Leo Luster "Die Vergangenheit Ist Ein Anderes Land"

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Leo Luster wuchs im Wien der Zwischenkriegszeit auf. Doch 1938, im Alter von 11 Jahren, musste Leo und zusammen mit seiner Familie zunächst den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und dann einige Monate später das berüchtigte Novemberpogrom miterleben. Sein Vater verlor seine Arbeit und die Familie ihre Wohnung. Im September 1942 wurde Leo aus Wien mit seinen Eltern in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nach zwei Jahren wurden er und sein Vater in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, seine Mutter blieb in Theresienstadt zurück. Im Jänner 1945 wurde Leo auf einen Todesmarsch geschickt, konnte jedoch überleben. Er wurde durch die sowjetische Armee befreit und konnte anschließend seine Mutter wiederfinden. 1949 wanderten sie nach Israel aus, wo Leo bis heute lebt.

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Leo Lusters Eltern lernten sich in Wien kennen. Beide erlebten Wien noch zu einer Zeit, als es die Hauptstadt der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war. Damals lebten über 175.000 Juden in Wien. Über die Geschichte der Juden in der Österreichisch-Ungarischen Monrchie kannst du hier lesen.

Moshe Luster und seine Frau Golda lernten sich bereits in der Ersten Republik in Wien kennen. Leo, der 1927 auf die Welt kam, wuchs im 2. Bezirk (Leopoldstadt) in Wien auf, in dem damals traditionell viele Juden wohnten.

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Leo erzählt im Film, dass er sich noch gut an den Rücktritt des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg erinnere, da sein Vater erklärte, dass nun ihr Unglück beginnen würde. Der damalige österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg hielt am 11.3.1938 anlässlich des Anschlusses eine Rundfunkansprache, in der er seinen Rücktritt erklärte. Hier klicken, um das Original-Tondokument zu hören.

Mit dem Anschluss an Nazi-Deutschland begann sich die Lebenssituation der österreichischen Juden dramatisch zu verschlechtern. Die folgenden Archivaufnahmen dokumentieren dieses Ereignis.

Leos Vater, Moshe Luster, verlor seine Arbeit als Textilwarenhändler, und während des Novemberpogroms („Reichskristallnacht“) wurde er wie Tausende anderer Juden inhaftiert und misshandelt.

Mehr Informationen zu diesen von den Nationalsozialisten durchgeführten Zwangsenteignungen und "Arisierungen" findest du auf dieser Seite des deutschen historischen Museums in Berlin.

Nach seiner Freilassung versuchte Moshe Luster wie viele andere Juden aus Österreich hinauszukommen und musste sich dafür beim Rothschild Palais anstellen, in dem sich die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ unter Adolf Eichmann befand. Mehr dazu kannst du hier lesen.

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Am 24. September 1942 wurde Leo zusammen mit seinen Eltern in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Zwei Jahre später wurde er mit seinem Vater in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er seinen Vater auch zum letzten Mal sah.

Von dort deportierte man ihn drei Wochen später nach Gleiwitz, einem Nebenlager des KZ Auschwitz-Birkenau. Eine Liste der Nebenlager, Informationen und Fotos findest du hier.

Am 18. Jänner 1945 wurde er auf einen der berüchtigten Todesmärsche geschickt, bei dem viele Häftlinge misshandelt und ermordet wurden. Man erreichte schließlich das Lager Blechhammer, ein weiteres Nebenlager des KZ Auschwitz Birkenau. Hier wurde Leo später durch die sowjetische Rote Armee befreit.

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Nachdem der Krieg vorbei war, suchte Leo nach seiner Mutter und fand sie schließlich in Theresienstadt. Zusammen lebten sie einige Zeit in einen DP Camp in Deggendorf, Bayern, in dem staatenlose jüdische Flüchtlinge eine Zuflucht und Arbeit fanden. Dort arbeitete für den Joint (JDC), eine amerikanisch-jüdische Hilfsorganisation.

Im Juli 1949 wanderte Leo gemeinsam mit seiner Mutter nach Israel aus. Dort arbeitete er später für die Hilfsorganisation Malben, welche ebenfalls zum JDC gehört.

In Israel lernte er auch seine spätere Frau Shoshana Riesenberg kenn, deren Familie aus Galizien stammte. 1955 heirateten Leo und Shoshana und bekamen zwei Kinder.

Laut Leo Luster begann sich die Einstellung der israelischen Gesellschaft gegenüber europäisch-jüdischen Holocaustüberlebenden erst mit dem 1961 beginnenden Eichmann-Prozess in Jerusalem zu bessern.  Während jene Juden, die bereits vor dem Holocaust in Palästina wohnhaft waren, vor dem Eichmann-Prozess noch
befanden, dass die europäischen Juden sich wehrlos „zur Schlachtbank“ bringen ließen, begannen sie nun, durch die Erkenntnisse des weit publizierten Eichmann-Prozesses, das Schicksal der europäischen Juden während des 2. Weltkriegs besser zu verstehen.

Nach seiner Anstellung bei Malben wurde Leo Luster für die Österreichische Botschaft in Tel Aviv tätig. 1992 wurde er für seine Verdienste mit einer Auszeichnung der Republik Österreich geehrt.

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Wie Leo Luster seine Rückkehr nach Wien erlebte, kannst du hier lesen.

Fotografien zu Leo Lusters Familie findest du hier.

Filmdetails

  • Land:
    Österreich, Israel

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