auflage in Wien bei dem ungenannten Erotika-Verleger Fritz Freund auf Subskriptionsbasis erschienen. Dieser Roman gilt seit seinem Erscheinen als ein Meisterstück erotischer Literatur, fand aber erst in den 1970er Jahren in Deutschland größere Verbreitung. Der Autor des Romans ist unbekannt, das Buch wird aber dem österreichischen Schriftsteller Felix Salten zugeschrieben.

[7] Dollfuß, Engelbert [1892-1934]: Österreichischer Christlich-Sozialer Politiker, 1932-1934 Bundeskanzler, schaltete im März 1933 das Parlament aus. 1933 verbot er die NSDAP, die Kommunistische Partei und den Republikanischen Schutzbund, 1934 - nach den Februarkämpfen - auch die Sozialdemokratische Partei. Er regierte mit Notverordnungen und führte Standrecht und die Todesstrafe ein. 1934 schuf er den autoritären Ständestaat, der sich auf die Kirche, die Heimwehr und die Bauern stützte. Am 25. Juli 1934 wurde Dollfuß während eines nationalsozialistischen Putschversuches ermordet.

[8] Bürgerkrieg in Österreich [Februarkämpfe 1934]: Die Gegensätze zwischen den Sozialdemokraten und den Christlichsozialen bzw. der Regierung führten im Februar 1934 zum Bürgerkrieg in Österreich. Die Februarkämpfe brachen in Linz aus und breiteten sich nach Wien aus. Der unorganisierte Aufstand forderte mehr als 300 Tote und 700 Verwundete [auf beiden Seiten]. Außerdem führte er zum Verbot der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften sowie die Ausrufung 1934 des Ständestaats.

[9] Permit [engl.: Erlaubnis]: Visum, Einreisegenehmigung

[10] Pogromnacht, auch zynischerweise als Kristallnacht bezeichnete Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Im Laufe dieser Nacht wurden 91 Juden ermordet, fast alle Synagogen sowie über 7000 jüdische Geschäfte im Deutschen Reich, wozu auch Österreich gehörte, zerstört und geplündert, Juden in ihren Wohnungen überfallen, gedemütigt, verhaftet und ermordet.

[11] Sechstagekrieg: Dauerte vom 5. Juni bis zum 10. Juni 1967. Die Kriegsgegner waren Israel und die arabischen Nachbarstaaten Ägypten, Jordanien und Syrien. Israel eroberte den Gazastreifen, die Sinai- Halbinsel, die Golanhöhen und das Westjordanland.

[12] Jom-Kippur-Krieg [1973]: der vierte israelisch-arabische Krieg; begann mit einem Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens am Jom-Kippur auf den Sinai und die Golan-Höhen, die Israel im Sechstagekrieg erobert hatte. Zunächst rückte die ägyptische und syrische Armee vor, danach wendete sich das Kriegsglück. Nach der zweiten Kriegswoche waren die Syrier vollständig aus den Golanhöhen abgedrängt worden. Im Sinai hatten die Israelis den Suezkanal überschritten und eine ägyptische Armee abgeschnitten, bevor der Waffenstillstand in Effekt trat.

[13] Kreisky, Bruno [1911-1990]: Österreichischer sozialdemokratischer Politiker, Bundeskanzler der Republik Österreich von 1970-1983. Stammt aus einer jüdischen Familie, wurde zu einem der bekanntesten und bedeutendsten Politiker Österreichs und der Sozialdemokratie. Unter Kreiskys Kanzlerschaft wurden das Sozial- und das Rechtssystem sowie das Hochschulwesen grundlegend reformiert. Außenpolitisch geschätzt; startete er einige Initiativen im Nahostkonflikt. Kreisky versuchte zwischen Israel und den arabischen Staaten zu vermitteln, wurde aber von vielen Juden und Israelis als 'Verräter' betrachtet, weil er die zionistische Lösung für das 'jüdische Problem' ablehnte, freundliche Beziehungen zu arabischen Staatsführern unterhielt und Österreich 1980 diplomatische Beziehungen mit der PLO aufnahm.

 

Country: 
City: 
Wien

Interview details

Interviewee: Liselotte Albin
Interviewer:
Tanja Adler
Month of interview:
April
Year of interview:
2002
Wien, Austria

KEY PERSON

Liselotte Albin
Year of birth:
1920
City of birth:
Wien
Year of death:
2003
City of death:
Wien
Died:
after WW II
Occupation
before WW II:
Bibliothekarin
after WW II:
Büroangestellte
Family names
  • Previous family name: 
    Reichfeld
    Year of changing: 
    1942
    Reason for changing: 
    Heirat
  • Previous family name: 
    Rosenbaum
    Year of changing: 
    1951
    Reason for changing: 
    Heirat

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